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Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die Hoftore

Donnerstag, 30. August 2012

Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die HoftoreWenn man durch Rheinhessen fährt, begegnet man so manchem typischen und erst auf dem zweiten Blick reizvollen Schick. Hinter einigen unverputzten Fassaden verbergen sich jedoch schöne Wohnzimmer. Die sieht man als Durchreisender leider selten. Doch das Hauptproblem für Weintouristen: “In Rheinhessen sind die Hoftore leider noch recht häufig verschlossen”, so Ingrid Weigerding von der Tourismuswerbung in Rheinhessen. Und wenn man dann in den Keller eines Winzers vorgedrungen ist, meint man schnell mal mehr Wein mitnehmen zu müssen, als man tragen kann. Ein entspanntes Probieren wird jetzt mit den zertifizierten Vinotheken in Rheinhessen ermöglicht.

In den kommenden Tagen werden an den ersten 7 geprüften Vinotheken in Rheinhessen die Schilder über eine erfolgreiche Zertifizierung angebracht. Dazu mussten die betreibenden Weingüter einen ganzen Katalog an Voraussetzungen erfüllen. Zu diesen Qualitätskriterien gehören regelmäßige und gesicherte Öffnungszeiten, eine entspannte Einkaufsatmosphäre und kompetente Beratung durch geschultes Fachpersonal. Viele weitere Kriterien müssen zur Aufnahme in den Katalog der ausgezeichneten Vinotheken in Rheinhessen erfüllt werden. Die Barrierefreiheit – für einige sehr wichtig – ist in den Vorraussetzungen jedoch nur ein Punkt.

Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die HoftoreWir haben uns in diesen 7 Vinotheken umgeschaut und möchten hier davon berichten. Eva Pauser (Rheinhessische Weinkönigin 2005/2006) vom Weingut Pauser versprüht jungen Frauenpower. Als Mitglied beim Frauenweinverband Vinissima erzählt sie, dass „Sohn“ das erste war, was mit ihrem Eintritt ins Geschäft bei „Weingut Pauser & Sohn“ gestrichen wurde. Die Vinothek hat einen modernen Charme und man kann sich angesichts des Neubaus fragen, ob der Familienbetrieb oder die Bank hier mehr Mut bewiesen hat. Die Weine beruhigen jedoch schnell jede Furcht, denn die schmecken hier sehr gut und man kann gespannt sein, was man noch von diesem Weingut hören wird.

Eigentlich war die Zeit für den Schritt zu geprüften Vinotheken reif gewesen. Rheinhessen gilt seit Jahren in der deutschen Weinwelt als eines der dynamischsten Anbaugebiete. Dies wird zukünftig nicht mehr nur für den high-end Anbau, modernste Keller und diffiziles aber zugleich extrem gutes Marketing gelten. Und es muss nicht mehr nur auf einige wenige inzwischen größere Spitzenbetriebe begrenzt bleiben. Gerade von kleinen Weingütern aus Rheinhessen hat man in den vergangen Monaten sehr viel Gutes gehört.

Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die HoftoreMit den Betriebsvinotheken wird auch der Bereich von Verkostungsmöglichkeiten bei Weingütern gut erschlossen. Es erstaunt kaum, dass in vielen Weingütern hier eine junge Generation tätig ist. So mancher Schaden der von „Nierstein Gutes Domtal“ (die immer noch erhältliche „Spätlese mir Beerenaroma“ ist hier ein Untoter, der noch immer unterwegs ist) oder der Liebfrauenmilch erzeugt wurde, wird gerade mit Engagement und Leistung mehr als repariert. Man kann den Espenhof, das Weingut Pausen oder auch das Weingut Bieger & Brand mit seinem Kaisergarten hier positiv Beispielhaft nennen.

Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die HoftoreIm Kaisergarten in Alzey vom Weingut Bieger & Brand bringt man die Weine aus dem Weingut mit vielen gastronomisch erfreulichen Überraschungen zusammen. Das fehlte irgendwie in dieser „einer-der-Zentrumsstädte“ von Rheinhessen. Hier kann man aber auch als per Fahrrad Durchreisender verkosten. Die positive Überraschung hier: Man kann sich die probierten Weine ohne Porto zuschicken lassen. Das ist ideal auf der Fahrradtour. Und der Wein ist – wenn alles klappt – an dem Tag bei einem zuhause, wenn man aus seinem Urlaub zurückkommt.

