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Clos de Vougeot Grand Cru – Degustation Prestige

Mittwoch, 30. März 2016

Clos de Vougeot Grand CruIm Rahmen von „Les Grands Jours de Bourgogne“ gab es eine Station Im Clos de Vougeot. Genauer war dies im Chateau du Clos de Vougeot. Schon vor der Schlosspforte war eine lange Schlange. Denn hier gab es die „Vosne Millesime – Noblesse des Clos Vougeot“ mit 61 beteiligten Weingütern aus diesem Bereich. Da war das Interesse des Fachpublikums verständlich groß. Zur Verkostung standen die neuen Weine aus dem Clos de Vougeot, Vosne-Romanee (mit zahlreichen 1er Crus), Echezeaux (bzw. Grands-Echezeaux), dem sehr begehrten Richebourg und Romanee Saint-Vivant.

Les Grands jours de Bougogne VougeotDas Chateau du Clos de Vougeot ist im burgundischen Renaissance-Stil gebaut. Hier finden sich riesige Weinpressen, die von der großen Geschichte des Chateaus und des Weinbaus erzählen. Es liegt mitten in der namensgebenden Lage mit knapp 50 Hektar bewirtschafteter Rebfläche. Anders als die Monopole-Cru Romanée-Conti (1,81 Hektar) und La Romanee (mit seinen 0,85 Hektar) sind viele Crus im Burgund zersplittert in viele Besitzer. Das merkt man nicht nur bei der Präsentation der aktuellen Jahrgänge (vor allem 2014), sondern auch bei dem einer Verkostung 19 gereifter Jahrgänge. Alle stammen von einem anderen Erzeuger.

Chateau du Clos de VougeotDoch es gab nicht nur die Tischpräsentation mit dem Jahrgang 2014. Besonders genial war auf dem Chateau ein Kitchen-Tasting für die Pinot-Noir-Rockstars. In der etwas zugigen alten Schlossküche vom Chateau du Clos de Vougeot gab es eine erlesene Tafelrunde, die gereifte Weine der Jahrgänge 2006 bis 1985 probieren durfte. Genauer waren das 19 Weine der Lage Clos de Vougeot aus diesem Zeitraum mit einem Schwerpunkt bis ins Jahr 1999. Zu den alten Jahrgängen hin wurde die Anzahl der vertretenen Weine natürlich immer dünner.

Vougeot Kitchen TastingEine solche Verkostung macht mehrfach Sinn. Schwächere Jahre kann man in den Spitzenlagen im Burgund häufig erst recht spät erkennen. Hier hängt vieles vom Wetter im Herbst ab. So war die Alterung der Pinots auffällig ungleich, das heißt manch älterer Jahrgang schien jünger zu sein. Zugleich kann man betonen, dass diese Verkostung sicherlich nicht wirklich dazu reicht um die einzelnen Jahrgänge qualitativ einzusortieren. Das zeigten 2005, 2004, 2003 und 2002. Besonders im sehr warmen Ausnahmejahr 2003 scheint die Qualität deutlich auseinanderzugehen. Während der Clos de Vougeot von der Domaine Bouchard Pere et Fils mit seiner etwas eingekocht wirkenden Frucht durchaus diesen Jahrgang typisch repräsentiert, wirkt der 2003er von der Domaine Michel Gros wesentlich jünger und säurebetonter.

Tasting Clos de VougeotDas Potenzial von 2002 würde ich nicht mehr als sehr hoch einschätzen. Jedenfalls galt das für zwei der drei Pinots die schon einige Reifenoten hatten. Was es allerdings nicht ganz leicht machte, da nach der Konzentration von 2003 dieser Jahrgang auch deutlich schlanker wirkte. Lediglich der Clos de Vougeot vom benachbarten Chateau de la Tour wirkte recht jung. 1999 finde ich mit den beiden angestellten Weinen sehr schön und verhältnismäßig langsam gereift. Davor wird die Anzahl der Proben so gering, dass man keine Vergleiche anstellen kann.

2005er Clos de Vougeot von der Domaine Meo-Camuzet

Zwei Weine haben mir hier außerordentlich und trotz des sehr hohen Niveaus und den ohnehin schon exzellenten Ruf der Lage so gut gefallen, so dass ich diese besonders positiv herausstellen möchte. Da ist zum einen der Clos de Vougeot von der Domaine Meo-Camuzet aus dem Jahr 2005. Diese Familie betreibt seit 400 Jahren Weinbau im Burgund. Das Weingut hat seinen Sitz in Vosne-Romanee. Mit dem Jahrgang 1983 steht auf dem Etikett der Flaschen der Name Meo-Camuzet. Seit 30 Jahren führt Jean-Nicolas Méo wieder das Weingut, nachdem seine Familie die Rebflächen zuvor verpachtet hatte, da sie sich als leitende Beamte tätig waren.

