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Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso

Freitag, 19. Juni 2015

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Die Spannung könnte kaum größer sein. Bei der Blind-Tasting Challenge mit Paolo Basso gibt es bei zwei Teilnehmern schon vor dem Einlass in den Verkostungssaal Unmut. Der verzögert sich, weil noch nicht alle Weine an den Plätzen der Verkoster bereit stehen. Die Teilnehmer warten vor einer Schwingtür, bei der man sogar die Scheiben – nur für diese Veranstaltung – mit Milchglasfolie versehen hat. Die Aufregung ist verständlich: Man musste sich schließlich einige Zeit vorher im Internet für die Teilnahme an dieser Challenge registrieren. Und nicht jeder in der Schlange ist sich sicher, ob sein Name auf der Liste steht. Manche haben die Email-Bestätigung von der Anmeldung ausgedruckt dabei. Und auch ich schaue noch mal sicherheitshalber bei meinem Handy im digitalen Posteingang nach.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Der Einlass beginnt. Seinen Platz darf man frei wählen. Kurz vor 11 Uhr geht es dann los. Kein geringerer als Guillaume Deglise (CEO von der Vinexpo) stellt den Wettbewerb und Paolo Basso vor. Jedem ist bewusst, dass es jetzt um die eigenen Fähigkeit als Verkoster von Wein geht. Keine Veranstaltung zum Zuhören, wo man dann über den Referenten lästern kann, weil er irgendetwas falsch gemacht hat. Die eigenen Verkostungsfähigkeiten werden jetzt geprüft. Eine Prüfung. Vor allen Teilnehmern stehen 10 befüllte Weingläser auf dem Tisch. Eine Flasche Wasser, ein Stift und einen Notizblock gibt es auch noch. Den Spucknapf muss man sich mit seinem Nachbarn teilen. Die ersten vier Weine sind weiß, dann folgen 5 Rotweine und schließlich ein süßer reifer Wein. Das riecht man schon. Und man sieht es an der Farbe.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Bei den anderen Weinen herrscht eine ziemliche Unsicherheit, was man da denn ins Glas bekommen hat. Ich frage mich: Habe ich irgendwo Heimvorteil? German Riesling etwa? Da würde ich mir durchaus zutrauen mit einer gewissen Treffsicherheit – die deutlich über der Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt – zumindest auch noch die Region und die Stilistik zu erkennen. Fragen über Fragen, die man sich selbst stellt. Aus solchen Überlegungen herausgerissen: Mit dem ersten Wein geht’s los.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Während man selbst verkostet, beschreibt Paolo Basso die Weine. Dabei gibt es aber nicht wirklich Hinweise. Manches erscheint mir nachvollziehbar. Anderes nicht. Und Paolo Basso hat ganz offensichtlich eine sehr kreative und erfrischende Art Weine zu beschreiben. Das schätze ich an ihm: Er bringt mich auf neue Ideen. Das ist unterhaltsam, aber nicht in dieser im Grunde ziemlich albernen Slapstick-Manie, die in Deutschland leider in den vergangenen Jahren immer mehr grassiert. Ich versuche aus dem von Paolo Basso gesagten irgendetwas abzuleiten. Was soll ich denn nun in die drei Felder pro Wein eintragen? Insgesamt gibt es bei dem Wettbewerb 100 Punkte. 5 Punkte für das richtige Erzeugerland drei Punkte für die Rebsorte und zwei für den Jahrgang. Pro vollkommen richtig erkannten Wein sind es also 10 Punkte, so rechne ich. Und schon gibt es eine Nachfrage von einer anderen Teilnehmerin. Meint die Rebsorte die Hauptrebsorte oder sind die Weine alle jeweils nur aus einer Rebsorte? Das erste trifft zu. Schon wieder versuche ich daraus eine Bedeutung für meine Einträge in die insgesamt 30 Felder herauszuhören.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Um sich herum hört man ständiges Schlürfen. Ab und zu klingen Gläser aneinander. Das Spucken der Weine geschieht lautlos. Das Tempo dieser Blindverkostung ist nicht zu schnell. Ich verkoste sehend häufig durchaus zügiger. Guillaume Deglise stellt zwischendurch unterhaltsame Fragen an Paolo Basso. Das wirkt entspannend. Trotz dem Willen zu gewinnen, wird es zu einer freundlichen Veranstaltung – mit Humor bisweilen sogar. Ich vergesse fast schon die Bedeutung hier im Wettbewerb gut abschneiden zu wollen. Gewinnen ist ohnehin gar nicht das Ziel. Dabeisein ist alles.

