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Weinrallye #108: Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese

Freitag, 31. März 2017

juliusspital-wurzburger-stein-rieslingEs ist wieder einmal Weinrallye. Stefan von Baccantus hat das Thema Süßweine ausgerufen. Nachdem ich bei der letzten Runde mich an zahlreichen Vorurteilen abgearbeitet hatte, gibt es jetzt schon wieder einen Bocksbeutel aus Franken. Man merke: Zwei unterschiedliche Rallyethemen und bei mir selbe Region und Flaschenform. Es geht nun um eine Auslese vom Würzburger Stein aus der Rebsorte Riesling. Der Erzeuger ist das allseits beliebte Juliusspital.

Wer das Juliusspital nicht kennen sollte: Dies ist tatsächlich auch ein Spital mit 365 Betten in Würzburg. Doch die Weinproduktion ist mir eine liebere Sache. Im Juliusspital werden jährlich ca. 60 verschiedene Weine erzeugt. Mit 172 Hektar bewirtschafteter Rebfläche und über einer Millionen Flaschen im Jahr ist es eines der größten Weingüter Deutschlands. Doch die Größe darf keinesfalls von der Klasse des Juliusspitals ablenken. Viele sehr bedeutende Lagen werden bewirtschaftet. Darunter eben auch der Würzburger Stein. Diese etwas wärmere Lage in Franken eignet sich ganz gut für GGs oder restsüße Weine.

Und da sind wir beim Rallyethema. Die nun zur Verkostung angestellte Auslese ist mit dem Jahrgang 2015 jetzt noch extrem jung. Solche Weine kann man recht lange lagern. Ihre Rebsorte Riesling ist nur die zweit wichtigste beim Juliusspital. Mehr als doppelt so viel Silvaner baut dieses Weingut an. Die Auslese kommt mit einem Schrauber daher. Dieser ist beim Juliusspital erfreulicher Weise sehr verbreitet. Ich weiß gar nicht, ob überhaupt dort noch anders verschlossen wird.

Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese verkostet

Knack, Knack, Flasche ist offen. Der Riesling zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb im Glas. In der Nase sind vollreife Früchte. Im Zentrum steht eine saftige Physalis neben reifem Pfirsich. In der zweiten Nase ist Quittengelle mit saftiger Birne. Dezent ist im Hintergrund eine Pink Grapefruit. Man riecht schon, dass die Trauben sehr reif waren. Natürlich kann man die Restsüße eines Weines nicht riechen, aber der Eindruck entsteht schon in der Nase. Am Gaumen merkt man über die Textur die hohe Restsüße. Dann kommt tatsächlich auch etwas Süßes. Aber die sehr präsente Säure lässt diese Auslese sehr frisch erscheinen. Das macht Spaß. Die Länge ist hervorragend mit einer verspielten Mandarine, bei der man merkt, dass es eine Zitrusfrucht ist.

wuezburger-stein-riesling-ausleseDie Flasche kommt jetzt aber nach einem Probeschluck wieder in den Kühlschrank. Da ist jetzt ein Elchtest angesagt. Mal schauen, wann diese Auslese aus dem Würzburger Stein umfällt. Für 17 Euro ist die 0,5-Liter Flasche ein richtiges Schnäppchen. Zu den Silvanern und Rieslingen vom Juliusspital will ich noch erwähnen, dass ich die Iphöfer Weine eigentlich bevorzuge. Die sind aus meiner Sicht – in den niedrigeren Prädikaten – häufig etwas verspielter und schlanker. Sicherlich: Prestigeträchtiger ist der Würzburger Stein. Hier habe ich mal vor ca. 7 Jahren die Lage umfangreich verkostet.

Weinrallye #107 Vorurteile, Müller und Bocksbeutel

Samstag, 25. Februar 2017

weinrallye vorurteile bocksbeutel müllerBei dieser Weinrallye wollte ich auf jeden Fall mitmachen. Es geht um Vorurteile. Ausgerufen wurde diese Runde von Torsten Hammer vom Priorat Hammer. Entstanden ist sie durch eine Diskussion im sozialen Netzwerk mit dem blauen Logo um Dornfelder und Trollinger. Mit Vorurteilen ist diese Weinwelt jedenfalls gut bestückt. Ich will mich hier gleich mit zweien davon beschäftigen. Beide bröckeln doch recht stark. Somit meine ich ein leichtes Spiel zu haben. Das eine ist der Bocksbeutel. Das andere die Rebsorte Müller-Thurgau.