Vougeot Domaine Meo-CamuzetIm Clos de Vougeot hat Meo-Camuzet einen Anteil von ca. 3 Hektar. Die Pinot-Reben haben zum Teil ein erhebliches Alter, wobei auch in den 1980er und 1990er Jahre etwas nachgepflanzt wurde, was jedoch für die Balance der Weine eher hilfreich ist. Der 2005er Clos de Vougeot von der Domaine Meo-Camuzet besticht mit einer feinen runden Frucht. In der Nase vibriert eine duftige Sauerkirsche. Die Säure wirkt erfrischend und dieser Pinot noch recht jung. In der Länge zeigt sich etwas Muskatnuss und Eukalyptus. Ein großartiges Geschmackserlebnis! Die aktuellen Jahrgänge dieses Weins kosten so ungefähr 180 bis 190 Euro pro Flasche.

1996er Clos de Vougeot von der Domaine Confuron-Cotetidot

Ein richtiges Wunderwerk ist er 1996er Clos de Vougeot von der Domaine Confuron-Cotetidot. Hier hat Yves Confuron die Geschicke in der Hand. Das 1964 in Vosne-Romanee gegründete Weingut bewirtschaftet eine Fläche von 13 Hektar in einigen der besten Crus des Burgund. Confuron betreibt eine starke Ertragsreduzierung. Die alten Rebanlagen bestehen seit mindestens 25 Jahren. Sie können aber auch durchaus 80 Jahre alt sein. Dieses Weingut betreibt einen sehr langsamen Ausbau (ca. 2 Jahre) der Weine. Diese kommen dann unfiltriert in die Flasche. Es folgt eine sehr späte Vermarktung. Den verkosteten Pinot gibt es aber sehr wahrscheinlich nicht mehr auf dem Markt.

Vougeot Domaine Confuron-CotetidotDer 1996er Clos de Vougeot zeigt sich klar mit orangefarbenem Rand. Duftig steigt eine weiße Johannisbeere (!) in die Nase. Der runde Gaumen zeigt von perfekter Reife. Die Säure ist sehr schön bei diesem Pinot von der Domaine Confuron-Cotetidot eingebunden. Das lange Finale bringt eine filigrane Brombeere zu Tage. Die aktuellen Weine aus dem Clos de Vougeot von diesem Erzeuger kosten derzeit so ca. 150 Euro pro Flasche.

Auffällig war bei diesem Pinot durchaus, dass es bei dem Alter eine merkliche Flaschenvarianz gibt. Das trübt nur wenig das Urteil und vernichtet es keineswegs. Vielmehr fragt man sich was eine Verkostungsnotiz bei einem alten Wein bringt. Eine solche Verkostung kann man natürlich nicht in der Bewertung mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner aller Beteiligten veranstalten. Der 1996er Clos de Vougeot von der Domaine Confuron-Cotetidot wurde jedoch unabhängig voneinander von mehreren Seiten sehr positiv erwähnt.

Zur Lage Clos de Vougeot

Das Clos de Vougeot ist das größte Grand Cru und eine der am besten klingenden Lage im Burgund mit ungefähr 80 Besitzern. Dies ist die Folge der typischen Hofteilung im Burgund. Bei knapp 50 Hektar bewirtschaftet ein einzelnes Weingut im Schnitt ist das also weniger als ein Hektar. Zugleich können auch kleine Weingüter mit wenig Rebfläche nicht selten sehr gut damit leben, was Folge der bestehenden Marktpreise ist. Ebenso spielen Weingüter mit wenig Fläche in der qualitativen Spitze mit.

Boden Clos de VougeotWie in jeder Lage gibt es im Clos de Vougeot ein Qualitätsgefälle. Die oberen Lagen gelten als besser als die in der Nähe der Route Nationale. Bei einer solch großen Lage ist der Boden nie ganz homogen. Auch die Winzer arbeiten unterschiedlich. Die Domaine Bouchard Pere et Fils (auch in der Kitchen-Verkostung vertreten, leider nur mit einem 2003er) verschneidet z.B. ganz bewusst Anteile aus einer höheren Lage mit einer tieferen, da hierdurch spannungsreichere und vielschichtigere Pinots entstehen sollen. Weitere Gründe für unterschiedliche Qualitäten der Weine sind unterschiedliches Alter der Rebstöcke. Zum Teil sind diese in der Lage steinalt.

Häufig gibt es im Burgund neben der Lagenbezeichnung noch zusätzliche Namen. Gerade bei einer solch großen Einzellage wie dem Clos de Vougeot lägen solche Zusatzbezeichnungen auf der Hand. Diese gab es auch zuhauf. Man hat dies jedoch aufgegeben. Der Einfachheit tut das durchaus gut.

Boden im Clos de Vougeot

Das Clos de Vougeot liegt im Bereich Cote d’Or inmitten der Cote de Nuits zwischen Beaune und Dijon. Wie sein Name schon sagt ist die Weinlage von einer Mauer mit einigen Toren umgeben. Die Zisterzienser waren hier sehr aktiv. So wie man das Clos heute kennt, ist es im 12. bis 14. Jahrhundert entstanden.