Für das Anbaugebiet Rheinhessen stehen die zertifizierten Vinotheken im Gesamtkontext einer Orientierung am Endverbraucher. Die Fassweinerzeugung ist in vielen Bereichen dieser Erde wesentlich billiger möglich. Eine wundervolle Hügellandschaft gibt es aber (fast) nur in Rheinhessen. Auch der stetige Nachkauf per Direktbestellung funktioniert für die Weigüter heute nicht mehr so einfach wie vor 20 Jahren. Da ist Rheinhessen kein Einzelpatient. Heute muss ein Weingut dem Weinkonsumenten wesentlich mehr bieten.

In vielen der rheinhessischen Vinotheken gibt es nahezu eine Rundumversorgung. Das bindet Kunden und führt zu positiven Erlebnissen. Im Weingut Wasem in Ingelheim, wo man das ehemalige Kloster Engelthal der Zisterzienser liebevoll umgebaut hat, wurden neben umfangreicher Gastronomie (in gleich drei verschiedenen Preisschienen) auch großzügige und stilvolle Tagungs- und Eventräume eingerichtet. Hier kann man auch größere Hochzeiten feiern.

Vinotheken: In Rheinhessen öffnen sich die HoftoreFeiern kann man genauso auf dem Weingut Espenhof. Dort kümmert sich Lena Espenschied um die größeren Feste. „Sparen Sie sich den Wedding-Planer und rufen Sie gleich bei uns an“, so die studierte Eventmanagerin. Wenn man den Charme dieses Weinguts sieht, möchte man auch ohne Anlass dort ein Fest feiern. Die Qualität der Weine gibt dazu ohnehin einen guten Grund. Und wenn man die Geschwister Lena und Nicolas Espenschied (neben Pascal Greiner auch im Keller des Weinguts tätig) erlebt, kann man hoffnungsfroh in die Zukunft schauen und sich sicher sein, dass man von den beiden noch einiges hören wird.

Ein weiterer Bestandteil der Rundumversorgung, die in Rheinhessen neben den Vinotheken angeboten werden, sind Übernachtungsmöglichkeiten. Zwar ist der Tourismus in Rheinhessen derzeit noch von Kurzreisen geprägt, in vielen dieser Hotels möchte man jedoch auch aufgrund der Ausstattung, der in den Vinotheken angebotenen Weine und vor allem der schönen Landschaft länger verweilen. Im Weingut Peth in Flörsheim-Dalsheim hat man jetzt sogar barrierefreie Zimmer eingerichtet. Übernachten kann man aber auch in der Dohlmühle in Flonheim, dem Hotel des Espenhofs (ebenfalls in Flohnheim) oder beim Weingut Wasem in Ingelheim.

Adressen und Kontaktdaten der Vinotheken

Vinothek Wasem GbR
Edelgasse 15
55218 Ingelheim
info@klosterengelthal.de, www.weingut-wasem.de

Weingut Peth – Vinopeth
Alzeyer Str. 28
67592 Flörsheim-Dalsheim
jutta@peth.de, www.peth.de

Pauser´s Quartier
Im Baumfeld 40
55237 Flonheim
Info@Weingut-Pauser.de, www.weingut-pauser.de

Weingut Dohlmühle
An der Dohlmühle 7
55237 Flonheim
info@dohlmuehle.de, www.dohlmuehle.de

Weingut Espenhof
Hauptstrasse 81
55237 Flonheim
weingut@espenhof.de, www.espenhof.de

Vinothek & Winzercafé Kaisergarten
Hospitalstr. 14
55232 Alzey
info@biegler-brand.de, www.biegler-brand.de

Weingut Dr. Hinkel
Kirchstraße 53
55234 Framersheim
weingut.dr.hinkel@t-online.de, www.dr-hinkel.de

Mehr Fotos sehen Sie in unserem Bilderbuch auf facebook.

