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Weingut am Nil mit Riesling Herrenberg und Saumagen

Freitag, 10. Februar 2017

weingut am nil kallstadtJetzt geht es zu zwei Rieslingen aus dem Weingut am Nil. Sicherlich gibt es auch in Ägypten Weinbau. Doch dies hier ist kein Dampferausflug zum „Tod auf dem Nil“. Es geht vielmehr ins pfälzische Kallstadt. Hier existiert das Weingut am Nil. Was erstmal kurios klingt, klärt sich schnell auf. Sein Name erinnert an eine offiziell nicht mehr existierende Lage. Diese ist in den 1970er Jahren bei der großen Lagenreform per Weingesetz in den Saumagen einverleibt worden.

nil herrenberg rieslingNach der Übernahme des Weinguts Eduard Schuster in Kallstadt im Jahr 2010 gelang es der Familie Pohl innerhalb kurzer Zeit eine gehobene Gastronomie, eine schicke Vinothek und ein kleines Gästehaus zu etablieren. Vor allem die Rieslinge aus dem Weingut am Nil werden inzwischen sehr geschätzt. Es liegt angrenzend an der Lage Nil, also dem heutigen Kallstadter Saumagen. Insgesamt werden 16 Hektar bewirtschaftet. Von dieser Rebfläche liegen 3,5 Hektar im Saumagen. Aber auch in der sehr renommierten Ersten Lage Ungsteiner Herrenberg hat das Weingut Anteile von ca. einem Hektar.

Ungsteiner Herrenberg verkostet

Der Ungsteiner Herrenberg aus dem Jahr 2015 zeigt ein helleres Strohgelb im Glas. In der Nase sind bei diesem Riesling weißer Pfirsich mit weicher Aprikose im Hintergrund. In der zweiten Nase sind mineralische Noten zu riechen. Er hat eine extrem typische Nase für einen Riesling aus der Pfalz. Dieser Herrenberg erinnert mich tatsächlich an meine ersten guten Erfahrungen mit Weinen aus dieser Region. Am Gaumen ist eine frische straffe aber fruchtig umrahmte und gut eingebundene Säure. Diese tänzelt auf der Zunge. Im Nachhall kommt der Pfirsich mit saftig-frischer Quitte und feinem Schmelz zum Tragen. Eine ausgewogene Frucht bleibt bei diesem Riesling vom Weingut am Nil sehr erfreulich lange stehen.

Kallstadter Saumagen verkostet

Der Kallstdter Saumagen ist stohgelb mit leicht grünlichen Reflexen. In der Nase sind sehr reife Früchte mit saftigem Pfirsich und Quittengelee. Dieser Riesling wirkt in der zweiten Nase fast schon wie eine Aromarebsorte. Das erinnert mich etwas an feine Gewürztraminer mit einer dezenten Rosennote. Dabei verliert dieser Riesling aus dem Saumagen keineswegs seine Rebsortencharakteristik. Diese Note passt hier ganz gut, da sie nicht ganz so üppig ausfällt. Vielmehr sind im Hintergrund helle Früchte präsent und fein verwoben. Am Gaumen ist der Saumagen erfrischend. Ich vermute, dass dieser Riesling vom Weingut am Nil aus recht reifen Trauben erzeugt wurde. Die Länge macht so richtig Spaß. In einer reifen Pfirsichfrucht untermahlt von feiner und zugleich spannender Säure ist ein dezenter weißer Pfeffer zu spüren. Dieser Kallstadter Saumagen bringt viel Spaß ins Glas. In einer Verkostung von Großen Gewächsen aus der Pfalz befindet sich dieser Riesling in bester Gesellschaft.

nil saumagen rieslingEs ist immer etwas undankbar zwei Weine parallel zu verkosten. Man neigt dazu, den einen zu präferieren und dem anderen Wein damit nicht ganz gerecht zu werden. Doch ich gebe es zu: Mir gefällt besonders der Saumagen. Der ist sicherlich der intensivere Riesling. Das ist ein leicht unfairer Pluspunkt. Mir gefällt aber seine Extravaganz. Der Herrenberg hingegen punktet mit fast schon aristokratischer und gradliniger Eleganz. Beide Rieslinge liegen preislich bei ca. 20 Euro pro Flasche. Der Saumagen leicht drüber. Das ist für diese außergewöhnliche Qualität mehr als gerechtfertigt. Ein großes Kompliment geht an den Nil in der Pfalz. Hier ist deren informative und sehenswerte Webseite.

Zwei Rieslinge vom Weingut am Nil aus Kallstadt / Pfalz

Ungsteiner Herrenberg Riesling
Deutschland – Pfalz
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 51233411516
Verschluss: Naturkorken
EAN: 4160262270306

Kallstadter Saumagen Riesling
Deutschland – Pfalz
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 51233411616
Verschluss: Naturkorken
EAN: 4160262270313

Sekt aus der Pfalz: Markus Schneider Bubbly Brut

Donnerstag, 14. Mai 2015

Sekt aus der Pfalz: Markus Schneider Bubbly Brut Jetzt gibt es den Bubbly Brut. Der Erzeuger Markus Schneider gilt als ein Künstler in der deutschen Weinwelt. In 21 Jahren ist in der Pfalz ein kleines Imperium entstanden. Sein fast schon kometenhafter Aufstieg ist allerdings nicht nur dem wirklich guten Marketing geschuldet. Genauer betrachtet ist das nur ein Beiwerk. Im Kern schaut Markus Schneider sehr genau hin, was Menschen eigentlich für Weine haben möchten. Da gibt es solche wirklich bekannten Marken wie den Black Print. Einige bekannte Weißweine entstehen auch in Ellerstadt.

