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Weinhaus Heger feiert 30 Jahre

Donnerstag, 5. Oktober 2017

weinhaus heger vitusHeute ist es fast schon selbstverständlich. Viele Inhaber von VDP-Weingütern betreiben zudem ein Weinhaus. Vor 30 Jahren war so etwas neu. Die damals jungen Silvia und Joachim Heger hatten automatisch mit einiger Kritik zu leben. Bei unserem französischen Nachbarn ist dies in vielen Weinregionen allerdings ganz normal.

Der doppelte Heger oder was?

Drehen wir die Geschichte zurück. 1986 entstand die Idee zum Weinhaus. Joachim Heger kehrte von seinem Studium in Geisenheim auf das elterliche Weingut zurück. Und gleich zu Beginn war klar, dass die Weinqualitäten sauber getrennt werden. Das Weingut Dr. Heger erzeugt hauptsächlich Große Gewächse und Weine aus Ersten Lagen. Daneben gibt es noch wenige Spezialitäten ohne VDP-Klassifikation. Jedoch gibt es vom hier weder Orts- noch Gutsweine.

Das Weinhaus Heger hingegen ist für alltägliche Weine da. In den drei Linien Oktav, Sonett und Vitus werden hier Rebsortenweine erzeugt. Die Linie Sonett findet man hierzulande häufig im Fachhandel. Vitus erinnert an einen Vorfahren der Familie, der in den 1930er Jahren ausgewandert ist. Die Weine des Weinhauses Heger stammen zu Teil aus eigenem Anbau (z.B. aus Junganlagen, die für Große Gewächse noch nicht geeignet sind). Jedoch kommt ein großer Teil von Partnerwinzern. Im Weinhaus Heger werden inzwischen Trauben aus 60 Hektar am Kaiserstuhl und am Tuniberg verarbeitet.

Unvergesslicher erster Kontakt

Mein Erstkontakt mit den Weinen von Heger ist schon ewig her. Damals hatte ich ein Grauburgunder aus Ihringen von Dr. Heger im Glas. Soweit ich mich erinnere hatte er noch die nicht mehr verwendete Zusatzbezeichnung Dreistern. Den gab es zu Hummer und als zweiten Wein einen Meursault. Die beiden Weine passten ausgezeichnet zum Essen und spielten in der selben Liga. Dabei kostete der Grauburgunder damals die Hälfte des Weins aus dem Burgund. Aber das ist auch schon über 10 Jahre her und die Relationen haben sich auch hier etwas angeglichen.

heger vitus grauburgunderNun habe ich den Vitus Grauburgunder von Weinhaus Heger im Glas. Hier zeigt er sich in einem vollen Strohgelb mit etwas grünen Reflexen. Die Nase ist von reifer fast schon süßlich duftender Birne geprägt. Neben einer Honigmelone bemerkt man in der zweiten Nase helle Blüten. Ein gut eingebundener Vanilleton verrät hier schon den Ausbau in französischem Holz. An den Gaumen bringt dieser Grauburgunder eine samtige Breite mit feinem Schmelz. Im Nachhall rundet eine beschwingte Karamellnote ab.

Am Gaumen zeigt sich dieser Grauburgunder voll und ganz als Barriquewein. Zugleich erschlägt das Holz nicht. Auch wenn die Säurewerte nicht so sehr hoch erscheinen, ist dieser Grauburgunder recht frisch. Gerade auch das Fehlen von – sonst recht häufig bei Weinen dieser Rebsorte aus Baden auftretenden – buttrigen Noten verschafft diesem Wein ein internationales Format. Zum Auswanderer Vitus Severin Heger passt das ganz gut. Preis pro 0,75-L-Flasche ab Weingut 13,60 Euro.

