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Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?Wir reisen jetzt einmal ins Burgund. Genauer in das Gebiet Chablis. Es handelt sich allerdings um eine Reise mit dem Finger auf der Landkarte. Mit im Gepäck: Vier Weine aus dem Anbaugebiet. Diese habe ich nebst Höhenprofilkarte dankenswerter Weise vom Marketing für die Weine aus dem Chablis erhalten. Dabei hat diese Region eine Imageverbesserung in Deutschland eigentlich gar nicht nötig. Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren sind nur ein Indiz für die ungebrochene Beliebtheit des Chablis hierzulande. Häufig gilt er als Essensbegleiter für Fisch- und Schalentiere. Ihn darauf zu begrenzen wird einigen Weinen der Region nicht gerecht. Interessant ist es die Vielfalt dieses Bereichs im Burgund und die Abstufungen zwischen Petit Chablis, Chablis, Premier Crus und Grand Cru zu betrachten.

Domaine William Fevre – Petit Chablis

Die meist als kleiner gesehenen Weine aus Chablis wachsen in der Appellation Petit Chablis. Diese ist auch nur ca. 20% so groß wie die AOC Chablis. Wenn man dies jedoch auf die Weine bezieht, sollte die Appellation eigentlich nicht kleines, sonders kleineres Chablis heißen. Denn es gibt auch hier eine Reihe namenhafter Erzeuger und ebenso sehr gute Weine. Manche überragen sogar die Qualität von so manchem Chablis. Der Ertrag pro Fläche ist in beiden Gebieten jedenfalls nahezu identisch.

Aus dem Petit Chablis haben wir nun einen Wein der Domaine William Fevre im Glas. Dies ist eines der höchsten angesehenen Weingüter im gesamten Chablis. Gegründet 1959 bewirtschaftet die Domaine William Fevre heute ca. 51 Hektar. Damals startete man noch mit 7 Hektar. Jetzt erzeugt man nicht nur diesen Petit Chablis, sondern hat historische Flächen hinzugewonnen. Davon liegen jeweils mehr als 15 Hektar in Premier Cru und Grand Cru Lagen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Dieser Petit Chablis zeigt sich mit dunklerem Strohgelb im Glas. Neben einer Birne sind reife Früchte und eine Meeresbriese in der Nase. Nach einigem Lufteinfluss ist eine dezente Haselnussnote zu riechen. Vor allem nach hinten wirkt eine schön frische Säure. Strahlig und mineralisch bleibt dieser Wein der Domaine William Fevre die Länge stehen. Man kann sich gut die Muschelkalkböden im Chabils vorstellen. Gerade diese Böden – die ehemaliger Meeresboden sind – stellen die Verbindung zur häufigen Speisenkombination her. Bei diesem Petit Chablis ist kein Holz zum Einsatz gekommen, wodurch der Charakter des Bodens einen sehr schönen und klaren Ausdruck erhält.

Das ist ein wirklich guter Vertreter aus der Appellation Petit Chablis und damit nicht nur ein guter Basiswein von der Domaine William Fevre, sondern für die gesamte Region. Er wird beim Endverbraucher ungefähr 11 Euro liegen. Der Petit Chablis wird manchmal etwas geringschätzig angesehen; ist er doch die unterste Sprosse auf einer vier-stufigen Leiter. Aber es gibt sehr schmackhafte und geschätzte Weine aus dieser Appellation. Dieser der Domaine William Fevre kann als ein Beweis gelten. Sicherlich stellen diese Weine meist zugleich diese Klassifizierung nicht auf den Kopf.

