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Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen Jetzt gibt es Coravin. Eigentlich braucht man für den Spaß im Glas nur einen guten Wein, ein dazu passendes Trinkgefäß und einen Flaschenöffner. Dann kommt erst mal nicht viel. Dachte ich bevor ich Greg Lambrecht auf der internationalen Weinfachmesse Vinexpo in Bordeaux traf. Im eigentlichen Weinbusiness ist der Erfinder und Firmengründer recht neu. Es gab schon einige kleine Veranstaltungen, aber die Vinexpo ist auch die erste größere Gelegenheit in Europa bei der das neue Produkt Coravin vorgestellt wird.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Dieses Produkt passt auf die Weinfachmesse. Eigentlich eher zufällig ist die USA das diesjährige Gastland der Vinexpo in Bordeaux. Hier ist der erste große Messeauftritt dieses Unternehmens. Bestimmt ist es nicht ganz zufällig. Die Vinexpo ist im Aufbruch in eine neue Zeit. Es gilt neue Entdeckungen zu machen. Ebenso sind Gründer wie Greg Lambrecht aus der Kleinstadt Burlington in Massachusetts archetypisch dafür etwas Neues zu schaffen.

Coravin: Das Weinentnahmesystem

In Bordeaux erzählt mir Lambrecht die Entstehungsgeschichte von Coravin. Und die ist ziemlich simpel, so wie auch die Grundidee des Geräts eigentlich sehr einfach ist. Alles begann als seine Frau Schwanger war. Eine Weinflasche – die man zuvor zu zweit gelehrt hatte (notfalls über Tage verteilt) – wurde einfach nicht leer. So landeten die Reste auch von guten Weinen regelmäßig im Ausguss. Wer hat schon noch Freude mit oxidiertem Wein?

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Etwas Neues musste her und so kam Lambrecht der Gedanke zu Coravin. So einfach die Grundidee ist, umso komplizierter ist eine präzise Umsetzung. Die Idee liegt nun schon mehr als 15 Jahre zurück. Seit dem tüftelte der Erfinder immer wieder. Es geht darum Wein aus der Flasche zu bekommen ohne jedoch großartig einzugreifen. Lambrecht kommt eigentlich aus der Medizin. Evtl. lag deswegen die Idee mit einer Nadel recht nahe. Es ist eher ein chirurgischer Eingriff. Um im Bild zu bleiben: Ziel eines Mediziners ist es nur das zu entnehmen was notwendig ist (z.B. krankhaftes Gewebe, oder Blut um dieses zu testen). Dabei soll jedoch und den alles andere möglichst gesund bleiben.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Übertragen auf den Wein heißt dies: Ein minimaler Eingriff mit einer Nadel. Da fehlt nur noch ein Pflaster. Für Coravin ist dies das Edelgas Argon. Der angestochene Korken bleibt hingegen nach dem Entfernen der Nadel dicht. Die Entwicklung war recht aufwendig, wie Lambrecht schildet. Die Nadel muss aus dem richtigen Material sein, das Gas muss den richtigen Druck haben. Und welches Gas nimmt man eigentlich? Die Wahl fiel auf Argon, einem Edelgas, dass auch als Schutzgas bei der Weinherstellung und zur Haltbarmachung von Lebensmitteln eingesetzt wird. Und was für ein Material setzt man bei der Nadel ein? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Korken können sehr unterschiedlich sein. Bei reifen Weinen ohnehin.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Erst 2011 gründete Lambrecht nach langem tüfteln eine Firma. Erst kürzlich stiegen in einer dritten Finanzierungsrunde einige Investoren mit ca. 13 Millionen US-Dollar bei Coravin ein. Insgesamt hat das Unternehmen damit 39 Millionen Dollar erhalten. Jetziges Primärziel soll nach der Entwicklung nun die Vermarktung sein. Man spricht davon „die Art Wein zu servieren, privat zu genießen und zu verkaufen grundlegend zu ändern“. So durchdacht die Konstruktion des Gerätes ist: Das Ergebnis Coravin ist zugleich recht einfach in der Handhabung. Man setzt das Gerät oben auf die Flasche. Dann wird der Korken mit der Nadel durchstochen. Nun wechselt das Argon mit dem ausgeschenkten Wein. Nachdem die Nadel wieder entfernt wurde, ist die Flasche wieder absolut dicht. Man kann dieselbe Flasche auch mehrmals anstechen.

Das Weinentnahmesystem Coravin für Gastronomie, Handel und den privaten Weinliebhaber

Als Zielgruppen von Coravin sind die gehobene Gastronomie, der private Weinliebhaber und der Einzelhandel anvisiert. Bei allen drei Anwendungsbereichen kann dieses System einen Mehrwert erzeugen. So gut es alles bis hier her klingt: Das System ist leider nicht gerade billig. Für Menschen die sehr hochpreisige Weine trinken, verkosten oder verkaufen, kann es jedoch trotzdem eine sehr lohnenswerte Sache sein. Man kann mit Coravin ein und dieselbe Flasche Wein über Jahre in der Verkostung weiter verfolgen. Nach Aussagen der Hersteller gehen die Alterungsprozesse genauso weiter wie normal.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Wir waren extra zu einem Tasting von Coravin nach Düsseldorf gefahren um dies zu überprüfen. Dabei wurden jeweils der Grüne Veltliner „Spiegel“ von Fred Loimer aus dem Jahrgang 2002 und der 1997er Brunello von der Cantina Costanti in jeweils fünf Gläser verteilt. In einigen dieser Gläser waren Weine aus Flaschen, die vor genau einem Jahr schon einmal mit Coravin etwas entnommen wurde. In anderen Gläsern war derselbe Wein aus einer ganz normal an diesem Tag geöffneten Flasche.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Beim Tasting zeigen sich zwei Ergebnisse. Keiner der Weine war oxidiert oder in anderer Form negativ beeinflusst. Und auch bei der Abstimmung zeigte sich annähernd eine Gaußsche Normalverteilung. Ganz selten gelingt es Verkostern die mit Coravin angestochenen Flaschen zu erkennen. Der Unterschied ist allerdings extrem gering. Und gerade bei etwas älteren Jahrgängen hat man meist eine wesentlich größere Varianz der Einzelflaschen, als dies durch das System Coravin entsteht.

Coravin: Wein trinken ohne die Flasche zu öffnen
Ein wirkliches Problem bleibt aber noch. Denn als ich Lambrecht auf der Vinexpo in Bordeaux traf und wir uns über Coravin unterhielten, zeigte sich noch etwas anderes. Wie bezeichnet man eigentlich die angestochenen Flaschen? Wirklich geöffnet sind sie ja nicht. Und ganz normal verschlossen sind sie eigentlich auch nicht. Eher irgendetwas dazwischen. Evtl. könnte man diesen Wein als „coraviniert“ oder „gecoravint“ bezeichenen, so wie man ja auch etwas gegoogelt hat. Bei weiteren Ideen uns bitte eine Email schicken. Danke.


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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