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Archiv für die 'D Mosel (incl. Saar&Ruwer)' Kategorie

Günther Steinmetz Piesporter Goldtröpfchen Riesling GP

Montag, 3. Oktober 2016

steinmetz piesporter goldtröpfchenDas Weingut Günther Steinmetz an der Mosel ist schon länger kein Geheimtipp mehr. Dies ist nicht nur der Aktivität von Stefan Steinmetz auf facebook zurückzuführen. Vielmehr haben die Rieslinge in den vergangenen Jahren die Fachkreise überzeugt. Zugleich zählt das Piesporter Goldtröpfchen zu den besten Lagen an der Mosel. Schon seit Jahrhunderten gelten diese Weine als besonders gut. Auch ein Grund wieso es als Erste Lage klassifiziert ist. Diese Weinlage besteht aus drei Teilen und ist 65 Hektar groß. In einer Moselschleife ist das Piesporter Goldtröpfchen südlich ausgerichtet. Der nun zur Verkostung stehende Riesling vom Weingut Günther Steinmetz ist auf verwittertem silbergrauen Schiefer gewachsen.

Günther Steinmetz Piesporter Goldtröpfchen Riesling GP verkostet

Der Wein ist strohgelb mit einem leicht grünlichen Stich im Glas. In der Nase sind reife ineinander verwobene und duftende Früchte mit Mango, Pfirsich und Orange. Dann wird es in der zweiten Nase bei diesem Piesporter Goldtröpfchen exotisch (mit reifer Ananas und voll-saftigen Zitrusfrüchten). Ein ganz typisch rauchiger Moselschiefergeruch mit Spontiton entfaltet sich. Am Gaumen ist die Säure bei diesem Riesling präsent. Zugleich spielt diese mit einer leicht intensiveren Frucht. In der großartigen Länge gewinnt die Frucht. Bei diesem feinen Schmelz und gerade in der Länge auftauchenden Vanillenoten ist es erstaunlich, dass dieser Wein keinerlei Holz gesehen hat.

Ein Tröpfchen aus Gold?

Dass dieser Wein aus Piesport kommt, ist keine Frage. Es ist nicht nur ein Tröpfchen in der Flasche. Der Riesling ist von der Farbe her nicht golden. Aber sonst schon. GP steht bei diesem Riesling übrigens für den Großen Piesporter. Stefan Steinmetz krönt mit seinen Weinen die lange und große Geschichte dieses Weinbergs. Es ist eine Meisterleistung einen dermaßen überragenden Riesling in die Flasche zu bekommen. Ganz besonders gilt dies gerade in einem etwas schwierigerem Jahr wie 2014.

weingut günther steinmetzBei dem Tier auf der Kapsel überlegte ich. Was könnte es sein? Ein Hahn, eine Gans oder gar ein Drachen? Es stammt von den früheren Besitzern des Gutshauses und Kellers von 1563. Dies waren die Herren von Birresheim, die jedoch seit 200 Jahren nicht mehr existieren. Zeitgemäß ist es natürlich ein Drachen. Dieser ist in einem Ornamentstein in Haus verewigt und schmückt die Flaschen des Weinguts Günther Steinmetz.

Günther Steinmetz Piesporter Goldtröpfchen
Riesling GP
Deutschland – Mosel
Erzeuger: Weingut Günther Steinmetz
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2014
AP-Nr: 2 577 121 06 15
Einkaufspreis: 18 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Weingut Walter Pündericher Marienburg Riesling

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Weingut Walter Pündericher Marienburg Riesling
Es geht wieder einmal in eines meiner deutschen Lieblingsweinbaugebiete, an die Mosel. Genauer an die Grenze von der Mittelmosel zur Untermosel. Hier liegt die doppelt große Lage Pündericher Marienburg. Zum einen ist sie als Erste Lage des VDP klassifiziert. Zum anderen ist sie mit 96 Hektar eine der flächenmäßig größten hervorragenden Lagen an der Mosel. Und es gibt noch eine Besonderheit: Die Lage Pündericher Marienburg befindet sich auf beiden Seiten der Mosel. Sie besteht aus Tonschiefer-Verwitterungsboden mit Lehmeinlagerungen. Häufig gibt es kräftigere Rieslinge aus dieser Lage. Neben dem berühmten Clemens Busch (der seine Rieslinge aus Marienburg aufgrund der Größe auch mit den Zusatzbezeichnungen von alten Lagennamen vermarktet) bewirtschaftet das Weingut Walter aus Briedel hier eine Fläche. Nach dem Studium an der Hochschule Geisenheim und einer Station bei Dreissigacker in Rheinhessen ist hier der noch recht junge Gerrit Walter tätig.

Weingut Walter Pündericher Marienburg Riesling

Riesling aus dem Pündericher Marienburg

Im Weingut Walter werden die Riesling Trauben schonend gepresst. Zudem wird nicht gepumpt, sondern nur mit der Schwerkraft gearbeitet. Es werde nur weingutseigene Hefen verwendet. Der nun zur Verkostung anstehende 2014er Riesling ist sicherlich noch etwas jung. Er zeigt sich mit kräftigem Strohgelb im Glas. In der Nase sind bei diesem Pündericher Marienburg Torfaromen, die mich an einen guten Scotch erinnern. Diese verfliegen jedoch nach einiger Zeit. Dahinter zeigt sich eine opulente und komplexe leicht ins grünliche gehende Frucht. Da sind Steinobst, etwas Ananas und fast schon überreif wirkende saftige Pfirsiche. Dieser Riesling ist körperreich am Gaumen. Die straffe Säure bringt enorme Frische in diesen Wein aus dem Pündericher Marienburg. Auch im Nachhall ist das streckenweise so als wenn man auf einer Mullbinde draufrumkaut. Aber ganz hinten fängt sich dieser Riesling wieder und bringt ein schönes Finale.

Weingut Walter Pündericher Marienburg Riesling
Nun kann man sich sicherlich fragen: Was soll so ein Wein? Dieser Riesling ist etwas für Liebhaber. Er ist extravagant und dabei aber bei weitem nicht so teuer wie die Mode in Paris. Dabei ist er aber auch nicht modisch. Während gerade die Außergewöhnlichkeit bei deutschen Weinen in einer Welle durch die Gegend schwappt. Um zur Frage zurück zu kommen: Willst du einfach nur nen Süffelwein? Dann ist dieser Riesling eventuell nicht wirklich das Richtige. Aber auch aus dieser Rebsorte gibt es einfache und leicht verständliche Weine je nach Erzeuger für 6 bis 10 Euro. Zugleich gibt es eine imposante Spitzenklasse. Die muss nicht richtig teuer sein, kann es jedoch. Und obwohl der deutsche Wein im internationalen Vergleich in der Spitze noch wirklich billig ist (preislich gesehen) ist da nicht alles Gold was glänzt. Dieser von Weingut Walter schon. Auch wenn er eher als underdog daherkommt. Für die Flasche habe ich 14 Euro bezahlt, was wirklich ein Schnäppchen ist.