Blind-Tasting auf der Vinexpo mit Paolo Basso

So geht es von einem Wein zum nächsten. Immerhin glaube ich den Weißwein aus dem Burgund richtig zugeordnet zu haben. Meine Lösung ist also Frankreich und Chardonnay. Der Fasston legt nahe, dass es nicht 2014 ist, aber je nach Dauer des Hefelagers kann man sich beim Jahrgang nur schwer festlegen, außer man kennt die Jahrgangsspezifik bei den Weißweinen im Burgund. Aber auch die Lage und der Winzer haben erhebliche Einflüsse auf die Weine. Und dass es hier um einige wirkliche herausragende Weine geht, hatte ich schon vorher erfahren. Beim Gewürztraminer bin ich mir der Rebsorte fast sicher. Es könnte aber auch eine andere Aromasorte sein. Die Region ist nicht wirklich einfach. Der Wein ist gar nicht so opulent, sondern recht feingliedrig, so scheibe ich Italien wegen Südtirol. Die Rotweine empfinde ich als recht schwierig zuzuordnen. Dann werden die Zettel eingesammelt. Und ich ahne böses.

Gleich bei der ersten Auflösung liege ich daneben, was etwas peinlich ist. Denn es handelt sich um einen Verdejo aus Rueda. Peinlich, weil ich erst im vergangen Jahr dort war und intensiv verkostet habe. Ich habe den locker für einen Sauvignon Blanc gehalten. Sicherlich ist der Rebsorte nicht unähnlich. Aber mir war eigentlich klar, dass dieser Weißwein aus Europa kommt. Das Land wusste ich nicht. Nach dem Gesetz der großen Zahlen habe ich dann trotzdem einfach Neuseeland hingeschrieben. Mist. Aber wenn man den Verdejo nicht erkannt hat, ist auch nicht auf das Erzeugerland Spanien gekommen.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Der Gewürztraminer kam nun bei der Auflösung aus dem Elsass. Das war nicht wirklich einfach zu erkennen. So fehlte dem Wein aus meinem Eindruck bei der Blindverkostung der dort übliche kräftige Körper. Bei den Rotweinen hatte ich dann ein paar Rebsorten richtig erkannt. Da waren ein Pinot Noir (aber wer kommt schon auf die richtige Lösung bei der Herkunft: USA) und ein Malbec, den hätte ich eher nach Frankreich verortet und nicht nach Argentinien. Das meinte ich von der Säurestruktur so zu erkennen. Falsch! Bei dem Barolo habe ich nicht mal das Land zuordnen können. Und ich fand den ehrlich gesagt nicht wirklich lecker. Das ist nun mal Blind.

Beim letzten Wein war ich nur knapp daneben. Ich hielt es für einen süßen PX-Sherry, also Spanien. Es war jedoch ein Moscatel aus Portugal mit Anteilen, die ca. 20 Jahre alt waren. Geografisch dicht daneben, aber vorbei. Meinen Punktestand möchte ich im Nachhinein lieber nicht erfahren. Es war aber eine sehr spannende und schöne Gelegenheit wieder einmal aus einer anderen Perspektive etwas über die eigenen Geschmacksnerven zu lernen. Und blind zu verkosten ist eben dann doch gar nicht so einfach. Damit meine ich nicht eine Blindverkostung, bei der man den jeweiligen Wein beschreibt und bewertet. Das ist eigentlich recht einfach. Aber bei großen Weinen von berühmten Erzeugern die eine sehr eigene Handschrift in die Weine bringen und nicht nur in der Mitte des Geschmackskorridors der Region liegen, sieht dies anders aus.

