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Van Nahmen alkoholfreier Sekt? Trauben-Secco

Montag, 25. Mai 2015

Van Nahmen alkoholfreier Sekt Trauben-Secco Die Obstkelterei Van Nahmen hat wieder ein innovatives Produkt am Markt platziert. Dabei handelt es sich um einen Frucht-Secco, also einen perlenden Fruchtsaft. Diesen gibt es in den drei Ausführungen Apfel-Rote Johannisbeere-Himbeere, Apfel-Quitte und Traube. Das ist die Alternative für alle, die ohne Alkohol einen erfrischenden und perlenden Aperitif genießen möchten. Eine Alternative also zum Sekt. Wir haben uns den Frucht-Secco bestehend aus Trauben aus diesem neuen Trio ausgesucht.

Van Nahmen alkoholfreier Sekt Trauben-Secco So haben wir dieses neue Produkt von der niederrheinischen Obstkelterei Van Nahmen nun im Glas. Die Perlage dieses Secco ist erstaunlich fein und langanhaltend. Die Nase wirkt sehr fruchtig mit Beerenaromatik und Süß. Der Gaumen ist recht frisch geprägt. Der Restzucker von ganzen 180g/Liter wirkt gar nicht so süß. Ich denke, dass höhere Säurewerte hier entgegenwirken. Aber was soll man den auch machen. Ohne Gärung hat Traubensaft nun mal sehr viel Zucker. Ich finde es gar nicht wirklich störend. Für Brut-Sekt-Trinker wird dieser Secco sicherlich eine Herausforderung sein. Für alle anderen ist er sehr gut. Am Besten man kühlt ihn richtig schön herunter. Oder man gibt noch einen Eiswürfel ins Glas.

Van Nahmen alkoholfreier Sekt Trauben-Secco Dieses neue Produkt von Van Nahmen ist wesentlich schmackhafter als alles was ich bisher im Segment „alkoholfreier Wein“ bzw. „alkoholfreier Sekt“ probiert habe. Es leuchtet auch nicht wirklich ein, wieso man erst zu Wein bzw. Sekt vergären soll und dann den dabei entstandenen Alkohol wieder entfernt. Das ist es schon besser einfach den Traubensaft zu verperlen, also ihn mit Kohlensäure versetzt. Entstanden ist ein empfehlenswertes Produkt, welches in der gehobenen Gastronomie und im Feinkosthandel gut positioniert ist. Und Bio ist der Frucht-Secco auch noch. Spannend fände ich noch die Frage, welche Rebsorten hier verwendet wurden.

International Sauvignon Blanc Day: Ara Select Blocks vs. Clos Marguerite from Marlborough

Freitag, 24. April 2015

International Sauvignon Blanc Day: Ara Select Blocks Clos Marguerite Dieser Tag begann mit einer Ankündigung des heutigen Internationalen Sauvignon Blanc Days hier im Blog und er endet mit einer Verkostung (die zugleich stattfindende Weinrallye muss ich leider auf morgen verschieben). Die Logistik hakte bei beiden Themen leider etwas, aber nun ist ja alles wunderbar. Zur Verkostung stehen jetzt zwei Sauvignon Blanc aus Marlborough in Neuseeland an. Das ist ja inzwischen zu dem bedeutendsten Gebiet in der Neuen Welt für diese Rebsorte geworden; so jedenfalls meine Wahrnehmung. Da ist zum einen der Ara Select Blocks und zum anderen der Clos Marguerite. Das Ganze wird als ein kleines Battle der beiden Weine angelegt die ich gleichzeitig verkoste.

Beide Sauvignon Blanc sind in einem strahlenden Strohgelb im Glas. Der Ara Select Blocks hat ganz leicht ins grünliche gehende Reflexe. Der Clos Marguerite ist hingegen einen klein bisschen gelber. Der Select Blocks riecht sehr typisch. So kennt man diese Rebsorte aus Marlborough: Duftig fast schon überbordend aber einladend mit Stachelbeere, Weißer Johannisbeere und Kiwiaromatik. Ganz anders ist der Clos Marguerite. Das ist ein wirklich seltsamer Geruch. Es erinnert etwas an einen kräutigen Spontiton. Manche würden das bei einer Blindverkostung sogar als Fehler deuten. Das ist es aber ganz klar nicht. Da ist Salbei aber auch Karamellbonbon mit einer Prise Zimt. Dieser Sauvignon Blanc ist aus meiner Sicht der interessantere Wein in der Nase, wenn auch da Votum der meisten Weingenießer eher anders ausfallen würde.

