weinverkostungen.de

Vinexpo: Was bringt der Brexit?

Freitag, 9. Juni 2017

wein brexit vinexpoDer Brexit war nicht gerade eine Methode Britannique, also die feine englische Art. Seit der Abstimmung fliegen die Fetzen zwischen EU und Großbritannien. Zu feiern gibt es auf der Insel nach dem Entschluss auch nicht viel. Evtl. wird die heimische Schaumweinindustrie die Korken knallen lassen. Aber selbst dies ist nicht klar. Der um ca. 20 Prozent veränderte Wechselkurs zwischen Pfund und Euro hat bislang zu einigen sehr seltsamen Auswirkungen geführt. Und dies nicht nur auf dem heimischen Markt. Großbritannien ist weltweit der zweitgrößte Weinimporteur. Zudem hat das Empire erhebliche historische Leistungen in der Organisierung der Weinproduktion und -distribution von und in Europa bis gar nach Indien. Und es hat heute noch eine sehr bedeutende Stellung im Bereich Re-Export.

Der Brexit wird wahrscheinlich sehr viel ändern. Für die bevorstehende Fachmesse Vinexpo in Bordeaux ist dies Anlass für eine groß angelegte Diskussionsrunde mit dem Titel „Vinexpo confronts the challenge of Brexit“. Die Diskussion wird von Jane Anson vom Decanter geleitet. Sie wird auch der Frage nachgehen, welche Handlungsmöglichkeiten Weinerzeuger selbst eröffnen können. Doch vieles wird von zukünftigen Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien abhängen. Vorstellung und Hoffnungen, dass eigentlich alles beim Alten bleibt und diese Abkommen lediglich des Status der EU-Mitgliedschaft fortschreiben, wurden jedoch letztlich deutlich von Kontinentaleuropa widersprochen.

Diskussion über den Brexit auf der Vinexpo

Zur Diskussion werden hochrangige und international erfahrene Teilnehmer erwartet. Darunter sind Miles Beale von der Wine and Spirit Trade Association (WSTA). Schon vor der Abstimmung in Großbritannien hat sich Bale öffentlich für einen Verbleib in der EU geäußert und umfangreich die Vorteile für die Wein- und Spirituosenindustrie beschrieben. Immerhin ist das Land der größte Spirituosenhersteller. Er beschäftigte sich zudem mit den Auswirkungen des Wegfalls der europäischen Vorschriften bei der Herstellung z.B. von Gin in Großbritannien. Zudem wird Jean-Marie Barillere (Präsident des Comité Européen des Entreprises Vins) erwartet. Barillere war lange Zeit in der Champagne für bedeutende Häuser und den Erzeugerverband tätig.

Aus Großbritannien wird Andrew Shaw (Conviviality plc / Bibendum) an der Diskussion um den Brexit teilnehmen. Er gilt als einer der einflussreichsten Weineinkäufer für den britischen Markt. Shaw äußerte sich in der Vergangenheit über die negativen Auswirkungen, die mit der Unsicherheit durch den Brexit in den Weinhandel gekommen sind. Große Händler mussten die Unsicherheiten in den Preisschwankungen sogar durch Finanzinstrumente absichern. Guillaume Deglise (CEO der Vinexpo) betont, dass für einige der zahlreichen Besucher der Messe der Brexit auch eine Chance sein kann den britischen Markt zu erreichen. Shaw sieht hier insbesondere für die Weine aus China in den kommenden Jahren eine deutliche Entwicklung.

20. Juni 2017
Vinexpo Bordeaux

Forum 16 – 17:30 Uhr
Hier sind weitere Veranstaltungsdetails.

