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Vinexpo-Challenge mit Jon Arvid Rosengren

Mittwoch, 21. Juni 2017

vinexpo challenge arvid rosengrenMein Zeitplan für den letzten Tag auf der Vinexpo in Bordeaux steht schon lange fest. Dann doch etwas schnell gehe ich durch die Halle 3. Unterweges zur großen Challenge läuft mir noch ein freundlicher deutscher Weineinkäufer über den Weg. Den habe ich auf der Messe kennen gelernt. Doch ich muss weiter. Schon vor der Tür von Saal 1 der Vinexpo Academy warten viele Leute. Die Schlange sieht aber anders aus als bei den bisherigen Veranstaltungen. Hier steht einer jeweils ganz ordentlich hinter dem anderen. Bei den zahlreichen Seminaren und Tastings auf der Vinexpo bildete sich häufig eher eine Menschentraube vor der Tür. Eine Achtung vor dem Event?

vinexpo challange 2017Noch vor Ablauf des akademischen Viertels werden die Besucher freundlich am Eingang willkommen geheißen. Und der Besucherausweis wird wieder einmal gescannt. Dann strömen die Teilnehmer bei feierlicher Musikeinspielung und Lichtprojektionen in den Saal. Da ich doch recht weit vorne in der Schlange gelandet bin, kann ich einen Randplatz in der zweiten Reihe ergattern. Neben mir nimmt eine junge Dame aus Frankreich Platz. Es bleiben noch einige Minuten um sich zu konzentrieren bis der letzte Stuhl besetzt ist.

vinexpo challenge guillaume degliseDann begrüßt Guillaume Deglise (CEO der Vinexpo) die Gäste und stellt Jon Arvid Rosengren vor. Der Sommelier Weltmeister von 2016 erscheint sehr gelassen und sagt, dass er dieses Mal froh ist auf der anderen Seite zu sitzen. Das lässt die Teilnehmer auch etwas lockerer werden. Man merkt ihm an, dass er als Sommelier in der New Yorker Top-Gastronomie den freundlichen Umgang mit sehr zivilisierten Gästen gewohnt ist.

Deglise erklärt noch einmal die Challenge. Es gibt 10 Weine. 5 sind weiß und 5 sind rot. Wie gewöhnlich wird von links nach rechts verkostet. Bei jedem Wein sollen das Herkunftsland, die Rebsorte und der Jahrgang aufgeschrieben werden. Das sind 10 Punkte pro Wein. Das Maximum liegt also bei 100 Punkten.

vinexpo challenge bordeauxUnd los geht es mit der Verkostung. Beim ersten Wein bin ich mir ganz sicher, dass es ein trockener Sherry ist. Das fängt ja für mich schon mal viel zu gut an. Beim zweiten Wein überlege ich etwas. Es gab gestern einen RieslingDay auf der Vinexpo. Also halte ich es für recht wahrscheinlich, dass einer der Weine der Challange auch aus dieser Rebsorte besteht. Den leisen Verdacht habe ich bei Wein Nummer zwei.

Verkosten wie die Weltmeister

Schnell rieche ich durch die weiteren Weißweine durch. Klar Nummer zwei ist ein Riesling. Aber keinesfalls von der Mosel, dem Rheingau oder der Pfalz. Diese Regionen kenne ich seit langer Zeit sehr gut. In meine persönlichen Aufzeichnungen trage ich Rheinhessen ein. Als Jahrgang identifiziere ich 2015. Nicht unbedingt, weil ich alle Jahrgänge kenne. Den Jahrgang kann man auch über Reife oder Frische eines Weins zuordnen. Dieser Weißwein scheint jung zu sein, aber nicht so jung wie 2016 jetzt wäre.

winner vinexpo challengeBei dem dritten Wein tippe ich auf einen Chablis aus 2015. Dann kommt ein Weißwein, den ich schon beim Vorrausriechen als korkig wahrgenommen habe. Auf jeden Fall hat mich der Geruch enorm verstört. Der fünfte Weißwein hingegen scheint mir sehr fruchtig und etwas überladen zu sein. Ich schwanke zwischen Torrontes aus Argentinen (ich habe irgendwie den von Terrazas im Kopf) oder einen spanischen Malvasia. Großes Erstaunen ist dann bei vielen Teilnehmern der Challenge nach den ersten fünf Weinen. Nun wird der erste Zettel eingesammelt.

vinexpo arvid rosengren challengeEigentlich könnte man Guillaume Deglise und Arvid Rosengren auch weiter einfach so zuhören und dabei das Verkosten der Weine vergessen. Doch bei den Rotweinen rieche ich einmal schnell durch und entdecke wenig Bekanntes. Einzig der zweite Wein scheint mit recht sicher aus dem Piemont zu sein. Ich notiere Italy Barbera und 2014. Auf den Jahrgang komme ich eher durch Zufall. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch. Der Rotwein hat keine Alterungsnoten und 2015 wäre – in der Qualitätsklasse die hier wahrscheinlich ansteht – noch zu jung.

Wie gewinnt man die Vinexpo-Challenge mit Arvid Rosengren?

Bie den anderen Rotweinen bin ich mir sehr unsicher. Meine Nachbarin ist mir leider keine Hilfe. Sie hatt nicht viel zu Papier gebracht. Somit trage ich da etwas ein was es jeweils sein könnte. Beim Einsammeln der Zettel unterhalten sich Guillaume Deglise und Arvid Rosengren über die Challenge auf der Vinexpo in Hongkong im vergangenen Jahr. Dort hatte der Gewinner 65 Punkte erreicht. Einige Teilnehmer schöpfen jetzt wahrscheinlich Hoffnung. Mit meiner etwas schrägen Methode bei mir unklaren Weinen auf die großen Länder und Rebsorten zu gehen, bin ich wahrscheinlich nicht wirklich erfolgreich.

vinexpo thorle rieslingDann geht es zur Auflösung. Den ersten Weißwein habe ich richtig: Ein Sherry. Leider hatte ich einen Jahrgang hingeschrieben. Der zweite Wein ist dann ein Volltreffer 10 Punkte und ich hatte auch noch die Region richtig in meinen Aufzeichnungen. Es war der Thörle Schlossberg Riesling aus 2015. Und auch das Burgund hatte ich beim dritten Wein richtig erkannt. Obwohl ja das Land als Angabe reichte.

vinexpo-challenge-griechenlandBei dem vierten Weißwein kann ich mich einfach nur ärgern. Ich habe genau diesen Wein zu Hause im Kühlschrank stehen. Ich habe einfach nicht richtig trainiert. Nach dieser Verkostung von Rotwein aus Griechenland hatte mir ein Weinfreund diesen Weißwein empfohlen. Er steht jetzt seit 2 Monaten bei mir im Kühlschrank. Ich hatte mich nur nicht an ihn herangetraut. Das ist eine Ikone des gerichischen Weißweins. Der fünfte Weißwein war für mich nicht so bekannt. Klar ein wichtiger Erzeuger.

