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Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling trocken

Montag, 13. März 2017

administration-prinz-von-preussen-rieslingIch habe jetzt den Erbacher Michelmark Riesling trocken von der Administration Prinz von Preussen im Glas. Dieser wurde mir vorgestern zugeschickt. Häufig brauche ich etwas Zeit um mir über Weine im Klaren zu sein. Bei diesem ist das anders. Und ich muss bei diesem Riesling aus dem Rheingau gleich mit dem Resümee anfangen. Sonst kann man diesen Blogbeitrag vollkommen falsch verstehen. Der Erbacher Michelmark ist seine 6,99 Euro in Handel vollkommen wert. Ein Riesling der Spaß macht. Fast alles drum herum irritiert mich eher.

Was ist die Administration Prinz von Preussen?

Doch fangen wir nun von vorne an. Der Erzeuger Administration Prinz von Preussen – nicht zu verwechseln mit dem Weingut Prinz von Hessen aus dem nahe gelegenem Johannisberg im Rheingau – ist mir unbekannt. Der Name tauche schon einmal auf. Damals wurde es auch als Schwesterweingut des Schloss Reinhartshausen in Eltville bezeichnet. Die Flaschen hatten allerdings ein königsblaues Etikett. Nun ist dies in einem knalligem Orange. Bei diesem Wein aus dem Erbacher Michelmark handelt es sich um eine Abfüllung. Die Adresse des Abfüllers ist lediglich mit einer Postleitzahl in Eltville angegeben. Auf dem Etikett dieses Rieslings steht „Rheingauer Tradition seit 1855“. Ich vermute, dass dieses Datum auf den Verkauf des Schloss Reinhartshausen an Marianne von Preussen zurückgeht. Nach ihr ist auch die benachbarte Insel Mariannenaue benannt.

riesling-erbacher-michelmark-erste-lageZurück zu dieser Weinflasche. Ein angehängtes Etikett erhärtet die Vermutung, dass die Administration Prinz von Preussen mit in Inhabern vom Schloss Reinhartshausen zusammenhängt. Darauf steht: „Je enger die Herkunft eines Weines gefasst ist, desto höher seine Qualität“. Dies ist eigentlich das Motto vom Schloss Reinhartshausen. Hier wird es zum Credo der Administration. Dann geht es auf diesem Flaschenanhänger noch um das „handwerkliche Können der Weinmanufaktur“. Sprachlich scheint mir das nicht schön zu sein und es ist irgendwie doppelt Gemoppelt.

Zur Lage Erbacher Michelmark

Erbach – heute ein Stadtteil von Eltville – hat viele sehr bedeutende und großartige Lagen. Der VDP hat einige von diesen als Erste Lage klassifiziert. Diese sind dem Freund hervorragender Rieslinge auch bekannt: Es sind die Erbacher Lagen Marcobrunn, Steinmorgen, Hohenrain, Siegelsberg und Schlossberg. Konsequent listet der verbandsunabhängige „Weinatlas Deutschland“ diese Einzellangen als privilegierte Lagen des Rheingaus auf. Der mit 53 Hektar wesentlich größere Erbacher Michelmark hingegen taucht dort – ähnlich wie die benachbarte Kiedricher Sandgrub – in der einfacheren Kategorie der guten Lagen auf. Trotzdem bezeichnet die Administration Prinz von Preussen ihren Wein als „aus unserer Ersten Lage“.

Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling trocken verkostet

Kommen wir zum erfreulichen Teil: Der Riesling zeigt sich in einem strahlend hellem Strohgelb im Glas. Eine leicht fruchtige Aprikose steht im Zentrum in der Nase. In der zweiten Nase sind Ananas und helle Früchte zu riechen. Erfreulich strahlig und animierend frisch mit knackiger – für den Rheingau typischer – Säure präsentiert sich dieser Riesling am Gaumen. Pfirsich und Maracuja begleiten in einen recht langen Nachhall. Insgesamt ein guter Riesling. Aber sicherlich ist es kein Wein der Spitzenklasse. Das kann man bei dem Preis auch nicht erwarten. Einige Kollegen des VDP bringen bei 8,99 Euro eine vergleichbare Qualität in der Flasche. Ich fände eine Verkostung dieses Rieslings in einem Flight vom Schloss Rheinhartshausen durchaus mal interessant. Den Erbacher Michelmark aus 2016 gibt es bei Netto Marken-Discount (also bei dem Netto ohne Hund).

Abfüller: Administration Prinz von Preussen
Erbacher Michelmark
Riesling trocken
Deutschland – Rheingau
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2016
AP-Nr: 32102 003 17
Verschluss: Schrauber
EAN: 4005055736993

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau

Montag, 24. September 2012

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau Jetzt gibt es Riesling Erstes Gewächs. Über den Rheingau wird seit einiger Zeit intensiv diskutiert. Während bei den Rieslingen aus Rheinhessen und von der Nahe die Talente und Aufsteiger in den letzten Jahren gefeiert wurden, die Mosel ihre Individualität und Einzigartigkeit der Weine bewiesen hat, ist das Anbaugebiet Rheingau in der Wahrnehmung ins Hintertreffen geraten. Dabei liegt mit den Esten Gewächsen hier – wenn nicht sogar die Geburtswiege – so doch ein wichtiger Ursprung dieser trockenen Spitzenkategorie für deutsche Weine.

Vor Verkostungen der Rieslinge Erstes Gewächs aus dem Rheingau hört man häufig negative Stimmen über diese Weine. So häufig, wie man so etwas hört, könnte man selbst schon fast daran glauben. Wenn man diese Weine probiert, sieht die Welt jedoch schnell ganz anders aus: Der Rheingau leidet nicht an seiner geringen Qualität, sondern an den anhaltend guten Rieslingen einiger Weingüter. Sich hier positiv zu profilieren ist wesentlich schwerer, als zum Beispiel auf der anderen Seite des Rheins. Ein weiteres Problem des Images vom Rheingau: Die schöne Landschaft, die Adelskultur und die historischen Bauwerke vermitteln nur schwer ein Bild von kreativer und moderner Weinerzeugung. Der Rheingau ist das Sinnbild für Luxusprobleme im deutschen Weinbau. Ein weiteres kommt noch hinzu: Die Rieslinge verkaufen sich aufgrund eines wohlhabenden Einzugsgebiets regional sehr gut.

Die Dynamik und Leistung in Rheinhessen wäre vor solch einem kulturellen Hintergrund und der auf der linken Seite des Rheins selbst gemachten Krisen nie denkbar gewesen. Dabei tut sich im Rheingau in den letzten Jahren so einiges. Man kann hierbei einige Erste Gewächse gerade des aktuellen Jahrgangs 2011 als Beispiel nehmen. Es scheint mir so, als haben einige Weingüter sich enorm weiter entwickelt. Besonders die vielschichtig auftretenden Kräuteraromen in den Rieslingen versprechen auch nach längerer Lagerung wesentlich interessante Erste Gewächse zu sein. Vor wenigen Jahren gab es ab und an einige Rieslinge, die versuchten als konzentrierte Frucht zu punkten. Heute ist das Geschmacksspektrum wesentlich größer geworden.

Erstes Gewächs im Rheingau

Trotzdem der Rheingau recht klein ist: Die Ersten Gewächse muss man hier im Plural denken. Das verdeutlicht der Jahrgang 2011 recht stark. Hierbei ist gar nicht das Qualitätsgefälle innerhalb dieser Kategorie gemeint. Vielmehr gibt es recht große Unterschiede in der Stilistik. Zudem sind recht unterschiedliche Restzucker- und Alkoholwerte signifikant. Auch wenn sich dies in meinen Verkostungsnotizen und Bewertungen nicht so widerspiegelt: Braucht man 14% bei einem trockenen Riesling?