Chardonnay-Weinrallye: Die Zusammenfassung

Sonntag, 4. Juni 2017

weinrallye international chardonnay dayGanz ehrlich, ich bin positiv überrascht. Wie immer zählt nicht nur die Quantität der Beiträge bei einer Weinrallye. Aber auch diese war aus meiner Sicht sehr gut. Ich hatte keine Zeit um persönlich noch mal Weinfreunde anzusprechen. Und so speist sich die Teilnahme aus wirklich interessierten Menschen an der Weinrallye und am Chardonnay. Und auch die Beiträge an sich finde ich hervorragend. Ich habe mich über jeden einzelnen gefreut. Sicherlich war das Thema breit gewählt. Und gerade weil der Chardonnay in so vieler Munde, Gläser und Flaschen ist, war vielfach eine grundsätzliche Einordnung der Rebsorte erforderlich. Das liest sich so in vielen Beiträgen.

Fangen wir mit dem ersten Beitrag an. Der kommt von Karl-Heinz Datum. Und er kennt sich – nicht nur seines Namens wegen – aus. Klar der #ChardonnayDay war am 25. Mai. Die Weinrallye eigentlich am 26. Das war ganz ehrlich gesagt ein kleines Versehen von mir im Vorfeld. Sorry von mir. Es haben doch viele bemerkt. Das spricht für euch!

Zum richtigen Datum kommen wir noch etwas später. Erst mal gibt es eine Trockenbeerenauslese aus Österreich. Im Blog Süße Weine schreibt Karl-Heinz Datum über ein Exemplar des Jahrgangs 1998 von dem recht bekannten Weingut Fred Loimer aus dem Kamptal. Im Bild sieht dieser gereifte süße Chardonnay recht dunkel aus. Er scheint sehr gut geschmeckt zu haben.

Zum TBA jetzt noch einmal. Eigentlich sollte eine TBA-Weinrallye an selbem Datum stattfinden. Reserviert von Anja Kircher. Mit TBA war jedoch „to be announced“ gemeint. Nun Bildungslücke bei mir. Jedenfalls war sie so freundlich ihre Rallye um einen Monat zu verschieben. Und sie war jetzt beim Chardonnay auch mit dabei. Durchaus trefflich schreibt sie der französische Wein dieser Rebsorte ihr gefallen hat.

Darüber ist Anja dann auch zu einigen deutschen Chardonnays gekommen. Die beiden Weingüter Dorst und Kiefer-Seufert sind zwar nicht ganz so bekannt. Ich werde diese bei Gelegenheit aber auch einmal probieren. Ich sage jedenfalls meine Teilnahme bei ihrer Runde der Rallye auf jeden Fall auch schon zu. Auch wenn es dabei um Merlot aus Finnland gehen sollte. Oh, sie war schneller als ich beim Schreiben dieses Artikels. Das Thema steht fest und unten in diesem Text.

Kommen wir weiter zum Beitrag von Juliane Gassert. Sie ist auch fast immer bei der Rallye dabei. Bei ihr geht die Weinrallye von Südtirol gleich doppelt in die Pfalz. Vorher wird noch etwas die Rebsorte und ihre Bedeutung seziert. Danach die Weine recht umfangreich beschrieben. Bezugsquellen nennt Juliane dann auch noch.

Peter Züllig bereichert die Weinrallye ja bekanntlich nicht nur durch seine Beiträge. Er hat auch gleich zwei mal Chardonnay am Start. Zum einen aus den USA. Ich habe die Erfahrung mit einem von Fetzer schon mal gemacht, dass dieser recht langlebig war. Er hat einen Mondavi aus 1991 aufgemacht. Und dann gibt es noch einen Marienfelder. Peter war auch so freundlich alle Artikel in seinem Blog noch einmal zu verlinken. So bin ich mir auch hier sicher niemanden vergessen zu haben.

Torsten Hammer zeigt immer wieder, dass er sich nicht nur im Priorat auskennt. Für mich ist er auch immer wieder für ein Überraschung gut. Er hat einen Cotes de Jura geöffnet. Ich kenne dies als kleines und interessantes, zuweilen hierzulande leider etwas unbekanntes Gebiet für Chardonnay. Hier der Beitrag von Torsten.

Weinanwalt Stefan ist auch ein Datums-Checker. Kurz vor dem Ende der Weinrally schaffte er es über das Ziel. Klar, am 26. Mai war #LanguedocDay. So macht er dies dann zum Programm und stellt einen Wein aus dieser Region vor. Dann gibt es noch Chardonnay aus Südtirol. Hier sein Artikel.

