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Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo

Donnerstag, 10. November 2011

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei CaparzoHeute machen wir einen kleinen Ausflug nach Montalcino. Der Ort steht für einen den nobelsten Weine aus der Toskana. Hier wächst die Rebsorte Sangiovese Grosso für den Brunello. Für eine Probe aktueller und historischer Weine besuchen wir das Weingut Caparzo nördlich von Montalcino. Es gehört zu den angesehensten und mit knapp 90 Hektar bewirtschafteter Rebfläche zu den größeren Erzeugern des Brunello di Montalcino.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Die Geschichte von Caparzo sei schnell erzählt. Das Weingut wurde Mitte der 1960er Jahre von mehreren Freunden aus Mailand erworben. Mit dem Jahrgang 1970 erzeugte man dann den ersten Brunello. Aus dieser Zeit liegen sogar noch einige Flaschen im Keller von Caparzo. 1998 übernahm Elisabetta Gnudi Angelini das Weingut (Bild oben mitte). Für den Keller ist der Önologe Massimo Bracalente zuständig (Bild oben links).

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
In unserer Probe auf dem Weingut Caparzo gibt es vier Jahrgänge des Brunello die Montalcino. Dabei handelt es sich um die historisch gut bis sehr gut bewerteten 1993,1999 (jeweils 4 Sterne), 2004 und 2006 (jeweils 5 Sterne). In der Probe sind jeweils zwei Brunello von Caparzo aus den selben Jahr. In Montalcino erzeugt jedes Weingut zumindest zwei Rotweine im Jahr. Da hat man den Brunello und einen jünger vermarkteten Rosso di Montalcino. Ich persönlich mag den Rosso eigentlich häufig sehr gerne. Auch der von Caparzo ist sehr empfehlenswert. Hier ist die Frucht wesentlich frischer präsent.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Zugleich erzeugen einige Weingüter in Montalcino neben dem Gängigen noch einen weiteren Brunello, der dann (als Selezione bezeichnet) einen Zusatznamen trägt und höherpreisiger angelegt ist. Bei Caparzo ist dies der Brunello La Casa. Er wird nur in den besten Jahren abgefüllt. Der Brunello La Casa besteht aus einer südlich exponierten Einzellage in der Nähe von Monalcino. In ihm werdem die besten Trauben aus der Lage La Casa selektiert. Eigentlich wird Brunello in großen Fässern ausgebaut. Die auf bis zu 12.000 Flaschen limitierten Rotweine aus La Casa reifen jedoch den kleineren Barique-Fässern. Der Brunello La Casa wurde erstmals im Jahrgang 1977 auf den Markt gebracht.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Eine Vermutung, die sich in dieser Probe bestätigt: Brunello sollte dann getrunken werden, wenn er auf den Markt kommt. Aus meiner Sicht präsentieren sich die beiden Brunello aus 2004 und 2006 wesentlich besser, da hier frische feinfruchtige bis volle Kirschfrüchte in der Nase präsent sind. Der La Casa ist jeweils voller und dichter. Jedoch zeigen die kleineren Fässer auch ihre Wirkung, da hier – vor allem bei dem 2006er – Caramel deutlich zu reichen ist. Nicht ganz unzufällig habe ich den Brunello von Caparzo aus diesem Jahr hier besser bewertet als den La Casa hier (preislich ist das Verhältnis jedoch umgedreht).

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Wirklich gereifter Brunello ist jedoch aus meiner Sicht eine Geschmackssache. Die beiden aus 1993 zeigen dies. Der Brunello hat einen gealterten Geruch mit Leder und Schwarzer Johannisbeere in der 2. Nase. Bei La Casa zeigen sich vor allem Röstaromen. Viel besser sind die beiden Brunello von Caparzo aus 1999 noch in Schuss. So hat dieser Brunello zwar auch eine sehr gereifte Nase. Die gut eingebundene Säure erweckt ihn jedoch am Gaumen sehr schön zum Leben. Der Brunello La Casa aus 1999 hat in der Nase neben der Weinreife eine kräftige Casisnote. Am Gaumen präsentiert sich eine runde Länge.