Dr. Wagner Saar-Riesling Brut – traditionelle Flaschengärung im altklassischen Stil bei der Weinrallye

Freitag, 27. März 2015

Dr. Wagner Saar-Riesling Brut – traditionelle Flaschengärung im altklassischen Stil bei der Weinrallye Ich hatte dieses mal etwas kurzfristig erst von der Weinrallye erfahren. Eigentlich hatte ich schon zuvor davon gelesen, doch die Weinfachmesse ProWein in Düsseldorf beschäftige mich erst einmal. So las ich heute nochmal bei drunkenmonday den Rallye-Aufruf zum Thema deutscher Sekt aus Flaschengärung. Eigentlich wollte ich einige Runden vorher schon wieder bei der Weinrallye mit dabei sein. So ist das doch eine alte und gute Institution in der Weinbloggerlandschaft. Es galt nun für mich schnell einen lesenswerten Artikel mit einem guten Sekt dieser Kategorie zustande zu bringen. So viel Spontanität sollte in einem Weinblog möglich sein.

Ich ging also recht kurzfristig auf die Suche nach einem guten deutschen Sekt aus klassischer Flaschengärung. Dabei kamen drei Sekte aus dem Sortiment benachbarter Weinhändler in Münster in die engere Wahl. Da war zum einen eine schiere Auswahl von inzwischen sehr hoch gelobten Flaschengärungen von Raumland. Dieser Erzeuger ist ja nun schon international im Top-Segment sehr angesehen. Aufgrund der Vielfalt werde ich diese Sekte aber später einmal bei geeigneter Gelegenheit genauer unter die Lupe nehmen.

Wahl Nummer zwei wäre Schloss Vaux gewesen. Aber auch hier hätte ich mich kaum entscheiden können, welcher Sekt es denn nun sein soll. Gerade bei Vaux ist es interessant, dass die Grundweine von unterschiedlichen angesehenen Erzeugern aus dem Rheingau kommen. Doch wie soll man bei einem Sekt den Stil des Hauses und den des Traubenerzeugers genauer eingrenzen? Und so fiel meine Wahl auf den Brut aus Saar-Riesling vom Weingut Dr. Wagner. Ich habe mich dann für diese Flaschengärung entschieden, da es sich bei dem Erzeuger um ein recht kleines aber ebenso feines Weingut aus Saarburg handelt.

Dr. Wagner Saar-Riesling Brut – traditionelle Flaschengärung im altklassischen Stil bei der Weinrallye Die wirkliche Verlockung dieses Sekts war eigentlich der Untertitel „Traditionelle Flaschengärung im altklassischen Stil“. Das Anbaugebiet Mosel und vor allem die zum Träumen einladende Saar passen hierzu ganz gut. Und mir wird es in dieser Weinwelt manchmal etwas zu bunt. Begeistert hatten mich in der Vergangenheit – auch bei Besuchen im Weingut Dr. Wagner in Saarburg (z.B. beim SaarRieslingSommer) – vor allem die trockenen Weine aus der noblen Rebsorte Riesling. Aber auch der klassische Mosel-Kabinett ist hier häufig hervorragend.

Dr. Wagner Riesling Brut mit Tradition

Die Flaschengärung hat beim Weingut Dr. Wagner Tradition. Sie geht auf den Urgroßvater der heutigen Inhaberin Chistiane Wagner zurück. Josef Heinrich Wagner reiste um 1890 in die Champagne und nach Italien um sich genau anzuschauen, wie dort traditioneller Sekt erzeugt wird. Dieses Wissen nahm er mit an die Saar um einen eine Flaschengärung aus Riesling herzustellen. Auch heute finden nur Grundweine aus eigenem Anbau des Weinguts Dr. Wagner in diesem Sekt Verwendung.

Reisling aus traditioneller Flaschengärung im altklassischen Stil verkostet

Der Riesling Brut in einem hellen Strohgelb im Glas. Die Perlage steigt sehr fein lange in dünnen Ketten nach oben. Schon in der Nase offenbart diese Flaschengärung von Dr. Wagner in hellen Apfelnoten eine typische und feine Moselschieferaromatik. Die Hefenoten sind sehr dezent. Am Gaumen wirkt er schlank und elegant. Und er ist wirklich Brut. Nicht überladen am nach reifer Frucht am Gaumen. Genau so etwas mag ich bei vielen anderen trockenen deutschen Sekten nicht. Die Säure ist sehr gut in den Gesamteindruck integriert und bringt Frische in den Sekt. Die Eleganz der Riesling-Flaschengärung vom Weingut Dr. Wagner zeigt sich in seiner Länge. Er bleibt verspielt (mit knackigem aber nicht herausstehenden Granny Smith) lange stehen, was man erst einmal nicht vermutet.

Der Sekt von Dr. Wagner ist einfach Klasse und macht Spaß. Ein großes Kompliment geht an die Saar. Die Flaschengärung hat meinen Abend – wenn auch nur kurz – imposant verschönert. Ach so: Preis dieses Sekts liegt bei ca. 15 Euro, was ich sehr in Ordnung finde. Das war es erstmal für heute. Auch wenn ich mich gerade frage, wer die Versektung bei Dr. Wagner genau macht. Aber was will man: Spontanität oder tiefgehende Recherche? Der Rest dieser Flaschengärung wird morgen Abend noch in Ruhe weiter verkostet. Ich hoffe das sprudelnde Thema bringt wieder etwas Schwung in die Rallye. Weitere Themen und Weine gibt es eigentlich zuhauf.