International Sauvignon Blanc Day Ara Select Blocks Auch am Gaumen ist der Ara Select Blocks recht erwartbar. Jedoch erzeugt er zugleich auch eine schöne innere Spannung. In der sehr angenehmen Länge steht er gut da. Frisch mit ausgewogenem Spiel von Frucht und Säure. Dieser Sauvignon Blanc aus 2013 vibriert angenehm. Die etwas erwartungsgemäße Nase macht er am Gaumen durch seine Verspieltheit wieder wett. Fazit: Sehr schöner Weißwein aus Marlborough mit einem enormen Trinkfluss. Das ist ja eines der schönen Dinge am Sauvignon Blanc aus Neuseeland. Er macht nicht so schnell satt.

International Sauvignon Blanc Day Clos Marguerite Der Clos Marguerite ist eher etwas anstrengend am Gaumen. Die kräutrige Note ist auch hier vorhanden. Ich vermute mal, dass hier Holz im Spiel war. Das ist aber nicht wirklich aufdringlich. In der Länge kommt sehr schön eine frisch vom Strauch kommende Schwarze Johannisbeere zum Tragen. Viele kennen den Geschmack ja gar nicht mehr und meinen – genauso wie bei der Pflaume – in Verkostungsnotizen die Marmelade oder das Mus. Bei mir sind das eher Kindheitserinnerungen an einen Strauch, von dem man auch mal nicht ganz so vollreife Johannisbeeren gepflückt hat. Denn die Säure unterstützt den Geschmackeindruck sehr. Die Länge ist auch hier sehr gut.

International Sauvignon Blanc Day from Marlborough nzwine sauvblanc Das Battle geht unentschieden aus. Wenn man sehr viel Komplexität haben will, nach neuen Geschmackseindrücken sucht und für diese auch aufgeschlossen ist, sollte man den Clos Marguerite auf jeden Fall einmal probieren. Wenn man etwas deutlich besseres als die deutschen Supermarktqualitäten beim Sauvignon Blanc aus Neuseeland probieren möchte, aber nicht wirklich Experimentierfreudig ist, sollte man sich einmal den Ara Selected Blocks gönnen. Beide werden so ungefähr im Preisrahmen 15 bis 25 Euro liegen (je nachdem über welche Bezugswege und welche Mengen man kauft). Keine Ahnung ob diese Weine im deutschen Facheinzelhandel irgendwo stehen.

International Sauvignon Blanc Day Ara Select Blocks from Marlborough Sorry für die Schnelle dieses Artikels, der nun ohne jegliche Hintergrundrecherche über die Weingüter, die Böden, das Klima und die Erzeugung den jeweiligen Wein auskommt. Erwähnt soll noch sein, dass der Ara Select Blocks aus dem Jahr 2013 kommt und der Clos Marguerite aus 2012. Ganz lustig finde ich, dass die Winegrowers of Ara die Schönung mit Magermilch auf das Etikett schreiben. Das habe ich so noch nie gesehen. Im Klartext für alle Veganer: Dieser Wein ist leider nix für euch. Die Verkostung hat mir viel Spaß gemacht. Der International Sauvignon Day hat sicherlich around the world 47 Stunden (richtig gerechnet?). Mein Tag allerdings nur 24. Ich gönne mir noch ein Glas von dem Ara Select Blocks und dann ist aber mal schleunigst Matratzenhorchdienst angesagt. Nächstes Jahr bin ich beim International Sauvignon Day gerne wieder dabei. Dann aber deutlich organisierter.