Brunello di Montalcino: Zu Besuch bei Caparzo
Besser ist es also den Brunello zu Zeitpunkt der Vermarktung zu trinken. Das sind immerhin fünf Jahre nach der Ernte. Man sollte dabei beachten, dass die Weingüter in Montalcino vom Brunello die jeweils fünffache Menge ihres jährlichen Umsatzes im Keller liegen haben. Entsprechend groß ist auch der Weinkeller von Caparzo. Dort stehen jedoch nicht nur eine Menge Fässer. Auch ältere Jahrgänge des Brunello bewahrt man dort auf.

Caparzo mit Brunello und Rosso di Montalcino

Besonders gerne mag ich auch den Rosso di Montalcino. Erkennbar ist dieser am roten Etikett. Auch in dieser Kategorie wird bei Caparzo ein zweiter Wein erzeugt. Er stammt aus der Lage La Caduta südwestlich von Montalcino. Grundsätzlich hat man in Monalcino eigentlich keine Lagen. Jedenfalls nicht im deutschen Sinn. Jedoch hat der Anbauverband mithilfe eine Analyse durch Sateliten das Gebiet in vier Zonen eingeteilt. Caparzo bewirtschaftet in diesen Zonen die Lagen La Casa, La Caduta, Il Cassero, San Piero Caselle und Caparzo. Sie liegen zwischen 220 und 300 Meter über dem Meeresspiegel. Gerade die Selektion und Mischung dieser einzelnen Lage verleiht den Brunello von Caparzo häufig seine Größe.

Brunello di Montalcino Jahrgang 2006

Montag, 7. März 2011

Brunello di Montalcino Jahrgang 2006Wir waren in den vergangenen Wochen in der Toskana unterwegs um den neuen Jahrgang 2006 des Brunello di Montalcino zu verkosten. Offiziell ist er mit den maximalen 5-Sternen ausgezeichnet worden. Tatsächlich ist der Brunello 2006 sehr gut. Der Durchschnitt ist in Punkten ausgedrückt erstaunlich hoch und die Ausfälle waren sehr gering. Dieser Jahrgang macht nach dem 2005er Brunello (vor einem Jahr hier verkostet) wieder richtig Spass. Man sollte jedoch in Montalcino mit der Sternbewertung wieder etwas ehrlicher werden.

Seit 2003 wurden beim Brunello nun 8 Jahrgänge in Folge mit 4 oder 5 Sternen bewertet. So etwas macht langfristig ein solches Bewertungssystem kaputt. Ich würde den Jahrgang 2005 des Brunello realistisch bei zwei Sternen einordnen (offiziell waren es 4) und dem Jahrgang 2006 4 Sterne verleihen. So ist für exzellente und herausragende Jahrgänge tatsächlich noch Platz für oben. Ein im Vorfeld häufig herbei geredeter Jahrhundertjahrgang ist der Brunello di Montalcino 2006 trotz vieler hervorragender Weine und einem sehr guten Niveau nicht.

Hier die Verkostungsnotizen aus den anderen Bereichen:
Brunello Selezione 2006
Brunello Riserva 2005
Rosso di Montalcino 2009

Altesino Brunello 2006
Altesino Brunello 2006

Altesino
Rubin mit ziegelrotem Rand, extreme Würze mit Zedern in der Nase, Pinien in der zweiten Nase, weicher Gaumen wirkt dann etwas staubig, dann ein leicht-fruchtiges Finale. Sehr guter Brunello. 89

Argiano
Leicht trübes Rubinrot, dezente Kirschnase mit Alkohol im Hintergrund, wuchtiger Gaumen mit trockener Säure ist schnell weg. 84

Banfi
Helleres Rubinrot, marmeladig in der Nase mit etwas Würze im Hintergrund, in der zweiten Nase sind Caramelnoten, der Gaumen ist etwas abgestanden, Säure ausbalanciert, gewinnt in der Länge an Weich- und Feinheit. 88

Camigliano Brunello 2006
Camigliano Brunello 2006

Camigliano
Rubinrot mit einem hellen Rand, duftig komplexe Nase mit Kirschfrucht etwas Würze und feiner Caramelnote, runder Gaumen in dem die Säure erst gut eingebunden wirkt, kurz anschwillt und dann langsam sich verliert, fruchtig ist sie untermalt. Dieser Brunello gefällt mir. 89

Cantina di Montalcino
Helleres Rubinrot mit bräunlichem Einschlag, leicht mineralische Nase, volle und kompottig wirkende Frucht im Hintergrund, zudem hat diese Nase etwas von einem gereiften Wein, der Gaumen ist bei dieser Komplexität in der Nase enttäuschend da ist einfach. 83