Doch nicht nur die Weingüter im Rheingau sind unterschiedlich. Auch die einzelnen Lagen zeigen eine enorme Vielfalt. Man kann hierbei nur einmal die Lagen Schlossberg, das Lenchen und das Kirchenstück in Bezug auf Boden und Hangneigung vergleichen. Der Begriff Geschmackskorridor führt hier kaum weiter. Jedes Weingut wird auch weiterhin sein Erstes Gewächs als Spitze seiner trockenen Weine vermarkten. Und so wird man aus dem Berg Schlossberg nicht selten fünf verschiedene Erste Gewächse aus einem Jahrgang am Markt finden, wo die Handschrift des Weinguts jeweils einen größeren Abdruck im Riesling gefunden hat, als die Lage an Einfluss gibt.

Spätburgunder Erstes Gewächs

Nach vielen positiven Worten über die Entwicklung und den derzeitigen Stand der Rieslinge, muss auch zum Spätburgunder aus dem Jahrgang 2010 etwas geschrieben werden. Das Thema der Rotweine aus dem Rheingau mit dem Label Erstes Gewächs ist in diesem Jahr die Fortsetzung eines Dramas. Lediglich drei Weine gibt es in dieser Kategorie. Alle drei Spätburgunder sind aus meiner Sicht unter dem Niveau, was für den Rheingau als Spitze anzusehen ist. Und es gibt wieder kein Erstes Gewächs mit dem Spätburgunder aus dem Bereich Assmannshausen. Eine solche Kategorie ergibt nur einen Sinn, wenn hier tatsächlich die besten Weine vertreten sind.

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem RheingauDass man in Assmannshausen gute Spätburgunder machen kann, beweisen jedes Jahr einige Winzer. Und man wusste die auch schon vor einigen Jahrhunderten. In der Nassauischen Weinkarte wurde gerade der Höllenberg mit den Rotweinen hervorgehoben. Vor 100 Jahren schreib man nur Assmannshäuser Wein auf die Flaschen und es war international bekannt, dass es sich hierbei meist um hervorragenden Spätburgunder handelt. Eine Klassifizierung wie das Erste Gewächs sollte diesen hohen Stellenwert der Rotweine aus Assmannshausen nicht als Huldigung der Geschichte, sondern aufgrund der guten Qualitäten in den vergangenen Jahren auch abbilden. Sicherlich trugen die geringen Mengen und die Schwierigkeiten im Jahrgang 2010 zu den wenigen Anstellungen der Ersten Gewächse aus Spätburgunder bei.

Noch etwas zu den Rahmendaten im Rheingau. Das Anbaugebiet hat im Jahr 2011 einen Anteil von nur 2,5% an der deutschen Weinproduktion. Dabei entstanden hier zu knapp 55% Prädikatsweine. Nur in Franken ist der Anteil der Weine mit Prädikat höher. Mit dem Jahrgang 2011 hat man nach den enormen Einbußen im Vorjahr wieder durchschnittliche Mengen im Ertrag erreicht.

Die Anzahl der nun verfügbaren Ersten Gewächse liegt bei den Rieslingen 2011 und Spätburgundern 2010 bei 79 Weinen. 72 Weingüter hatten 145 Weine zu Prüfung angestellt. Der hohe Qualitätsanspruch dieser Kategorie wird dadurch unterstrichen, dass nur rund 1% der geernteten Weine als Erstes Gewächs zugelassen wurden. In absoluter Menge ausgedrückt handelt es sich um ungefähr 220.000 Flaschen Erstes Gewächs aus dem Rheingau. Trotz stabil hohen Anstellungen zur Prüfung wurde in den vergangenen Jahren die Anzahl der Zulassungen deutlich verringert.

Braucht man mehr oder weniger Erstes Gewächs?

Auch wenn eine weitere Verknappung bei den Ersten Gewächsen diese Kategorie weiter aufwerten würde, kann man zugleich einige Weingüter bei den Rieslingen 2011 vermissen. Langwerth von Simmern war aus meiner Sicht in den vergangenen Jahren nicht nur bei den Ersten Gewächsen aus meiner Sicht eine sichere Bank. Hier wird sicherlich jeder Kenner des Rheingaus noch einige andere Namen nennen können. Das Weingut Mohr, Chat Sauvage und Koegler fallen mir so spontan noch ein.

Im Folgenden finden sich meine Notizen und Bewertungen der Ersten Gewächse. Es soll ausdrücklich darauf hingewiesen sein, dass es sich um meine Bewertung handelt und nicht um einen allgemeinen Maßstab. Auffällig ist jedoch, dass auch viele Erzeuger ohne Mitgliedschaft im VDP im Jahr 2011 erstklassige Erste Gewächse erzeugt haben. Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung im Rheingau im kommenden Jahr durchaus spannend. Wird es ein „VDP Erstes Gewächs“ oder ein „Großes Gewächs“ mit dem Jahrgang 2012 geben? Oder bleibt es bei einer offenen Klassifizierung? Das scheint derzeit noch offen zu sein. Eine Lösung bei der kein Weingut Nachteile hat, wird es wahrscheinlich nicht geben.

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau
Die Reihenfolge der Verkostung ist nach Einzellagen sortiert entgegen der Fließrichtung des Rheins. Einige wenige Rieslinge Erstes Gewächse fehlen in dieser Liste. Das ist auf ablaufende Zeit zurück zu führen. Trotzdem sind im Folgenden die Notizen zu annähernd 70 Rieslingen aus dem Rheingau zu finden. Danken möchte ich noch dem Rheingauer Weinbauverband für die Organisierung der Verkostung, der nun ehemaligen Rheingauer Weinkönigin Elena Benischke (viel Erfolg bei der Wahl zur Deutschen Weinkönigin) für das Engagement beim Tischservice und allen anderen helfenden Händen.

Lorcher Schlossberg
Weingut Paul Laquai

Frisch und reintönig in der Nase, druckvoll am Gaumen, eher ein elegantes Leichtgewicht.
88

Lorcher Kapellenberg
Weingut Graf von Kanitz

Reifer heller Pfirsich in der Nase, frische vegetatible Noten in der zweiten Nase, voll auch am Gaumen, klar und gradlinig.
90

Lorcher Kapellenberg
Weingut Karl Ottes

Reifer Pfirsichduft, spannungsreich mit kräftiger Frucht am Gaumen, in sich stimmig, Säure ist gut integriert, schöne Länge. Hervoragendes Erstes Gewächs.
91

Lorcher Pfaffenwies
Weingut Graf von Kanitz

Floral geprägte Nase, reife Frucht in der zweiten Nase, extraktreich und gradlinig am Gaumen, wird bei Reife interessanter werden.
89

Lorcher Pfaffenwies
Weingut Karl Ottes

Etwas verhalten in der Nase, Maracuja mit angenehmer Kräutrigkeit am Gaumen, schöne Länge. Dieses Erste Gewächs macht Spaß.
92

Rüdesheimer Berg Schlossberg
Weingüter Geheimrat J.Wegeler

Zitrusaromen in der Nase, etwas Alkohol sticht durch, wuchtig am Gaumen, zieht sich langsam zurück.
91

Rüdesheimer Berg Schlossberg
Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Vollfruchtig mit Quitten, frischer Grapefruit am Gaumen mittlere Länge.
88

Rüdesheimer Berg Schlossberg
Weingut August Kesseler

Etwas brotige Nase, feine helle Frucht im Hintergrund, frisch am Gaumen.
89

Rüdesheimer Berg Schlossberg
Weingut Balthasar Ress

Kräuternase mit Salbei, Heideblumen in der zweiten Nase, mächtige Frucht am Gaumen, schöne Intensität und kräftiger Nachhall. Außergewöhnliches und sehr gutes Erstes Gewächs.
93

Rüdesheimer Berg Schlossberg
Domänenweingut Schloss Schönborn

Volle reife Frucht in der Nase, Mango steht hier neben einem Pfirsich, etwas sehr süß am Gaumen, lang.
90

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau Erstes Gewächs Berg Roseneck