Longdrinks und Cocktails mit Lillet Blanc

Samstag, 18. August 2012

Longdrinks und Cocktails mit Lillet BlancNun endlich ist der Sommer da. Und was gibt es an den warmen Abenden nichts besseres als ein kühles Getränk. Im vergangenen Jahr haben wir uns umfangreich mit dem Lillet Blanc befasst (hier der Hintergrundartikel). Nun haben wir verschiedene Cocktails und Longdrinks mit Lillet Blanc gemixt und möchten euch unsere Besten hier vorstellen.

Grundsätzlich ist zwischen den Longdrinks und den Cocktails zu unterscheiden. Dabei werden die Longdrinks in einem größeren und höheren Glas serviert. Beim Lillet kann man dazu auch gerne ein größeres Weinglas nehmen. Die Lillet-Longdrinks werden natürlich nicht gemixt, sondern die Zutaten werden in das Glas gegeben. Evtl. wird noch gerührt.

Lillet Vive

Der sicherlich bekannteste Longdrink mit Lillet Blanc ist der Lillet Vive. Ins Glas kommen 5 cl Lillet und 10 cl Tonic Water. Hinzu werden einige Eiswürfel gegeben. Garnieren sollte man den Lillet Vive mit einer Gurkescheibe und einer geviertelten Erdbeere. Einige Minzblättchen verschönern diesen Longdrink enorm. Zugleich ist es sehr erfreulich wie sich die Aromatik von Gurke, Erdbeere und Minze harmonisch im Lillet Vive zeigt.

Lillet Berry

Ein weiterer sehr bekannter Longdrink mit Lillet Blanc ist der Lillet Berry. Dieser passt auch sehr schön in die Erdbeerzeit. Er besteht aus 5 cl Lillet und 10 cl Russian Wild Berry. Diese werden in einem größeren Weinglas mit mehreren Eiswürfeln aufgefüllt. Eine geviertelte Erdbeere kommt hier noch hinzu. Dann sollte man leicht umrühren und fertig ist der Lillet Berry. Das ist eine erfrischende fruchtige Köstlichkeit an Sommertagen auf der Terrasse.

Lillet Culetto

Ein dritter sehr erfrischender Longdrink ist der Lillet Culetto. In ihm werden 5 cl Lillet, 6 cl trockener frischer Weisswein (z.B. Riesling oder Sauvignon Blanc) und 3 cl Soda verwendet. Dazu kommen einige Eiswürfel. Ein Gurkenstift verziert den Lillet Culetto. Dieser Longdrink ist aufgrund des Weins schön spritzig und frisch. Erstaunlich ist beim Lillet Culetto, wie die Armen der Weine hier gut zum tragen kommen. Dies ist auch eine Folge der hochwertigen Zutaten im Lillet Blanc.

Longdrinks und Cocktails mit Lillet Blanc
Kommen wir nun zu den Cocktails mit Lillet Blanc. Diese unterscheiden sich dadurch, dass sie gemixt werden, in der Regel hochprozentiger sind (also mehrere Spirituosen enthalten), in einem kleineren und anderen Glas serviert werden.

Vesper Cocktail

Der Vesper Cocktail ist einer der bekanntesten mit Lillet Blanc. Er besteht aus 1 cl Lillet, 6 cl Gin und 2 cl Wodka. Die Zutaten kommen mit reichlich Eis in de Shaker und werden grüdlich durchgeschüttelt. Nun kommt der Vesper Cocktail in ein vorgekühltes Martiniglas. Hierin wird er noch mit einer Zitronenzeste garniert.

Corpse Reviver

Ein weiterer klassischer Cocktail mit Lillet Blanc ist der Corpse Reviver. Hierfür werden 3 cl Lillet, 3 cl Gin, 3 cl Triple Sec, 3 cl Zitronensaft und 1 Dash Absinth mit genügend Eiswürfeln in den Shaker gegeben. Nach ausreichendem Schütteln wird dies in ein kühles Martini-Glas abgeseiht. Als Zierde kommt noch eine Maraschinokirsche in den Corpse Reviver.

