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Vinexpo: Was bringt der Brexit?

Freitag, 9. Juni 2017

wein brexit vinexpoDer Brexit war nicht gerade eine Methode Britannique, also die feine englische Art. Seit der Abstimmung fliegen die Fetzen zwischen EU und Großbritannien. Zu feiern gibt es auf der Insel nach dem Entschluss auch nicht viel. Evtl. wird die heimische Schaumweinindustrie die Korken knallen lassen. Aber selbst dies ist nicht klar. Der um ca. 20 Prozent veränderte Wechselkurs zwischen Pfund und Euro hat bislang zu einigen sehr seltsamen Auswirkungen geführt. Und dies nicht nur auf dem heimischen Markt. Großbritannien ist weltweit der zweitgrößte Weinimporteur. Zudem hat das Empire erhebliche historische Leistungen in der Organisierung der Weinproduktion und -distribution von und in Europa bis gar nach Indien. Und es hat heute noch eine sehr bedeutende Stellung im Bereich Re-Export.

Der Brexit wird wahrscheinlich sehr viel ändern. Für die bevorstehende Fachmesse Vinexpo in Bordeaux ist dies Anlass für eine groß angelegte Diskussionsrunde mit dem Titel „Vinexpo confronts the challenge of Brexit“. Die Diskussion wird von Jane Anson vom Decanter geleitet. Sie wird auch der Frage nachgehen, welche Handlungsmöglichkeiten Weinerzeuger selbst eröffnen können. Doch vieles wird von zukünftigen Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien abhängen. Vorstellung und Hoffnungen, dass eigentlich alles beim Alten bleibt und diese Abkommen lediglich des Status der EU-Mitgliedschaft fortschreiben, wurden jedoch letztlich deutlich von Kontinentaleuropa widersprochen.

Diskussion über den Brexit auf der Vinexpo

Zur Diskussion werden hochrangige und international erfahrene Teilnehmer erwartet. Darunter sind Miles Beale von der Wine and Spirit Trade Association (WSTA). Schon vor der Abstimmung in Großbritannien hat sich Bale öffentlich für einen Verbleib in der EU geäußert und umfangreich die Vorteile für die Wein- und Spirituosenindustrie beschrieben. Immerhin ist das Land der größte Spirituosenhersteller. Er beschäftigte sich zudem mit den Auswirkungen des Wegfalls der europäischen Vorschriften bei der Herstellung z.B. von Gin in Großbritannien. Zudem wird Jean-Marie Barillere (Präsident des Comité Européen des Entreprises Vins) erwartet. Barillere war lange Zeit in der Champagne für bedeutende Häuser und den Erzeugerverband tätig.

Aus Großbritannien wird Andrew Shaw (Conviviality plc / Bibendum) an der Diskussion um den Brexit teilnehmen. Er gilt als einer der einflussreichsten Weineinkäufer für den britischen Markt. Shaw äußerte sich in der Vergangenheit über die negativen Auswirkungen, die mit der Unsicherheit durch den Brexit in den Weinhandel gekommen sind. Große Händler mussten die Unsicherheiten in den Preisschwankungen sogar durch Finanzinstrumente absichern. Guillaume Deglise (CEO der Vinexpo) betont, dass für einige der zahlreichen Besucher der Messe der Brexit auch eine Chance sein kann den britischen Markt zu erreichen. Shaw sieht hier insbesondere für die Weine aus China in den kommenden Jahren eine deutliche Entwicklung.

20. Juni 2017
Vinexpo Bordeaux

Forum 16 – 17:30 Uhr
Hier sind weitere Veranstaltungsdetails.

Vinexpo-Studie: Vorhersagen für den Weinmarkt 2020

Sonntag, 28. Mai 2017

vinexpo studie weinmarkt 2020Anlässlich zur Vinexpo in Bordeaux erscheint alle zwei Jahre eine Studie zur Entwicklung des Weinmarktes. Besonders interessant daran ist, dass nicht nur die vergangenen Jahre nachgezeichnet werden, sondern viel mehr die Zukunft prognostiziert wird. Danach wird der europäische Weinmarkt weiterhin zwar verlangsamt von 2016 bis 2020 um 2,3 Prozent schrumpfen. Alle anderen Kontinente werden hingegen zulegen. Ein besonders starkes Wachstum wird es im Bereich Asien-Pazifik geben. Hier prognostiziert die Studie der Vinexpo ein Wachstum von 12,7 Prozent.