Rüdesheimer Berg Roseneck
Weingut Fritz Allendorf

Kräutrigkeit mit Oregano in der Nase, spannungsreiche Frucht, trocken am Gaumen, eher ein Leichtgewicht.
88

Rüdesheimer Berg Roseneck
Weingut August Kesseler

Pfirsisch in der Nase, Fruchtige Fülle am Gaumen, etwas wenig Dimensionen.
89

Rüdesheimer Berg Rottland
Weingut Johannishof

Volle Frucht, Pfirsisch mit etwas Mango, voller Gaumen, kurz wuchtig, lässt etwas schnell nach.
90

Rüdesheimer Berg Rottland
Weingut Künstler

Spontiton, dahinter zarte helle Frucht, packender Gaumen, frisch mit knackiger Säure, gutes Reifepotenzial.
92


Rüdesheimer Berg Rottland
G. H. von Mumm’sches Weingut

Leichte Kräutrigkeit, reife Fruchtigkeit am Gaumen, lang.
90

Rüdesheimer Bischofsberg
Weingut Alexander Freimuth

Warme Frucht in der Nase, wirkt sehr süß mit Maraquja uns reifer Mango am Gaumen, Kräuter im Nachhall mit einer leicht pfeffrigen Note.
87

Geisenheimer Kläuserweg
Weingut der Forschungsanstalt Geisenheim

Elegante Nase, duftig in der zweiten Nase, ausbalancierte Säure, helle Frucht im Nachhall.
87

Geisenheimer Kläuserweg
Weingut Goldatzel

Litschi in der Nase, Säure macht Druck, bleibt so.
88

Johannisberger Hölle
Weingut Johannishof

Sehr reife Frucht in der Nase, Säure spielt am Gaumen mit der Frucht, Nachall überzeugt jedoch nicht wirklich.
87

Johannisberger Hölle
G. H. von Mumm’sches Weingut

Helle Frucht am Gaumen, kräftigere Säure, sehr ausgewogen in der Länge.
89

Johannisberger Klaus
Weingut Prinz von Hessen

Reintöniger Rieslinggeruch, sehr vollfruchtig am Gaumen, knackige Säure, sehr gutes Gesamtbild.
92

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem RheingauSchloss Johannisberg

Schloss Johannisberger
Fürst von Metternich Winneburg’sche Domäne Schloss Johannisberg

Erscheint sehr traditionell mit gesetzten Noten am Gaumen, dunkle wirkt er auch am Gaumen gute eingebundene Säure belebt das etwas.
90

Winkeler Hasensprung
Weingut Abteihof St. Nikolaus

Vanille mit Brioche in der Nase, frische Säure, sehr traditioneller Stil.
88

Winkeler Hasensprung
Weingut Goldatzel

Frisch mit vegetativen Noten in der Nase, Säure wird von Gurke unterstützt. Hat so seinen Reiz.
89

Winkeler Jesuitengarten
Weingut Prinz von Hessen

Kräuternase ist gut fruchtig eingebunden, fruchtig intensiv geprägter Gaumen.
91

Winkeler Jesuitengarten
Weingüter Geheimrat J.Wegeler

Wird leider nicht präsentiert

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau Erstes Gewächs Schloss Vollrads

Schloss Vollrads
Weingüterverwaltung Schloss Vollrads KG

Etwas verschlossen in der Nase, reif am Gaumen, Säure wirkt lebendig, lang und schön im Nachhall.
89

Oestricher Lenchen
Weingut Ferdinand Abel

Reife Goldpfirsichnase, voll am Gaumen mit angenehmer Säure, runde Sache auch in der Länge.
91

Oestricher Lenchen
Weingut August Eser

Elegante Fruchtnase mit mineralischen Noten, saftiger Gaumen, gesetzt im Nachhall.
92

Oestricher Lenchen
Weingut Hans-Theo Eser

Sehr traditionelle Nase mit etwas holzig wirkender Vanille, in der zweiten Nase wirkt dies eleganter, wuchtige Intensität baut sich langsam ab.
89

Oestricher Lenchen
Weingut Josef Spreitzer

Bäckereigeruch, zarte Frucht in der zweiten Nase, fruchtige Intensität am Gaumen, die Bäckerei kehrt hier wieder, muss man nicht unbedingt mögen.
90

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem RheingauErstes Gewächs Oestricher Lenchen

Hallgartener Schönhell
Wein- und Sektgut Barth

Fruchtige Intensität in der Nase, reife Frucht am Gaumen, in sich stimmig mit wenigen Überraschungen.
91

Hallgartener Jungfer
Weingut Prinz

Karamell und etwas Drops in der Nase, Spannung am Gaumen, in der Länge Tradition.
87

Hattenheimer Schützenhaus
Weingut Georg-Müller-Stiftung

Kräuterduft in der Nase, Strohblumen in der zweiten Nase, leicht aufgesetzt am Gaumen.
90

Hattenheimer Schützenhaus
Weingut Stefan Molitor

Exotische Früchte in der Nase, ausgewogen am Gaumen, runde Sache mit mittlerer Länge.
90

Hattenheimer Engelmannsberg
Weingut Hans Bausch

Volle Fruchtnase, vielgliedrig mit fruchtiger Intensität, Säure unterstützt die Frucht hervorragend, langer Nachhall, schöner Gesamteindruck.
91

Hattenheimer Nussbrunnen
Weingut Balthasar Ress

Kräuternase mit Lavendel schön fruchtig untermalt, Extraktreich zugleich trocken am Gaumen, beleibt spannungsreich stehen.
92

Hattenheimer Nussbrunnen
Weingut Georg-Müller-Stiftung

Duftige Heidekrautwiese in der Nase, süßlich wirkender wuchtiger Gaumen, fährt in der Intensität langsam zurück, Kräutrigkeit beleibt leicht aufgesetzt stehen.
90

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem RheingauErstes Gewächs Hattenheimer Wisselbrunnen

Hattenheimer Wisselbrunnen
Wein- und Sektgut Barth

Volle weiße und frisch wirkende Frucht in der Nase, extraktreich am Gaumen, Toffee wirkt etwas überladen.
90

Hattenheimer Wisselbrunnen
Weingut Josef Spreitzer

Reintönige Pfirsichfrucht, reich am Gaumen, schöner Schmelz, gute Länge.
91

Erbacher Siegelsberg
Weingut Jakob Jung

Komplexe Nase, wohldosiert setzt die Frucht auch Gaumen Akzente, dabei ist die Säure merklich doch schon eingebunden. Schöne Länge.
92

Erbacher Marcobrunn
Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Frisch und reintönig in der Nase, spannungsreich am Gaumen, Zuckerschwänzchen, aber schön.
91

Erbacher Marcobrunn
Weingut von Oetinger

Verschlossen in der Nase mit hellem Pfirsich, reifer Pfirsich am Gaumen, gut eingebundene Säure.
89

Erbacher Marcobrunn
Domänenweingut Schloss Schönborn

Eher traditionell mit Vanille in der Nase, druckvoll am Gaumen, recht hergebrachter Stil mit einigen erfrischenden Komponenten.
89

Erbacher Steinmorgen
Weingut Baron Knyphausen

Frische Blüten mit Vanille in der Nase, zweite Nase mit konzentrierter Frucht, spitzig am Gaumen, etwas kurz.
90

Erbacher Steinmorgen
Weingut Heinz Nikolai

Karamell mit leichter heller Frucht in der Nase, schöner Säureauftritt schafft Spannung, bleibt gut stehen.
90

Kiedricher Gräfenberg
Weingut Robert Weil

Vielschichtig in der Nase, markant fruchtige Säure ist gut eingebunden, schönes Gesamtbild. Macht Spaß.
93

Martinsthaler Langenberg
Weingut Diefenhardt

Saftig anmutende Fruchtnase, Honig in der zweiten Nase, intensiv runde Frucht am Gaumen, etwas wenig Dimension.
89

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem RheingauTradition im Rheingau

