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Archiv für die 'Verkostungen nach Land/Region' Kategorie

Villa Antinori aus der Toskana

Samstag, 10. März 2018

villa antinoriDer Villa Antinori aus dem gleichnamigen Haus ist ein absoluter Klassiker. Und dies seit Jahrzehnten. Im Jahre 1928 wurde der erste Jahrgang dieses Rotweins erzeugt. Im Wein Villa Antinori werden nur Trauben aus dem eigenen Anbau verwendet. Ganz anders als in einem Weinhaus üblich. Auch die Zusammensetzung dieses Weins ist durchaus interessant. Etwas mehr als zur Hälfte besteht er aus Sangiovese. In einem Chianti Classico sind deutlich mehr vorgeschrieben. Dort sollen es mindestend 80 Prozent sein.

Die Rebsorte Sangiovese ist mit all ihren Spielarten ein Sinnbild für den Weinbau in der Toskana. Beim Villa Antinori kommen noch Cabernet Sauvignon, Merlot und ein kleiner Anteil an Syrah hinzu. Das ist in solch einer Zusammensetzung eher selten. Das Weingut Volpaia erzeugt z.B. großartige Rotweine in der Toskana mit Syrah. Bei denen hat mich immer erstaunt, wie stark auch ein kleiner Anteil dann geschmacklich im Wein nachzuvollziehen ist. Also auf zur Verkostung.

Villa Antinori verkostet

Der Rotwein ist dunkel und dicht mit violettem Rand im Glas. In der Nase wirkt der Villa Antinori erst etwas verschlossen bis dünn mit einer Himbeere. Doch lass den Wein mal an die Luft. Er braucht das durchaus. Dann hat man in der Nase einer runde, reife und sehr harmonische Kirschfrucht. In der zweiten Nase ist eine reife Brombeere mit Sahnekakao und dezenten Röstnoten. Etwas Minze ist im Hintergrund Doch die schwarze reife Kirsche überragt alles ohne dabei plump zu wirken. Der Gaumen ist rund und weich. Dieser Rotwein ist harmonisch durch und durch. Die Mischung der Rebsorten ist sehr gekonnt und hat sich ausgezahlt.

toskana villa antinoriIch hatte erst etwas Befürchtungen diesen Villa Antinori so früh zu öffnen. Aber dies ohne Grund. Den Jahrgang 2014 kann man jetzt schon trinken. Und der Anspruch ist bei dem diesem Wein recht hoch. Da ist zum einen der Preis. Zum zweiten die starke Marke. Und zum dritten eine lange und ruhmvolle Geschichte. Manche Erzeuger ruhen sich auf so etwas aus. Doch hier ist es ganz anders. Der Wein macht so richtig Spaß. Großes Kompliment in die Toskana an das wirklich großartige Weinhaus Antinori. Hier wird einem Klassiker alle Ehre erwiesen.

Vigneti Le Monde Pinot Bianco

Sonntag, 18. Februar 2018

Le Monde Pinot BiancoJetzt gibt es einen Pinot Bianco von Le Monde. Das Friaul ist in der Welt bekannt für seine Weißweine. Aus meiner Sicht kommen viele der besten italienischen Weine dieser Kategorie aus dieser Region. Besonders bezaubern häufig die Rebsorten Pinot Bianco und Pinot Grigio. Um dies genauer unter die Lupe zu nehmen, habe ich mir mal das Weingut Le Monde ausgesucht. Dieser Weißwein hat zudem Drei Gläser im Gambero Rosso bekommen. Dabei handelt es sich sehr häufig um ein zuverlässiges Indiz für Qualität.