Doch zuvor: Was sind eigentlich Vorurteile? Ihr Ruf ist äußerst schlecht. Wie der Name schon sagt, ist es ein Urteil, welches gefällt wird, bevor etwas wirklich geprüft ist. Es handelt sich dabei häufig um eine Verallgemeinerung aufgrund ähnlicher Erfahrungen. Das ist für die menschliche Geschichte jedoch notwendig. Es kann nicht alles immer im Detail geprüft werden. Und wenn zwei rote Pilze mit weißen Flecken giftig sind, ist es besser nicht weiter zu probieren. Problematisch ist es nur, wenn auf einer etwas dünnen Datenbasis verallgemeinert wird. Oder wenn Dinge völlig zu Unrecht in Verruf geraten.

Ist der Bocksbeutel hausbacken?

Dafür ist der Bocksbeutel ein gutes Beispiel. Er galt lange als hausbacken. Eventuell waren das auch einige Weine in diesen seltsamen Flaschen. Über die Entstehung des Namens gibt es auch zwei unterschiedliche Geschichten. Viele Weingüter in Franken schwenkten auf die Bordeaux-Flasche um. Eigentlich gibt es bei jüngeren Weinkonsumenten schon seit Jahren eine deutliche Gegenbewegung. Vielmehr hat man erkannt, dass im globalen Wettbewerb regionale Zuordnung immer wichtiger wird. Das gilt nicht nur für die örtliche Vermarktung und Identität. Auch das Image einer Region sollte deutlich werden.

Das ist für mich in Franken der Bocksbeutel und darin ein Weißwein. Idealer Weise sollte dies ein Silvaner oder Riesling sein. Aber auch die Scheurebe und der Weißburgunder ist hier anzutreffen. Und eben der Müller-Thurgau. Bei dieser Rebsorte mit häufig recht billigen Weinen habe ich auch begonnen zu vereinfachen: Flache belanglose Weine ohne Spannung und Ausdruck. Ein Müller-Thurgau war aus meiner Sicht lange Zeit – mit wenigen Ausnahmen – uninteressant. Ich habe in den 13 vergangenen Jahren dieses Weinblogs nur zwei Weine der Rebsorte Müller-Thurgau verkostet. Dabei hat mir nur dieser eine aus Sachsen aus dem Jahr 2007 gefallen. Der hat aber damals schon 13,50 Euro gekostet.

weingut augustin der müller bocksbeutelDoch das Bild dreht sich. Es ist sicherlich nicht so, dass nun plötzlich jeder Müller-Thurgau gut oder irgendwie interessant ist. Doch es gibt immer mehr davon. Einen habe ich nun zur Verkostung angestellt. Dieser stammt vom Weingut Augustin aus Sulzfeld. Ich habe schon einmal einen Silvaner von diesem Weingut hier anlässlich der Auszeichnung als „Entdeckung des Jahres“ im Gault Millau hier verkostet. Hier auch noch ein Interview mit Arno Augustin von damals.

Weingut Augustin Franken Bocksbeutel Connection DER MÜLLER verkostet

Über die neue Bocksbeutel-Flasche könnte man einmal diskutieren. Da scheiden sich die Geister. Ich denke es ist jedoch eine Frage der Gewöhnung. Nun knackt jedoch der Schrauber. Im Glas zeigt sich der Müller vom Weingut in einem kräftigeren Strohgelb. In der Nase ist bei diesem Weißwein aus 2015 reifer Pfirsich mit etwas Ananas. In der zweiten Nase habe ich Rosinen. Das Ganze ist duftig, wirkt aber nicht billig parfümiert wie bei den kritischen Vertretern dieser Rebsorte. Was mir an dem Wein gefällt? Er bringt eine dezente Würze und eine erfrischende Säure an den Gaumen. Dabei entsteht eine Spannung. Eine vielschichtige Aprikosenaromatik begleitet eine schöne und harmonische Länge. Der Wein mach bei 7,50 Euro richtig Spaß. Das ist DER MÜLLER!

Das war es. Die Rallye war gestern. Ich bin also zu spät. Schon wieder. Hoffentlich entwickelt sich daraus kein Vorurteil. Die Zusammenfassung gibt es jedenfalls schon hier beim Priorat Hammer. Und noch eine Zusammenfassung beim Mitinitiator Gottfried Stutz. Oh, das Thema war eingentlich “Vorurteile ZurechtStutzen”. Ham wa jemacht.