Der Bubbly Brut

Doch gar noch nicht so bekannt ist der Brut-Sekt von Markus Schneider mit dem Namen Bubbly. Dieser ist mit dem Vorbild der Champagne nicht nur eine Flaschengärung (zudem mit erster Vergärung in Holz und Edelstahl), sondern auch noch ein Cuvee aus den dort üblichen Rebsorten Chardonnay und Spätburgunder. Für zweite Gärung in der Flasche gibt Markus Schneider diesem Sekt aus der Pfalz neun Monate. Der Bubbly Brut ist sehr neu am Markt. Meines Wissens nach ist der nun zur Verkostung stehende Jahrgang 2013 der erste dieses Schaumweins.

Markus Schneider Bubbly Brut verkostet

Dieser Pfälzer Sekt aus Flaschengärung zeigt sich fast schon golden im Glas. Die Perlage bleibt beim Bubbly Brut schön lange und zugleich fein. In der Nase sind helle Blüten mit Holunder und eine Traubensaftaromatik von vollreifen Weintrauben. Der Gaumen ist ebenfalls sehr voll. Zudem ist dieser Sekt von Markus Schneider sehr weich mit Melone und etwas Pfirsich. Da kommt dann noch etwas Salbei und Kräutertee. Nach hinten merkt man, dass dieser Brut auch wirklich trocken ist. Den sanften Holzeinsatz beim Bubbly Brut kann man mit weicher wirkender Vanille in der Länge nachvollziehen. Ich habe mir den Sekt einfach noch etwas stärker heruntergekühlt. So fast an null Grad. So wirkt der Bubbly Brut schlanker und nicht nur wegen der niedrigeren Temperatur erfrischender. Der Gaumen bleibt packend und erinnert etwas an manchen trockenen Chardonnay aus dem Burgund mit Holzeinsatz.

Sekt aus der Pfalz: Markus Schneider Bubbly Brut
An eine frühere Kritik von mir am Weingut kann ich hier durchaus anknüpfen. Man merkt bei Markus Schneider sehr selten wo die Weine herkommen. Aber das ist auch gar nicht das Konzept. Und so viele Preise er bekommen hat, mindestens so viele Neider hat er auch. Zugleich ist für diesen Sekt aus der Pfalz – so großartig er auch ist – die Champagne keine Referenz. Ich vermute, dass sich die Böden deutlich unterscheiden. Zudem deucht mich, dass die Trauben in der Pfalz reifer geerntet wurden, als es in der Champagne üblich ist. So entsteht beim Bubbly Brut ein ganz anderes Geschmacksbild. Aber eigentlich hat Markus Schneider eine solche Referenz gar nicht nötig: Weder bezüglich dem Marketing, noch in der Qualität. Fazit: Klasse Sekt aus Flaschengärung. Bei ca. 15 Euro im Handel sollte man den einmal probieren.

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus Rhodt

Montag, 13. August 2012

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus RhodtWir sehen jetzt einmal Rot. Also genauer gesagt sehen wir uns das Wein-Sixpack unter dem Namen Rhodter Vielfalt an. Hierbei handelt es sich um fünf weiße Rebsortenweine und ein Rosecuvee aus der Südpfalz. Die sechs 0,25l-Flaschen sind mit einem praktischen Kronkorken verschlossen. Damit kann man so einiges anstellen. Ich lud kurzerhand 5 Freunde ein um diese Weine zu probieren. Mal schauen, wem welche Weine gefallen.

Thorsten Krieger Grauburgunder
Bei Startnummer 1 gibt es das ein oder andere ratlose Gesicht in unserer illusteren Runde. Der Weißwein hat tatsächlich einen leichten Rosestich. Das wird bemängelt. Doch Weinkenner und ebenso das Etikett des Weins wissen es: Die Trauben des Grauburgunder haben eine rötliche Haut, weswegen diese Farbe im Wein zustande kommen kann. Einer findet auch den etwas kräftigen Gaumen störend. Doch Julia ist begeistert. Ihr gefällt die florale bis reife Birne in der Nase. Der fruchtige bis strenge Gaumen sagt ihr zu. Gerade weil dieser Grauburgunder von Thorsten Krieger wenig Säure hat. Aus einer anderen Richtung hört man etwas von einem feinen Schmelz im Nachhall.

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus RhodtDas Wein-Sixpack

Marius Meyer Riesling
Als zweites gibt es einen Riesling. Frank ist sofort angetan vom Duft nach weißem Pfirsich mit Lychie. Für einen Riesling hält sich die Säure auch ganz gut in Grenzen. Allgemein wirkt dieser Wein von Marius Meyer belebend in der Verkostungsrunde. Ein Einwand soll aber hier auch genannt werden. Der Weißwein aus dem König der weißen Rebsorten ist selbst nicht adelig. Veilmehr gut trinkbar. Die Folge davon: Es kommt fast schon zu einem Streit um die letzten Tropfen aus der kleinen Flasche. Aber wir sind ja Weinfreunde.

Knut Fader Chardonnay
Bei Wein Nummer drei kehrt erst mal Stille ein. Alle müssen sich erst einmal orientieren. Schadonee, wie eine Teilnehmerin ulkt, ist eben doch eine Sache für sich. Manchem schaudert es, wenn er diese Rebsorte liest, doch vielen gefallen Weine aus Chardonnay. Zum Teil aus gegensätzlichen Gründen. Doch Ebby ergreift das Wort. Ihr gefällt die hellfruchtige und exotische Nase von kandierter Ananas bis Passionsfrucht. Ein Verkostungsteilnehmer bemängelt den etwas dünnen Gaumen. Ebby gefällt das: Das ist mein Wein!

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus RhodtSechs Weine aus Rhodt

Christian Heussler Sauvignon Blanc
In Deutschland ist der Sauvignon nicht unbedingt heimisch. In letzter Zeit entstanden einige Erfolge mit dieser Rebsorte. Nicht unzufällig in der Pfalz. Hier gab es auf vielen unterschiedlichen Böden enormes Mengen- und Qualitätswachstum. Nummer 4 – das ist der Sauvignon Blanc von Christian Heussler – hat in der Nase etwas Stachelbeere. Matte (mit ähnlicher Frisur) mag so etwas. Ihr gefällt, dass dieser Sauvignon körperreich ist und nach hinten hinaus dropsig wirkt.