Longdrinks und Cocktails mit Lillet BlancDas war es erst einmal. Ihr kennt bestimmt noch einige weitere Longdrinks und Cocktails mit Lillet Blanc. Ihr könnt diese gerne per Kommentar hinzufügen. In unserer Flasche Lillet ist noch etwas drin und so werden wir in den kommenden Tagen noch etwas damit rumprobieren und euch natürlich hier auch daran teilhaben lassen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in Bochum

Sonntag, 29. Juli 2012

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumIn einigen gehobenen Restaurants gab es in den vergangen Wochen Menüs, in denen Speisen mit korrespondierenden Weinen des Anbaugebiets Rueda angeboten wurden. In der Orangerie im Stadtpark von Bochum hat sich der Küchenchef Michael Hau dazu entschieden, nicht typisches Essen aus Spanien für diese Weine zu kreieren. Vielmehr wird seine eigene Küche mit diesen weißen Weinen zusammengeführt. Originär spanische Gerichte gibt es im eigenen Haus schon in der Bodega Escalera. Und so kombiniert Hau in fünf Gängen mehrere frische und einen nicht ganz so frischen Verdejo aus Rueda mit Fischgerichten.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumAls erfrischenden Einstieg in das Menü gibt es einen Sherry. Dieser sehr helle Manzanilla mit seiner leicht salzigen Art und dezenten Walnüssen im Nachhall stellt einen sehr schönen Aperitif dar. Dazu gibt es fünf verschieden gebackene Brotteile. Besonders gefällt mir das ein Brot-Warte-Teil mit einer roten weichen Innenmasse und Mohn drüber. Die Farbe ist durch Paprika entstanden. Schon dieser kleine Wartesnack erhöht aufgrund seiner Raffinesse die Erwartung auf das Rueda-Menü ungemein. Eine danach gereichte Platte mit drei kleinen Köstlichkeiten ist ebenso ein schöner Zeitvertreib. Da gibt es Schrimps in Kartoffelschaum, schön gerollten Lachs und einen Basilikumwürfel.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumNach diesem kleinen Vorspiel besteht der tatsächlich erste Gang aus einem Matjes. Genauer ist dies ein Neuer Matjes, der auf Rote-Bete-Graupen liegt dann von einem geröstetem Rosinenstuten abgedeckt wird. Darauf ist wiederum Matjestatar, auf dem eine weitere Schicht Stuten liegt. Als Dekoration dient glasierte Petersilie. Das ist recht kreativ und schmeckt auch vielen Leuten, die nicht unbedingt Matjes-Fans sind. Dazu wird ein Marques de Riscal Blanco gereicht. Dieser frische Wein passt sehr gut zu dem Fisch. Der Weißwein aus Rueda besteht jedoch nicht nur aus Verdejo, sondern auch aus Sauvignon Blanc. Das ist die zweite bedeutende Rebsorte in diesem spanischen Anbaugebeit. Der Reiz des dieses Gangs kann man in den eher gesetzten Aromen des Stuten und dem frischen Fisch- und Weingeschmack finden.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumKüchenchef der Orangerie im Stadtpark Bochum Michael Hau

