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Toskana: Wein aus Maremma

Donnerstag, 3. November 2011

Toskana: Wein aus MaremmaMaremma ist ein Anbaugebiet der Stufe IGT (also quasi Landwein) im süd-östlichen küstennahen Gebiet der Toskana. Die Rebfläche beträgt ca. 62.000 Hektar. Die Region Maremma ist erst sehr spät erschlossen worden. Noch vor 200 Jahren waren hier viele Sümpfe vorhanden. Der derzeitig zu verzeichnende Boom hängt aus etwas mit der Bewegung der Super-Tuscans zusammen. Vor 40 Jahren wurde erstmals der Tignanello von Antinori erzeugt. Auch dieser firmiert noch immer unter dem Label IGT.

Neben einigen traditionellen Weinorten mit ihren traditionsreichen Qualitätsspitzen und fest geregelten Erzeugungs- und Vermarktungsgrundlagen (z.B. Montalcino oder Montepulciano) gilt Maremma immer noch als ein Experimentierfeld. Einige namenhafte Weingüter aus den historischen Bereichen in der Toskana bauen dort an oder haben dort ein eigenes Weingut gegründet. So produziert z.b. auch Querciabella einen Rotwein namens Mongrana.

Rebsorten in Maremma

Maremma ist überwiegend mit roten Rebsorten bestockt. Vor allem der traditionelle Sangiovese ist hier zu finden. Aber auch neuere internationale bzw. französischstämmige Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah oder auch Cabernet Franc werden hier angebaut. Ebenso wachsen in Maremma weiße Rebsorten. Sie nehmen knapp 20% der Fläche ein. Hierbei ist besonders der Vermentino zu nennen.

Aus dem reichhaltigen Angebot der Weine aus Maremma haben wir drei Rotweine bestehend aus 100% Sangiovese ausgesucht. Nicht bei allen Weingütern kann man viele Informationen auftreiben. Die Tenuta Sassoregale hat eine recht schmale Webseite. Irgendwie ist dieses Weingut auch mit Lamole di Lamole in Chianti Classico-Gebiet verbunden. Die Tenuta Sassoregale erzeugt drei rebsortenreine Weine aus Sangiovese, Merlot und Syrah. 30 Hektar werden im Maremma-Gebiet bewirtschaftet.

Toskana: Wein aus MaremmaTenuta Sassoregale 2008

Dunkles Rubin mit purpurnem Rand. Hölzern-rauchige Nase, etwas überreif mit Kirschen und Waldbeeren. Weich und rund am Gaumen. Die Säure ist gut eingebunden. Dann gibt es frische Minze. Im Nachhall kommt dezent noch mal die Kirsche, die ganz leicht aber lange präsent ist. Etwas grüne Töne klingen jedoch auch an. Wenn der Sangiovese von der Tenuta Sassoregale mehr Luft bekommt verschwinden die grünen Noten und er entpuppt sich als ordentlicher Sangiovese aus der Toskana.

Tenuta Sassoragle

2008, Maremma IGT 100% Sangiovese , 13,5%, 7,80 Euro

Mantellassi ist ein alt eingesessener Betrieb, der seit 1960 besteht. Das ist für die Region Maremma schon recht lange. Anstrengungen hat man vor allem beim Morellino di Scansano geleistet, die seit 1978 als DOC anerkannt ist. Inzwischen baut Mantellassi die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Morellino, Merlot, Canaiolo Nero, Malvasìa Nera, Ciliegiolo, Vermentino Bianco, Sauvignon Blanc auf über 60 Hektar im Maremma an.

Toskana: Wein aus Maremma
Mantellassi Il Canneto 2010

Der Il Canetto von Matellassi ist recht interessant. Er besteht zwar auch aus 100% Sangiovese, man hat hier jedoch verschiedene Klone dieser Rebsorte verwendet. Der Rotwein ist im Edelstahltank ausgebaut worden. Rubinrot mit hellem Rand. Hinter Kardamom eine eher florale Nase mit reifen Pflaumen und etwas Moschus. Fleischige Frucht am Gaumen. In sich harmonisch. Recht kurz und hinten etwas spitz und trocken stehen bleibend.