Wachstum in USA, China und Afrika

Die USA und China werden als Zukunftsmärkte herausgestellt. Zwar wird in den USA bis 2020 nur ein Wachstum nach Menge von 3,8 Prozent vorausgesagt. Dies ist aber aufgrund der ohnehin hohen Menge sehr bedeutend. Zudem soll es einen Wertzuwachs des Weinmarktes in den USA von fast 12 Prozent entsprechen. Für China wird ein Zugewinn von 41,7 Prozent in der Menge und knapp 40 Prozent im Wert prognostiziert. Dies ist besonders relevant, da dies fast 72 Prozent des gesamten Mengenwachstums ausmacht. Zudem wird China damit das Land mit dem zweithöchsten Wert werden und damit Großbritannien bis 2020 überholen. Das Thema Afrika ist durchaus relevant. Elfenbeinküste, Namibia und Nigeria werden nach der Vinexpo-Studie jeweils ein Wachstum von ca. 20 Prozent aufweisen. Dies allerdings auf einem weiterhin niedrigen Niveau.

Was wird in Deutschland passieren?

Deutschland wird mit leichtem Wertzuwachs weltweit der sechst wichtigste Weinmarkt bleiben. Der Abstand zu Frankreich (Platz 4) und Italien (5) wird nach dieser Studie allerdings kleiner werden. Nach der hierzulande bis 2020 leicht sinkenden konsumierten Menge wird Deutschland knapp vor Frankreich und Italien weltweit auf Platz 2 kommen. Dieser Platz meint jedoch nicht den Pro-Kopf-Verbrauch, sondern den Gesamtkonsum im jeweiligen Land. Dieser ist in den beiden anderen Ländern jeweils deutlich höher. Weltweit wird er von Frankeich angeführt. Deutschland belegt hier weltweit den Platz 6 mit knapp 37 Litern pro Kopf (nur nach legalem Alter errechnet). Zum Vergleich: In China wird der jährliche Pro-Kopf-Konsum bis 2020 um 17% auf 1,53 Liter steigen.

vinexpo studie deutschland
„Germany and UK keep the Leadership in still wine imports“, so trocken wird in der Vinexpo-Studie getitelt. Um es genauer zu sagen: Deutschland bleibt nach der Menge der größte Weinimporteur auf dieser Welt. Für Großbritannien wird es sicherlich wegen dem Brexit eine spannende Angelegenheit sein. In dieser Liste der 10 größten Weinimporteure tauchen Frankreich und Italien gar nicht auf. Der Grund: Deutschland ist (evtl. neben der Schweiz) das einzige europäische Land mit bedeutender Weinproduktion welches kräftig Weine vor allem aus anderen europäischen Ländern importiert (Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Portugal …). Für Spanien, Chile und Neuseeland wird ein schnelles Wachstum beim Export festgestellt. So legte Neuseeland von 2011 bis 2015 im Wert um fast 29 Prozent zu.

Was passiert auf dem Weinmarkt?

Die Vinexpo-Studie beschäftigt sich auch mit den Gründen des Wachstums in China. So wird neben anderen Ursachen die Ausbreitung einer Mittelklasse und die Zunahme an weiblich Weingenießern herausgearbeitet. Trotz des zum Teil deutlichen Wachstums in den USA, China und Afrika wird Europa weiterhin der wichtigste Kontinent für Wein bleiben. Nach Menge werden 2020 59 Prozent der weltweiten Stillweinproduktion in Europa konsumiert. Beim Schaumwein sollen es nach der Vinexpo-Studie 76 Prozent sein. 2010 waren es 64 Prozent beim Stillwein und 80 Prozent beim Schaumwein.

Weiterhin Wachstum bei Schaumwein und Rose

Wie schon vor zwei Jahren sieht die Studie der Vinexpo weiterhin ein Wachstum im Bereich vom Rose und beim Schaumwein. Während Rot- und Weißwein nahezu auf selbem Niveau bleiben, wird der weltweite Konsum von Rose bis 2020 um 5,9 Prozent zulegen. Der Marktanteil liegt bei den Weinfarben derzeit bei 10 Prozent. Die Menge an weltweit konsumiertem Schaumwein soll in diesem Zeitraum um 8,6 Prozent wachsen. Besonders starkes Wachstum wird beim Prosecco vorhergesagt. Während der Asti als einzige Subkategorie im Bereich Schaumwein weniger konsumiert werden wird.

vinexpo bordeaux studie
Die Vinexpo findet von 18. bis 21. Juni in Bordeaux statt. Hier kann man sich anmelden.

