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Villa Antinori aus der Toskana

Samstag, 10. März 2018

villa antinoriDer Villa Antinori aus dem gleichnamigen Haus ist ein absoluter Klassiker. Und dies seit Jahrzehnten. Im Jahre 1928 wurde der erste Jahrgang dieses Rotweins erzeugt. Im Wein Villa Antinori werden nur Trauben aus dem eigenen Anbau verwendet. Ganz anders als in einem Weinhaus üblich. Auch die Zusammensetzung dieses Weins ist durchaus interessant. Etwas mehr als zur Hälfte besteht er aus Sangiovese. In einem Chianti Classico sind deutlich mehr vorgeschrieben. Dort sollen es mindestend 80 Prozent sein.

Die Rebsorte Sangiovese ist mit all ihren Spielarten ein Sinnbild für den Weinbau in der Toskana. Beim Villa Antinori kommen noch Cabernet Sauvignon, Merlot und ein kleiner Anteil an Syrah hinzu. Das ist in solch einer Zusammensetzung eher selten. Das Weingut Volpaia erzeugt z.B. großartige Rotweine in der Toskana mit Syrah. Bei denen hat mich immer erstaunt, wie stark auch ein kleiner Anteil dann geschmacklich im Wein nachzuvollziehen ist. Also auf zur Verkostung.

Villa Antinori verkostet

Der Rotwein ist dunkel und dicht mit violettem Rand im Glas. In der Nase wirkt der Villa Antinori erst etwas verschlossen bis dünn mit einer Himbeere. Doch lass den Wein mal an die Luft. Er braucht das durchaus. Dann hat man in der Nase einer runde, reife und sehr harmonische Kirschfrucht. In der zweiten Nase ist eine reife Brombeere mit Sahnekakao und dezenten Röstnoten. Etwas Minze ist im Hintergrund Doch die schwarze reife Kirsche überragt alles ohne dabei plump zu wirken. Der Gaumen ist rund und weich. Dieser Rotwein ist harmonisch durch und durch. Die Mischung der Rebsorten ist sehr gekonnt und hat sich ausgezahlt.

toskana villa antinoriIch hatte erst etwas Befürchtungen diesen Villa Antinori so früh zu öffnen. Aber dies ohne Grund. Den Jahrgang 2014 kann man jetzt schon trinken. Und der Anspruch ist bei dem diesem Wein recht hoch. Da ist zum einen der Preis. Zum zweiten die starke Marke. Und zum dritten eine lange und ruhmvolle Geschichte. Manche Erzeuger ruhen sich auf so etwas aus. Doch hier ist es ganz anders. Der Wein macht so richtig Spaß. Großes Kompliment in die Toskana an das wirklich großartige Weinhaus Antinori. Hier wird einem Klassiker alle Ehre erwiesen.

Vigneti Le Monde Pinot Bianco

Sonntag, 18. Februar 2018

Le Monde Pinot BiancoJetzt gibt es einen Pinot Bianco von Le Monde. Das Friaul ist in der Welt bekannt für seine Weißweine. Aus meiner Sicht kommen viele der besten italienischen Weine dieser Kategorie aus dieser Region. Besonders bezaubern häufig die Rebsorten Pinot Bianco und Pinot Grigio. Um dies genauer unter die Lupe zu nehmen, habe ich mir mal das Weingut Le Monde ausgesucht. Dieser Weißwein hat zudem Drei Gläser im Gambero Rosso bekommen. Dabei handelt es sich sehr häufig um ein zuverlässiges Indiz für Qualität.

Der Pinot Bianco von Le Monde zeigt sich in einem kräftigen Strohgelb im Glas. Das sieht schon fast golden aus. Hierbei fällt auf, dass dies eigentlich für einen trockenen Weißburgunder etwas untypisch ist. In der Nase ist ein voller Fruchtkorb. Da ist recht zentral und duftig ein reifer Weißer Pfirsich mit Pink Grapefruit im Hintergrund. Weinig später zeigt sich feiner Schmelz ist am Gaumen. Zudem bringt der Wein sehr viel Frische mit. Ich tippe auch aufgrund der Opulenz dieses Pinot Bianco auf sehr reife Trauben. Der Nachhall ist recht lang. Ein hervorragender Wein. Deswegen gehen aus meiner Sicht die Drei Gläser des Gambero Rosso voll in Ordnung.