Mantellassi

Il Canneto, 2010, Maremma IGT 100% Sangiovese , 13% , 6 Euro

Toskana: Wein aus Maremma
Casali di Maremma 2010

Helleres Rubinrot. Etwas erdig und würzig in der Nase. Dann eine duftige Kirsche. Die zweite Nase ist duftig und kernig geprägt. Am Gaumen ist dieser Sangiovese aus Maremma recht leicht und frisch. Er verabschiedet sich schnell ohne dabei einen negativen Eindruck zu hinterlassen.

Casali di Maremma

2010, Maremma IGT 100% Sangiovese , 13%, 7 Euro

Toskana: Wein aus Maremma
Weinverkostungen.de-Backstage

Noch ein kleiner Nachtrag. Man fragt mich manchmal, wie eine solche Verkostung denn stattfindet. Als Anschauung ein Bild was dies veranschaulicht. Im Prinzip kann man eine Region nur verstehen, wenn man mehrere Flaschen parallel verkostet. Erst dann wird man Gemeinsamkeiten entdecken und diese Weine von anderen Regionen abgrenzen können. Da ich mich mit dem Sangiovese schon recht intensiv beschäftigt habe, fällt es nicht sehr schwer die recht geschlossenen Stile von Vino Nobile oder Brunello von diesen deutlich frischer und leichter geprägten Weinen zu differenzieren.

Eines ist deutlich: Die alten großen Weine aus dem Klon Sangiovese Grosso haben eine bestechende Nobilität gegenüber Maremma. Das hängt an diesem bestimmten Rebsorten-Klon und jahrzehnte langer Erfahrung mit ihren Weinen. Boom hin oder her. Eventuell ist es auch eine Binsenweisheit. Man wird aus Maremma nie die Qualität für sieben oder acht Euro bekommen, die in den alten Gebieten für Einstiegspreise von 15 bis 30 Euro gehandelt wird.

Und ein weiteres gilt festzuhalten: Egal ob nun ganz oldstyle mit ausschließlich Sangiovese oder modern mit Cabernet Sauvignon, Merlot oder gar Syrah: Die Rebsorte ist kein Garant für Qualität. Das trifft für Wein aus Maremma genauso zu wie auf das inzwischen 40 Jährige Phantom Super-Tuscan (Tatsächlich; erster Jahrgang Tignanello war 1971). Zugleich kann man anschließend an dem Super-Tuscan-Boom – in dessen Windschatten sich ja auch Maremma am Markt positioniert – fragen: Wozu führt die Freiheit von den Regularien bezüglich verwendeter Rebsorten, Ausbau oder auch Vermarktungsterminen? Sicherlich nicht zu jener Profilschärfe, die auf einem globalen Markt notwendig ist. Spannend bleibt jedoch wie sich das Gebiet von einer Spielwiese aus weiter entwickeln wird.

Teruzzi & Puthod Terre di tufi

Montag, 10. Oktober 2011

Teruzzi & Puthod Terre di tufiMit dem Hause Teruzzi & Puthod verbindet man die Tradition vom Vernaccia di San Gimignano. Hier ist der Weinbau erstmals 1276 erwähnt worden. 1966 wurde dem Vernaccia di San Gimignano der DOC-Status verliehen. Seit 1993 besteht die DOCG. So kann man hier einen der wenigen ernst zunehmenden Weißweine der Toskana mit einiger Tradition sehen. Der Terre di tufi von Teruzzi & Puthod kommt jedoch ganz unscheinbar als Toscana IGT Bianco daher (also als Landwein). Dabei handelt es sich um eines der Spitzenprodukte des Hauses. Teruzzi & Puthod wurde 1974 in der Heimat des Vernaccia in San Gimignano gegründet. Heute ist es einer der auch international bedeutendsten Weingüter im Ort. Teruzzi & Puthod bewirtschaften mehr als 90 Hektar.

