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ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt

Sonntag, 22. März 2015

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt Die ProWein 2015 war wieder einmal eine Messe der Superlative. Mit insgesamt 52.000 Fachbesuchern hat die Weinmesse erneut zum Vorjahr deutlich zugelegt. Fast die Hälfte der Besucher reisten aus dem Ausland an, was die internationale Rolle der ProWein unterstreicht. Das neue Konzept mit inzwischen 9 Hallen ging sehr gut auf. Dazu trug eine übersichtliche Strukturierung der nach Ländern und Themen bei. Die Stimmung an den Ständen war wie immer positiv. Im Folgenden gibt es ein Logbuch über die persönlichen Erlebnisse von der Messe. Gerade bei der Größe der ProWein kann man da recht unterschiedliche Dinge erleben.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Einer meiner Schwerpunkte auf der ProWein 2015 waren ganz zufällig gereifte Weine. Man sucht ja gerade nach langjährigen Besuchen einer Fachmesse eher nach Themen, mit denen man sich zuvor noch nicht so intensiv beschäftigt hat. Die ProWein wäre sonst ziemlich langweilig. Und auf so einer Messe gibt es einiges was man sonst das ganze Jahr nicht bekommen kann. So ging es mit reifem Lugana los. Die Weine aus dem Veneto sind eine nun schon 10 Jahre anhaltende Mode auf dem deutschen Weinmarkt. Fast alle werden als Spaßweine der gehobenen Klasse jung getrunken und kaum jemand weiß, dass man einige der Trebbioano di Lugana reifen lassen kann. Fabio Contato von gleichnamigen Weingut hatte 6 Lugana zurück bis ins Jahr 1997 in seinem Gepäck mit zur ProWein gebracht. Entstanden sind sie unter Beratung des flying Winemakers Michel Rolland.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die historische Vertikale auf der ProWein 2015 begann mit den noch aktuellen Jahrgang 2011. Den Holzeinsatz schmeckt man bei diesem Lugana recht deutlich mit Vanille. Groß ist dann der Jahrgang 2006 Der Mitgereiste Costantino Garibaldi erläutert auch, dass dieses Jahr als eines der wirklich großen beim Weingut Fabio Contato gilt. Er ist zu 100% im Fass ausgebaut, was man nicht in jedem Jahr macht. Die Nase ist sehr frisch. Eine leichte Manzanilla-Sherrynote wirkt in diesem Lugana sehr positiv. Der nachfolgende 2004er erscheint recht leicht und frisch mit einer spannungsreichen Säure. 2000 gilt ebenso als großes Jahr. Dieser Lugana von Fabio Contato wirkt leicht Restsüß mit präsenter Frucht und schönem Schmelz. Er erscheint keineswegs 15 Jahre alt zu sein. Viele unwissende würden wahrscheinlich so einen Wein nicht mehr öffnen wollen. Auch dieser Lugana wurde zu 100% für 12 Monate im Fass ausgebaut. Wieder was gelernt: Mancher Lugana kann reifen.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt Die zweite Station auf der ProWein war eine Verkostung von 10 Jahren Riesling aus dem Remigiusberg vom Weingut Tesch an der Nahe. Das besondere hierbei ist, dass diese unter Stelvin verschlossen waren. Geleitet wurde die Verkostung von Sebastian Bordthäuser. Doch zuvor erläuterte ein Vertreter von Stelvin die Schwierigkeiten, die man vor 10 Jahren noch mit der Vermarktung dieses Produkts hatte. Viele Weingüter waren damals lediglich bereit ihre Weine im Preiseinstieg mit einem Schrauber zu versehen. Hintergründe sind, dass diese Verschlussart noch einen schlechteren Ruf hatte und bei gehobenen Rieslingen Befürchtungen bestanden das Produkt damit abzuwerten. Zudem gab es zu wenige gesicherte Erkenntnisse wie sich diese Rieslinge verändern. Um so mehr war man erfreut, als Martin Tesch sogar bereit war seine Spitzenweine wie den Remigiusberg mit Stelvin zu verschließen.

ProWein 2015: Tesch zeigt Rieslinge aus der Zeitmaschine

Rückblickend kann man sagen: Der Mut hat sich gelohnt. Teilweise erscheinen die Reislinge so, als kämen sie aus einer Zeitmaschine. Das heißt sie erscheinen wesentlich jünger als sie es sind. Und schon knackten die Schrauber. Fangen wir mit 2013 an. In der Nase hat man weißen Pfirsich. Dieser noch junge Remigiusberg besticht durch eine kräutrige Mineralität. Er wirkt frisch am Gaumen mit präsenter Säure, die Spannung aufbaut. Die komplexe Länge bringt neben der Frucht eine leicht rauchige Note. Der 2012er Riesling wirkt in der Nase etwas verschlossen. Dieser Remigiusberg hat eine dezente Kuhmistnote, die mich an die typischen Schäfer-Fröhlich Rieslinge erinnert.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
2011 erscheint mir in der Nase etwas Schlank. Ein präsenter Säureauftritt erzeugt einen sehr frischen Gaumeneindruck. Diese beiden jüngeren Jahrgänge muss man etwas in Schutz nehmen. Offenbar hat auch der Riesling unter Stelvin nach einiger Zeit eine kleine Hängepartie, wo er als verschlossen erscheint. 2010 besticht mit einer präsenten leicht vegetabil erscheinenden Frucht in der Nase. Er ist Füllig am Gaumen mit einer betonten Säure. Der 2009er Riesling aus dem Remigiusberg ist hervorragend. Er ist sehr ausgewogen, vom Alter merkt man nur wenig. 2008 wirkt kraftvoll. Es zeigen sich erste Alterungsnoten in Richtung Quitte. Dieser Riesling ist füllig in der Länge mit Kräuternoten. 2007 wirkt sehr frisch mit leichten Alterungsnoten. 2006 brilliert in seinen vielschichtigen Fruchtönen. Dabei sind die Alterungsnoten passend. Firne im Nachhall. Der macht jetzt noch richtig Spaß. Den 2005er fand ich nicht ganz gelungen, da hier Petrolnoten bis deutliche Firne vorhanden sind. Insgesamt waren die Weine noch beeindruckend jung. Danke an Martin Tesch für dieses Verkostungserlebnis auf der ProWein 2015.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Auf der ProWein 2015 ging es weiter mit Champagner in der Lounge mit selbigem Namen. Champagne-Papst Boris Maskow (Foto) moderierte das Thema „Norden und Süden der Champagne – Champagnerregionen im Vergleich“. Es ging also um deutlich unterschiedliche Champagne. Nikola Neumann, die diese Veranstaltung auch hätte moderieren können, assistierte sehr freundlich und umsichtig. Mich beeindruckt immer wieder das Detailwissen von Boris. Ich will hier gar nicht so viel hier wiedergeben. Am besten man geht selbst mal auf eine seiner Veranstaltungen. Einen Champagner will ich aber noch erwähnen. Denn auch hier war der Jahrgang 2006 einer der Höhepunkte. Der Drappier Grande Sendree Brut hat mir ausgezeichnet gefallen.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Weiter ging es dann zu einem Private-Tasting auf der ProWein 2015 beim Stand von Neuseeland mit dem britischen Journalisten und Weinblogger Jamie Goode (Foto). Der Schwerpunkt dabei lag auf den auch sehr mengenstarken und hochwertigen Rebsorten Pinot Noir und Sauvignon Blanc. Trotz einer sehr hohen Vielfalt sind dies auch die Sorten bei denen man als erstes an Neuseeland denkt. Die Weinregionen sind zudem recht unterschiedlich geprägt. In Deutschland ist besonders Marlborough mit seinen Sauvignon Blancs bekannt.

