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Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb

Montag, 26. November 2012

Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb
Im Herbst waren wir am Mittelrhein unterwegs. Dabei haben wir auch einige Weinflaschen mitgebracht. In einem Weinladen in Boppard wurde uns ein Spätburgunder aus dem Bopparder Hamm Fässerlay aus dem Jahr 2006 vom Weingut Königshof empfohlen. Und sind die Kuriositäten noch nicht genug: Er ist auch noch feinherb. Da fragt man sich, wieso ein Rotwein aus einer typischen Rieslinglage so spät vermarktet wird und das dann auch noch mit Restsüße. Die Fragen werden bestimmt bleiben. Dieser Spätburgunder ist jedoch erwähnenswert und erstaunlich gut.

Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb verkostet

Bei dem Fässerlay handelt es sich um eine Lage innerhalb des Bopparder Hamm. Der halbtrockene Spätburgunder zeigt sich in einem dunklen und transparenten Rot mit bräunlichem Rand im Glas. Die Brauntönung weist hier auf das Alter dieses Rotweins vom Weingut Königshof hin. In der Nase ist eine reife Frucht mit Hagebuttenmuss. Leicht likörige Kirsche mit dezenten und pinottypischen Reifetönen zeigen in der zweiten Nase dieses Spätburgunders vom Weingut Königshof. Am Gaumen steht der Wein kompakt. Die etwas höhere Restsüße verleiht ihm schöne Rundungen.

Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb
Insgesamt ist dieser Rotwein aus dem Bopparder Hamm Fässerlay in sich sehr harmonisch. In der Länge tauchen dann Anflüge von Reifetönen nach Tabak und Leder auf. Wenn man diese Flasche Spätburgunder länger offen hat, kommen noch Röstaromen wie beim Espresso hinter einer süßen Schwarzen Johannisbeere hinzu. In die eher gereiften Richtungen wie Tabak, Leder und Kaffee wird sich der Spätburgunder vom Königshof in den kommenden Monaten noch weiter entwickeln. Aus unserer Sicht wird der Fässerlay halbtrocken dabei noch einige Zeit Trinkspaß liefern; auch wenn dieser sicherlich nicht universell ist. Denn: Dieser Weinstil ist etwas avantgardistisch.

Die Weinkritik engt sich nicht selten dadurch ein, dass bestimmte festgezurrte Weintypen von angesehenen Gütern als hochwertig beschrieben werden. Experimentalweine kommen dann seltener vor. Und alteingesessene Weingüter haben es mit eher traditionellen Nummern noch schwerer als junge Leute, die ungewöhnliche irgendwie unter dem Label Spaß vermarkten können. Nun ist das Weingut Königshof in Boppard am Mittelrhein auch mit diesem Spätburgunder nicht wirklich zu Experimenten aufgetan. Vielmehr handelt es sich hier um ein ganz traditionelles Weingut mit eher lokaler Bekanntheit.

Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb
Erstaunlich ist jedoch der gute Zustand dieses Rotweines aus dem Bopparder Hamm Fässerlay jetzt. Es scheint nicht nur so zu sein, dass Weingüter in typischen Rieslinglagen Rotweine nur anbauen, um in der Direktvermartung oder der örtlichen Gastronomie alles aus eigener Hand bestreiten zu können. So mancher rote Wein – auch an der Mosel – hat seine Berechtigung. Zugleich kann dies kein Freibrief dazu sein, die Profilschärfe der hervorragenden Weine aus der klassischen Rebsorte Riesling in ihren typischen Lagen zu untergraben. Der Riesling wird gerade an Mosel und Mittelrhein noch länger sehr wichtig sein.