Bei den roten Weinen in der Challenge habe ich nicht wirklich mehr den Überblick, was ich da angegeben habe. Nur bei dem zweiten Rotwein habe ich das Land und die Region richtig gehabt. Für die Region gibt es aber keine Punkte. Bei der Rebsorte schon: Nur eben das Nebbiolo und Barbera dann doch unterschiedlich sind. Eigentlich ist mein persönliches Abschneiden auch in bestimmter Hinsicht ein Spiegel meiner Präferenzen. Ich mag eher Weißwein.

vinexpo challenge portugalDann geht es zur Siegerehrung. Wirklich Chancen habe ich mir nicht eingeräumt. Schon die Teilnahme und der Test der eigenen Fähigkeiten ist für mich ein Gewinn. Zudem ist bei dieser Veranstaltung ein sehr hohes Niveau bei den Teilnehmern vorhanden. Darunter sind Winzer, Sommeliers und Weinjournalisten die zum großen Teil eine lange, umfangreiche und geplante Verkostungserfahrung haben.

Die Spannung steigt: Wer gewinnt die Challenge?

Guillaume Deglise treibt noch einmal die Spannung nach oben. Ein Teilnehmer mit den meisten Punkten kann leider nicht gewinnen, weil dieser Winzer selbst einen Wein zur Verfügung gestellt hat. Dieser Winzer kommt aus Portugal und hatte natürlich seinen eigenen Wein erkannt. Bei einigen Teilnehmern merkt man, dass sie sich weiter Hoffnung machen können.

vinexpo winner stephane sailletAnd the winner is … Stephane Saillet. Er arbeitet für die Domaine de Mauperthuis in Chablis. Das ist ein unabhängiges Weingut mit 14 Hektar. Es scheint recht interessant zu sein was die machen. Unter anderem arbeiten sie auch mit Amphoren. Ein herzlicher Glückwunsch geht auch noch einmal an dieser Stelle an Stephane Saillet. Ich freue mich für ihn mit, weil er ganz real die Arbeit auf einem Weingut erledigt. Die Funktion eines Weinkritikers ist hingegen immer recht leicht.

Nach der Veranstaltung erfahre ich, dass ich mit 43 Punkten bei den 10 Besten bin. Das finde ich ein sehr gutes Ergebnis. Die Herausforderung ist sehr groß. Ich hatte aber wirklich Glück, dass ein deutscher Riesling mit dabei war. Schon alleine dadurch sind 10 Punkte schon mal im Sack. Beinahe hätte ich ihn sogar einen Tag zuvor bei der deutschen Masterclass vom DWI probiert. Wenn ich in zwei Jahren an der Challenge der Vinexpo in Bordeaux wieder teilnehmen kann, muss ich entweder etwas konzentrierter trainieren oder mir eine andere Tischnachbarin suchen.

#RieslingDay @vinexpoBDX: Geil oder Geiler?

Dienstag, 20. Juni 2017

vinexpo rieslingday geil geilerHeute ist genau der richtige Tag für einen kühlen und frischen Riesling. Und als hätte es die Messeleitung der Vinexpo schon vorher geahnt: Nach zwei umfangreichen Messetagen und sonnigem Wetter ist es der passende Moment für den #RieslingDay. Zahlreiche Veranstaltungen mit Weinen aus dem Elsass, Österreich und natürlich Deutschland begleiten diesen Tag. Ich bin dabei und frage mich: Geil oder Geiler?

Ich starte mit einer Verkostung von Rieslingen aus dem Elsass. Moderiert von Thierry Fritsch gab es 12 Wein zu probieren. Er erklärte das Terroir der Region. Riesling ist hier die wichtigste Rebsorte die auf 18 verschiedenen Böden wächst. 71 Prozent der Produktion sind als AOC klassifizeirt. Nur 4 Prozent sind als Grand Gru klassifiziert und 25 Prozent werden als Cremant d’Elsass vermarktet. Mit einem dieser Cremant startet auch die Verkostung. Das ist schon einmal erfrischend.

vinexpo rieslingday elsassUnd dann kommt schon ein voller Kracher aus reifen Trauben für den das Elsass bekannt, manchmal sogar in Verruf gekommen ist. Hierbei handelt es sich um das Cuvee Cecile von den Vignobles des 2 Lunes aus dem Jahr 2015. Zur richtigen Küche ist der sehr passend. Der folgende aus 2014 ist dann wieder etwas schlanker. Fritsch meint, dass dies aus ein typischer Unterschied zwischen diesen Jahrgängen ist. Dann kommt ein Riesling aus 2013, der erste Reifenoten entwickelt hat. Somit sind wir bei den AOC-Weinen schon durch.

Weiter geht es mit sieben mal Grand Cru mit den klingenden Namen von Schlossberg bis Schoenenbourg. Viele dieser Rieslinge bringen eine schöne Frische mit lebendiger Säure ins Glas. Hier findet man nicht selten einen moderneren Ausdruck des Elsass. Mir gefallen der Kirchberg de Ribeauville von Louis Sipp aufgrund seiner frischen Säurestruktur und der Pfersingberg von der Domaine Zinck. Beide sind aus dem Jahrgang 2014.

vinexpo 2010Aber ein großes Thema bei den Rieslingen aus dem Elsass ist ihre Reife. Also nicht nur die der Trauben, sondern auch in der Flasche. Und da kommt als erster der 2010er Kanzlerberg von Gustave Lorenz. Der war bestimmt schon bei der Füllung farblich golden. Inzwischen hat er erste Reifenoten. Insgesamt ist es ein Schwergewicht. Fritsch erklärt, dass der Jahrgang 2010 von sehr hohen Säurewerten geprägt war. Das steht diesem Wein in der Reife so richtig gut. Kanzlerberg ist mit ca. 3 Hektar eine recht kleine Lage. Dieser Riesling ist jetzt genau richtig und trinkfertig.

vinexpo 1990Dann geht es nochmal 20 Jahre zurück ins Jahr 1990. Keine Ahnung wieso ich in letzter Zeit so viele Rieslinge aus diesem Jahr ins Glas bekomme. Der ist natürlich deutlich dunkler und hat erste bräunliche Reflexe im vollen Goldgelb. In der Nase ist reifer Apfel. Am Gaumen Firne mit Quittengelle. Freunden von gereiften Rieslingen macht das bestimmt Spaß. Dieser Wein ist in sich noch vollkommen stimmig.