Vinexpo 2017 in Bordeaux mit umfangreichem Programm

Montag, 8. Mai 2017

vinexpo bordeauxVom 18. bis 21. Juni findet die 19te Ausgabe der Vinexpo statt. In Bordeaux werden zur internationalen Messe für Wein und Spirituosen 48.000 Fachbesucher aus mehr als 150 Ländern erwartet. Besonders stark sind hierbei die Kontinente Amerika und Asien vertreten. Unter einem neuem Logo wartet die Fachmesse mit zahlreichen Innovationen auf. Hierzu zählt mit WOW! ein eigener Platz für organisch erzeugte Weine, ein Hosted-Buyer-Programm, eine hochrangig vertretene Konferenz zum Brexit, einen Schwerpunkt zur Rebsorte Riesling und zum Abschluss eine Wein-Challange auf höchstem Niveau. Das Gastland auf der Vinexpo wird in diesem Jahr Spanien sein.

WOW! The World of Organic Wines

Seit Jahren gibt es einen Boom im Bereich Biowein, organischem Wein und biodynamisch hergestelltem Wein. Die Facetten sind in diesem Bereich sehr vielfältig. Dies ist der Grund für die Vinexpo in Bordeaux in diesem Jahr eine eigene Zone unter dem Titel World of Organic Wines (kurz WOW!) zu präsentieren. In Halle 3 werden über 200 Weinerzeger aus diesem Bereich erwartet. Veranstaltungen um das Thema Biowein runden diesem Schwerpunkt der Vinexpo ab. Auch das in der Zone von WOW! befindliche Restaurant wird zu 100% Prozent Speisen aus biologisch erzeugten Lebensmitteln anbieten.

spain vinexpo bordeaux
Ufer der Garonne in Bordeaux mit dem Palais de la Bourse

Gastland Spanien

Bei der diesjährigen Vinexpo in Bordeaux wird Spanien als Gastland willkommen geheißen. Der Höhepunkt wird mit „A Taste of Spain“ eine exklusive Weinparty am 19. Juni im Palais de la Bourse in der historischen Innenstadt von Bordeaux sein. In Kooperation mit dem Wine Spectator werden 100 handverlesene Erzeuger spanischer Weine und die 10 besten Köche aus Spanien erwartet. Diese werden einmalige Kombinationen von Wein und Speisen präsentieren. Die Liste der teilnehmenden Bodegas liest sich wie das Who is Who der spanischen Weinwelt.

Hosted-Buyer bei der Vinexpo

Bereits auf der Vinexpo 2015 in Bordeaux und 2016 in Hong Kong wurde die handelsorientierte Initiative „One to Wine Meeting“ sehr erfolgreich durchgeführt. Durch zeitsparendes Verbinden von Einkäufern und Ausstellern konnten erfolgreiche Abschlüsse erreicht werden. Dieses Angebot wird nun durch ein Hosted-Buyer-Programm ausgebaut. Dazu werden gezielt 200 Einkäufer des Handels aus verschiedenen Ländern nach Bordeaux eingeladen. Zur Vorauswahl der Einkäufer muss der Händler eine bestimmte Bedeutung auf dem Zielmarkt haben, der zudem von der Messe als strategisch wichtiger Markt betrachtet wird. Zudem schaut man sich nach Einkäufern um, die lange nicht mehr auf der Messe in Bordeaux waren oder dadurch erstmals zur Vinexpo fahren können. Durch diese Maßnahmen wird die Rolle als wichtige Ordermesse unterstrichen.

veranstaltung vinexpo bordeaux
Zahlreiche Veranstaltungen auf Spitzenniveau

Riesling in Bordeaux

Die diesjährige Ausgabe der Vinexpo widmet sich besonders der noblen Rebsorte Riesling. Allein vier große Veranstaltungen bzw. Masterclasses beschäftigen sich am 20. Juni mit dieser Rebsorte. Hierzu konnten das Deutsche Weininstitut (DWI) und die ÖWM als Partner gewonnen werden. Neben dem guten Grund, dass auf der Vinexpo Weinprofis aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Australien und den USA bei dieser Rebsorte zusammenkommen sagte Guillaume Deglise (CEO der Vinexpo) gegenüber dem Fachmagazin the drinks business: „Ich liebe Riesling“.