Ich will meine beiden Beiträge zur Chardonnay-Weinrallye nicht verschweigen. Einmal ein mehr als klassischer Vertreter aus Übersee. Und dann mein echter Klassiker aus dem Chablis. Noch Tage danach steht dieser Wein wie eine Eins und meine Mitmenschen denken ich habe Kreide gefressen weil es mir so gut geht.

Ich gebe hier den Staffelstab der Weinrallye weiter an Anja Kircher mit dem Thema „Weineschichte-n“ am 30. Juni. Hier ihr Aufruf. Nehmt auch ihr bitte drann teil!

Vinexpo-Studie: Vorhersagen für den Weinmarkt 2020

Sonntag, 28. Mai 2017

vinexpo studie weinmarkt 2020Anlässlich zur Vinexpo in Bordeaux erscheint alle zwei Jahre eine Studie zur Entwicklung des Weinmarktes. Besonders interessant daran ist, dass nicht nur die vergangenen Jahre nachgezeichnet werden, sondern viel mehr die Zukunft prognostiziert wird. Danach wird der europäische Weinmarkt weiterhin zwar verlangsamt von 2016 bis 2020 um 2,3 Prozent schrumpfen. Alle anderen Kontinente werden hingegen zulegen. Ein besonders starkes Wachstum wird es im Bereich Asien-Pazifik geben. Hier prognostiziert die Studie der Vinexpo ein Wachstum von 12,7 Prozent.

Wachstum in USA, China und Afrika

Die USA und China werden als Zukunftsmärkte herausgestellt. Zwar wird in den USA bis 2020 nur ein Wachstum nach Menge von 3,8 Prozent vorausgesagt. Dies ist aber aufgrund der ohnehin hohen Menge sehr bedeutend. Zudem soll es einen Wertzuwachs des Weinmarktes in den USA von fast 12 Prozent entsprechen. Für China wird ein Zugewinn von 41,7 Prozent in der Menge und knapp 40 Prozent im Wert prognostiziert. Dies ist besonders relevant, da dies fast 72 Prozent des gesamten Mengenwachstums ausmacht. Zudem wird China damit das Land mit dem zweithöchsten Wert werden und damit Großbritannien bis 2020 überholen. Das Thema Afrika ist durchaus relevant. Elfenbeinküste, Namibia und Nigeria werden nach der Vinexpo-Studie jeweils ein Wachstum von ca. 20 Prozent aufweisen. Dies allerdings auf einem weiterhin niedrigen Niveau.

Was wird in Deutschland passieren?

Deutschland wird mit leichtem Wertzuwachs weltweit der sechst wichtigste Weinmarkt bleiben. Der Abstand zu Frankreich (Platz 4) und Italien (5) wird nach dieser Studie allerdings kleiner werden. Nach der hierzulande bis 2020 leicht sinkenden konsumierten Menge wird Deutschland knapp vor Frankreich und Italien weltweit auf Platz 2 kommen. Dieser Platz meint jedoch nicht den Pro-Kopf-Verbrauch, sondern den Gesamtkonsum im jeweiligen Land. Dieser ist in den beiden anderen Ländern jeweils deutlich höher. Weltweit wird er von Frankeich angeführt. Deutschland belegt hier weltweit den Platz 6 mit knapp 37 Litern pro Kopf (nur nach legalem Alter errechnet). Zum Vergleich: In China wird der jährliche Pro-Kopf-Konsum bis 2020 um 17% auf 1,53 Liter steigen.

vinexpo studie deutschland
„Germany and UK keep the Leadership in still wine imports“, so trocken wird in der Vinexpo-Studie getitelt. Um es genauer zu sagen: Deutschland bleibt nach der Menge der größte Weinimporteur auf dieser Welt. Für Großbritannien wird es sicherlich wegen dem Brexit eine spannende Angelegenheit sein. In dieser Liste der 10 größten Weinimporteure tauchen Frankreich und Italien gar nicht auf. Der Grund: Deutschland ist (evtl. neben der Schweiz) das einzige europäische Land mit bedeutender Weinproduktion welches kräftig Weine vor allem aus anderen europäischen Ländern importiert (Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Portugal …). Für Spanien, Chile und Neuseeland wird ein schnelles Wachstum beim Export festgestellt. So legte Neuseeland von 2011 bis 2015 im Wert um fast 29 Prozent zu.

