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Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei CaparzoHeute machen wir einen kleinen Ausflug nach Montalcino. Der Ort steht für einen den nobelsten Weine aus der Toskana. Hier wächst die Rebsorte Sangiovese Grosso für den Brunello. Für eine Probe aktueller und historischer Weine besuchen wir das Weingut Caparzo nördlich von Montalcino. Es gehört zu den angesehensten und mit knapp 90 Hektar bewirtschafteter Rebfläche zu den größeren Erzeugern des Brunello di Montalcino.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Die Geschichte von Caparzo sei schnell erzählt. Das Weingut wurde Mitte der 1960er Jahre von mehreren Freunden aus Mailand erworben. Mit dem Jahrgang 1970 erzeugte man dann den ersten Brunello. Aus dieser Zeit liegen sogar noch einige Flaschen im Keller von Caparzo. 1998 übernahm Elisabetta Gnudi Angelini das Weingut (Bild oben mitte). Für den Keller ist der Önologe Massimo Bracalente zuständig (Bild oben links).

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
In unserer Probe auf dem Weingut Caparzo gibt es vier Jahrgänge des Brunello die Montalcino. Dabei handelt es sich um die historisch gut bis sehr gut bewerteten 1993,1999 (jeweils 4 Sterne), 2004 und 2006 (jeweils 5 Sterne). In der Probe sind jeweils zwei Brunello von Caparzo aus den selben Jahr. In Montalcino erzeugt jedes Weingut zumindest zwei Rotweine im Jahr. Da hat man den Brunello und einen jünger vermarkteten Rosso di Montalcino. Ich persönlich mag den Rosso eigentlich häufig sehr gerne. Auch der von Caparzo ist sehr empfehlenswert. Hier ist die Frucht wesentlich frischer präsent.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Zugleich erzeugen einige Weingüter in Montalcino neben dem Gängigen noch einen weiteren Brunello, der dann (als Selezione bezeichnet) einen Zusatznamen trägt und höherpreisiger angelegt ist. Bei Caparzo ist dies der Brunello La Casa. Er wird nur in den besten Jahren abgefüllt. Der Brunello La Casa besteht aus einer südlich exponierten Einzellage in der Nähe von Monalcino. In ihm werdem die besten Trauben aus der Lage La Casa selektiert. Eigentlich wird Brunello in großen Fässern ausgebaut. Die auf bis zu 12.000 Flaschen limitierten Rotweine aus La Casa reifen jedoch den kleineren Barique-Fässern. Der Brunello La Casa wurde erstmals im Jahrgang 1977 auf den Markt gebracht.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Eine Vermutung, die sich in dieser Probe bestätigt: Brunello sollte dann getrunken werden, wenn er auf den Markt kommt. Aus meiner Sicht präsentieren sich die beiden Brunello aus 2004 und 2006 wesentlich besser, da hier frische feinfruchtige bis volle Kirschfrüchte in der Nase präsent sind. Der La Casa ist jeweils voller und dichter. Jedoch zeigen die kleineren Fässer auch ihre Wirkung, da hier – vor allem bei dem 2006er – Caramel deutlich zu reichen ist. Nicht ganz unzufällig habe ich den Brunello von Caparzo aus diesem Jahr hier besser bewertet als den La Casa hier (preislich ist das Verhältnis jedoch umgedreht).

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Wirklich gereifter Brunello ist jedoch aus meiner Sicht eine Geschmackssache. Die beiden aus 1993 zeigen dies. Der Brunello hat einen gealterten Geruch mit Leder und Schwarzer Johannisbeere in der 2. Nase. Bei La Casa zeigen sich vor allem Röstaromen. Viel besser sind die beiden Brunello von Caparzo aus 1999 noch in Schuss. So hat dieser Brunello zwar auch eine sehr gereifte Nase. Die gut eingebundene Säure erweckt ihn jedoch am Gaumen sehr schön zum Leben. Der Brunello La Casa aus 1999 hat in der Nase neben der Weinreife eine kräftige Casisnote. Am Gaumen präsentiert sich eine runde Länge.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Besser ist es also den Brunello zu Zeitpunkt der Vermarktung zu trinken. Das sind immerhin fünf Jahre nach der Ernte. Man sollte dabei beachten, dass die Weingüter in Montalcino vom Brunello die jeweils fünffache Menge ihres jährlichen Umsatzes im Keller liegen haben. Entsprechend groß ist auch der Weinkeller von Caparzo. Dort stehen jedoch nicht nur eine Menge Fässer. Auch ältere Jahrgänge des Brunello bewahrt man dort auf.

Caparzo mit Brunello und Rosso di Montalcino

Besonders gerne mag ich auch den Rosso di Montalcino. Erkennbar ist dieser am roten Etikett. Auch in dieser Kategorie wird bei Caparzo ein zweiter Wein erzeugt. Er stammt aus der Lage La Caduta südwestlich von Montalcino. Grundsätzlich hat man in Monalcino eigentlich keine Lagen. Jedenfalls nicht im deutschen Sinn. Jedoch hat der Anbauverband mithilfe eine Analyse durch Sateliten das Gebiet in vier Zonen eingeteilt. Caparzo bewirtschaftet in diesen Zonen die Lagen La Casa, La Caduta, Il Cassero, San Piero Caselle und Caparzo. Sie liegen zwischen 220 und 300 Meter über dem Meeresspiegel. Gerade die Selektion und Mischung dieser einzelnen Lage verleiht den Brunello von Caparzo häufig seine Größe.


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