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer zweite Gang besteht aus einem Meerbarbenfilet. Dieser im warmen küstennahen Salzwasser lebende Fisch ist in Olivenöl mit Zitronen-Tymian gegart. Dabei liegen Schmortomaten, Fenchel und Oliven. Der Fisch ist extrem köstlich. Dazu wird der Verdejo Nievas Los Navales aus dem Rueda gereicht. Der saftige Fisch harmoniert mit seiner leichten Salzigkeit sehr gut mit dem Wein. Einzig das Öl sollte nicht so sehr mit ihm in Berührung kommen. Aber Öl ist ja ein grundsätzliches Problem. Der hier ausgeschenkte Verdejo stammt von wurzelechten Reben. Der Weinberg des Los Navales wurde vor 150 Jahren angelegt. In der Nase ist bei diesem Wein eine breitere Stachelbeere. Der Gaumen wird beim Los Navales von einer intensiven Frucht mit Orange geschmeichelt. Dieser zweite Gang ist schon ein früher Höhepunkt des Menüs.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumAls dritter Gang wird ein Ananassorbet aufgetischt. Das scheint erst etwas deplaziert in der Reihenfolge des Menüs zu sein. So sieht ein Sorbet doch etwas wie ein Nachtisch aus. Doch die Restaurantleiterin der Orangerie in Bochum Britta Minder erläutert, dass es eine alte Tradition zu dieser Anordnung in Frankreich gibt. Der Hintergrund liegt darin, dass vor dem Hauptgang der Geschmack noch einmal Neutralisiert werden soll. Das köstliche und erfrischende Ananassorbet wird frisch mit Verdejo aufgegossen. Verziert ist es von einer kleinen Blume aus karamellisierter Ananas. Ein Gang der sehr viel Spaß macht und Körper und Geist belebt. Vor allem an warmen Tagen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDen vierten Gang kann man als Hauptgericht bezeichnen. Er besteht aus Seetäufelbäckchen in Pumpernickel gebraten. Dies liegt auf Leipziger Allerlei mit Safranspaghetti. In diesem Gang werden also recht viele Ursprünge zusammengefasst. Besonders begeistert hier, wie das ursprünglich aus Westfalen stammende Pumpernickel mit einem Atlantikfisch kombiniert. Dazu wird ein Verdejo von Jose Pariente gereicht. Das besondere an diesem Weißwein aus Rueda ist, dass er im Barrique ausgebaut ist. Bei diesem Verdejo sind Vanille und Briochenoten in der Nase. Er wirkt recht fett am Gaumen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumBei der Kombination von Wein und Speisen kann man mehrere Wege finden. Einer besteht in der Abarbeitung von Gegenpolen bei ähnlicher Geschmacksintensität. Ein anderer Weg kann darin bestehen, bestimmte Komponenten der Speise zu betonen. Bei den „Seeteufelbäckchen in Pumpernickel gebraten auf Leipziger Allerlei mit Safranspaghetti“ spielt der Verdejo aus Rueda besonders auf das Pumpernickel an. Das klingt erst einmal seltsam. Denn dieser Wein sprengt viele Vorstellungen selbst von Weinkennern. Die Barriquenoten spielen geradezu mit den Aromen die durch Maillard-Reaktion und Karamellisierung im Pumpernickel entstanden sind. Michael Hau brilliert mit dieser Kombination.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer fünfte Gang und himbeerige Abschluss ist ein wahrer Gaumenschmaus. Bei der reichen Kombination erstaunt die Vielfalt, die man mit Himbeeren erzeugen kann. Obschon es auch es auch süße Weine in Rueda gibt, ist es schwier hier etwas Passendes zu finden. Und so kann man ganz entspannt darüber nachdenken, welche Speisen einem persönlich gefallen haben, welche Weine besonders gut waren und wie die Kombination aus eigenem Empfinden gelungen waren. Mir persönlich haben besonders die Meerbarben, das Annanassorbet und ganz hervorgehoben die Seeteufelbäckchen gefallen. Jedoch waren alle Gerichte durchdrungen von Kreativität.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumBei den Weinen hat mich der wurzelechte Nievel Los Navales und der Jose Pariente barrica sehr positiv überrascht. Beide präsentieren eine eher ungewöhnlichere Seite von Rueda. Gerade das ist ihr Verdienst. Auch wenn man Barrique-Weine nicht mag, in der Speisenkombination war dies eine Klasse für sich. Und man kann sich fast schon sicher sein, dass man von der Orangerie in Bochum und von Michael Hau in Zukunft noch einiges hören wird.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumÜber Verdejo konnte man auch einiges lernen. So ist gar nicht so bekannt, dass diese Weine nicht nur eine Mode des letzen Jahrzehnts sind, sondern in Rueda eine lange Geschichte des Weinbaus besteht. Das zeigt zum einen der wurzelechte Los Navales. Er bringt wesentlich mehr Tiefe ins Glas, als bislang vermutet. Zugleich ist das Anbaugebiet Rueda in Deutschland bekannt für seine jungen, trockenen und frischen Weißweine. Dass es dort eben auch süße Weine oder Verdejo mit Fassausbau gibt, mag für viele neu sein. Gerade der Jose Pariente barrica entfaltet einen Reiz durch seine Alterung.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumSicherlich ist eine Präzision des Produkts immer gut für das Marketing einer Region. Beim Wein könnte man von einem engen Geschmackskorridor reden. Der fassausgebauten Vedejo von Jose Pariente verdeutlicht jedoch die hohe Haltbarkeit entsprechend gut angebauter Weine in Rueda und zeigt damit ihren Wert. Zugleich ist diese Vielfalt der Weine auch die Basis eines Weinmenüs. Mit ein und demselben Geschmackstyp kann man nur schwer ein 5-Gänge-Menü begleiten. Uns so trägt das Menü in der Orangerie in Bochum auch zu Recht den Untertitel „Vielfalt der Verdejo-Traube“.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer Abend wurde lang und schön. Ein großes Kompliment geht neben den Weinen aus Rueda an die Orangerie in Bochum. Restaurantleiterin Britta Minder zeigt hier, wie gute Weine einen hervorragenden Platz in der gehobenen Gastronomie finden. Küchenchef Michael Hau bringt Kreativität in die Küche. Die Speisen dieses Rueda-Menüs sind anregend, bieten einiges fürs Auge, passen ausgezeichnet zu den Weinen und vor allem: Alle fünf Gänge schmeckten richtig gut. Gut kochen kann man inzwischen an vielen Orten. In der Orangerie im Stadtpark Bochum fühlt man sich darüber hinaus sehr wohl. Man müsste lange suchen um einen kritischen Punkt zu finden.