Veranstaltung: Saar, Riesling und Sommer

Mittwoch, 13. August 2014

Veranstaltung Saar Riesling SommerSaar, Riesling und Sommer. Das sind gleich drei Dinge auf einmal. Und was will man mehr? So laden einige der angesehensten Weingüter zum dritten Mal zu gleichnamiger Veranstaltung am vorletzten Wochenende des August (23. und 24.) an den Fluss der Träume ein. Mit einem Shuttle-Bus kann man am Samstag und Sonntag zwischen den 10 teilnehmenden Weingütern wechseln auf denen auch noch weitere 16 Gastweingüter bereitstehen. So kann man bequem Riesling der Saar und einige weitere Weine probieren.

Veranstaltung Saar Riesling SommerDie Reise geht in diesem Sommer von Kanzem und Filzen über Ockfen, Saarburg bis nach Serrig. Das Schloss Saarstein bildete im vergangenen Jahr den nördlichen Höhepunkt der Reise. 2014 ist das Weingut auf Gegenbesuch bei Dr. Siemens. Da wir im vergangenen Jahr beim Saar-Riesling-Sommer dabei waren, möchten wir diese Veranstaltungen allen Lesern herzlich empfehlen. Gerade für weinaffine Großstädter fernab der deutschen Weinbaugebiete ist der Saar-Riesling-Sommer ein hervorragendes Angebot für einen Kurzurlaub. Das Mittelzentrum Saarburg sei zur Übernachtung empfohlen. So wirkt es malerisch verschlafen und lädt damit zum Verweilen ein.

Veranstaltung Saar Riesling SommerEs ist schön zu sehen, dass an der Saar viele hervorragende Weingüter – auch über Verbandsgrenzen hinweg – zusammenarbeiten. Dies nutzt nicht nur den einzelnen beteiligten Weingütern, sondern auch der Region. Und vor allem wird so auch Weingenießern ein sehr schöner Zugang zu den lokalen Gegebenheiten geboten. So kann man z.b. den Riesling aus dem Ockfener Bockstein direkt in der Lage beim Weingut Dr. Fischer probieren. An diesem Zusammenwirken vieler Spitzenerzeuger der Saar kann sich manch andere Weinregion ein Beispiel nehmen.

Veranstaltung Saar Riesling SommerDer SaarRieslingSommer ist eine der besten Gelegenheiten um einen Einblick in den aktuellen Jahrgang dieses kleineren Bereiches des Anbaugebiets Mosel zu bekommen. Zudem werden die Weine auf den Weingütern präsentiert, wobei man nicht nur mehr über die Geschichte des Entstehungsorts erfahren, sondern auch die wunderschöne Landschaft besichtigen kann. Und vielfach zeigt die lokale Weinkultur ihre eigenen Reize, die bei Tischpräsentationen in klimatisierten Veranstaltungsräumen nicht erlebbar ist.

Diese Weingüter nehmen im Sommer 2014 teil

– Dr. Siemens, Serrig
Gast: Schloss Saarstein, Serrig

– Weingut Geltz- Zilliken, Saarburg
Gast: Peter Lauer, Ayl

– Weingut Dr. Wagner, Saarburg
Gast: Domaine Desom, Remich/Luxemburg

– Weingut Dr. Fischer, Ockfen
Gäste: Weingut St. Urbans-Hof, Leiwen
Weingut J. Hofstätter, Tramin/Südtirol, Italien

– Bischöflichen Weingüter Trier und Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
Gäste: Weinhof Herrenberg, Schoden
Weingut Ziereisen, Markgräflerland

Veranstaltung Saar Riesling Sommer

– Weingut von Hövel, Oberemmel
Gäste: Weingut Reichsgraf von Kesselstatt; Morscheid/Mosel/Saar/Ruwer;
Weingut Jurtschitsch KG, Langenlois/Kamptal/Österreich;
Weingut Carl Gunderloch, Nackenheim/Rheinhessen
Domaine Alice Hartmann S.A., Wormeldange / G.D. Luxembourg
Weingut Salwey, Oberrotweil am Kaiserstuhl/Baden
Contino Rioja, Rioja/Spanien

– Weingut Johann Peter Mertes, Kanzem
Gäste: Domaines Vinsmoselle Luxembourg;
Karthäuserhof, Trier-Eitelsbach/Ruwer

– Weingut Piedmont, Filzen

– Weingut Reverchon, Filzen

– Weingut von Othegraven, Kanzem

Veranstaltung Saar Riesling SommerAuch der Shuttlebus von Kylltal Reisen sei empfohlen. So kommt man problemarm zu den einzelnen Weingütern und wieder weg. Die Orte Kanzem und Saarburg sind zudem leicht mit der Regionalbahn erreichbar. Der Eintritt pro Weingut kostet 15 Euro, ein Kombiticket für einen Tag 30 Euro, für beide Tage 50 Euro. Der Shuttlebus kostet 15 Euro.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten

Mittwoch, 14. September 2011

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Der Ürziger Würzgarten hat einen melodischen Klang. Zudem besitzt diese Einzellage an der Mosel einen guten Ruf. Vor einigen Wochen fand in Düsseldorf mit den Weinfreaks eine Lagenverkostung von Rieslingen aus dem Ürziger Würzgarten statt. Ganze 26 Weine unterschiedlicher Restzuckergrade und Jahrgänge (1994 bis 2010) von 8 Weingütern aus dieser vorzüglichen Lage an der Mosel standen auf der Liste. Eine Lagenverkostung ist immer eine sehr schöne Angelegenheit, da man erfahren kann, wie sich die Bodenbeschaffenheit und die (micro-)klimatischen Bedingungen auf den Wein auswirken. Zudem kann man herausfinden, wie verschiedene Weingüter die Lage für sich interpretieren und unterschiedliche Jahrgänge in einem kleinen Bereich ausfallen. Als Botschafter aus Ürzig war mit detailliertem Hintergrundwissen Stefan Erbes vom Weingut Karl Erbes von der Mosel an den Rhein gereist.