Wallufer Walkenberg
Weingut Toni Jost

Spannende Nase, reife Frucht, der Gaumen ist fast schon fett, gute Länge.
90

Kostheimer Weiß Erd
Weingut Künstler

Reife Frucht in der Nase, Nektarine steht hier neben Mandarine, stimmig in der Frucht bis zum Nachhall. Ein Erstes Gewächs ohne viele Überraschungen.
91

Hocheimer Domdechaney
Domdechant Werner’sches Weingut

Etwas sakral in der Nase, leider auch am Gaumen, etwas Nuss im Nachhall.
87

Hochheimer Kirchenstück
Domdechant Werner’sches Weingut

Verhaltene Nase mit zarter Frucht, explosionsartig tritt diese am Gaumen auf, wenn sich der Nebel lichtet, erinnert man sich an Pfirsich.
88

Hochheimer Kirchenstück
Weingut Künstler

Vanille-Karamell verdeckt kurz einen traumhaften Fruchtgeruch, der Gaumen weckt einen mit reifen Südfrüchten, die dann rauchig stehen bleiben.
92

Hochheimer Hölle
Weingut Himmel

Etwas spröde in der Nase, volle Frucht am Gaumen, die von der Säure zur Seite gedrückt wird.
87

Hochheimer Hölle
Weingut Künstler

Duftige Kräuternase mit voller Pfirsichfrucht, helle Frucht in der zweiten Nase, schöner Schmelz, kräftig am Gaumen, sehr schöne ausgewogene Länge.
93

Riesling Erstes Gewächs 2011 aus dem Rheingau Erstes Gewächs Königin Victoriaberg

Hochheimer Königin Victoriaberg
Weingut Joachim Flick

Helle Kräuteraromen, schöner Säureauftritt wirkt etwas brausig. Schöner Nachhall. Diese Lage blüht mit dem neuen Besitzer geradezu auf.
91

Große Gewächse 2010

Montag, 5. September 2011

Große Gewächse 2010Bei so manchen frühen (zu frühen) Einschätzungen des Jahrgangs 2010 konnte einem Angst und Bange werden vor dem, was in diesem Jahr an Großen Gewächsen präsentiert werden kann. Dann kamen von vielen Weingütern sehr anständige Basisweine aus diesem Jahr. Einige Zeit später konnte man beim Riesling ungeahnt brillante Qualitätsspitzen im edelsüßen Bereich des Jahrgangs 2010 verkosten. Dies gab dann wieder Hoffnung auch für die Großen Gewächse.

Doch was sich schon mit der Vorkostung vieler Weine aufgezeigt hat, 2010 ist nicht schlecht und es gibt eine Reihe hervorragender Rieslinge aus diesem Jahr. Wir haben ca. 150 Große Gewächse verkostet und möchten im Folgenden einen Überblick über verschiedene Regionen geben. Der Schwerpunkt lag bei der Rebsorte Riesling. Wir möchten diese Einschätzungen bitte mit Sorgfalt betrachtet sehen. Die Weine sind jetzt noch sehr jung. Und gerade vor dem Hintergrund der Herausforderung, die dieser Jahrgang an einige Winzer gestellt hat, sollte man aus unserer Sicht bei den Großen Gewächsen erst in einigen Jahren abschleißend urteilen.

Bei der Verkostung der Großen Gewächse der Rebsorte Riesling wurden annähernd vollständig alle Regionen verkostet. Zudem wurde die Gesamtheit der vorgestellten Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau (mit der VDP-offenen Klassifizierung) probiert. Aus Franken wurden neben den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling auch noch die dort typischeren Silvaner verkostet.

Mosel
Beginnen möchte ich in der Region Mosel. Von hier stammen eine Reihe hervorragender Großer Gewächse. Nur eben scheint es so zu sein, dass die kürzere Vegetationsperiode in 2010 die tatsächliche Stärke der Region Mosel, nämlich durch Mikroklimate ganz eigene und stark unterscheidbare Rieslinge hervorzubringen, nur wenig ausgeprägt ist. Die sonnst prägenden Schiefertöne waren nur selten wahrzunehmen. Die Idee der kleinen Einzellage ist in keiner anderen deutschen Weinregion sonnst so stark nachvollziehbar wie in der Region Mosel. Leider zeigen dies nur sehr wenige der Großen Gewächse aus dem Jahr 2010.

Sehr erfreulich ist das Piesporter Goldtröpfchen vom Weingut Reinhold Haart. Es zeigt sich komplex hellfruchtig und duftig in der Nase. Passionsfrucht ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ergänzt sich dies zu Multivitamin. Es ist eine große Klasse wie eine etwas eigenwillige Intensität und Feinheit hier aufeinander treffen (93 Punkte). Vom Weingut von Othegraven gefiel mir besonders der Okfener Bockstein. Der Riesling bringt helle exotische Frucht und Mineralität in der Nase. Am Gaumen ist er saftig und zugleich elegant. Dieses Große Gewächs aus dem Bockstein hat eine feine Frucht in der sehr guten Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Von der Mosel hat mir auch der Bernkastler Doctor vom Weingut Wegeler gefallen. Hier hat man Weinbergpfirsich in der Nase. Am Gaumen ist dieses Große Gewächs saftig mit schwungvoller Säure. Eine sehr gute Länge verleiht diesem Riesling seine große Stimmigkeit (92 Punkte). Gleich auf ist der recht eigenwillige Pündricher Marienburg „Rothenpfad“ von Clemens Busch. Hier bitte aus die Zusatzbezeichnung achten, da er sich doch recht stark vom anderen Großen Gewächs ohne „Rothenpfad“ unterscheidet. Kräuterhonig in der Nase, konzentrierte Frucht am Gaumen, lange Wucht (92 Punkte). Erwähnen möchte ich noch das Weingut S.A.Prüm. Hier war eine sehr deutliche Verbesserung der Großen Gewächse im Vergleich zum Jahrgang 2009 festzustellen.

Aus der Region Mosel wurden auch Rieslinge aus Ersten Lagen präsentiert, die aufgrund der höheren Restsüße nicht als Große Gewächse zugelassen werden. Gerade ich diesem Bereich liegt eine der Stärken der Mosel. Dies ist mit dem Jahrgang 2010 nicht anders. Bei diesen Rieslingen aus Ersten Lagen brillierten geradezu die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein. Von Clemens Busch begeisterte der Pündericher Marienburg „Falkenlay“. In der Nase ist ein reifer saftiger Pfirsich. Angenehme Frucht am Gaumen, saftige Länge mit Konzentration (93 Punkte). Aus den Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“ von Heymann-Löwenstein zeigen sich mit einer Kräuternase. Würzig am Gaumen, mit etwas Frucht daneben, findet in der Länge zu einer Kräuterlimonade zusammen (94 Punkte).

Rheingau
Das Rheingau ist wesentlich besser als sein derzeitiger Ruf. Auch wenn man hier leider stellenweise etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Eine sichere Bank ist auch dieses Jahr wieder das Erste Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg vom Weingut Weil. In der Nase ist eine helle Frucht mit sehr dezenten Kräuternoten. Der Gaumen ist geschmeidig mit ausgewogener Frucht (93 Punkte). Vom Weingut Künstler überzeugte vor allem die Hochheimer Hölle. Hier hat man eine sehr kräftige Frucht, die damit spielt kurz vor der Überladung zu stehen. Der Mundeindruck ist ausgewogen bis in die Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Das Kloster Eberbach sowie Langwerth von Simmern präsentieren insgesamt umfangreiche, qualitativ recht geschlossen und lobenswerte Kollektionen an Ersten Gewächsen. Bei von Simmern begeisterte besonders der Erbacher Marcobrunn mit seiner reifen Pfirsichfrucht und etwas Mango im Nachhall (92 Punkte). Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach gefiel mir besonders der Rüdesheimer Berg Schlossberg. Nach einer Mirabellennase, hat man Spannung am Gaumen. Der Nachhall zeugt von der Reife der Trauben (92 Punkte). Beim Schloss Johannisberg wird das Erste Gewächs auch als Silberlack bezeichnet. Es liegt aus meiner Sicht bei 91 Punkten.