Caparzo
Etwas dunkleres Rubin, erster Eindruck ist parfümiert, da sind auch Veilchen, im Hintergrund der gewöhnliche Fruchtmix und ein Stich, am Gaumen wirkt er erst trocken, dann zeigen sich dunkle Früchte und es gibt einen harmonischen Nachhall. 87

Casisano Colombaio
Dunkles Rubin, klar, dunkle Früchte in der Nase, dezente Vollmilchschokolade in der Zweiten Nase, frischer Auftritt der Säure am Gaumen wie bei Felsquellwasser, trocken bleibt das lange stehen, Sauerkirsche im Hintergrund. 86

CastelGiocondo Brunello 2006
CastelGiocondo Brunello 2006

CastelGiocondo
Dunkles Rubin mit leichten Eintrübungen in Glas, Komposition aus Schokolade, Frucht und gut passendem Caramel in der Nase, in der zweiten Nase ganz dezente Würze und ein Eindruck von gereiftem Burgunder, gut eingebundene aber merkliche Säure, die Komplexität erzeugt. Wieder einmal eine verlässlich gute Qualität des Brunello aus dem Hause Frescobaldi. 91

Castiglion Del Bosco
Dunkleres Rubin, sakraler Geruch, Pflaumen in der zweiten Nase mit holzigem Hintergrund, kräftiger Säuregaumen der auch recht lange anhält. 85

Ciacci Piccolomini D Aragona
Dunkleres Rubinrot mit orangenem Rand, fruchtige Nase die warm wirkt, würze in der zweiten Nase, weicher Fruchtgaumen bei dem die Säure einen Kontrast bildet. 85

Poggio il Castellare
Leicht trübes Rubinrot, Schokolade in der Nase, in der zweiten Nase ist eine duftige Frucht mit etwas Kirchengeruch bzw. feuchtem Sandsteinkeller im Hintergrund, kräftiger Säuregeprägter Gaumen, mittellang mit Caramel im Nachhall. 85

Col di Lamo
Kräftiges Rubinrot, dunkle Waldfrüchte in der Nase, trockener Gaumen, dann kommen etwas Früchte zum tragen. 87

Fanti Brunello 2006
Fanti Brunello 2006

Fanti
Dunkleres Rubinrot, Extrem runde und wenig aufdringliche Fruchtnase, in der zweiten Nase stehen Sauerkirschen und Waldfrüchte harmonisch nebeneinander, kräftige und zugleich passende Säure füllt den Gaumen aus, gute Länge. Fanti überzeugt dieses Jahr wieder mit ihrem Brunello. 90

Fornacina
Rubinrot, Veilchen mit Eukalyptus in der Nase, zweite Nase ist rund und fruchtig, mittelkräftige Säure, wirkt lange trocken und nur wenig fruchtig, dann gar nicht so lang. 86

Il Poggione
Rubin mir leicht violettem Einschlag, parfümiert in der Nase, zweite Nase untermalt dies mit Casis und süßen Kirschen, säuregeprägter Gaumen, Länge würde hier nur wenig Zugewinn sein. 84

La Campana
Dunkles und dichtes Rubinrot im Glas, rote Johannisbeeren in der Nase, in der zweiten Nase würzig, säure ist wahrnehmbar aber in Grenzen, verliert sich fein, sanft bleibt eine dezent marmeladige Schwarze Johannisbeere zurück. 88

La Poderina
Dunkleres Rubin, Caramel in der Nase, zweite Nase mit Casis und etwas süßer Kirsche, trockener und wenig spannender Gaumen bleibt stehen. 85

Lisini
Dunkles Rubin, Caramel in der Nase, dezente Frucht in der zweiten Nase, Mocca im Hintergrund, kurz Sahnebonbon am Gaumen, dann tritt Säure hinzu. Mittellang. Den Stil kann man mögen. 88

Pian delle Vigne / Antinori
Rubin mit hellem Rand, süße Nase wie Himbeereis, marmeladig Casis in der zweiten Nase, der Gaumen ist bis in den Nachhall fein fruchtgeprägt. Irgendwie erscheint der Wein auf hohem Niveau etwas gemacht. 87

San Filippo
Rubinrot, mit hellem Rand, reif und nur wenig süße Kirsche in der Nase, runde Säure ist gut ausbalanciert, eher schlanker Brunello, angenehm lang. 87