Le Monde Pinot Bianco
Italien – Friaul
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2016
Preis: 9 Euro
Verschluss: Presskorken
EAN 8034013470019

Chateau Mouton Rothschild: Wie ein Traum entsteht

Freitag, 3. November 2017

chateau mouton rothschildBei Ikonen wie dem Chateau Mouton Rothschild denkt man leicht: Made in Heaven. Doch es ist natürlich anders. Die Reben wachsen auf dem Boden. Um mich davon zu überzeugen bin ich mit dem Boot nach Pauillac gefahren und habe bei der Ernte mitgeholfen. Sicherlich ist dies nur ein kleiner Schritt in der Entstehung eines Traums in der Flasche.

trauben mouton rothschildVor der Erne ist sicherlich viel im Weinberg passiert. Die Rebstöcke sehen sehr gepflegt aus. In der Parzelle – für die ich eingeteilt bin – wurden die Reben in den 1950er Jahren gepflanzt. Dies ist ein typisches Alter der Rebstöcke vom Chateau Mouton Rothschild. Man könnte also ohne weiteres auch noch Alte Reben auf das Etikett der Weine schreiben. Darauf verzichtet man natürlich.

Meine zu erntenden Trauben bestehen aus der Rebsorte Cabernet Sauvignon. Dies ist ja auch der Hauptbestandteil des Mouton Rothschilds. Die Lese findet in einem Durchgang statt. Jedoch ist dies immer zum optimalen Zeitpunkt. Da müssen die Erntehelfer schon einmal auf ihren Einsatz warten. Dieses Jahr ist die Lese etwa zwei Wochen früher als gewöhnlich.

Weinernte bei Mouton Rothschild

An den Rebstöcken hängen recht viele sehr kleine Trauben in perfektem Reifezustand. Botrytis oder unreife Trauben sind sehr selten zu sehen. Was den Ertrag betrifft, haben die Spätfröste dieses Jahres um Pauillac glücklicher Weise einen Bogen gemacht. In anderen Bereichen von Bordeaux waren sie verheerend. Die Erntemenge in Frankreich ist im Jahrgang 2017 auf einem extremen Tiefstand.

ernte mouton rothschildBei Mouton Rothschild wird immer die ganze Traube geerntet. Eine Selektion findet in der nah gelegenen Kelterhalle statt. Der Transport dahin passiert in kleinen Kunststoffkisten. In diese passen ca. 10 kg Trauben. Der Vorteil dieser Kisten liegt auf der Hand: Keine Traube wird beschädigt. Die Entlohnung der professionellen Erntehelfer hängt auch von der Anzahl der geernteten Kisten ab. An der neu gebauten Kelterhalle treffen ständig neue Trauben ein. Bei der Selektion habe ich leider nicht zusehen dürfen. Nur so viel: Es wird sortiert nach Abschnitt, Trauben für den Zweitwein Petit Mouton und für den Erstwein Chateau Mouton Rothschild.

chateau mouton rothschild keller Anlieferung an die Kelterhalle

fass chateau mouton rothschild Gärtanks vom Chateau Mouton Rothschild

wein chateau mouton rothschild Saftiger Cabernet Sauvignon

Pressung und Ausbau

Die Rebsorten werden hierbei natürlich nicht gemischt. Nach der Pressung geht es in die Gärtanks. Der langsame Ausbau des Mouton Rothschild passiert dann in neuen Barriquefässern. Erst später findest ein Blending statt. Der große Keller ist recht bekannt. In ihm hat ein ganzer Jahrgang Platz. Jetzt ist er allerdings wegen der neuen Ernte recht geräumt.

keller chateau mouton rothschild Fasskeller vom Chateau

cuvee mouton rothschild Blending der Grundweine

boden paulliac moutonIn Pauillac bewirtschaftet das Chateau Mouton Rothschild 90 Hektar Weinberge. Die hier erzeugten Trauben kommen dann in den Erst- und Zweitwein mit dem Namen Petit Mouton. Dabei gibt es keine vorherige Festlegung welcher Bereich für welchen Wein geeigneter ist. Der leicht hüglige Boden vom Chateau Mouton Rothschild scheint auch recht homogen zu sein. Der Boden am linken Ufer (der Garonne) unterscheidet sich jedoch deutlich vom rechten Ufer. Besonders Pauillac ist von einer ca. 20 Meter tiefgründigenen Schicht von runden Steinen geprägt. Dies ist ehemaliges Flussgestein.