Gerade wenn man sich den Reifeabstand zwischen der Pfalz oder gar Baden anschaut, wird die Erderwärmung am Mittelrhein für den Riesling auf absehbare Zeit kein ernstes Problem werden. Und so gelingen gerade mit dem derzeitig im Handel aktuellen Jahrgang 2011 vielen Weingütern im Mittelrhein richtig gute und filigrane Weine. Die Rieslinge von hier haben nicht selten durch ihre schlanke Art einen Reiz, der in einigen anderen Anbaugebieten durch Kraftmonster beseitigt wird. In dem Jahr war die Ernte im Mittelrhein ca. 3 Wochen früher als gewöhnlich. Mal schauen, was uns der Jahrgang 2012 bringen wird. Und natürlich halten wir beide Nasenflügel weiterhin offen für ungewöhnliche Entdeckungen.

Weingut Königshof Bopparder Hamm Fässerlay Spätburgunder feinherb
Mittelrhein
Erzeuger: Weingut Königshof
A.P.Nr: 1 671 064 3207
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13%
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 9 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Riesling Großes Gewächs 2009 Mittelrhein und Saale-Unstrut

Samstag, 11. September 2010

Riesling Großes Gewächs 2009 Mittelrhein und Saale-UnstrutNun folgend sind zwei Weinbaugebiete, die eigentlich nicht wirklich zusammengehören. Da aus Saale-Unstrut jedoch nur ein Großes Gewächs 2009 aus der Rebsorte Riesling existiert, musste es irgendwo hinzugefügt werden. Weil das Anbaugebiet Mittelrhein das nächst kleine Gebiet der verkosteten Weine ist, sind die hier nun zusammen. Am Mittelrhein blieb man 2009 leider etwas unter seinen Möglichkeiten. Wirkliche Qualitätsspitzen gab es nicht. Der Durchschnitt der Rieslinge war aber auch nicht wirklich niedrig. Zwei der Großen Gewächse irritierten jedoch deutlich.

Daher gehört das Gebiet Mittelrhein eher zum guten Mittelfeld bei den Großen Gewächsen. Mit einer Aufnahme des Weinguts Weingart in den VDP würde aus unserer Sicht der Durchschnitt leicht gehoben werden. Erfreuliches zeigt das Weingut Pawis mit seinem Großen Gewächs aus dem Freyburger Edelacker (die Lage heißt wirklich so). Hier wird deutlich, dass es möglich ist, im Anbaugebiet Saale-Unstrut tatsächlich mit dem Riesling auch Große Gewächse entstehen zu lassen. Das Weingut Pawis hat sich mit diesem Wein hier einen berechtigten Platz erarbeitet.

Mittelrhein

St. Jost (Steeg)
Ratzenberger

Stohgelb, helle Fruchtnase mit zentral stehender reifer Grapefruit, die Säure unterstützt diese Grapefruit, wuchtig und gradlinig mit guter Länge. Das ist der Grapefruit-Riesling! 89

Wolfshöhle (Bacharach)
Bastian

Helles Gelb, Aprikose mit etwas Exotik in der Nase, gute Säure macht Druck, mittellang. 87

Posten (Bacharach)
Bastian

Brotcaramell mit Orange im Hintergrund in der Nase, frische Säure, Pfeffer am Gaumen, hält an. 86

Hahn (Bacharach)
Toni Jost – Hahnenhof

Helles Strohgelb, Reifengeruch neben heller Frucht in der Nase, hellfruchtiger Gaumen, irgendetwas stimmt hier nicht. Entweder bei mir oder bei dieser Flasche. Keine Wertung.

Oelsberg (Oberwesel)
Lanius-Knab

Strohgelb, helle Frucht in der Nase, süß-reif-fruchtiger Gaumen, der in der Intensität ansteigt und eine schöne Länge zeigt, Säure ist angenehm eingewoben. 89

Saale-Unstrut

Edelacker (Freyburg)
Pawis

Helles Gelb, Stachelbeeren in der Nase, dezente Säure neben heller cremiger Frucht, die eine softe und gute Länge mit sich bringt. 88

Weitere Anbaugebiete werden folgen. Hier die Übersicht.