Für die Weingeschichte von Neuseeland ist diese Region sehr entscheidend. Dort wurden erst 1973 die ersten Weinreben zu kommerziellen Zwecken gepflanzt. Für die Entwicklung der neuseeländischen Weinwirtschaft spielt das Jahr 1986 eine wesentliche Rolle, da das Weingut Hunter bei der Londoner Wine Show mit dem Sauvignon Blanc den Award gewonnen hat. Dies war ein Achtungserfolg, der zum einen die Aufmerksamkeit der Welt besonders auf die Region Marlborough erhöhte und zugleich den Erzeugern dort mehr Selbstvertrauen in ihre Weine gab. Neben dem Qualitätsanbau war jedoch bis 1992 der Müller-Thurgau die mengenmäßig stärkste Rebsorte in Neuseeland (heute Platz 36 mit 0,01%).

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Seit 2005 ist der Sauvignon Blanc auch nicht nur qualitativ, sondern auch von der Menge her die wichtigste Rebsorte (mit 58%). Gefolgt wird sie von dem Pinot Noir (16%). Die Verkostung mit Jamie Goode startete beim Weingut Yealands. Das ist alles andere als ein kleiner Erzeuger. Man hat 1.500 Hektar Weinberge unter Bewirtschaftung. Der Sauvignon Blanc ist mit einer schwarzen Johannisbeere sehr typisch für Neuseeland. Bei den Pinot Noirs ist bei Yealands eine recht große Vielfalt erkennbar. Mit hat der Single Vineyard aus dem Awatere Valley in Marlborough extrem gut gefallen. Man hat hier eine runde volle Frucht mit Pflaumen und Schwarzen Kirschen. Am Gaumen ist dieser Pinot vom Weingut Yealands sehr rund.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Dann ging es weiter zum Graystone aus dem Waipara Valley. Hier präsentierte uns Nik Mavromatis (Foto oben) die Weine. Graystone wurde erst 2004 gegründet. Riesling ist hier eine wichtige Rebsorte, aber der Pinot Noir nimmt 60% der erzeugten Menge ein. Und natürlich darf der Sauvignon Blanc nicht fehlen. Der 2014er Weißwein war außergewöhnlich verspielt kräutrig. Viel interessanter und vielschichtiger als man die Weine aus dieser Rebsorte aus Neuseeland kennt. Der ist fruchtig mit Druck am Gaumen. In diesem Blend sind 85% des Grundweins aus Spontanvergärung. Der Rest wurde mit organischen Hefen vergören. Zudem ist er in alten Fässern ausgebaut. Eine durchaus interessante Art der Weinbereitung, die sich von der deutschen Weise doch etwas unterscheidet.

Ausgezeichnete Präsentation von Neuseeland in Düsseldorf

Natürlich probierten wir hier auch noch die Pinots. Der Thistle Ridge ist so eine Art Einstiegswein. Der hat mit seiner vollen Frucht und der frischen Säure schon ganz gut gefallen. Doch der wirkliche Star bei Greystone ist The Brothers Reserve. Der Jahrgang 2012 hat den Preis als besten Pinot Noir aus Neuseeland beim Decanter-Magazin gewonnen. Und das will einiges heißen, da die Konkurrenz hier eng ist. Die Wein ist extrem dunkel im Glas. In die Nase verströmt er einen dichten Fruchtgeruch mit reifen Schwarzen Johannisbeeren und Pflaumen. Am Gaumen ist dieser Spitzenwein extrem weich. Nik meinte man könne ihn durchaus 10 bis 20 Jahre lagern, was ich gerne glaube.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die dritte Station beim Stand von Neuseeland auf der ProWein 2015 war bei dem biologisch/biodynamischen Weingut Seresin Estate. Man erzeugt in der Region Marlborough 6 verschiedene Pinot Noirs. Hier ist ganz interessant, dass viele Weine nach echten Personen benannt sind. Ohne die namensgebenden Menschen dies bitte persönlich nehmen sollen, hat mit hier Rachel am besten gefallen. Der Pinot Noir aus 2011 besticht mit vollem Körper und eleganter Frucht. Nach knapp 20 Weinen war es aber auch schon gut mit dem Verkosten. Es war nun mal ein langer, zwar schöner jedoch auch fordernder Tag auf der ProWein. Und das abwechselnde Verkosten von Pinot und Sauvignons ist nicht ganz einfach. Ich danke Jamie, dass er etwas von seinem umfangreichen Wissen geteilt hat.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Schon endet der erste Tag der ProWein 2015. Jedoch noch nicht so ganz. Es ging weiter in die Innenstadt zum Cava-Dinner ins Düsseldorfer Restaurant “Victorian”. Überschieben war die kenntnisreich von Yvonne Heistermann (Foto) moderierte Veranstaltung mit „CAVA Düsseldorf Experience“. Zu einem Menu wurden 8 verschiedene spanische Schaumweine aus dem Premiumbereich serviert. In diese Kategorie passen etwas mehr als 10% der Cava, die als Reserva (15 Monate) oder Grand Reserva (30 Monate) ausgebaut werden. Diese wurden von Frau Heistermann nicht nur sympathisch vorgestellt, sondern auch sehr passend mit den Speisen kombiniert. Kompliment dafür.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Und gerade der Cava war sehr passend an diesem Abend, da sie die nötige Frische bei nicht zu hohen Alkoholgraden an den Gaumen brachten. Heistermann erklärte dies damit, dass man in der D.O. Cava häufig etwas enger pflanzt und die Trauben auch etwas früher erntet. Das es in dieser Kategorie richtig tolle Schaumweine aus Flaschengärung gibt ist den Lesern dieser Seite sicherlich bekannt. Aber gerade diese Reservas und Grand Reservas waren sehr schön an den Abend. So kann man sie ganz gut zum Essen kombinieren, da sie auch genug Geschmacksintensität mit sich bringen. Neben dieser Kraft hatten diese Cava zugleich genug erfrischendes, so dass man gut lebendig den Abend verbringen kann.

Eine Cava-Entdeckungsreise nach der ProWein 2015

Mir war es etwas auffällig wie viele Veranstaltungen Yvonne Heistermann auf der diesjährigen ProWein moderierte. Ich kannte sie zuvor noch nicht wirklich. Der Abend mit ihr hat mir wirklich Spaß gemacht. Sie war unterhaltsam und inhaltlich sehr bemüht ohne zu sehr mit Zahlen zu hantieren. Und vor allem moderierte Frau Heistermann ohne den in letzter Zeit etwas weit verbreiteten Klamauk, der mich inzwischen ziemlich nervt, weil er von den Themen ablenkt. Gerade an so einem Messeabend will ich in Ruhe mich mit den Weinen beschäftigen und nicht noch einen Clown ertragen müssen. Zum Frühstück passt der besser.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
An nächsten Tag besuchte ich dann einige heimische Weingüter auf der ProWein 2015. Zuerst ging es zum Rheingau. Bei dem Weingut J. B. Becker gab es einige Spätburgunder und Rieslinge. Herausragend war der Spätburgunder Auslese trocken aus dem Jahr 2003. Richtig erstaunlich, wie ausgewogen und harmonisch sich dieser Pinot aus dem Hitzejahr präsentierte. Ich kann mich noch gut erinnern. Noch bevor die Ernte eingefahren war, feierten dann allerorts Weinjournalisten und Winzer diesen Jahrgang.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Doch es war viel zu früh. Viele Winzer hatten viel zu reife Trauben. Die Weine wurden nicht selten zu alkoholisch und unausgewogen. Nur wenige und meist erfahrene Weingüter kamen mit der Ausnahmesituation des Jahrgangs zurecht. So bei diesem Spätburgunder aus der sehr guten Lage Wallufer Walkenberg vom Weingut J. B. Becker. Natürlich, er hat auch so seine 15% Alkohol. Aber weder riecht man dies noch ist diese Auslese zu fett. Dann probierte ich auch noch einige gereifte Reislinge, die mir sehr gut gefallen haben. J. B. Becker aus dem Rheingau brilliert in der RR-Klasse. Nein es geht hier nicht um Rolls Royce, sondern um reife Rieslinge. Der Traditionalist aus dem Rheingau zeigt hier seine Stärken.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Gleich daneben stand auf der ProWein 2015 Katharina Wechsler. Inzwischen gar nicht wirklich ein Geheimtipp mehr, hatte ich zuvor den leichten Verdacht, dass es sich nur um geschicktes Marketing rund um dieses Weingut in Rheinhessen handelt. Das ist es auch, aber die Weine stehen dem in nichts nach und sind richtige Klasse. Diese vornehmlich Spitzenrieslinge (aber auch Silvaner, Scheu und helle Burgunder) stehen im Vordergrund einer Bewertung des Weinguts. Sie gehören einfach ins Rampenlicht. Auch wenn Katharina selbst ohne ihre Leistungen um den modern interpretierten Riesling aus Rheinhessen da alleine gut stehen könnte. Nach Studium und Medienkarriere in Berlin ging sie 2009 in ihre Heimat Westhofen zurück.