Weiter geht es in die Ausstellung vom Chateau Mouton Rothschild. Hier gibt es auch eine Übersicht über die Etiketten. Das 1945er Weinetikett macht den Anfang von variierenden Motiven, die dann recht bald von Künstlern gestaltet wurden. 1945 war gerade auch vor dem Hintergrund der Familiengeschichte der Rothschild ein Einschnitt. Nicht nur wegen des V als Symbol für den Sieg über die Nazis gilt der Wein als Legende und erzielt auf Versteigerungen Preise im Bereich der höheren Tausend Euro pro Flasche.

Künstleretiketten und Kunstsammlung vom Chateau Mouton Rothschild

In der Ausstellung gibt es zudem alle Künstleretiketten in den Originalen zu besichtigen. Mit dabei sind Salvador Dali (1958), Joan Miro (1969), Marc Chagall (1970), Wassily Kandinsky (1971), Pablo Picasso (1973), Andy Warhol (1975), Georg Baselitz (1989), Jeff Koons (2010) und vielen weitere. Mir persönlich hat besonders das Etikett von Marc Chagall gefallen. Das Blau kommt in diesem originalen Bild fantastisch strahlend zur Geltung. Hier kann man die Künstleretiketten betrachten.

mouton rothschild v 1945
Das berühmte Etikett von 1945

tanzende mouton rothschild
Überall Figuren und Schafsköpfe

Das Kunstmuseum von den Rothschild ist ebenso sehr sehenswert. Darin stammt das älteste Exponat aus dem 9. Jahrhundert. Mich beeindruckten die tanzenden Figuren, wie z.B. eine aus dem 16. Jahrhundert. Dies waren die Vorlagen für die Weine von Chateau Clerc Millon und Chateau d’Armailhac (beide stammen jedoch geanauso wie der Mouton Cadet aus komplett getrennter Produktion). Fotografieren ist in dem Museum aber leider verboten. So muss man eben selbst hinfahren um die fantastischen Exponate bestaunen zu können.

Weinhaus Heger feiert 30 Jahre

Donnerstag, 5. Oktober 2017

weinhaus heger vitusHeute ist es fast schon selbstverständlich. Viele Inhaber von VDP-Weingütern betreiben zudem ein Weinhaus. Vor 30 Jahren war so etwas neu. Die damals jungen Silvia und Joachim Heger hatten automatisch mit einiger Kritik zu leben. Bei unserem französischen Nachbarn ist dies in vielen Weinregionen allerdings ganz normal.

Der doppelte Heger oder was?

Drehen wir die Geschichte zurück. 1986 entstand die Idee zum Weinhaus. Joachim Heger kehrte von seinem Studium in Geisenheim auf das elterliche Weingut zurück. Und gleich zu Beginn war klar, dass die Weinqualitäten sauber getrennt werden. Das Weingut Dr. Heger erzeugt hauptsächlich Große Gewächse und Weine aus Ersten Lagen. Daneben gibt es noch wenige Spezialitäten ohne VDP-Klassifikation. Jedoch gibt es vom hier weder Orts- noch Gutsweine.

Das Weinhaus Heger hingegen ist für alltägliche Weine da. In den drei Linien Oktav, Sonett und Vitus werden hier Rebsortenweine erzeugt. Die Linie Sonett findet man hierzulande häufig im Fachhandel. Vitus erinnert an einen Vorfahren der Familie, der in den 1930er Jahren ausgewandert ist. Die Weine des Weinhauses Heger stammen zu Teil aus eigenem Anbau (z.B. aus Junganlagen, die für Große Gewächse noch nicht geeignet sind). Jedoch kommt ein großer Teil von Partnerwinzern. Im Weinhaus Heger werden inzwischen Trauben aus 60 Hektar am Kaiserstuhl und am Tuniberg verarbeitet.

Unvergesslicher erster Kontakt

Mein Erstkontakt mit den Weinen von Heger ist schon ewig her. Damals hatte ich ein Grauburgunder aus Ihringen von Dr. Heger im Glas. Soweit ich mich erinnere hatte er noch die nicht mehr verwendete Zusatzbezeichnung Dreistern. Den gab es zu Hummer und als zweiten Wein einen Meursault. Die beiden Weine passten ausgezeichnet zum Essen und spielten in der selben Liga. Dabei kostete der Grauburgunder damals die Hälfte des Weins aus dem Burgund. Aber das ist auch schon über 10 Jahre her und die Relationen haben sich auch hier etwas angeglichen.

heger vitus grauburgunderNun habe ich den Vitus Grauburgunder von Weinhaus Heger im Glas. Hier zeigt er sich in einem vollen Strohgelb mit etwas grünen Reflexen. Die Nase ist von reifer fast schon süßlich duftender Birne geprägt. Neben einer Honigmelone bemerkt man in der zweiten Nase helle Blüten. Ein gut eingebundener Vanilleton verrät hier schon den Ausbau in französischem Holz. An den Gaumen bringt dieser Grauburgunder eine samtige Breite mit feinem Schmelz. Im Nachhall rundet eine beschwingte Karamellnote ab.