Stefan Meyer Rose
Nach den ganzen Weißweinen tritt mit der Nummer 5 ein Rose in die illustere Verkostungsrunde ein. Die Rebsorten sind nicht angegeben. Und so beginnt ein munteres Rätselraten in der inzwischen heiteren Runde. Da hört man was von Dornfelder. Spätburgunder wird von anderer Seite getippt. Der Name Portugieser fällt auch noch. Das der Wein aber dennoch aus der Pfalz kommt, führt zu Erheiterung. Die dunkle Färbe spricht eher für Dornfelder als für Spätburgunder. Anne gefällt der Duft. Neben Erdbeeren ist da ein sehr harmonisch stimmender Caramelton. Am Gaumen ist dieser Rose etwas rauchig, was nicht jedem in der Runde gefällt.

Rhodter Vielfalt Gewürztraminer Cuvee
Als krönenden Abschluss der Verkostung gibt es noch den Gemeinschaftswein des Gemeinschaftsweinprojekts. Der Gewürztraminer zeigt seinen typischen Rosenduft. Am Gaumen ist er extraktreich. Orangenschale im Nachhall. Als Gastgeber dieser kleinen Verkostung darf ich nun ausrufen: Das ist mein Wein! Etwas mehr Restsüße wäre bestimmt auch nicht schlecht gewesen. Schön saftig mit hellem Pfirsich und Ananas.

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus RhodtUiiuiiuiiii. Das hat ja mal geradeso gepasst. Jeder Wein hat seinen Liebhaber gefunden. Spannend wäre doch mal eine Party mit ganz vielen Leuten und einer Menge dieser Six-Packs. Beim Aufräumen zählt man dann, wie viele Flaschen je Sorte geöffnet wurden und wie viele nur zur Hälfte getrunken wurden. Das wäre bestimmt ein schöner Feldversuch für dieses Wein-Sixpack aus Rhodt.

Man kann mit diesem Weinsixpack auch noch viele andere Dinge anstellen. Im kleinen Kreis kann man eine Rebsortenprobe machen. Mit den Nummern der Flaschen kann man lustige Kennenlernspiele veranstalten. Auf Partys kann man sich gut über die Weine unterhalten. Sie mischen sich schnell in jedes Gespräch. Und so sind die Weine der Rhodter Vielfalt rasch in aller Munde. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das Wein-Sixpack der fünf Jungs aus RhodtEin großes Kompliment geht in die Pfalz für diese großartige Idee und die Umsetzung des Weinsixpacks (Hier ist ihre Webseite). Man muss sich ersthaft fragen, wieso es das nicht schon lange überall gibt. Nur eines haben wir sechs Leute in der Verkostungsrunde nicht verstanden. „Wein muss nicht immer kompliziert und verkopft sein“, heißt es von den fünf Winzern aus Rhodt. Wieso sind dann eure Köpfe auf den Flaschen?

Unsere zusammenfassende Wertung der Rhodter Vielfallt
Design: fünf Sterne
Geschmack: vier Sterne
Spielspass: fünf Sterne

… huch, das sind ja drei Dinge auf einmal.

Bassermann-Jordan Deidesheimer Paradiesgarten Riesling Kabinett 2007

Freitag, 28. Oktober 2011

Bassermann-Jordan Deidesheimer Paradiesgarten Riesling Kabinett 2007Wir sind beim Wein aus Deutschland derzeit in einer etwas schwierigen Situation. Der Jahrgang 2010 hat recht wenig Menge gebracht und selbst bei einigen guten Weingütern sind die Qualitäten nicht immer ganz zuverlässig. So gilt es etwas zurückzuschauen, was sonst noch so herumsteht und getrunken werden könnte. Da fand ich in einem Weinladen den 2007er Kabinett aus dem Deidesheimer Paradiesgarten. Der Riesling stammt vom renommierten Weingut Bassermann-Jordan in der Pfalz.

Die Flasche aus dem Deidesheimer Paradiesgarten stand im Weinladen reichlich verstaubt herum. Beim Drehverschluss ist man sich ja immer noch nicht ganz so sicher, wie das mit der Lagerfähigkeit aussieht. Und so gab es diesbezüglich eine erste Enttäuschung gab es nach Flaschenöffnung. Denn das was da nach Stelvin aussieht, also einer der besten Schraubverschlüsse derzeit auf dem Markt, hat drinnen eine recht billige Kunststofffüllung. Offensichtlich waren Weingüter wie Bassermann-Jordan sich in der Verschlusssache vor drei Jahren noch nicht ganz so sicher wie heute.

Bassermann-Jordan Deidesheimer Paradiesgarten Riesling Kabinett 2007 verkostet

Der Riesling Kabinett aus dem Deidesheimer Paradiesgarten in goldgelb im Glas mit braunen Reflexen. In der Nase sind Firne mit Orangenschale. Zudem ist bei diesem Wein von Bassermann-Jordan auch schon etwas Quittengelee zu riechen. Auch am Gaumen zeigen sich Reifetöne. Diese sind jedoch bei diesem Kabinett hervorragend in vanillige Cremigkeit integriert. Ganz hinten ist auch noch volles Karamell. Der Riesling bleibt dann schön mit saftiger aber zugleich nicht zu voller Frucht stehen. Dezente Würze ist im Nachhall eingewoben. Klasse Kabinett.