Neues aus Rheinhessen auf der ProWein 2015

Die elterliche Weinproduktion bestand – in Rheinhessen traditionell nicht unüblich – aus einem Fassweinverkauf. Katharina erzählt, dass sie in ihrer Kindheit kein Interesse daran hatte und ihre Eltern es auch irgendwann aufgegeben hatte sie für den Weinanbau zu begeistern. Wahrscheinlich hatte sie damals auch mehr Trauben gegessen als geerntet. Dieses Desinteresse änderte sich dann ganz entschieden. Denn es stand im Raum das Weingut entweder aufzugeben oder in anderer Form weiterzuführen. Wobei die nur mit Erzeugerabfüllungen Sinn machte, so Katharina Wechsler.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die detailreiche und konsequente Arbeit trägt imposante Früchte. Natürlich erzeugt der trockene Riesling Kirchspiel einige Anziehungskraft. Gilt dies ja als einer der Top-Lagen in Rheinhessen. Die recht frische und schlanke zugleich vielschichtige Art mit verspielter Frucht dieses Rieslings gefällt mir sehr. Im Unterschied zu manchem Großen Gewächs ist dieser Wein vom Weingut Wechsler tatsächlich trinkbar. Noch viel mehr bin ich positiv von der Monopollage Benn überrascht. Von dieser hatte ich noch nie gehört. Benn ist nur 6,5 Hektar groß. Die fast 50 Jahre alten Weinstöcke stehen auf einem von Lösslehm und Kalkmergel geprägten Boden. Der trockene Riesling aus 2013 erscheint mir etwas fruchtintensiver als der Riesling Kirchspiel, steht ihm aber im Finessenreichtum in nichts nach. Bei diesen hervorragenden Weinen werde ich selbst zum Wechsler.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Bei der französischen Castel-Gruppe gab es auf der ProWein 2015 eine kleine Runde bei der es wesentlich um Bordeaux ging. Hauptthema waren zwei Fassproben aus dem Jahrgang 2014 die vom Star-Önologen Alain Raynaud (Foto) präsentiert wurden. Als Sohn eines Winemakers erzeugte Raynaud seinen ersten Wein ohne die Hilfe seines Vaters im Jahr 1964. Seine Jugend verbrachte er auf dem Chateau la Croix de Gay in Pomerol. Zwischen 1994 und 2000 war er Präsident der Union des Grand Crus Classes. Seitdem ist der für die Castel-Familie für mehrere Weine aus Bordeaux tätig. So ist er dort unter anderem für den Tour Prignac (Medoc) und den Chateau de Haut Coulon (Cadillac Cotes de Bordeaux) verantwortlich.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Das von Alain Raynaud betreute Chateau de Haut-Coulon besteht aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot. In der Nase ist er sehr dunkelfruchtig mit Schwarzen Kisrchen. Kräftige Tannine zeigen sich neben einer tiefdunklen Brombeerfrucht. Haut-Caulon ist nicht ganz so bekannt, was aber nicht an der Größe der Weine liegt, sondern daran, dass dieses Weingut lediglich knapp 4 Hektar groß ist. Das mit seinen 144 Hektar deutlich größere Chateau Tour Prignac bringt Weichselkirschen mit etwas Heu in die Nase. Dies entwickelt sich in der zweiten Nase zu einem roten Fruchtgemisch. Der Gaumen wirkt mit seinem Säureauftritt recht sanft. Naturgegeben hat man hier in der Jugend noch etwas grüne Noten. Beide auf der ProWein 2015 präsentierten Bordeaux geben mir in ihrer noch sehr jungen Phase eine sehr positive Vorschau auf den Jahrgang 2014 in Bordeaux.

Sehr interessante Bordeaux auf der ProWein 2015

Zwischendurch gab es noch – um das ohnehin schon hohe Niveau geradezu inflationär zu überbieten – etwas vom Chateau Beychevelle. So auch den aus dem Jahr 2009. Dieser Bordeaux hat mein Misstrauen an dem so unglaublich (aus meiner Sicht viel zu hoch) bewerteten Jahrgang deutlich gemindert. So war eines meiner Hauptargumente, dass die teilweise überbordende fruchtige Fülle, die diese Bordeaux viel zu häufig mitbringen, mit einigem Alter ins Negative umschlagen. Der Beychevelle stand sehr gut da. Immer noch Fülle, aber es deutete sich noch keine Zerfallserscheinungen der früheren Größe an. Auch hier mal eine Momentaufnahme, die genauer in den nächsten Jahren weiterverfolgt wird.

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Wirklich schön war dann der Saint-Emilion Grand Cru Chateau Montlabert aus 2010. Das ist beim Bordeaux mein Lieblingsjahrgang in der letzten Zeit. Den Montlabert finde ich auch Klasse. In der Nase sind dunkel Früchte und Röstaromen. In der zweiten Nase kommt bei diesem Bordeaux eine sehr dichte Brombeere zur Geltung. Am Gaumen ist dieser Saint-Emilion Grand Cru kräftig und zugleich sehr gut balanciert mit feinen Tanninen. Die Säure unterstützt den lebendigen Nachhall. Das Chateau Montlabert ist seit 2008 der letzte Neuzugang bei Castel. 2010 war der zweite Jahrgang den man hier erzeugt hat. Zuvor waren umfangreiche Arbeiten auf dem Chateau notwendig, da es bei der Übernahme nicht gerade in dem besten Zustand war. Zu Montlabert gehören 12,5 Hektar Rebanlagen. Diese liegen recht nahe bei Cheval Blanc und Figeac. Dieser Rotwein besteht im Jahrgang 2010 aus 80% Merlot und 20% Cabernet Franc.