Louis Jadot Clos de VougeotVor allem im oberen Bereich des Clos de Vougeot findet man skeletführende Braunerde. Die Durchsetzung mit Kalkstein ist für die hier reifenden Pinots von wesentlicher Bedeutung. Der Boden ist bei 250 Meter oft nur 45 cm tief. Hier kann man einen Mergelaustritt betrachten. Im tiefer gelegenen Bereich der Lage in der Nähe der Route Nationale ist die Bodenschicht ca. 90 cm tief.

Vire-Clesse: Klasse Chardonnay aus Burgund

Sonntag, 27. März 2016

vire-clesse burgundJetzt gibt es Vire-Clesse. Was ist denn das? Zurück aus dem Burgund fragen mich viele Leute, was denn das Schönste dort war. Und: Welche Weine sind empfehlenswert? Das Burgund ist eine Weinregion mit vielen weltbedeutenden und klingenden Namen. Das gilt für den Pinot Noir und auch den Chardonnay. Bei den Weißweinen kann man vor allem Chablis, Poully-Fuise, Rully und Givry im hiesigen Handel finden. Doch wirklich begeistert haben mich die Weißweine aus dem noch etwas unbekannteren Vire-Clesse.

Dass man die Appellation Vire-Clesse noch nicht so gut kennt, hat einen einfachen Grund. Sie wurde erst im Jahr 1999 gegründet, ist somit also – vor allem vor der langen Geschichte der Klassifizierungen im Burgund – noch relativ jung. Zuvor wurden die Weine aus den beiden Dörfern Vire und Clesse als Weißweine aus dem Macon vermarktet, auch wenn die Erfassung dieser Lage eine längere Geschichte hat. Es gehört also zum Maconnais, welches im südlichen Burgund liegt. Aus dieser Appellation werden ausschließlich trockene Weißweine aus der Rebsorte Chardonnay vermarktet. Zuweilen können sie gut reifen.

vire-clesse bicheron
Die Rebfläche von Vire-Clesse liegt auf einer Höhe von 200 und 440 Metern. Man hat sich bei der Abmessung der Appellation bewusst dazu entschieden keine tieferen Bereiche mit einzuschließen, da der Boden dort wechselt. Er ist von mit Fossilien durchsetztem Kalkstein geprägt. Sie liegt in Nachbarschaft der sehr berühmten Appellationen Pouilly-Fuisse und Saint-Veran. In Vire-Clesse gibt es ungefähr 120 einzelne Climate. Das sind in etwa Einzellagen. 42 Weingüter und 4 Genossenschaften erzeugen Weine in dieser Appellation.

Vire-Clesse ist 541 Hektar groß, wobei ungefähr die Hälfte jeweils auf die namensgebenden Gemeinden entfällt. Zwei kleine Bereiche liegen in den Nachbargemeinden Montbellet und Laize (26 und 4 Hektar). Im Jahrgang 2014 wurden 430 Hektar bewirtschaftet und insgesamt mehr als 3 Millionen Flaschen erzeugt, was nun in der Summe gar nicht so wenig ist. Diese Fläche unter Reben wuchs in den vergangenen Jahren, was Folge des Bedeutungsgewinns der hier produzierten Weine ist.

Vire-Clesse von der Domaine Robert Marin

Ich habe in Beaune auf Les Grands Jours de Bourgogne so einiges aus Vire-Clesse probiert. Drei Weine möchte ich hier aus dem Jahrgang 2014 empfehlen. Da ist zum einen der Vire-Clesse aus Alten Reben von der Domaine Robert Marin. Der Sitz des Weinguts ist in Clesse. Dieser Chardonnay strahlt Strohgelb aus dem Glas. Ich der Nase sind beschwingt florale Noten. Er wirkt fein-fruchtig und frisch. Dabei ist eine verspielte Frucht mit Exotik in Richtung einer reifen Kiwi. Die Säure ist bei diesem Weißwein sehr gut integriert. Der Nachhall ist harmonisch.

Vire-Clesse von der Domaine Morizet

Dann will ich hier noch den Vire-Clesse von der Domaine Morizet hervorheben. Dies ist ein eher kleineres Weingut mit Sitz in Vire und 9 Hektar Rebfläche. Die Inhaber Alain und Telle Morizet erzeugen 7 Weine. Da ist zwei weißer Macon-Villages (einer davon aus Alten Reben), drei Vire-Clesse (ein normaler, einer aus Alten Reben und einer aus Alten Reben mit Ausbau im Eichenfass) und ein Cremant de Bourgogne. Zudem gibt es noch einen Rotwein aus Pinot Noir, der als Macon vermarktet wird.

vire-clesse chardonnay
Der in Beaune verkostete Vire-Clesse aus dem Climat (Lage) Chanron ist ebenfalls aus dem aktuellen Jahrgang 2014. Glänzendes Strohgelb zeigt sich im Glas. Komplex mineralisch. Ein feiner Schmelz verbindet sich mit sanfter Finesse. Stilistisch wirkt er etwas breiter als der Chardonnay von der Domaine Robert Marin. Er bleibt sehr rund und ausgewogen stehen.

genevieve rousset domaine du bicheron
Geneviève Rousset von der Domaine du Bicheron