Weingut Augustin
Der Müller
Müller-Thurgau trocken
Deutschland – Franken
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 486 026 16
Verschluss: Schrauber
EAN: 4260406540074

Weingut Weltner Rödelseer Schwanleite Scheurebe

Sonntag, 31. Januar 2016

Weingut Weltner Rödelseer Schwanleite Scheurebe Es gibt jetzt einen Wein aus Franken aus der Ersten Lage Rödelseer Schwanleite. Die verwendete Aromarebsorte Scheurebe hat derzeit Hochkonjunktur. Nicht nur in der halbtrockenen Ausführung im Liter aus Rheinhessen gibt es diese. Vielmehr tut sich auf einem ganz anderen Qualitätsniveau in Franken recht viel. Hier wird die Rebsorte nicht nur in Ersten Lagen angebaut und auch so vermarktet. So habe ich als Empfehlung von meiner liebsten Weinentdeckerin eine Flasche trockene Scheurebe vom Weingut Weltner erhalten.

Paul Weltner hat 2005 das Weingut in Rödelsee von seinem Vater übernommen. Zuvor lernte er an der Weinsberger Weinschule und war im Weingut Rebholz in der Pfalz tätig. Das Weingut Weltner ist das älteste im Ort und gilt als eines der Besten. Auch wenn es mit seinen 9,5 Hektar Rebfläche nicht unbedingt das bekannteste Weingut in Franken ist. Diese liegen vornehmlich bei Rödelsee. Dabei sind die Lagen Küchenmeister (4,6 ha) und Schwanleite (1,7 ha) von besonderer Bedeutung. In beiden Lagen sind mineralienreich und von Gipskeuper geprägt. Der Schwan mit Trauben ist nicht nur im Wappen des Weinguts zu finden, sondern auch in dem der Gemeinde Rödelsee.

Rödelseer Schwanleite Scheurebe vom Weingut Weltner verkostet

Die Scheurebe zeigt sich in einem hellen Strohgelb im Glas. In der Nase ist eine feine Duftigkeit mit gelbem Pfirsich und Maracuja. In der zweiten Nase ist ein saftiger Apfel mit Aprikosen untermalt. Für diese Aromarebsorte ist das sehr zurückhaltend, fein und dabei verspielt. Nichts springt ein an. Eher wie bei einem guten Riesling als bei einer gewöhnlichen Scheurebe. Auch der Gaumen ist dieser Weißwein aus der Rödelseer Schwanleite ausgewogen und sehr schön trocken. Feine Mineralität mit sanfter Frucht bereitet eine sehr erfreuliche in der Länge. Ich hatte für mich die trockenen Scheureben bisher noch nicht entdeckt. Aber mit dem 2013er aus der Rödelseer Schwanleite zeigt das Weingut Weltner das man sich für diese Weine begeistern kann. Ein Kompliment an Paul Weltner diese Rebsorte so fein interpretieren zu können. Der Wein kostet ca. 12 Euro ab Weingut.

Zum Weingut

Große Gewächse 2010

Montag, 5. September 2011

Große Gewächse 2010Bei so manchen frühen (zu frühen) Einschätzungen des Jahrgangs 2010 konnte einem Angst und Bange werden vor dem, was in diesem Jahr an Großen Gewächsen präsentiert werden kann. Dann kamen von vielen Weingütern sehr anständige Basisweine aus diesem Jahr. Einige Zeit später konnte man beim Riesling ungeahnt brillante Qualitätsspitzen im edelsüßen Bereich des Jahrgangs 2010 verkosten. Dies gab dann wieder Hoffnung auch für die Großen Gewächse.

Doch was sich schon mit der Vorkostung vieler Weine aufgezeigt hat, 2010 ist nicht schlecht und es gibt eine Reihe hervorragender Rieslinge aus diesem Jahr. Wir haben ca. 150 Große Gewächse verkostet und möchten im Folgenden einen Überblick über verschiedene Regionen geben. Der Schwerpunkt lag bei der Rebsorte Riesling. Wir möchten diese Einschätzungen bitte mit Sorgfalt betrachtet sehen. Die Weine sind jetzt noch sehr jung. Und gerade vor dem Hintergrund der Herausforderung, die dieser Jahrgang an einige Winzer gestellt hat, sollte man aus unserer Sicht bei den Großen Gewächsen erst in einigen Jahren abschleißend urteilen.

Bei der Verkostung der Großen Gewächse der Rebsorte Riesling wurden annähernd vollständig alle Regionen verkostet. Zudem wurde die Gesamtheit der vorgestellten Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau (mit der VDP-offenen Klassifizierung) probiert. Aus Franken wurden neben den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling auch noch die dort typischeren Silvaner verkostet.