Alte Vogtei zu Ravensburg Kraichgau Riesling

Freitag, 9. September 2016

Alte Vogtei zu RavensburgBeim Einkauf in einem Lebensmittelladen stieß ich auf diesen Riesling aus Baden von Alte Vogtei zu Ravensburg. Auffallend war der VDP-Adler am Schraubverschluss. Und das ich dieses Weingut noch nicht kannte, habe ich den Wein einfach mal gekauft. Eigentlich kennt man ja alle Mitglieder des VDP. So ist es eigentlich auch bei diesem Wein. Nichts ist mit Alte Vogtei zu Ravensburg. Denn wenn man auf das Rückenetikett schaut, so erfährt man, dass er vom traditionsreichen Weingut Burg Ravensburg stammt. Seit 2012 ist es Mitglied im VDP. Auf 38 Hektar baut man vor allem Riesling und Lemberger an. Aber auch die in Baden sehr typischen Rebsorten Weiß-, Grau- und Spätburgunder gibt es von diesem Weingut.

Alte Vogtei zu Ravensburg Riesling aus dem Kraichgau verkostet

Dieser Riesling leuchtet Goldgelb im Glas. In der Nase ist ein runder und duftender Fruchtkorb. Bei diesem stehen eine reife saftige Birne und eine leicht marmeladig wirkende Quitte im Zentrum. Ergänzt wird dieses bei diesem Wein von der Alte Vogtei zu Ravensburg durch eine kräutrige Note mit Salbeitee. Doch die volle Frucht ergänzt durch Pfirsich dominiert auch die zweite Nase. Am Gaumen ist dieser Riesling packend mit spannungsreicher aber zugleich gut harmonierender Säure. Das erinnert mich vom Geschmack etwas an eine leicht unreife Ananas. In der Länge zeigt dieser Wein ein schönes Spiel. Hier braucht sich eigentlich das Weingut Burg Ravensburg nicht hinter der Bezeichnung Alte Vogtei zu Ravensburg verstecken.

Burg Ravensburg Alte VogteiEventuell macht man das je wegen der Vertriebsschiene. Dieser Riesling steht bei Lidl im Regal. Bampfield hat eifrig 92 Punkte für diesen Riesling Alte Vogtei zu Ravensburg hin geblättert. Seine Meinung will ich ihm nicht streitig machen. Auch wenn ich diese nicht teile. Sicherlich ist es ein guter Wein der nahezu für 6,99 Euro verscheuert wird. Aber auf diesem Niveau gibt es zahlreiche Rieslinge in Deutschland. Und mir fehlt etwas die Vielschichtigkeit, die diese Rebsorte häufig in anderen Anbaugebieten hervorbringt. Ich denke da weniger an Baden und den Kraichgau. Vielmehr an die Mosel, den Rheingau oder auch zunehmend Rheinhessen. Aber es ist ja alles eine Frage des Geschmacks.

Edition Alte Vogtei zu Ravensburg
Riesling trocken
Deutschland – Baden – Kraichgau
Erzeuger: Weingut Burg Ravensburg
Inhalt: 0,75
Alkohol: 11,5 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 603 90 16
Einkaufspreis: 7 €
Verschluss: Schrauber
EAN: 4040354200905
Quelle: Discounter

Oberbergener Baßgeige Grauer Burgunder

Sonntag, 24. April 2016

Oberbergener Baßgeige Grauer BurgunderDie Oberbergener Baßgeige ist eine der bekanntesten Marken aus Baden. Es gibt diese Weine aus – den für das Gebiet typischen Rebsorten – Spätburgunder, Weißer und natürlich Grauer Burgunder. Hinter den Weinen steht meist die Genossenschaft Oberbergen. Diese wurde 1924 von 42 Winzern gegründet. Heute ist sie bei weitem nicht die größte Genossenschaft in Baden, hat jedoch mit einer bewirtschafteten Rebfläche von 350 Hektar eine recht bedeutende Stellung innerhalb des Weinbaus in Deutschland. Die wichtigste Rebsorte der Genossenschaft ist der Graue Burgunder. Daneben gibt es wie schon erwähnt Weiß- und Spätburgunder (auch als Weißherbst). Aber auch Rebsorten wie Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Chardonnay, Muskateller und Gewürztraminer werden angebaut.