Vino Mobile oder die Wein-App zum Einkaufen

Dienstag, 7. Februar 2012

Vino Mobile oder die Wein-App zum EinkaufenWein-Apps fürs Iphone oder Handys mit Andriod sind nichts Neues mehr. Jedoch gibt es immer mehr Geräte und es zeichnet sich deutlicher ab wohin die Reise mit Vino Mobile geht. Es wird zukünftig viele Nieschen geben. Das Handy wird jedoch ein immer wichtiger Begleiter beim Einkaufen von Wein werden. Wir haben uns einmal mit drei Apps auf einem Anrdroid-Handy in den Supermarkt begeben, um zu schauen, wie gut diese funktionieren und was man derzeit alles machen kann.

Vino Mobile oder die Wein-App zum EinkaufenWein-App No 1 ist wein.cc. Diese ist von der gleichnamigen Internetseite einwickelt worden. Im Grunde handelt es sich um einen Barcodescanner, der dann über die Onlinesuchmaschine von wein.cc in den dort gelisteten Shops sucht. Der erste Wein, den wir probieren, ist hier nicht zu finden. Bei dem zweiten Wein findet diese App drei Onlineshops Diese beiten ihn jedoch alle teurer an, als er zum Normalpreis in dem Supermarkt verfügbar ist, in dem ich stehe. Ein Einzelfall? Bewerten kann man die Weine nicht. Kosten: Null; Nutzen: Gering.

Vino Mobile oder die Wein-App zum EinkaufenDie zweite App ist eigentlich keine Wein-App. Es handelt sich bei dem Barcode Scanner 4.0 um eine App mit der man jegliche Preise bei Google suchen kann. Nach erfolgreichem Scan hat man die Möglichkeit die Produktsuche zu nutzen, einfach so im Internet zu suchen oder den Google-Shopper einzuschalten. Der steht in Deutschland jedoch noch nicht zur Verfügung. Die Goggle-Produktsuche ist jedoch nicht schlecht. Sie bezieht sich jedoch hauptsächlich auf Online-Shops. Bei manchen Weinen hat man aber so eine Übersicht und kann zusätzliche Produktinformationen bekommen. Kosten: Null; Nutzen: Mittel.

Die dritte App ist diesem Barcode Scanner recht ähnlich. Barcoo heißt sie und sie beginnt ebenso mit den scannen des Strichcodes auf der Flasche. Je nach Handy, Lichtverhältnissen und Flaschenzustand ist das mit allen drei Apps nicht unbedingt schnell und einfach. Doch was dann bei Barcoo passiert, zeigt wohin die Reise geht. Die Seite kennt recht viele Weine aus dem Supermarkt. Da werden dann teilweise die Importeure genannt und deren Weinbeschriebungen gezeigt.

