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Fünf Fragen an Martin Kusej: Histamine im Wein

Histamine im Wein histaminfreier Wein Das Thema Wein ist lange kein reines Spaßthema mehr. Lebensmittelunverträglichkeiten nehmen immer mehr zu. Und da hört der Spaß dann für einige auf. Bei Wein ist neben dem Alkohol lediglich die Kennzeichnung von Sulfiten vorgeschrieben, was jedoch die meisten Weinkonsumenten eher verunsichert, als dass damit Klarheit geschaffen wird. Dann gibt es noch – jenseits der eigentlich wirklich gesundheitsrelevanten Thematik – veganen Weinen. Doch das Wissen über Histamine im Wein ist auch in der Weinfachwelt kaum verbreitet. Deswegen haben wir Martin Kusej von Histavino zu diesem Thema befragt.

Frage: Als Laie würde man vermuten, dass es Weine gibt, die automatisch weniger Histamin enthalten. Weißweine würde man da z.B. eher vermuten als Rotweine. Bioweine könnte man ganz spontan auch in diese Kategorie werfen. Gibt es Weinstile oder Rebsorten, die weniger Histamin enthalten?

Unter den histaminarmen/-freien Weinen gibt es sowohl Rosé-, wie auch Weiß- oder Rotwein. Die Rebsorte ist nicht entscheidend darüber, ob der daraus gemachte Wein mit oder ohne Histamin hergestellt wird. Nach dem Genuss von Rotwein werden Unverträglichkeiten eher beobachtet, als nach Weißwein.

Frage: Was sind Histamine? Wie entstehen sie?

Histamine sind eigentlich natürliche Substanzen. Sie befinden sich in einer Vielzahl an Lebensmitteln und werden außerdem vom menschlichen Körper selbst gebildet. Sie haben die Aufgabe, als Botenstoffe zu arbeiten und sind verstärkt an entzündlichen oder allergischen Reaktionen beteiligt. Sie werden im Körper von einem körpereigenen Enzym wieder abgebaut, das sich in der Darmschleimhaut befindet. Aus verschiedenen Gründen können Probleme auftreten.

Histamine im Wein histaminarmer Wein
Bilck in den Gärtank

Frage: Was machen die Winzer genau um histaminfreie Weine zu erzeugen?

Aufgrund jahrelanger Erfahrung können Winzer, die histaminarmen/-freien Wein produzieren, mittlerweile sehr gute solcher Weine anbieten. Die meisten von ihnen arbeiten biologisch und stellen nicht nur histaminarmen, sondern auch fructosearmen, sulfitarmen und veganen Wein her. Zur Herstellung werden neue BSA-Starterkulturen verwendet, die weniger oder gar kein Histamin bilden. Histaminarmer/-freier Wein wird pasteurisiert, also erhitzt, um die spontane Hefe- und Bakterienpopulation auszuschalten.

Frage: Schmecken histaminfreie Weine anders?

Solange die Pasteurisation korrekt durchgeführt wird, sodass sich keine Luftblasen im geschlossenen System bilden, verändert sich der Geschmack des erhitzten Weins nicht. Es wird nur aus emotionalen Gründen befürchtet, dass eine Geschmacksänderung stattfindet, weil der Vorgang der Pasteurisation fälschlicherweise mit dem Verkochen gleichgestellt wird. Die Qualität der histaminarmen Weine ist sehr hoch und jeder von ihnen hat ebenso einen individuellen, aber herausragenden Geschmack.

Frage: War es einfach die Weine für den Shop zu finden? Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Weingütern?

Nachdem ich mich aus persönlichen Gründen mit dem Thema Histaminintoleranz beschäftigt habe, weil ich mich nach dem Genuss von Rotwein nicht so wohl gefühlt habe, konnte ich einige Winzer in meiner Umgebung finden, die sowohl nach biologischen Grundsätzen anbauen, als auch Weine ohne bzw. wenig Histamin ausbauen. Die Erfahrung dieser Winzer basiert auf jahrelanger Entwicklung und hat dazu geführt, dass sie ausgezeichnete TOP-Weine anbieten.

Ich setze mich sehr für die biologische Wirtschaftsweise ein, was bei der Auswahl der Winzer, mit denen ich zusammenarbeite, eine entscheidende Rolle gespielt hat. Ein schöner Spruch von Darwin, den sich meine Kooperationspartner zur Aufgabe gemacht haben, lautet: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“ Dafür steht auch Histavino – arbeiten mit der Natur, als Ziel Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit zum Genuss zu verhelfen, denn es wäre doch schade, auf guten Wein zu verzichten, den uns die Natur geschenkt hat.

Kurzportrait
Da histaminarme Weine kaum im traditionellen Handel erhältlich sind, betreibt Martin Kusej einen Internetshop, in dem eine erstaunlich große Anzahl dieser Weine erhältlich sind. Das Motto ist hier “Arm an Histamin, reich an Geschmack”. Der Shop heißt Histavino.


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Fünf Fragen an Martin Kusej: Histamine im Wein

 

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