Weingut Weingart Riesling trocken “etwas anderes”

Samstag, 9. August 2008

Weingut Weingart Riesling trocken etwas anderesDas Weingut Weingart bewirtschaftet knapp 11 Hektar am Mittelrhein. Darauf wird fast ausschließlich Riesling angebaut. Nun steht ein Wein dieser Rebsorte mit der Bezeichnung “etwas anderes” aus dem aktuellen Jahrgang 2007 zur Verkostung. In der Nase sind Lychee und Maracuja (naja nur der Geruch danach; man solle sich sonst diese unsymetrische Nase vorstellen). Sie merken es schon, dieser Riesling macht Spass. Wieso dieser Wein vom Weingut Weingart “etwas anderes” heißt, wird nicht so ganz klar.

Der “etwas anderes” ist harmonisch und schmackhaft. Die Säure bei diesem Riesling ist wohl dosiert. Der Nachhall ist in einer guten Länge, die für dieses Preisniveau beispielhaft sein sollte. Das Weingut Weingart ist mit dem trockenen Riesling “etwas anderes” zu einem Hoffnungsstern vom Mittelrhein aufgestiegen. Die Qualität eines Weingutes sollte sich eben nicht nur in den Spitzen finden lassen. Auch bei den günstigen Qualitäten muss ein Weingut überzeugen können. Trotzdem werde ich mich zukünftig auch mal etwas mit den Lagenweinen aus dem Bopparder Hamm beschäftigen.

Weingut Weingart Riesling trocken “etwas anderes”
Mittelrhein
Erzeuger: Weingut Weingart
A.P.Nr: 16 56 123 016 08
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2007
Einkaufspreis: 5,50 €
Verschluss: Silikon
Quelle: Fachhandel

Toni Jost Jodocus Riesling 2005

Sonntag, 25. Februar 2007

Nun ist wieder einmal ein Riesling an der Reihe zur Verkostung. Dieser wurde zurückgelegt für einen besonderen Anlass. Und dieser war gegeben: Die 200er-Marke der täglichen Besucher auf weinverkostungen.de ist gebrochen. Der Wein ist Wettbewerbe gewohnt. So wurde er in einem Stadion bei der Fußball-WM im VIP-Bereich ausgeschenkt. Und während die im Handel befindlichen WM-Weine von wechselnder Qualität waren, wurde in den Stadien darauf Wert gelegt.

Der Riesling stammt vom 12 Hektar großen Hahnenhof in den Gebieten Rheingau und Mittelrhein (80% der Rebfläche mit Riesling bestockt). Hahnenhof? Jodocus? Ist Alfred Jodocus Kwak nicht eine Ente? Der Name Hahnenhof kommt jedoch weder von der niederländischen Zeichentrickserie noch daher, dass nebenher auf dem Weingut Geflügel gezüchtet wird. Er hat seinen Ursprung von einer Lagenbezeichnung in der ein Hahn vorkommt, die fast in Alleinbesitz ist.

Der Wein hat eine volle gelbe Farbe. Nach Winzerangaben bestand ein sehr hohes Mostgewicht. Dies zeigt seine geschmackliche Wirkung im Umfang der Frucht. Sie geht mit komplexen Strukturen in Richtung Pfirsich und Aprikose. Es ist eine kraftvolle und wilde Säure vorhanden, die mit der Grenze der Harmonie spielt, diese jedoch nie übertritt. Es handelt sich um einen Riesling erster Klasse, der einige Vorzüge von Pfalz (hohes Mostgewicht), Rheingau (Frucht und Säure) und der Mosel (Mineralität) in sich vereint.

Toni Jost Jodocus trocken
Mittelrhein / Rheingau
Erzeuger: Weingut Toni Jost Hahnenhof
A.P.Nr: 3701906 06
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12%
Jahrgang: 2005
Einkaufspreis: 9,00 €
Verschluss: Glasverschluss
Quelle: Fachhandel