Mosel
Beginnen möchte ich in der Region Mosel. Von hier stammen eine Reihe hervorragender Großer Gewächse. Nur eben scheint es so zu sein, dass die kürzere Vegetationsperiode in 2010 die tatsächliche Stärke der Region Mosel, nämlich durch Mikroklimate ganz eigene und stark unterscheidbare Rieslinge hervorzubringen, nur wenig ausgeprägt ist. Die sonnst prägenden Schiefertöne waren nur selten wahrzunehmen. Die Idee der kleinen Einzellage ist in keiner anderen deutschen Weinregion sonnst so stark nachvollziehbar wie in der Region Mosel. Leider zeigen dies nur sehr wenige der Großen Gewächse aus dem Jahr 2010.

Sehr erfreulich ist das Piesporter Goldtröpfchen vom Weingut Reinhold Haart. Es zeigt sich komplex hellfruchtig und duftig in der Nase. Passionsfrucht ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ergänzt sich dies zu Multivitamin. Es ist eine große Klasse wie eine etwas eigenwillige Intensität und Feinheit hier aufeinander treffen (93 Punkte). Vom Weingut von Othegraven gefiel mir besonders der Okfener Bockstein. Der Riesling bringt helle exotische Frucht und Mineralität in der Nase. Am Gaumen ist er saftig und zugleich elegant. Dieses Große Gewächs aus dem Bockstein hat eine feine Frucht in der sehr guten Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Von der Mosel hat mir auch der Bernkastler Doctor vom Weingut Wegeler gefallen. Hier hat man Weinbergpfirsich in der Nase. Am Gaumen ist dieses Große Gewächs saftig mit schwungvoller Säure. Eine sehr gute Länge verleiht diesem Riesling seine große Stimmigkeit (92 Punkte). Gleich auf ist der recht eigenwillige Pündricher Marienburg „Rothenpfad“ von Clemens Busch. Hier bitte aus die Zusatzbezeichnung achten, da er sich doch recht stark vom anderen Großen Gewächs ohne „Rothenpfad“ unterscheidet. Kräuterhonig in der Nase, konzentrierte Frucht am Gaumen, lange Wucht (92 Punkte). Erwähnen möchte ich noch das Weingut S.A.Prüm. Hier war eine sehr deutliche Verbesserung der Großen Gewächse im Vergleich zum Jahrgang 2009 festzustellen.

Aus der Region Mosel wurden auch Rieslinge aus Ersten Lagen präsentiert, die aufgrund der höheren Restsüße nicht als Große Gewächse zugelassen werden. Gerade ich diesem Bereich liegt eine der Stärken der Mosel. Dies ist mit dem Jahrgang 2010 nicht anders. Bei diesen Rieslingen aus Ersten Lagen brillierten geradezu die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein. Von Clemens Busch begeisterte der Pündericher Marienburg „Falkenlay“. In der Nase ist ein reifer saftiger Pfirsich. Angenehme Frucht am Gaumen, saftige Länge mit Konzentration (93 Punkte). Aus den Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“ von Heymann-Löwenstein zeigen sich mit einer Kräuternase. Würzig am Gaumen, mit etwas Frucht daneben, findet in der Länge zu einer Kräuterlimonade zusammen (94 Punkte).

Rheingau
Das Rheingau ist wesentlich besser als sein derzeitiger Ruf. Auch wenn man hier leider stellenweise etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Eine sichere Bank ist auch dieses Jahr wieder das Erste Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg vom Weingut Weil. In der Nase ist eine helle Frucht mit sehr dezenten Kräuternoten. Der Gaumen ist geschmeidig mit ausgewogener Frucht (93 Punkte). Vom Weingut Künstler überzeugte vor allem die Hochheimer Hölle. Hier hat man eine sehr kräftige Frucht, die damit spielt kurz vor der Überladung zu stehen. Der Mundeindruck ist ausgewogen bis in die Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Das Kloster Eberbach sowie Langwerth von Simmern präsentieren insgesamt umfangreiche, qualitativ recht geschlossen und lobenswerte Kollektionen an Ersten Gewächsen. Bei von Simmern begeisterte besonders der Erbacher Marcobrunn mit seiner reifen Pfirsichfrucht und etwas Mango im Nachhall (92 Punkte). Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach gefiel mir besonders der Rüdesheimer Berg Schlossberg. Nach einer Mirabellennase, hat man Spannung am Gaumen. Der Nachhall zeugt von der Reife der Trauben (92 Punkte). Beim Schloss Johannisberg wird das Erste Gewächs auch als Silberlack bezeichnet. Es liegt aus meiner Sicht bei 91 Punkten.