Cotes-du-Rhone von M. Chapoutier bei Netto

Montag, 6. April 2015

Cotes-du-Rhone von M. Chapoutier bei Netto Es ist schon sehr erstaunlich in welcher Bandbreite die großen traditionellen Weinhäuser an der Rhone arbeiten. Neben Weinen der herausragenden Extraklasse findet man bei Erzeugern wie Ogier oder auch M. Chapoutier nicht selten extrem günstige Flaschen im Handel. Ich erinnere mich immer wieder gerne an geniale Weine dieses Erzeugers, wie den 1999er Cornas, den ich vor ungefähr vier Jahren im Glas hatte. Doch nun geht es zu einem recht jungen Weißwein von M. Chapoutier, den ich im Discounter bei Netto gesehen habe. Diese Edeka-Tochter ist bislang aus meiner Sicht noch nicht wirklich ambitioniert bei der Weinvermarktung, auch wenn Frank Kämmer hier inzwischen als Testimonial fungiert und für diesen Discounter „bloggt“. Das liegt sicherlich auch an den Filialen, die nicht selten das Thema „billig“ leider allzu wörtlich nehmen.

Bei diesem Cotes-du-Rhone von M. Chapoutier bei Netto passen ein paar Sachen erstmal nicht richtig zusammen. Ein recht bekannter Sommelier, ein namenhafter Weinerzeuger, ein günstiger Preis für eine Weinflasche und das dann noch bei einem Billigheimer. Aber sei es drum, wir leben in einer bunten und meistens toleranten Weinwelt. Und im Glas ist jetzt dieser Cotes-du-Rhone von M. Chapoutier. Ja und es ist ein Weißwein. Sonst ist die Rhone bekanntermaßen sehr rot geprägt. Die in diesem Wein von M. Chapoutier verwendeten Rebsorten sind Grenache Blanc, Clairette und Bourboulenc. Die Reben stehen hauptsächlich auf Kalkstein und Lehm.

Cotes-du-Rhone von M. Chapoutier verkostet

Dieser Cotes-du-Rhone ist in einem kräftigeren Strohgelb im Glas. In der Nase erscheint der Weißwein von M. Chapoutier frisch mit einigen Kräutern wie Eukalyptus, Lavendel und nach Pinienbäumen. Zudem kann man eine leichte Fruchtexotik riechen. Am Gaumen wirkt dieser Wein recht frisch und würzig. Zudem hat er einen eher schlanken für den Schnäppchenpreis jedoch erstaunlich präsenten Körper. Die frische Säure lässt diesen weißen Cotes-du-Rhone auch trocken in der Länge lebendig erscheinen. Bei 5,99 Euro im Discounter ist dieser Wein von Chapoutier ganz in Ordnung.

Die Beschriftung auf dem Rückenetikett dieser Flasche von M. Chapoutier ist hingegen der Brüller. Da wird erst die gute Selektion und das „Terroir“ hervorgehoben. Und dann: „They will ideally be served with everyday dishes as well as with the most elaborate food“. Egal was es ist. Einfach nur mal etwas Essen dabei. Fehlt eigentlich nur noch das man diesen Cotes-du-Rhone zum Spiel in geselliger Runde empfiehlt (wie häufiger früher bei deutschen Weinen, wo man irgendwie ganz altbacken die Komponente Spaß hinzufügen wollte). Ganz spannend war, dass ich nach einer Werbewoche in der betreffenden Netto-Filiale die erste Flasche dieses Weins gekauft habe. Alle 5 weiteren Flaschen standen da noch. Man hat also auch bei den bestellenden Mitarbeitern nicht wirklich ein Vertrauen darin, dass diese Vermarktung funktioniert. Andererseits sind 5,99 Euro im Discounter ja schon ein hoher Preis. Und weißer Cotes-du-Rhone auch nicht wirklich die Nummer, die dort aus meiner Sicht richtig gut funktionieren sollte. Aber evtl. ist das nur auf den Standort bezogen.

Saint Mont AOC – Plaimont Producteurs – Les Vignes Retrouvées 2012

Samstag, 20. September 2014

Saint Mont AOC - Plaimont Producteurs - Les Vignes Retrouvées 2012Seit dem Jahrgang 2011 ist Saint Mont eine eigene AOC. Darum hatte man dort ca. 30 Jahre lang gestritten. Der Erzeuger Plaimont ist alles andere als klein. Derzeit erzeugt diese Genossenschaft 40 Millionen Flaschen im Jahr. Eigentlich kann man die AOC Saint Mont mit Plaimont Producteurs gleichsetzen, denn in diesem Gebiet werden 98% aller erzeugten Weine von dieser Genossenschaft vermarktet. Im wohlklingenden Madiran ist man mit fast der Hälft der Menge auch sehr aktiv. Für viele Weingenießer klingt dieser Gigantismus etwas negativ.