In Deutschland gibt es seit der Reform des Weingesetzes in den 1970er Jahren mehr als 2.500 Einzellagen. Dabei wurden viele Lagen zusammengelegt und eine Vielzahl von Lagennamen beseitigt. Jedoch sind nur wenige dieser Einzellagen besonders hervorzuheben, denn nur ein Bruchteil von ca. 200 bis 300 Lagen entfalten tatsächlich eine Lagencharakteristik. Und dies auch nur bei einer angemessenen Bewirtschaftung. Darunter kann man den größten Teil der Lagen fassen, die als Erste Lagen des VDP klassifiziert sind. In ca. 300 Ersten Lagen wurden seit dem Bestehen dieses Systems Große/Erste Gewächse erzeugt. Nicht vergessen sollte man aber auch Lagen wie den hervorragenden Bremmer Calmont, der zwar nicht als Erste Lage klassifiziert ist, aber vielen Ersten Lagen in nichts nachsteht und einige übertrifft.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Bei vielen dieser 300 Lagen ist nicht unbedingt eine innere Konsistenz gegeben. Das hängt damit zusammen, dass z.B. der Boden, die Hangneigung oder -ausrichtung wechselt. Eine Weinlage ist kultivierte und häufig über Jahrhunderte bewirtschaftete Natur. Selten ist man dabei so entschieden umgegangen wie am Rüdesheimer Berg (Rheingau), dem Kaiserstuhl (Baden) oder dem Batterieberg (Mosel), der seinen Namen erst durch die Sprengungen des Gesteins erheilt, durch die man eine ideale Hangneigung und Hangausrichtung erreichen wollte. Nicht nur im Untergrund ist Gestein unterschiedlich. Auch Deckschichten von Erde sind unterschiedlich dick und verschieden strukturiert. Die Wasserversorgung kann wechseln. Und während in einem Teil einer Lage sich die Wurzeln der Rebe nicht ganz so sehr bemühen müssen, gibt es woanders Trockenstress. Das Weingesetz von 1971 hat diese Lagen im Zuschnitt bislang mit vielen Ungereimtheiten festgeschrieben. Neuere Erkenntnisse oder Veränderungen wurden seitdem nur in sehr wenigen Ausnahmefällen berücksichtigt.

Bewertung der Lage Ürziger Würzgarten

So ist auch diese Lage in sich nicht gleich bleibend. Die Himmelsausrichtung, der Boden und einige mikroklimatische Verhältnisse wechseln innerhalb des Ürziger Würzgarten Lage. Deswegen gibt es auch hier Zusatzbezeichnungen auf dem Etikett, die hinter dem Lagennamen in Anführungszeigen stehen. Diese erinnern nicht selten an historische Lagennamen, die mit dem Weingesetz von 1971 zugrunde gegangen sind. Eine Zusatzbezeichnung zur Lage ist inzwischen auch bei den Großen Gewächsen des VDP möglich und in manchen Fällen eine Bereicherung. Und gerade an der Mosel zeigen die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein, wie unterschiedlich eine Lage von einem Weingut interpretiert werden kann und wie Abstufungen der Qualität in einer Lage bestehen können. Im Ürziger Würzgarten bestehen zum Beispiel die Bezeichnungen „Kranklay“ (beim Weingut Karl Erbes) und „Urglück“ (bei Dr. Hermann).

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Der Ürziger Würzgarten hat eine ca. 2000 Jahre lange Kultivierung hinter sich. Wie im benachbarten Erdener Treppchen – wo die Römer schon die Stufen in den Schiefer rammten – fand der Weinbau früher in ganz anderen Formen statt. So erhielt der Würzgarten seinen Namen durch die frühe Bewirtschaftung. Denn es war bis ins 17. Jahrhundert üblich, den Wein mit Gewürzen anzureichern. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Noch heute werden im Ürziger Würzgarten Kräuter angebaut.

Die heutigen Rieslinge erhalten ihre Würze jedoch alleinig aus dem Boden, der in dieser Lage aus Rotliegendem aus vulkanischem Ursprung und dem an der Mosel sehr typischen Blauschiefer besteht. An vielen Stellen des Ürziger Würzgarten ist der Schiefer stark verwittert. Diese Erste Lage ist ca. 53 Hektar groß. Sie gilt auch nach dem Weinatlas Deutschland als eine der besten Weinlagen an der Mosel und wird in der höchsten Kategorie als “besonders privilegiert” eingestuft. Die Ausrichtung des Ürziger Würzgarten ist nach Süden bis Ostsüdost. Die Steigung der Weinberge beträgt 45 bis 65%. Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten können ein hohes Reifepotenzial haben und sind sehr häufig noch wurzelecht. Andere Rebsorten werden hier wahrscheinlich nicht angebaut.

Lagenverkostung Ürziger WürzgartenIn der Lagenverkostung waren 26 Rieslinge aus 8 Weingütern. 25 davon kamen aus dem Ürziger Würzgarten. Ein so genannter Pirat, der nicht nur den Spaß erhöhte, sondern auch die Sinne schärfte, kam aus dem benachbarten Erdener Treppchen. Der Pirat war schwer zu erkennen, da einige der Rieslinge aus dem Würzgarten größere Abweichungen im Geschmacksbild lieferten, die nicht nur aus der Lage resultieren (Aufgrund Alter des Weins, Alter der Reben, unterschiedlicher Arbeit im Keller …). Da muss man sicherlich immer etwas reflektieren, wie man zu dem Bild kommt, wie man meint, dass eine jeweilige Lage schmecken soll.

Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten dieser Weingüter in der Verkostung

Alfred Merkelbach
Dr. Hermann
Dr. Loosen
Jos. Christoffel jr. (Christoffel-Prüm)
Karl Erbes
Markus Molitor
Moselschild
Rebenhof

Wurzelecht

Weltweit gibt es nur noch wenige Reben, die wurzelecht stehen. Dies sind insbesondere Alte Reben. Jedoch sind die beiden Begriffe nicht identisch. Vielmehr sagt die Bezeichnung Alte Reben weder etwas über das konkrete Alter der Reben aus, noch wie viel Prozent in dem Weinberg schon ausgewechselt wurden. Denn es ist normal, dass nach längerer Zeit einzelne Weinstöcke aus verschiedenen Gründen ausfallen. Die größte Auswechselung ganzer Weinberge fand mit der Reblausplage vor mehr als einhundert Jahren statt. Die Mosel ist weltweit eine der wenigen Regionen, die recht glimpflich damals davon gekommen ist. Deswegen gab es dort lange auch noch Weingüter, die ihren Riesling wurzelecht gepflanzt haben. Zur Praxis der Aufpfropfung auf amerikanische reblausresistente Wurzeln gab es hier lange keinen Grund. Seit einiger Zeit ist es jedoch auch an der Mosel verboten den Riesling wurzelecht zu pflanzen.