Bassermann-Jordan Deidesheimer Paradiesgarten Riesling Kabinett 2007
Pfalz – Deidesheim
Erzeuger: Bassermann-Jordan
A.P.Nr: 5 106 064 05 08
Inhalt: 0,75
Alkohol: 10 %
Jahrgang: 2007
Einkaufspreis: 9 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Fachhandel

Große Gewächse 2010

Montag, 5. September 2011

Große Gewächse 2010Bei so manchen frühen (zu frühen) Einschätzungen des Jahrgangs 2010 konnte einem Angst und Bange werden vor dem, was in diesem Jahr an Großen Gewächsen präsentiert werden kann. Dann kamen von vielen Weingütern sehr anständige Basisweine aus diesem Jahr. Einige Zeit später konnte man beim Riesling ungeahnt brillante Qualitätsspitzen im edelsüßen Bereich des Jahrgangs 2010 verkosten. Dies gab dann wieder Hoffnung auch für die Großen Gewächse.

Doch was sich schon mit der Vorkostung vieler Weine aufgezeigt hat, 2010 ist nicht schlecht und es gibt eine Reihe hervorragender Rieslinge aus diesem Jahr. Wir haben ca. 150 Große Gewächse verkostet und möchten im Folgenden einen Überblick über verschiedene Regionen geben. Der Schwerpunkt lag bei der Rebsorte Riesling. Wir möchten diese Einschätzungen bitte mit Sorgfalt betrachtet sehen. Die Weine sind jetzt noch sehr jung. Und gerade vor dem Hintergrund der Herausforderung, die dieser Jahrgang an einige Winzer gestellt hat, sollte man aus unserer Sicht bei den Großen Gewächsen erst in einigen Jahren abschleißend urteilen.

Bei der Verkostung der Großen Gewächse der Rebsorte Riesling wurden annähernd vollständig alle Regionen verkostet. Zudem wurde die Gesamtheit der vorgestellten Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau (mit der VDP-offenen Klassifizierung) probiert. Aus Franken wurden neben den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling auch noch die dort typischeren Silvaner verkostet.

Mosel
Beginnen möchte ich in der Region Mosel. Von hier stammen eine Reihe hervorragender Großer Gewächse. Nur eben scheint es so zu sein, dass die kürzere Vegetationsperiode in 2010 die tatsächliche Stärke der Region Mosel, nämlich durch Mikroklimate ganz eigene und stark unterscheidbare Rieslinge hervorzubringen, nur wenig ausgeprägt ist. Die sonnst prägenden Schiefertöne waren nur selten wahrzunehmen. Die Idee der kleinen Einzellage ist in keiner anderen deutschen Weinregion sonnst so stark nachvollziehbar wie in der Region Mosel. Leider zeigen dies nur sehr wenige der Großen Gewächse aus dem Jahr 2010.

Sehr erfreulich ist das Piesporter Goldtröpfchen vom Weingut Reinhold Haart. Es zeigt sich komplex hellfruchtig und duftig in der Nase. Passionsfrucht ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ergänzt sich dies zu Multivitamin. Es ist eine große Klasse wie eine etwas eigenwillige Intensität und Feinheit hier aufeinander treffen (93 Punkte). Vom Weingut von Othegraven gefiel mir besonders der Okfener Bockstein. Der Riesling bringt helle exotische Frucht und Mineralität in der Nase. Am Gaumen ist er saftig und zugleich elegant. Dieses Große Gewächs aus dem Bockstein hat eine feine Frucht in der sehr guten Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Von der Mosel hat mir auch der Bernkastler Doctor vom Weingut Wegeler gefallen. Hier hat man Weinbergpfirsich in der Nase. Am Gaumen ist dieses Große Gewächs saftig mit schwungvoller Säure. Eine sehr gute Länge verleiht diesem Riesling seine große Stimmigkeit (92 Punkte). Gleich auf ist der recht eigenwillige Pündricher Marienburg „Rothenpfad“ von Clemens Busch. Hier bitte aus die Zusatzbezeichnung achten, da er sich doch recht stark vom anderen Großen Gewächs ohne „Rothenpfad“ unterscheidet. Kräuterhonig in der Nase, konzentrierte Frucht am Gaumen, lange Wucht (92 Punkte). Erwähnen möchte ich noch das Weingut S.A.Prüm. Hier war eine sehr deutliche Verbesserung der Großen Gewächse im Vergleich zum Jahrgang 2009 festzustellen.

Aus der Region Mosel wurden auch Rieslinge aus Ersten Lagen präsentiert, die aufgrund der höheren Restsüße nicht als Große Gewächse zugelassen werden. Gerade ich diesem Bereich liegt eine der Stärken der Mosel. Dies ist mit dem Jahrgang 2010 nicht anders. Bei diesen Rieslingen aus Ersten Lagen brillierten geradezu die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein. Von Clemens Busch begeisterte der Pündericher Marienburg „Falkenlay“. In der Nase ist ein reifer saftiger Pfirsich. Angenehme Frucht am Gaumen, saftige Länge mit Konzentration (93 Punkte). Aus den Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“ von Heymann-Löwenstein zeigen sich mit einer Kräuternase. Würzig am Gaumen, mit etwas Frucht daneben, findet in der Länge zu einer Kräuterlimonade zusammen (94 Punkte).

Rheingau
Das Rheingau ist wesentlich besser als sein derzeitiger Ruf. Auch wenn man hier leider stellenweise etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Eine sichere Bank ist auch dieses Jahr wieder das Erste Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg vom Weingut Weil. In der Nase ist eine helle Frucht mit sehr dezenten Kräuternoten. Der Gaumen ist geschmeidig mit ausgewogener Frucht (93 Punkte). Vom Weingut Künstler überzeugte vor allem die Hochheimer Hölle. Hier hat man eine sehr kräftige Frucht, die damit spielt kurz vor der Überladung zu stehen. Der Mundeindruck ist ausgewogen bis in die Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Das Kloster Eberbach sowie Langwerth von Simmern präsentieren insgesamt umfangreiche, qualitativ recht geschlossen und lobenswerte Kollektionen an Ersten Gewächsen. Bei von Simmern begeisterte besonders der Erbacher Marcobrunn mit seiner reifen Pfirsichfrucht und etwas Mango im Nachhall (92 Punkte). Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach gefiel mir besonders der Rüdesheimer Berg Schlossberg. Nach einer Mirabellennase, hat man Spannung am Gaumen. Der Nachhall zeugt von der Reife der Trauben (92 Punkte). Beim Schloss Johannisberg wird das Erste Gewächs auch als Silberlack bezeichnet. Es liegt aus meiner Sicht bei 91 Punkten.