Grauer Bugunder Oberbergener BaßgeigeNeben der sprichwörtlich verwöhnenden Sonne von Baden sorgen warme Quellen im vulkanischen Kaisersuhl für ein besonderes Klima in dem die Trauben reifen. Die Fläche der Genossenschaft Oberbergen ist in 4000 Einzelparzellen eingeteilt. Die Oberbergener Baßgeige ist eigentlich keine Weinmarke, sondern eine Lagenbezeichnung. Ihnen Namen erhielt sie aufgrund ihrer Form, da die Weinlage einer Geige ähnlich sieht. In der Oberbergener Baßgeige sind mehrere Weinerzeuger aktiv. Das Weingut Franz Keller – Schwarzer Adler vermarktet seine Weine mit den Zusatz VDP Erste Lage. Besonders bekannt sind jedoch die Weine der örtlichen Winzergenossenschaft, welche hier ca. 200 Hektar bewirtschaftet. Von dem Grauen Burgunder bringt diese Genossenschaft jedes Jahr 250.000 Flaschen auf den Markt.

Grauer Burgunder aus der Oberbergener Baßgeige verkostet

Diese Oberbergener Baßgeige zeigt ein dunkleres Strohgelb bis helles Goldgelb strahlend im Glas. In der Nase sind bei diesem Grauburgunder duftende helle Blüten, Passionsfrucht und etwas Mango. In der zweiten Nase hat man weißen Pfirsich. Der Gaumen ist ausgewogen mit einem mittleren Körper, also weder dünner Weißwein, noch Dreistern-Grauburgunder. Zugleich wirkt die Säure sehr erfrischend. Ich vermisse etwas das Buttrige zu dem mancher Kaiserstühler Wein dieser Rebsorte neigt. Die Oberbergener Baßgeige ist eher recht modern und für junge Weingenießer ausgerichtet. Das widerstrebt etwas dem Image dieses Weins, da er doch zumeist von älteren Damen geschätzt wird. Der Nachhall ist frisch. Für knapp unter 7 Euro bietet dieser Graue Burgunder eine sehr gute Qualität. Dieser Weißwein aus der Oberbergener Baßgeige ist nicht nur Marke, sondern macht in dem Preissegment richtig Spaß. Daumen hoch.

Oberbergener Baßgeige Grauer Burgunder Kabinett trocken
Deutschland – Baden
Erzeuger: Winzergenossenschaft Oberbergen
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2014
Einkaufspreis: 7 €
Verschluss: Schrauber
AP-Nr: 031-18-15
Quelle: Supermarkt
EAN: 4002736393605

Martin Schongauer Grauer Burgunder

Mittwoch, 2. März 2016

Martin Schongauer Grauer BurgunderEs gibt wirklich bekannte deutsche Weine im Supermarkt. Da ist als erstes der Martin Schongauer Grauer Burgunder trocken aus Baden zu nennen. Dies ist einer der erfolgreichsten Weißweine auf dem deutschen Markt. Dahinter steckt der Badische Winzerkeller, der bei diesem Wein als Abfüller auftritt. Dies ist einer der großen deutschen Genossenschaften mit Sitz in Breisach.

Wer ist Martin Schongauer?

Für die Weine des Badischen Winzerkellers werden ca. 2.700 Hektar in sieben Bereichen von Baden bewirtschaftet. Die Jahresproduktion beträgt 30 Millionen Liter. Das ist ca. ein Viertel der gesamten Weinproduktion in Baden. Martin Schongauer ist eine seit mehr als 25 Jahren sehr erfolgreiche Linie im Sortiment dieser Genossenschaft. Der Name geht sehr wahrscheinlich auf den Maler und Kupferstecher Martin Schongauer zurück, der in Colmar (Elsass) geboren wurde und in Breisach gestorben ist. Der Badische Winzerkeller stellt dies aber kaum heraus. So könnte der Eindruck entstehen, es würde sich hierbei um einen Winzer handeln.