Details darüber, wie ernst die Gefahr der Reblaus auch an der Mosel derzeit ist, sind nicht sicher und widerspruchsfrei zu erfahren. Auch die Frage der geschmacklichen Unterschiede ist durchaus umstritten. Es ist bestimmt nachvollziehbar, dass eine robustere Wurzel den Boden (Schiefer) anders durchdringt, als die originale Wurzel des Mosel-Rieslings. Zudem wird von den Weingütern mit wurzelechten Reben beobachtet, dass diese zwar geringer im Ertrag sind, jedoch zugleich langlebiger sind. Dabei wäre es auch nachvollziehbar, dass dies auch zu geschmacklichen Unterschieden im Wein führt. Den Nachweis kann man letztendlich sich nur schwer erbringen. Ein Winzer müsse genau an der selben Stelle zur gleichen Zeit diese Reben nebeneinander haben, genauso bearbeiten und auch im Keller identisch vorgehen. Es zeigt sich jedoch, dass schon bei Reben die identisch sind, bei einem Ausbau der synchron im selben Keller passiert, unterschiedlich schmeckende Weine entstehen. Und wie nun “wurzelecht” schmeckt, kann eigentlich niemand formulieren. Zu komplex ist die Thematik.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Interessant war die Vielfältigkeit der Jahrgänge in der Lagenverkostung des Ürziger Würzgarten. Der ältesten beiden Rieslinge waren aus dem Jahr 1994. Dabei handelte es sich zum einen um eine halbtrockene Spätlese des Weinguts Moselschild. Dieser landete im unteren Mittelfeld und ist ab Weingut derzeit noch für 5,50 Euro pro Flasche verfügbar. Zudem gab aus dem selben Jahrgang es von Jos. Christoffel jr. eine Auslese **. Hier waren die Firntöne bis in eine harmonische Länge immer noch sehr schön in das Gesamtbild eingebunden. Es ist schon beeindruckend wie gut das Alterungspotenzial von Riesling aus dem Ürziger Würzgarten schon im erschwinglichen Preissegment ist.

Doch schauen wir auf den aktuellen Jahrgang 2010. Hier war bei den immerhin vier Rieslingen aus dem Ürziger Würzgarten in der Verkostung ganz interessant, dass diese durchaus dem Lagencharakter entsprachen. Es war in diesem Jahr aufgrund der kurzen Vegetationsperiode nur unter einiger Anstrengung möglich an der Mosel typische Rieslinge zu erzeugen, die dem Lagenprofil sehr deutlich entsprachen. Häufig waren hohe Säurewerte vorhanden. Jedoch auch hier konnte man bei den verkosteten Rieslingen dieses fast schon jahrgangstypische “Pfefferl” herausschmecken. Man sollte sicherlich auch noch erwähnen, dass es sich bei den 2010ern aus dem Würzgarten in dieser Verkostung ausschließlich um Prädikate von Spätlese aufwärts handelte. So kann man eigentlich auch für diese Lage konstatieren, dass in diesem Segment – wie in vielen anderen Lagen in Deutschland – der Jahrgang eher unproblematisch bis hervorragend war.

Dr. Loosen

In der Blindverkostung gab es auch ein Großes Gewächs nach den Regeln des VDP aus dem Ürziger Würzgarten. Dies stammte von dem auch international renommierten Weingut Dr. Loosen. Jedoch schnitt dieses Große Gewächs aus dem Jahr 2009 vor allem in Relation zum Verkaufspreis von ca. 25 Euro recht schlecht ab. Durchgehend war die Punktbewertung deutlich unter dem, was für einen Riesling in dieser Kategorie und Preisgruppe angemessen ist. Dies ist sicherlich erklärungsbedürftig. Drei Grundmuster kann man hier heranziehen. Es ist nicht selten, dass sich Rieslinge nach einer Zeit verschließen. Generell brauchen einige große Weine manchmal etwas Zeit. Bei lagerfähigen Rieslingen kann man häufig ein Formtief nach 2 bis 3 Jahren feststellen.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Ein zweites Thema ist die Lagentypizität. Bei der Verkostung der Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten war dies ein wesentliches Kriterium zur Bewertung dieser Weine. Große Gewächse sind aber zum Teil auf eine ganz andere Käuferschicht ausgerichtet. Hier geht es eher darum sehr moderne Weine zu machen. Dies steht etwas im Konflikt mit eher traditioneller arbeitenden Weingütern. Hier prägt eine überlieferte Kultur auch das, was man Terroir nennt. Interessant ist dies in Ersten Lagen, in denen mehrere Weingüter aktiv sind und ganz unterschiedliche Große Gewächse erzeugen z.B. ein Weingut recht deutlich Holz im Keller einsetzt und ein anderes nur Edelstahltanks. Doch bedeutet nicht ein weit gefaßter Begriff von Terroir auch die Tradition im Keller?

Der dritte Themenkomplex kreist um die Restzuckerwerte der Rieslinge. Glücklicher Weise ist gerade bei jüngeren Weinkonsumenten das Trockendiktat immer stärker auf dem Rückzug. Gerade in der Region Mosel ist zu beobachten, wie in den einzelnen Rieslingen die Lagentypizität erst mit einem höheren Restzucker aufblüht. Und gerade in dieser Lagenverkostung aus dem Ürziger Würzgarten war auffällig, wie stark die Bewertung mit der Höhe des Restzuckerbereichs korrespondierte (von mir erst im Nachhinein festgestellt ist es nicht ganz unzufällig, dass nach dieser Blindverkostung dies auch an meiner Punktvergabe abzulesen ist; ich habe schließlich keinerlei grundsätzliche Präferenz bezüglich des Restzuckers). Gerade diesen Themenkomplex versucht man an der Mosel im System der Großen Gewächse derzeit abzuschwächen, indem hervorragende Rieslinge mit höherer Restsüße durch die 1-Traube von den VDP-Weingütern gekennzeichnet werden können.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Folgende Rieslinge und Weingüter möchte ich lobend erwähnen. Die Preise dieser Weine sind zum Teil so gestaltet, dass man sich als Kunde beschenkt fühlen muss.

Weingut Alfred Merkelbach
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese * Fuder 18 (88 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese Fuder 10 (91 Punkte)
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese Fuder 14 (93 Punkte)

Weingut Karl Erbes
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese „Kranklay“ (89 Punkte)
1996 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese * (91 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese * (93 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese *** Goldkapsel (94 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Trockenbeerenauslese (95 Punkte)

Jos. Chistoffel jr. (Christoffel-Prüm)
1994 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese ** (92 Punkte)
2001 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese *** (92 Punkte)

Dr. Hermann
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese (91 Punkte)

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Zu danken ist der gesamten geselligen Runde, Hartwig Fricke von der Weinhandlung LaFinesse zudem recht allgemein für seine Gastfreundschaft und insbesondere seine Kochkünste (es gab ein vorzügliches „Coq au Riesling“ von Perlhuhnsupreme im Duftreisbett mit frischen Morcheln und Champignons), sowie natürlich nicht zuletzt Werner Elflein, der kenntnisreich durch den Abend führte und hier zum Weiterlesen seine Einschätzungen mitteilt.

