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Ist „Deutscher Wein oft gepanscht“?

Nach der Ausstrahlung einer Fernsehsendung über die neuen Produktionsmethoden bei der Weinerzeugung in der ARD erscheinen schockierende Pressemeldungen zu angeblichen Weinpanschereien in Deutschland. Um dieses Thema ist nun eine Auseinandersetzung entbrannt. Im Kern dabei seht die Behauptung, dass „Deutscher Wein oft gepanscht“ sei. Die These bezieht sich auf die Ergebnisse des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz. Dieses hatte laut ihrem 2005er Jahresbericht 5500 Proben von deutschen sowie ausländischen Weinen untersucht. Es handelt sich also keineswegs um eine Vollerhebung deutscher Weine oder auch nur der aus Rheinland-Pfalz. Weiterhin ist dies keine repräsentative Stichprobe, sondern es geht um die Ergebnisse von Proben, die unter anderem auch erst in Verdachtsfällen genommen wurden. Daher sind Verstöße deutlich überrepräsentiert. Die vorliegenden Zahlen sowie der Ansatz des Jahresberichts wurden von den betreffenden Journalisten also vollkommen falsch interpretiert.

Demnach sind die in den Medien verwendeten Prozentangaben irrelevant. Der größte Teil der Beanstandungen betrifft weiterhin keine „Panschereinen“ sondern z.B. eine mangelhafte Kennzeichnung oder der Nachweis von Rotweinspuren im Weißwein, was die Folge fehlender Reinigung von Erntemaschinen ist. Die in der Untersuchung für das Jahr 2005 ermittelten „unzulässigen Behandlungsstoffe und –verfahren“ bei deutschen Weinen betrafen 57 von 4003 Proben. Das sind 1,4% der untersuchten – jedoch nicht der im Handel befindlichen – Weine. Das sind immer noch 1,4% zuviel, aber deswegen wird ja kontrolliert, untersucht und nicht zuletzt geahndet (das geht von Geldstrafen bis zum Freiheitsentzug).

Nachtrag vom 11.November:
Der oben zitierte Artikel vom mdr wurde inzwischen von deren Homepage entfernt. Aber es gibt ja den Cache von google. Deswegen ist der Link oben auf diesen Cache.


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Ist „Deutscher Wein oft gepanscht“?

 

4 Kommentare zu “Ist „Deutscher Wein oft gepanscht“?”


  1. Bernhard Fiedlers We(in)blog » Blog Archiv » Die Macht von Medien und Zahlen, Teil 1
    Sonntag, 12. November 2006 22:13
    1

    […] Umstrittene Berichte wie dieser im ARD, der nach Meinung von Winzern, Journalisten und Bloggern Statistiken falsch zitiert, schaden nicht nur dem Ansehen des Journalismus, sondern natürlich auch und vor allem dem der Winzer. […]


  2. Tali
    Freitag, 16. November 2007 17:10
    2

    Wenn es denn nun aber doch alles do ist wie berichtet ?


  3. weinverkostungen.de
    Freitag, 16. November 2007 21:02
    3

    @ Tali:
    Was soll da sein wie berichtet? Wenn man das bilden von Cuvees als Panscherei bezeichnet, hat ein Bericht nichts mit Seriosität zu tun. Fast jeder Champagner ist ein Cuvee (außer Blanc de Blanc; der besteht nur aus einer Rebsorte). Zudem wurde sich in dem Bericht vollkommen falsch auf Zahlen bezogen. Oben sind Zahlen nachberechnet. Der Jahresbericht ist leider nicht mehr Online, aber sicherlich noch offline erhältlich. Und wenn ein reißerischer Bericht zu einem anderen Ergebnis kommt als seriöse Rechnungen, dann kann da nicht alles so sein wie berichtet. Dieser Aberglaube immer daran sobald etwas in der ARD gesendet wird, dass da alles richtig ist. Und: entweder man begründet, wieso die Rechnung von Herrn Leif stimmt oder man wiederlegt meine Rechnung. Alles andere ist Mutmaßung und hat für eine Wahrheitsfindung keinen Wert.


  4. Berliner Journalisten - unabhängiges Medienmagazin
    Dienstag, 24. Juni 2008 21:20
    4

    […] schon. Bei “Die Tricks der Weinmacher” wurde ihm bereits der manipulative Umgang mit Zahlen vorgeworfen. Nach Angaben von Teilnehmern der Besprechung im Fernsehausschuss bekam Leif zunächst […]