Üben für das Blind-Tasting

Mir war schon lange klar, dass ich nicht weit vorne mit dabei bin. Man merkte, dass einige Teilnehmer wirklich zielgerichtet trainiert hatten. Zielgerichtet heißt, man konzentriert sich auf nichts Besonderes und baut seinen Verkostungsplan über längere Zeiträume so auf, dass alles (und auch sehr abwegiges) einmal mit dabei ist. So etwas mache ich natürlich nicht. Ein strenges Trainingsprogramm würde mir den Spaß am Wein nehmen. Es wird von mir alles irgendwann mal probiert, aber bunt durcheinander. Und Weine, die nicht wirklich auf dem Markt sind, kommen bei mir selten ins Glas. So schön es auch klingt; es ist nicht mein Ziel jeden existierenden Wein blind zuordnen zu können. Wer kennt sich denn schon bei Weißwein aus Griechenland aus? Ja, klar Retsina erkennt man sicherlich auch ohne viel Ahnung vom Wein zu haben. Aber sonst?

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Glückwunsch an den Gewinner Miguel Chan. Der in Johannisburg lebende Sommelier arbeitet für die Tsogo Sun Hotels. Und auch er schien selbst überrascht zu sein. Der Preis – eine Riesen-Flasche Champagne Bollinger Rose – tritt jetzt nach der Vinexpo die Reise nach Südafrika an, wo sie sicherlich viele Menschen zusammen beglücken wird. Man kann nach dieser Verkostung nur Respekt vor der Leistung mancher Sommeliers haben. Diese Blindverkostung mit Paolo Basso war ein echter Höhepunkt der Vinexpo. Zugleich war es am fünften Tag der Weinfachmesse in Bordeaux ein würdiger Abschluss. Ich habe nach einer kleinen Pause dann noch etwas hervorragende Champagner verkostet. Einen Bericht dazu werde ich in den kommenden Tagen noch nachreichen.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?

Mittwoch, 17. Juni 2015

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Bei all dem ganzen Wein auf der Vinexpo kann man sich wirklich fragen: Was wollen wir Essen 5 Tage lang? Eigentlich hat man so viele Termine, viele stehen auf Weinmessen völlig unter Strom, so dass das Essen eigentlich nur noch Nahrungsaufnahme ist. Die Vinexpo hat hier – eigentlich in französischer Tradition, in der Speisen mit Wein kombiniert sind und auch in mediteraner Kultur, die das ähnlich handhabt – eine andere Lösung parat.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Man kann auf dieser Weinfachmesse in Bordeaux tatsächlich auf seine Genüsse kommen. Eigentlich ist es sogar schwer etwas zu finden was irgendwie stinkt oder mit Geschmacksverstärkern verseucht ist. Das Showcooking im „L’Atelier Food & Wine“ veranstaltet in Kooperation von Gault Millau und der Vinexpo zeigt unterhaltsam und präzise wie exzellente Küche mit hervorragenden Weinen kombiniert werden kann. Ich habe mich gestern von Virginie Basselot vom Saint James in Paris bekochen. Die Präsentation der Weine übernahm Sommelier Micael Morais. Dieser empfahl Chateau Saint-Piere aus Saint-Julien aus den Jahrgängen 2002 und 2009. Fisch und Rotwein geht doch.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Virginie Basselot vom Saint James in Paris