Der Pinot Bianco von Le Monde zeigt sich in einem kräftigen Strohgelb im Glas. Das sieht schon fast golden aus. Hierbei fällt auf, dass dies eigentlich für einen trockenen Weißburgunder etwas untypisch ist. In der Nase ist ein voller Fruchtkorb. Da ist recht zentral und duftig ein reifer Weißer Pfirsich mit Pink Grapefruit im Hintergrund. Weinig später zeigt sich feiner Schmelz ist am Gaumen. Zudem bringt der Wein sehr viel Frische mit. Ich tippe auch aufgrund der Opulenz dieses Pinot Bianco auf sehr reife Trauben. Der Nachhall ist recht lang. Ein hervorragender Wein. Deswegen gehen aus meiner Sicht die Drei Gläser des Gambero Rosso voll in Ordnung.

Le Monde Pinot Bianco
Italien – Friaul
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2016
Preis: 9 Euro
Verschluss: Presskorken
EAN 8034013470019

Weinhaus Heger feiert 30 Jahre

Donnerstag, 5. Oktober 2017

weinhaus heger vitusHeute ist es fast schon selbstverständlich. Viele Inhaber von VDP-Weingütern betreiben zudem ein Weinhaus. Vor 30 Jahren war so etwas neu. Die damals jungen Silvia und Joachim Heger hatten automatisch mit einiger Kritik zu leben. Bei unserem französischen Nachbarn ist dies in vielen Weinregionen allerdings ganz normal.

Der doppelte Heger oder was?

Drehen wir die Geschichte zurück. 1986 entstand die Idee zum Weinhaus. Joachim Heger kehrte von seinem Studium in Geisenheim auf das elterliche Weingut zurück. Und gleich zu Beginn war klar, dass die Weinqualitäten sauber getrennt werden. Das Weingut Dr. Heger erzeugt hauptsächlich Große Gewächse und Weine aus Ersten Lagen. Daneben gibt es noch wenige Spezialitäten ohne VDP-Klassifikation. Jedoch gibt es vom hier weder Orts- noch Gutsweine.

Das Weinhaus Heger hingegen ist für alltägliche Weine da. In den drei Linien Oktav, Sonett und Vitus werden hier Rebsortenweine erzeugt. Die Linie Sonett findet man hierzulande häufig im Fachhandel. Vitus erinnert an einen Vorfahren der Familie, der in den 1930er Jahren ausgewandert ist. Die Weine des Weinhauses Heger stammen zu Teil aus eigenem Anbau (z.B. aus Junganlagen, die für Große Gewächse noch nicht geeignet sind). Jedoch kommt ein großer Teil von Partnerwinzern. Im Weinhaus Heger werden inzwischen Trauben aus 60 Hektar am Kaiserstuhl und am Tuniberg verarbeitet.

Unvergesslicher erster Kontakt

Mein Erstkontakt mit den Weinen von Heger ist schon ewig her. Damals hatte ich ein Grauburgunder aus Ihringen von Dr. Heger im Glas. Soweit ich mich erinnere hatte er noch die nicht mehr verwendete Zusatzbezeichnung Dreistern. Den gab es zu Hummer und als zweiten Wein einen Meursault. Die beiden Weine passten ausgezeichnet zum Essen und spielten in der selben Liga. Dabei kostete der Grauburgunder damals die Hälfte des Weins aus dem Burgund. Aber das ist auch schon über 10 Jahre her und die Relationen haben sich auch hier etwas angeglichen.

heger vitus grauburgunderNun habe ich den Vitus Grauburgunder von Weinhaus Heger im Glas. Hier zeigt er sich in einem vollen Strohgelb mit etwas grünen Reflexen. Die Nase ist von reifer fast schon süßlich duftender Birne geprägt. Neben einer Honigmelone bemerkt man in der zweiten Nase helle Blüten. Ein gut eingebundener Vanilleton verrät hier schon den Ausbau in französischem Holz. An den Gaumen bringt dieser Grauburgunder eine samtige Breite mit feinem Schmelz. Im Nachhall rundet eine beschwingte Karamellnote ab.