Vire-Clesse von der Domaine du Bicheron

Als dritten Wein aus der freien Verkostung in Beaune möchte ich den Vire-Clesse von der Domaine du Bicheron aus Peronne empfehlen. Dieses Familienweingut besteht seit 1889. Heute ist man Mitglied im unabhängigen Winzerverband (Vigneron Independant) und bewirtschaftet rund 50 Hektar. Davon liegt ein Hektar in Vire-Clesse. Dieser Chardonnay ist hell und sehr klar im Glas, hat einen animierenden feinen Duft mit sanfter exotischer Frucht im Hintergrund. Im aktuellen Jahrgang 2014 kann man auch den häufig typischen Minzton dieser Weine finden. Dieser Weißwein macht wirklich Spaß. Alle drei Weine aus Vire-Clesse bestechen auf ihre eigene Art. Schon allein für die Entdeckung dieser Appellation hat sich die Reise ins Burgund für mich gelohnt.

Vorbereitungen zu Les Grands Jours de Bourgogne

Sonntag, 20. März 2016

les grands jours de bourgogneKurz nach der ProWein steht nun eine kleine Reise ins Burgund an. Morgen beginnen Les Grands Jours de Bourgogne. Das ist das wichtigste Ereignis für diese Weinregion. Im Bereich der praktischen Vorbereitung dieser Reise habe ich mich einmal mit ein paar Rotweinen aus dieser Region beschäftigt. Sicherlich gibt es bei Les Grands Jours de Bourgogne auch Weißwein. Mit Chablis habe ich mich hier schon einmal intensiver beschäftigt. Andere großartige Weißweine gibt es sicherlich auch zu verkosten. Mein Fokus bei dieser kleinen Vorbereitung für das Burgund liegt aber auf dem Pinot Noir.

Keine Trockenübung vor Les Grands Jours de Bourgogne

Und dies wird keine Trockenübung. Ich habe mir im lokalen Handel drei Flaschen guten Rotwein aus dem Burgund besorgt. Das ist nicht wirklich einfach. Vielfach findet man nur Weine von sehr großen Erzeugern. Kleine Winzer – die es im Burgund zu Hauf gibt – findet man hingegen leider fast gar nicht. So habe ich einen Mercurey, einen Volnay und einen Santenay käuflich erstehen können.

Vignerons de Buxy Buissonnier Mercurey 2013

Der erste Pinot kommt aus dem Bereich Côte Chalonnaise des Burgundes. Die Rebfläche um die Gemeinde Mercurey umfasst ca. 100 Hektar in denen auch ca. 30 1er Crus liegen. Der Erzeuger Vignerons de Buxy ist recht groß. Von ihm gibt es auch eine Reihe von einfacheren Weinen. In der Genossenschaft Buxy sind ca. 280 Winzer zusammengeschlossen. Bei so ca. 12 Euro am Markt ist es ein eher kostengünstiger Pinot aus Mercurey.

buxy mercurey

Dieser Pinot bringt ein helles transparentes Rubinrot ins Glas. In der Nase sind bei dem Rotwein von den Vignerons de Buxy Hagebutte und rote Früchte und Himbeeren. Diese wirken saftig. Das ist finessenreich. In der zweiten Nase sind auch einige Brombeeren, die jedoch alles andere als vollreif oder marmeladig wirken. Der Gaumen ist bei diesem Mercurey frisch und trinkig. Die Säure wirkt bei diesem eher schlanken Burgunder gut eingebunden. Es handelt sich hier um einen eher leichten Wein. Der Jahrgang 2013 ist jetzt noch etwas sehr jung. Diesen Pinot kann man aber durchaus schon trinken.

Nuiton-Beaunoy Volnay 2011

Nuiton-Beaunoy ist eine Vereinigung von 115 Winzern die die insgesamt eine Fläche von 520 Hektar bewirtschaften. Es werden jedes Jahr mehr als 40 verschiedene Weine erzeugt. Dabei sind auch einige 1er Crus. Die Gemeinde Volnay in der Cote d‘Or hat mit ihren ca. 250 Einwohnern Weltruhm errungen. Der Star: Pinot Noir. Häufig sind es eher leichtere Weine die von dort kommen. Von den 242 Hektar in der Gemeinde Volnay sind etwas weniger als die Hälfte als 1er Crus mit 26 verschiedenen Bezeichnungen klassifiziert. Der folgende Wein stammt jedoch aus den etwas einfacheren Bereichen.

nuiton beaunoy volnay

Doch kommen wir zum flüssigen Volnay aus dem Jahr 2011. Der Rotwein wird – je nach Jahrgang 10 bis 14 Monate im Fass aus französischer Eiche ausgebaut. Er zeigt sich in einem dunkleren und transparenten Rubin im Glas. In der Nase sind bei diesem Pinot von Nuiton-Beaunoy rote Früchte mit sanftem Zimt. Nun, 2011 ist nicht mehr so richtig jung und so zeigen sich erste Reifenoten mit Mocca im Hintergrund. Der Gaumen dieses Volnay ist großartig weich und rund. Er bietet eine feine und harmonische Länge. Schöner Pinot!