Große Challange mit Jon Arvid Rosengren

Abschließender Höhepunkt der internationalen Weinfachmesse in Bordeaux wird – wie schon 2015 – eine Vinexpo-Challange sein. Diese wird vom weltbesten Sommelier Jon Arvid Rosengren moderiert. Der 32jährige Schwede errang diesen Titel im vergangenen Jahr in Argentinien und setzte sich gegen 61 Bewerber aus 58 Ländern durch. In der Jury saßen unter anderen der Deutsche Markus del Monego (Gewinner 1998) und Paolo Basso aus Italien (2013). Basso leitete auf der Vinexpo 2015 die große Challange. Hier unser Bericht.

Anmeldung zur Vinexpo in Bordeaux

Hier kann man sich zur Messe vorab anmelden. Weitere Highlights der internationalen Fachmesse gibt es hier. Wir werden diese vier Tage in Bordeaux sein und live von dort berichten.

Champagner-Verkostungen: Gosset, Bruno Paillard und Boizel mit Joyau de France

Freitag, 11. September 2015

Champagner Verkostungen Gosset Bruno Paillard Boizel mit Joyau de France
Auf der Weinfachmesse Vinexpo in Bordeaux habe ich reichlich Champagne verkostet. Das ist auch eine sehr gute Gelegenheit dafür. Anlass hierfür ist nicht nur, dass die Vinexpo-Studie im Vorfeld Schaumwein als ein besonderes Trendthema mit Wachstum auch besonders auf dem deutschen Markt hervorgehoben hat. Grund ist vielmehr, dass auf der Messe in Bordeaux viele Champagne-Erzeuger mit großen Messeständen vertreten sind. Zudem sind häufig auch die Inhaber vor Ort und können etwas über das jeweilige Haus erzählen.

Champagner Verkostung Gosset
Chronologisch rückwärts habe ich am fünften und letzten Tag der Vinexpo bei Gosset verkostet. Der Stand war mir zuvor einfach viel zu gut besucht und alle Mitarbeiter belegt. Gosset gilt mit seiner Gründung 1584 als das älteste Weinhaus in der der Champagne und wird heute in der 17. Generation betrieben. Mit mehr als einer Millionen Flaschen im Jahr ist Gosset einer der größeren Erzeuger in der Champagne, aber mit weitem Abstand zu den riesigen Häusern. Hier probierte ich zuerst das Flaggschiff, das ist der weiße Brut Reserve. Dieser besteht aus allen drei Rebsorten der Champagne mit einem Schwerpunkt auf Pinot Noir aus dem Bereich Ay. Er präsentiert sich frisch und zugleich voll. Man könnte fast an einen Holzeinsatz denken. Dies wird hier jedoch nicht verwendet. Vielmehr kommt ein hoher Anteil an Reserve-Weinen zum Einsatz, die diesem Champagner sehr ausgewogen gelingen lassen.

Champagner-Verkostungen: Gosset, Bruno Paillard und Boizel mit Joyau de France
Neben einem recht frühen Engagement für trockenen Champagner hat Gosset mit 11% einen hohen Anteil im Bereich Rose. Ich probierte noch den Petite Douceur Rose. Dieser als Extra-Dry klassifizierte Champagner ist ein neues Produkt bei Gosset. Nachdem die Champagne in der vergangen Zeit bei ihren Erzeugnissen immer trockener wurde, präsentiert sich dieser Rose nun mit 17g Restzucker. Das ist durchaus derzeitiger Zeitgeist, den man in seinem Frühstadium auch in Deutschland spürt. Sicherlich werden die Fans von Brut und Extra-Brut davon weitgehend unberührt bleiben. Der Petite Douceur Rose schmeckt aufgrund der Säure sehr schön erfrischend und überzeugt in einer fruchtigen Länge.