Sesta di Sorpa
Dichteres Rubinrot, dezente Würze mit Schwarzen Johannisbeeren in der Nase, kräftigere Säure, später von Frucht untermalt, runder Nachhall. 86

Tornesi Brunello 2006
Tornesi Brunello 2006

Siro Pacenti
Helleres Rubin, Duftig in der Nase mit floralen Noten, packende Säure, am Gaumen ist etwas Caramel. 85

Talenti
Dunkles klares Rubinrot, eingelegte Früchte mit Pflaumen in der Nase, weicher Gaumen wirkt etwas erdig, Säure bleibt im Hintergrund, feiner Nachhall. 88

Tornesi
Rubin mit klar orangenem Rand, runde rote Früchte mit kandiertem Apfel in der Nase, fruchtiger und etwas marmeladiger Gaumen, sehr gut eingebundene Säure, angenehm fruchtiger Nachhall. Moderner Stil des Brunello. 91

Hier ist der Themenswerpunkt Brunello aus dem vergangenen Jahr. Und hier sind die Verkostungsnotizen des Brunello 2005 von vor einem Jahr.

Ezio Rivella: “80% des Brunello nicht nur aus Sangiovese”

Donnerstag, 29. Juli 2010

Brunello SkandalErneut graue Wolken über Montalcino? Die Erklärung des neu gewählten Präsidenten des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino Ezio Rivella, dass 80% des Brunello nicht nur aus Sangiovese besteht, schlug laut VinoWire ein wie eine Bombe. Dabei ist dies weit von einem Skandal entfernt. Nach Aussagen von Rivella wurden “nur geringe Mengen von anderen Trauben von bis 5%” dem Wein beim Pressen beigefügt. Das sei “eine allgemein anerkannte Praxis” gewesen. Das Problem dabei ist nur, dass sich die Erzeuger des Brunello di Montalcino darauf geeinigt haben, dass dieser aus 100% Sangiovese grosso bestehen soll.

Vor mehr als zwei Jahren gab es einen größeren Skandal um den Brunello, wo genau die Mischung mit anderen Rebsorten thematisiert wurde (wir berichteten). In der Folge gab es einige Deklassierungen von Weinen. Dem Ruf des Brunello hat das allerdings nur wenig geschadet. Die jetzige Äußerung des neuen Präsidenten des Consorzio del Vino Brunello di Montalcino Ezio Rivella ist eigentlich auch kein wirkliches Problem. Beimischungen von unter 5% sind in anderen Regionen keine Bemerkung wert und müssen auf dem Etikett nicht vermerkt werden. Nur muss sich das Consorzio entscheiden, ob es ihre Regelung an die Praxis anpasst oder konsequent die 100%-Regel durchsetzt. So würde man sich vor zukünftig aufgebauschen Skandalen schützen können.

Brunello di Montalcino Jahrgang 2005

Donnerstag, 18. März 2010

Brunello di Montalcino Jahrgang 2005Endlich können unsere Verkostungsnotizen und Weinbewertungen des Brunello di Montalcino Jahrgang 2005 veröffentlicht werden. Diese entstanden bei der Veranstaltung Benvenuto Brunello in Montalcino, bei der ein großer Teil der dortigen Weinerzeuger ihre aktuellen Weine zur Probe stellten. Wie schon im Vorfeld vermutet, ist der Jahrgang 2005 nicht ganz einfach beim Brunello di Montalcino. Dies bestätigten einige Weine, die nicht ausgewogen waren, bei denen die Säure nicht in einem rechten Verhältnis stand (meist zu kräftig) .

Viele der Brunello blieben hinter dem zurück, was man unter dieser Bezeichnung erwartet. Leider trifft dies auch auf einige von uns eigentlich sehr geschätzte Erzeuger zu. Da wir den Brunello di Montalcino blind verkostet haben, gab es da aber keinerlei Schonung oder Beschönigung. Zugleich schafften es aus unserer Sicht aber auch zwei Erzeuger mit dem Jahrgang 2005 mehr als 90 Punkte zu erreichen. Beim Brunello 2005 kann man jedoch Camigliano, Tornesi und allenfalls noch Banfi von der pauschalen Kritik herausnehmen (jedenfalls bei dem was wir aus dem Jahrgang 2005 verkostet haben).