Dies war eine interessante und umfangreiche Darstellung der Rieslinge aus dem Elsass. Gerade in der Spitze der Grand Cru ist diese Region sehr spannend. Thierry Fritsch scheint übrigens recht gut drauf zu sein. Als bei einer technischen Panne statt der Präsentation ein Bild von seinem letzten Familienurlaub erscheint, fragt er ob auch Leute aus Kanada im Publikum sind. Da war er nämlich um sich zu erholen.

vinexpo ernst loosenJetzt aber schnell zu deutschem Riesling. Und natürlich an die Mosel. Hier gibt es vom Weingut Dr. Loosen drei Flights. Ernst Loosen begrüßt die Gäste zu seiner „Rocky Horror Riesling Show“. Er beginnt mit einem kleinen Überblick über den Riesling weltweit. Knapp 50.000 Hektar sind auf der Welt bestockt. Deutschland hat daran mit 45 Prozent den größten Anteil. Ernst Loosen erklärt die Besonderheiten der Mosel mit den Steilhängen und dem Devon-Schiefer. Das brauche ich hier glaube ich nicht wiederzugeben.

Er meint es scheint erstmal etwas langweilig, dass seine Familie seit 200 Jahren in einem Tal der Mosel sitzt und Riesling erzeugt. Aber es ist the middle of nowhere. Da kann man nichts anderes tun, sagt er. Seit 2008 gibt es beim Dr. Loosen einen Ausbau im Fass wie beim Großvater. Und so führt der erste Flight zu drei Rieslingen aus dem Jahr 2012 aus dem Ürziger Würzgarten

Diese Rieslinge stammen aus derselben Lage und der selben Lese. Der einzige Unterschied ist ihr getrennter Ausbau. Mir hat bei diesen Rieslingen aus dem Ürziger Würzgarten der Reserve mit 24 Monaten im Fass am besten gefallen. Generell ist auffällig wie präsent die Säure hier ist. Selbst bei dem Hommage steht diese hervorragend da (36 Monate in Fass). Und man kann durchaus erwähnen, dass diese Weine inzwischen ja auch schon 5 Jahre alt sind. Es sind jedoch keinerlei Alterungstöne zu bemerken. (Über diese Lage hatte ich hier schon recht viel geschrieben.)

Der zweite Flight besteht aus zwei Weinen aus der Wehlener Sonnenuhr mit dem Jahrgang 2015 und als Reserve 2013. Mir erscheint die Säure bei 2013er etwas präsenter zu sein. Allerdings mag ich die typische fruchtige Fülle wie sie der kürzer im Fass gewesene 2015er zeigt. Schon allein die Nase ist in ihrer ausgewogenen Frucht fantastisch.

vinexpo erdener pralatMit dem dritten Flight sind wir im Erdener Prälat. Das ist eine sehr bekannte und zugleich seltene Lage. 18 Besitzer erzeugen hier ihren Riesling. Und das bei etwas mehr als einem Hektar. Das sind schon fast burgundische Verhältnisse. Bei den Preisen die diese Weine abrufen können ist das aber nachvollziehbar. Es gibt einen 2015er Erdener Prälat und einen 2013er Reserve ins Glas. Der erste und jüngere Riesling war also 12 Monate im Fass und der ältere 24 Monate.

Mit hat der 2015er besser gefallen. Hier ist die Säure spannender. Der 2013er wirkt mir bei seinem längeren Fassausbau sehr harmonisch. Die Nase ist fantastisch in ihrer sanften Frucht. Bei diesem Niveau ist der Einwand nicht gerecht. Ich mag gerne etwas mehr Säure. So wie bei dem 2015er Erdener Prälat. Hier trifft sich perfekt finesse, vielschichtige Frucht mit einer frischen Säure. Im Nachhall zeigt sich seine Konzentration, die jedoch nicht überladen wirkt. Eine klassische Weinbeschreibung wird diesem Riesling nicht gerecht.

Zum Abschluss beantwortet Ernst Loosen auch einige Fragen aus dem Publikum. Das zeichnet dies Veranstaltung aus. Die recht lockere Moderation ermuntert auch die Teilnehmer Anmerkungen zu machen und Fragen zu stellen. Eine drehte sich um die Kombination der Rieslinge zu Speisen. Als Antwort gab es neben einigen Empfehlungen, dass er lieber einen Wein trinkt den er mag und etwas isst was ihm schmeckt, als die perfekte Kombination zu haben, bei der dann nichts schmecket.

Eine zweite Frage drehte sich um den Klimawandel. Hier erinnert Ernst Loosen an seinen Großvater und Vater. Damals waren nur drei Jahre in einem Jahrzehnt verkäuflich. Das heißt man musste von einem Jahrgang drei Jahre leben. Damals waren die Versteigerungen auch noch wichtiger. Ohne dass der Klimawandel damit in ein positives Licht gerückt wird, hat die Erwärmung die Bedingungen an der Mosel eher verbessert.

vinexpo dwiUnd weiter geht es. Die deutsche Präsentation auf der Vinexpo gibt so richtig Power. Da läuft eine Riesling-Masterclass mit Romana Echensperger MW Co-Moderiert von Steffen Schindler, Monika Reule ist mit der Generation Riesling beim Picnic by the Lake und Ulrike Lenhardt moderiert gleichzeitig am Messestand des DWI eine Veranstaltung über deutsche Weine.

vinexpo romana echenspergerDoch zuerst zur Masterclass: Hier moderiert Romana Echensperger unterhaltsam. Riesling-Runner Steffen Schindler und sie werfen sich in sehr flüssigem Englisch die Bälle gegenseitig zu. Da wird erst die Bedeutung des Rieslings für den Deutschen Wein erörtert. Dann geht es um den Inhalt der fünf verschiedenen Flaschen.