Das ist es aber nicht unbedingt. Im Weltmarkt des Weins ist nicht mehr der Winzer mit der nächsten 10 Hektar-Scholle der Mitbewerber. Auf der anderen Seite stellt man sich doch gerne den kleinen französischen Winzer mit Baguette unterm Arm und dazu leckeren Käse und schönem Rotwein vor. Mit viel Mühe und Zeit erzeugt er dann seine handwerklichen Weine. Gibt es so etwas noch? Schon, aber die Mehrzahl der Weine im deutschen Fachhandel wurden anders hergestellt. Jedoch darf man gerade in Frankreich die großen Erzeuger – zudem als Genossenschaft – nicht unterschätzen. Und das gilt in Bezug auf Qualitativ sowie auch auf deren Einstellung. Der Wein Les Vignes Retrouvées kann hier als Beweis gelten. Er besteht aus den autochthonen Rebsorten Gros Manseng (60%), d’Arrufiac und Petit Courbu (je 20%). Die Plaimont Producteurs sind mit ihren Weinen in fast aller Munde; diese Rebsorten kennt jedoch kaum jemand.

Saint Mont AOC – Plaimont Producteurs – Les Vignes Retrouvées 2012 verkostet

Doch zur Verkostung: Der Les Vignes Retrouvées zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb im Glas. Die vollfruchtige Nase dieses Weins aus der AOC Saint Mont besticht mit reifer Ananas, saftigem Pfirsich und etwas Grapefruit. Der Mund ist ausgefüllt von runden Aromen. Die Säure ist bei diesem Weißwein der Plaimont Producteurs sehr dezent, unterstütz jedoch in der Länge den Eindruck der reifen Grapefruit. Dies ist ein guter und trotz der alten Rebsorten recht gefälliger Wein für kleines Geld (ca. 7 Euro). Wer braucht da denn noch Chardonnay?

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Samstag, 26. Juli 2014

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?Wir reisen jetzt einmal ins Burgund. Genauer in das Gebiet Chablis. Es handelt sich allerdings um eine Reise mit dem Finger auf der Landkarte. Mit im Gepäck: Vier Weine aus dem Anbaugebiet. Diese habe ich nebst Höhenprofilkarte dankenswerter Weise vom Marketing für die Weine aus dem Chablis erhalten. Dabei hat diese Region eine Imageverbesserung in Deutschland eigentlich gar nicht nötig. Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren sind nur ein Indiz für die ungebrochene Beliebtheit des Chablis hierzulande. Häufig gilt er als Essensbegleiter für Fisch- und Schalentiere. Ihn darauf zu begrenzen wird einigen Weinen der Region nicht gerecht. Interessant ist es die Vielfalt dieses Bereichs im Burgund und die Abstufungen zwischen Petit Chablis, Chablis, Premier Crus und Grand Cru zu betrachten.

Domaine William Fevre – Petit Chablis

Die meist als kleiner gesehenen Weine aus Chablis wachsen in der Appellation Petit Chablis. Diese ist auch nur ca. 20% so groß wie die AOC Chablis. Wenn man dies jedoch auf die Weine bezieht, sollte die Appellation eigentlich nicht kleines, sonders kleineres Chablis heißen. Denn es gibt auch hier eine Reihe namenhafter Erzeuger und ebenso sehr gute Weine. Manche überragen sogar die Qualität von so manchem Chablis. Der Ertrag pro Fläche ist in beiden Gebieten jedenfalls nahezu identisch.