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Beim Stand von Gipsy Wines auf der ProWein 2015 war Party. Es gab auch eine kleine geführte Verkostung moderiert von der sehr sympathischen Joyce from Paris (Foto links). Die zeitgemäße Weinpräsentation mit viel Spaß und ohne Platzkärtchen startete gebührend mit einem Champagner. Die Schlagzahl war recht hoch. Vier Weine möchte ich noch hervorheben. Philipp Kettern aus Piesport präsentierte einen recht ungewöhnlichen und interessanten Riesling, der in Kooperation mit Niepoort an der Mosel erzeugt wird. Noch ist dieser Wein ohne Namen. Der Musso von Vignaioli Contrà Soarda machte auch noch richtig Spass. Und dann gab es noch den Porno Noir.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Über die – gerade bei der Jugend sehr beliebte und erfolgreiche – Häschennummer hat die Pornoindustrie ihre Erfolge weit verbreitet. Und auch in die Weinwirtschaft bringt dies so einige Anreize. Der Porno Noir ist recht geil. Trinkbar zudem. Hier präsentiert sich auf der ProWein 2015 eher eine Edelnutte. Ich kann mir in diesem Segment auch noch einiges mehr vorstellen. Denkbar wäre für mich eine edelsüße Straßenprostituierte: Da hat sich bislang noch niemand so richtig herangetraut. So ist das ein guter und gut vermarkteter Wein. Am Ende der Messlatte ist er aber trotz seiner Größe und vor allem des Spaßfaktors aus meiner Sicht noch nicht. Danke auch an den Weinpunk für die Einladung an den Stand von Gipsy Wines.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Dann war ich auf der ProWein 2015 noch am Gemeinschaftsstand der Mosel. Dieser erstrahlt in einem neuen Glanz. Keine gelben Königskronen mehr, sondern ein sehr modernes Design, was zugleich sehr gut zur eher klassisch geprägten Mosel passt und diese hochwertig präsentiert. Hier probierte ich die Großen Gewächse vom Bernkasteler Ring durch. Wie schon fast traditionell, werden diese Rieslinge einfach auf einen Tisch gestellt und dann dem Publikum überlassen. Dieses Jahr war es auch noch ein sehr schöner Tisch, der den Verlauf der Mosel und bedeutende Weinlagen zeigte.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die auf der ProWein 2015 präsentierten Großen Gewächse von Bernkasteler Ring hatten mit dem Jahrgang 2013 ein sehr hohes Niveau. Die fruchtige Fülle kam mir häufig nicht sehr trocken vor. Vom Weingut Franzen gab es zwei Große Gewächse. Recht angesehen und wahrscheinlich häufig besser bewertet ist sehr wahrscheinlich der Bremmer Calmont. Und das nicht nur weil die Lage mit ihrer Steilheit weltbekannt ist. Mir hat allerdings der Neefer Frauenberg mehr zugesagt. Erstaunlich, dass beide Rieslinge nur knapp 20 Euro für den Endverbraucher kosten. Den 2013er Riesling Ritsch Großes Gewächs von Carl Loewen will ich hier auch noch positiv erwähnen.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt Weiter ging es an der Mosel zum Doctor. Ich bin ein ausgewiesener Fan der Lage Berncasteler Doctor und so probierte ich die Rieslinge beim Weingut Dr. H. Thanisch (Erben Müller-Burggraf). Auf dem Weingut ist seit einiger Zeit der aus Geisenheim kommende Maximilian Ferger als Gutsverwalter tätig. Bei dieser Auslese aus 2013 ist sehr positiv und erschaulich wie gut Frucht, Säure und Restsüße balanciert ist. Viel zu häufig kann man bei nicht gut erzeugten Auslesen in der Jugend außer pappiger Fruchtsüße nichts schmecken. Dieser Riesling ist jedoch trotz Auslese fein und ausgewogen. Ferger und sein Team hat eine sehr gute Arbeit geleistet. Großes Kompliment.

Geht es noch zu der Sonderfläche der ProWein 2015. Diese steht in diesem Jahr unter dem Motto „Same but different“. Hier reihte ich mich in den Medientross ein. Das Thema habe ich allerdings nicht ganz verstanden. Handelt es sich um die Jugendecke der ProWein? Es ging aber glaube ich mehr um ungewöhnliche Talente aus unterschiedlichen Ländern. Wobei man sich durchaus fragen kann, was in unserer inzwischen sehr bunten Weinwelt denn überhaupt noch normal ist. An vielen Stellen schreit es einen Kunterbunt an. All zu viele Themen und Motive werden bemüht.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die beiden deutschen Beiträge zu „Same but different“ auf der ProWein 2015 Lukas Kauß (Pfalz) und Matthias Meierer (Mosel) passen beide sehr gut in die Kategorie ungewöhnliche und erfolgreiche junge Talente. Beide waren auch auf der Showbühne. Lukas erzählte etwas über Lambsheim, sein Weingut, seinen Hut und den Pornfelder. Alles soweit ganz gut. Dem Lukas sein „No Nazis“-Shirt empfinde ich als ein sehr passendes Statement auf einer internationalen Weinmesse. Ein anderes Thema: Aus meiner Sicht hat die deutsche Weinwirtschaft etwas mehr Migration verdient. Was ist mit einer Nachzeichnung der gesellschaftlichen Veränderung der vergangenen 60 Jahre?

Vielfalt dominiert die ProWein 2015

Nach der durchaus – meiner Meinung nach positiven – erfolgreichen Feminisierung der deutschen Weinwirtschaft frage ich mich gerade: Gibt es eigentlich ein hiesiges Weingut mit bedeutender Mitwirkung türkischer Migranten? Oder gibt es überhaupt Migranten in wichtigen Positionen? Und damit meine ich keine Investoren oder Partner aus reichen Industrienationen wie Japan oder den USA. Hinweise sind mir gerne Willkommen. Natürlich hat an diesem Zustand niemand Schuld oder trägt jemand dafür die Verantwortung. Aber gerade in dem Zusammenhang freue ich mich über die Weinwirtschaft in Einwanderungsländern. Sorry dass ich mit Fragezeichen gerade nach einer so erfolgreichen und für mich mehr als zufriedenstellenden Messe ende. Aber irgendwie entstehen Fragen immer umfangreicher, je mehr man andere für sich beantwortet hat.

ProWein 2015: Ein Spitzentreffen in der Weinwelt
Die ProWein 2015 war wie eingangs erwähnt wieder einmal eine Messe der Superlative. Und so ist der Artikel noch länger geworden als im vergangenen Jahr. Doch nach der Weinmesse ist vor der Messe. Nächstes Jahr sehen wir uns bestimmt in Düsseldorf wieder. Und zwischendurch gibt es ja noch andere besuchenswerte Weinfachmessen.

Vom 22. März bis 25. März öffnet die italienische Weinmesse vinitaly in Verona ihre Pforten.

Vom 14. bis 18 Juni gibt es dann die alle zwei Jahre stattfindende internationale Wein- und Spirituosenmesse VINEXPO im Messegelände von Bordeaux. Wir werden auch von dort aus berichten.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien?

Montag, 16. März 2015

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Heute ist nicht nur der zweite Tag der ProWein, sondern auch der „Tag der Aktie“. Ausgerufen wurde dieser von der Börse Frankfurt. Hintergrund ist, dass die Deutschen – gerade im internationalen Vergleich – als Aktienmuffel gelten. Wir nehmen dies zum Anlass um uns mit den in Düsseldorf vertretenen Wein-Aktiengesellschaften zu beschäftigen. Sicherlich sind die meisten Aussteller auf der Weinfachmesse ProWein wesentlich kleinere Betriebe. Die deutsche Weinwirtschaft ist vor allem auf der Seite der Erzeuger eher von kleinen Familienbetrieben geprägt, als von den großen Brands. Aber es gibt einige Schwergewichte in der Branche. Viele der international agierenden Unternehmen haben inzwischen ein umfangreiches Sortiment aus den weltweiten Weinbaugebieten aufgebaut.

Eine der größten Aktiengesellschaften im Bereich Schaumwein ist auf der ProWein nicht mit einem gebührend großen Stand vertreten. Der in Paris notierende Mode- und Champagnerkonzern LVMH (Marktkapitalisierung ca. 87 Mrd. Euro) bleibt der Weinfachmesse schon fast aus Tradition fern. Sicherlich gibt es einige Weine zu probieren, die im Besitz bzw. Vertrieb des Börsengiganten sind. Die in Deutschland sehr bekannten Champagnerkernmarken von LVMH Moet und Vueve Clicquot haben jedoch keinem eigenen Stand in Düsseldorf.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Der Kursentwicklung der Aktie hat es in den letzten Jahren nicht wirklich geschadet. Im Gegenteil: Da knallte bestimmt der ein oder andere Champagnerkorken. In den vergangen Wochen ging es fast schwindelerhöhend nach oben. Man kann schon fast von einem Kursfeuerwerk bei LVMH sprechen. Kein Wunder: Die Geldschwämme der Europäischen Zentralbank wird ganz sicher die Anzahl der Millionäre in Europa deutlich erhöhen. Und der ein oder andere von denen trägt dann im Louis Vuitton-Tässchen seinen Champagner nach Hause.