Am Gaumen zeigt sich dieser Grauburgunder voll und ganz als Barriquewein. Zugleich erschlägt das Holz nicht. Auch wenn die Säurewerte nicht so sehr hoch erscheinen, ist dieser Grauburgunder recht frisch. Gerade auch das Fehlen von – sonst recht häufig bei Weinen dieser Rebsorte aus Baden auftretenden – buttrigen Noten verschafft diesem Wein ein internationales Format. Zum Auswanderer Vitus Severin Heger passt das ganz gut. Preis pro 0,75-L-Flasche ab Weingut 13,60 Euro.

Vinexpo 2017 in Bordeaux: Was bleibt?

Montag, 10. Juli 2017

2017 vinexpo bordeauxIch bin jetzt schon einige Tage von der Vinexpo in Bordeaux zurück in Deutschland. Nach so einer Messe wird man immer gefragt: Was war das Beste dort? Man stellt sich diese Frage auch gerne selber. Mich haben mehrere Dinge sehr erfreut. Da sind viele neue Ideen auf der Vinexpo. Und was mich wirklich begeistert hat, war die sehr freundliche Atmosphäre auf dieser Weinfachmesse. Das betrifft viele andere Besucher, natürlich die Aussteller und die Mitarbeiter der Messe. Ich empfand dies sogar noch als eine Steigerung zu der letzten Vinexpo in Bordeaux im Jahr 2015.

vinexpo wlanUnd die Vinexpo erfindet sich jedes Mal selbst neu. Im Gegensatz zu 2015 gab es dieses Mal keinen Bloggerspace. Aber es gab viele andere gute Zugriffsmöglichkeiten ins Internet. Und so habe ich meinen täglichen Bericht in den vergangenen Tagen auch immer direkt von der Messe in Bordeaux schreiben können. Es gab auch WLAN und Handylandestationen für alle. Und der Handyempfang war immer gewährleistet. Das ist auch keine Selbstverständlichkeit bei Großveranstaltungen.

vinexpo daily instagramDie Vinexpo hat viele Eigenheiten, die ich nicht missen möchte. Eines ist die tägliche Messezeitung. Ich habe da immer reingeschaut und fand es schön etwas Verbindendes mit den anderen Besuchern zu haben. Früher sagte man ja einmal, daß etwas nur wirklich passiert ist, wenn es in der Zeitung gestanden hat. Klar, wir sind nicht mehr in den 1950ern oder 1980ern. Damals stimmte das noch irgendwie. Heute findet man diese Verbindung auch häufig auf Plattformen wie instagram.

vinexpo a taste of spainDiese Weinfachmesse bietet häufig zentrale Ereignisse mit einem hohen Glamourfaktor. So wie die Zeitung bringt sie berichtenswerte Schlüsselmomente. Da ist das Thema Gastland zu nennen. Auch die Abendveranstaltung „A taste of Spain“ muss man in diesem Zusammenhang erwähnen. Ebenso war der #Rieslingday auf der Vinexpo ein Hochgenuss. Ebenso ist die Challenge mit Jon Arvid Rosengren ein Fixpunkt.

vinexpo veuveMich hat persönlich sehr gefreut, dass LVMH wieder mit einem großen Stand zurück auf der Vinexpo vertreten war. Am liebsten hätte ich mich gleich nach Überquerung der Pontonbrücke in einen Liegestuhl gesetzt und angefangen mich mit dem Champagner zu vergnügen. Okay, dann wären meine Berichte nicht oder ganz deutlich anders geschrieben worden. So lockten mich die kühlen Messehallen. Und dies war bei etwas hoher Außentemperatur eine echte Leistung der Vinexpo.

vinexpo riesling nightNicht nur die Champagne präsentiert sich gerne und umfangreich auf der Vinexpo. Ich finde es immer erstaunlich wie viele Inhaber, Kellermeister und Repräsentantinnen der bedeutenden Häuser und auch der kleineren Erzeuger auf der Messe sind. Das macht dieses Event einzigartig in der Welt. Zugleich mag jeden Leser dieses Blogs auffallen, dass ich kaum über französische Weine geschrieben habe. Eher über Spanien und deutschen Riesling.