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Sommelier Micael Morais

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Insgesamt gibt es auf der Vinexpo 16 dieser hochwertigen Kochveranstaltungen. Aus Deutschland wurde keine geringeren als Thomas Bühner und Sommelier Sven Oetzel vom Restaurant La Vie in Osnabrück für dieses Projekt gewonnen. Aber es waren auch Spitzenköche aus Belgien und den Niederlanden beteiligt. Mir hat daran sehr gefallen, dass hochwertig und sehr gut abgestimmt die Kombination von Speisen und Wein erlebbar ist. Zudem gab es die Möglichkeit vom Publikum Fragen zu stellen und Anmerkungen zu geben. An der Qualität dieser Diskussionen zeigt sich für mich, dass diese Veranstaltungsreihe sehr fruchtbar ist und sich wahrscheinlich auch für die Spitzenköche und Sommeliers lohnt, da es ein detailliertes Feedback vom Fachpublikum gibt.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Aber auch jenseits des offiziellen Programms zeigt sich auf der Vinexpo, dass auch bei Großveranstaltungen eine gute Verpflegung möglich ist. Und dies in allen Kategorien. So stehen am Ufer des Sees hochwertige Restaurants zur Verfügung. Die habe ich nicht getestet, wobei ich es sehr entspannend finde zu wissen, dass es auf der Messe genügend Besucher gibt, die diese Angebote wahrnehmen und auch reichlich Zeit mitgebracht haben.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Aber auch der eher schnellere Genuss ist möglich. Es kann eigentlich alles so einfach sein. Das sehen die Stände mit Baguette belegt mit Schinken bis Foie Gras. Der Preis dafür beginnt bei ca. 5 Euro, was für die Qualität durchaus günstig ist. Für asiatische Besucher gibt es auch eine Speisemöglichkeit die ich aber nicht genutzt habe. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass bei der Internationalität, die die Stadt Bordeaux ausstrahlt die durchaus lohnenswert ist.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Eine Idee hat mich aber wirklich begeistert. Da steht alle fünf Messetage der Austern-Truck. Die Idee ist genial. Hier wird FastFood zu StreetFood. Der Unterschied ist ziemlich einfach: Während das erste häufig nur Bähh ist, glänzt Street Food mit Ideen. Es geht um den mobilen und urbanen Menschen der – anders als in der Urlaubsgastronomie wo es Restaurants reicht, die Besucher nur einmal auf den Arm zu nehmen – auch an die Orte wieder kommt und deswegen selektiert. Das ist aus meiner Sicht der Kern der Veränderung von FastFood zu StreetFood.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Der Austern-Truck offeriert 6 Austern und ein Glas Wein für 6 Euro. Als Wein gibt es einen Entre-deux-Mers. Eine schöne Kombination. Das Angebot wird von den Besuchern dem entsprechend sehr umfangreich angenommen. Die Vinexpo ist in den Kategorien Qualität, Ideenreichtum, Vielfallt und beim Thema Essen und Wein ganz weit oben mit dabei. Wer hier nicht aus seine Genüsse kommt, dem ist nicht mehr zu Helfen.

Heimspiel in Bordeaux

Dienstag, 16. Juni 2015

Heimspiel in Bordeaux Es wäre sicherlich etwas seltsam von Deutschland zur Vinexpo nach Bordeaux zu fahren, um dort deutsche Weine zu verkosten. So gut viele von denen hier präsentierten Weinen sind, dafür gibt es in der Heimat genug andere Anlässe. Die vergangenen Tage waren auf der internationalen Weinfachmesse für mich durchaus sportlich. So machen wir mal einen Tag unter dem Titel: Heimspiel in Bordeaux. Man könnte es auch den Regenerations- oder Deutschlandtag nennen. Auf der Vinexpo gibt es vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen Gemeinschaftsstand an dem unter anderem das Deutsche Weininstitut (DWI) und die Prädikatsweingüter (VDP) vertreten sind. Also auf zur Presentation officielle allemande.