Martin Schongauer Grauer Burgunder verkostet

In der Linie Martin Schongauer vom Badischen Winzerkeller gibt es mehrere Rebsortenweine. Neben den beiden Weißweinen aus den Burgundersorten gibt es noch einen Spätburgunder, einen Riesling und einen Rose. Doch ein Grauer Burgunder ist nun bei uns im Glas. Der Wein zeigt sich in einem kräftigeren Strohgelb. Durchaus rebsortentypisch ist eine breitere Honigmelone mit Aprikosen und duftigen Blüten zu riechen. Die zweite Nase zeigt eine etwas reife Ananas. Am Gaumen wirkt er frisch. Nach hinten heraus etwas bissig. Mir fehlt etwas das buttrige, was man häufig beim Grauburgunder aus Baden antreffen kann. Ich vermute, dass er recht trocken ausgebaut ist und die Trauben nicht wirklich von den Oechslewerten nicht wirklich hoch waren.

Martin Schongauer
Für den Preis geht der Wein aus der Serie Martin Schongauer völlig in Ordnung durch. Es ist kein Meisterstück, aber ein normaler sauberer und modern gemachter Grauer Burgunder, der aus meiner Sicht in dieser Form seine Berechtigung auf dem Markt hat. Der Preis liegt bei 4,50 Euro. In dem Segment gibt es zahlreiche deutsche Weine, die qualitativ mit Martin Schongauer nicht mithalten können.

Martin Schongauer

Neues von der Edition Fritz Keller aus Baden bei Aldi

Sonntag, 12. April 2015

Edition Fritz Keller bei Aldi [Alles muss raus: Discounterwoche 3/3] Seit inzwischen acht Jahren hat Aldi die Weine der Edition Fritz Keller aus Baden im Sortiment. Damals noch genauso innovativ wie umstritten hat sich dieses Angebot bei diesem Discounter etabliert. Der Namensgeber Fritz Keller wurde für seine vielen Aktivitäten als „Weinunternehmer des Jahres 2014“ ausgezeichnet. Bei Aldi-Süd sind der badische Weiß- und Spätburgunder für 5,99 Euro fest im Sortiment. Mit der Edition Keller haben inzwischen ca. 450 Winzer aus ganz Baden eine stabile Einnahmequelle gefunden. Viele von diesen Traubenerzeugern sind von Anfang an dabei. Fritz Keller hebt hervor, dass man damit zudem einen „positiven Beitrag zum Landschaftsschutz und zur traditionellen Landschaftskultur leisten“ konnte. Neben den beiden Klassikern gibt es wahrscheinlich ab 11. Mai den Rose und einen Riesling als Aktionsartikel bei Aldi-Nord.

Alle drei Weine aus der Edition Fritz Keller aus dem aktuellen Jahrgang 2014 (bzw. beim Spätburgunder 2013) stehen nun zur Verkostung bereit. Dabei gehen wir wie gewohnt vom Weißwein über den Rose zum Rotwein. Der 2014er Weiße Burgunder erscheint frisch hellfruchtig mit etwas Melone in der Nase. Er macht einen modern duftigen Eindruck mit etwas Litschi in der zweiten Nase. Auch der Gaumen ist recht fruchtig geprägt. Dieser Weißburgunder von der Edition Fritz Keller zeigt sich salzig mit einem belebenden Säureauftritt, der jedoch nicht ins bittere abstürzt. Das ist gut gemacht. Mit einem sehr frischen Auftritt kann man gerade im Nachhall die Rebsorte ganz gut erkennen.