Große Gewächse 2010

Seltsam bei den Ersten Gewächsen ist wieder einmal der Bereich der Spätburgunder. Hier können die Voraussetzungen und Herausforderungen des Jahrgangs 2010 nicht als Grund für die Situation gelten. Für Außenstehende ist es nicht verständlich, wieso kein akzeptabeler Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg mit dem Jahrgang 2009 als Erstes Gewächs präsentiert werden kann (lediglich vom Weingut G.H. Mumm gab es einen zur Verkostung beim Rheingauer Weinbauverband). Dabei haben wir in der Vergangenheit schon einige hervorragende Spätburgunder dieser Einzellage von verschiedenen Erzeugern probiert. Hier nur drei Beispiele, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben: Mohr, Chat Sauvage, Allendorf. Das Erste Gewächs sollte als Spitzenkategorie der trockenen Weine aus unserer Sicht alle wichtigen Lagen mit entsprechenden Qualitäten abdecken.

Große Gewächse 2010

Aber es gibt auch zwei Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau, die als positive Ausnahme gelten können. Da ist der 2009er Hochheimer Stein vom Weingut Künstler. Kirschfruchtige Nase, harmonisch am Gaumen und ausgewogen im Nachhall. Das sind uns 91 Punkte wert. Ein klein wenig besser finden wir den Eltviller Sonnenberg vom relativ weniger bekannteren Weingut Koegler. Dieses Erste Gewächs hat eine schöne Frucht in der Nase, eine feine Würze in der 2. Nase und mit rundem Gaumen eine gute Länge (92 Punkte).

Aus dem nördlichen Bereich, in dem der Spätburgunder eigentlich nicht nur typischer ist, sondern im Mittelrheinbruch auch seine historisch Hochburg hat, rettet das Weingut Paul Laquai den guten Ruf. Für das Erste Gewächs aus dem Bodental-Steinberg 2009 haben wir eine dezente Frucht, gut eingebundene Säure und angenehme Länge notiert und 89 Punkte vergeben. Ein Vergleich mit der Präsentation der Großen Gewächse 2009 der Rebsorte Spätburgunder aus Baden wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Dazu reichte die Zeit leider nicht. Die Weingüter des Rheingau im VDP scheinen sich jedoch derzeit etwas mehr auf den Riesling als auf den Spätburgunder zu konzentrieren.

Franken
Die Region Franken hatte es mit dem Jahrgang 2010 recht schwer. Das hatte sich bei vielen Rieslingen und Silvanern im Bereich QbA und Kabinett schon angekündigt. In der Qualitätsspitze muss dies nicht immer Auswirkungen haben. Folgende Große Gewächse 2010 aus Franken haben mir gefallen. Man müsste das noch mal detailliert überprüfen, aber es scheint mir, als wenn sich die Rieslinge insgesamt und auch bei den Qualitätsspitzen etwas besser präsentierten.

Große Gewächse 2010

Das Große Gewächs aus der Rebsorte Riesling aus dem Würzburger Stein vom Staatlichen Hofkeller gibt dieses Jahr den Ton an. Dezent Toffee mit schlanker Frucht sind hier in der Nase. Der Gaumen ist hellfruchtig und blüht dann zum reifen Pfirsich auf. Steht (92 Punkte). Die Randersackerer Pfülben von Schmitt’s Kinder zeigen sich mit kräftigen Pfirsich in der Nase. Am Gaumen ist schmelzige Frucht. Druckvoll und lang (92 Punkte). In der selben Lige spielt der Kronsberg von Hans Wirsching: Helle Frucht in der Nase, saftiger Pfirsich am Gaumen, schlanke Säure und angenehme Länge (92 Punkte). Ebenfalls ganz gut empfand ich den Ratsherr vom Weingut Zur Schwane, den Würzburger Stein „Hagemann“ vom Bürgerspital und den Riesling Lump von Michael Fröhlich, wobei dieser in seiner Pfefferwürze etwas eigenständig war (jeweils 91 Punkte)

Mit der Rebsorte Silvaner hatte man es 2010 generell etwas schwerer. Mir gefielen jedoch zwei Große Gewächse. Der Würzburger Stein Bürgerspital wartet mit Weißem Pfirsich und Aprikose in der Nase auf. Der Süß-fruchtige Gaumen wirkt in der Länge angenehm fein (91 Punkte). Das Weingut Michael Fröhlich hat einen sehr guten Silvaner im Escherndorfer Lump erzeugt. Hier ist Multivitaminsaft in der Nase. Insgesamt ist dieses Große Gewächs stimmig (91 Punkte). Es ist für die Region Franken sicherlich problematisch, wenn die Silvaner im Schnitt hinter den Rieslingen liegen.

Rheinhessen
Sehr weit oben war in diesem Jahr wieder einmal Rheinhessen mit seinen klaren Rieslingen. Hier gab es kaum Ausfälle. Das Weingut Brüder Dr. Becker erzeugen 2010 das Große Gewächse Dienheimer Falkenberg. Dies zeigt helles Kernobst in der ersten und Aprikose in der zweiten Nase. Eine komplexe Frucht spielt am Gaumen, dann tänzelnde Länge mit hellem Pfirsich und sehr reifen Fruchtnoten (93 Punkte). Von Battenfeld-Spanier kommt das zweite hervorragende Große Gewächs in diesem Jahr. Das Hohen-Sülzener Kirchenstück riecht nach hellem Pfirsich. Dezente Kräuter sind in der zweiten Nase. Etwas wärmer im Glas riecht er wesentlich fruchtiger, gut ausbalancierter Gaumen, und angenehme Länge (93 Punkte).