In der Masterclass verkostete Weine:

  • Von Buhl Riesling Brut
  • Thörle Schlossberg 2015 Riesling trocken
  • Spindler Pechstein Große Lage 2015 Riesling trocken
  • Dr. Loosen Erdener Treppchen 2014 Riesling trocken
  • Schloss Johannisberg Silberlack 2013 Riesling trocken GG

vinexpo riesling von buhlNach dem Begrüßungssekt bei der Masterclass räume ich meinen Sitzplatz dort lieber freiwillig. Denn die Veranstalltung hat mehr Interessenten als Plätze. Die dort präsentierten Rieslinge kenne und schätze ich. Und wenn sie mir im Jahrgang oder soetwas unbekannt sind, kann ich sie auch gerne leicht bei anderer Gelegenheit probieren. Da soll lieber ein internationaler Gast, der mit dem deutschen Riesling noch nicht so vertraut ist, die Möglichkeit erhalten ihn lieben zu lernen.

vinexpo gerneration rieslingFranzösische Unterstützung beim Picnic by the lake von Generation Riesling

Es fing schon bei Ernst Loosen an. Ich muss hier mal ein Kompliment für die gute Vorbereitung der deutschen Veranstaltungen aussprechen. Das ist perfekt mit Handout, Monitorpräsentation und Flaschenaufbau für Fotos organisiert. Auch bei der Masterclass fassen alle mit an und richten noch schnell einen extra Stehtisch für vier Messebesucher aus Asien ein. Über die hervorragenden Qualitäten in den Flaschen brauche ich hier eigentlich nichts zu schreiben.

Dann geht es noch kurz in eine Veranstaltung der ÖWM. Österreich ist recht umfangreich mit Ständen auf der Vinexpo vertreten. Zu ihrer Veranstaltung gibt es französisch-sprachige Verstärkung. Verkosten will ich hier nicht (da gibt es für mich genug andere Gelegenheiten). Vielmehr investiere lieber die Zeit darin diesen Artikel fertig zu schreiben (einige Foto fehlen noch, die werde ich nachreichen). Und dann geht es sofort weiter. Heute Abend gehe ich zur Party „The Blend“. Da ist die Generation Riesling auch am Start. Champagner gibt es da aber ebenso. Mal was anderes als Riesling. Und zumindest auch ganz geil.

Vinexpo mit Gastland Spanien

Montag, 19. Juni 2017

vinexpo bordeaux gastland spanienAuch der zweite Tag läuft auf der Vinexpo in Bordeaux in perfekt klimatisierten Messehallen. Ich denke mir, dass die Messe in diesem Jahr nicht nur deswegen zu einem besonderen Magnet wird. Denn man ist ganz gerne dieser Tage in kühlen Räumen. Die Weine mit denen ich mich heute beschäftige, kommen aus dem warmen Spanien zumindest meistens. Spanien ist als Gastland der Vinexpo umfangreich auf der Messe in Bordeaux vertreten.

vinexpo spanien gastlandNeben dem riesigen Gemeinschaftsstand gibt es zahlreiche Stände der einzelnen Anbaugebiete. Und es gibt eine Verkostungsmöglichkeit am Automaten. Es klingt etwas komisch, aber ich finde das häufig recht gut, weil man sich da in Ruhe mit den einzelnen Weinen beschäftigen kann. Die Herausforderung zu verkosten, Fotos machen und Notizen auf Papier zu bringen ist doch bei einem umfangreichen Messetag relativ groß. Und so ein Automat kann recht viel Zeit sparen, da man sehr schnell einen Überlick bekommen kann. Bei dieser spanischen Verkostungsstation gefallen mir besonders gut einige Cava.

vinexpo verkostungsautomat spanienDann probiere ich vom Gastland Spanien auch noch etwas aus Ribera del Duero. Hier mag ich den Oraculo aus 2010. Und auch der Protos’27 mit dem Jahrgang 2014 ist herausragend. Das erinnere ich mich gerne an eine Reise nach Rueda vor einigen Jahren. Dort besuchten wir auch den Ableger von Protos. Und schon gibt es eine perfekte Überleitung zum einer Veranstaltung, bei der sich alles um den Weißwein aus Spanien dreht.

Verkostung mit Pedro Ballesteros MW aus Spanien

Bei Verkostungen startet man gerne mit weißen Weinen. Aus meiner Sicht eigentlich ohne Grund. Bzw. nur aus dem, dass man die Gläser nicht tauschen muss. Pedro Ballesteros MW absolviert heute einen Marathon an geführten Verkostungen. Die erste beschäftigt sich mit spanischen Weißweinen. Dabei ist dieses Land eher für gute Rotweine bekannt. Ballesteros hebt hervor, dass es dort auch schwieriger ist Weißweine zu erzeugen. Häufig wurde in der Vergangenheit die fehlende Säure zum Problem. Im letzten Jahrzehnt hat sich in Spanien das Wissen um die Erzeugung dieser Weine jedoch stark verbessert.

vinexpo pedro ballesteros mwBei ausverkauftem Haus in der Vinexpo Akademy gibt es 10 weiße Weine zu probieren. Fast schon wie im Anschluss an das Thema WOW! von gestern beginnt die Verkostung mit einem Biowein. Der ist sogar aus biodynamischen Anbau. Der Electio von Pares Balta kommt mit einem sehr spärlichen Frontetikett daher. Hinten steht wesentlich mehr auf der Flasche. Dieser Xarel-lo ist aus dem Anbaugebiet Penedes. Er zeigt sich recht dunkel im Glas. In der Nase ist helles Obst. Am Gaumen ist der Wein kraftvoll mit lebendiger Säure. So gut habe ich Penedes selten erlebt. Dieser Wein kostet im Handel ca. 30 Euro.

vinexpo electio pares baltaEin kühler sprudelnder Start mit dem Electio von Pares Balta

vinexpo mil riosAls nächsten Wein gibt es den Mil Rios Godello aus dem Gebiet Valledoras. Ballesteros hebt hervor, dass es in Spanien eine Herausforderung ist eine Säure zu erhalten. Sie wollen diese nicht hinzufügen, sondern natürlich in den Weißweinen haben. Wieso er dies bei diesem Wein erwähnt wird mir nicht ganz klar. Dieser spanische Weißwein hat eine helle Farbe. Frischfruchtig mit Birne ist er in der Nase. Der vielschichtige Gaumen präsentiert sich mit beschwingter Säure. Dieser Spanier hält sehr lange mit einem bunten Fruchtkorb an. Der Preissturz auf 7 Euro ist erstaunlich. Ich hätte diesen Wein als teuer eingeschätzt. Aber die Region ist in Deutschland zumindest nahezu unbekannt.

vinexpo la marLa Mar von Terra Gauda ist mir schon lange bekannt. Hier haben wir jetzt den Jahrgang 2014 im Glas. Es werden drei Rebsorten aus Rías Baixas verwendet. Der Wein zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb. Reife Melone ist in der Nase. Erst recht breit am Gaumen. Entwickelt dann eine sehr schöne Frische in der Länge. Der La Mar macht wirklich Spaß. Dieser Erzeuger kannte ich schon zuvor für sehr gute Qualitäten.