Agricola Centolani – Tenute Friggiali e Pietranera
Rubin mit brauner Einfärbung, dunkle Beeren und etwas Tabak in der Nase, weich und zugleich frisch am Gaumen, leichte Bitternote, bestimmt auch den langen Nachhall.
81

Argiano
Braun bis Ziegelrot, kräftig tiefe Nase mit Leder und Schokolade, zweite Nase reife Kirsche, leichtfüßig am Gaumen, aber rund und mittel in der Länge.
84

Banfi
Dezent ausgewogene Nase mit leichter Pflaume, zweite Nase dunkle Schokolade, dann weicher Gaumen, sehr gut integrierte Säure bringt gutes Rückrad, im langen Nachhall klingt kurz Vanille an.
89

Camigliano
Bräunlicher, Vanille, Kaffee und Kirsche in der Nase, in der zweiten Nase sind reife Früchte, druckvolle Säure, die in einen harmonischen Nachhall mit eingelegten roten (Wald)-früchten endet.
92

Brunello di Montalcino Jahrgang 2005Brunello 2005

Cantina di Montalcino
Bräunlich fast bis Kaffee, vanilliges Holz in der Nase, erst weich mit sanfter Kirsche, diese bleibt als Sauerkirsche in Nachhall stehen.
82

Caparzo
Bräunliche Eintrübungen, dunkler Kirsch-Schokoladen Geruch, mit frischen Noten in der zweiten Nase, Säure macht kurz Druck um dann in einen fruchtig reifen Nachhall überzuleiten.
86

Casanuova delle Cerbaie
Braun mit orangem Rand, Tabak und Kirschfrucht in der Nase, frisch am Gaumen bei gut integrierter Säure, im Nachhall ist etwas Frucht und Leder.
83

Castelgiocondo
Dunkleres Braun, alkoholstichige Nase mit Vanille im Hintergrund, Gaumen mit etwas kurzer Sauerkirsche und dezent Karamell, von Säure geprägter Nachhall mit kurz aufblitzendem Cassis.
84

Castiglion del Bosco
Trübes Braun, Vanille und Karamell in der Nase, Kirsche in der zweiten Nase, zu kräftige Säure am Gaumen, Leder und Tabak im Nachhall.
79

Ciacci Piccolomini D’Aragona
Hell-trübes Orange, intensive reife Frucht in der Nase, etwas Alkohol sticht durch, kräftigere Säure macht sich Platz und harmonisiert sich im längeren Nachhall.
84

Poggio il Castellare
Dunkel-trübes Braun, Veilchen in der Nase, zweite Nase Holz mit etwas eingelegter Frucht, metallische Säure, nicht sehr lang.
82

Col D’Orico
Dezente Nase, Frucht-Vanille-Jogurt mit Alkoholstich, kräftige Säure, bleibt so stehen, am Ende blitzt noch mal etwas Sauerkirsche.
80

Donatella Cinelli Colombini
Dunkelbraun mit klarem Rand, kompottig Cassis, holzige Säure, Bitteranflüge im Nachhall.
78

Fanti
Dunkles Braun, kräftiger Kaffee, Kirsche, gut eingebundene Säure, unterschwellig Karamell im Nachhall.
84

Gianni Brunelli – Le Chiuse di Sotto
Helles Braun, orange Reflexe, etwas unreife Johannisbeere in der Nase, Säure, Länge.
82

Il Paradiso di Manfredi
Bräunlich, Kaffee und Karamell in der Nase, gut eingebundene Säure jedoch etwas schlaff, entwickelt sich im Mund positiv, runder Nachhall.
84

Il Poggione
Nase nach Sauerkirsche, intensive Säure mit leichten Bittertönen im Mund.
79

L’Aietta
Helleres Rotbraun, frische Nase mit Zypressen, passend druckvoll am Gaumen, harmonierender Nachhall mit Kirsche, Pflaumen und Cassis.
85

Brunello di Montalcino Jahrgang 2005Brunello 2005

La Campana
Dichtes Rot mit braunen Reflexen, Flieder und etwas Veilchen in der Nase, dezentes Holz in der zweiten Nase, kräftigere und frische Sauerkirschsäure am Gaumen, Länge, animierender Wein.
86

La Fortuna
Primere Vanille in der Nase, die in der zweiten Nase etwas erdig wirkt, Wick-Kischbonbon am Gaumen, etwas holziger Nachhall.
83