Was passiert auf dem Weinmarkt?

Die Vinexpo-Studie beschäftigt sich auch mit den Gründen des Wachstums in China. So wird neben anderen Ursachen die Ausbreitung einer Mittelklasse und die Zunahme an weiblich Weingenießern herausgearbeitet. Trotz des zum Teil deutlichen Wachstums in den USA, China und Afrika wird Europa weiterhin der wichtigste Kontinent für Wein bleiben. Nach Menge werden 2020 59 Prozent der weltweiten Stillweinproduktion in Europa konsumiert. Beim Schaumwein sollen es nach der Vinexpo-Studie 76 Prozent sein. 2010 waren es 64 Prozent beim Stillwein und 80 Prozent beim Schaumwein.

Weiterhin Wachstum bei Schaumwein und Rose

Wie schon vor zwei Jahren sieht die Studie der Vinexpo weiterhin ein Wachstum im Bereich vom Rose und beim Schaumwein. Während Rot- und Weißwein nahezu auf selbem Niveau bleiben, wird der weltweite Konsum von Rose bis 2020 um 5,9 Prozent zulegen. Der Marktanteil liegt bei den Weinfarben derzeit bei 10 Prozent. Die Menge an weltweit konsumiertem Schaumwein soll in diesem Zeitraum um 8,6 Prozent wachsen. Besonders starkes Wachstum wird beim Prosecco vorhergesagt. Während der Asti als einzige Subkategorie im Bereich Schaumwein weniger konsumiert werden wird.

vinexpo bordeaux studie
Die Vinexpo findet von 18. bis 21. Juni in Bordeaux statt. Hier kann man sich anmelden.

Weinrallye #110: Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy

Freitag, 26. Mai 2017

alain geoffroy chablis premier cru beauroyDiese Weinrallye ist noch nicht zu Ende. Und da mich mein erster Kandidat aus Argentinien zwar satt aber nicht zufrieden gemacht hat, probiere ich es noch einmal mit einem Chardonnay aus dem Burgund. Also Kandidat Nummer zwei: Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy. Das sind gleich zweimal Roy im Namen. Muss ja gut sein. Das dachte ich mir jedenfalls als ich diesen Wein kaufte. Das Weingut Alain Geoffroy ist seit 1850 in Familienhand und bewirtschaftet heute 45 Hektar. Aufsteigend ab einem Petit Chablis, vier Premier Cru, hat man auch einen Grand Cru in der Lage Les Clos.

Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy verkostet

Doch wir bleiben beim Chablis Premier Cru Beauroy. Helles Strohgelb im Glas. In der Nase ist eine Birne mit hellen Blüten. Nach einiger Zeit entwickelt sich ein duftiger Fruchtkorb. Dieser bleibt aber unaufdringlich. Ausgewogener Gaumen. Nach hinten heraus ist dieser Chablis schön keidig. Dies ist mit einer sanften Frucht schön abgefedert. Die Länge ist hervorragend. Ich meine dieser Chablis Premier Cru Beauroy hat kein Holz gesehen.

Eigentlich braucht dieser Wein seine Zeit. Nicht in dem Sinne, dass man sich diese Flasche schön trinken muss. Vielmehr ist der Chardonnay genau das Gegenteil des Argentiniers von Terrazas. Er versteckt seine Finessen anstatt rumzuböllern und dann schnell abzufallen. Der Erzeuger Alain Geoffroy beschreibt diesen Chablis übrigens mit den Worten: „Ist voller Sonnenschein, Heiterkeit, Schönheit und Reife.“ Das ist nicht so ganz meine Ausdrucksweise. Dem gilt es jedoch nichts mehr hinzuzufügen.