Doch einige andere internationale Aktiengesellschaften sind auf der ProWein vertreten. Drei von ihnen heben derzeit eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro. Zuvorderst ist hier Constellation Brands mit immerhin 21. Mrd. Euro zu nennen. Der Aktienkurs in Euro kannte in den letzten Jahren fast nur eine Richtung: Nach oben. So stieg er von etwas unter 15 Euro auf derzeit über 110 Euro. Wer Spaß dran hat, kann in einer ruhigen Minute mal die durchschnittliche jährliche Rendite ausrechnen. Hintergrund ist jedoch eine spezifische Geschichte von Constellation Brands. Machte man 2008 und 2009 noch Minus, so stieg das Ergebnis 2014 auf ca. 2 Mrd. US-Dollar.

Als weiteren globalen Akteur muss man Treasury Wine Estate nennen. Bei weitem nicht so groß wie Constellation gehören doch so große und bekannte Brands wie Penfolds, Rosemount Estate, Lindeman’s und Beringer zum Portfolio. Schwerpunkt der vermarkteten Weingüter ist Australien und Nordamerika. In Europa gehört Castello di Gabbiano aus der Toskana zu Treasury Wine Estate. 2012 und 2013 gab es etwas Turbulenzen beim Kurs dieser australischen Aktiengesellschaft. Im vergangenen Jahr wollten Finanzinvestoren die Gesellschaft übernehmen, sind jedoch damit gescheitert.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Concha y Toro ist ebenfalls in Düsseldorf auf der ProWein vertreten. Seit 1984 ist dieses chilenische Weingut in New York an der Börse notiert. Grundsätzlich ging es mit der Aktie aufwärts. In den vergangenen Jahren gab es aber erhebliche Schwankungen. Derzeit notiert Concha y Toro bei ca. 38 Euro in Frankfurt auf einem historischen Hochstand. Dieser wurde jedoch schon zwei mal erreicht (zuletzt 2010). Inzwischen gehören einige weitere Weingüter zum Unternehmen. So z.B. Fetzer in den USA und Trivento in Argentinien. Europa ist mit ca. 35% der wichtigste Absatzmarkt, gefolgt von Chile selbst.

Kommen wir zu dem Schwergewicht auf dem deutschen Markt. Die Hawesko Holding AG hat derzeit eine Marktkapitalisierung von 316 Mio. Euro. Die Unternehmen mit deutschen Kernmarkt gehören somit nicht gerade zu den internationalen Giganten. Diese finden sich neben dem einen französischen Schwergewicht in den englisch- und spanischsprachigen Ländern. Dabei sind diese Brands international ausgerichtet. Hawesko hat seinen Schwerpunkt jedoch nicht als Produzent, sondern im Bereich Groß- und Einzelhandel.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Drei Standbeine sind bei diesem Unternehmen wichtig: Zum einen gehören mehrere Firmen im Bereich Großhandel zu Hawesko. Mit den Jaques Weindepots betreibt man einen eigenen Einzelhandel. Inzwischen gibt es aber mindestens drei Onlinehändler. Unter dem Markennamen selbst betreibt man einen Handel mit Markenweinen im Internet. Zudem hat man mit Weinlet einen Online Weindiscounter gegründet. Dann ist noch der Zukauf eines Webshops für spanische Weine.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Bei Hawesko wird mit dem Ausscheiden des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Margaritoff Ende Juni 2015 eine neue Ära anbrechen. Eine langjährig erfolgreiche Wachstumsstrategie war mit hohen Dividenden verbunden. Dies zeigte sich auch in der Kursentwicklung. Neben einigen (zusammen allerdings beherrschenden) Großaktionären waren lange Zeit vielen extrem kleine Aktionäre bei Hawesko vorhanden. Inzwischen besitzt die Tocos Beteiligung GmbH mehr als 75% der Aktien. Die vergangenen zwei Jahre waren auch eher unruhig. Nach Höchstwerten von 45 Euro (zu Jahresanfang 2013 und im Sommer 2014) brach der Kurs nun schon zum zweiten Mal in kurzer Folge um fast 20% auf 37 Euro ein.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Als weitere Aktiengesellschaften aus dem deutschsprachigen Raum sind noch Schloss Wachenheim und Schlumberger zu nennen. Beide vertreiben Schaumweine. Auch wenn Schlumberger‘s eigene Produktion in Österreich und beim Stillwein im Elsass den eigenen Namen trägt, ist dies als Importeur gar nicht das Kernprodukt. Die Aktie notiert hauptsächlich in Wien und ihr Handel ist eher übersichtlich. 2013 gilt in der Bilanz als tiefrotes Jahr. Die Dividendenrendite liegt historisch bei 3 bis 4%. Bei Schloss Wachenheim gibt es historisch im Kurs ein auf und ab. Die letzten 5 Jahre waren von Umsatz- und Gewinnsteigerungen gekennzeichnet. Bis zum Sommer 2014 lief die Aktie auch ganz gut. Seitdem ist die Richtung unklar.

Anbei eine kleine Liste der Marktkapitalisierung der im Artikel vorkommenden Unternehmen (Stand März 2015; keine vollständige Aufstellung)
LVHM 87 Mrd. Euro
Constellation Brands 21. Mrd. Euro
Treasury Wine Estate 2,4 Mrd. Euro
Concha y Toro 1 Mrd. Euro
Laurent Perrier 427 Mio. Euro
Baron de Ley 404 Mio. Euro
Hawesko Holding 316 Mio. Euro
Schloss Wachenheim 106 Mio. Euro
Schlumberger AG 41 Mio. Euro

Bei Finanzthemen ist ein Disclaimer mehr als angebracht: Der Autor besitzt keine Anteilsscheine der beschriebenen Aktiengesellschaften und befindet sich in keinerlei Beschäftigungsverhältnissen mit einer oder mehrerer dieser Gesellschaften. Dieser Beitrag stellt keine Empfehlung zum Erwerb oder der Veräußerung von genannten oder ungenannten Wertpapieren dar. Anleger sollten sich der Risiken, die sie eingehen im Klaren sein. Aktien unterliegen Kursschwankungen, die bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.

The Next Big Thing: Wein bei Instagram

Montag, 23. Februar 2015

The Next Big Thing: Wein bei Instagram In den letzten Wochen nimmt der mobile Foto-Blog-Dienst Instagram in der deutschen Weinszene erheblich an Fahrt auf. Was im englischsprachigen Raum schon seit Monaten umfangreich zu beobachten war, entwickelt sich hierzulande zum Next Big Thing. Vor allem private Weinliebhaber, aber auch Menschen aus dem Bereich PR und von Weingütern laden ihre Fotos von Weinflaschen oder von Weinlagen mobil hoch. Wie bei anderen Diensten (z.B. twitter) zeigt sich die hierzulande typische Verzögerung. Willkommen im Neuland.

Noch vor einiger Zeit gab es nur wenige aktive Nutzer aus der deutschen Weinwelt bei Instagram. Das waren nicht zufällig die auch andernorts auffälligen digitalen Pioniere. Nach anfänglich umfangreicher Aktivität legte ich selbst 2013 eine kleine Pause beim Fotoposting ein, da mir die Resonanz und Reichweite etwas gering aussah. Das hat sich geändert. Kaum ein Tag vergeht, dass nicht zumindest ein neuer Account aus der hiesigen Weincommunity hinzukommt. Und meistens gibt es recht ansprechende Inhalte. Die Handy-App produziert so vielfach eine recht ansehnliche Fotopinnwand.