Große Gewächse 2010

Seltsam bei den Ersten Gewächsen ist wieder einmal der Bereich der Spätburgunder. Hier können die Voraussetzungen und Herausforderungen des Jahrgangs 2010 nicht als Grund für die Situation gelten. Für Außenstehende ist es nicht verständlich, wieso kein akzeptabeler Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg mit dem Jahrgang 2009 als Erstes Gewächs präsentiert werden kann (lediglich vom Weingut G.H. Mumm gab es einen zur Verkostung beim Rheingauer Weinbauverband). Dabei haben wir in der Vergangenheit schon einige hervorragende Spätburgunder dieser Einzellage von verschiedenen Erzeugern probiert. Hier nur drei Beispiele, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben: Mohr, Chat Sauvage, Allendorf. Das Erste Gewächs sollte als Spitzenkategorie der trockenen Weine aus unserer Sicht alle wichtigen Lagen mit entsprechenden Qualitäten abdecken.

Große Gewächse 2010

Aber es gibt auch zwei Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau, die als positive Ausnahme gelten können. Da ist der 2009er Hochheimer Stein vom Weingut Künstler. Kirschfruchtige Nase, harmonisch am Gaumen und ausgewogen im Nachhall. Das sind uns 91 Punkte wert. Ein klein wenig besser finden wir den Eltviller Sonnenberg vom relativ weniger bekannteren Weingut Koegler. Dieses Erste Gewächs hat eine schöne Frucht in der Nase, eine feine Würze in der 2. Nase und mit rundem Gaumen eine gute Länge (92 Punkte).

Aus dem nördlichen Bereich, in dem der Spätburgunder eigentlich nicht nur typischer ist, sondern im Mittelrheinbruch auch seine historisch Hochburg hat, rettet das Weingut Paul Laquai den guten Ruf. Für das Erste Gewächs aus dem Bodental-Steinberg 2009 haben wir eine dezente Frucht, gut eingebundene Säure und angenehme Länge notiert und 89 Punkte vergeben. Ein Vergleich mit der Präsentation der Großen Gewächse 2009 der Rebsorte Spätburgunder aus Baden wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Dazu reichte die Zeit leider nicht. Die Weingüter des Rheingau im VDP scheinen sich jedoch derzeit etwas mehr auf den Riesling als auf den Spätburgunder zu konzentrieren.

Franken
Die Region Franken hatte es mit dem Jahrgang 2010 recht schwer. Das hatte sich bei vielen Rieslingen und Silvanern im Bereich QbA und Kabinett schon angekündigt. In der Qualitätsspitze muss dies nicht immer Auswirkungen haben. Folgende Große Gewächse 2010 aus Franken haben mir gefallen. Man müsste das noch mal detailliert überprüfen, aber es scheint mir, als wenn sich die Rieslinge insgesamt und auch bei den Qualitätsspitzen etwas besser präsentierten.

Große Gewächse 2010

Das Große Gewächs aus der Rebsorte Riesling aus dem Würzburger Stein vom Staatlichen Hofkeller gibt dieses Jahr den Ton an. Dezent Toffee mit schlanker Frucht sind hier in der Nase. Der Gaumen ist hellfruchtig und blüht dann zum reifen Pfirsich auf. Steht (92 Punkte). Die Randersackerer Pfülben von Schmitt’s Kinder zeigen sich mit kräftigen Pfirsich in der Nase. Am Gaumen ist schmelzige Frucht. Druckvoll und lang (92 Punkte). In der selben Lige spielt der Kronsberg von Hans Wirsching: Helle Frucht in der Nase, saftiger Pfirsich am Gaumen, schlanke Säure und angenehme Länge (92 Punkte). Ebenfalls ganz gut empfand ich den Ratsherr vom Weingut Zur Schwane, den Würzburger Stein „Hagemann“ vom Bürgerspital und den Riesling Lump von Michael Fröhlich, wobei dieser in seiner Pfefferwürze etwas eigenständig war (jeweils 91 Punkte)

Mit der Rebsorte Silvaner hatte man es 2010 generell etwas schwerer. Mir gefielen jedoch zwei Große Gewächse. Der Würzburger Stein Bürgerspital wartet mit Weißem Pfirsich und Aprikose in der Nase auf. Der Süß-fruchtige Gaumen wirkt in der Länge angenehm fein (91 Punkte). Das Weingut Michael Fröhlich hat einen sehr guten Silvaner im Escherndorfer Lump erzeugt. Hier ist Multivitaminsaft in der Nase. Insgesamt ist dieses Große Gewächs stimmig (91 Punkte). Es ist für die Region Franken sicherlich problematisch, wenn die Silvaner im Schnitt hinter den Rieslingen liegen.