Am Gaumen zeigt sich dieser Grauburgunder voll und ganz als Barriquewein. Zugleich erschlägt das Holz nicht. Auch wenn die Säurewerte nicht so sehr hoch erscheinen, ist dieser Grauburgunder recht frisch. Gerade auch das Fehlen von – sonst recht häufig bei Weinen dieser Rebsorte aus Baden auftretenden – buttrigen Noten verschafft diesem Wein ein internationales Format. Zum Auswanderer Vitus Severin Heger passt das ganz gut. Preis pro 0,75-L-Flasche ab Weingut 13,60 Euro.

Weinrallye #111 Wein und Geschichten: Agly Bio

Sonntag, 2. Juli 2017

domaine agly bioDiese Runde der Weinrallye mit dem Thema Weingeschichte(n) wurde von Anja Kircher ausgerufen (leider nicht mehr online). Wie man so häufig sagt, liegen die besten Geschichten auf der Straße. Und eine solche führt mich bei dieser Rallye auf der D117 durch das Agly-Tal zwischen Saint-Paul-de-Fenouillet und Perpignan. Das ist natürlich in Frankreich in der Weinregion Roussillon. Wie so häufig ist das Weintal nach einem Fluss benannt. Der Agly entspringt im Corbieres, schlängelt sich durch das östliche Ende der Pyrenäen um dann ins Mittelmeer zu münden.

Wie der Name des nun zu verkostenden Rotweins schon sagt, ist dieser auch als Bio zertifiziert. Ein großer Teil der Produktion von Biowein ist in Frankreich im Languedoc und in Roussillon beheimatet. Das ist nicht nur eine Frage von Überzeugungen. Der Weinbau für biologische Trauben ist fast nirgendwo auf der Erde so einfach wie in Südfrankreich. Hier bestehen dafür ideale klimatische Bedingungen.

agly bio vignerons catalansDas Agly-Tal ist von drei Gesteinsorten geprägt. Zum einen ist es bekannt für sehr reine Kreide. Diese wird noch immer in Steinbrüchen abgebaut. Zum zweiten gibt es hier Schiefer und Sandstein. Der Rotwein Agly Bio besteht aus den für das Roussillon typischen Rebesorten Syrah und Grenache. Er ist zudem als Reserve gekennzeichnet, was auf einen Holzausbau hinweisen müsste. Als 2016er kann der aber nicht sehr lange gewesen sein.

Ugly Bio oder Agly Bio?

Der Agly Bio stammt von den Vignerons Catalanes. Ich hatte schon einmal versucht einen Überblick über deren Sortiment zu gelangen. Das ist kaum möglich. Hier herrscht eine bunte Vielfallt und nicht mal deren Internetseite listet alle Weine auf. Die Genossenschaft Vignerons Catalanes wurde 1964 gegründet. Für meinen Geschmack sind die jetzt schon etwas groß geworden. Aber inzwischen gibt es gerade in Frankreich viele mengenmäßig große Erzeuger mit zum Teil hervorragenden Weinen in der Flasche.

agly bio roussillonDoch nun zu dem Wein selber. Der Agly Bio Reserve aus dem Jahr 2016 zeigt sich in einem leuchtenden Rubinrot mit violettem Rand im Glas. In der Nase sind Himbeeren mit Brombeeren. Etwas eingekocht wirkt Cassis im Hintergrund. Seine 14,5 % riecht man auch etwas. Am Gaumen wirkt dieser Rotwein aus dem Roussillon sehr schön rund und harmonisch mit dezenter Würze. Das Mundgefühl ist weich bei ausgewogener Frucht und Frische, die den Trinkfluss bringt. Der Nachhall ist mittellang. Bei einem Preis von unter 7 Euro bekommt man hier sehr viel Spaß ins Glas. Dieser Rotwein ist zudem noch vegan. Nicht dass ich dem irgendeine Bedeutung zukommen lassen würde. Aber manchen ist so etwas ja wichtig.

Agly Bio und Ugly Unbio – Wo ist die Geschichte?