Francoise & Denis Clair Santenay 1er Cru Clos des Mouches 2012

Zu diesem Erzeuger habe ich leider keine Informationen gefunden. Ich gehe davon aus, dass es sich um ein kleineres Weingut handelt. Der Name Francoise & Denis Clair legt dies jedenfalls nahe. Verkostet wird ein 1er Cru Clos des Mouches aus Santenay. Dieser bringt für einen Pinot ein dunkleres Rubinrot ins Glas. Der Rotwein ist komplex in der Nase mit dezenter roter Frucht. Eucalyptus, Minze und etwas Zimt in der zweiten Nase. Dieser Santenay von Francoise & Denis Clair braucht einige Zeit um seine fruchtige Aromatik zu entfalten. Dann kann man rote und schwarze Johannisbeeren riechen. Im Hintergrund stehen dann waldige Gerüche wie z.B. Steinpilze.

santeney 1er cru clos des mouches

Am Gaumen ist dieser Pinot fein und seidig. Er entwickelt erst nach einiger Zeit seine finessenhaft Fülle, die niemals versucht die Geschmacksnerven zu strapazieren. Daraus entsteht seine Größe in der Länge. Mein Urteil: Großartiger Pinot! Das 1er Cru Clos ds Mouches ist allerdings normalerweise nicht wirklich günstig. Viele Weine von dort gibt es so zu ca. 80 Euro. Für diesen hier habe ich gerade mal 30 bezahlt. Das ist er allemal wert.

Nach dieser kleinen Verkostungsreihe bin ich sehr froh mich in der Anordnung der Weine nicht vertan zu haben. Jetzt geht es für mich erst mal auf zu Les Grands Jours de Bourgogne. Da wird sich sehr viel um den neuen Jahrgang 2014 drehen. Ich bin schon sehr gespannt. Doch Pinot kann bekanntlich sehr gut reifen. Aus Santenay habe ich hier in der Vergangenheit schon mal ältere Pinots verkostet. So hier einen aus dem Jahrgang 1995 und einen weiteren aus 2000 und einen Volnay 1er Cru aus 1987. Der Santenay 1er Cru Clos des Mouches scheint mir auch noch einige Zeit gut dazustehen. Bis 2022 könnte es aus meiner Sicht noch reifen. Doch jetzt ist die Flasche leer. Und ich bin erst mal in Frankreich bei Les Grands Jours de Bourgogne. [link]

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Samstag, 26. Juli 2014

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?Wir reisen jetzt einmal ins Burgund. Genauer in das Gebiet Chablis. Es handelt sich allerdings um eine Reise mit dem Finger auf der Landkarte. Mit im Gepäck: Vier Weine aus dem Anbaugebiet. Diese habe ich nebst Höhenprofilkarte dankenswerter Weise vom Marketing für die Weine aus dem Chablis erhalten. Dabei hat diese Region eine Imageverbesserung in Deutschland eigentlich gar nicht nötig. Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren sind nur ein Indiz für die ungebrochene Beliebtheit des Chablis hierzulande. Häufig gilt er als Essensbegleiter für Fisch- und Schalentiere. Ihn darauf zu begrenzen wird einigen Weinen der Region nicht gerecht. Interessant ist es die Vielfalt dieses Bereichs im Burgund und die Abstufungen zwischen Petit Chablis, Chablis, Premier Crus und Grand Cru zu betrachten.

Domaine William Fevre – Petit Chablis

Die meist als kleiner gesehenen Weine aus Chablis wachsen in der Appellation Petit Chablis. Diese ist auch nur ca. 20% so groß wie die AOC Chablis. Wenn man dies jedoch auf die Weine bezieht, sollte die Appellation eigentlich nicht kleines, sonders kleineres Chablis heißen. Denn es gibt auch hier eine Reihe namenhafter Erzeuger und ebenso sehr gute Weine. Manche überragen sogar die Qualität von so manchem Chablis. Der Ertrag pro Fläche ist in beiden Gebieten jedenfalls nahezu identisch.

Aus dem Petit Chablis haben wir nun einen Wein der Domaine William Fevre im Glas. Dies ist eines der höchsten angesehenen Weingüter im gesamten Chablis. Gegründet 1959 bewirtschaftet die Domaine William Fevre heute ca. 51 Hektar. Damals startete man noch mit 7 Hektar. Jetzt erzeugt man nicht nur diesen Petit Chablis, sondern hat historische Flächen hinzugewonnen. Davon liegen jeweils mehr als 15 Hektar in Premier Cru und Grand Cru Lagen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Dieser Petit Chablis zeigt sich mit dunklerem Strohgelb im Glas. Neben einer Birne sind reife Früchte und eine Meeresbriese in der Nase. Nach einigem Lufteinfluss ist eine dezente Haselnussnote zu riechen. Vor allem nach hinten wirkt eine schön frische Säure. Strahlig und mineralisch bleibt dieser Wein der Domaine William Fevre die Länge stehen. Man kann sich gut die Muschelkalkböden im Chabils vorstellen. Gerade diese Böden – die ehemaliger Meeresboden sind – stellen die Verbindung zur häufigen Speisenkombination her. Bei diesem Petit Chablis ist kein Holz zum Einsatz gekommen, wodurch der Charakter des Bodens einen sehr schönen und klaren Ausdruck erhält.