Champagner-Verkostungen: Eine Symphonie bei Bruno Paillard

Geht es nun vom ältesten Weinhaus der Champagne zum jüngsten Haus und einem zugleich recht bedeutenden Erzeuger. Bruno Paillard wurde erst 1981 gegründet. Das ist in der Champagne eher ungewöhnlich. Vor einigen Jahren erzählte mir der Inhaber einmal, dass er zu Beginn für seine Investitionen sein Auto verkaufte. Inzwischen ist der Erzeuger deutlich gewachsen. Bruno Paillard hat inzwischen 32 Hektar in allen Bereichen der Champagne im Eigenbesitz. 14 Hektar davon befinden sich in Grand Cru Lagen. Mit dem eigenen Besitz bestreitet man 60% der Produktion, was deutlich überdurchschnittlich ist. Ziel von Bruno Paillard war es immer nie mehr als 450.000 Flaschen jährlich zu produzieren. Sonst würde man die Übersicht verlieren. Bei dieser Marke ist man inzwischen angelangt.

Champagner Verkostung Bruno Paillard
Bruno Paillard ist auf der Vinexpo dreifach groß. Einmal merkt man es, wenn man ihm persönlich begegnet, ein zweites Mal, wenn man die Champagner (wie auf der Messe in Bordeaux) aus Magnumflaschen verkostet. Und groß ist auch was man im Glas hat. Ok, dass kann man dann nicht mehr in Metern ablesen. Beim „Basissegment“ – auch Premiere Cuvees genannt – hat mir ganz besonders positiv der Blanc de Blanc gefallen. Dieser besteht aus Grundweinen aus Grand Cru Lagen. Hier wird auch ein hoher Reserveanteil verwendet. Dazu stehen 25 Jahrgänge bis zurück ins Jahr 1985 zur Verfügung.

Champagner Verkostung Bruno Paillard
Magnum bei Bruno Paillard

Champagner-Verkostungen: Gosset, Bruno Paillard und Boizel mit Joyau de France
Ohne den Markttrends hinterherzurennen ist Bruno Paillard mit seinen Ideen der Zeit immer etwas voraus. Mit ca. 25% hat man einen besonders hohen Anteil beim beliebter gewordenen Rose (Durchschnitt der Champagne ca. 8%). Und Paillard war auch immer schon trockener als viele andere Schaumweine der Champagne. Der 48 Monate auf der Hefe liegende hervorragende Blanc den Blanc Grand Cru hat 5 Gramm Restzucker pro Liter. Aber was sind schon Analysewerte? Aus der Magnum ausgeschenkt zeigt sich dieser sehr feinperlig im Glas. In der Nase sind Zitrusnoten die von hellem floralen Geruch ergänzt wird. Der Gaumen ist fein von durch Kreide geprägter Mineralität geprägt. Der Blanc de Blanc Grand Cru von Bruno Paillard ist in seiner Länge frisch und belebend.

Champagner Verkostung Bruno Paillard
Ein zweiter Champagner hat mir hier zudem exzellent gefallen. Bei den Jahrgängen gibt es auch einen Blanc de Blanc (aktuell 2004). In dieser Kategorie hat es mir aber die Assemblage angetan. Ebenfalls aus 2004 besteht diese aus 58% Pinot Noir und 42% Chardonnay. Die Etiketten werden jedes erscheinende Jahr von Künstlern gestaltet. 2004 ist das Thema „Symphonie“. Diese zeigt sich mit verspielter Grapefruit hell floral. Am Gaumen ist er trocken und zugleich auch saftig. Das Finale (Nachhall) dieser Symphonie ist vielschichtig und verspielt. Dieser Champagner von Bruno Paillard gehört aus meiner Sicht zur Spitzenklasse und in sich sehr stimmig.

Champagne Boizel: Mit Joyau de France zurück ins Jahr 1982

Doch weiter geht es zum nächsten Champagne-Höhepunkt auf der Vinexpo. Bei Traditionshaus Boizel (Seit 1854) hatte man sich etwas Besonderes überlegt. Hier empfing mich freundlicher Weise Evelyne Roques-Boizel. Zu verkosten gab es eine kleine Vertikale des Spitzencuvee Joyau de France. An den Analysedaten kann man nachlesen, dass auch dieser über die Jahre etwas trockener wurde. Hatte man 1982 noch 9 Gramm Dosage, ist man 2000 bei 7 Gramm angekommen. Den Joyau de France gibt es nur in den Jahren wo er in hervorragender Qualität erzeugt werden kann erklärt Madame Roques-Boizel.