Man kann Instagram als einen Einstiegspunkt in so eine Art mobiles Bild-Sharing betreiben. Für viele Nutzer ist das auch der Anfang mit diesem Foto-microblog. Das war einer der Gründe, wieso facebook 2012 das zuvor das recht kleine Unternehmen ohne nennenswerte Einnahmen für eine Milliarde US-Dollar gekauft hatte: Man wollte die Zahl der mit dem Handy mobilen Nutzer auf der eigenen Plattform steigern. Aus Gründen der Konkurrenz sperrte twitter kurz darauf per API die Zugriffsmöglichkeiten auf Bilder. Trotzdem kann man dort seine Fotos noch automatisch verlinken.

Einige Tipps zum Nutzen von Instagram

Doch es ist durchaus sinnvoll Instagram als eigenständigen Dienst zu gebrauchen. Zu einer erfolgreichen Nutzung tragen einige Dinge bei. Das beginnt bei der Qualität der Fotos. Denn ein Bild kann mehr als 1000 Worte sagen. In der Möglichkeit schnell und einfach Filter auf die Bilder zu legen besteht eines der Erfolgsgeheimnisse von Instagram. Und ein Grundprinzip von facebook findet seine Fortsetzung: Positivkommunikation gefällt auch anderen Nutzern. Ein weiterer Vorteil beim Foto-Sharing ist es, dass man viele Menschen, die man woanders her kennt, hier wiederfindet. Man kann z.B. seinen facebook-freunden ganz leicht auch bei Instagram folgen.

The Next Big Thing: Wein bei Instagram Ein weiterer Pluspunkt bei Instagram sind die Hashtags. Man sollte einige passende zu jedem Foto setzen. Ganz spannend ist auch die interne Suche über diese Hashtags. Noch vor kurzer Zeit fand man unter #riesling fast nur Weine aus den Elsass, Australien oder der USA. Oder es waren zwar deutsche Rieslinge, die meist in einigen ihrer wichtigen Exportdestinationen USA oder Skandinavien getrunken und dann fotografiert wurden. Das ändert sich erfreulicher Weise gerade rasant.

Monitoring

Das eigene Handeln zu reflektieren ist sicherlich häufig sinnvoll. Ein Tipp dies bei Instagram zu tun ist es, einmal bei Iconosquare vorbei zu schauen. Der Name ist wegen der Ikonen aus Russland sicherlich nicht nur etwas lustig, sondern regt auch etwas zum Nachdenken über die Ähnlichkeit mancher Fotos mit Ikonen ein. Es gibt ja auch die so genannten Icon-Weine. Bei Instagram sind diese überrepräsentiert. Doch das ist nur ein nebensächlicher Gedanke. Die Seite ist tatsächlich eine Hilfe, wenn man nicht nur einfach ein paar Fotos hochladen will.

Zum Schluss: Auf meinem Blog bist du bereits. Den kannst du gerne weiterhin lesen und auch bei facebook liken. Mein twitter-Kanal ist hier. Und bei Instagram findest du mich hier.

Es ist nicht nur Gold was glänzt: Große Gewächse 2012

Sonntag, 9. März 2014

Große Gewächse 2012Seit Anfang September sind die weißen Großen Gewächse aus 2012 und die roten Großen Gewächse aus 2011 auf dem Markt erhältlich. Auch im Rheingau gibt es vom VDP mit diesen Jahrgängen statt den vormals Ersten Gewächsen die Bezeichnung Großes Gewächs. Zudem sind die Flaschen mit dem neuen Logo GG versehen (Bild oben). Die vorher verwendete sogenannte „Eins-Traube“ findet nun keine Verwendung mehr. Die “VDP Ersten Lagen” sind unter den Großen Gewächsen deutlich herausgestellt. Dies ist Teil des neuen Klassifikationsmodels des VDP. Darüber wurde ja viel und zum Teil auch kontrovers diskutiert. Wenn man es aber einmal verstanden hat, entfaltet es seinen Sinn. Das sind die äußeren Rahmenbedingen der nun aktuellen Großen Gewächse.

Zu den präsentierten Weinen selber. Innerhalb eines recht engen Zeitplans verkostete ich fast vollständig die GGs aus den Gebieten Mosel, Nahe, Rheinhessen, Ahr, Baden (nur Rieslinge) und Sachsen (nur Spätburgunder). Dabei zeigte sich – mit nur ganz wenigen Ausnahmen – ein sehr hohes Niveau, welches dem sehr guten Jahrgang 2012 mehr aIs gerecht wird und besonders auch im internationalen Vergleich den Begriff Großes Gewächs nicht nur rechtfertigt. Wenn man sich das durchschnittliche Preisniveau dieser VDP-Weine anschaut, sind sie im Verhältnis zur Qualität noch immer sehr günstig bewertet. Im Folgenden möchte ich einige Empfehlungen aussprechen von Weinen, die mir ganz besonders gefallen hatten.

Mosel Riesling
Aus dem Anbaugebiet Mosel gab es 45 Große Gewächse aus dem Riesling zu verkosten. Es gab gerade in der Spitze ein sehr enges Feld hervorragender Weine. Deswegen wird dies hier auch etwas umfangreicher. Die ganze Verkostung der Moselweine dachte ich es kommt noch ein Riesling, den ich noch ein klein wenig besser finde. Aber so ist 2012 ein sehr breites außergewöhnlich guter Weine entstanden, die zugleich jeweils recht eigenständig sind. Es zeigt sich eine großartige Vielfalt an der Mosel. Heymann-Löwenstein kann man mit drei von vier sehr gelungenen Großen Gewächsen zweifelsfrei als einen der besten Erzeuger der Region im Jahr 2012 bezeichnen. In die selbe Kategorie gehört aus meiner Sicht in diesem Jahr auch Grans-Fassian. Die Rieslinge von dem Weingut hatten mir in Vergangenheit noch nie so gut gefallen wie jetzt.

Heymann-Löwenstein
Winningen Röttgen
Brot mit Maracujaaufstrich im der Nase, saftiger Gaumen zeigt sich in der Länge finessenreich. 91

Heymann-Löwenstein
Winningen Uhlen “Blaufüßer Lay”
Helle Frucht und etwas vegetabile Noten in der Nase, fester saftiger Gaumen mit guter Säureuntermalung. 92

Heymann-Löwenstein
Winningen Uhlen “Laubach”
Röstnoten in der Nase, fleischige und sehr charmante Frucht mit gut eingebundener Säure, sehr schöne Länge. 91

Dr. Loosen
Erden Prälat
Etwas verschlossen in der Nase, im Hintergrund etwas spitz duftig mit dunklen Früchten, ausgewogener Gaumen, neben Gummibärchen dezente Würze. 91

Clemens Busch
Pünderich Marienburg “Fahrlay”
Dezente Aprikose, großartiges Wechselspiel am Gaumen viel Frucht und Säure, die gegenseitig um Vorherrschaft ringen. 92

S. A. Prüm
Wehlen Sonnenuhr “Alte Reben”
Die fruchtige Intensität in der Nase mutet nach einer Auslese an, auch am Gaumen sehr voll, hier waren wahrscheinlich extrem reife Trauben im Spiel, es fehlt etwas die Spannung. 91

Geheimrat J. Wegeler
Bernkastel Doctor
Verschlossene Nase, mit mehr Luft zeigen sich neben vegetabilen Nuancen zarte Fruchtnoten, sehr schön ausbalancierter Gaumen, fantastische Länge. Hat wahrscheinlich Potenzial zu mehr. 91

Fritz Haag
Brauneberg Juffer
Die etwas stinkige Schieferaromatik (wie man sie von der Nahe her kennt) ist angedeutet, sehr frisch wirkende Säure zur Länge hin in Frucht eingebettet. 91

Reinhold Haart
Wintrich Ohligsberg
Spannungsreiche Nase, volle und mächtige Frucht am Gaumen, Druck entsteht. Viel Spaß auch. 91