Große Gewächse 2010

Seltsam bei den Ersten Gewächsen ist wieder einmal der Bereich der Spätburgunder. Hier können die Voraussetzungen und Herausforderungen des Jahrgangs 2010 nicht als Grund für die Situation gelten. Für Außenstehende ist es nicht verständlich, wieso kein akzeptabeler Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg mit dem Jahrgang 2009 als Erstes Gewächs präsentiert werden kann (lediglich vom Weingut G.H. Mumm gab es einen zur Verkostung beim Rheingauer Weinbauverband). Dabei haben wir in der Vergangenheit schon einige hervorragende Spätburgunder dieser Einzellage von verschiedenen Erzeugern probiert. Hier nur drei Beispiele, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben: Mohr, Chat Sauvage, Allendorf. Das Erste Gewächs sollte als Spitzenkategorie der trockenen Weine aus unserer Sicht alle wichtigen Lagen mit entsprechenden Qualitäten abdecken.

Große Gewächse 2010

Aber es gibt auch zwei Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau, die als positive Ausnahme gelten können. Da ist der 2009er Hochheimer Stein vom Weingut Künstler. Kirschfruchtige Nase, harmonisch am Gaumen und ausgewogen im Nachhall. Das sind uns 91 Punkte wert. Ein klein wenig besser finden wir den Eltviller Sonnenberg vom relativ weniger bekannteren Weingut Koegler. Dieses Erste Gewächs hat eine schöne Frucht in der Nase, eine feine Würze in der 2. Nase und mit rundem Gaumen eine gute Länge (92 Punkte).

Aus dem nördlichen Bereich, in dem der Spätburgunder eigentlich nicht nur typischer ist, sondern im Mittelrheinbruch auch seine historisch Hochburg hat, rettet das Weingut Paul Laquai den guten Ruf. Für das Erste Gewächs aus dem Bodental-Steinberg 2009 haben wir eine dezente Frucht, gut eingebundene Säure und angenehme Länge notiert und 89 Punkte vergeben. Ein Vergleich mit der Präsentation der Großen Gewächse 2009 der Rebsorte Spätburgunder aus Baden wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Dazu reichte die Zeit leider nicht. Die Weingüter des Rheingau im VDP scheinen sich jedoch derzeit etwas mehr auf den Riesling als auf den Spätburgunder zu konzentrieren.

Franken
Die Region Franken hatte es mit dem Jahrgang 2010 recht schwer. Das hatte sich bei vielen Rieslingen und Silvanern im Bereich QbA und Kabinett schon angekündigt. In der Qualitätsspitze muss dies nicht immer Auswirkungen haben. Folgende Große Gewächse 2010 aus Franken haben mir gefallen. Man müsste das noch mal detailliert überprüfen, aber es scheint mir, als wenn sich die Rieslinge insgesamt und auch bei den Qualitätsspitzen etwas besser präsentierten.

Große Gewächse 2010

Das Große Gewächs aus der Rebsorte Riesling aus dem Würzburger Stein vom Staatlichen Hofkeller gibt dieses Jahr den Ton an. Dezent Toffee mit schlanker Frucht sind hier in der Nase. Der Gaumen ist hellfruchtig und blüht dann zum reifen Pfirsich auf. Steht (92 Punkte). Die Randersackerer Pfülben von Schmitt’s Kinder zeigen sich mit kräftigen Pfirsich in der Nase. Am Gaumen ist schmelzige Frucht. Druckvoll und lang (92 Punkte). In der selben Lige spielt der Kronsberg von Hans Wirsching: Helle Frucht in der Nase, saftiger Pfirsich am Gaumen, schlanke Säure und angenehme Länge (92 Punkte). Ebenfalls ganz gut empfand ich den Ratsherr vom Weingut Zur Schwane, den Würzburger Stein „Hagemann“ vom Bürgerspital und den Riesling Lump von Michael Fröhlich, wobei dieser in seiner Pfefferwürze etwas eigenständig war (jeweils 91 Punkte)

Mit der Rebsorte Silvaner hatte man es 2010 generell etwas schwerer. Mir gefielen jedoch zwei Große Gewächse. Der Würzburger Stein Bürgerspital wartet mit Weißem Pfirsich und Aprikose in der Nase auf. Der Süß-fruchtige Gaumen wirkt in der Länge angenehm fein (91 Punkte). Das Weingut Michael Fröhlich hat einen sehr guten Silvaner im Escherndorfer Lump erzeugt. Hier ist Multivitaminsaft in der Nase. Insgesamt ist dieses Große Gewächs stimmig (91 Punkte). Es ist für die Region Franken sicherlich problematisch, wenn die Silvaner im Schnitt hinter den Rieslingen liegen.

Rheinhessen
Sehr weit oben war in diesem Jahr wieder einmal Rheinhessen mit seinen klaren Rieslingen. Hier gab es kaum Ausfälle. Das Weingut Brüder Dr. Becker erzeugen 2010 das Große Gewächse Dienheimer Falkenberg. Dies zeigt helles Kernobst in der ersten und Aprikose in der zweiten Nase. Eine komplexe Frucht spielt am Gaumen, dann tänzelnde Länge mit hellem Pfirsich und sehr reifen Fruchtnoten (93 Punkte). Von Battenfeld-Spanier kommt das zweite hervorragende Große Gewächs in diesem Jahr. Das Hohen-Sülzener Kirchenstück riecht nach hellem Pfirsich. Dezente Kräuter sind in der zweiten Nase. Etwas wärmer im Glas riecht er wesentlich fruchtiger, gut ausbalancierter Gaumen, und angenehme Länge (93 Punkte).

Große Gewächse 2010

Dann folgt ein weites Feld sehr guter Großer Gewächse. Bei jeweils 92 Punkten sehe ich das Westhofener Kirchspiel von Wittman, den Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, die Westhofener Aulerde von Groebe und den recht eigenwillig ausdrucksstarken Niersteiner Oelberg von Kühling-Gillot. Danach folgen noch recht viele richtig doller Rieslinge mit 90 oder 91 Punkten. Das Niveau und vor allem die sehr wenigen Ausfälle bei den Großen Gewächsen 2010 aus Rheinhessen überzeugen.

Pfalz
Aus der Pfalz kommen in diesem Jahr sehr viele Große Gewächse die richtig gut sind. Hier haben viele angesehene und klangvolle Weingüter die Nase weit vorne. Vor allem zwei der Großen Bs geben in diesem Jahr deutlich vor, wo die Qualitätsspitze in der Pfalz zu sehen ist. Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan überzeugen jeweils mit einem Großen Gewächs aus Lagen bei Forst.

Große Gewächse 2010

Das Forster Kirchenstück vom Weingut von Buhl zeigt sich mit einer duftenden und verlockenden hellen Fruchtnase. Der Gaumen ist von einer sehr schönen vielschichtigen Frucht umspült. Es folgt ein tiefer und inspirierender Nachhall. Dies ist mir 94 Punkte wert. Gerade die innere Stimmigkeit bei enormer Vielschichtigkeit zeigen die Rieslinge von von Buhl häufig auch schon bei den Gutsweinen.

Das Weingut Bassermann-Jordan punktet aus meiner Sicht in diesem Jahr besonders in der Lage Forster Pechstein. In der Nase zeigen sich exotische Früchte, frisch am Gaumen, bleibt leicht und lange stehen. Aus meiner Sicht wird dieser Riesling durch die Feinheit der Nuancen zum Großen Gewächs (93 Punkte). Den Forster Pechstein vom Weingut Acham-Magin sollte ich hier auf jeden Fall auch noch positiv erwähnen (92 Punkte). Die Großen Gewächse aus dem Forster Kirchenstück und dem Deidesheimer Kalkofen sind aus meiner Sicht in diesem Jahr vom Weingut Bassermann-Jordan auch sehr groß.