Nun kann man sich zurecht fragen, wo hier die Geschichte für die Weinrallye ist. Mir geht es um Weinbaugeschichte. Vor 150 Jahren war fast alles in der Landwirschaft Bio. Das Aufkommen des Begriffs Naturwein in Deutschland vor ca. 100 Jahren verweist auf erstmals kritisch betrachtete Techniken im Wein. Man kann diese Technikkritik mit dem Ende der Belle Epoque zusammen treffen sehen. Der Untergang der Titanic spielt hier sicherlich auch eine Rolle. Es geht um das Ende einer zuvor nur positiv gedachten Naturbeherschung durch menschliche Technik.

Die Naturnachbildungen in den Stahlgerüsten der Belle Epoque verspachen eine wiederspruchsfreie gute Zukunft. Jedoch dauerte es Jahrzehnte bis sich der erste Bruch dieser Vorstellung in einen Gedanken von biologischer Erzeugung von Lebensmitteln und Wein übersetzte. Für Deutschland kann man hierfür die 1980er Jahre als bedeutend ansehen. Und heute? Das Segment Biowein wächst weiter. Man könnte dieses Wachstum interpolieren und für die nahe Zukunft voraussagen, dass es nur noch Biowein geben wird. Ich denke eher, dass dieser Bereich sich einem Zielwert nähert.

Schöne Fotos aus dem Agly-Tal gibt es übrigens in diesem Blog.

Domaine Agly Bio Reserve
Frankreich – Cotes du Roussillon Villages AOP
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14,5 %
Jahrgang: 2016
Preis: 6,80 Euro
Verschluss: Presskorken
EAN 3233960056733

Vinexpo mit Gastland Spanien

Montag, 19. Juni 2017

vinexpo bordeaux gastland spanienAuch der zweite Tag läuft auf der Vinexpo in Bordeaux in perfekt klimatisierten Messehallen. Ich denke mir, dass die Messe in diesem Jahr nicht nur deswegen zu einem besonderen Magnet wird. Denn man ist ganz gerne dieser Tage in kühlen Räumen. Die Weine mit denen ich mich heute beschäftige, kommen aus dem warmen Spanien zumindest meistens. Spanien ist als Gastland der Vinexpo umfangreich auf der Messe in Bordeaux vertreten.

vinexpo spanien gastlandNeben dem riesigen Gemeinschaftsstand gibt es zahlreiche Stände der einzelnen Anbaugebiete. Und es gibt eine Verkostungsmöglichkeit am Automaten. Es klingt etwas komisch, aber ich finde das häufig recht gut, weil man sich da in Ruhe mit den einzelnen Weinen beschäftigen kann. Die Herausforderung zu verkosten, Fotos machen und Notizen auf Papier zu bringen ist doch bei einem umfangreichen Messetag relativ groß. Und so ein Automat kann recht viel Zeit sparen, da man sehr schnell einen Überlick bekommen kann. Bei dieser spanischen Verkostungsstation gefallen mir besonders gut einige Cava.

vinexpo verkostungsautomat spanienDann probiere ich vom Gastland Spanien auch noch etwas aus Ribera del Duero. Hier mag ich den Oraculo aus 2010. Und auch der Protos’27 mit dem Jahrgang 2014 ist herausragend. Das erinnere ich mich gerne an eine Reise nach Rueda vor einigen Jahren. Dort besuchten wir auch den Ableger von Protos. Und schon gibt es eine perfekte Überleitung zum einer Veranstaltung, bei der sich alles um den Weißwein aus Spanien dreht.