Das ist ein wirklich guter Vertreter aus der Appellation Petit Chablis und damit nicht nur ein guter Basiswein von der Domaine William Fevre, sondern für die gesamte Region. Er wird beim Endverbraucher ungefähr 11 Euro liegen. Der Petit Chablis wird manchmal etwas geringschätzig angesehen; ist er doch die unterste Sprosse auf einer vier-stufigen Leiter. Aber es gibt sehr schmackhafte und geschätzte Weine aus dieser Appellation. Dieser der Domaine William Fevre kann als ein Beweis gelten. Sicherlich stellen diese Weine meist zugleich diese Klassifizierung nicht auf den Kopf.

Domaine Vocoret & Fils – Chablis

Aus dem Chablis gibt es nun das Cuvee „Fleur de Vigne“ von der Domaine Vocoret & Fils. Schon in der Nase zeigt sich eine vanillige Note. Buttrig mit etwas Orangenschale hinter Karamel- bis Röstaromen geht es weiter. Hier spricht das Holz. Spannend ist das im Nachhall schon, da der holzgeprägte Körper von einer erfrischenden Säure untermalt ist. Diese steht aber keineswegs neben dem Chablis. Karamell zeigt sich hinten am Gaumen. In der Länge ist da etwas Bourboneis. Das ist alles so in sich stimmig, führt aber für mich etwas von der Intention die Boden abzubilden weg. Dieser Chablis betont eher die Vielfältigkeit der Rebsorte Chardonnay. Zugleich gibt es bestimmt Fans dieses Weins. Man kann aber durchaus die These vertreten, dass so mancher Chablis nicht gekauft werden würde, wenn man auch die Rebsorte auf das Etikett schreiben würde. Oder anders formuliert: Das Image des Chabils – auch wenn er viel zu häufig als Schnabbelwein oder Essenbegleiter degradiert wird – ist deutlich besser als der seiner Rebsorte.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Chabils und Holz ist ja so eine Sache. Aber es ist ja eben dann doch ein Burgunder. Manche Weine der Region liegen auch lange im großen Holz. Was wäre ein Meursault ohne langen und schonenden Fassausbau. Mir ist es bei diesem Chablis von der Domaine Vocoret & Fils etwas viel. Aber zugleich merkt man eben, dass man es mit der Rebsorte Chardonnay zu tun hat. Sie ist formbar. Und es gibt generell zwei Fraktionen beim Wein. Die einen möchten, dass er nach der Rebsorte und dem Boden schmeckt. Andere möchten eben Holznoten. Sein wir liberal: Das hält eine Region aus. Nicht jeder Winzer muss seine Weine genauso machen wie er will. Es ist eher spannend, dass es viele Stiele in einer Region gibt. Und es ist ja grundsätzlich gar nicht ungewöhnlich im Burgund den Chardonnay ins Holzfass zu legen. Auch wenn mein persönliches Bild des Chablis eher schlanker und frischer ist. Aber zugleich ist dieser Weißwein der Domaine Vocoret & Fils schmackhaft und gut.

Domaine Pascal Bouchard – Chablis Premier Cru Montmains

Der nun verkostete Chablis Premier Cru stammt von der Domaine Pascal Bouchard. Dieses Familienweingut bewirtschaftet 33 Hektar in Chablis. Der winzig kleine Teil von 0,55 Hektar liegt in der Premier Cru Lage Montmains, welcher 1971 von Andre Tremblay, dem Vater von Joelle Bouchard angelegt wurde. Die Lage findet sich nahe am Ort Chabils auf der rechten Seite der Serein. Montmains umfasst insgesammt 98 Hektar, die nach Süd-Ost ausgerichtet sind.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Der Chablis Premier Cru Montmains ist strohgelb im Glas. Fruchtig beschwingt kann man Birne mit Honigmelone in der Nase wahrnehmen. Daneben stehen duftige gelbe Blüten. Eine dezente Kokosnote ist in der zweiten Nase. Feine Mineralität. Die Säure ist bei diesem Chablis Premier Cru gut integriert. Der Gaumen ist von einer feinen leicht exotischen hellen Frucht geprägt. Schöne balancierte Länge mit feinem Körper und Schmelz. Ein kleines Minzblättchen zeigt sich in angenehmen Fruchtbett. Vor allem nach hinten heraus kann man den von der Domaine Pascal Bouchard sehr gekonnten, weil dezenten Einsatz von alten Fässern aus französischem Holz wahrnehmen. Dies nimmt diesem Chablis jedoch weder seine Frische noch seine Finesse.