Reinhold Haart
Piesport Goldtröpfchen
Spannende Duftigkeit mit exotischen Blüten, Gaumen erst unruhig, aber schön. 91

Grans-Fassian
Trittenheim Apotheke
Duftig in der Nase, helle Blüten, markante Säure mit kräftiger Frucht, auch hier wirkt die Säure etwas grün. 91

Grans-Fassian
Leiwen Laurentiuslay
Voller gelbfleischiger Pfirsich in der Nase, deutlicher Fruchtauftritt am Gaumen präsentiert sich sehr harmonisch mit druckvoller und zugleich gut integrierter Säure. 93

St. Urbans-Hof
Leiwen Laurentiuslay
Komplexe Nase mit fleischigem reifem Pfirsichduft im Hintergrund, saftiges Pfirsichgetränk am Gaumen, schöne Länge. 92

Große Gewächse 2012

von Hövel
Oberemmel Hütte
Vollfruchtiger Duft mit hellem Pfirsich in der Nase, kräftige und schön frische Säure, harmonische Länge. 92

von Othegraven
Ockfen Bockstein
Voller Fruchtkorb mit Pfirsich und vielen Exoten in der Nase, auch am Gaumen fruchtig ausgewogen mit einer leicht rauchigen Note. 91

Forstmeister Geltz-Zilliken
Saarburg Rausch
Nase wirkt noch etwas verschlossen, markante Säure am Gaumen in ein spannungsreiches Fruchtspiel eingebettet riesiger Nachhall. 92

Nahe Riesling
In den letzten Jahren waren vielfach wirkliche Qualitätsspitzen im Gebiet Nahe zu finden. Der Jahrgang 2012 ist hier bei den Großen Gewächsen keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Rieslinge mit 91 Punkten habe ich in der Liste weggelassen, da es ja einen Überblick über die – aus meiner Sicht besten Weine liefern soll. Leider waren 6 Große Gewächse von der Nahe zu meinem Zeitpunkt schon ausverkostet. Das Niveau bei allen anderen verkosteten Rieslingen war jedoch so hoch, dass mir kein Wein weniger als 89 Punkte wert war.

Dr. Crusius
Schloßböckelheim Felsenberg
Helle Frucht in der Nase, Zyste von der Orange in der zweiten Nase, saftiger Gaumen, steigt in der Intensität an, rund um gut. 92

Schäfer-Fröhlich
Schloßböckelheim Felsenberg
Markante Schäfer-Fröhlich-Note in der Nase, Frucht mit geriebener Orangenschale enorm gut in den leichten Stinker integriert, volle Frucht mit gut tragender Säure am Gaumen, schöner Nachhall. 93

Emrich-Schönleber
Monzingen Frühlingsplätzchen
Helle Frucht und Blüten duften in der Nase, ausgewogene Kraft am Gaumen, gute Länge. 92

Emrich-Schönleber
Monzingen Halenberg
Spannungsreiche komplexe Nase, erst etwas unruhig am Gaumen mit medizinalen Noten sehr schöne Länge mit ständig neuen Nuancen. 92

Rheinhessen Riesling
Auch Rheinhessen glänzt nicht nur in der Wahrnehmung einiger Verkoster. Zwar ist hier das Feld nicht so einheitlich weit oben wie Beispielsweise an der Nahe (aus meiner Sicht waren in Rheinhessen sogar zwei Ausrutscher dabei), in den Spitzen ist hier jedoch ein ähnliches Niveau zu finden. Auch hier werden wegen der Übersichtlichkeit nur die Großen Gewächse ab 92 Punkte aufwärts genannt. Es ist hier durchaus gut anzusehen wie in der Spitze von Rheinhessen das immer noch recht junge Weingut Winter neben den gefeierten Spitzenweingütern der vergangenen Jahre steht.

Gunderloch
Nackenheim Rothenberg
Reife Frucht mit Anklängen von Honig in der Nase, körperreich am Gaumen, fruchtiges Feuerwerk bei gut integrierter Säure. 92

Gunderloch
Nierstein Pettenthal
Hellfruchtig floral in der Nase, konzentrierte fast schon schnalzende Frucht am Gaumen, Säure ist gut integriert, macht Spaß. 92

Große Gewächse 2012

Kühling-Gillot
Nierstein Ölberg
komplexe und kräutrige Nase, mächtige Frucht am Gaumen unter der sich eine druckvolle Säure verbirgt. 92

Wagner-Stempel
Siefersheim Heerkretz
Duftende Mandarinen mit dezenter Kräuteraromatik in der Nase, gut strukturiert am Gaumen, Säure mit Frucht sehr ausbalanciert. Punkte für Stimmigkeit und zugleich Charakter. 93

Wittmann
Westhofen Morstein
Fruchtig eingebundene Kräuteraromatik, harmonisch machen Säure und Frucht Druck, eindrucksvoller und runder Riesling. 93

Battenfeld-Spanier
Mölsheim Am Schwarzen Herrgott
Animierende frische Frucht in der Nase, am Gaumen ein ansehnliches Kraftpaket, dabei jedoch in der Länge athletisch-filigran. 94

Weingut Winter
Dittelsheim Leckerberg
Angenehm zarte Früchte in der Nase, wundervoller Gaumen mit einem Meer von Blüten und einem Fruchtkorb mit Birnen und über Ananas bis hin zu Exoten untermalt von gut integrierter Säure. 93

Baden Riesling
Bei Baden reichte meine Zeit leider nur für die Rieslinge. Eigentlich standen alle Burgundersorten auch noch auf meiner Verkostungsliste. Erstaunlich, dass bei den Rieslingen zwei neuere Mitglieder im VDP (seit 2010 und 2012) an der qualitativen Spitze standen. Zumindest unterstützt dieser Momenteindruck diese Aufnahmen als sehr richtige Entscheidungen.

Seeger
Leimen Herrenberg
Spannungsreiche Kräuteraromatik in der Nase, druckvoll am Gaumen mit Heidehonig bis in den langen Nachhall. 91

Markgraf von Baden – Gutsbetrieb Schloss Staufenberg
Durbach Schlossberg “K”
Helle Frucht mit Äpfeln und Birnen, in der zweiten Nase ist die Frucht sehr duftig und reif, auch am Gaumen ist das sehr schön voll, guter Nachhall. 91

Ahr Spätburgunder
Bei den roten Großen Gewächsen von der Ahr überzeugen zwei Spätburgunder. Sie stammen beide aus der selben Lage nur von unterschiedlichen Erzeugern. Es handelt sich jetzt hier nicht wie oben um den Jahrgang 2012, sondern den aktuell auf dem Markt befindlichen 2011.

J. J. Adeneuer
Walporzheim Kräuterberg
Noch etwas zurückhaltend in der Nase, zeigt mit Lufteinfluss eine elegante Frucht, Gaumen voll und dabei in sich stimmig, angenehm runde Länge. 93

Große Gewächse 2012

Meyer-Näkel
Walporzheim Kräuterberg
Rote Frucht mit Hagebutten, ein Maul voll mit Pinot-typischer Frucht, ist kraftvoll untermalt von fester Säure, schöner Pfeffer. 92

Sachsen Spätburgunder
Diese Kategorie enthält nur einen Wein. Zugleich ist es aber ein Achtungserfolg nicht nur für das Weingut, sondern auch für das Anbaugebiet. Auch dieses Große Gewächs ist aus 2011.