Aus dem Petit Chablis haben wir nun einen Wein der Domaine William Fevre im Glas. Dies ist eines der höchsten angesehenen Weingüter im gesamten Chablis. Gegründet 1959 bewirtschaftet die Domaine William Fevre heute ca. 51 Hektar. Damals startete man noch mit 7 Hektar. Jetzt erzeugt man nicht nur diesen Petit Chablis, sondern hat historische Flächen hinzugewonnen. Davon liegen jeweils mehr als 15 Hektar in Premier Cru und Grand Cru Lagen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Dieser Petit Chablis zeigt sich mit dunklerem Strohgelb im Glas. Neben einer Birne sind reife Früchte und eine Meeresbriese in der Nase. Nach einigem Lufteinfluss ist eine dezente Haselnussnote zu riechen. Vor allem nach hinten wirkt eine schön frische Säure. Strahlig und mineralisch bleibt dieser Wein der Domaine William Fevre die Länge stehen. Man kann sich gut die Muschelkalkböden im Chabils vorstellen. Gerade diese Böden – die ehemaliger Meeresboden sind – stellen die Verbindung zur häufigen Speisenkombination her. Bei diesem Petit Chablis ist kein Holz zum Einsatz gekommen, wodurch der Charakter des Bodens einen sehr schönen und klaren Ausdruck erhält.

Das ist ein wirklich guter Vertreter aus der Appellation Petit Chablis und damit nicht nur ein guter Basiswein von der Domaine William Fevre, sondern für die gesamte Region. Er wird beim Endverbraucher ungefähr 11 Euro liegen. Der Petit Chablis wird manchmal etwas geringschätzig angesehen; ist er doch die unterste Sprosse auf einer vier-stufigen Leiter. Aber es gibt sehr schmackhafte und geschätzte Weine aus dieser Appellation. Dieser der Domaine William Fevre kann als ein Beweis gelten. Sicherlich stellen diese Weine meist zugleich diese Klassifizierung nicht auf den Kopf.

Domaine Vocoret & Fils – Chablis

Aus dem Chablis gibt es nun das Cuvee „Fleur de Vigne“ von der Domaine Vocoret & Fils. Schon in der Nase zeigt sich eine vanillige Note. Buttrig mit etwas Orangenschale hinter Karamel- bis Röstaromen geht es weiter. Hier spricht das Holz. Spannend ist das im Nachhall schon, da der holzgeprägte Körper von einer erfrischenden Säure untermalt ist. Diese steht aber keineswegs neben dem Chablis. Karamell zeigt sich hinten am Gaumen. In der Länge ist da etwas Bourboneis. Das ist alles so in sich stimmig, führt aber für mich etwas von der Intention die Boden abzubilden weg. Dieser Chablis betont eher die Vielfältigkeit der Rebsorte Chardonnay. Zugleich gibt es bestimmt Fans dieses Weins. Man kann aber durchaus die These vertreten, dass so mancher Chablis nicht gekauft werden würde, wenn man auch die Rebsorte auf das Etikett schreiben würde. Oder anders formuliert: Das Image des Chabils – auch wenn er viel zu häufig als Schnabbelwein oder Essenbegleiter degradiert wird – ist deutlich besser als der seiner Rebsorte.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Chabils und Holz ist ja so eine Sache. Aber es ist ja eben dann doch ein Burgunder. Manche Weine der Region liegen auch lange im großen Holz. Was wäre ein Meursault ohne langen und schonenden Fassausbau. Mir ist es bei diesem Chablis von der Domaine Vocoret & Fils etwas viel. Aber zugleich merkt man eben, dass man es mit der Rebsorte Chardonnay zu tun hat. Sie ist formbar. Und es gibt generell zwei Fraktionen beim Wein. Die einen möchten, dass er nach der Rebsorte und dem Boden schmeckt. Andere möchten eben Holznoten. Sein wir liberal: Das hält eine Region aus. Nicht jeder Winzer muss seine Weine genauso machen wie er will. Es ist eher spannend, dass es viele Stiele in einer Region gibt. Und es ist ja grundsätzlich gar nicht ungewöhnlich im Burgund den Chardonnay ins Holzfass zu legen. Auch wenn mein persönliches Bild des Chablis eher schlanker und frischer ist. Aber zugleich ist dieser Weißwein der Domaine Vocoret & Fils schmackhaft und gut.