Verkostung mit Pedro Ballesteros MW aus Spanien

Bei Verkostungen startet man gerne mit weißen Weinen. Aus meiner Sicht eigentlich ohne Grund. Bzw. nur aus dem, dass man die Gläser nicht tauschen muss. Pedro Ballesteros MW absolviert heute einen Marathon an geführten Verkostungen. Die erste beschäftigt sich mit spanischen Weißweinen. Dabei ist dieses Land eher für gute Rotweine bekannt. Ballesteros hebt hervor, dass es dort auch schwieriger ist Weißweine zu erzeugen. Häufig wurde in der Vergangenheit die fehlende Säure zum Problem. Im letzten Jahrzehnt hat sich in Spanien das Wissen um die Erzeugung dieser Weine jedoch stark verbessert.

vinexpo pedro ballesteros mwBei ausverkauftem Haus in der Vinexpo Akademy gibt es 10 weiße Weine zu probieren. Fast schon wie im Anschluss an das Thema WOW! von gestern beginnt die Verkostung mit einem Biowein. Der ist sogar aus biodynamischen Anbau. Der Electio von Pares Balta kommt mit einem sehr spärlichen Frontetikett daher. Hinten steht wesentlich mehr auf der Flasche. Dieser Xarel-lo ist aus dem Anbaugebiet Penedes. Er zeigt sich recht dunkel im Glas. In der Nase ist helles Obst. Am Gaumen ist der Wein kraftvoll mit lebendiger Säure. So gut habe ich Penedes selten erlebt. Dieser Wein kostet im Handel ca. 30 Euro.

vinexpo electio pares baltaEin kühler sprudelnder Start mit dem Electio von Pares Balta

vinexpo mil riosAls nächsten Wein gibt es den Mil Rios Godello aus dem Gebiet Valledoras. Ballesteros hebt hervor, dass es in Spanien eine Herausforderung ist eine Säure zu erhalten. Sie wollen diese nicht hinzufügen, sondern natürlich in den Weißweinen haben. Wieso er dies bei diesem Wein erwähnt wird mir nicht ganz klar. Dieser spanische Weißwein hat eine helle Farbe. Frischfruchtig mit Birne ist er in der Nase. Der vielschichtige Gaumen präsentiert sich mit beschwingter Säure. Dieser Spanier hält sehr lange mit einem bunten Fruchtkorb an. Der Preissturz auf 7 Euro ist erstaunlich. Ich hätte diesen Wein als teuer eingeschätzt. Aber die Region ist in Deutschland zumindest nahezu unbekannt.

vinexpo la marLa Mar von Terra Gauda ist mir schon lange bekannt. Hier haben wir jetzt den Jahrgang 2014 im Glas. Es werden drei Rebsorten aus Rías Baixas verwendet. Der Wein zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb. Reife Melone ist in der Nase. Erst recht breit am Gaumen. Entwickelt dann eine sehr schöne Frische in der Länge. Der La Mar macht wirklich Spaß. Dieser Erzeuger kannte ich schon zuvor für sehr gute Qualitäten.

vinexpo el lbrero callejoEinige Weißweine später beschreibt Ballesteros es als ein Experiment solch hochwertige Weine in Spanien zu erzeugen. Ins Glas bekommen wir el Lebrero von der Bodegas Felix Callejo. Diese liegt in Ribera del Duero. Das kann natürlich bei diesem Wein nicht so auf dem Etikett stehen. Somit ist es ein Landwein. Er ist strohgelb im Glas. Es zeigt sich eine komplexe und dezent fruchtige Nase. Dieser spanische Weißwein öffnet sich etwas beim wärmer werden. Dann entsteht ein frischer und voll fruchtiger Gaumen. Zudem sind verspielte Kräuternoten zu schmecken. Der el Lebrero bringt einen langen Nachhall. Was zu Beginn etwas verhalten war, wirkt beim zweiten Schluck schon fast etwas überladen, während die Säure auf der Zunge bitzelt. Dieser „Landwein“ kostet angemessen ca. 17 Euro im Handel.

vinexpo spanien prioratDann gibt es noch einen weißen Wein aus Priorat mit dem Namen Coma Blanca. Das ist ja mal was. Hatte ich noch nie verkostet. Sicherlich ist das interessant. Die Rebsorte ist hier Garnacha Blanca. Strohgelb ist der Wein im Glas. Der Gaumen ist recht kräftig. Irgendwie hatte ich doch etwas mehr erwartet. Da mich dieser Weißwein aus Spanien etwas verstört, versuche diesen Wein im Netz zu finden. Irgendwie gibt es mit dem Namen Coma Blanca nur einen mit einer sehr klassischen Ausstattung. Der ist dann auch noch sehr gut bewertet.