Rheinhessen
Sehr weit oben war in diesem Jahr wieder einmal Rheinhessen mit seinen klaren Rieslingen. Hier gab es kaum Ausfälle. Das Weingut Brüder Dr. Becker erzeugen 2010 das Große Gewächse Dienheimer Falkenberg. Dies zeigt helles Kernobst in der ersten und Aprikose in der zweiten Nase. Eine komplexe Frucht spielt am Gaumen, dann tänzelnde Länge mit hellem Pfirsich und sehr reifen Fruchtnoten (93 Punkte). Von Battenfeld-Spanier kommt das zweite hervorragende Große Gewächs in diesem Jahr. Das Hohen-Sülzener Kirchenstück riecht nach hellem Pfirsich. Dezente Kräuter sind in der zweiten Nase. Etwas wärmer im Glas riecht er wesentlich fruchtiger, gut ausbalancierter Gaumen, und angenehme Länge (93 Punkte).

Große Gewächse 2010

Dann folgt ein weites Feld sehr guter Großer Gewächse. Bei jeweils 92 Punkten sehe ich das Westhofener Kirchspiel von Wittman, den Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, die Westhofener Aulerde von Groebe und den recht eigenwillig ausdrucksstarken Niersteiner Oelberg von Kühling-Gillot. Danach folgen noch recht viele richtig doller Rieslinge mit 90 oder 91 Punkten. Das Niveau und vor allem die sehr wenigen Ausfälle bei den Großen Gewächsen 2010 aus Rheinhessen überzeugen.

Pfalz
Aus der Pfalz kommen in diesem Jahr sehr viele Große Gewächse die richtig gut sind. Hier haben viele angesehene und klangvolle Weingüter die Nase weit vorne. Vor allem zwei der Großen Bs geben in diesem Jahr deutlich vor, wo die Qualitätsspitze in der Pfalz zu sehen ist. Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan überzeugen jeweils mit einem Großen Gewächs aus Lagen bei Forst.

Große Gewächse 2010

Das Forster Kirchenstück vom Weingut von Buhl zeigt sich mit einer duftenden und verlockenden hellen Fruchtnase. Der Gaumen ist von einer sehr schönen vielschichtigen Frucht umspült. Es folgt ein tiefer und inspirierender Nachhall. Dies ist mir 94 Punkte wert. Gerade die innere Stimmigkeit bei enormer Vielschichtigkeit zeigen die Rieslinge von von Buhl häufig auch schon bei den Gutsweinen.

Das Weingut Bassermann-Jordan punktet aus meiner Sicht in diesem Jahr besonders in der Lage Forster Pechstein. In der Nase zeigen sich exotische Früchte, frisch am Gaumen, bleibt leicht und lange stehen. Aus meiner Sicht wird dieser Riesling durch die Feinheit der Nuancen zum Großen Gewächs (93 Punkte). Den Forster Pechstein vom Weingut Acham-Magin sollte ich hier auf jeden Fall auch noch positiv erwähnen (92 Punkte). Die Großen Gewächse aus dem Forster Kirchenstück und dem Deidesheimer Kalkofen sind aus meiner Sicht in diesem Jahr vom Weingut Bassermann-Jordan auch sehr groß.

Große Gewächse 2010

Das Weingut A. Christmann überzeugt davon, dass man jede Lage für sich selbst genommen interpretieren kann. So entstehen 2010 vier Große Gewächse mit dem Riesling, bei denen der Rupersberger Reiterpfad mit seiner floralen Duftigkeit in der Nase, der Stoffigkeit am Gaumen und der vollen Länge überzeugt (93 Punkte). Im Gimmeldinger Mandelgarten kommen in der Nase auch Kräutertöne zum tragen. Fruchtige Intensität gibt ihm einen Zug eines Deserts (92 Punkte). Das Aushängeschild des Weinguts A. Christmann und zugleich der einer der eigenständigsten Rieslinge aus der Pfalz in wieder einmal der Königsbacher Idig. Es ist ertaunlich, wie beständig dieser Wein über die Jahre hinweg wieder erkennbar ist. Sicherlich polarisiert der Idig auch dieses Jahr etwas mit der rauchig-erdigen Nase mit etwas Kräutern, einer kräftigeren Säure, zugleich aber angenehm fruchtig langem Nachhall (91 Punkte).

Das Weingut von Winning hat sich sicherlich zu recht mit seiner kurzzeitigen positiven Entwicklung nach der Ära Dr. Deinhard einen guten Namen gemacht. Mir gefiel der Rupertsberger Spieß (92 Punkte) und das Forster Kirchenstück (91 Punkte). Bei den anderen Rieslingen steht aus meiner Sicht das Holz zu deutlich da. Auch wenn man es bewusst und massvoll einsetzen möchte, kommen besonders im Forster Pechstein und in den Deidesheimer Lagen Kieselberg und Kalkofen die Vanilletöne (im Kalkofen auch Karamell; ich meine in einem sogar Cocos wahrgenommen zu haben) etwas zu sehr zum tragen.