Domaine Pascal Bouchard – Chablis Premier Cru Montmains

Der nun verkostete Chablis Premier Cru stammt von der Domaine Pascal Bouchard. Dieses Familienweingut bewirtschaftet 33 Hektar in Chablis. Der winzig kleine Teil von 0,55 Hektar liegt in der Premier Cru Lage Montmains, welcher 1971 von Andre Tremblay, dem Vater von Joelle Bouchard angelegt wurde. Die Lage findet sich nahe am Ort Chabils auf der rechten Seite der Serein. Montmains umfasst insgesammt 98 Hektar, die nach Süd-Ost ausgerichtet sind.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Der Chablis Premier Cru Montmains ist strohgelb im Glas. Fruchtig beschwingt kann man Birne mit Honigmelone in der Nase wahrnehmen. Daneben stehen duftige gelbe Blüten. Eine dezente Kokosnote ist in der zweiten Nase. Feine Mineralität. Die Säure ist bei diesem Chablis Premier Cru gut integriert. Der Gaumen ist von einer feinen leicht exotischen hellen Frucht geprägt. Schöne balancierte Länge mit feinem Körper und Schmelz. Ein kleines Minzblättchen zeigt sich in angenehmen Fruchtbett. Vor allem nach hinten heraus kann man den von der Domaine Pascal Bouchard sehr gekonnten, weil dezenten Einsatz von alten Fässern aus französischem Holz wahrnehmen. Dies nimmt diesem Chablis jedoch weder seine Frische noch seine Finesse.

Vor allem gegenüber den zuerst verkosteten Petit Chablis aus 2012 dürften die Trauben bei diesem Premier Cru aus 2011 wesentlich reifer gewesen sein. Dieser Chablis Premier Cru von Domaine Pascal Bouchard hat noch einige Entwicklungsmöglichkeit in der Flasche. Jedoch bin ich aus eigener Erfahrung etwas skeptisch was sehr lange Lagerfähigkeiten von Chablis betreffen. Wenn man schon mal ein paar ca. 10 Jahre alte Magnums eines namenhaften Erzeugern entsorgen musste (gehörten mir glücklicher Weise nicht), darf man seine Skepsis bis zum Gegenbeweis sicherlich haben.

La Chablisienne Chablis Grand Cru Les Preuses

Wir haben mit einem „kleinen Wein“ eines qualitativ sehr bedeutenden Erzeugers unsere kleine Reise durch das Chablis begonnen. Dieser erzeugt auch einen legendär gehandelten „Les Preuses“. Enden werden wir jedoch mit einem Wein des Riesen in Chablis. Es geht nicht nur um einen Grand Cru, sondern auch um eine große Genossenschaft. Ich hab irgendwo gelesen, dass La Chablisienne jede vierte auf den Markt gebrachte Flasche Chablis erzeugt. Doch die Größe ist hier etwas Doppeltes: So hat man sehr viel in eine individuelle Arbeit in den Weinbergen investiert. Das merkt man den Weinen auch an.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Doch noch etwas zur Genossenschaft: Der Beginn war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ganz anders als heute gab es damals Vermarktungsprobleme. Somit begann man als Vermarktungsplattform. In den 50er Jahren wandelte es sich dahingehend, dass die Grundmoste an die Genossenschaft geliefert wurden. Und es ist noch heute so, dass die rund 300 Genossenschaftler ihre Trauben selbst pressen, der Ausbau dann jedoch in den Kellern der Genossenschaft passiert.

Den Lesern, die die Erzeugerstrukturen in Frankreich nicht kennen, muss man das hier deutlich erklären. Bei Genossenschaften denkt man leider viel zu häufig an eine leider bestehende Mittelmäßigkeit aus Baden. Es gibt diese bei unserem westlichen Nachbarn ganz anders: Neben großen Namen der Champagne (z.B. Nicolas Feuillatte oder Jacquart) auch in anderen Gebieten. Diese erzeugen nicht selten hervorragende Weine, die zum Teil zu den besten der Region gehören. Zugleich gibt es bei vielen dieser Genossenschaften auch einfachere und preisgünstigere Wein.