vinexpo night spainDas hat einen ganz einfachen Grund. Die Vinexpo ist eine sehr internationale Messe. Die neuen Aussteller dieser Ausgabe in Bordeaux kamen mehrheitlich nicht aus Frankreich. Es waren wie immer sehr viele Asiaten auf der Vinexpo. Aus den USA auch recht auffällig viele Besucher. Man merkt das immer an der Aussprache. Somit ist das neue Projekt Vinexpo New York wahrscheinlich durchaus berechtigt. Dann gab es noch viele Spanier (klar als Gastland) und Italiener in Bordeaux. In beiden Ländern gibt es aus meiner Sicht eher Exportmessen oder Messen für Inländer, aber keine internationalen Weinfachmessen.

vinexpo 2017 marktplatzVor der Vinexpo wurde angekündigt die Messe nutzvoller zu gestalten. Das merkte man auch an vielen kleineren Dingen. So gab es ein kleines Heft mit dem Titel „Kit de Survie – Informations pratiques“. Besonders für Messeneulinge waren die sehr übersichtlichen Informationen darin hilfreich. Aber auch ein Marktplatz mit sehr kleinen Messeständen war eine Bereicherung. Hier ging es richtig rund.

2017 vinexpo brexitDas Programm der Vinexpo-Academy war sehr umfangreich. Neben einer sehr prominent besetzten Konferenz zum Thema Brexit gab es zahlreiche Veranstaltungen mit geführter Degustation. Diese waren auch sehr gut besucht. Die deutsche Veranstaltung am RieslingDay war dermaßen überlaufen, dass es für mich als sehr gutes Signal für deutsche Weine in der Welt gilt.

Einiges war anders auf dieser Messe in Bordeaux gegenüber den Vorjahren. Die Sicherheitsbestimmungen waren deutlich schärfer. Das war schon fast wie am Flughafen: Taschenkontrolle und Leibesvisitation. Dass ich bei dem Zweitem zu einer hübschen Französin gegangen bin, hat durchaus bei den Anderen von der Security zur Erheiterung geführt. Klar ging das natürlich nicht. Aber man darf sich seinen Spaß niemals kaputt machen lassen. Gerade wenn er nicht auf Kosten anderer Menschen läuft.

Andererseits verstehe ich schon die Situation in Frankreich. Und solche Sicherheitskontrollen sind auch eine Rückgewinnung von Sicherheit. Nicht nur wirklich, aber besonders in den Köpfen. So wie die Bedrohung durch den Terror real und mathematisch kühl berechnet nicht besonders groß ist. Doch die Kontrollen wirkten sich entspannend auf die Messe aus. Und man versteht in solchen Momenten erst was sich bei unserem befreundeten Nachbarn im vergangenen Jahr geändert hat.

Nun, so will ich diesen Artikel nicht enden lassen. Wein ist Spaß im Glas. Das gab es umfangreich in Bordeaux. Ich habe allerdings nur bei einem Abendessen in der „Brasserie Brodelaise“ einen Wein aus dieser Region getrunken. Es war ein 2006er Margaux vom Chateau du Tertre. Der schien mir auf den Punkt jetzt gut gereift zu sein. Und auch das macht die Vinexpo attraktiv. Hier stimmt die gastronomische Infrastruktur.

vinexpo cite du vinAuch der Verkehr ist perfekt organisiert. Die Taktung der Tram und einiger Busse in Bordeaux ist so hoch, dass man nicht mehr auf den Fahrplan schauen muss. Hier macht sich ein ohnehin sehr gutes und umfangreiches öffentliches Verkehrssystem der Stadt für die Weinfachmesse sehr positiv bemerkbar. Das weit verbreitete System der Leihfahrräder habe ich allerdings nicht ganz verstanden. Aber 2019 gibt es ja wieder eine Vinexpo in Bordeaux.

Das schreibt ein Blogger-Kollege.

Weinrallye #111 Wein und Geschichten: Agly Bio

Sonntag, 2. Juli 2017

domaine agly bioDiese Runde der Weinrallye mit dem Thema Weingeschichte(n) wurde von Anja Kircher ausgerufen (leider nicht mehr online). Wie man so häufig sagt, liegen die besten Geschichten auf der Straße. Und eine solche führt mich bei dieser Rallye auf der D117 durch das Agly-Tal zwischen Saint-Paul-de-Fenouillet und Perpignan. Das ist natürlich in Frankreich in der Weinregion Roussillon. Wie so häufig ist das Weintal nach einem Fluss benannt. Der Agly entspringt im Corbieres, schlängelt sich durch das östliche Ende der Pyrenäen um dann ins Mittelmeer zu münden.