vinexpo tio pepeZum Abschluss der Verkostung bekommen wir von Tio Pepe den fino en Rama. Ich finde es sehr schön diese Veranstaltung – irgendwie dann doch überraschend – mit einem Klassiker zu beenden. Hiermit ist der weiße Wein aus Spanien international bekannt. Und es gibt – zumindest in Deutschland seit einiger Zeit ein kleines Revival. Tio Pepe ist zudem ein richtiger Sherry-Klassiker. Den Fino en Rama hatte ich jedoch zuvor noch nicht im Glas. Welch einen vielschichtigen Duft verströmt dieser Wein. Als Fino duftet dieser Sherry schon fast süß. Doch am Gaumen merkt man wie trocken er dann doch ist. Ballesteros erläutert, dass dieser Wein nicht filtriert ist. Der Sherry wirkt sehr frisch, obwohl er wenig Säure hat.

Weiße Vielfalt aus Spanien auf der Vinexpo

Dies war eine sehr interessante Reise durch die spanischen Weißweine mit vielen für mich neuen Eindrücken. Vor allem die großen geschmacklichen Unterschiede erstaunen mich dann doch etwas. Aber es ist sehr verständlich. Spanien ist ein sehr großes Land mit sehr unterschiedlichem Klima und vielfältigen Rebsorten. In Deutschland sieht man sicherlich inzwischen sehr häufig Rueda. Dann gibt es noch Weißwein aus Rioja und Penedes. Daher kommen aber meist nur die großen und einfacheren Erzeuger auf den deutschen Markt. Sicherlich ist die Konkurrenz für Weißwein in Deutschland sehr groß. Evtl. hält sich auch deswegen hier der Ruf von Spanien als Rotweinland so konstant. Denn das können die Spanier auch wirklich richtig gut.

vinexpo spanien guillermo cruzIch hatte mich vor der Vinexpo zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Grenache in the World“ angemeldet. Ich dachte eigentlich die bekannten Gesichter aus der Grenache Assoziation dort zu treffen. Es war jedoch etwas anders. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Sommelier Guillermo Cruz (rechts im Bild). Und es ging hauptsächlich um Spanien. Vier von sieben Weinen waren von der iberischen Halbinsel. Also Garnacha. Ja, klar. Spanien als Gastland der Vinexpo in diesem Jahr.

vinexpo grenache worldGrenache meint hier auch Garnacha Blanca. Diese Rebsorte ist für die spanischen Weißweine sehr bedeutend. Guillermo Cruz führt aus, dass der rote trotzdem in Spanien wichtiger ist. Drei der vorgestellten Weine gefallen mir außerordentlich. Und alle drei aus verschiedenen Ländern und ganz unterschiedlichen Gründen.

vinexpo jauma grenacheAls ganz ungewöhnlichen Grenache nehme ich den Like Raindrops von Jauma aus dem Mc Laren Vale in Australien war. Er hat eine sehr schöne Nase mit Sauerkirschen aus einem Glas. In der zweiten Nase ist dezenter feuchter Tabak. Auch am Gaumen ist ein sehr schöner Sauerkirschsaft. Nach hinten wirkt dieser Grenache sehr verspielt. Ein wirklich delikater Wein. Die sehr gut eingebundene Säure bringt eine hohe Trinkbarkeit.

vinexpo rivesaltesAußerordentlich gut und erstaunlich war der Rivesaltes Grande Reserve aus dem Jahr 1969. Der ist natürlich orangefarben. Eine süße Sherrynuss zeigt sich in der Nase. Der hat noch deutlich Restsüße. Am Gaumen spielt Nutella mit Wallnüssen. In Nachhall kommen kandierte Eindrücke hinzu. Der Wein ist immerhin fast 50 Jahre alt. Er steht dafür ausgezeichnet da. Den kann man sogar noch kaufen und wird dafür so ca. 65 Euro pro 0,75l-Flasche zahlen.

