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Angstwein

angstweinEs gibt tatsächlich regelrechten Angstwein. Jeder Weintrinker kennt dies. Man hat eine Flasche Wein erworben, lange eingelagert, geschenkt bekommen oder einfach nur noch so herumliegen. Dann fragt man sich: Kann man den noch, oder überhaupt trinken? Mit solch einem Angstwein hatte ich es vor einigen Tagen zu tun. Die Geschichte sei im folgenden schnell erzählt.

Ich kaufte mir also diesen Chardonnay von Fetzer aus einem Angebot bei einem Weinhändler. Im Prospekt war der aktuelle Jahrgang des Weins abgebildet, also 2008. So überprüfte ich beim Kauf des Chardonnays gar nicht den tatsächlichen Jahrgang. Auf der Rechnung stand dann auch 2008 und so tippelte ich unwissend in meinem Gepäck mit einem Angstwein nach Hause. Als ich Tage später meinen Einkauf besah, fiel mir auf, dass dieser Wein von Fetzer den Jahrgang 2005 trägt.

Ein banges Rätzelraten folgte. Ist er noch genießbar? Soll ich den Wein zurückbringen und umtauschen? Soll ich ihn erst probieren und wenn er nicht mehr in Ordnung ist, beim Händler wieder abgeben und um Ersatz bitten? Da ich in dem Laden eigentlich sehr ungern einkaufe und die Kulanz sowie Bereitschaft bei berechtigter Reklamation Ersatz zu leisten dort als sehr gering einschätze, habe ich mich zum Öffnen der Flasche entschlossen. Und siehe da: Dieser Angstwein ist noch topfit.

fetzer chardonnaySicherlich sind leichte Reifetöne zu erkennen. Bei einem vollen, ja fast schon fetten Übersee-Chardonnay ist das aber gar nicht negativ. Nun kann man sich sicherlich über die Prognose für einen solchen Wein streiten. Ich halte eine geringe Sorge in einem solchen Fall doch zumindest für berechtigt. Es gibt zwar auch Eisweine aus Chardonnay mit erheblicher Lagerlange, die Mehrzahl der Weine aus dieser Rebsorte sind jedoch kaum mehr als zwei Jahre nach Füllung noch zu gebrauchen. Ich bin jetzt jedenfalls eine Sorge und gleichzeitig einen Angstwein los: Die Flasche Valley Oaks Chardonnay von Fetzer ist nun leer.


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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Angstwein

 

4 Kommentare zu “Angstwein”


  1. Wolf
    Donnerstag, 24. September 2009 14:58
    1

    Das kenn ich auch aus dem eigenen Keller. Da liegt ein Wein seit drei Jahren im Fach für die Weine, die man dieses Jahr eigentlich trinken will und man macht trotzdem einen Bogen drum…


  2. weinverkostungen.de
    Donnerstag, 24. September 2009 21:34
    2

    @Wolf

    da muss man einfach einmal ran. und evtl findet man dann schätze, bei denen man sich ärgert, dass man sie nicht mehr nachkaufen kann.


  3. Patrick
    Donnerstag, 24. September 2009 23:43
    3

    Der hatte ja auch einen Schraubverschluss 😉 allerdings wurde an der Dichtung gespart (ca. 1 cent)…


  4. weinverkostungen.de
    Freitag, 25. September 2009 00:10
    4

    @Patrick:
    Vollkommen richtig erkannt. Ich finde so etwas immer wieder enttäuschend. Dieser verwendete Schraubverschuss ist qualitativ auf dem Niveau wie die schlechten von früher. Er verspricht aber durch die herunter gezogene Kappe hochwertig und gut zu sein. Hier wird aus meiner Sicht der Käufer getäuscht. Ich ärgere mich jedesmal, wenn ich so etwas sehe. Dem konkreten Wein hatte es aber trotz des Alters nicht geschadet.