Vino Mobile oder die Wein-App zum EinkaufenWesentlicher Unterschied und Vorteil bei Barcoo ist jedoch die Anzeige des Preises und von Bezugsquellen im örtlichen Handel. Da unser Handy zugleich auch die Position ortet, zeigt es uns Bezugsquellen in unserer Nähe an. Das führt zu der kurriosen Situation, dass dieses App uns nach dem Scannen vor den Supermarktregal sagt, dass es diesen Wein dort gibt und dass er 6,99 Euro kostet. Realität stimmt zu 100% mit der digitalen Abbildung überein. Eine dritte nützliche Anzeige bei Barcoo sind Benutzerwertungen. Zwar sind diese in einigen Fällen recht komisch – was meint beispielsweise “Kannst ohne Stock beigeben”? – bei ausreichender Datenmenge kann es jedoch recht interessant werden.

Vino Mobile oder die Wein-App zum EinkaufenEine hervorrgende und nutzvolle Funktion bei unserem Testsieger Barcoo (Kosten: Keine; Nutzen: Hoch) ist die Speicherung von Suchanfragen auf dem Handy. Wenn man irgendwo unterwegs ist, kann man nach einem Geschäft in der Nähe suchen. Jedoch sind diese Datenbanken noch recht dünn. Die Auswirkungen auf den Weinhandel werden in den kommenden Jahren jedoch enorm sein. Mit weiterer Verbreitung solcher Apps und dem Sinken der Tarife für das mobile Surfen werden die Weinhändler mit einer vollkommenen und immer zur Verfügung stehenden Preistransparenz zu rechnen haben. Wo wird das hinführen?

Gault Millau 2012: Entdeckung, Aufsteiger und Winzer des Jahres

Mittwoch, 9. November 2011

Gault Millau 2012: Entdeckung, Aufsteiger und Winzer des JahresJedes Jahr wird wieder mit Spannung erwartet, wer als Entdeckung, Aufsteiger und Winzer des Jahres vom Gault Millau WeinGuide ernannt wird. Dieses Jahr kann sich Matthias Müller vom gleichnamigen Weingut in Spay am Mittelrhein über die Auszeichnung „Winzer des Jahres 2012“ freuen. Der Titel des „Aufsteiger des Jahres“ geht dieses Jahr in die Pfalz. Hier brachte Stephan Attmann das Weingut von Winning (Dr. Deinhard) in Deidesheim innerhalb kurzer Zeit wieder zu alter Größe. Als „Entdeckung des Jahres 2012“ zeichnet der Gault Millau der Weingärtner Cleebronn-Güglingen e.G. aus.

Besonders erfreut ist man in Württemberg bei der Genossenschaft Cleebronn-Güglingen. „In den Zeiten der vielen Zusammenschlüsse ist es uns wichtig, dass unsere Weine ein besonderes Preis-Genuss-Verhältnis mit einem hohen Qualitätsanspruch verbinden und unsere Weine als sehr gut bewertet werden“, so Axel Gerst. Die Weingärtner in Cleebronn-Güglingen haben als „Aufsteiger des Jahres“ nun im renommierten Weinführer Gault Millau ihre zweite Traube verliehen bekommen. Damit reiht sich die Genossenschaft in so klingende Namen wie Augustin (aus dem vergangenen Jahr, hier bei uns im Interview), Laible (2009), Ziereisen (2007), Markus Schneider (2006) oder van Volxem (2002) ein.

Vom jährlich erscheinendem Gault Millau WeinGuide 2012 liegt jetzt die 19. Ausgabe vor. In ihm werden auf 914 Seiten 1.029 Weinerzeuger vorgestellt. Davon sind 692 Betriebe mit mindestens einer Traube ausgezeichnet. (Bild oben: Weingärtner in Cleebronn-Güglingen Geschäftsführer Axel Gerst, Vorstandsvorsitzender Thomas Beyl und Kellermeister Andreas Reichert)

Wein aus Arizona: Blood into Wine

Freitag, 21. Oktober 2011

Wein aus Arizona: Blood into WineDie Geschichte von „Blood into Wine“ ist eigentlich schnell umrissen. Der Film erzählt mit einigem Mut zur Selbstironie davon, wie Maynard James Keenan zusammen mit dem Önologen Eric Glomski in Arizona ein Weingut betreiben. Maynard Keenan hat sich als alternativ-Metal-Musiker mit der Band „Tool“ einen Namen gemacht. Eric Glomski erwarb sein Wissen über Wein im Napa Valley. Neben den beiden interessanten Hauptfiguren des unterhaltsamen Dokumentarfilms entsteht ein Spannungsbogen im Weinbau in einer Grenzregion, in der man unter „berechnetem Risiko“ Pionierarbeit leistet.