vinexpo alto moncayoDer dritte richtig gute Wein in dieser Verkostung kommt dann nun auch aus Spanien. Hierbei handelt es sich um den Alto Moncayo 2014 aus der DOC Campo de Borja. Die ist in Deutschland auch noch nicht so bekannt, auch wenn hier einige sehr bedeutende Rotweine herkommen. Dieser Garnacha bringt eine feine fruchtige Nase mit verwobener Brombeere, Kirsche und Pflaume. In der zweiten Nase sind balsamische Noten und etwas Minze. Der Gaumen ist durch die Säure sehr schön erfrischend. Großartig wie ausdrucksstarke Frucht auf Frische trifft.

spain vinexpo bordeauxDieser Text ist lang aber leider doch etwas kürzer als geplant geworden. Es wird aber noch einen Nachtrag hier in diesem Text zu einigen Weinen entlang des Ebrotals geben. Nun geht es jedoch für mich schnell weiter zu einem der Hauptereignisse der Messe. Unter den Titel „A taste of Spain“ präsentieren sich neben einiger der besten Köche Spaniens Top 100 Weingüter. Das Ganze findet in der Innenstadt von Bordeaux im Palais de la Bourse statt. Ich werde berichten.

Weinrallye #110: Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy

Freitag, 26. Mai 2017

alain geoffroy chablis premier cru beauroyDiese Weinrallye ist noch nicht zu Ende. Und da mich mein erster Kandidat aus Argentinien zwar satt aber nicht zufrieden gemacht hat, probiere ich es noch einmal mit einem Chardonnay aus dem Burgund. Also Kandidat Nummer zwei: Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy. Das sind gleich zweimal Roy im Namen. Muss ja gut sein. Das dachte ich mir jedenfalls als ich diesen Wein kaufte. Das Weingut Alain Geoffroy ist seit 1850 in Familienhand und bewirtschaftet heute 45 Hektar. Aufsteigend ab einem Petit Chablis, vier Premier Cru, hat man auch einen Grand Cru in der Lage Les Clos.

Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy verkostet

Doch wir bleiben beim Chablis Premier Cru Beauroy. Helles Strohgelb im Glas. In der Nase ist eine Birne mit hellen Blüten. Nach einiger Zeit entwickelt sich ein duftiger Fruchtkorb. Dieser bleibt aber unaufdringlich. Ausgewogener Gaumen. Nach hinten heraus ist dieser Chablis schön keidig. Dies ist mit einer sanften Frucht schön abgefedert. Die Länge ist hervorragend. Ich meine dieser Chablis Premier Cru Beauroy hat kein Holz gesehen.

Eigentlich braucht dieser Wein seine Zeit. Nicht in dem Sinne, dass man sich diese Flasche schön trinken muss. Vielmehr ist der Chardonnay genau das Gegenteil des Argentiniers von Terrazas. Er versteckt seine Finessen anstatt rumzuböllern und dann schnell abzufallen. Der Erzeuger Alain Geoffroy beschreibt diesen Chablis übrigens mit den Worten: „Ist voller Sonnenschein, Heiterkeit, Schönheit und Reife.“ Das ist nicht so ganz meine Ausdrucksweise. Dem gilt es jedoch nichts mehr hinzuzufügen.

Eins will ich noch erwähnen. Die Webseite von Alain Geoffroy präsentiert recht viele Rezepte und dazu die passende Kombination mit einem ihrer Weine. Das finde ich eine sehr gute Idee. Hier ist eines meiner Empfehlungen zu diesem Wein. Eventuell werde ich das auch mal so nachkochen. Passt irgendwie sehr gut ins Burgund.

Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy
Frankreich – Burgund
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2014
Preis: 20 Euro
Verschluss: Naturkorken