Große Gewächse 2010

Das Weingut A. Christmann überzeugt davon, dass man jede Lage für sich selbst genommen interpretieren kann. So entstehen 2010 vier Große Gewächse mit dem Riesling, bei denen der Rupersberger Reiterpfad mit seiner floralen Duftigkeit in der Nase, der Stoffigkeit am Gaumen und der vollen Länge überzeugt (93 Punkte). Im Gimmeldinger Mandelgarten kommen in der Nase auch Kräutertöne zum tragen. Fruchtige Intensität gibt ihm einen Zug eines Deserts (92 Punkte). Das Aushängeschild des Weinguts A. Christmann und zugleich der einer der eigenständigsten Rieslinge aus der Pfalz in wieder einmal der Königsbacher Idig. Es ist ertaunlich, wie beständig dieser Wein über die Jahre hinweg wieder erkennbar ist. Sicherlich polarisiert der Idig auch dieses Jahr etwas mit der rauchig-erdigen Nase mit etwas Kräutern, einer kräftigeren Säure, zugleich aber angenehm fruchtig langem Nachhall (91 Punkte).

Das Weingut von Winning hat sich sicherlich zu recht mit seiner kurzzeitigen positiven Entwicklung nach der Ära Dr. Deinhard einen guten Namen gemacht. Mir gefiel der Rupertsberger Spieß (92 Punkte) und das Forster Kirchenstück (91 Punkte). Bei den anderen Rieslingen steht aus meiner Sicht das Holz zu deutlich da. Auch wenn man es bewusst und massvoll einsetzen möchte, kommen besonders im Forster Pechstein und in den Deidesheimer Lagen Kieselberg und Kalkofen die Vanilletöne (im Kalkofen auch Karamell; ich meine in einem sogar Cocos wahrgenommen zu haben) etwas zu sehr zum tragen.

Bürklin-Wolf hatte mich in der Vergangenheit stilsicher und konstant immer etwas enttäuscht. Im Forster Kirchenstück und im Jesuitengarten sind noch Anklänge dieses alten Stils zu erkennen. Die beiden Großen Gewächse aus den Deidesheimer Lagen und der Rupertsberger Gaisböhl künden aus meiner Sicht eine positive Entwicklung an. Vor allem beim Gaisböhl überzeugt die ausgewogene helle Frucht und die innere Stimmigkeit des Rieslings (91 Punkte).

Nahe
Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Stinkerduell an der Nahe. Doch es geht auch anders. Denn das beste Große Gewächs kommt aus meiner Sicht nicht von Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber. Das Weingut Dr. Crusius ist aus meiner Sicht wesentlich mehr an der Charakteristik der den einzelnen Lagen dran, als seinen Stempel aufzudrücken. So ist zwar auch etwas mehr Qualitätsgefälle in den drei präsentierten Großen Gewächse vorhanden. Die Traisener Bastei ist hellfruchtig kräuterwürzig in der Nase. Saftig frisch mit spritziger Säure ist sie am Gaumen und uns 94 Punkte wert.

Große Gewächse 2010

Dem entgegen waren die Großen Gewächse von Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich geschmacklich zuordbar. Bei der Niederhausener Hermannshöhle fällt vor allem der der selbe Dönnhoff-Ton wie zuvor in der Nase auf. Hier fällt er etwas kräutriger aus. Runde und intensive Frucht am ist Gaumen. Stoffig und ausgewogen ist dieses Große Gewächs in einer kräftigen Länge (93 Punkte).

Der Schloßböckelheimer Felsenberg von Schäfer-Fröhlich zeigt sich mit Sauerkraut in der Nase. Auch hier ist der Geruch über alle Große Gewächse hin im Kern wieder erkennbar in kräftigen Kräuternoten. Der Riesling ist extrem köperreich am Gaumen. Bis in den angenehm langen Nachhall ist eine Fruchtkonzentration auffällig, wie sie bei Obstbränden sichtbar ist (93 Punkte). Schäfer-Fröhlich drückt zwar mit der weingutseigenen Nase den Lagen einen akzentuierten Stempel auf. Diese Großen Gewächse sind dadurch sicherlich nicht immer leicht zugänglich. Zugleich sind bei mir alle präsentierten Rieslinge locker über die 90 Punkte-Hürde gesprungen.

Zu danken bleibt noch dem VDP für die perfekte Organisation und Durchführung der Verkostung. Auch die vielen häufig ungenannten helfenden Kräfte haben einen hervorragenden Einsatz geleistet.

Die hier aufgeführten Großen Gewächse sind nur ein Auszug aus unserer Verkostungsliste. Diese umfasste ca. 150 Weine. Bei Interesse können unsere Einschätzungen auch zu anderen Großen Gewächsen angefordert werden.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat J

Montag, 18. Juli 2011

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat J[Rheingau-Riesling-Route #11] Das Weingut Wegeler im Rheingau hat zwei große Aushängeschilder: Den Geheimrat J und ihre Lagenweine aus Rüdesheim und Oestrich-Winkel. Mit Wegeler verbindet man auch den Bernkasteler Doctor. Dieser legändäre Doctorwein kommt jedoch aus dem Weingut an der Mosel. Im Rheingau bewirtschaftet Wegeler eine Fläche von 45 Hektar und gehört damit schon zu den größeren Weingütern im Rheingau. Wegeler ist eines der Gründungsmitglieder des VDP. Historische Verdienste liegen in der Etablierung der Ersten Lagen und der Charta-Rieslinge. Wie im Rheingau nicht ungewöhnlich erzeugt das Weingut zu 100% Weine aus Riesling.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat JGenerell besitzt das Weingut Wegeler Anteile an 16 Einzellagen, die für ein Erstes Gewächs zugelassen sind. Neben den Weingütern Breuer, Lang, Weil ging von Wegeler 1992 die Initiative zu dieser Spitzenkategorie des deutschen Weins aus. Mit dem Jahrgang 1999 werden im Rheingau die Ersten Gewächse erzeugt. Gleichzeitig gibt es immer noch die Charta Rieslinge. Das ist sicherlich etwas kompliziert. Auf dem Weingut Wegeler bestätigt man uns aber, dass insbesondere die Kategorie Carta wieder im kommen ist. Diese Rieslinge überzeugen häufig durch ihre Intensität und Langlebigkeit, die durch vollreifes Traubenmaterial erreicht wird.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat JDer Spitzenwein bei Wegeler ist der Geheimrat J. Dies ist ein Cuvee aus verschiedenen Lagen. Es gibt immer zwei Wege große Weine zu erzeugen. Einer besteht darin pointiert den Charakter einer einzelnen Lage herauszuarbeiten. Ein zweiter Weg ist in Deutschland in den vergangenen Jahren etwas weniger beachtet worden. Das Cuvee aus Lagen und Rebsorten ist in anderen Ländern häufig höher angesehen. Denken wir an den Bordeaux, in dem die Vorzüge verschiedener Rebsorten kombiniert werden. Denken wir an den Brunello, wo einige Weingüter planmäßig in verschiedenen Gebieten (von Lagen kann man dort nicht so richtig sprechen) anbauen, um die Unterschiede harmonisch zusammenzufügen. Und so ist auch bei Wegeler mit dem Geheimrat J die Idee vorhanden, dass eben nicht nur der Charakter einer Einzellage die Größe eines Rieslings ausmachen kann.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat JSeit 1983 gibt es den Geheimrat J bei Wegeler. Nach dem Vorbild aus Bordeaux wurde der Spitzenwein als Cuvee aus bis zu 16 Ersten Lagen etabliert. Benannt ist es nach dem Gründer des Weinguts Geheimrat Julius Wegeler. Der Vorteil dieses Rieslings besteht in der Kombination der unterschiedlichen Weintypen von den Steillagen bei Rüdesheim und den Lösslehmböden um Oestrich-Winkel. Der Geheimrat J wird jedoch nicht in allen Jahrgängen erzeugt. Der frühste Verkauf beginnt 15 Monate nach der Ernte. Die trockene Spätlese hat durch langen Ausbau und perfektem Traumbenmaterial hohe Lagerfähigkeit.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat JDer schöne Weinkeller im Weingut Wegeler beinhaltet neben einigen Jahrgängen Geheimrat J viele ältere Rieslinge. Leider wurde er 1945 vollständig ausgetrunken, weswegen aus der Zeit davor nichts mehr verfügbar ist. Hier lagern aber so einige Schätze, die auch noch verkauft werden. Besonders für die Gastronomie ist interessant, dass bei der Entnahme aus dem Keller ein Zusatzetikett auf die Flasche kommt. Auf diesem ist der Zeitpunkt vermerkt. Damit kann eine optimale Lagerung garantiert werden. Der Kellermeister vom Weingut Wegeler bestätigt dies mit seiner Unterschrift.