Bürklin-Wolf hatte mich in der Vergangenheit stilsicher und konstant immer etwas enttäuscht. Im Forster Kirchenstück und im Jesuitengarten sind noch Anklänge dieses alten Stils zu erkennen. Die beiden Großen Gewächse aus den Deidesheimer Lagen und der Rupertsberger Gaisböhl künden aus meiner Sicht eine positive Entwicklung an. Vor allem beim Gaisböhl überzeugt die ausgewogene helle Frucht und die innere Stimmigkeit des Rieslings (91 Punkte).

Nahe
Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Stinkerduell an der Nahe. Doch es geht auch anders. Denn das beste Große Gewächs kommt aus meiner Sicht nicht von Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber. Das Weingut Dr. Crusius ist aus meiner Sicht wesentlich mehr an der Charakteristik der den einzelnen Lagen dran, als seinen Stempel aufzudrücken. So ist zwar auch etwas mehr Qualitätsgefälle in den drei präsentierten Großen Gewächse vorhanden. Die Traisener Bastei ist hellfruchtig kräuterwürzig in der Nase. Saftig frisch mit spritziger Säure ist sie am Gaumen und uns 94 Punkte wert.

Große Gewächse 2010

Dem entgegen waren die Großen Gewächse von Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich geschmacklich zuordbar. Bei der Niederhausener Hermannshöhle fällt vor allem der der selbe Dönnhoff-Ton wie zuvor in der Nase auf. Hier fällt er etwas kräutriger aus. Runde und intensive Frucht am ist Gaumen. Stoffig und ausgewogen ist dieses Große Gewächs in einer kräftigen Länge (93 Punkte).

Der Schloßböckelheimer Felsenberg von Schäfer-Fröhlich zeigt sich mit Sauerkraut in der Nase. Auch hier ist der Geruch über alle Große Gewächse hin im Kern wieder erkennbar in kräftigen Kräuternoten. Der Riesling ist extrem köperreich am Gaumen. Bis in den angenehm langen Nachhall ist eine Fruchtkonzentration auffällig, wie sie bei Obstbränden sichtbar ist (93 Punkte). Schäfer-Fröhlich drückt zwar mit der weingutseigenen Nase den Lagen einen akzentuierten Stempel auf. Diese Großen Gewächse sind dadurch sicherlich nicht immer leicht zugänglich. Zugleich sind bei mir alle präsentierten Rieslinge locker über die 90 Punkte-Hürde gesprungen.

Zu danken bleibt noch dem VDP für die perfekte Organisation und Durchführung der Verkostung. Auch die vielen häufig ungenannten helfenden Kräfte haben einen hervorragenden Einsatz geleistet.

Die hier aufgeführten Großen Gewächse sind nur ein Auszug aus unserer Verkostungsliste. Diese umfasste ca. 150 Weine. Bei Interesse können unsere Einschätzungen auch zu anderen Großen Gewächsen angefordert werden.