Champagner Verkostung Boizel mit Joyau de France
Traditionell besteht dieses Cuvee aus etwas mehr Pinot Noir und weniger als der Hälfte Chardonnay. Das ändert sich jedes Jahr graduell, da man versucht die Jahrgangsschwankungen hierdurch etwas auszugleichen. Das Hefelager ist sehr lange. So wurde der aktuelle Jahrgang des Joyau de France 2000 im Mai 2014 degorgiert. Manchmal lässt man dieses Cuvee aber durchaus 16 oder 18 Jahre auf der Hefe liegen. Ein kleiner Anteil von ca. 10% (bei jedem Jahr etwas anders) wurde in Holzfässern vinifiziert.

Ein Magnet am Stand von Champagne Boizel ist der Joyau de France aus dem Jahr 1982. Es ist selten, dass man so gut gereifte Champagner probieren kann. Dieser Jahrgang ist bei Boizel auch nur noch in Einzelflaschen vorhanden, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eigesetzt werden. Und es ist wirklich erstaunlich wie gut der 1982er Joyau de France noch da steht. Madame Roques-Boizel erklärt dazu, dass man eigentlich nicht abschätzen kann, wie lange ein solcher Champagner noch Spaß macht. Er ist schon etwas dunkler geworden. In der Nase sind bei dem Joyau de France aus 1982 weiche Reifenoten mit Brioche, etwas Vanille und dezenter aber passender Firne. Am Gaumen ist er sehr voll zeigt aber über die Säure eine angenehme Frische. Dieser Champagner ist mit 33 Jahren noch erstaunlich lebendig.

Champagner Verkostung Boizel mit Joyau de France
Mein wirklicher Favorit bei Boizel war der 1989er Joyau de France. Madame Roques-Boizel schildert, dass dieser Champagner jung eigentlich deutlich im Schatten von 1988 stand, aber je mehr beide reiften zeigte sich, dass 89 außergewöhnlich und großartig wird. Er hat eine frische und sehr feine verspielte Nase mit vielfältigen Aromen. Am Gaumen ist der Joyau de France extrem harmonisch und zugleich lebendig. Ein Meisterwerk, dem man mit gewöhnlichen Begriffen aus der Welt der Früchte nicht beikommen kann. Von den 1989 gibt es leider keine Mengen mehr.

Champagner Verkostung Boizel mit Joyau de France
Aktuell vermarktet Boizel vom Joyau de France den Jahrgang 2000. Dies zeigt, dass man hierbei extrem qualitätsorientiert ist und dem Champagner viel Zeit auf der Hefe gibt. Entsprechend ist dieses Spitzencuvee fein und mineralisch balanciert. Die betonte Frische am Gaumen geht in eine erstaunlich verspielte Länge. Herausragend (ebenfalls auf dem Markt erhältlich) hat mit der 1995er Joyau de France gefallen. In der Nase habe ich Schwarze Johannisbeere, dezente Briochenoten mit feiner Hefearomatik wahrgenommen. Der Gaumen ist frisch aber außergewöhnlich fein. Das Finale bei diesem Spitzenchampagner von Boizel ist unerwartet weich und rund.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen

Freitag, 3. Juli 2015

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen Jetzt gibt es Coravin. Eigentlich braucht man für den Spaß im Glas nur einen guten Wein, ein dazu passendes Trinkgefäß und einen Flaschenöffner. Dann kommt erst mal nicht viel. Dachte ich bevor ich Greg Lambrecht auf der internationalen Weinfachmesse Vinexpo in Bordeaux traf. Im eigentlichen Weinbusiness ist der Erfinder und Firmengründer recht neu. Es gab schon einige kleine Veranstaltungen, aber die Vinexpo ist auch die erste größere Gelegenheit in Europa bei der das neue Produkt Coravin vorgestellt wird.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Dieses Produkt passt auf die Weinfachmesse. Eigentlich eher zufällig ist die USA das diesjährige Gastland der Vinexpo in Bordeaux. Hier ist der erste große Messeauftritt dieses Unternehmens. Bestimmt ist es nicht ganz zufällig. Die Vinexpo ist im Aufbruch in eine neue Zeit. Es gilt neue Entdeckungen zu machen. Ebenso sind Gründer wie Greg Lambrecht aus der Kleinstadt Burlington in Massachusetts archetypisch dafür etwas Neues zu schaffen.

Coravin: Das Weinentnahmesystem

In Bordeaux erzählt mir Lambrecht die Entstehungsgeschichte von Coravin. Und die ist ziemlich simpel, so wie auch die Grundidee des Geräts eigentlich sehr einfach ist. Alles begann als seine Frau Schwanger war. Eine Weinflasche – die man zuvor zu zweit gelehrt hatte (notfalls über Tage verteilt) – wurde einfach nicht leer. So landeten die Reste auch von guten Weinen regelmäßig im Ausguss. Wer hat schon noch Freude mit oxidiertem Wein?