Geheimrat J, ein Spitzenprodukt vom Weingut Wegeler

Der Geheimrat J ist eine trockene Spätlese. So etwas kann locker 10 Jahre und älter werden. Wir probierten bei unserem Besuch im Weingut Wegeler den Jahrgang 2000. Dieser zeigt sich mit einer intensiven Farbe im Glas. In der Nase sind angenehm reife Früchte, etwas Vanille und Mirabelle. Am Gaumen zeigt sich eine noch frische Säure, die in ein harmonisches Finale führt. Bei dem noch deutlich jüngeren Geheimrat J aus 2007 überzeugt eine chremige Fülle die angenehme Säure unterstreicht den trockenen Charakter dieses Rieslings und bringt einen frischen und langen Nachhall. Besonders die Lagerlänge und der gute Zustand dieser Weine über längere Zeiträume zeugen von der Qualität des Gemeinrat J.

Besuch im Weingut Wegeler mit Geheimrat JÜber den Wein-Jahrgang 2010 ist schon viel geschrieben worden. Vieles auch deutlich zu früh. Was in weiten Teilen stimmt, ist das die Menge deutlich geringer ausfiel. Im Weingut Wegeler hatte man im Rheingau ca. 30% Einbußen gegenüber normalen Jahrgängen. Das hat aber nicht sehr viel mit der qualitativen Bewertung eines Jahrgangs zu tun. Die 2010er Spätlese aus dem Rüdesheimer Berg Rottland kann hierfür als Beweis herhalten. Trotzdem sie jetzt noch recht jung ist, beweist dieser Riesling schon jetzt seine Klasse. In der Nase ist süße Aprikose. Der Gaumen ist von angenehmer Würze geprägt. Etwas Eucalyptus führt in eine saftige Länge. So gut kann 2010 sein.

Hier geht’s zur sehr schönen Webseite vom Weingut Wegeler.

Weingut Mohr mit Lorcher Krone, Bodental-Steinberg und Assmannhäuser Höllenberg

Montag, 27. Juni 2011

Weingut Mohr mit Lorcher Krone, Bodental-Steinberg und Assmannhäuser Höllenberg[Rheingau-Riesling-Route #2] Das Weingut Mohr im Rheingau wird nach dem Gründer Wilhelm Mohr 1875 von Jochen Neher und seiner Frau Saynur in der 4. Generation bewirtschaftet. Besonders wichtig sind die drei Lagen Lorcher Krone, Lorcher Bodental-Steinberg und Assmannhäuser Höllenberg. Die traditionsreiche Lage Assmannshäuser Höllenberg steht nicht nur für hervorragende Rotweine aus dem sonnst vom Riesling geprägten Rheingau, sondern kann als eine der besten Einzellagen für Spätburgunder in den deutschen Anbaugebieten gesehen werden.

Während das Weingut Mohr in der Lorcher Krone vor allem Riesling anbaut und im Höllenberg der Spätburgunder reift, wachsen in der Lage Bodental-Steinberg beide Rebsorten. Durch das offene System der Ersten Gewächse im Rheingau kann das Weingut Mohr einige Weine in dieser Spitzenkategorie erzeugen. Diese stehen im Folgenden auch im Focus der Verkostung. Sicherlich besteht grundsätzlich bei den Ersten Gewächsen im Rheingau ein Qualitätsgefälle. Andockmöglichkeiten zur qualitativen Spitze der beiden noblen Rebsorten Riesling und Spätburgunder sind hier jedoch für jedes qualitätsorientiertes Weingut wesentlich leichter als in den anderen deutschen Weinbaugebieten.

Weingut Mohr mit Lorcher Krone, Bodental-Steinberg und Assmannhäuser Höllenberg
Weingut Mohr in Lorch

Lorcher Krone Riesling Erstes Gewächs 2009
Kräftigeres Strohgelb. Wunderbarer Duft nach Blüten und weißem Pfirsich. Gut eingebundene Säure. In sich stimmig und harmonisch. In Nachhall leicht aber lang anhaltend. Zum Schluss kommt dieser fruchtige Geruch wieder zu tragen. 88

Lorcher Bodental-Steinberg Riesling Erstes Gewächs 2009
Helle Frucht mit in der Nase. Weißer Pfirsich mit Aprikose und Banane im Hintergrund. In der Zeiten Nase kann man auch eine breitere Frucht wahrnehmen. Am Gaumen entfaltet sich eine spannungsreiche Mineralität, die mit einer gut eingebundenen Säure untermalt ist. Der Nachhall ist von feinem Schmelz geprägt. Vier Tage nach Flaschenöffnung hat er so gut wie noch nichts von seinem Ausdruck verloren. 89

Weingut Mohr mit Lorcher Krone, Bodental-Steinberg und Assmannhäuser HöllenbergErste Gewächse aus Riesling

Assmannhäuser Höllenberg Spätburgunder trocken Alte Reben 2008
Helles sehr transparentes Rubinrot. Süßer Duft mit reifen Pflaumen. In der zweiten Nase gibt es syphatische Veilchen. Weich am Gaumen. Über die spannende und leicht würzige Frucht gibt es einen langen Nachhall. 90

Assmannhäuser Höllenberg Spätburgunder trocken Barrique 2008
Sehr transparentes Rubinrot mit leicht bräunlichem Rand. Orangenblüten in der Nase. Die zweite Nase wirkt erfrischend. Kaum Säure am Gaumen. Frische Frucht prägt den Geschmack. Mittlerer Nachhall. 89

Schön wie gut diese beiden Spätburgunder schon jung trinkbar sind. Und die 13 oder 13,5% fallen überhaupt nicht auf.

Bodental-Steinberg Spätburgunder 2007 Erstes Gewächs
Transparentes bräunliches Rot im Glas. Reife Früchte mit gebackenen Pflaumen in der Nase. Mit Würze in der zweiten Nase untermalt. Weich am Gaumen mit einer warmen Frucht. Die würze beleibt dezent. Mittleren aber runder Nachhall. 87

Bodental-Steinberg Spätburgunder 2008 Erstes Gewächs
Hell bräunlich Rot. Frische würzige Nase mit floralen Aspekten und etwas Ruby-Portwein im Hintergrund. Eine runde Geschichte mit dezenter Säure. Macht im Nachhall etwas Druck. Gelungenes Erstes Gewächs, was in den kommenden Jahren noch besser schmecken wird. 89+

Weingut Mohr mit Lorcher Krone, Bodental-Steinberg und Assmannhäuser Höllenberg Spätburgunder vom Weingut Mohr

Generell sei jedem Weinfreund empfohlen sich einmal im Rheingau umzuschauen. Das Weingut Mohr in Lorch ist mit ihrer hohen Qualität durchaus keine Ausnahme. Im Rheingau findet man viele gar nicht so bekannte Weingüter mit sehr guten Weinen und zugleich ziemlich erschwinglichen Preisen. Die deutliche Aufteilung in die beiden Nobelrebsorten Riesling und Spätburgunder erleichtert die Auswahl und gibt im sonst eher komplexen deutschen System eine einfache Orientierung.