Große Gewächse 2010

Dann folgt ein weites Feld sehr guter Großer Gewächse. Bei jeweils 92 Punkten sehe ich das Westhofener Kirchspiel von Wittman, den Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, die Westhofener Aulerde von Groebe und den recht eigenwillig ausdrucksstarken Niersteiner Oelberg von Kühling-Gillot. Danach folgen noch recht viele richtig doller Rieslinge mit 90 oder 91 Punkten. Das Niveau und vor allem die sehr wenigen Ausfälle bei den Großen Gewächsen 2010 aus Rheinhessen überzeugen.

Pfalz
Aus der Pfalz kommen in diesem Jahr sehr viele Große Gewächse die richtig gut sind. Hier haben viele angesehene und klangvolle Weingüter die Nase weit vorne. Vor allem zwei der Großen Bs geben in diesem Jahr deutlich vor, wo die Qualitätsspitze in der Pfalz zu sehen ist. Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan überzeugen jeweils mit einem Großen Gewächs aus Lagen bei Forst.

Große Gewächse 2010

Das Forster Kirchenstück vom Weingut von Buhl zeigt sich mit einer duftenden und verlockenden hellen Fruchtnase. Der Gaumen ist von einer sehr schönen vielschichtigen Frucht umspült. Es folgt ein tiefer und inspirierender Nachhall. Dies ist mir 94 Punkte wert. Gerade die innere Stimmigkeit bei enormer Vielschichtigkeit zeigen die Rieslinge von von Buhl häufig auch schon bei den Gutsweinen.

Das Weingut Bassermann-Jordan punktet aus meiner Sicht in diesem Jahr besonders in der Lage Forster Pechstein. In der Nase zeigen sich exotische Früchte, frisch am Gaumen, bleibt leicht und lange stehen. Aus meiner Sicht wird dieser Riesling durch die Feinheit der Nuancen zum Großen Gewächs (93 Punkte). Den Forster Pechstein vom Weingut Acham-Magin sollte ich hier auf jeden Fall auch noch positiv erwähnen (92 Punkte). Die Großen Gewächse aus dem Forster Kirchenstück und dem Deidesheimer Kalkofen sind aus meiner Sicht in diesem Jahr vom Weingut Bassermann-Jordan auch sehr groß.

Große Gewächse 2010

Das Weingut A. Christmann überzeugt davon, dass man jede Lage für sich selbst genommen interpretieren kann. So entstehen 2010 vier Große Gewächse mit dem Riesling, bei denen der Rupersberger Reiterpfad mit seiner floralen Duftigkeit in der Nase, der Stoffigkeit am Gaumen und der vollen Länge überzeugt (93 Punkte). Im Gimmeldinger Mandelgarten kommen in der Nase auch Kräutertöne zum tragen. Fruchtige Intensität gibt ihm einen Zug eines Deserts (92 Punkte). Das Aushängeschild des Weinguts A. Christmann und zugleich der einer der eigenständigsten Rieslinge aus der Pfalz in wieder einmal der Königsbacher Idig. Es ist ertaunlich, wie beständig dieser Wein über die Jahre hinweg wieder erkennbar ist. Sicherlich polarisiert der Idig auch dieses Jahr etwas mit der rauchig-erdigen Nase mit etwas Kräutern, einer kräftigeren Säure, zugleich aber angenehm fruchtig langem Nachhall (91 Punkte).

Das Weingut von Winning hat sich sicherlich zu recht mit seiner kurzzeitigen positiven Entwicklung nach der Ära Dr. Deinhard einen guten Namen gemacht. Mir gefiel der Rupertsberger Spieß (92 Punkte) und das Forster Kirchenstück (91 Punkte). Bei den anderen Rieslingen steht aus meiner Sicht das Holz zu deutlich da. Auch wenn man es bewusst und massvoll einsetzen möchte, kommen besonders im Forster Pechstein und in den Deidesheimer Lagen Kieselberg und Kalkofen die Vanilletöne (im Kalkofen auch Karamell; ich meine in einem sogar Cocos wahrgenommen zu haben) etwas zu sehr zum tragen.

Bürklin-Wolf hatte mich in der Vergangenheit stilsicher und konstant immer etwas enttäuscht. Im Forster Kirchenstück und im Jesuitengarten sind noch Anklänge dieses alten Stils zu erkennen. Die beiden Großen Gewächse aus den Deidesheimer Lagen und der Rupertsberger Gaisböhl künden aus meiner Sicht eine positive Entwicklung an. Vor allem beim Gaisböhl überzeugt die ausgewogene helle Frucht und die innere Stimmigkeit des Rieslings (91 Punkte).

Nahe
Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Stinkerduell an der Nahe. Doch es geht auch anders. Denn das beste Große Gewächs kommt aus meiner Sicht nicht von Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber. Das Weingut Dr. Crusius ist aus meiner Sicht wesentlich mehr an der Charakteristik der den einzelnen Lagen dran, als seinen Stempel aufzudrücken. So ist zwar auch etwas mehr Qualitätsgefälle in den drei präsentierten Großen Gewächse vorhanden. Die Traisener Bastei ist hellfruchtig kräuterwürzig in der Nase. Saftig frisch mit spritziger Säure ist sie am Gaumen und uns 94 Punkte wert.

Große Gewächse 2010

Dem entgegen waren die Großen Gewächse von Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich geschmacklich zuordbar. Bei der Niederhausener Hermannshöhle fällt vor allem der der selbe Dönnhoff-Ton wie zuvor in der Nase auf. Hier fällt er etwas kräutriger aus. Runde und intensive Frucht am ist Gaumen. Stoffig und ausgewogen ist dieses Große Gewächs in einer kräftigen Länge (93 Punkte).