Im Terre di tufi werden die Rebsorten Chardonnay, Malvasia, Vernaccia di San Gimignano und Vermentino verwendet. Im Glas zeigt sich ein helleres Goldgelb mit grünen Reflexen. In der Nase kann man einen holzigen Eindruck mit Vanille bekommen. Nougat mit etwas Orangenschale und Kräutern ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ist dieser Weißwein von Teruzzi & Puthod kräftig mit etwas Biss. Erst recht breit, dann angenehm cremig in die Länge. Hinten ist beim Terre di tufi noch mal trockenes Holz. Der Ausbau von 5 Monaten im Barrique ist nicht zu verkennen. Mit ihm wird etwas die für den Vernaccia die San Gimignano typische Frische genommen. Zudem macht das diesen Wein von Teruzzi & Puthod etwas breiter und mit dem Chardonnay wird ein Überseeformat angedeutet. Nicht nur aus diesem Hintergrund kann man mit Fug und Recht den Terre di tufi von Teruzzi & Puthod als einen weißen Super-Tuscan bezeichnen können.

Teruzzi & Puthod Terre di tufi
Italien – Toskana
Erzeuger: Teruzzi & Puthod
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5%
Jahrgang: 2009
Einkaufspreis: 15,00 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Vino Frizzante: Cucciolo Volsi Cosi bianco und rosato

Sonntag, 10. April 2011

Vino Frizzante: Cucciolo Volsi Cosi bianco und rosatoCocciolo heißt auf deutsch junger Hund oder Welpe. Unter diesem Namen sind nun zwei Vino Frizzante auf den Markt gekommen. Ich entdeckte diese Perlweine in einem der unteren Regale im kleinen Supermarkt um die Ecke. Den Cucciolo Volsi Cosi gibt es als bianco und als rosato. Man versucht mit diesen Frizzante unübersehbar eine junge Zielgruppe anzusprechen: „Cucciolo. wild. frech. italienisch.“, heißt es bei dem Vermarkter. Alles klar.

Vino Frizzante: Cucciolo Volsi Cosi bianco und rosatoNa alles ist dann doch noch nicht klar. Denn so ein neues Produkt gehört natürlich verkostet. Mit 10,5% sind Cucciolo bianco und rosato moderat und passend für warmes Wetter. Verschlossen sind sie mit einem Kronkorken. Zum Wiederverschließen gibt es bei Cucciolo Volsi Cosi einen Bügel. Das ist ideal für den Parkbesuch. Beim Cucciolo bianco und rosato sind weder Anbaugebiet noch Rebsorten auf der Flasche angegeben. Der Preis für die Volsi Cosi ist moderat bei 3,99 pro Flasche. Einige Fragen stellen wir uns jedoch: Passt der Cucciolo zur Zielgruppe? Ist das trinkbar? Und schmeckt der bianco oder rosato besser?

Vino Frizzante: Cucciolo Volsi Cosi bianco und rosatoCucciolo Volsi Cosi bianco Vino Frizzante

Der bianco bringt ein leichtes moussieren im Glas. Helles Strohgelb. Dieser Cucciolo zeigt eine dezente Frucht in der Nase. Etwas Blütenduft und Banane ist dann in der zweiten Nase. Am Gaumen ist der Cucciolo Volsi Cosi bianco nicht ganz trocken und weich. Ganz klein wenig Biss von der Säure, der erfrischend wirkt. Dann gibte es bei diesem Vino Frizzante etwas vollfruchtige Süße mit diesen weißen Gummibären. Doll ist das nicht. Für den Preis geht der Cucciolo Volsi Cosi bianco Vino Frizzante aber in Ordnung.

Vino Frizzante: Cucciolo Volsi Cosi bianco und rosatoCucciolo Volsi Cosi rosato Vino Frizzante

Geringe Schaumbildung beim rosato Vino Frizzante. Die Farbe ist Pink bis Lachsrosa. In der Nase sind beim Cucciolo Volsi Cosi rosato frische Himbeeren und Erdbeeren zu riechen. In der zweiten Nase ist reifer Granatapfel. Im Mund ist dieser Frizzante wieder leicht schäumend. Erscheint trockener als der bianco. Auch hier Erfrischung pur durch etwas herbe Noten am Gaumen. Waldbeeren zeigen sich beim rosato Vino Frizzante im Nachhall. Mein Favorit bei den beiden Sorten Cucciolo Volsi Cosi ist der rosato. Mal schauen mit welchen neuen Produkten andere Anbieter den kommenden Sommer einleiten werden.