vinexpo el lbrero callejoEinige Weißweine später beschreibt Ballesteros es als ein Experiment solch hochwertige Weine in Spanien zu erzeugen. Ins Glas bekommen wir el Lebrero von der Bodegas Felix Callejo. Diese liegt in Ribera del Duero. Das kann natürlich bei diesem Wein nicht so auf dem Etikett stehen. Somit ist es ein Landwein. Er ist strohgelb im Glas. Es zeigt sich eine komplexe und dezent fruchtige Nase. Dieser spanische Weißwein öffnet sich etwas beim wärmer werden. Dann entsteht ein frischer und voll fruchtiger Gaumen. Zudem sind verspielte Kräuternoten zu schmecken. Der el Lebrero bringt einen langen Nachhall. Was zu Beginn etwas verhalten war, wirkt beim zweiten Schluck schon fast etwas überladen, während die Säure auf der Zunge bitzelt. Dieser „Landwein“ kostet angemessen ca. 17 Euro im Handel.

vinexpo spanien prioratDann gibt es noch einen weißen Wein aus Priorat mit dem Namen Coma Blanca. Das ist ja mal was. Hatte ich noch nie verkostet. Sicherlich ist das interessant. Die Rebsorte ist hier Garnacha Blanca. Strohgelb ist der Wein im Glas. Der Gaumen ist recht kräftig. Irgendwie hatte ich doch etwas mehr erwartet. Da mich dieser Weißwein aus Spanien etwas verstört, versuche diesen Wein im Netz zu finden. Irgendwie gibt es mit dem Namen Coma Blanca nur einen mit einer sehr klassischen Ausstattung. Der ist dann auch noch sehr gut bewertet.

vinexpo tio pepeZum Abschluss der Verkostung bekommen wir von Tio Pepe den fino en Rama. Ich finde es sehr schön diese Veranstaltung – irgendwie dann doch überraschend – mit einem Klassiker zu beenden. Hiermit ist der weiße Wein aus Spanien international bekannt. Und es gibt – zumindest in Deutschland seit einiger Zeit ein kleines Revival. Tio Pepe ist zudem ein richtiger Sherry-Klassiker. Den Fino en Rama hatte ich jedoch zuvor noch nicht im Glas. Welch einen vielschichtigen Duft verströmt dieser Wein. Als Fino duftet dieser Sherry schon fast süß. Doch am Gaumen merkt man wie trocken er dann doch ist. Ballesteros erläutert, dass dieser Wein nicht filtriert ist. Der Sherry wirkt sehr frisch, obwohl er wenig Säure hat.

Weiße Vielfalt aus Spanien auf der Vinexpo

Dies war eine sehr interessante Reise durch die spanischen Weißweine mit vielen für mich neuen Eindrücken. Vor allem die großen geschmacklichen Unterschiede erstaunen mich dann doch etwas. Aber es ist sehr verständlich. Spanien ist ein sehr großes Land mit sehr unterschiedlichem Klima und vielfältigen Rebsorten. In Deutschland sieht man sicherlich inzwischen sehr häufig Rueda. Dann gibt es noch Weißwein aus Rioja und Penedes. Daher kommen aber meist nur die großen und einfacheren Erzeuger auf den deutschen Markt. Sicherlich ist die Konkurrenz für Weißwein in Deutschland sehr groß. Evtl. hält sich auch deswegen hier der Ruf von Spanien als Rotweinland so konstant. Denn das können die Spanier auch wirklich richtig gut.

vinexpo spanien guillermo cruzIch hatte mich vor der Vinexpo zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Grenache in the World“ angemeldet. Ich dachte eigentlich die bekannten Gesichter aus der Grenache Assoziation dort zu treffen. Es war jedoch etwas anders. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Sommelier Guillermo Cruz (rechts im Bild). Und es ging hauptsächlich um Spanien. Vier von sieben Weinen waren von der iberischen Halbinsel. Also Garnacha. Ja, klar. Spanien als Gastland der Vinexpo in diesem Jahr.

vinexpo grenache worldGrenache meint hier auch Garnacha Blanca. Diese Rebsorte ist für die spanischen Weißweine sehr bedeutend. Guillermo Cruz führt aus, dass der rote trotzdem in Spanien wichtiger ist. Drei der vorgestellten Weine gefallen mir außerordentlich. Und alle drei aus verschiedenen Ländern und ganz unterschiedlichen Gründen.

vinexpo jauma grenacheAls ganz ungewöhnlichen Grenache nehme ich den Like Raindrops von Jauma aus dem Mc Laren Vale in Australien war. Er hat eine sehr schöne Nase mit Sauerkirschen aus einem Glas. In der zweiten Nase ist dezenter feuchter Tabak. Auch am Gaumen ist ein sehr schöner Sauerkirschsaft. Nach hinten wirkt dieser Grenache sehr verspielt. Ein wirklich delikater Wein. Die sehr gut eingebundene Säure bringt eine hohe Trinkbarkeit.

vinexpo rivesaltesAußerordentlich gut und erstaunlich war der Rivesaltes Grande Reserve aus dem Jahr 1969. Der ist natürlich orangefarben. Eine süße Sherrynuss zeigt sich in der Nase. Der hat noch deutlich Restsüße. Am Gaumen spielt Nutella mit Wallnüssen. In Nachhall kommen kandierte Eindrücke hinzu. Der Wein ist immerhin fast 50 Jahre alt. Er steht dafür ausgezeichnet da. Den kann man sogar noch kaufen und wird dafür so ca. 65 Euro pro 0,75l-Flasche zahlen.

vinexpo alto moncayoDer dritte richtig gute Wein in dieser Verkostung kommt dann nun auch aus Spanien. Hierbei handelt es sich um den Alto Moncayo 2014 aus der DOC Campo de Borja. Die ist in Deutschland auch noch nicht so bekannt, auch wenn hier einige sehr bedeutende Rotweine herkommen. Dieser Garnacha bringt eine feine fruchtige Nase mit verwobener Brombeere, Kirsche und Pflaume. In der zweiten Nase sind balsamische Noten und etwas Minze. Der Gaumen ist durch die Säure sehr schön erfrischend. Großartig wie ausdrucksstarke Frucht auf Frische trifft.

spain vinexpo bordeauxDieser Text ist lang aber leider doch etwas kürzer als geplant geworden. Es wird aber noch einen Nachtrag hier in diesem Text zu einigen Weinen entlang des Ebrotals geben. Nun geht es jedoch für mich schnell weiter zu einem der Hauptereignisse der Messe. Unter den Titel „A taste of Spain“ präsentieren sich neben einiger der besten Köche Spaniens Top 100 Weingüter. Das Ganze findet in der Innenstadt von Bordeaux im Palais de la Bourse statt. Ich werde berichten.