La Mannella
Braun mit orangen Reflexen, Karamell-Kaffee in der Nase, zweite Nase vielschichtig und viel versprechend, kräftige unausgewogene Säure, die sich nicht positiv entwickelt.
79

La Poderina
Dunkles Rotbraun, Veilchenduft mit Süße, auch am Gaumen Veilchen mit dezenter Frucht und Säure untermalt, mittellang.
83

La Togata
Relativ hell, brauner Kakao, leicht am Gaumen Vanille, eher kurzer Nachhall.
81

La Velona – Monade 90
Trübes Braun mit orangem Rand, leichter Stich in der Nase mit Strohblumen und zarter Frucht im Hintergrund, kräftige Säure, bleibt stehen.
84

Lambardi
Helles Braun mit orangen Reflexen, Karamell-Kirsche in der Nase, leicht grüne Säure, der Nachhall bringt nichts Positives hinzu.
80

Brunello di Montalcino Jahrgang 2005Brunello 2005

Lazzeretti
Dunkleres Braun, süßer Kaffee in der Nase, etwas unausgewogene Säure, kurzes Fruchtaufblitzen im Nachhall.
81

Le Chuise
Karamell mit Holz in der Nase, leichter Stich fällt in der zweiten Nase auf, kurz Kaffee am Gaumen, dann nur noch Säure.
82

Le Macioche
Süßliche Veilchen in der Nase, süßlicher Schweiß in der zweiten Nase, intensive Säure, im rustikalen Nachhall wird an die Veilchen erinnert.
82

Lisini
Bräunlich, Röstaromen, zweite Nase Kirsche mit Alkohol, etwas dünn am Gaumen, mittlere Säure, Kaffee mit leichter Bitternote im Nachhall, weit hinten spiegelt sich etwas Vanille.
81

Palazzo
Braun mit orangen Rand, warme Frucht und Heu in der Nase, brauner Zucker in der zweiten Nase, Amarenakirsche im Mund, von Säue geprägter Nachhall, etwas Frucht blitz auf.
83

San Filippo
Helles Braun, süße Kirschen mit Cassis, stichig, runde Tanine am Gaumen, im Nachhall etwas fruchtige Süße.
85

San Polino
Karamell und Amarenakirsche in der Nase, in der zweiten Nase ist diese Kirsche extrem Süß, säure macht druck am Gaumen, im langen Nachhall mischt sich diese Amarenakirsche mit einer Sauerkirsche, kurz blitzt dabei Holz auf.
82

Siro Pacenti
Holznase an der Grenze zum Fehler, extreme Säure die den Mund lange belegt.
78

Solaria
Helles Braun mit orangen bis goldenen Reflexen, pink Grapefruit in der Nase, kräftige Säure, trockenes Holz im Nachhall.
80

Talenti
Flieder in der Nase, reife Früchte (Schattenmorelle) in der zweiten Nase, dezente Säure, Frucht macht sich Platz, langer angenehmer Nachhall.
87

Tornesi
Rot mit ziegelrotem Rand, vollreife Süßkirschen mit Preiselbeeren in der Nase, kräftige jedoch angenehme Säure, Preiselbeeren kommen mit Brombeeren in einen langen intensiven Nachhall, ganz spät ist noch etwas Vanille, die nicht mehr hätte sein brauchen.
91

Banfi: Brunello wird deklassiert

Montag, 24. November 2008

Der Brunello-Skandal zeigt erste Auswirkungen auf die Vermarkung von Weinen. Nachdem im April dieses Jahres besonders der Jahrgang 2003 in der Kritik stand, dass andere Rebsorten als Sangiovese verwendet wurden, beschlagte die italienische Staatsanwaltschaft erhebliche Mengen des Brunello. Nach Angaben der FAZ sind es 6,5 Millionen Liter dieses Weins aus den Jahren 2003 bis 2007 gewesen.

Um diese Weine trotzdem vermarkten zu können, sind einige Weinerzeuger dazu übergegangen, ihre Weine zu deklassieren. Da zum Teil immer noch strittig ist, ob sie die Erforderungen für einen Brunello erfüllen, werden sie als einfache Rotweine aus der Toscana (IGT) vermarktet. Besonders stark ist der Brunello von Banfi betroffen. Hier wurden ca. die Hälfte der Weine des Jahrgangs 2003 deklassiert, die als Brunello in den Handel kommen sollten. Castello Banfi ist mit einer bestockten Fläche von 850 Hektar (190 Hektar für Brunello) das größte Weingut in Montalcino.