Vor allem gegenüber den zuerst verkosteten Petit Chablis aus 2012 dürften die Trauben bei diesem Premier Cru aus 2011 wesentlich reifer gewesen sein. Dieser Chablis Premier Cru von Domaine Pascal Bouchard hat noch einige Entwicklungsmöglichkeit in der Flasche. Jedoch bin ich aus eigener Erfahrung etwas skeptisch was sehr lange Lagerfähigkeiten von Chablis betreffen. Wenn man schon mal ein paar ca. 10 Jahre alte Magnums eines namenhaften Erzeugern entsorgen musste (gehörten mir glücklicher Weise nicht), darf man seine Skepsis bis zum Gegenbeweis sicherlich haben.

La Chablisienne Chablis Grand Cru Les Preuses

Wir haben mit einem „kleinen Wein“ eines qualitativ sehr bedeutenden Erzeugers unsere kleine Reise durch das Chablis begonnen. Dieser erzeugt auch einen legendär gehandelten „Les Preuses“. Enden werden wir jedoch mit einem Wein des Riesen in Chablis. Es geht nicht nur um einen Grand Cru, sondern auch um eine große Genossenschaft. Ich hab irgendwo gelesen, dass La Chablisienne jede vierte auf den Markt gebrachte Flasche Chablis erzeugt. Doch die Größe ist hier etwas Doppeltes: So hat man sehr viel in eine individuelle Arbeit in den Weinbergen investiert. Das merkt man den Weinen auch an.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Doch noch etwas zur Genossenschaft: Der Beginn war in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ganz anders als heute gab es damals Vermarktungsprobleme. Somit begann man als Vermarktungsplattform. In den 50er Jahren wandelte es sich dahingehend, dass die Grundmoste an die Genossenschaft geliefert wurden. Und es ist noch heute so, dass die rund 300 Genossenschaftler ihre Trauben selbst pressen, der Ausbau dann jedoch in den Kellern der Genossenschaft passiert.

Den Lesern, die die Erzeugerstrukturen in Frankreich nicht kennen, muss man das hier deutlich erklären. Bei Genossenschaften denkt man leider viel zu häufig an eine leider bestehende Mittelmäßigkeit aus Baden. Es gibt diese bei unserem westlichen Nachbarn ganz anders: Neben großen Namen der Champagne (z.B. Nicolas Feuillatte oder Jacquart) auch in anderen Gebieten. Diese erzeugen nicht selten hervorragende Weine, die zum Teil zu den besten der Region gehören. Zugleich gibt es bei vielen dieser Genossenschaften auch einfachere und preisgünstigere Wein.

In den fußballbewegten Zeiten musste natürlich von La Chablisienne eine Flasche Premier Cru „Les Preuses“ nach Münster. Aber die Lage hat sehr wahrscheinlich gar nichts mit den westfälischen Preußen in grün-schwarz zu tun. Der Wein ist – leider etwas anders als die Leistung der lokalen Kicker, die ihrer Drittklassigkeit in den letzten Jahren irgendwie nicht entfliehen können – eine Legende. Deutlich mehr als 90 Punkte (häufig ca. 94 Punkte) sind diesem Premier Cru fast immer von vielen namenhaften Verkostern sicher. Aber erst mal selbst ins Glas nehmen.

Petit Chablis bis Grand Cru: Mehr als nur ein Fischbegleiter?

Die Nase ist beim Les Preuses von La Chablisienne sehr vielschichtig. Da sind helle Blüten, so ein leicht buttriger Eindruck der vom Fass kommt, verspielt kräutrige Noten, Honig, asiatische duftige Früchte. Nichts davon ist dominierend. Vielmehr zeigt sich in der Nase bei diesem Chablis Premier Cru eine Symphonie der Gerüche. Und alle diese Eindrücke spielen harmonisch zusammen (bei Preußen Münster sollte man das mal erleben). Und das nicht nur artig, sondern großartig. Die Reben für diesen Wein sind 40 bis 50 Jahre alt.

Und dabei unerwartet: Die Frische am Gaumen begeistert. Das ist nicht nur durch die Säure bedingt. Unterstützt wird diese bei dem Chablis Premier Cru Les Preuses durch eine sagenhafte Mineralität. Dann merkt man in die Länge gehend einen gekonnten – weil dezent das Geschmackserlebnis ergänzenden – Holzeinsatz. Nach hinten heraus zeigt sich eine angenehme Fruchtigkeit. Bleibt extrem lange Verspielt. Zugleich ist dieser Chablis nicht satt machend. Das ist Trinkfluss auf höchstem Niveau. Besser geht es kaum. Nur anders. Oder genauer formuliert: Der Les Preuses von La Chablisienne spielt in der höchsten Liga des Weißweins, also auf Weltniveau mit. Dies ist ein würdiger Abschluss und zugleich Höhepunkt einer sehr guten Verkostung der Weine aus Chablis.