Arione Barolo Canelli bei Aldi

Montag, 4. April 2011

Aldi: Arione Barolo Canelli 2006Wein von Aldi ist immer ein schwieriges Ding. Soll man über diesen Vertribsweg überhaupt etwas schreiben? Ich frage mich das jedes Mal. Eigentlich haben die Billigheimer immer nur ein Argument: Der Preis. Um auch mal etwas teureres verkaufen zu können, muss dann Barolo oder ähnliches auf dem Etikett stehen. Beim Pries von 6,49 Euro muss man sich fragen, ob es nur ein Barolo der Form nach ist. Wobei auch die Abfüllung in eine Bordeaux-Flasche eher ungewöhnlich ist.

Natürlich kommt der Arione Barolo Canelli 2006 aus der noblen Gegend im Piemont. Den Erzeuger gibt es aber nicht als Weingut vielmehr handelt es sich um eine Kellerei. Über Kunstmarken werden Übermengen inzischen aus einigen namenhaften Weinbaugebieten Mengen die auf dem Fassweinmarkt gehandelt worden abgeschleust. Auch wenn die Weine dann zum Teil von namenhaften Erzeugern kommen, haben sie nie die Qualität derer andern Weine. Barolo ist eine der Spitzenkategorien des trockenen Rotweins. Gute Weine bekommt man aber eigentlich nicht zum Preis von 6,49 Euro. So verkosten wir nun den Arione Barolo Canelli 2006 von Aldi.

Arione Barolo Canelli verkostet

Der Wein ist recht typisch hell-bräunlich und leicht trüb im Glas. In der Nase ist der Aldi-Barolo leicht stechend, was bei 14% nicht ungewöhnlich ist. In der zweiten Nase ist Würze mit etwas Schokolade. Der Gaumen ist eher von schmaler Statur. Die Säure ist schlank. Zugleich ist der Gaumen aber auch weich, kurz marmeladig mit reifer süßlicher Kirsche und mit etwas Caramel, aber eben auch so eine unangenehmen Bitterstoff, den man auch im (glücklicher Weise gar nicht so langen) Nachhall hat. Spaß macht das Ganze nicht wirklich. So mancher Nebbiolo aus den Piemont für 8 oder 9 Euro wie man ihn im Fachhandel bekommen kann, ist wesentlich besser. Zwar ist der 2006er Arione Barolo Canelli noch etwas jung. Viel besser wird er aber auch nicht werden.

Arione Barolo Canelli
Italien – Piemont
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14 %
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 6,49 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Aldi

Rosso di Montalcino 2009

Montag, 14. März 2011

Rosso di Montalcino 2009Der Rosso di Montalcino steht immer etwas im Schatten des Brunello. Manche Verkoster lassen ihn links liegen. Ich finde diese Weine jedoch häufig ganz interessant. Zum einen sind sie etwas fruchtbetonter. Zum zweiten ist der Rosso eigentlich ein guter Einstieg in das Thema Brunello. Der aktuelle Jahrgang 2009 schein mir dabei auch recht gut gelungen zu sein, auch wenn dies noch etwas zu dünn ist, um auf den Brunello-Jahrgang zu schleißen.

Altesino
Klares Rubin, duftige Kirsche in der Nase, kräftigere Säure gibt diesem Rosso Kraft, recht lang, auch wenn etwas die Feinheit fehlt, aber es ist ein Rosso! 86

Argiano
Rubin mit Hellbraunem Rand, Frucht mit Röstaromen in der Nase, kräftige Säure, Länge in der kaum mehr als Säure ist. 83

Barbi
Rubinrot, etwas aufgesetzte Nase, in der zweiten Nase ist Navarra-Stall zu riechen, prägnante Säure, mittellang. 82

Baricci
Rubin, reife Kirsche in der Nase, im Hintergrund ist Alkohol, der Gaumen ist leicht und etwas kurz, dafür angenehm ausgeprägt mit zarter Frucht und etwas Würze. 83

Camigliano
Klares Rubin, Kaffee mit dezenter Frucht im Hintergrund, warme Frucht in der zweiten Nase, frische Säure und ein leichter Nachhall. 84