Die Berichte über den Brunello-Skandal im April dieses Jahres hatten auch ein anderes juristisches Nachspiel. So verklagte das Brunello-Konsortium zwei italienische Zeitungen (L’Espresso und La Repubblicca) wegen Verleumdung. Grund dafür war, dass ein gleichzeitiger Skandal um giftige Stoffe in Weinen aus Süditalien nicht deutlich genug vom Brunello-Skandal getrennt wurden. Bei diesem ging es nämlich nie um gesundheitsgefährdende Beimischungen, sondern lediglich darum, dass Vorschriften missachtet worden sein, dass der Brunello aus 100% Sangiovese besteht.

Neues vom Wein-Skandal in Italien

Dienstag, 8. April 2008

Bild: Thomas GüntherDie Aufdeckung des Wein-Skandals in Italien war von der Zeitschrift “Espesso” perfekt gewählt. So sind die Berichte über Panschereien von Billig-Wein und der Beimischung anderer Rebsorten in den Brunello genau zur Weinmesse Vinitaly in Verona plaziert worden. Das sichert nicht nur in Italien eine größt mögliche Aufmerksamkeit für diesen Wein-Skandal. Nun versuchen die ersten Akteure die Wogen des Skandals bezüglich der Beimischung anderer Rebsorten in den Brunello zu glätten. Besonders das Castello Banfi ist in die seit Monaten dauernden Ermittlungen geraten.

„Gerüchte dass bei Banfi andere Rebsorten in den Brunello di Montalcino gemixt werden, sind mir schon seit 1992 bekannt.“ [Gregor Drescher, Chefverkoster von VinVinoLife]

Ist also alles ein alter Hut? Und eigentlich wusste das jeder in Italien – es wurde nur nicht darüber geredet oder geschrieben? Zudem wird behauptet, dass die beigemischten anderen Rebsorten (Merlot und Cabernet Sauvignon) in den Weinbergen in Montalcino angebaut wurden und nicht – wie den Medienberichten zu entnehmen – aus Süditalien (in anderen Berichten aus Frankreich) stammen würden. Genau die jetzt in die Ermittlungen und die Berichterstattung über den Wein-Skandal geraten Weingüter würden auch schon lange vorher bei Kontrollen aufgefallen sein.

Schuld am Wein-Skandal trügen nach diesen Darstellungen gar nicht die in die Ermittlung geratenen Weingüter, sondern die Regeln für die Herstellung des Brunello. Diese seien nämlich überholt und dieser Wein würde – wenn er nicht nur aus Sangiovese bestehen würde – wesentlich besser schmecken. Auch die Vermarktungsmöglichkeiten außerhalb von Italien würden so besser sein.

„Dass die Rebsorte Sangiovese im internationalen Vergleich eine hinterherhinkende Rebsorte darstellt, die nur in den seltensten Fällen alleine erfolgreich ist, ist in Fachkreisen sehr wohl bekannt. Dass andere Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot hier als Krücken dienen können, hat sich schon seit Jahren als erfolgreiches Konzept in der Toskana bewiesen. Das Festhalten an der Reinsortigkeit in Montalcino hat zweifellos zur Folge, dass hier teilweise an den Wünschen der Endverbraucher und an den Marktbedürfnissen vorbeiproduziert wird, und somit bei vielen Brunelloproduzenten der Verkauf stagniert“. [Gregor Drescher, Chefverkoster von VinVinoLife]

Als treibendes Motiv der Winzer nicht zugelassene Rebsorten dem Brunello beizumischen, werden hier also die Vermarktung und bestimmte Konsumentenwünsche genannt. Lediglich die konservativen Regeln in Montalcino würden dies behindern. Doch wieso werden diese nicht geändert? Und wieso wird es auch in Fachkreisen als ein Skandal angesehen, dass andere Rebsorten beigemischt werden? Wenn man überzeugt davon ist, dass die Weine so besser wären, könnte man ja auch versuchen, ganz legal die Bestimmungen vom Brunello zu ändern. Oder aber man könnte die als besser gesehenen Weine unter einer anderen Bezeichnung vermarkten. Wie jedoch hier schon dargestellt, ist es offensichtlich ein falscher Weg den Brunello zu verflachen und in eine internationale Beliebigkeit und Belanglosigkeit zu bringen.