Eins will ich noch erwähnen. Die Webseite von Alain Geoffroy präsentiert recht viele Rezepte und dazu die passende Kombination mit einem ihrer Weine. Das finde ich eine sehr gute Idee. Hier ist eines meiner Empfehlungen zu diesem Wein. Eventuell werde ich das auch mal so nachkochen. Passt irgendwie sehr gut ins Burgund.

Alain Geoffroy Chablis Premier Cru Beauroy
Frankreich – Burgund
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2014
Preis: 20 Euro
Verschluss: Naturkorken

Weinrallye #110: Terrazas Altos del Plata Chardonnay

Freitag, 26. Mai 2017

terrazas altos del plata chardonnay Es ist wieder Weinrallye. Diese Runde ist von mir selbst ausgerufen worden. Ihr Thema ist Chardonnay. Der ChardonnayDay ging gestern rund um die Welt und so habe ich auch einige Eindrücke mitgenommen. Nun habe ich den Chardonnay Altos del Plata von Terrazas im Glas. Okay der Jahrgang 2013 ist bei diesem Wein nicht mehr der Neuste. Da ist inzwischen von diesem Erzeuger 2015 am Markt. Trotzdem: Diese Rebsorte kann das eigentlich ganz gut verkraften. Bei Terrazas ist der Chardonnay nicht wirklich der Fokus. Alles konzentriert sich hier auf den Malbec. Der Chardonnay ist zwar hierzulande häufig als die weiße Rebsorte aus Argentinien schlechthin bekannt. Jedoch ist mengenmäßig vielmehr der aus dem Sherry bekannte Pedro Ximenez stärker (auch kurz PX genannt). Vor ca. 20 Jahren war dies mit einem Anteil von 20% die wichtigste Rebsorte überhaupt in Argentinien. Seitdem haben die roten Sorten aber sehr stark zugelegt. Vor allem der Malbec.

Das Weingut Trazzas gehört heute zum Luxus-Konzern LVMH. Vor dem kennt man ja vorallem die recht teuren braunen Handtaschen für Frauen. Im Jahr 1960 war es das erste Investment von Moet et Chandon außerhalb von Frankreich. Die Qualität hat bei Terrazas in den letzten Jahren wesentlich zugenommen. Die Weinberge in den argentinischen Anden liegen auf einer Höhe von ca. 1200 Metern. Das ist schon so einiges. Das Klima unterschiedet sich stark von anderen Weinregionen. Auf der Höhe gibt es sehr kühle Nächte. Zudem gibt es hier sehr wenig Niederschlag. In Bordeaux z.B. fällt im Jahr 5 mal so viel Regen wie in den Weinbergen von Terrazas. Mendoza ist die größte und bedeutendste Weinregion in Argentinien. Bei Terrazas ist Gonzalo Carrasco als Kellermeister zuständig.

Terrazas Altos del Plata Chardonnay verkostet

Dieser Chardonnay bringt ein dunkleres Strohgelb ins Glas. In der Nase sind reife fruchtige Noten in Richtung Pfirsich mit Kastanien, Heu und Honig. Der Gaumen ist beim Altos del Plata von Terrazas packend und wuchtig. Die Trauben für diesen Chardonnay müssen sehr reif gewesen sein. Ganze 14% Alkohol bringt der Wein ins Glas. Für kalte Nächte ist das auch ganz schön. Der Holzausbau ist bei diesem Chardonnay unverkennbar. Er ist jedoch gekonnt. Ich finde diesen Wein ganz gut, auch wenn es sicherlich auch feinere Vertreter dieser Rebsorte gibt. Erstaunlich ist jedoch wie die Säure hier trotz dieser Opulenz doch so einige Frische erzeugt.