Rene Mugneret Vosne-Romanee 1984

Sonntag, 6. Dezember 2009

Rene Mugneret Vosne-Romanee 1984Das Burgund ist immer für Überraschungen gut. Bei diesem Vosne-Romanee war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob man mit dem überhaupt noch etwas anfangen kann. Ich erstand ihn für wenig Geld. Der Erzeuger Rene Mugneret sagte mir nicht viel. Der Nachfolgejahrgang des Vosne-Romanee von Rene Mugneret – also der 1985er – soll angeblich 90 Punkte im WineSpectator bekommen haben. Das ist im Gegensatz zu 1984 aber auch generell ein Spitzenjahrgang. Der Wein stammt jedoch aus einer perfekten Lagerung und der Füllstand ist für eine Wein, der vor 25 Jahren erzeugt wurde sehr gut. Also Flasche auf.

Unter dem Siegellack ist der Korken des Vosne-Romanee von Rene Mugneret fast bis zum Ende durchweicht. Das Ganze stinkt nach Alt und feuchtem Keller. Erste Enttäuschungen breiten sich aus. Die Farbe dieses Vosne-Romanee von Rene Mugneret ist ein sehr helles braun. Das sieht fast so aus, als wenn man Kaffee richtig dünn gemischt hat. In der Nase sind Muskat und Nelken. Der erste Geschmackseindruck bei diesem Vosne-Romanee von Rene Mugneret ist ledrig. Er ist sehr trocken und fast schon staubig am Gaumen. Sehr viel später im Nachhall bringt dieser 25 Jahre alte Pinot Noir Himbeeren und Erdbeeren.

Man kann diesen Wein noch sehr gut trinken. Der Vosne-Romanee von Rene Mugneret ist außergewöhnlich und sicherlich nicht jedermanns Sache. Zugleich bietet er mit des Alter eine etwas schrullige Komplexität. Dies schafft nicht jeder Wein. Viele sind nach 25 Jahren entweder nicht mehr genießbar oder einfach nur platt. Falls noch jemand eine Flasche hat: Der Rene Mugneret Vosne-Romanee mit dem Jahrgang 1984 sollte jetzt getrunken werden. Einen Preis kann man hier seriöser Weise nicht angeben. Diese Vosne-Romanee ist großes Kino, das Lust macht weiter alte und ungewöhnliche Weine auszuprobieren.

Rene Mugneret Vosne-Romanee 1984
Frankreich – Burgund – Appellation Vosne-Romanee Controlee
Erzeuger: Rene Mugneret
Inhalt: 0,75
Alkohol: keine Angabe auf dem Etikett
Jahrgang: 1984
Einkaufspreis: ***
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Privat

Jean Jacques Castell Santenay 1995

Samstag, 14. November 2009

Ist das Burgund unterschätzt? Ist es überschätzt? Beides stimmt. Und noch etwas: Dort durchzublicken ist nicht unbedingt leicht. Über die Reifemöglichkeiten z. B. des Chablis gibt es fast so viele Meinungen wie Experten. Bei den Rotweinen ist es einfacher, aber nicht leicht. Bestimmte Weine aus jeweiligen Orten sind lagerfähiger als andere. Zugleich sollte man auch auf den Jahrgang schauen. Gute Jahrgänge erhöhen die Chancen bei der Lagerfähigkeit. Der Erzeuger/Vermarkter spielt auch eine gewisse Rolle, da er nicht nur für den Inhalt, sondern auch für die Qualität der Flasche und des Korkens sorgt. Gerade bei gelagerten Weinen haben solche äußeren Bedingungen eine hohe Bedeutung. Zudem sind Füllstand der Flasche und der Zustand des Korkens (kein Auslaufen, kein Eindringen von Luft) wichtig.

1995 gilt im Burgund als ein guter Jahrgang. Der Korken des Santenay von Jean Jacques Castell ist kurz vor dem Ende. Noch ca. 1 cm ist nicht durchgeweicht. Zugleich hat der Korken eine gute Qualität. Der Santenay aus 1995 zeigt sich im Glas in einem hellen Rot mit deutlich rostigen Tönungen. In der ersten Nase ist trockenes Holz. Dann tritt beim Santenay von Jean Jacques Castell ein Rumtopf mit richtig durchgeweichten Früchten hinzu. Dabei ist dieser Burgunder aber nicht voluminös. Im Mund ist er leicht und hat wenig Säure. Der Santenay bringt ein dezente und verspielte Würze mit sich. Im Nachhall ist Brotteig. Auch hier ist beim Santenay aus 1995 nichts kratziges, sondern er ist leicht und lang anhaltend.

Dieser Burgunder ist ein feiner Rotwein ohne Knallerbsen aus Monstergeschützen. Wenn man ihm etwas Luft lässt, treten noch Caramel-Töne hinzu. Dieser Burgunder ist jetzt auf seinem Höhepunkt, auch wenn Santenay nicht unbedingt zu sehr hohen Bergen neigt. Für die 8 Euro, die ich für die Flasche bezahlt habe, ist das Top. Aber das war auch kein Schnäppchen mehr, sondern ein ausgeprägter Schnapp. Welcher Wein macht sonnst schon 14 Jahre Lagerung mit?

Jean Jacques Castell Santenay 1995
Frankreich – Burgund – Santenay Appellation Controlee
Erzeuger: Jean Jacques Castell
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5%
Jahrgang: 1995
Einkaufspreis: 8,00 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Privat