Hier geht es zum Weingut Mohr

Weinrallye #43: Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese

Sonntag, 20. März 2011

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseJetzt gibt es einen Rauenthaler Baiken Spätlese aus dem Jahr 1990. Für diese Weinrallye mit dem Titel „Riesling Spätlese“ gibt es sicherlich mehrere Gründe. Der VDP hat das Thema Spätlese mit dieser Veranstaltung wieder entdeckt. Einige Zeit wurden gereifte Rieslinge mit höherem Restzucker als „trocken“ schlecht behandelt. Für viele unbedarfte Weinkunden ist „trocken“ immer noch ein positives Attribut von einem Wein. Das war lange Zeit anderes. Heute ist der langlebige restsüße Wein immer noch in einer Nische.

Wiso diese Rieslinge jetzt?

Zugleich haben wir mit dem Jahrgang 2010 eine geringere Versorgung mit jungen und frischen Rieslingen. Und so mag es schon fast nicht mehr als Zufall erscheinen, dass nun gereifte Rieslinge mehr ins Zentrum gelangen. Die Lagerung von solchem Wein bei den Weingütern ist zudem ein historischer roter Faden, der sich durch die Geschichte zieht. So haben es viele kleine Weingüter über Generationen geschafft ohne fremdes Kapital durch Jahrgangsschwankungen, Wirtschafts- und Währungskrisen zu kommen, da ein Teil des Kapitals in Form von lagerfähigem Wein vorhanden war.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseEin zweiter roter Faden – der diesen Riesling aus der Lage Rauenthaler Baiken – betrifft, ist die Versteigerung. Und diese über 100jährige noch heute stattfindende Praxis ist eng mit der Geschichte des VDP verbunden. Durch diese Methode gelang es die Erzeugerabfüllung als Qualitätskriterium durchzusetzen. Geschickte Versteigerungszeitpunkte, generell eine Politik der Anstellung, sorgte dafür, dass richtig guter Riesling nie verscherbelt wurde, sondern vielmehr immer neue Preisrekorde erreicht wurden.

Versteigerungen im Rheingau

Neben den wichtigen Versteigerungen an Mosel und Nahe ist besonders die auf dem Kloster Eberbach im Rheingau zu nennen. Dort versteigert man Wein seit 1806. Und eben aus diesem zugleich erzeugenden Betrieb stammt der nun zur Verkostung stehende Riesling Spätlese. Dieses Rauenthaler Baiken wurde 1991 gefüllt. Dieser Riesling wurde auf dem Kloster Eberbach auch versteigert. Steigweine gelten als besonders hochwertig und begehrt, da es sich nur für die besten Weine lohnt eine Versteigerung durchzuführen.

Dieser Riesling hier stammt aus einer perfekten Lagerung; allein die Füllhöhe sagt hier einiges. Leichter Weinstein ist in der Flasche, der mich allerdings überhaupt nicht negativ berührt. An der Kapsel sind etwas seltsame klebrige Spuren. Der Korken geht raus wie geschmiert. Viel hätte da bis zum Auslaufen nicht gefehlt. Der seltsam beschichtet vorkommende feste Korken sagt gar nichts darüber aus, wie weit er „verbraucht“ ist. Meiner Meinung nach hat die ziemlich straffe Metallkapsel alles sehr gut zusammen gehalten.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseHelleres Goldgelb mit grünlichen Reflexen im Glas. Reife Quitten in der Nase. Erst Süße am Gaumen, dann entwickelt das Baiken Biss am Gaumen. Das angenehme und mächtige Frucht-Säure spiel macht eine Einordnung in eine geschmacklich wahrnehmbare Restsüßeeinschätzung nur schwer möglich. Wenn er etwas mehr Luft bekommt ist doch etwas deutlicher der Restzucker zu schmecken. Aber immer wieder kommen trockene Eindrücke an den Gaumen. Denn solche Weine werden trockener nach einiger Zeit.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese verkostet

Schöner Nachhall. Dieser wird von einer für die Erste Lage Rauenthaler Baiken eher ungewöhnlichen Säure getragen. Denn das Baiken ist eher warm und daher säureärmer als viele andere Rieslinge des Rheingaus. Der ist noch richtig frisch. Es ist ein großer Riesling, der nun 20 Jahre nach der Füllung immer noch wie eine Eins dasteht.

Langzeitexperiment

Ich bin nicht wirklich ein Experte bei gereiften Weinen. Dafür findet man sie einfach zu selten im Handel. Der stationäre Handel in Münster hatte keine einzige Flasche dieser Kategorie für mich bereit. Also frage ich mich, wie lange ich eine Flasche offen halten kann. Gerade leicht gereifte Weine besitzen die Gefahr schnell zu zerfallen. Andererseits präsentiert er sich am ersten Tag sehr gut. Also ein Langzeitexperiment.

Tag 2: Die Quitte ist etwas dezenter im Glas. Stattdessen ist etwas Mineralität und Gemüse hinzugetreten. Die zweite Nase zeigt einen reifen und saftigen Pfirsich mit etwas Firne, die in Form von Caramel erscheint. Insgesamt ist die Nase auch etwas schlanker. Der Gaumen hat auch wieder etwas mehr verloren. Er kommt trockener vor und die vanillige Firne scheint stärker durch. Lang, aber etwas weniger. Immer noch zeigt sich das Baiken in einer angenehmen Komplexität und in Verbindung mit dem tatsächlichen Alter noch recht frisch.

Wie entwickelt sich der Rauenthaler Baiken?

Tag 3: Die Nase ist nun stärker von einer vanilligen bis leicht holzigen Firne geprägt. Etwas süße Frucht und Gurke sind in der zweiten Nase. Der Rauenthaler Baiken wirkt trockener und weniger fruchtig am Gaumen. Schmale Säure untermalt dies. Rauchige Noten mischen sich in den Nachhall.

Tag 4: So langsam verabschiedet sich dieses Baiken. Aber gerade jetzt, wo die Frucht nicht mehr wirklich viel Masse erzeugen kann, fällt auf, wie Extraktreich dieser Riesling eigentlich ist. Er hat eine gewisse dickflüssige Textur, obwohl er eher trocken erscheint. Trotzdem nun fast schon Bitterstoffe wahrzunehmen sind, wirkt er nicht wässrig. Selbst in diesem späten Stadium, in dem Alter und lange Flaschenöffnung diesem Wein aus dem Rauenthaler Baiken zugesetzt haben, ist es eine würdige alte Dame, die ohne Lifting und Schminke wesentlich ansehnlicher ist als vieles was sonnst so unterwegs ist.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseMan mag kaum glauben, dass von diesem Riesling wirklich noch einige Flaschen verfügbar sind. Ich habe jedenfalls noch eine zweite Flasche von dem Rauenthaler Baiken Spätlese aus dem Jahr 1990. Die werde ich in ca. 5 Jahren oder zu ihrem 25 Geburtstag aufmachen. Da bin ich jetzt schon gespannt, wie sich dieser Riesling dann präsentieren wird. Natürlich ist dies hier nicht nur ein Beitrag zu Weinrallye, sondern auch zu unserer Serie “Raritätenweine verkostet”.

Resumee

Man kann abschließend eigentlich nur fragen: Welche Weine auf dieser Welt schaffen es nach mehr als 20 Jahren ihre Ausdruckskraft und feine Eleganz zu erhalten? Mir fallen da kaum mehr als 10 Weintypen ein. Weine der Rebsorte Riesling in der Prädikatsstufe Spätlese von qualitätsorientierten Erzeugern und aus Ersten Lagen gehören zu den internationalen Spitzenweinen, deren Anerkennung man sich in deren Kenntnis nur schwerlich verwehren kann. Das Rauenthaler Baiken vom Kloster Eberbach aus dem Jahr 1990 ist hierfür ein glänzendes Beispiel.

92 Punkte