WOW! in Bordeaux: World of Organic Wines

Sonntag, 18. Juni 2017

vinexpo bordeaux wowEs ist tatsächlich eine ganze Welt. So vielfältig ist der Bereich organic, biologisch, biodynamisch oder Wein aus Trauben aus biologischem Anbau. Das Thema geht aus von der reinen Erfüllung von gesetzlichen Auflagen bis hin zu ganzheitlichen Ideen. Es geht nicht nur darum Weine mit weniger Schadstoffen herzustellen, sondern um ein Umdenken in der Produktion. Die Vinexpo hat dem Thema unter dem Titel WOW! nun eine Sonderzone gewidmet. Hier versammeln sich ca. 150 Aussteller aus den meisten der wichtigen Weinnationen.

vinexpo domaine de cebeneDas Thema Organic Wein geht um die Welt. Doch besonders ist dies in Frankreich verankert. Hier ist unter anderem Sud de France zu erwähnen. Schon allein das Klima spricht für einen solchen Weinbau. Der biologische Anbau trifft hier auf ideale Bedingungen. Und so beginne ich mit meiner Verkostung in Faugeres. Na noch nicht ganz, weil der erste Wein von der Domaine de Cebene kommt aus einem Gebiet in Richtung Meer mit tiefgründigen Sandböden. Der Ex Arena besteht aus Grenache (90%) und Mouvedre. Er zeigt sich sehr frisch mit weichen Tanninen.

vinexpo brigitte chevalierBrigitte Chevalier erzählt auch etwas über ihr Weingut. Sie hat 2007 angefangen erste Parzellen zu kaufen. Hauptsächlich in Faugeres produziert das Weingut auf inzwischen 11 Hektar vier verschiedene Rotweine. Auch der Belle Lurette erzeugt mit der Rebsorte Carignan erscheint mir sehr ausgewogen und rund zu sein. Er wird aus 70 Jahre alten Reben erzeugt. In Faugeres ist der Boden tiefgründig durch den Schiefer geprägt. Als dritten Wein habe ich den Les Bancels im Glas. Brigitte Chevallier sagt, dass dies den größten Teil an ihrer Produktion ausmacht. Hier überwiegt der Syrah.

vinexpo cebeneEs ist auffällig wie weich und harmonisch die Rotweine der Domaine de Cebene sind. Ich kenne Faugeres häufig etwas ruppiger. Brigitte Chevalier meint, dass dies auch an ihren Weinbergen liegt. Diese befinden sich meist auf 300 Metern Höhe und in Nordausrichtung. Der Betreib ist übrigens vollständig biologisch ausgerichtet. Ich diesem Jahr arbeitet sie auch biodynamisch. Das Weingut hat aber noch keine Zertifizierung erhalten.

Organic Wein aus vielen Ländern

Als vierten Wein habe ich den Felgaria von der Domaine de Cebene im Glas. Dieser ist großartig und dabei recht fruchtig. Eigentlich wollte ich hier nur einen Wein probieren. Zum Abschluss frage ich noch wo der Name der Domaine de Cebene herkommt. Also sie mit dem Weingut begann, überlegte Brigitte Chevalier überlegte wie man es nennen könnte. Zuvor wurden die Trauben häufig in eine Genossenschaft gegeben und es vieles war ohne Namen. Von ihrem Weingut aus ist jedoch ein mythologischer Berg sichtbar der nach einer sterbenden Göttin mit dem Namen Cebene benannt ist.

vinexpo michele cianiKommen wir zu einem italienischen Aussteller auf der Vinexpo. Aus dem Friaul ist erstmals das Weingut Aquila del Torre nach Bordeaux gekommen. Im Jahre 1996 von der Familie Ciani übernommen, erzeugt dies ausschließlich Bioweine. Darunter natürlich ein 100%iger Friulano aus dem Jahr 2015. Den finde ich sehr schön voll in der Frucht und frisch. Michele Ciani erzählt etwas über das Weingut. Von den ca. 20 Hektar sind 4,5 mit Friulano bepflanzt. 66 Hektar Wald gehören ebenso zum Weingut. Dieser trennt lediglich das Gutshaus von den Weinbergen. So liegt alles nahe beieinander. Dabei geht es dem Weingut nicht nur darum Bioweine zu erzeugen. Vielmehr setzen sie sich für die Biodiversität ein.

vinexpo aquila del torreDer Boden ist in diesem Teil von Friaul von Flysch geprägt. Das ist mir bislang auch noch nicht begegnet. Hierbei handelt es sich um wechselnde Schichten aus Lehm, Ton und Sandstein. Ich probiere aus der gehobenen Linie von Aquila del Torre den Vit di Maz aus Sauvignon Blanc. Ich schätze die Weißweine aus dem Friaul sehr. Dieser hat etwas Holz gesehen. Inzwischen ist es auch schon der Jahrgang 2013. Ganz bestimmt ist dies ein hervorragender Weißwein. Ich mag die fruchtig-frischen aus Friaul etwas mehr.

vinexpo bio corner wowEs ist Zeit für eine Mittagspause. Zur Auswahl steht Le Bistrot Bouef Bio an der großen Flaniermeile mit Uferblick. Oder ich kann am Bio-Stand direkt neben WOW! speisen. Ich entscheide mich für zweites. Eigentlich weil es praktisch ist. Doch ich bin da offensichtlich nicht der einzige. Ich nehme dort ein Sandwich mit Hühnchen. Da ist auch etwas Süßes und Grünzeug mit drauf. Das sieht nach Feigen und Rauke aus. Mir schmeckt es.

el molar rus jimenez moyaWeiter geht es mit der Verkostung in der WOW!-Zone auf der Vinexpo. Aus dem spanischen Anbaugebiet Manchuela ist die Finca El Molar nach Bordeaux angereist. Rus Jimenez Moya präsentiert hier die Weine. Das Weingut mit 30 Hektar wurde 1998 gegründet. Die Weine sind seit dem Jahr 2004 nach EU-Regeln als Bio zertifiziert und zudem auch noch vegan. Besonders hat man sich der seltenen, aber in Kastilien häufiger zu findenden roten Rebsorte Graciano verschrieben. Diese ist auch in Rioja zu finden und wird dort zum Blending benutzt.

vinexpo wow el molarHier probiere ich den 100%igen Graciano aus dem Jahr 2014. Die Rebsorte kenne ich noch nicht. Im Glas zeigt sich der Wein mit einer violetten Farbe. In der Nase sind verspielte Brombeeren und Kirschen. Eine lebendige Säure untermalt diesen aussagekräftigen Rotwein mit wahrnehmbaren Tanninen. Diesen Wein kann man sogar für ca. 18 Euro in Deutschland kaufen. Rus Jimenez Moya empfiehlt mir auch noch die Selection aus 2013 zu probieren. Der ist sehr schön harmonisch. Bisher hatte ich nicht nur Graciano sondern auch Manchuela missachtet. Das ändert sich jetzt.