Terrazas Altos del Plata Chardonnay
Argentinien – Mendozza
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14 %
Jahrgang: 2013
Preis: 14 Euro
Verschluss: Schrauber
EAN 7790975017037

Exekutivkomitee Hauptsache Wein: Tief im Westen…

Dienstag, 23. Mai 2017

hauptsache wein bochum… wo die Sonne verstaubt. Ist es besser. Also in Bochum und auch Hattingen. Mit etwas Regen und klarer Sonne. Hier traf sich vorgestern das Exekutivkomitee der Gruppe Hauptsache Wein. Ungefähr 50 aus 10.000. Zwei Tage mit vielen Begegnungen. Einige der Teilnehmer kenne ich real schon über 10 Jahre. Andere kenne ich digital genauso lange, habe die aber noch nie zuvor gesehen. Das zweitägige Treffen wurde von der Weingruppe Porto Bocho sehr gut organisiert. Euch vielen Dank! Es folgt eine Chronologie der Ereignisse in drei Akten.

1. Five Pop Up

five hauptsache wein bochumAm Freitag war der Bratwurststand im Bermuda3eck in Bochum als Treffpunkt avisiert. Aufgrund einiger Regentropfen ging es dann gleich weiter ins Five. Dieses war zum Gruppentreffen von Hauptsache Wein zur Popup-Weinbar umgestaltet worden. Die Weinliste war unglaublich lang und mit vielen Größen vor allem aus deutschen Landen quer durch die Anbauregionen bestückt. Das Treffen war ungezwungen und auch viele der unbekannten Gesichter blieben dies bei heiterer Stimmung nicht lange.

keller kirchspiel hauptsache weinHier gab es zudem einiges zu lachen (Sorry sieht auf dem Bild etwas anders aus – falscher Moment). Auch wegen dem Keller.

prüm himmelreich riesling kabinettDer Joh. Jos. Prüm aus dem Graacher Himmelreich hatte mir sehr gut gefallen. Präzision im Ausdruck, Handwerkskunst, verständliche und lokal zuordnungsbare Tradition. Und es war auch wegen Riesling Kabinett schon eine gute Einstimmung für das große Bratwurstessen am Folgetag. Dieser Weinstil sollte ohnehin als UNESCO-Weltkulturerbe gelten.

hauptsache wein verkostungsergebnisse
Einige Verkostungsergebnisse.

2. Currywurst-Kabinett-Competition

currywurst riesling kabinett„Geste ine Stadt, wat macht dich da satt? Ne Currywurst. Ach gebnse mal zwei.“ Und für meinen Weinfreund noch eine dabei. Und noch einen Riesling Kabinett dazu. Jedenfalls wenn man mit diesen Leuten unterwegs ist. Die Kombination von Riesling Kabinett und Currywurst ist eigentlich gar nicht so provokant, wie es zuerst klingt. Bei der Currywurst ist – wie der Name schon sagt – Curry der Hauptgeschmacksträger. Zu einem indischen Curry gibt es zwei klassische Weinempfehlungen: Gewürztraminer (Südtirol oder Elsass mit etwas Restsüße) und eben einen Riesling Kabinett. Am liebsten in der historisch bekannten Version von der Mosel. Der Restzucker nimmt die Schärfe etwas zurück und die Frucht spielt mit den Aromen der Speise. Problemfelder können im Bereich TomateXSäure oder SchärfeXAlkohol liegen. Soweit die Theorie. Nun zur Praxis.

riesling kabinett immrich batterieberg
1. Gang
Riesling Kabinett Immich-Batterieberg (Mosel) wirkt recht frisch und schlank zur Currywurst.

riesling kabinett bockstein nik weis
2. Gang
Riesling Kabinett Nik Weis Bockstein (Mosel) – eine meiner Lieblingslagen – passt gut zur Currywurst.

riesling kabinett prüm himmelreich
3. Gang
Riesling Kabinett Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich 2012 (Mosel) ist eigentlich etwas zu gut für diese Currywurst. Schmecken tut es trotzdem.

burger riesling kabinett
Es gab Abtrünnige. Ein Verräter der Bochumer Currywurst mit einem amerikanischen Burger mit Speck. Sieht trotzdem sehr lecker aus. Doch es geht weiter im Programm.