Domaine Vocoret & Fils – Chablis

Aus dem Chablis gibt es nun das Cuvee „Fleur de Vigne“ von der Domaine Vocoret & Fils. Schon in der Nase zeigt sich eine vanillige Note. Buttrig mit etwas Orangenschale hinter Karamel- bis Röstaromen geht es weiter. Hier spricht das Holz. Spannend ist das im Nachhall schon, da der holzgeprägte Körper von einer erfrischenden Säure untermalt ist. Diese steht aber keineswegs neben dem Chablis. Karamell zeigt sich hinten am Gaumen. In der Länge ist da etwas Bourboneis. Das ist alles so in sich stimmig, führt aber für mich etwas von der Intention die Boden abzubilden weg. Dieser Chablis betont eher die Vielfältigkeit der Rebsorte Chardonnay. Zugleich gibt es bestimmt Fans dieses Weins. Man kann aber durchaus die These vertreten, dass so mancher Chablis nicht gekauft werden würde, wenn man auch die Rebsorte auf das Etikett schreiben würde. Oder anders formuliert: Das Image des Chabils – auch wenn er viel zu häufig als Schnabbelwein oder Essenbegleiter degradiert wird – ist deutlich besser als der seiner Rebsorte.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Chabils und Holz ist ja so eine Sache. Aber es ist ja eben dann doch ein Burgunder. Manche Weine der Region liegen auch lange im großen Holz. Was wäre ein Meursault ohne langen und schonenden Fassausbau. Mir ist es bei diesem Chablis von der Domaine Vocoret & Fils etwas viel. Aber zugleich merkt man eben, dass man es mit der Rebsorte Chardonnay zu tun hat. Sie ist formbar. Und es gibt generell zwei Fraktionen beim Wein. Die einen möchten, dass er nach der Rebsorte und dem Boden schmeckt. Andere möchten eben Holznoten. Sein wir liberal: Das hält eine Region aus. Nicht jeder Winzer muss seine Weine genauso machen wie er will. Es ist eher spannend, dass es viele Stiele in einer Region gibt. Und es ist ja grundsätzlich gar nicht ungewöhnlich im Burgund den Chardonnay ins Holzfass zu legen. Auch wenn mein persönliches Bild des Chablis eher schlanker und frischer ist. Aber zugleich ist dieser Weißwein der Domaine Vocoret & Fils schmackhaft und gut.

Domaine Pascal Bouchard – Chablis Premier Cru Montmains

Der nun verkostete Chablis Premier Cru stammt von der Domaine Pascal Bouchard. Dieses Familienweingut bewirtschaftet 33 Hektar in Chablis. Der winzig kleine Teil von 0,55 Hektar liegt in der Premier Cru Lage Montmains, welcher 1971 von Andre Tremblay, dem Vater von Joelle Bouchard angelegt wurde. Die Lage findet sich nahe am Ort Chabils auf der rechten Seite der Serein. Montmains umfasst insgesammt 98 Hektar, die nach Süd-Ost ausgerichtet sind.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Der Chablis Premier Cru Montmains ist strohgelb im Glas. Fruchtig beschwingt kann man Birne mit Honigmelone in der Nase wahrnehmen. Daneben stehen duftige gelbe Blüten. Eine dezente Kokosnote ist in der zweiten Nase. Feine Mineralität. Die Säure ist bei diesem Chablis Premier Cru gut integriert. Der Gaumen ist von einer feinen leicht exotischen hellen Frucht geprägt. Schöne balancierte Länge mit feinem Körper und Schmelz. Ein kleines Minzblättchen zeigt sich in angenehmen Fruchtbett. Vor allem nach hinten heraus kann man den von der Domaine Pascal Bouchard sehr gekonnten, weil dezenten Einsatz von alten Fässern aus französischem Holz wahrnehmen. Dies nimmt diesem Chablis jedoch weder seine Frische noch seine Finesse.

Vor allem gegenüber den zuerst verkosteten Petit Chablis aus 2012 dürften die Trauben bei diesem Premier Cru aus 2011 wesentlich reifer gewesen sein. Dieser Chablis Premier Cru von Domaine Pascal Bouchard hat noch einige Entwicklungsmöglichkeit in der Flasche. Jedoch bin ich aus eigener Erfahrung etwas skeptisch was sehr lange Lagerfähigkeiten von Chablis betreffen. Wenn man schon mal ein paar ca. 10 Jahre alte Magnums eines namenhaften Erzeugern entsorgen musste (gehörten mir glücklicher Weise nicht), darf man seine Skepsis bis zum Gegenbeweis sicherlich haben.