Edition Fritz Keller aus Baden Weiter geht’s zum Rose aus der Edition Fritz Keller. Rose ist immer noch in. Trotz manchen kritischen Unkenrufen ist diese Weinfarbe ein Megatrend. Nach neusten Prognosen in einer Studie der Weinfachmesse Vinexpo soll der Weinmarkt von 2014 bis 2018 um 5% wachsen. Am stärksten jedoch im Bereich Rose um ganze 6,1%. Doch schauen wir in das Glas mit dem Wein von der Edition Fritz Keller aus dem Jahr 2014. In einem hellen Lachsrosa zeigt sich dieser als Rose gekelterte Spätburgunder. In der Nase ist der Wein recht blumig mit einem zarten Beerenton. Der Gaumen ist trocken-süffig und recht frisch. Im Nachhall taucht bei dem Rose aus der Edition Fritz Keller eine mineralisch erscheinende Erdbeere auf.

Und nun zum Spätburgunder der Edition Fritz Keller mit dem Jahrgang 2013. Der aktuelle Jahrgang ist hier immer etwas später, da dieser Wein im Holzfass reift. Er zeigt sich in einem strahlend-klarem Rubinrot im Glas. In der Nase sind Erdbeeren und gemischte Waldbeeren. In der zweiten Nase kann ich noch duftige Veilchen und etwas saftige Pflaume mit weißem Pfeffer im Hintergrund riechen. Der Gaumen ist recht rund mit etwas Himbeere. Mir kommt dieser Spätburgunder etwas populistisch gemacht vor. Aber es soll ja auch ein Rotwein für die breite Bevölkerung sein. Somit völlig OK. Genauso wie die beiden anderen Weine aus der Edition Fritz Keller. Bei einem Weinfachhändler könnten diese drei Weine einen guten Preiseinstieg darstellen. Bei Aldi liegen sie bei mehr als dem doppelten des dortigen Durchschnittspeises.

Weine der Edition Fritz Keller bei Aldi – Herr Schlemmer und der Klassenkampf

Mittwoch, 16. April 2014

Weine der Edition Fritz Keller bei Aldi Herr Schlemmer und der KlassenkampfDas Thema ist alt. Die Weine ganz neu. Ich habe die aktuellen Jahrgänge von der Edition Fritz Keller für Aldi vor mir stehen. Aber eigentlich will ich die noch gar nicht probieren. Da ist so viel was vorher noch geklärt werden muss. In den vergangenen Wochen habe ich z.B. am Rande der ProWein so viel Mist über Wein bei Aldi und deren Zusammenarbeit mit hochwertigen Weinerzeugern und bekannten Beratern gehört. Vor allem Mitarbeiter eines Wein-Verlages, in dem eine Zeitschrift vor einiger Zeit mit ganzseitiger Werbung für den Wein von Lidl erschien, äußerten sich negativ über die Glaubwürdigkeit von den Leuten, die mit Aldi zusammenarbeiten. Hier geht es aus meiner Sicht mehr um das Abstecken der Reviere bzw. Konkurrenzdenken innerhalb der Weinszene, als um den Einsatz für bestimmte Vermarktungsformen von Wein.

Aber auch auf der Basis der Diskussion als Klassenkampf: Ich finde jede Handelsschiene sollte versuchen zu akzeptablen Preisen die beste Ware in die Regale oder auf die Palette zu bekommen, die möglich ist. Das hört sich erst mal nach marktwirtschaftlicher Sozialdemokratie an, aber: Grundsätzlich einen Handelsweg zu diskreditieren oder gar Personen (die für eine Beratungsleistung bezahlt werden) der Bestechlichkeit zu bezichtigen, führt nicht weiter. Vielmehr schränkt solch ein Denken ein. Man kann sich fragen, wie Engstirnigkeit und eine ergebnisoffene Bewertung von Weinen zusammenpassen.