4. Gang
Riesling Kabinett Haart Goldtröpfchen (Mosel) wirkt hier recht beschwingt fruchtig mit der Currywurst.

riesling kabinett günther steinmetz brauneberger juffer
5. Gang
Riesling Kabinett Günther Steinmetz Braunberger Juffer 2105 (Mosel) präsentierte sich mit der Currywurst erstaunlich medizinal.

riesling kabinett kupp ayl
6. Gang
Riesling Kabinett von Othegraven Kupp 2015 (Mosel) empfand ich als angenehm frisch und fruchtig.

3. Dinner in Diergardt’s Kühler Grund als Gruppentreffen von Hauptsache Wein

diergardt hattingen rotwein Als wäre man nach 6x Currywurst mit Riesling Kabinett von der Mosel nicht schon satt und stramm genug, ging es zum eigentlichen Gruppentreffen von Hauptsache Wein. Da gab es ein Flying Dinner in elf Punkten. Dazu hatte jeder mindestens eine Flasche hervorragenden Wein mitgebracht. Teilweise konnte man blass werden. Doch schnell zum Essen: Ich fand die auf Rügen gereifte Salami genial. Ich mache an der Ostsee in der Nähe jedes Jahr eine Woche Urlaub. Diese Salami brachte mir schon mal einen kleinen, feinen und so schönen Vorgeschmack.

diergardt hauptsache weinHier einzelne Weine hervorzuheben wird der Veranstaltung nicht wirklich gerecht. Und ein echtes Thema ist für mich das Matching von Wein und dem Essen. Das ist wichtiger als große Namen auf dem Etikett. Zum Essen: Das „Frikassé von Pintadin (keines Perlhuhn) & Kalbsbries“ war etwas Understatement. Der Spargel „Primavera“ war auch sehr lecker. „Unser Senfei“ eher seltsam. Er ließ jedenfalls an meinem Galatisch einige Fragen zurück. Da hätte mir eine traditionelle Version ohne Kartoffelsalat unten drin schon fast besser gefallen. Die Seezunge – auf die ich erst gar keine Lust hatte – war hingegen fantastisch. Die Zitrusaromen und die kleinen feinen Kapern waren eine Klasse für sich. Aber Geschmack ist nun mal etwas sehr Persönliches. Und Meckern ist auf diesem Niveau auch nicht ganz fair.

hauptsache wein diskussion konflikt frauenEs gab auch hitzige Diskussionen.

diergardt gin tonicDer Abschluss des Menus polarisierte etwas. Dieser Gang war beschrieben als „Gin/Tonic mit Gurke in der Zitrone“. Mich erinnerte es eher etwas an Caipirinha. Es hat mir trotz einiger Kritik von anderen sehr gut gefallen. Ich hätte dieses Gericht nur als einen erfrischenden Zwischengang serviert (also vor dem Entrecote, das dafür dann etwas wuchtiger im Bereich Rindfleisch). Aber evtl. hat man in der Küche ja vermutet, dass einige die Nacht noch durchmachen wollen. Dafür passend. Doch für mich hieß es jetzt schnell „Out of Hattingen“. Ein großes Kompliment geht an das Team von Diergardt’s . Neben einer Hochzeitsgesellschaft wurden wir als Hauptgäste bewirtet. Das war kreativ und sehr freundlich. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und empfehle dieses Restaurant gerne weiter.

Treffen in Bochum und Hattingen: Statt Doppelpass gab es zwei Tage Spaß. Neben dem Wiedertreffen langjähriger Weinfreunde habe ich einige sehr interessante und freundliche Menschen in meinem Umkreis hinzugewonnen. Zudem war es bei Diergardt’s gastronomisch hervorragend, am Currywurststand war es sehr unterhaltsam und im Five recht beschwingt. Also, ein schönes und abwechslungsreiches Wochenende mit dem Exekutivkomitee von Hauptsache Wein. 50 aus 10.000!

Da die Ereignisse um die Ruhr 2010 ganze drei Mal in Gesprächen auftauchten, möchte ich zum Weiterlesen diesen Artikel zum Weintrinken auf der Autobahn empfehlen. Auch mit Riesling von der Mosel. Mindestens der Prüm und der Batterieberg waren damals auch dabei.