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Etwas Neues musste her und so kam Lambrecht der Gedanke zu Coravin. So einfach die Grundidee ist, umso komplizierter ist eine präzise Umsetzung. Die Idee liegt nun schon mehr als 15 Jahre zurück. Seit dem tüftelte der Erfinder immer wieder. Es geht darum Wein aus der Flasche zu bekommen ohne jedoch großartig einzugreifen. Lambrecht kommt eigentlich aus der Medizin. Evtl. lag deswegen die Idee mit einer Nadel recht nahe. Es ist eher ein chirurgischer Eingriff. Um im Bild zu bleiben: Ziel eines Mediziners ist es nur das zu entnehmen was notwendig ist (z.B. krankhaftes Gewebe, oder Blut um dieses zu testen). Dabei soll jedoch und den alles andere möglichst gesund bleiben.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Übertragen auf den Wein heißt dies: Ein minimaler Eingriff mit einer Nadel. Da fehlt nur noch ein Pflaster. Für Coravin ist dies das Edelgas Argon. Der angestochene Korken bleibt hingegen nach dem Entfernen der Nadel dicht. Die Entwicklung war recht aufwendig, wie Lambrecht schildet. Die Nadel muss aus dem richtigen Material sein, das Gas muss den richtigen Druck haben. Und welches Gas nimmt man eigentlich? Die Wahl fiel auf Argon, einem Edelgas, dass auch als Schutzgas bei der Weinherstellung und zur Haltbarmachung von Lebensmitteln eingesetzt wird. Und was für ein Material setzt man bei der Nadel ein? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Korken können sehr unterschiedlich sein. Bei reifen Weinen ohnehin.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Erst 2011 gründete Lambrecht nach langem tüfteln eine Firma. Erst kürzlich stiegen in einer dritten Finanzierungsrunde einige Investoren mit ca. 13 Millionen US-Dollar bei Coravin ein. Insgesamt hat das Unternehmen damit 39 Millionen Dollar erhalten. Jetziges Primärziel soll nach der Entwicklung nun die Vermarktung sein. Man spricht davon „die Art Wein zu servieren, privat zu genießen und zu verkaufen grundlegend zu ändern“. So durchdacht die Konstruktion des Gerätes ist: Das Ergebnis Coravin ist zugleich recht einfach in der Handhabung. Man setzt das Gerät oben auf die Flasche. Dann wird der Korken mit der Nadel durchstochen. Nun wechselt das Argon mit dem ausgeschenkten Wein. Nachdem die Nadel wieder entfernt wurde, ist die Flasche wieder absolut dicht. Man kann dieselbe Flasche auch mehrmals anstechen.

Das Weinentnahmesystem Coravin für Gastronomie, Handel und den privaten Weinliebhaber

Als Zielgruppen von Coravin sind die gehobene Gastronomie, der private Weinliebhaber und der Einzelhandel anvisiert. Bei allen drei Anwendungsbereichen kann dieses System einen Mehrwert erzeugen. So gut es alles bis hier her klingt: Das System ist leider nicht gerade billig. Für Menschen die sehr hochpreisige Weine trinken, verkosten oder verkaufen, kann es jedoch trotzdem eine sehr lohnenswerte Sache sein. Man kann mit Coravin ein und dieselbe Flasche Wein über Jahre in der Verkostung weiter verfolgen. Nach Aussagen der Hersteller gehen die Alterungsprozesse genauso weiter wie normal.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Wir waren extra zu einem Tasting von Coravin nach Düsseldorf gefahren um dies zu überprüfen. Dabei wurden jeweils der Grüne Veltliner „Spiegel“ von Fred Loimer aus dem Jahrgang 2002 und der 1997er Brunello von der Cantina Costanti in jeweils fünf Gläser verteilt. In einigen dieser Gläser waren Weine aus Flaschen, die vor genau einem Jahr schon einmal mit Coravin etwas entnommen wurde. In anderen Gläsern war derselbe Wein aus einer ganz normal an diesem Tag geöffneten Flasche.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Beim Tasting zeigen sich zwei Ergebnisse. Keiner der Weine war oxidiert oder in anderer Form negativ beeinflusst. Und auch bei der Abstimmung zeigte sich annähernd eine Gaußsche Normalverteilung. Ganz selten gelingt es Verkostern die mit Coravin angestochenen Flaschen zu erkennen. Der Unterschied ist allerdings extrem gering. Und gerade bei etwas älteren Jahrgängen hat man meist eine wesentlich größere Varianz der Einzelflaschen, als dies durch das System Coravin entsteht.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Ein wirkliches Problem bleibt aber noch. Denn als ich Lambrecht auf der Vinexpo in Bordeaux traf und wir uns über Coravin unterhielten, zeigte sich noch etwas anderes. Wie bezeichnet man eigentlich die angestochenen Flaschen? Wirklich geöffnet sind sie ja nicht. Und ganz normal verschlossen sind sie eigentlich auch nicht. Eher irgendetwas dazwischen. Evtl. könnte man diesen Wein als „coraviniert“ oder „gecoravint“ bezeichenen, so wie man ja auch etwas gegoogelt hat. Bei weiteren Ideen uns bitte eine Email schicken. Danke.