Große Gewächse 2010

Montag, 5. September 2011

Große Gewächse 2010Bei so manchen frühen (zu frühen) Einschätzungen des Jahrgangs 2010 konnte einem Angst und Bange werden vor dem, was in diesem Jahr an Großen Gewächsen präsentiert werden kann. Dann kamen von vielen Weingütern sehr anständige Basisweine aus diesem Jahr. Einige Zeit später konnte man beim Riesling ungeahnt brillante Qualitätsspitzen im edelsüßen Bereich des Jahrgangs 2010 verkosten. Dies gab dann wieder Hoffnung auch für die Großen Gewächse.

Doch was sich schon mit der Vorkostung vieler Weine aufgezeigt hat, 2010 ist nicht schlecht und es gibt eine Reihe hervorragender Rieslinge aus diesem Jahr. Wir haben ca. 150 Große Gewächse verkostet und möchten im Folgenden einen Überblick über verschiedene Regionen geben. Der Schwerpunkt lag bei der Rebsorte Riesling. Wir möchten diese Einschätzungen bitte mit Sorgfalt betrachtet sehen. Die Weine sind jetzt noch sehr jung. Und gerade vor dem Hintergrund der Herausforderung, die dieser Jahrgang an einige Winzer gestellt hat, sollte man aus unserer Sicht bei den Großen Gewächsen erst in einigen Jahren abschleißend urteilen.

Bei der Verkostung der Großen Gewächse der Rebsorte Riesling wurden annähernd vollständig alle Regionen verkostet. Zudem wurde die Gesamtheit der vorgestellten Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau (mit der VDP-offenen Klassifizierung) probiert. Aus Franken wurden neben den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling auch noch die dort typischeren Silvaner verkostet.

Mosel
Beginnen möchte ich in der Region Mosel. Von hier stammen eine Reihe hervorragender Großer Gewächse. Nur eben scheint es so zu sein, dass die kürzere Vegetationsperiode in 2010 die tatsächliche Stärke der Region Mosel, nämlich durch Mikroklimate ganz eigene und stark unterscheidbare Rieslinge hervorzubringen, nur wenig ausgeprägt ist. Die sonnst prägenden Schiefertöne waren nur selten wahrzunehmen. Die Idee der kleinen Einzellage ist in keiner anderen deutschen Weinregion sonnst so stark nachvollziehbar wie in der Region Mosel. Leider zeigen dies nur sehr wenige der Großen Gewächse aus dem Jahr 2010.

Sehr erfreulich ist das Piesporter Goldtröpfchen vom Weingut Reinhold Haart. Es zeigt sich komplex hellfruchtig und duftig in der Nase. Passionsfrucht ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ergänzt sich dies zu Multivitamin. Es ist eine große Klasse wie eine etwas eigenwillige Intensität und Feinheit hier aufeinander treffen (93 Punkte). Vom Weingut von Othegraven gefiel mir besonders der Okfener Bockstein. Der Riesling bringt helle exotische Frucht und Mineralität in der Nase. Am Gaumen ist er saftig und zugleich elegant. Dieses Große Gewächs aus dem Bockstein hat eine feine Frucht in der sehr guten Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Von der Mosel hat mir auch der Bernkastler Doctor vom Weingut Wegeler gefallen. Hier hat man Weinbergpfirsich in der Nase. Am Gaumen ist dieses Große Gewächs saftig mit schwungvoller Säure. Eine sehr gute Länge verleiht diesem Riesling seine große Stimmigkeit (92 Punkte). Gleich auf ist der recht eigenwillige Pündricher Marienburg „Rothenpfad“ von Clemens Busch. Hier bitte aus die Zusatzbezeichnung achten, da er sich doch recht stark vom anderen Großen Gewächs ohne „Rothenpfad“ unterscheidet. Kräuterhonig in der Nase, konzentrierte Frucht am Gaumen, lange Wucht (92 Punkte). Erwähnen möchte ich noch das Weingut S.A.Prüm. Hier war eine sehr deutliche Verbesserung der Großen Gewächse im Vergleich zum Jahrgang 2009 festzustellen.

Aus der Region Mosel wurden auch Rieslinge aus Ersten Lagen präsentiert, die aufgrund der höheren Restsüße nicht als Große Gewächse zugelassen werden. Gerade ich diesem Bereich liegt eine der Stärken der Mosel. Dies ist mit dem Jahrgang 2010 nicht anders. Bei diesen Rieslingen aus Ersten Lagen brillierten geradezu die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein. Von Clemens Busch begeisterte der Pündericher Marienburg „Falkenlay“. In der Nase ist ein reifer saftiger Pfirsich. Angenehme Frucht am Gaumen, saftige Länge mit Konzentration (93 Punkte). Aus den Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“ von Heymann-Löwenstein zeigen sich mit einer Kräuternase. Würzig am Gaumen, mit etwas Frucht daneben, findet in der Länge zu einer Kräuterlimonade zusammen (94 Punkte).

Rheingau
Das Rheingau ist wesentlich besser als sein derzeitiger Ruf. Auch wenn man hier leider stellenweise etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Eine sichere Bank ist auch dieses Jahr wieder das Erste Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg vom Weingut Weil. In der Nase ist eine helle Frucht mit sehr dezenten Kräuternoten. Der Gaumen ist geschmeidig mit ausgewogener Frucht (93 Punkte). Vom Weingut Künstler überzeugte vor allem die Hochheimer Hölle. Hier hat man eine sehr kräftige Frucht, die damit spielt kurz vor der Überladung zu stehen. Der Mundeindruck ist ausgewogen bis in die Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Das Kloster Eberbach sowie Langwerth von Simmern präsentieren insgesamt umfangreiche, qualitativ recht geschlossen und lobenswerte Kollektionen an Ersten Gewächsen. Bei von Simmern begeisterte besonders der Erbacher Marcobrunn mit seiner reifen Pfirsichfrucht und etwas Mango im Nachhall (92 Punkte). Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach gefiel mir besonders der Rüdesheimer Berg Schlossberg. Nach einer Mirabellennase, hat man Spannung am Gaumen. Der Nachhall zeugt von der Reife der Trauben (92 Punkte). Beim Schloss Johannisberg wird das Erste Gewächs auch als Silberlack bezeichnet. Es liegt aus meiner Sicht bei 91 Punkten.