Caparzo
Rubin mit ziegelrotem Rand, Caramel verschmilzt mit angenehmer Süßkirsche, am Gaumen gut eingebundene Säure und etwas Caramel. Runder langer Nachhall. 85

Casisano Colombaio
Rubinrot, duftige Nase, Casis in der zweiten Nase, geschliffene Tanine am Gaumen, leichter Fehlton. 81

CastelGiocondo
Klares Rubin, Taback in der Nase, der mit roten Früchten untermalt ist, Säure macht druck schlägt aber nicht negativ aus, etwas dünn in der Frucht. 85

Ciacci Piccolomini D’Aragona
Rubin mit klarem Rand, ungewöhnlich süße Erdbeeren in der Nase, zweite Nase mit süßen Himbeeren, wenig Säure, aber auch der Gaumen ist voll Bonbonnig. Vielen wird so etwas schmecken. Ist das aber ein typischer Rosso aus Sangiovese? 82

La Togata
Rubinrot mit leicht braunem Rand, volle und süße Frucht in der Nase, da ist Kirsche und etwas Waldfrüchte, der Gaumen ist auch schön fruchtig, nach hinten hinaus etwas marmeladig, die Brunello-Puristen werden es nicht mögen, er macht aber Spaß. 86

Lisini
Rubin mit ziegelrotem Rand, grüne Noten und Hefig in der Nase, frische Säure am Gaumen, geschmacklich weder typisch, noch erfreulich. Was erlauben Lisini? 80

San Filippo
Klares Rubin, Sauerkirsche in der Nase, etwas Mocca in der zweiten Nase, wuchtige Säure am Gaumen etwas Grün. 83

Talenti
Rubin mit ziegelrotem Rand, fruchtige Nase mit Mandarinen, dezente Säure bringt einen runden Gaumen, warme Länge. 85

Tornesi
Rubin mit hellem Rand, etwas dumpfe Nase mit Schwarzbrotteig, etwas parfümige Frucht in der zweiten Nase, weicher Gaumen ebenso mit hellen Früchten (Annanas!), der ist doch etwas aus der Art geschlagen. 84

Rosso di Montalcino 2009
Damit ist der Verkostungsreport aus Montalcino für dieses Jahr beendet.
Brunello di Montalcino 2006
Brunello di Montalcino Selezione 2006
Brunello Riserva 2005

Die Notizen aus dem vergangenen Jahr.

Brunello Riserva 2005

Mittwoch, 9. März 2011

Brunello Riserva 2005Eigentlich kann man überlegen, ob man denn überhaupt etwas zu den Brunello di Montalcino Riserva 2005 schreibt. Der Jahrgang ist hinreichend negativ bewertet worden (hier von mir), viele namenhafte Erzeuger machen diesen Wein gar nicht (nur 24 Riserva waren von 143 Erzeugern angestellt) und fast alle Verkoster mit denen ich im Kontakt stand, haben diese Weine bei der Präsentation in Montalcino nicht probieren wollen. Ist da noch ein Fünkchen Hoffnung, dass 2005 doch ganz gut war?

Nein. Selten fällt ein Urteil so eindeutig aus wie hier. Es bringt nichts, nicht optimale Weine noch ein Jahr länger auszubauen. Das ist beim Brunello di Montalcino nicht anders, als auf dem Rest der weiten Weinwelt. Eigentlich ist der Zustand in dem sich die Riserva 2005 präsentieren eine nochmalige Abrechnung mit dem Jahrgang. Bei der Verkostung gab es nur wenige Ausnahmen wie Cupano oder Lisini, die ganz gut waren. Der Kategorie Brunello di Montalcino Riserva 2005 machen aber auch sie keine Ehre.