La Chablisienne Chablis Grand Cru Les Preuses

Wir haben mit einem „kleinen Wein“ eines qualitativ sehr bedeutenden Erzeugers unsere kleine Reise durch das Chablis begonnen. Dieser erzeugt auch einen legendär gehandelten „Les Preuses“. Enden werden wir jedoch mit einem Wein des Riesen in Chablis. Es geht nicht nur um einen Grand Cru, sondern auch um eine große Genossenschaft. Ich hab irgendwo gelesen, dass La Chablisienne jede vierte auf den Markt gebrachte Flasche Chablis erzeugt. Doch die Größe ist hier etwas Doppeltes: So hat man sehr viel in eine individuelle Arbeit in den Weinbergen investiert. Das merkt man den Weinen auch an.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Doch noch etwas zur Genossenschaft: Der Beginn war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ganz anders als heute gab es damals Vermarktungsprobleme. Somit begann man als Vermarktungsplattform. In den 50er Jahren wandelte es sich dahingehend, dass die Grundmoste an die Genossenschaft geliefert wurden. Und es ist noch heute so, dass die rund 300 Genossenschaftler ihre Trauben selbst pressen, der Ausbau dann jedoch in den Kellern der Genossenschaft passiert.

Den Lesern, die die Erzeugerstrukturen in Frankreich nicht kennen, muss man das hier deutlich erklären. Bei Genossenschaften denkt man leider viel zu häufig an eine leider bestehende Mittelmäßigkeit aus Baden. Es gibt diese bei unserem westlichen Nachbarn ganz anders: Neben großen Namen der Champagne (z.B. Nicolas Feuillatte oder Jacquart) auch in anderen Gebieten. Diese erzeugen nicht selten hervorragende Weine, die zum Teil zu den besten der Region gehören. Zugleich gibt es bei vielen dieser Genossenschaften auch einfachere und preisgünstigere Wein.

In den fußballbewegten Zeiten musste natürlich von La Chablisienne eine Flasche Premier Cru „Les Preuses“ nach Münster. Aber die Lage hat sehr wahrscheinlich gar nichts mit den westfälischen Preußen in grün-schwarz zu tun. Der Wein ist – leider etwas anders als die Leistung der lokalen Kicker, die ihrer Drittklassigkeit in den letzten Jahren irgendwie nicht entfliehen können – eine Legende. Deutlich mehr als 90 Punkte (häufig ca. 94 Punkte) sind diesem Premier Cru fast immer von vielen namenhaften Verkostern sicher. Aber erst mal selbst ins Glas nehmen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Die Nase ist beim Les Preuses von La Chablisienne sehr vielschichtig. Da sind helle Blüten, so ein leicht buttriger Eindruck der vom Fass kommt, verspielt kräutrige Noten, Honig, asiatische duftige Früchte. Nichts davon ist dominierend. Vielmehr zeigt sich in der Nase bei diesem Chablis Premier Cru eine Symphonie der Gerüche. Und alle diese Eindrücke spielen harmonisch zusammen (bei Preußen Münster sollte man das mal erleben). Und das nicht nur artig, sondern großartig. Die Reben für diesen Wein sind 40 bis 50 Jahre alt.

Und dabei unerwartet: Die Frische am Gaumen begeistert. Das ist nicht nur durch die Säure bedingt. Unterstützt wird diese bei dem Chablis Premier Cru Les Preuses durch eine sagenhafte Mineralität. Dann merkt man in die Länge gehend einen gekonnten – weil dezent das Geschmackserlebnis ergänzenden – Holzeinsatz. Nach hinten heraus zeigt sich eine angenehme Fruchtigkeit. Bleibt extrem lange Verspielt. Zugleich ist dieser Chablis nicht satt machend. Das ist Trinkfluss auf höchstem Niveau. Besser geht es kaum. Nur anders. Oder genauer formuliert: Der Les Preuses von La Chablisienne spielt in der höchsten Liga des Weißweins, also auf Weltniveau mit. Dies ist ein würdiger Abschluss und zugleich Höhepunkt einer sehr guten Verkostung der Weine aus Chablis.


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