Wie der Name des nun zu verkostenden Rotweins schon sagt, ist dieser auch als Bio zertifiziert. Ein großer Teil der Produktion von Biowein ist in Frankreich im Languedoc und in Roussillon beheimatet. Das ist nicht nur eine Frage von Überzeugungen. Der Weinbau für biologische Trauben ist fast nirgendwo auf der Erde so einfach wie in Südfrankreich. Hier bestehen dafür ideale klimatische Bedingungen.

agly bio vignerons catalansDas Agly-Tal ist von drei Gesteinsorten geprägt. Zum einen ist es bekannt für sehr reine Kreide. Diese wird noch immer in Steinbrüchen abgebaut. Zum zweiten gibt es hier Schiefer und Sandstein. Der Rotwein Agly Bio besteht aus den für das Roussillon typischen Rebesorten Syrah und Grenache. Er ist zudem als Reserve gekennzeichnet, was auf einen Holzausbau hinweisen müsste. Als 2016er kann der aber nicht sehr lange gewesen sein.

Ugly Bio oder Agly Bio?

Der Agly Bio stammt von den Vignerons Catalanes. Ich hatte schon einmal versucht einen Überblick über deren Sortiment zu gelangen. Das ist kaum möglich. Hier herrscht eine bunte Vielfallt und nicht mal deren Internetseite listet alle Weine auf. Die Genossenschaft Vignerons Catalanes wurde 1964 gegründet. Für meinen Geschmack sind die jetzt schon etwas groß geworden. Aber inzwischen gibt es gerade in Frankreich viele mengenmäßig große Erzeuger mit zum Teil hervorragenden Weinen in der Flasche.

agly bio roussillonDoch nun zu dem Wein selber. Der Agly Bio Reserve aus dem Jahr 2016 zeigt sich in einem leuchtenden Rubinrot mit violettem Rand im Glas. In der Nase sind Himbeeren mit Brombeeren. Etwas eingekocht wirkt Cassis im Hintergrund. Seine 14,5 % riecht man auch etwas. Am Gaumen wirkt dieser Rotwein aus dem Roussillon sehr schön rund und harmonisch mit dezenter Würze. Das Mundgefühl ist weich bei ausgewogener Frucht und Frische, die den Trinkfluss bringt. Der Nachhall ist mittellang. Bei einem Preis von unter 7 Euro bekommt man hier sehr viel Spaß ins Glas. Dieser Rotwein ist zudem noch vegan. Nicht dass ich dem irgendeine Bedeutung zukommen lassen würde. Aber manchen ist so etwas ja wichtig.

Agly Bio und Ugly Unbio – Wo ist die Geschichte?

Nun kann man sich zurecht fragen, wo hier die Geschichte für die Weinrallye ist. Mir geht es um Weinbaugeschichte. Vor 150 Jahren war fast alles in der Landwirschaft Bio. Das Aufkommen des Begriffs Naturwein in Deutschland vor ca. 100 Jahren verweist auf erstmals kritisch betrachtete Techniken im Wein. Man kann diese Technikkritik mit dem Ende der Belle Epoque zusammen treffen sehen. Der Untergang der Titanic spielt hier sicherlich auch eine Rolle. Es geht um das Ende einer zuvor nur positiv gedachten Naturbeherschung durch menschliche Technik.

Die Naturnachbildungen in den Stahlgerüsten der Belle Epoque verspachen eine wiederspruchsfreie gute Zukunft. Jedoch dauerte es Jahrzehnte bis sich der erste Bruch dieser Vorstellung in einen Gedanken von biologischer Erzeugung von Lebensmitteln und Wein übersetzte. Für Deutschland kann man hierfür die 1980er Jahre als bedeutend ansehen. Und heute? Das Segment Biowein wächst weiter. Man könnte dieses Wachstum interpolieren und für die nahe Zukunft voraussagen, dass es nur noch Biowein geben wird. Ich denke eher, dass dieser Bereich sich einem Zielwert nähert.

Schöne Fotos aus dem Agly-Tal gibt es übrigens in diesem Blog.

Domaine Agly Bio Reserve
Frankreich – Cotes du Roussillon Villages AOP
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14,5 %
Jahrgang: 2016
Preis: 6,80 Euro
Verschluss: Presskorken
EAN 3233960056733