WOW! als fester Bestandteil der Messe

Die Vinexpo beabsichtigt diesen Bereich zum regelmäßigen Bestandteil der Messe werden zu lassen. Es ist gerade hier sehr auffällig wie viele neue Aussteller sich entschlossen haben an der Veranstaltung teilzunehmen. Evtl. liegt es auch an der Möglichkeit einen kleineren Stand im Fokus der Vinexpo buchen zu können. Es sind einige Weingüter nur an zwei Tagen in bei WOW! Evtl. werde ich noch Berichte zu drei Ausstellern aus Chile, Südafrika und den USA hinzufügen, die ich eigentlich auf meiner Liste hatte.

Leider nimmt kein Weingut aus dem kalifornischen Napa-Valley an WOW! teil. Jedoch ist dieses Gebiet sehr interessant und auf der Vinexpo sehr präsent. Seit den frühen 2000er Jahren werden hier Weinberge ökologisch zertifiziert. Mehr als 10% stehen inzwischen unter Napa-Green. Zugleich werden auch Weingüter nach bestimmten Regeln in Richtung organic zertifiziert. Hier meint dies jedoch nicht nur im europäischen Sinn biologisch. Vielmehr geht es um sustainably, also Nachhaltigkeit.

vinexpo napa honigIch probiere einige Weine hier. Sauvignon Blanc aus Napa ist eher ungewöhnlich. Wenn es Weißwein aus Kalifornien gibt, dann hat man es wesentlich häufiger mit Chardonnay zu tun. Ich finde diesen Weißwein von Honig aber sehr schön erfrischend. Sonst hat sich das Weingut eher auf den Cabernet Sauvignon ausgerichtet. Honig wurde 1980 gegründet und ist gilt in Kalifornien als eher kleines Weingut.

vinexpo napa quintessaSehr häufig findet man im Napa Vallyey Bordeaux-Blends. Evtl. kommen diese Kalifornier auch deswegen so immer so gerne zur Vinexpo. Quintessa gehört zu Huneeus Vintners. Dies versammelt mehrere Luxusweine in Hand einer Familie. Die Quintessa Estate in Rutherford ist größtenteils biologisch und biodynamisch bewirtschaftet. Dieses schmackhafte Bordeaux-Blend mit recht fülliger Frucht besteht aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot.

vinexpo trefethen dragonEin weiteres Bordeaux-Blend gibt es bei Trefethen. Ich finde es immer genial auf einer internationalen Weinmesse die Möglichkeit zu bekommen Weine zu probieren, an die man nur schwer herankommen kann. Dieses Weingut aus Napa exportiert in Europa derzeit lediglich nach Belgien und Großbritannien. Dabei bewirtschaftet es 178 Hektar. Zudem bekommen besonders die Rotweine von angesehenen Verkostern regelmäßig recht viele Punkte. Dazu gehörte der Dragons Tooth von Trefethen aus Malbec, Petit Verdot und Cabernet. Der Drachen ist auf das Etikett, weil die Inhaberfamilie ursprünglich aus Wales kommt.

vinexpo joe cusimanoJoe Cusimano von Trefethen Family Vineyards

vinexpo napa dry rieslingEtwas vorgreifend auf Übermorgen habe ich noch einen Riesling aus dem Napa Valley im Glas. Denn dann gibt es hier den #RieslingDay. Dieses Weingut erzeugt einen Dry Riesling und einen Late Harvest. Der erstere Weißwein von Trefethen erscheint mir erstaunlich frisch. Und so frage ich beim Verkaufsleiter Joe Cusimano nach (der ist übrigens an der Mosel geboren). Er berichtet, dass dieser Riesling ein Blend aus zwei Bereichen ist. Eine davon ist warm und für die Frucht verantwortlich. Durch den zweiten Bereich entsteht die erfrischende Säure. Und schon wieder habe ich unerwartet über das Thema Biowein etwas Neues kennen gelernt. Morgen werde ich mich etwas näher mit Spanien dem Gastland der Vinexpo auseinandersetzen. Und Übermorgen ist dann #RieslingDay.

Jetzt geht’s nach Bordeaux

Freitag, 16. Juni 2017

vinexpo bordeaux brueckeÜbermorgen geht es los. Die 19. Vinexpo öffnet im Bordeaux ihre Pforten. Die allseits bekannte rote Brücke auf den Pontons ist bereits gespannt. Elf der über 100 Veranstaltungen habe ich reserviert. Dazu gleich noch drei Abendveranstaltungen. Schon am Sonntag werde ich mich intensiv mit Bioweinen beschäftigen. Erstmals hat unter dem Titel WOW! dieses Thema einen eigenen Bereich mit ca. 150 Ausstellern auf der Weinfachmesse in Bordeaux. Dazu gibt es auch noch ein Restaurant mit Essen aus ökologischem Anbau direkt daneben. Evtl. gehe ich aber auch zu Le Bistrot Boeuf Bio am Ufer. Die scheinen auch sehr lecker zu kochen.

Am Zweiten Tag werde ich mit den Weinen aus Spanien beschäftigen. Dies ist in diesem Jahr das Gastland auf der Vinexpo. Neben Italien und natürlich Frankreich kommen aus Spanien zahlreiche Aussteller nach Bordeaux. Der Abend ist mit einem Höhepunkt der Messe besetzt. Mit „A taste of Spain“ präsentieren sich rund 100 Weingüter aus Spanien, die zur absoluten Spitze des Landes gehören.

vinexpo bordeaux veranstaltungMein dritter Tag auf der Vinexpo steht im Zeichen des Rieslings. Ganz offiziell ist dies der #RieslingDay der Messe. Mehrere sehr hochrangige Veranstaltungen widmen sich dieser Rebsorte. Zum Abschluss am vierten Tag der Vinexpo gibt es den eigentlichen Höhepunkt. Bei der Challange mit Jon Arvid Rosengren heißt es Spitzenweine blind zu verkosten und dabei ihr Alter und die Herkunft zu bestimmen. Das wird bestimmt nicht ganz leicht.

vinexpo bordeaux warmDas ist zumindest mein Plan. Zugleich ich die Vinexpo für mich wirklich Genuss: Wein, Essen und die Begegnung mit freundlichen Menschen. Auf manches werde ich mich einfach einlassen. Und ich hoffe hier jeden Tag lesenswerte Beiträge schreiben zu können. Das Wetter jedenfalls sieht etwas sehr gut aus. Immerhin hat die Vinexpo einen Wasser-Sponsor. Der wird seinen Bestand die vergangenen Tage bestimmt etwas erhöht haben. Eine Tube Sonnencreme habe ich jedenfalls auch im Gepäck.