Große Gewächse 2010

Seltsam bei den Ersten Gewächsen ist wieder einmal der Bereich der Spätburgunder. Hier können die Voraussetzungen und Herausforderungen des Jahrgangs 2010 nicht als Grund für die Situation gelten. Für Außenstehende ist es nicht verständlich, wieso kein akzeptabeler Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg mit dem Jahrgang 2009 als Erstes Gewächs präsentiert werden kann (lediglich vom Weingut G.H. Mumm gab es einen zur Verkostung beim Rheingauer Weinbauverband). Dabei haben wir in der Vergangenheit schon einige hervorragende Spätburgunder dieser Einzellage von verschiedenen Erzeugern probiert. Hier nur drei Beispiele, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben: Mohr, Chat Sauvage, Allendorf. Das Erste Gewächs sollte als Spitzenkategorie der trockenen Weine aus unserer Sicht alle wichtigen Lagen mit entsprechenden Qualitäten abdecken.

Große Gewächse 2010

Aber es gibt auch zwei Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau, die als positive Ausnahme gelten können. Da ist der 2009er Hochheimer Stein vom Weingut Künstler. Kirschfruchtige Nase, harmonisch am Gaumen und ausgewogen im Nachhall. Das sind uns 91 Punkte wert. Ein klein wenig besser finden wir den Eltviller Sonnenberg vom relativ weniger bekannteren Weingut Koegler. Dieses Erste Gewächs hat eine schöne Frucht in der Nase, eine feine Würze in der 2. Nase und mit rundem Gaumen eine gute Länge (92 Punkte).

Aus dem nördlichen Bereich, in dem der Spätburgunder eigentlich nicht nur typischer ist, sondern im Mittelrheinbruch auch seine historisch Hochburg hat, rettet das Weingut Paul Laquai den guten Ruf. Für das Erste Gewächs aus dem Bodental-Steinberg 2009 haben wir eine dezente Frucht, gut eingebundene Säure und angenehme Länge notiert und 89 Punkte vergeben. Ein Vergleich mit der Präsentation der Großen Gewächse 2009 der Rebsorte Spätburgunder aus Baden wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Dazu reichte die Zeit leider nicht. Die Weingüter des Rheingau im VDP scheinen sich jedoch derzeit etwas mehr auf den Riesling als auf den Spätburgunder zu konzentrieren.

Franken
Die Region Franken hatte es mit dem Jahrgang 2010 recht schwer. Das hatte sich bei vielen Rieslingen und Silvanern im Bereich QbA und Kabinett schon angekündigt. In der Qualitätsspitze muss dies nicht immer Auswirkungen haben. Folgende Große Gewächse 2010 aus Franken haben mir gefallen. Man müsste das noch mal detailliert überprüfen, aber es scheint mir, als wenn sich die Rieslinge insgesamt und auch bei den Qualitätsspitzen etwas besser präsentierten.

Große Gewächse 2010

Das Große Gewächs aus der Rebsorte Riesling aus dem Würzburger Stein vom Staatlichen Hofkeller gibt dieses Jahr den Ton an. Dezent Toffee mit schlanker Frucht sind hier in der Nase. Der Gaumen ist hellfruchtig und blüht dann zum reifen Pfirsich auf. Steht (92 Punkte). Die Randersackerer Pfülben von Schmitt’s Kinder zeigen sich mit kräftigen Pfirsich in der Nase. Am Gaumen ist schmelzige Frucht. Druckvoll und lang (92 Punkte). In der selben Lige spielt der Kronsberg von Hans Wirsching: Helle Frucht in der Nase, saftiger Pfirsich am Gaumen, schlanke Säure und angenehme Länge (92 Punkte). Ebenfalls ganz gut empfand ich den Ratsherr vom Weingut Zur Schwane, den Würzburger Stein „Hagemann“ vom Bürgerspital und den Riesling Lump von Michael Fröhlich, wobei dieser in seiner Pfefferwürze etwas eigenständig war (jeweils 91 Punkte)

Mit der Rebsorte Silvaner hatte man es 2010 generell etwas schwerer. Mir gefielen jedoch zwei Große Gewächse. Der Würzburger Stein Bürgerspital wartet mit Weißem Pfirsich und Aprikose in der Nase auf. Der Süß-fruchtige Gaumen wirkt in der Länge angenehm fein (91 Punkte). Das Weingut Michael Fröhlich hat einen sehr guten Silvaner im Escherndorfer Lump erzeugt. Hier ist Multivitaminsaft in der Nase. Insgesamt ist dieses Große Gewächs stimmig (91 Punkte). Es ist für die Region Franken sicherlich problematisch, wenn die Silvaner im Schnitt hinter den Rieslingen liegen.

Rheinhessen
Sehr weit oben war in diesem Jahr wieder einmal Rheinhessen mit seinen klaren Rieslingen. Hier gab es kaum Ausfälle. Das Weingut Brüder Dr. Becker erzeugen 2010 das Große Gewächse Dienheimer Falkenberg. Dies zeigt helles Kernobst in der ersten und Aprikose in der zweiten Nase. Eine komplexe Frucht spielt am Gaumen, dann tänzelnde Länge mit hellem Pfirsich und sehr reifen Fruchtnoten (93 Punkte). Von Battenfeld-Spanier kommt das zweite hervorragende Große Gewächs in diesem Jahr. Das Hohen-Sülzener Kirchenstück riecht nach hellem Pfirsich. Dezente Kräuter sind in der zweiten Nase. Etwas wärmer im Glas riecht er wesentlich fruchtiger, gut ausbalancierter Gaumen, und angenehme Länge (93 Punkte).

Große Gewächse 2010

Dann folgt ein weites Feld sehr guter Großer Gewächse. Bei jeweils 92 Punkten sehe ich das Westhofener Kirchspiel von Wittman, den Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, die Westhofener Aulerde von Groebe und den recht eigenwillig ausdrucksstarken Niersteiner Oelberg von Kühling-Gillot. Danach folgen noch recht viele richtig doller Rieslinge mit 90 oder 91 Punkten. Das Niveau und vor allem die sehr wenigen Ausfälle bei den Großen Gewächsen 2010 aus Rheinhessen überzeugen.