Der Schloßböckelheimer Felsenberg von Schäfer-Fröhlich zeigt sich mit Sauerkraut in der Nase. Auch hier ist der Geruch über alle Große Gewächse hin im Kern wieder erkennbar in kräftigen Kräuternoten. Der Riesling ist extrem köperreich am Gaumen. Bis in den angenehm langen Nachhall ist eine Fruchtkonzentration auffällig, wie sie bei Obstbränden sichtbar ist (93 Punkte). Schäfer-Fröhlich drückt zwar mit der weingutseigenen Nase den Lagen einen akzentuierten Stempel auf. Diese Großen Gewächse sind dadurch sicherlich nicht immer leicht zugänglich. Zugleich sind bei mir alle präsentierten Rieslinge locker über die 90 Punkte-Hürde gesprungen.

Zu danken bleibt noch dem VDP für die perfekte Organisation und Durchführung der Verkostung. Auch die vielen häufig ungenannten helfenden Kräfte haben einen hervorragenden Einsatz geleistet.

Die hier aufgeführten Großen Gewächse sind nur ein Auszug aus unserer Verkostungsliste. Diese umfasste ca. 150 Weine. Bei Interesse können unsere Einschätzungen auch zu anderen Großen Gewächsen angefordert werden.

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009

Donnerstag, 16. September 2010

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009Die Pfalz ist bei den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling mit dem Jahrgang 2009 wieder sehr gut präsent. Viele zeigen sich in hoher Qualität und internationalem Format. Jedoch liegt eine kleine Schwäche in einer Lücke zum Anspruch. So meint das Große Gewächs ja auch, dass die jeweiligen Rieslinge die entsprechende Erste Lage repräsentieren sollen. Bei einigen flächenmäßig großen und zudem in sich variierenden Lagen – wie zum Beispiel dem Rupertsberger Reiterpfad – fragt man sich, welcher der vermarkteten Rieslinge Großes Gewächs die Lage repräsentiert.

In anderen Gebieten – hier ist besonders die Mosel mit ihren beiden Zuflüssen zu nennen – sind die Lagen von den Winzern wesentlich deutlicher herausgearbeitet worden. Und was dort leider durch die Eigenwilligkeit der Ersten Lagen selber oder vielmehr dem Unverständnis einiger Verkoster diesen Lagen gegenüber zu Abwertungen führt, gedeiht den Großen Gewächsen aus der Pfalz häufig zum Vorteil. Trotzdem erzeugten mit dem Jahrgang 2009 viele Weingüter wieder wirklich Große Gewächse. Etwas enttäuschend präsentierten sich aus meiner Sicht jedoch die Rieslinge von Dr. Bürklin-Wolf.

Mandelpfad (Dirmstein)
Knipser

Strohgelb, weißer Fruchtgeruch, dezente Würze in der zweiten Nase, gut strukturierter Gaumen in dem die Frucht optimal in ihrer Geschmackstiefe ist, gute weil nicht überladene Länge. 90

Steinbuckel (Laumersheim)
Knipser

Strohgelb, dezent hell-duftiger Pfirsich in der Nase, süßer Pfirsich am Gaumen, kaum Säure, gute Länge. 89

Steinbuckel (Laumersheim)
Philipp Kuhn

Goldig schimmerndes Gelb, reife Südfrüchte in der Nase, kräftige Frucht am Gaumen, die süßlich untermalt in die Länge geht. 90

Kirschgarten (Laumersheim)
Philipp Kuhn

Dunkles Strohgelb mit grünen Reflexen, Anklänge von Weihrauch in der zweiten Nase, süßfruchtiger Gaumen mit goldig reifem Pfirsich, der gute Länge hat, weit hinten gibt es auch noch helle Früchte. 92

Pechstein (Forst)
Acham-Magin

Strohgelb mit grünen Reflexen, frischer Pfirsich in der Nase, runde un süßlich wirkende Frucht am Gaumen, Säure baut Spannung auf. Gute und trockene Länge. 91

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Bassermann-Jordan in der Pfalz

Pechstein (Forst)
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Kräftigeres Strohgelb, Caramel mit sympathischer Frucht in der Nase, frische Frucht am Gaumen mit gut eingebundener Säure, leichtfüßiger aber längerer Nachhall. 93

Pechstein (Forst)
Reichsrat von Buhl

Strohgelb, Pfirsich und Weingummi in der Nase, in der zweiten Nase exotische Früchte, süßer Gaumen mit Mirabellen und gut eingebundener Säure, schöne harmonische Länge. 92

Pechstein (Forst)
Dr. Bürklin-Wolf

Stohgelb im Glas, etwas muffiges Caramel in der Nase, Flasche scheint nicht Top zu sein. Keine Wertung.

Pechstein (Forst)
Georg Mosbacher

Strohgelb, frische Fruchtnase mit Kandiszucker im Hintergrund, druckvolle Säure bringt angenehme Lebendigkeit in diesen Riesling, Länge. 91

Pechstein (Forst)
Karl Schaefer

Helles Strohgelb, holziges Caramel in der Nase, unreife Frucht am Gaumen, in der Länge gibt es weißen Weingummi. 87

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Forster Jesuitengarten

Jesuitengarten (Forst)
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Helles Strohgelb mit grünenen Reflexen, süße leicht überladene Fruchtnase, kraftvolle Frucht am Gaumen, gut eingebundene aber sehr wahrscheinlich gut vorhandene Säure, angenehme Länge bei der caramelige und frisch fruchtige Noten miteinander spielen. 90

Jesuitengarten (Forst)
Dr. Bürklin-Wolf

Goldgelb, Vanille in der Nase, abgeatandener Gaumen mit Säure, Caramel in der Nase. Wieder ein Bürklin-Wolf, der mir sagt, dass ich den Stil nicht mag. Ist aber zum Glück nur mein Geschmack und das Haus hat wenigstens einen Stil (der sicherlich auch Fans hat). 86

