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Brunello Riserva 2005

Brunello Riserva 2005Eigentlich kann man überlegen, ob man denn überhaupt etwas zu den Brunello di Montalcino Riserva 2005 schreibt. Der Jahrgang ist hinreichend negativ bewertet worden (hier von mir), viele namenhafte Erzeuger machen diesen Wein gar nicht (nur 24 Riserva waren von 143 Erzeugern angestellt) und fast alle Verkoster mit denen ich im Kontakt stand, haben diese Weine bei der Präsentation in Montalcino nicht probieren wollen. Ist da noch ein Fünkchen Hoffnung, dass 2005 doch ganz gut war?

Nein. Selten fällt ein Urteil so eindeutig aus wie hier. Es bringt nichts, nicht optimale Weine noch ein Jahr länger auszubauen. Das ist beim Brunello di Montalcino nicht anders, als auf dem Rest der weiten Weinwelt. Eigentlich ist der Zustand in dem sich die Riserva 2005 präsentieren eine nochmalige Abrechnung mit dem Jahrgang. Bei der Verkostung gab es nur wenige Ausnahmen wie Cupano oder Lisini, die ganz gut waren. Der Kategorie Brunello di Montalcino Riserva 2005 machen aber auch sie keine Ehre.

Man kann sich fragen, wieso diese wenigen Erzeuger einen Brunello Riserva 2005 auf die Flasche gebracht haben. Will man Verfügbarkeit im Handel haben? Gerade bei diesen Weinen fällt ein generelles Manko im Brunello-Vertrieb auf. Die Weine haben – zumindest im Endverbraucherhandel in Deutschland – quasi Flatrate-Preise. Ganz anders als beim Bordeaux – wo man schon bei knapp über 10 Euro jahrgangsabhängige Preise hat (unabhängig ob diese jeweils gerechtfertigt sind; die Diskussion darum ist lang) – will man beim Brunello genau das selbe Geld vom Endverbraucher, egal wie die Qualität ist. Das führt in diesem Fall dazu, dass einige Riserva, die ich nicht mit Freude trinken würde, im Handel für über 50 Euro angeboten werden. Ein System mit Tücken.

Die Verkostungsnotizen bitte ich nur durchzulesen, wenn man starke Nerven hat. Man sollte berücksichtigen, dass sie neben der Verkostung des sehr viel besseren Brunello-Jahrgangs 2006 entstanden und auch ganz erfreuliche Rosso di Montalcino aus 2009 probiert wurden. Und somit kann man raten: Finger weg vom Riserva 2005, kauft euch lieber einen Rosso 2009 (Tipps dazu gibt es morgen); der kostet nur einen Bruchteil und macht wesentlich mehr Spaß.

Barbi
Rubin mit braunem Rand, Pflaumen in der Nase, frische Säure versucht den Wein aufzurichten, es kommt aber nicht viel. 84

Camigliano
Klares Rubin, fruchtige Veilchen in der Nase, zweite Nase wirkt abgestanden, Gaumen wirkt trotz etwas Säure müde. Bleibt dann so. 82

Canalicchio di Sopra
Rubin mit braunem Rand, Nase mit Leder und kirsch-pflaumengemisch, trockener gaumen mit Lakritze, lang. 84

Canneta
Rubin mir leicht violettem Einschlag, Casis in der Nase, trockener Gaumen mit wuchtiger Säure, etwas Muskat im Nachhall. 85

CastelGiocondo
Dunkleres Rubin, in der Nase sind Leder, reife Rote Früchte, die Säure ist kräftig, der Gaumen von Tabak und Leder geprägt, lang. 84

Col d’Orcia
Dunkleres Rubin, Vanille in der Nase, zweite Nase ist rauchig mit etwas Leder, kräftige Säure untermalt von Frucht, gute Länge. 85

Cupano
Dunkleres Rubin, Tabak in der Nasen, süße Kirschen in der zweiten Nase, Säure tritt kräftig auf, marmeladige Frucht am Gaumen, lang. 86

Brunello Riserva 2005
Brunello Riserva 2005

Donatella Cinelli Colombini
Dunkelrubin, Waldfrüchte in der Nase, etwas abgestandener Eindruck in der zweiten Nase mit einem Alkoholstich, kräftige Säure, darunter fehlt eine stützende Frucht, bleibt würzig stehen. 83

Ferrero
Dunkleres Rubin, Caramel in der Nase, trockener Gaumen mit zu früh gereiften Tönen, hält an. 82

Il Poggione
Dunkelrubin, muffige dunkle Schokolade in der ersten Nase, etwas Frucht in der zweiten Nase, aber vor allem Alkohol, mächtiger Säureauftritt, in der sehr langen ähhm… Länge taucht frische Sauerkirsche auf. 84

La Poderina
Leicht trübes Rubin, konzentrierte Kirsche mit Auspuffrohr in der ersten Nase, kaum Säure, gereift bleibt er dezent fruchtig stehen. 83

Lisini
Rubinrot, weicher duft wie bei einer Walnusseiscreme, zweite Nase pointiert Casis, angenehme Kirschfrucht schafft Länge. 85

Marchesato degli Aleramici
Rubin mit orange Rand, Nelken in der Nase, Cognac in der zweiten Nase, kurz angenehme Frucht schlagt um in nervtötendem Muff. 83

Sesti
Rubinrot mit orangenem Rand, vom Holz malträtierte Frucht in der Nase, zweite Nase mit Alkohol, grün und unausgewogen am Gaumen, später einige harmonische Impressionen, macht wenig Spaß. 81

Tenuta Oliveto
Dunkel und trüb im Glas, Schwarzer Tee, Gummireifen und Muff wie bei 30 Jahre altem Wein in der Nase, trocken am Gaumen, Man fühlt sich wie beim Kauen von altem Tabak. Unterirdisch. 76


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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Brunello Riserva 2005

 

2 Kommentare zu “Brunello Riserva 2005”


  1. ChezMatze
    Freitag, 11. März 2011 17:42
    1

    Eine zweite Nase hätt ich manchmal auch gern. Erinnerst Du Dich an Ernie & Bert? Zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasen? Nein, ich weiß natürlich, was Du meinst. Riechen beim Ausatmen, retronasal, oder? Schade, dass der Jahrgang offenbar keine richtig guten Weine zugelassen hat, aber zum Glück ist der Nachfolger ja prächtig geraten, wie’s scheint.

    Viele Grüße, Matze


  2. weinverkostungen.de
    Freitag, 11. März 2011 19:09
    2

    Meinst du das bei Samstag Nacht auf RTLplus? Hieß glaub in Bernie und Ert? Bei beide mit einem Auge. Irgendwie waren diese Weine so wie die Sendung auf RTL verglichen mit einem echten Brunello.

    Naja, 2006 ist wesentlich besser und in finde häufig einige Rosso auch ganz gut.

    Thomas