Schloss Proschwitz – Prinz zur Lippe
Zadel Schloss Proschwitz
Sehr intensiv fruchtig, in Gegensatz zur Ahr fehlen etwas die Ecken und Kanten, dafür ist hier viel Harmonie. Schon erstaunlich, dass in Sachsen ein so guter Pinot wächst. Dieser ist zurecht ein Großes Gewächs. 90

Besonders begeisterten mich die hier genannten Rieslinge aus 2012. Man kann sie mit Fug und Recht als flüssiges Gold bezeichnen. Und der eine oder andere könnte mit diesem Edelmetall aufgewogen werden. Dass die besuchte Präsentation des VDP zu den besten Verkostungsmöglichkeiten dieser Weinwelt gehört, war schon an vielen anderen Stellen (auch über die vorherigen Jahre von mir) zu lesen. Sie kombiniert hervorragend mit der extrem hohen Qualität der gezeigten Weine.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in Münster

Sonntag, 24. Februar 2013

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterGestern präsentierten 40 Winzerinnen auf dem WeinForum von Vinissima ihre Weine erstmals in Münster. Als Veranstaltungsort wurde das „Heaven“ im Hafen der westfälischen Hansestadt gewählt. Dieses nun inzwischen 15. WeinForum findet jährlich im Rahmen der Hauptversammlung des Frauenweinverbandes statt. Dazu wird immer wieder ein anderer Veranstaltungsort gewählt. Der Verein Vinissima wurde 1991 von sieben Frauen aus der Weinbranche in Baden gegründet. Damals waren Winzer noch deutlicher männlich und Frauen im Weinhandel eine Seltenheit. Noch schlimmer: Es gab ein festes Rollenbild. Viel ist seitdem passiert.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterHeute ist es nichts Außergewöhnliches, wenn Frauen als Sommeliere arbeiten. Viele erfolgreiche Weingüter werden von Vertretern des weiblichen Geschlechts geleitet und man begegnet Kellermeisterinnen auch gar nicht so selten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Vinissima stetig auf mehr als 400 Mitglieder angewachsen ist. Fast 60 Prozent kommen aus dem Bereich Weinerzeugung. Aber auch viele Händlerinnen, Gastronominnen und Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Forschung, Bildung und PR organisieren sich in diesem Weinfrauenverband.

Die Neuaufnahme von Mitgliedern ist immer ein wichtiges Thema auf der Jahreshauptversammlung von Vinissima. Aber auch viele andere Aktivitäten werden organisiert. Einer der jährlichen Programmhöhepunkte ist eine gemeinsame Auslandsreise. Nachdem man im vergangenen Jahr in der Champagne war, wird es nun ins Piemont gehen. Das diesjährige Sommerfest wird an der Mosel stattfinden und zu einem „Dinner Oenologique“ wird man in die Gebiete Sachsen und Saale-Unstrut reisen.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterAngesichts dessen, was Vinissima aktiv auf die Beine stellt, scheint die Benachteiligung von Frauen heute nicht der Fokus des Verbandes zu sein. Wenn man anschaut wie erfolgreich viele Mitgliederinnen in der deutschen Weinszene sind, könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass dieses Thema nur noch eine Randerscheinung ist. Vielmehr arbeitet man als kreatives Netzwerk, jenseits von Vereinsmeierei. Der Verband scheint der Rahmen zu sein, in dem der Power und Spass der Mitgliederinnen eingefasst ist.

Bei der Weinpräsentation in Münster zeigt sich, dass Vinissima ein vielfältiger Verein ist. Die Mitglieder kommen zum Teil aus sehr angesehenen und bekannten VDP-Weingütern. Da findet man alteingesessene Größen wie die Weingüter Georg Mosbacher (Pfalz), Hans Lang (Rheingau), Schloss Proschwitz (Sachsen) oder auch Hans Wirsching (Franken). Ebenso stammen viele Mitglieder aus kleineren und nicht ganz so bekannten Betrieben. Einige in Münster vertretene Weingüter sind echte Insidertipps.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterDie Power-Frau Steffi Weegmüller und ihre Weine aus der Pfalz sollte man kennen lernen. Aus ihrem Weingut an der Mittelhardt kommt der wahrscheinlich beste Grüne Veltliner Deutschlands. Nachdem dies ein US-amerikanisches Magazin festgestellt hat, kann man diesen Wein aus dem Jahrgang 2011 leider nicht mehr kaufen. Dafür gab es in Münster aber einige andere sehr schmackhafte Weine zu probieren: Beginnend beim beschwingten „Cuvee Fleur“ über richtig gute Scheureben und Rieslinge bis hin zu den „flüssigen Pralinen“.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterAnette Closheim von der Nahe wird trotz einiger Auszeichnungen in der Weinpresse derzeit ebenso als Insidertipp gehandelt. Die diplomierte Betriebswirtin für Weinbau zeigte in Münster einige extrem guten Weißweine. Das in der 4. Generation bewirtschaftete Weingut in Langenlonsheim umfasst lediglich 10 Hektar. Entsprechend schnell sind die Weine dann ausverkauft. Da nicht alle Weingüter mit hervorragender Präsentation ihrer Weine in Münster leider hier nicht aufgezählt werden können, seien Acham-Magin (Pfalz), Dr. Corvers-Kauter und die Garage Winery (beide Rheingau) noch sehr positiv genannt.

Die Weinfrauen von Vinissima auf dem WeinForum in MünsterBei all den erfreulichen Dingen ist nur eines schade bei Vinissima: Männer dürfen keine Mitglieder werden. Das würden sicherlich einige aus Sympathie ganz gerne, doch auch ohne Stimmrecht geht das nicht. So steht es schließlich seit 1991 in der Vereinsatzung. Aber eventuell ist das auch ganz gut so. In der über 20jährigen Vereinsgeschichte hat man zwar die Rollenbilder nicht auflösen können, aber erheblich verändert. Und die Weinfrauen von Vinissima scheinen fast schon eine Garantie dafür zu sein, dass die kreative Energie in ihrem Verein auf absehbare Zeit nicht versiegen wird. Das gilt hoffentlich genauso für die vielen guten Weine, die es auf dem WeinForum im „Heaven“ in Münster zu probieren gab.

20 Gramm Schokoriegel für eine bessere Welt

Dienstag, 25. Dezember 2012

20 Gramm Schokoriegel für eine bessere WeltEs gibt in der Presse die Tradition einer Weihnachtsgeschichte. Meistens ist es anrührend. In manch negativen Fällen etwas effekthascherisch. Mich erreichen dieses Weihnachten einige Weihnachtsgeschenke. Meistens sind das Weinflaschen. Das ist zwar sehr freundlich und meistens sehr schackhaft, aber irgendwie riecht das für mich etwas nach Arbeit. Doch der Weinimport Riegel sendete mir statt bunter Prospekte oder zahlreicher Weinflaschen 20 Gramm Schokoriegel nebst einer Postkarte. Und darüber habe ich mich wirklich gefreut. Dabei mag ich eigentlich keine Schokolade.

Erfreulich ist jedoch wie dieser Importeur und Händler von Biowein glaubhaft und ernsthaft soziales und ökologisches Engagement mit seiner Wirtschaftstätigkeit verbindet. Es werden dabei konkrete Projekte benannt. Viele versuchten sich in den vergangenen Jahren irgendwelche Plaketten für ökologisches, soziales oder faires Wirtschaften anzulegen. Nicht selten finde ich die unglaubwürdig, da nur auf einen Zug aufgesprungen wird. Ernsthaftes Interesse an einer besseren Welt ist da selten vorhanden. Riegel erinnert nun gerade in der Weihnachtszeit, dass unser extremer Überfluss nicht überall auf dieser Welt vorhanden ist.

Hintergrund bei diesem Weinimporteur ist, dass hier reale Bezüge in die Länder bestehen, aus denen man Wein bezieht. Wein ist nicht nur ein Handelsgut mit einem bestimmten Preis, sondern die Bedingungen der Erzeugung werden in den Handel einbezogen. Nun, ich möchte nicht die Weine von Riegel-Weinimport hier groß loben. Ich habe schon – positiv wie auch negativ – über einige geschrieben. Nur deren Engagement gehört aus meiner Sicht gewürdigt. Eben weil es keine Marketing-Masche ist. Und der Schokoriegel war auch ganz lecker.

Wer ein Projekt unterstützen will, kann dies hier.