Pfalz
Aus der Pfalz kommen in diesem Jahr sehr viele Große Gewächse die richtig gut sind. Hier haben viele angesehene und klangvolle Weingüter die Nase weit vorne. Vor allem zwei der Großen Bs geben in diesem Jahr deutlich vor, wo die Qualitätsspitze in der Pfalz zu sehen ist. Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan überzeugen jeweils mit einem Großen Gewächs aus Lagen bei Forst.

Große Gewächse 2010

Das Forster Kirchenstück vom Weingut von Buhl zeigt sich mit einer duftenden und verlockenden hellen Fruchtnase. Der Gaumen ist von einer sehr schönen vielschichtigen Frucht umspült. Es folgt ein tiefer und inspirierender Nachhall. Dies ist mir 94 Punkte wert. Gerade die innere Stimmigkeit bei enormer Vielschichtigkeit zeigen die Rieslinge von von Buhl häufig auch schon bei den Gutsweinen.

Das Weingut Bassermann-Jordan punktet aus meiner Sicht in diesem Jahr besonders in der Lage Forster Pechstein. In der Nase zeigen sich exotische Früchte, frisch am Gaumen, bleibt leicht und lange stehen. Aus meiner Sicht wird dieser Riesling durch die Feinheit der Nuancen zum Großen Gewächs (93 Punkte). Den Forster Pechstein vom Weingut Acham-Magin sollte ich hier auf jeden Fall auch noch positiv erwähnen (92 Punkte). Die Großen Gewächse aus dem Forster Kirchenstück und dem Deidesheimer Kalkofen sind aus meiner Sicht in diesem Jahr vom Weingut Bassermann-Jordan auch sehr groß.

Große Gewächse 2010

Das Weingut A. Christmann überzeugt davon, dass man jede Lage für sich selbst genommen interpretieren kann. So entstehen 2010 vier Große Gewächse mit dem Riesling, bei denen der Rupersberger Reiterpfad mit seiner floralen Duftigkeit in der Nase, der Stoffigkeit am Gaumen und der vollen Länge überzeugt (93 Punkte). Im Gimmeldinger Mandelgarten kommen in der Nase auch Kräutertöne zum tragen. Fruchtige Intensität gibt ihm einen Zug eines Deserts (92 Punkte). Das Aushängeschild des Weinguts A. Christmann und zugleich der einer der eigenständigsten Rieslinge aus der Pfalz in wieder einmal der Königsbacher Idig. Es ist ertaunlich, wie beständig dieser Wein über die Jahre hinweg wieder erkennbar ist. Sicherlich polarisiert der Idig auch dieses Jahr etwas mit der rauchig-erdigen Nase mit etwas Kräutern, einer kräftigeren Säure, zugleich aber angenehm fruchtig langem Nachhall (91 Punkte).

Das Weingut von Winning hat sich sicherlich zu recht mit seiner kurzzeitigen positiven Entwicklung nach der Ära Dr. Deinhard einen guten Namen gemacht. Mir gefiel der Rupertsberger Spieß (92 Punkte) und das Forster Kirchenstück (91 Punkte). Bei den anderen Rieslingen steht aus meiner Sicht das Holz zu deutlich da. Auch wenn man es bewusst und massvoll einsetzen möchte, kommen besonders im Forster Pechstein und in den Deidesheimer Lagen Kieselberg und Kalkofen die Vanilletöne (im Kalkofen auch Karamell; ich meine in einem sogar Cocos wahrgenommen zu haben) etwas zu sehr zum tragen.

Bürklin-Wolf hatte mich in der Vergangenheit stilsicher und konstant immer etwas enttäuscht. Im Forster Kirchenstück und im Jesuitengarten sind noch Anklänge dieses alten Stils zu erkennen. Die beiden Großen Gewächse aus den Deidesheimer Lagen und der Rupertsberger Gaisböhl künden aus meiner Sicht eine positive Entwicklung an. Vor allem beim Gaisböhl überzeugt die ausgewogene helle Frucht und die innere Stimmigkeit des Rieslings (91 Punkte).

Nahe
Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Stinkerduell an der Nahe. Doch es geht auch anders. Denn das beste Große Gewächs kommt aus meiner Sicht nicht von Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber. Das Weingut Dr. Crusius ist aus meiner Sicht wesentlich mehr an der Charakteristik der den einzelnen Lagen dran, als seinen Stempel aufzudrücken. So ist zwar auch etwas mehr Qualitätsgefälle in den drei präsentierten Großen Gewächse vorhanden. Die Traisener Bastei ist hellfruchtig kräuterwürzig in der Nase. Saftig frisch mit spritziger Säure ist sie am Gaumen und uns 94 Punkte wert.

Große Gewächse 2010

Dem entgegen waren die Großen Gewächse von Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich geschmacklich zuordbar. Bei der Niederhausener Hermannshöhle fällt vor allem der der selbe Dönnhoff-Ton wie zuvor in der Nase auf. Hier fällt er etwas kräutriger aus. Runde und intensive Frucht am ist Gaumen. Stoffig und ausgewogen ist dieses Große Gewächs in einer kräftigen Länge (93 Punkte).

Der Schloßböckelheimer Felsenberg von Schäfer-Fröhlich zeigt sich mit Sauerkraut in der Nase. Auch hier ist der Geruch über alle Große Gewächse hin im Kern wieder erkennbar in kräftigen Kräuternoten. Der Riesling ist extrem köperreich am Gaumen. Bis in den angenehm langen Nachhall ist eine Fruchtkonzentration auffällig, wie sie bei Obstbränden sichtbar ist (93 Punkte). Schäfer-Fröhlich drückt zwar mit der weingutseigenen Nase den Lagen einen akzentuierten Stempel auf. Diese Großen Gewächse sind dadurch sicherlich nicht immer leicht zugänglich. Zugleich sind bei mir alle präsentierten Rieslinge locker über die 90 Punkte-Hürde gesprungen.

Zu danken bleibt noch dem VDP für die perfekte Organisation und Durchführung der Verkostung. Auch die vielen häufig ungenannten helfenden Kräfte haben einen hervorragenden Einsatz geleistet.

Die hier aufgeführten Großen Gewächse sind nur ein Auszug aus unserer Verkostungsliste. Diese umfasste ca. 150 Weine. Bei Interesse können unsere Einschätzungen auch zu anderen Großen Gewächsen angefordert werden.