Jesuitengarten (Forst)
von Winning

Helle Falbe, weiße Schokolade mit etwas Vanille in der Nase, Würze im Hintergrund, süße am Gaumen mit sehr dezenter Säure. Angenehme Länge. 89

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Weingut von Buhl im Forster Ungeheuer

Ungeheuer (Forst)
Reichsrat von Buhl

Helles Strohgelb, süße Fruchtnase, breit am Gaumen, Säure bringt Schwung, bleibt sehr angenehm stehen. 89

Ungeheuer (Forst)
Dr. Bürklin-Wolf

Kräftigeres Gelb, Vanillesüße in der Nase, süßliche Frucht am Gaumen, schöne Länge. 88

Ungeheuer (Forst)
Georg Mosbacher

Strohgelb im Glas, frische helle Frucht, fulminant am Gaumen, mit gut eingebundener Säure, frischer Nachhall mit derzneten Früchen gibt diesem Riesling seine Klasse. 91

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Forster Kirchenstück

Kirchenstück (Forst)
Acham-Magin

Grünliche Reflexe, Nase erscheint so wie erst frisch gefüllt mit angenehm süßer Frucht, auch am Gaumen ist ein schöner Weinbergpfirsich vorhanden, wuchtig bis in den Nachhall. 90

Kirchenstück (Forst)
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Holziges Caramel in der Nase, am Gaumen fehlt Frische, wirkt irgendwie oxidativ. 86

Kirchenstück (Forst)
Reichsrat von Buhl

Strohgelb, Vanille mit Zitrusnoten in der Nase, in der zweiten Nase verbindet sich dies harmonisch, am Gaumen etwas schwach, Mittellang. 88

Kalkofen (Deidesheim)
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Helles Strohgelb, süße Fruchtnase mit Pfirsich und etwas vegitatiben Noten, druckvolle Frucht mit dezenter Würze am Gaumen, gute Länge. 90

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Weingut Biffar in der Pfalz

Kalkofen (Deidesheim)
J. Biffar

Helles Strohgelb, holzige vanillenase, erdig in der zweiten Nase, frischer Gaumen mit schmaler Frucht und druckvoller Säure, nicht sehr lang. 87

Kalkofen (Deidesheim)
Dr. Bürklin-Wolf

Strohgelb mit grünen Reflexen, Caramel in der Nase, süße Frucht in der zweiten Nase, runde Frucht am Gaumen die von erfrischender Säure untermalt ist. 91

Kalkofen (Deidesheim)
von Winning

Strohgelb, riecht wie ein Sauvignon Blanc aus Neuseeland (böse Zungen sprechen von nicht rebsortentypisch; unter bestimmten Bedingungen kann dies aber beim Riesling so riechen!), süßer Gaumen mit weißem vollfruchtigen Pfirsich, sanft mischt sich in der Länge etwas Pfeffer unter. Klasse. 92

Hohenmorgen (Deidesheim)
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Strohgelb mit grünen Reflexen, süße und komplexe Frucht mit weißen Pfirsichen in der Nase, etwas erdig in der zweiten Nase, voluminöse Frucht am Gaumen, die etwas leichter sein könnte, Länge. 89

Hohenmorgen (Deidesheim)
Dr. Bürklin-Wolf

Kräftigeres Stohgelb, süße Honignase, frischer Gaumen, mit etwas dezenter Vanille, mittlere Länge. 88

Paradiesgarten (Deidesheim)
Reichsrat von Buhl

Strohgelb, Vanille mit Mirabelle im Hintergrund in der Nase, frischer Gaumen mit akzentuierter Säure, gute Länge. 90

Reiterpfad (Ruppertsberg)
Bergdolt – St. Lamprecht

Goldig im Glas, Honignase mit Würze im Hintergrund, etwas bissiger Gaumen mit Frucht, Caramel-Vanille, die sich in der Länge zu einer ordentlichen Portion Toffifee entwickelt. Muss man mögen. 87

Reiterpfad (Ruppertsberg)
J. Biffar

Strohgelb mit grünen Reflexen, Heideblumen in der Nase, süßer Fruchtgaumen mit passend dosierter Säure, gute Länge. 91

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Weingut von Buhl im Ruppertsberger Reiterpfad

Reiterpfad (Ruppertsberg)
Reichsrat von Buhl

Helles Strohgelb, Frucht mit Stachelbeere im Hintergrund in der Nase, frischer Gaumen, harmonisch, kurz wirkt die Frucht etwas aufgesetzt. Lang. 89

Reiterpfad (Ruppertsberg)
A. Christmann

Dunkleres Strohgelb mit grünen Reflexen, süße etwas fette Nase, überladener Gaumen, gute Länge. Den sollte man mal noch etwas lagern. 88

Idig (Königsbach)
A. Christmann

Goldgelb, erdige Frucht in der Nase, süßer und leicht überladen wirkender Gaumen, Heidekraut im Hintergrund, harmonische Frucht im langen Nachhall. 90

Pfalz Riesling Großes Gewächs 2009
Weingut Christmann in der Pfalz

Mandelgarten (Gimmeldingen)
A. Christmann

Goldig schimmernd im Glas, wuchtig-fruchtige Nase, hölzern am Gaumen, etwas abgestandener Nachhall. 86

Bürgergarten “Breumel in den Mauern” (Haardt)
Müller-Catoir

Strohgelb, Caramel in der Nase, zweite Nase frische Fruchtaromen, weißer Weingummi mit dezenter Säure am Gaumen, Lang. 90

Im Sonnenschein (Siebeldingen)
Ökonomierat Rebholz

Grüne Reflexe, süße helle Frucht in der Nase, Kräuter in der zweiten Nase, wuchtiger Gaumen mit grünen Noten im Hintergrund, Länge. 87

“Ganz Horn” Im Sonnenschein (Siebeldingen)
Ökonomierat Rebholz

Strohgelb, süße Kräuter in der Nase, markante Säure, helle Frucht bemüht sich, gut langer Nachhall. 88