Man kann sich fragen, wieso diese wenigen Erzeuger einen Brunello Riserva 2005 auf die Flasche gebracht haben. Will man Verfügbarkeit im Handel haben? Gerade bei diesen Weinen fällt ein generelles Manko im Brunello-Vertrieb auf. Die Weine haben – zumindest im Endverbraucherhandel in Deutschland – quasi Flatrate-Preise. Ganz anders als beim Bordeaux – wo man schon bei knapp über 10 Euro jahrgangsabhängige Preise hat (unabhängig ob diese jeweils gerechtfertigt sind; die Diskussion darum ist lang) – will man beim Brunello genau das selbe Geld vom Endverbraucher, egal wie die Qualität ist. Das führt in diesem Fall dazu, dass einige Riserva, die ich nicht mit Freude trinken würde, im Handel für über 50 Euro angeboten werden. Ein System mit Tücken.

Die Verkostungsnotizen bitte ich nur durchzulesen, wenn man starke Nerven hat. Man sollte berücksichtigen, dass sie neben der Verkostung des sehr viel besseren Brunello-Jahrgangs 2006 entstanden und auch ganz erfreuliche Rosso di Montalcino aus 2009 probiert wurden. Und somit kann man raten: Finger weg vom Riserva 2005, kauft euch lieber einen Rosso 2009 (Tipps dazu gibt es morgen); der kostet nur einen Bruchteil und macht wesentlich mehr Spaß.

Barbi
Rubin mit braunem Rand, Pflaumen in der Nase, frische Säure versucht den Wein aufzurichten, es kommt aber nicht viel. 84

Camigliano
Klares Rubin, fruchtige Veilchen in der Nase, zweite Nase wirkt abgestanden, Gaumen wirkt trotz etwas Säure müde. Bleibt dann so. 82

Canalicchio di Sopra
Rubin mit braunem Rand, Nase mit Leder und kirsch-pflaumengemisch, trockener gaumen mit Lakritze, lang. 84

Canneta
Rubin mir leicht violettem Einschlag, Casis in der Nase, trockener Gaumen mit wuchtiger Säure, etwas Muskat im Nachhall. 85

CastelGiocondo
Dunkleres Rubin, in der Nase sind Leder, reife Rote Früchte, die Säure ist kräftig, der Gaumen von Tabak und Leder geprägt, lang. 84

Col d’Orcia
Dunkleres Rubin, Vanille in der Nase, zweite Nase ist rauchig mit etwas Leder, kräftige Säure untermalt von Frucht, gute Länge. 85

Cupano
Dunkleres Rubin, Tabak in der Nasen, süße Kirschen in der zweiten Nase, Säure tritt kräftig auf, marmeladige Frucht am Gaumen, lang. 86

Brunello Riserva 2005
Brunello Riserva 2005

Donatella Cinelli Colombini
Dunkelrubin, Waldfrüchte in der Nase, etwas abgestandener Eindruck in der zweiten Nase mit einem Alkoholstich, kräftige Säure, darunter fehlt eine stützende Frucht, bleibt würzig stehen. 83

Ferrero
Dunkleres Rubin, Caramel in der Nase, trockener Gaumen mit zu früh gereiften Tönen, hält an. 82

Il Poggione
Dunkelrubin, muffige dunkle Schokolade in der ersten Nase, etwas Frucht in der zweiten Nase, aber vor allem Alkohol, mächtiger Säureauftritt, in der sehr langen ähhm… Länge taucht frische Sauerkirsche auf. 84

La Poderina
Leicht trübes Rubin, konzentrierte Kirsche mit Auspuffrohr in der ersten Nase, kaum Säure, gereift bleibt er dezent fruchtig stehen. 83

Lisini
Rubinrot, weicher duft wie bei einer Walnusseiscreme, zweite Nase pointiert Casis, angenehme Kirschfrucht schafft Länge. 85

Marchesato degli Aleramici
Rubin mit orange Rand, Nelken in der Nase, Cognac in der zweiten Nase, kurz angenehme Frucht schlagt um in nervtötendem Muff. 83

Sesti
Rubinrot mit orangenem Rand, vom Holz malträtierte Frucht in der Nase, zweite Nase mit Alkohol, grün und unausgewogen am Gaumen, später einige harmonische Impressionen, macht wenig Spaß. 81

Tenuta Oliveto
Dunkel und trüb im Glas, Schwarzer Tee, Gummireifen und Muff wie bei 30 Jahre altem Wein in der Nase, trocken am Gaumen, Man fühlt sich wie beim Kauen von altem Tabak. Unterirdisch. 76