Beste Rotweine aus Griechenland: Meine Empfehlungen

Dienstag, 13. Juni 2017

griechenland-nikos-panidisÜber Wein aus Griechenland besteht ein seltsames Zerrbild in Deutschland. Viele kennen Samos, Marodaphne, Kretikos und natürlich den Retsina. Inzwischen hat sich in der Weinwelt herumgesprochen, dass es aus diesem Land auch hervorragende trockene Weine gibt. Für mich war dies ein Grund ausführlicher Rotweine aus Griechenland zu verkosten. Daraus hervorgehend möchte ich hier vier Empfehlungen geben. Bei einer Einordnung half mir der Weinakademiker und Sommelier Nikos Panidis aus Athen.

Griechenland hat eine lange Tradition im Weinbau. Diese geht bis in die Antike zurück. Nach einer wechselvollen Geschichte ist der heutige Weinbau ohne die 1950er Jahre nicht denkbar. Zu der Zeit fand eine erste auch politische Öffnung des Landes statt. Seitdem ist ein Einfluss europäischer und vor allem französischer Önologen festzustellen. Diese brachten auch international verbreitete Rebsorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot mit. Mit dem finanziellen Aufschwung in den 1960er bis 1980er Jahre sind in Griechenland viele heute bekannte Weingüter entstanden.

Neuere Weinbaugeschichte Griechenlands

Ein wichtiger Entwicklungsschub setzte mit dem Beitritt Griechenlands in die EU ein. Das war im Jahr 1981. Doch schon zuvor wurde 1974 ein Weingesetz verabschiedet, welches diesen Regeln weitgehend entsprach. So seltsam es erst einmal klingt: Ein wichtiger Faktor für die qualitative Entwicklung des Weinbaus in Griechenland sind deren Auswanderer. Denn als später viele von ihnen ins Land zurückkamen, hatten einige das Wissen um den modernen An- und Ausbau des Weins im Gepäck. Und es scheint so als ob gerade diese Rückwanderer ab den 1990er Jahren an der erfreulichen Renaissance der ca. 300 autochthonen Rebsorten mitwirken.

Wenn man die neuere Geschichte des Weinbaus in Griechenland erzählt, sollte man die vergangenen Jahre nicht verschweigen. Gerade die hochwertigen Weine des Landes wurden bis 2008 sehr gut durch die Binnennachfrage vermarktet. Das ist auch ein Grund wieso die griechischen Spitzenweine hierzulande nicht so bekannt sind. Seit der Finanzkrise schwächelt die Nachfrage im Erzeugungsland leider.

griechenland-gaia
Aus einer recht umfangreichen Verkostung von Rotwein aus Griechenland möchte ich hier vier Empfehlungen aussprechen. Da ist zu Beginn der Gaia Estate aus der PDO Nemea. Das Weingut ist auf die traditionellen Rebsorten fokussiert. In diesem Wein ist dies Agiorgitiko. Das ist die häufigste rote Rebsorte in Griechenland. Übersetzt heißt sie Heiliger Georg. Der Wein ist duftig mit Kirsche, Pflaumen und etwas Vanille im Hintergrund. Am Gaumen machen sich eine gute straffe Tannine bemerkbar. Die Säure und Frucht sind beim Agiorgitiko von Gaia Estate gut aufeinander abgestimmt. Dieser Rotwein ist übrigens unfiltriert. Der Wein kostet so ungefähr 26 Euro.

griechenland-rebsorte-verkostung Als zweiten Rotwein möchte ich den Mouchtaro vom Weingut Muses empfehlen (rechts im Bild). Er stammt aus der Region PGI Thiva in Mittelgriechenland, was zugleich eine Nähe zur Küste meint. Die Rebsorte Mouchtaro wird lediglich von diesem Weingut vermarktet. Es ist ca. 30 Hektar groß. Der Wein ist duftig mit Waldfrüchten und Feigen im Hintergrund. Am Gaumen ist er fruchtig und trotz seiner Fülle sehr elegant. Im Handel in Griechenland liegt dieser Rotwein von Muses Estate bei ca. 13 – 14 Euro. Hierzulande ist er leider noch nicht erhältlich.

Rotweine aus Griechenland mit autochthonen Rebsorten

Kommen wir zum Gourmenissa vom Weingut Chatzivartis (Bild mitte). Erste Pflanzungen des Erzeugers fanden 1994 statt. Heute werden ca. 10 Hektar Rebfläche mit traditionellen aber auch internationalen Rebsorten bewirtschaftet. Dieser Rotwein trägt den Namen der Region PDO Gourmenissa, welche von kontinentalem Klima geprägt ist. Er besteht aus den autochthonen Rebsorten Xinomavro und etwas Negosa. Im Glas zeigt er sich in einer hellen fast schön bräunlichen Farbe. Die Nase ist fruchtig mit Beeren und Kirsche geprägt. Im Handel liegt dieser Rotwein bei knapp 18 Euro.

Die vierte Empfehlung kommt vom Weingut Alpha (links im Bild). Dies liegt in einer der kältesten Weinregionen von Griechenland mit dem Namen PDO Amyndeon. Nikos Panidis erzählt, dass ein See in der Nähe die Temperaturen mild hält. Zwar gibt es hier einen kühlen Winter aber keine Spätfröste. Dem Alpha Xinomavro Reserve Vielles Vignes merkt man die klimatischen Bedingungen aus an. In der Nase mit duftiger Kirschfrucht bringt der Gaumen eine sehr schöne Pfeffrige Würze. Das macht mir so richtig Spaß. Für diesen Wein wird man hierzulande etwas unter 19 Euro ausgeben.

Bei diesen hervorragenden Rotweinen aus Griechenland möchte ich gar keine Abstufung machen. Sie waren alle hervorragend und mit den verwendeten autochthonen Rebsorten für sich eigenständig. Ich möchte mich besonders bei Nikos Panidis für sein freundliches Fachwissen bedanken. Ein kleiner Dank gilt auch den Initiatoren des Weingesetzes von 1974. Denn nach diesem muss das Etikett der Flaschen für mich nicht mehr unverständlich bleiben.