Heimspiel in Bordeaux mit dem VDP Die Gestaltung des Standes ist recht schön, hell und aufgelockert. Und es gibt erstaunlich viele unterschiedliche und große Weine die man hier zu probieren kann. Da steht beim DWI ein Riesling von Dönnhoff neben dem Sekt vom hierzulande gefeierten von Buhl. Sicherlich ist der deutsche Stand auf der Vinexpo in den vergangenen Jahren etwas keiner geworden, was an einem Rückgang beim Interesse der Weingüter liegt, nach Bordeaux zu kommen, so höre ich. Zugleich wird aber eine Verbesserung der Messe hervorgehoben. Der Andrang sei sogar stärker als in den vergangenen Ausgaben der Weinfachmesse Vinexpo, was unter anderem an einer besseren Position in mitten von der Halle 1 liegt.

Heimspiel in Bordeaux Traditionell wird der deutsche Riesling auf der Vinexpo gesucht. Zugleich wird das Interesse am deutschen Spätburgunder immer größer. So war die Veranstaltung des DWI zum Pinot Noir stärker besucht als zum Süßwein. Auch beim VDP sieht man neben einem generellen Wachstum im Export und einen Bedeutungsgewinn des Spätburgunders aus Deutschland auf den internationalen Märkten. Ein Fakt der mir so zuvor auch noch nicht bekannt war: Deutschland ist der drittgrößter Erzeuger von Pinot Noir auf der Welt, wie Ulrike Lenhardt vom DWI erklärt. Und mit diesen Weinen kann man auch international positiv überraschen und am Weinland Deutschland in seiner Vielfalt begeistern.

Heimspiel in Bordeaux Neben Journalisten und Importeuren wenden sich vor allem junge und sehr interessierte Sommeliers an die deutschen Aussteller. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern. Es gibt neben einigen Französen viele Asiaten, aber es gibt auch ein Interesse aus Portugal oder gar Indien. Ulrike Lenhardt meint, dass man hier „Pionierarbeit“ leistet. Um die junge Nachfrage anzusprechen wird beim DWI das Thema Generation Riesling in den Veranstaltungen hervorgehoben.

Deutsche Weine – Heimspiel in Bordeaux

Auch der VDP setzt bei seinen präsentierten Weinen – neben globalen Größen – auf jüngere Weingüter. Hilke Nagel erklärte, dass der Verband zwar international nicht unbedingt so bekannt sei, aber einige der in ihm organisierten Weingüter. Die Zahlen belegen eine erfreuliche Entwicklung. Es gab 2014 ein Wachstum im Export auf einen Anteil von 22%. Beim VDP zeigt sich noch etwas anders: Die Verweildauer an den Ständen ist sehr lang. Deutsche Weine gilt es in ihrer Vielfalt zu entdecken. Immerhin ist die Qualitätspyramide nun leichter erklärt, da sie der aus Burgund ähnlich ist.

Heimspiel in Bordeaux Ulrich Langguth von der Export-Gemeinschaft Mo-Rhe-Na hob hervor, dass er auf den Messen in Verona, Düsseldorf und Bordeaux jeweils unterschiedliche Kunden erreicht. Auf der Vinexpo schätzt er vor allem die Internationalität des Publikums. Gestern sprach ich schon kurz mit dem Exportdirekter Matt Giedraitis vom VDP-Weingut Dr. Loosen. Zwar ist das Weingut nicht mit einem Stand auf der Vinexpo vertreten, zwei Weine aus den USA und von der Mosel gab es jedoch auf einer Präsentation in Zusammenarbeit der Vinexpo mit dem Wine Spectator zu probieren. Giedraitis bestätigte, dass die Gespräche die er in Bordeaux führt, sehr positiv sind und sich als eine Verbesserung zur vorherigen Ausgabe darstellen. Nach dem Heimspiel in Bordeaux geht es morgen mit anderen Themen von der Vinexpo weiter.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley

Montag, 15. Juni 2015

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley Heute habe ich mir auf der Vinexpo in Bordeaux die Sonderverkostungszonen angesehen. Diese sind nach den Trendthemen (ich berichtete) Schaumwein, Rose und Süßwein gegliedert. Die Verkostungszonen sind nicht nur optisch sehr ansprechend und hervorragend. Nachdem der Badge gescannt wurde bekommt man ein Glas mit dem man sich aus perfekt gekühlten Flaschen über ein System einen Probeschluck abzapfen kann.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley Mich begeisterte insbesondere der Bereich mit den Schaumweinen. Hier gibt es Champagner (von meist eher kleineren Erzeugern), Cava und Cremant aus unterschiedlichen Regionen. Leider habe ich in den drei Verkostungszonen nichts aus Deutschland gefunden. Dabei sind diese recht international bestückt. Und Deutschland kann zumindest in den Kategorien Süß- und Schaumwein Erzeugnisse in der weltweiten Spitzenklasse vorweisen. Es gab es sogar Süßweine aus Portugal und der Türkei. Ich muss mir mal genauer anschauen wie die Auswahl für diese Verkostungszonen passiert.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley Ein zweites Thema war heute die Verkostung von Cabernet Sauvignon aus Napa. Hintergrund ist, dass die USA das diesjährige Partnerland der Weinfachmesse Vinexpo ist. Das Napa-Valley umfasst ca. 18.000 Hektar und ist in 16 Gebiete unterteilt (die Moderatorin meinte Appellationen, was durchaus lustig klingt). 40% macht hier der Cabernet Sauvignon aus. Der internationale Durchbruch gelang hier mit dem berühmten Paris-Tasting, da bei dieser Blindverkostung überraschend ein Chardonnay und ein Cabernet aus Napa gewannen.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa ValleyZur Verkostung standen in dem Flight fünf Rotweine aus hauptsächlich Cabernet. Es ging dabei zurück bis in das Jahr 1998. Der Cabernet vom Spring Mountain Vineyard zeigte sich noch ertaunlich gut beisammen und recht frisch mit einer lebendigen Säure. Sicherlich war er mit ziegelrotem Rand im Glas. In der Nase waren feine Reifenoten mit Tabak und Leder. Der Nachhall war sehr schön mit dezenten Schwarzen Johannibeeren.

Der 2009er Cabernet Sauvignon von Staglin Family Vineyard erschien kaum so alt wie er war. Auch hier begeisterten die lebendige Säure und der frische aber lange verspielt fruchtige Nachhall. Der 2011er vom Silverado Vineyards heißt zwar Solo aber irgendwie erinnert er mich etwas an Cabernet Franc. Dann gab es noch einen von Ingenook (2012) und vom Weingut Chateau Boswell Winery (2013). Wobei mir zweiter in seiner Casisnote etwa mächtig war. Insgesamt zeichnen sich diese Weine durch schwungvolle Säure und dadurch gute Trinkbarkeit aus.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley Bleiben wir in der USA. Jedoch nur zur Hälfte. Weiter geht es mit einer Verkostung des Wine Spectator und der Vinexpo unter dem Titel Global Connections. Hier gibt es jeweils einen Wein einer Companie aus den USA und woanders her. Als einer der wenigen fällt einem aus deutscher Sicht hierbei Dr. Loosen von der Mosel ein. Das Weingut exportiert nicht nur kräftig in die Staaten, sondern hat in Washington State auch eigenes Weingut mit dem Namen Chateau Ste. Michelle. Ganz interessant mal den Riesling aus dem Columbia Valley verkosten zu können.

Vinexpo 2015: Sonderverkostungszonen und USA incl. Napa Valley Was mich jedoch wirklich überraschte, war dass einige große Champagne-Häuser zugleich Wein oder Schaumwein in den USA erzeugen. Das sind die großen Marken Roederer, Taittinger und Moet Hennessy mit der Domaine Chandon. Alle diese Doppelweinguter der Champagne-Häuser liegen in Kalifornien. Viele weitere der vom Wine Spectator präsentierten 34 Aussteller haben eher einen Link innerhalb der Kategorie Übersee. Leider musste ich bei der Veranstaltung recht schnell weg. Der Shuttlebus zur Abendveranstaltung auf Chateau Beychevelle wird bestimmt nicht auf mich warten.