Vinexpo in Bordeaux: The Blend

Mittwoch, 24. Juni 2015

Vinexpo in Bordeaux: The Blend
Die Weinfachmesse Vinexpo in Bordeaux hatte dieses Jahr zahlreiche Neuerungen im Programm. Eine davon waren die vier Abendveranstaltungen unter den Titel „The Blend“. Da ist ein wirklich passender Name, denn hier treffen die unterschiedlichsten Messebesucher in entspannter Atmosphäre zusammen. Tanzen und feiern kann man hier auch. Und so ergänzen vornehmlich junge Bewohner aus Bordeaux das Abend-Cuvee von Messebesuchern der Vinexpo.

Vinexpo in Bordeaux: The Blend
Der Veranstaltungsort könnte kaum besser gewählt sein. Der Hanger 14 liegt direkt an der Garonne. Hier war der frühere Hafen von Bordeaux. Genauer legten im „Port de la Lune“ (Mondhafen) bis in die 1960er Jahre die Schiffe aus aller Welt an. Der eigentliche Hafen – immerhin der zweitgrößte von Frankreich – liegt seitdem näher am Meer. Aber die lange Seefahrergeschichte ist immer noch im Stadtbild sichtbar. Dieses Grundthema ist ein sehr schöner Hintergrund für eine Party zur internationalen Weinfachmesse. Zugleich war es der Weinhandel per Schiff, der im Mittelalter zum Reichtum von Bordeaux beitrug.

Vinexpo in Bordeaux: The Blend
Das Nachtleben während der Vinexpo ist sehr lebendig. Es gibt neben eher informellen Treffen in den Restaurants der Stadt viele Partys auf zahlreichen berühmten Chateaus. Für die Messebesucher, bei denen der Smoking nicht mehr in den Koffer passte, ist „The Blend“ eine sehr schöne Gelegenheit den Messetag ausklingen zu lassen. Drei Bereiche gibt es zu erleben: Eine eher ruhige Außenterrasse mit dem Blick auf die Altstadt von Bordeaux, eine launchige Sitzecke und ein Tanzparkett.

Vinexpo in Bordeaux: The Blend
Die Weinauswahl wechselt jeden Abend. Als ich „The Blend“ besuchte, gab es auch deutsche Weine von sehr angesehenen Weingütern aus dem VDP. Mir erschien es so, als wenn das Weißweincuvee von Graf Adelmann besonders beliebt war. Beim Gespräch mit zwei jungen französischen Messebesuchern stellte sich heraus, dass diese noch nie zuvor Wein aus Deutschland probiert hatten und von den Rieslingen sehr positiv überrascht waren. Diese gab es vom Weingut Winter (Rheinhessen), Christmann (Pfalz), Forstmeister Zilliken (Mosel/Saar) und Clemens Busch (Mosel).

Vinexpo in Bordeaux: The Blend
Die Champagner-Theke sorgte für Erfrischung. Hier wurde eine ganze Badewanne voller Champagner auf Eis bereitgestellt. Und dann tanzen gehen. Glücklicher Weise endeten die Partys immer um 2 Uhr morgens. Sonst wäre man bestimmt zu spät gegangen. Um 9 Uhr ging schließlich das bunte Treiben auf der Weinfachmesse Vinexpo weiter.