In den fußballbewegten Zeiten musste natürlich von La Chablisienne eine Flasche Premier Cru „Les Preuses“ nach Münster. Aber die Lage hat sehr wahrscheinlich gar nichts mit den westfälischen Preußen in grün-schwarz zu tun. Der Wein ist – leider etwas anders als die Leistung der lokalen Kicker, die ihrer Drittklassigkeit in den letzten Jahren irgendwie nicht entfliehen können – eine Legende. Deutlich mehr als 90 Punkte (häufig ca. 94 Punkte) sind diesem Premier Cru fast immer von vielen namenhaften Verkostern sicher. Aber erst mal selbst ins Glas nehmen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Die Nase ist beim Les Preuses von La Chablisienne sehr vielschichtig. Da sind helle Blüten, so ein leicht buttriger Eindruck der vom Fass kommt, verspielt kräutrige Noten, Honig, asiatische duftige Früchte. Nichts davon ist dominierend. Vielmehr zeigt sich in der Nase bei diesem Chablis Premier Cru eine Symphonie der Gerüche. Und alle diese Eindrücke spielen harmonisch zusammen (bei Preußen Münster sollte man das mal erleben). Und das nicht nur artig, sondern großartig. Die Reben für diesen Wein sind 40 bis 50 Jahre alt.

Und dabei unerwartet: Die Frische am Gaumen begeistert. Das ist nicht nur durch die Säure bedingt. Unterstützt wird diese bei dem Chablis Premier Cru Les Preuses durch eine sagenhafte Mineralität. Dann merkt man in die Länge gehend einen gekonnten – weil dezent das Geschmackserlebnis ergänzenden – Holzeinsatz. Nach hinten heraus zeigt sich eine angenehme Fruchtigkeit. Bleibt extrem lange Verspielt. Zugleich ist dieser Chablis nicht satt machend. Das ist Trinkfluss auf höchstem Niveau. Besser geht es kaum. Nur anders. Oder genauer formuliert: Der Les Preuses von La Chablisienne spielt in der höchsten Liga des Weißweins, also auf Weltniveau mit. Dies ist ein würdiger Abschluss und zugleich Höhepunkt einer sehr guten Verkostung der Weine aus Chablis.

Sauvignon Blanc: Der Zorn des Golden Kaan

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sauvignon Blanc: Der Zorn des Golden KaanJetzt gibt es den Sauvignon Blanc von Golden Kaan. Doch eigentlich müsste ich es besser wissen: Lasse dich nicht mit billigen Weinen aus dem Supermarkt ein. Doch da jede Regel ihre Ausnahmen kennt und ich grundsätzlich in jeder Vermarktungsform Potenzial sehe, traute ich mich an den Golden Kaan Sauvignon Blanc aus dem aktuellen Jahr 2013 heran. Eine umfangreiche Werbung in einer Weinfachzeitschrift stimmte mich zudem etwas positiv. Doch wegen der Überschrift muss ich leider sagen: Es wird eigentlich nicht der Kaan zornig, sondern ich. Und gar nicht so sehr über diesen Wein, sondern über mich, weil ich für ihn tatsächlich 4,99 Euro bezahlt habe. Wie bei beim Kinofilm Star Trek II sorge ich mich hier um einen Verlust. Denn als Käufer bekommt man leider keinen dem entsprechenden Gegenwert.

Sauvignon Blanc von Golden Kaan verkostet

Der Golden Kaan Sauvignon Blanc ist recht hell im Glas. Schon schnell bemerke ich bei diesem Wein auch 2013 einen muffigen Fehlton in der Nase, der vom Keller kommen müsste. Manche würden das als Kork bezeichnen, ist aber etwas anderes zumal diese Flasche keinen Naturkorken als Verschluss hat. Am Gaumen fehlt bei diesem Golden Kaan die typische Säure der Sauvignons. Auch die Frucht besticht wenig. Das macht mir einfach überhaupt keinen Spaß. Wenn hier ein langer Nachhall wäre, würde mich das stören. Schade; andere Erzeuger aus Südafrika können es – sogar in diesem Preisniveau – deutlich besser und zuweilen auch richtig gut. Bei dem Wein gucke ich jedoch leider nur in die Röhre. Da kommt aber leider nicht so etwas spannendes wie Star Trek II – Der Zorn des Khan.

Golden Kaan Sauvignon Blanc
Jahrgang 2013
Preis: 4,99 Euro
Quelle: Supermarkt