Die Nische Fachhandel bestand noch nie jenseits des Gesamtmarktes. Sie ist Teil dieses Marktes. Sein Anteil wird auch durch die eigene Leistungsfähigkeit festgelegt. Wenn andere Vermarktungsschienen besser werden, so muss dieses Segment ebenso seine Vorzüge herausstellen. Ein wesentlicher Teil davon ist die klassische Fachberatung. Und eigentlich ganz simpel die Qualität der Produkte. Aber das kann auch hier noch nicht alles sein. Anstatt auf anderen Vermarktungsformen herumzuhaken oder gar diese für Schuldig am eigenen Misserfolg zu erklären, sollte man einen eigenen Weg hin zum Erfolg suchen.

Weine der Edition Fritz Keller

Ich schweife ab: Auch im eher herausforderungsvollen Jahr 2013 hat die Edition Fritz Keller wieder angemessen gute Weine in die Flasche bekommen. Der lachsrosane Rose, ist frisch mit Himbeeren in der Nase. Erzeugt ist dieser Wein aus Spätburgunder. Am Gaumen ist eine markante Säure, die den Wein schön spritzig in den Trinkfluss bringt. Etwas weißer Pfeffer und dezente florale Aromen sind im Nachhall des trockenen Rose. Rundherum ist das gelungen. Nichts großes, aber völlig in Ordnung für den Preis, den man an der Kasse des Hart-Discounters (der sich mit dieser Eigenmarke auch etwas softer zeigt) zahlt. Und der Schrauber verhindert den Korkfehler.

Weine der Edition Fritz Keller bei Aldi Herr Schlemmer und der KlassenkampfDer Weiße Burgunder aus dem aktuellen Jahr 2013 der Edition Fritz Keller ist strohgelb im Glas. In der Nase kann man fruchtig Pfirsich und reife Birne wahrnehmen. Der Gaumen ist säuregeprägt und schön trocken. Als gradlinig, knackig und blitzsauber kann man den Weißburgunder von Fritz Keller bezeichnen. Auch im Jahr 2013 werden diese Weine ihrem Anspruch gerecht. Man kann hier sicherlich kein Experiment oder irgendeine Herausforderung erwarten. Aber genau das wollen sehr wahrscheinlich die Käufer bei Aldi so.

Der Weißburgunder wird zu Vorspeisen, Fisch und Geflügel empfohlen. Das ist im ersten und dritten Fall etwas allgemein. Aber grundsätzlich passt das schon. Besser als „passt zum Spiel und vergnüglicher Stunde“. Aber auch das ginge wahrscheinlich in Ordnung. Das Mindestalter der Reben wird beim Weißburgunder mit 10 Jahren angegeben. Beim Spätburgunder Rose sollen es gar 12 Jahre sein. Naturnahe Erzeugung, Ertragsreduzierung und selektive Handlese sind weitere Schlagworte aus dem mir vorliegenden Beipackzettel zu den beiden Weinen.

Noch was zu den Etiketten: Hier kommt der im Titel versprochene Herr Schlemmer ins Spiel. Dieser heißt mit Vornamen Oskar und gilt als einer der bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne. Seine 1932 mit Kohle, Graphit und braunem Farbstift auf Transparentpapier gezeichnete Skizze der Bauhaustreppe ziert die Etiketten der 2013er Weine der Edition Fritz Keller. Diese hat sich bekanntlich dem Bauhaus verschrieben. Hier haben wir schon einmal dargelegt, dass dies gerade auch in den Discounter passt. Leider wird wahrscheinlich die Mehrzahl der Kunden bei Aldi mit Kunst oder Bauhaus nicht so viel anzufangen wissen. Aber man sollte dieses Klientel wahrscheinlich auch diesbezüglich nicht zu sehr unterschätzen.

Edition Fritz Keller bei Aldi

Die beiden Weine sind seit Kalenderwoche 13 bei Aldi Süd erhältlich. Alle die im Norden der Republik wohnen, können wahrscheinlich ab dem 12. Mai 2014 den Rose für kurze Zeit als Aktionsartikel bei Aldi kaufen.