Wenn man Arizona hört, denkt man bei Getränken wohl derzeit eher erstmal an Eistee. Den braucht man auch, wenn man die trockenen heißen Tage dort einmal erlebt hat. Doch wer weiß schon, dass es in Arizona auch Weinbau gibt? Selbst in den USA ist das eine Ausnahmeerscheinung. In Deutschland wird beim Thema Wein aus Nordamerika fast ausschließlich das warme Kalifornien gemeint. Selbst Weine aus Regionen die in den USA etabliert sind – wie Washington State – kann man in hiesigen Weinfachhandlungen nur selten zu finden.

Zu Beginn des Films erschient es als ein Kontrast, dass Tool-Sänger Maynard James Keenan die Rebschere als neues Werkzeug für sich entdeckt hat. Zugleich ist es wesentlich spannender, als wenn man 90 Minuten lang Sylvester Stallone dabei zusehen würde, wenn er seinen neuen Arbeitsschwerpunkt Lyrik entdeckt. Der Kontrast löst sich jedoch auf. Wein kann ein künstlerisches Produkt wie Musik sein. Keenans auch in der Musikwelt unscharf und widersprüchlich bleibende Figur spiegelt sich in den schwierigen Bedingungen des Weinbaus in Arizona. Zugleich tritt er in „Blood into Wine“ wahrscheinlich so klar und offen wie nie zuvor auf.

Es ist eine seltsame Situation, wenn Tool-Fans die Weine aus Arizona kaufen. Das erinnert an das Weingut von Oethegraven an der Saar. Hier bestellten plötzlich Bild-Zeitungsleser Riesling, weil sie erfahren haben, dass Günther Jauch nun der Eigentümer ist. Man kann sich dabei irgendwie fragen: Wie personalisiert ist eigentlich die Ware Wein? Gerade dadurch, dass der Film „Blood into Wine“ dieses Thema nachdenklich aufgreift, wird er sehenswert.

Wein kann als vielfältige Projektionsfläche dienen. Für den schauspielenden Grenzgänger Gerard Depardieu, der gleich mehrere Weingüter in Frankreich besitzt, ist es Genuss. Bei Maynard James Keenan findet eher eine spirituelle Projektion statt. Diese steht gar nicht im Kontrast zu seiner Karriere als Musiker im Bereich alternative Metal, sondern setzt diese fort. Und so wie der Bandname „Tool“ immer diskutiert wurde, kann man „Blood into Wine“ eben auch in die spirituelle Richtung deuten.

So wird für Maynard James Keenan Wein dann auch zu einem „göttlichen Wesen“. Für Eric Glomski, der in „Blood into Wine“ besonders ökologische Aspekte wie Nachhaltigkeit herausstellt, ist „die Erde eine Art Kirche und Gott“. Interessant sind diese Bezüge zum Glauben vor dem Hintergrund, dass zwar der qualitätsorientierte Weinbau in Arizona recht neu ist. Jedoch bauten erstmals Franziskanermönche im 16. Jahrhundert dort Messwein an.

Das Qualitätsstreben von Keenan und Glomski sind im Film unverkennbar. Gerade weil auch von den Missgeschicken und schwierigen klimatischen Voraussetzungen des Weinbaus berichtet wird, ist es kein Werbefilm für Wein aus Arizona oder aus den Merkin Vineyards. „Blood into Wine“ ist nicht nur für Musikfans von Maynard James Keenan oder Interessenten an Wein aus Arizona sehenswert. Er zeigt auch sehr schöne Landschaften und erzählt eine Geschichte von Menschen die an ihre Ziele glauben und für diese arbeiten.

Links zu anderen Blogbeiträgen
Weininvestment
Baccantus
Der Direttore
Dennis Münch

Der Film erscheint heute als DVD in Deutschland.

Zum Schluss eine kleine Preisfrage: Wem hat Maynard James Keenan den Wein mit dem Namen Judith gewidmet?

Antworten bitte als Kommentar (werden zeitversetzt veröffentlicht). Zu gewinnen gibt es eine DVD des Films und ein Poster.