Weingut Augustin Silvaner Spezial >S< trocken

Dienstag, 21. Dezember 2010

Weingut Augustin Silvaner Spezial >S< trockenDas Weingut Augustin machte durch die Verleihung des Titels „Entdeckung des Jahres“ im aktuellen Gault Millau auf sich aufmerksam (hier Arno Augustin im Interview). Da gilt es einmal einen kleinen Praxistest – zu neudeutsch Faktencheck – zu machen. Dafür steht der 2008er Silvaner Spezial >S< zur Verkostung bereit. Er kommt mit moderner Ausstattung in einer Burgunderflasche und einem immer häufiger gebrauchten guten Schraubverschluss daher. Der in Franken traditionelle Bocksbeutel findet im Weingut Augustin weiterhin für die trockenen klassischen Weißweine seinen Einsatz. Doch zu dem Spezial >S< selber. Dieser Silvaner präsentiert sich in einem helleren Goldgelb im Glas. Ein vielschichtiger Geruch mit reifen Birnen steigt in die Nase. Dabei erscheint der Silvaner Spezial >S< aber frisch in der Nase mit einer fruchtig wirkenden Süße. Der Gaumen wird rund mit viel Schmelz umspült. Langsam steigt die Intensität dieses Silvaners vom Weingut Austin an und präsentiert sich mit Birnen und Südfrüchten. Auch im langen Nachhall wirkt der Silvaner Spezial >S< nicht überladen. Neben dieser Ausgewogenheit ist ein Merkmal für Qualität – gerade bei säurearmen und trockenen Weinen – wie lange die Flasche offen sein kann. Nach drei Tagen hat dieser Silvaner Spezial >S< kaum an seiner Qualität etwas verloren gehabt. Am zweiten Tag schmeckte er am Besten, da die leichte Einwirkung von Sauerstoff sich positiv auswirkte. Für die Klasse dieses Weins sorgt das handwerkliche Geschick von Arno Augustin und die mineralreichen Muschelkalkböden auf denen dieser Wein wächst. Seine Kraft zieht der Silvaner Spezial >S< aus 30 Jahre alten Rebstöcken. Die Trauben sind hier klein und konzentriert. Entstanden ist ein hervorragender Silvaner, der die Auszeichnung des Weinguts Augustin als Entdeckung voll und ganz rechtfertigt. Im Praxistest brilliert dieser Silvaner. Über diese Entdeckung kann man sich nur freuen und hoffen, dass dieses hohe Niveau des Weinguts Augustin gehalten wird. Weingut Augustin Silvaner Spezial >S< trocken Franken Erzeuger: Weingut Augustin A.P.Nr: 4862 016 10 Inhalt: 0,75 Alkohol: 13,5% Jahrgang: 2008 Einkaufspreis: 10,00 € Verschluss: Schraubverschluss Quelle: Fachhandel

Baron von Crailsheim / Fränkisches Weinkontor Silvaner Spätlese trocken Volkacher Kirchberg

Sonntag, 26. September 2010

Baron von Crailsheim / Fränkisches Weinkontor Silvaner Spätlese Einige Weine geben einem wirkliche Rätsel auf. So verhält es sich mit diesem Silvaner vom Baron von Crailsheim bzw. dem Fränkischen Weintor. Ich fand ihn in einem Discounter mit vier Buchstaben. Da ich Weine von Baronen immer gerne trinke, griff ich zu. Doch was stellte sich heraus? Der Baron von Crailheim stammt vom Abfüller D-BY-4200. Als Vertrieb ist das Fränkische Weinkontor e.G. angegeben. Das “Fränkisches Weinkontor e.G.” ist gar nicht so bekannt. Normaler Weise haben solche Genossenschaften eine gewisse Bekanntheit; vor allem im lokalen Bereich.

Doch nun zum Silvaner vom Baron von Crailsheim selbst. Er soll aus der Lage Volkacher Kirchberg kommen. Der Weinatlas Deutschland sagt dazu nicht viel. Nur dass es sich um eine riesige Großlage handelt. Identisch aussehender Wein wird zeitgleich in der Discounterkette mit der Lage “Rödelseer Schloßberg” vertrieben. Auch dies ist die Großlage um Rödelsee herum. Was will und kann man von einem solchen Silvaner erwarten?

Wie schmeckt der Silvaner von Baron von Crailsheim

Der Volkacher Kirchberg vom Baron von Crailsheim / Fränkisches Weintor ist in kräftigem Gelb im Glas. Die Nase dieses Silvaner Spätlese ist etwas dumpf Vollfruchtig. Die fruchtsüße sticht bei diesem Großlagenwein etwas in der zweiten Nase. Am Gaumen ist dieser Silvaner breit. Der Nachhall des Volkacher Kirchberg vom Baron von Crailsheim / Fränkisches Weintor ist kräftig und hölzern. Nach einem Schluck bin ich satt und habe keine Lust mehr an diesem Silvaner Spätlese trocken.

Die Frage, ob man Weine aus Großlagen überhaupt so kennzeichnen sollte, sehe ich kritisch. Was ist damit gewonnen, wenn eine Typizität durch Großlagen nicht erzeugt werden kann? Ist es dann nicht viel besser und authentischer aus diesen Lagenresten moderne Konsumweine zu erzeugen, die eine verständliche und nachvollziehbare Beschriftung erhalten?

P.S.: 2005 verbarg sich hinter der AP-Nr 4200-xxx-xx noch die Winzergenossenschaft Nordheim eG.. Diese ist auch mit wesentlich moderner auftretendem Vertrieb und Image als DIVINO bekannt. Fragt man sich nur, wieso dieser Wein über eine völlig unbekannte Genossenschaft im Discounter vermarktet wird.

Baron von Crailsheim Silvaner Spätlese trocken Volkacher Kirchberg

Franken
Vertrieb: Fränkisches Weintor e.G.
A.P.Nr: 4200 131 10
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5%
Jahrgang: 2009
Einkaufspreis: 5,00 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Discounter