Vinexpo mit #DigiZone, Hollande und DWWA

Sonntag, 14. Juni 2015

Vinexpo mit #DigiZone, Hollande und DWWA Der erste Programmpunkt auf der Weinfachmesse Vinexpo in Bordeaux war heute die Einweihung der #Digizone. Hier gibt es in schnellem Rhythmus Veranstaltungen zu wechselnden Themen. Da habe ich einen spannenden Wein aus Griechenland verkostet. Aber es ist hier auch eine hervorragende Arbeitssituation. Das Netz läuft ohne Probleme und es gibt Tisch, Stuhl und etwas zu trinken. Die #DigiZone ist wirklich gut. Da wünsche ich mir auch auf anderen Messen.

Vinexpo mit #DigiZone, Hollande und DWWA Gestern ging schon durch die Presse, dass der französische Staatspräsident François Hollande die Vinexpo besuchen wird. Fast zufällig lief er mir über den Weg und so entstand folgendes Foto. Es ist sehr löblich, dass der Präsident sich den wichtigen Themen wie Wein zuwendet. Für Frau Merkel ist auch das sicherlich Neuland. Man sollte dabei aber schon berücksichtigen, dass die wirtschaftliche Bedeutung von Wein in Frankreich wesentlich größer ist, als in Deutschland.

Vinexpo mit #DigiZone, Hollande und DWWA Neben vielen anderen Verkostungen und Gesprächen war ein zweiter wichtiger Punkt die Vorstellung der Gewinner des 12ten Decanter World Wine Awards (DWWA). In einer Masterclass wurden von Steven Spurrier (Redakteur beim „Decanter“ und Juryvorsitzender) sowie die Sommelier-Weltmeister Gerard Basset, Paolo Basso und Markus Del Monego acht der mit Gold oder Silber ausgezeichneten Weine vorgestellt. Motto war „Ungewöhnlich“.

Vinexpo mit #DigiZone, Hollande und DWWA Am meisten hat mich bei der Verkostung dieser außergewöhnlichen Weine aus dem DWWA der Schaumwein von Coates & Seely aus Hampshire begeistert. Abgesehen davon, dass ich noch nicht viele Sprakeling aus Großbritannien probiert habe, war dieser Blanc de Blanc aus Chardonnay erstaunlich gut. Dann gab es noch zwei Weißweine aus der Schweiz. Weiterhin probierte ich in der Masterclass einen roten Anjou von der Loire, einen Cabernet Franc aus Ungarn, Rotweincuvees aus Marokko und der Türkei. Als letztes gab es einen Süßwein aus Australien mit der Rebsorte Muscat.

Anflug auf Bordeaux

Samstag, 13. Juni 2015

Anflug auf Bordeaux
Morgen geht’s mit der Vinexpo los. Ein freundlicher Pilot der Air France drehte noch mit seinem Airbus eine kleine Schleife über das Messegelände. So gelangen mir auch einige Fotos. Das Langesteckte am Ufer des Sees ist Halle 1 an deren Enden sich dann die Hallen 2 und 3 befinden. Der rote Streifen ist kein Fehler auf dem Bild, sondern die berühmte lange Brücke, die man zwischen dem Congresscenter und der neuen Weinwelt der internationalen Fachmesse Vinexpo überqueren kann.

Anflug auf Bordeaux
Mit guter Verkehrsanbindung hat die Anreise zur Vinexpo sehr gut funktioniert. Schon am Flughafen Paris wurde man von der Weinfachmesse willkommen geheißen. Der Partner Air France hat in seinem Bordmagazin gleich eine Vielzahl von Seiten zum Thema Wein. Unter anderem auch ein Interview mit Paolo Basso MW, der ebenso für die Weinauswahl der Fluggesellschaft verantwortlich ist. Und so wie es aussieht zeigt sich das Wetter von einer messefreundlichen Seite: Es ist nicht zu warm.

Anflug auf Bordeaux Morgen werde ich von der Messe selbst berichten. Dann direkt von der #Digizone. Im Hotel besteht das Netz eher aus groben Maschen.