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Weinrallye #43: Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese

Sonntag, 20. März 2011

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseJetzt gibt es einen Rauenthaler Baiken Spätlese aus dem Jahr 1990. Für diese Weinrallye mit dem Titel „Riesling Spätlese“ gibt es sicherlich mehrere Gründe. Der VDP hat das Thema Spätlese mit dieser Veranstaltung wieder entdeckt. Einige Zeit wurden gereifte Rieslinge mit höherem Restzucker als „trocken“ schlecht behandelt. Für viele unbedarfte Weinkunden ist „trocken“ immer noch ein positives Attribut von einem Wein. Das war lange Zeit anderes. Heute ist der langlebige restsüße Wein immer noch in einer Nische.

Wiso diese Rieslinge jetzt?

Zugleich haben wir mit dem Jahrgang 2010 eine geringere Versorgung mit jungen und frischen Rieslingen. Und so mag es schon fast nicht mehr als Zufall erscheinen, dass nun gereifte Rieslinge mehr ins Zentrum gelangen. Die Lagerung von solchem Wein bei den Weingütern ist zudem ein historischer roter Faden, der sich durch die Geschichte zieht. So haben es viele kleine Weingüter über Generationen geschafft ohne fremdes Kapital durch Jahrgangsschwankungen, Wirtschafts- und Währungskrisen zu kommen, da ein Teil des Kapitals in Form von lagerfähigem Wein vorhanden war.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseEin zweiter roter Faden – der diesen Riesling aus der Lage Rauenthaler Baiken – betrifft, ist die Versteigerung. Und diese über 100jährige noch heute stattfindende Praxis ist eng mit der Geschichte des VDP verbunden. Durch diese Methode gelang es die Erzeugerabfüllung als Qualitätskriterium durchzusetzen. Geschickte Versteigerungszeitpunkte, generell eine Politik der Anstellung, sorgte dafür, dass richtig guter Riesling nie verscherbelt wurde, sondern vielmehr immer neue Preisrekorde erreicht wurden.

Versteigerungen im Rheingau

Neben den wichtigen Versteigerungen an Mosel und Nahe ist besonders die auf dem Kloster Eberbach im Rheingau zu nennen. Dort versteigert man Wein seit 1806. Und eben aus diesem zugleich erzeugenden Betrieb stammt der nun zur Verkostung stehende Riesling Spätlese. Dieses Rauenthaler Baiken wurde 1991 gefüllt. Dieser Riesling wurde auf dem Kloster Eberbach auch versteigert. Steigweine gelten als besonders hochwertig und begehrt, da es sich nur für die besten Weine lohnt eine Versteigerung durchzuführen.

Dieser Riesling hier stammt aus einer perfekten Lagerung; allein die Füllhöhe sagt hier einiges. Leichter Weinstein ist in der Flasche, der mich allerdings überhaupt nicht negativ berührt. An der Kapsel sind etwas seltsame klebrige Spuren. Der Korken geht raus wie geschmiert. Viel hätte da bis zum Auslaufen nicht gefehlt. Der seltsam beschichtet vorkommende feste Korken sagt gar nichts darüber aus, wie weit er „verbraucht“ ist. Meiner Meinung nach hat die ziemlich straffe Metallkapsel alles sehr gut zusammen gehalten.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseHelleres Goldgelb mit grünlichen Reflexen im Glas. Reife Quitten in der Nase. Erst Süße am Gaumen, dann entwickelt das Baiken Biss am Gaumen. Das angenehme und mächtige Frucht-Säure spiel macht eine Einordnung in eine geschmacklich wahrnehmbare Restsüßeeinschätzung nur schwer möglich. Wenn er etwas mehr Luft bekommt ist doch etwas deutlicher der Restzucker zu schmecken. Aber immer wieder kommen trockene Eindrücke an den Gaumen. Denn solche Weine werden trockener nach einiger Zeit.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese verkostet

Schöner Nachhall. Dieser wird von einer für die Erste Lage Rauenthaler Baiken eher ungewöhnlichen Säure getragen. Denn das Baiken ist eher warm und daher säureärmer als viele andere Rieslinge des Rheingaus. Der ist noch richtig frisch. Es ist ein großer Riesling, der nun 20 Jahre nach der Füllung immer noch wie eine Eins dasteht.

Langzeitexperiment

Ich bin nicht wirklich ein Experte bei gereiften Weinen. Dafür findet man sie einfach zu selten im Handel. Der stationäre Handel in Münster hatte keine einzige Flasche dieser Kategorie für mich bereit. Also frage ich mich, wie lange ich eine Flasche offen halten kann. Gerade leicht gereifte Weine besitzen die Gefahr schnell zu zerfallen. Andererseits präsentiert er sich am ersten Tag sehr gut. Also ein Langzeitexperiment.

Tag 2: Die Quitte ist etwas dezenter im Glas. Stattdessen ist etwas Mineralität und Gemüse hinzugetreten. Die zweite Nase zeigt einen reifen und saftigen Pfirsich mit etwas Firne, die in Form von Caramel erscheint. Insgesamt ist die Nase auch etwas schlanker. Der Gaumen hat auch wieder etwas mehr verloren. Er kommt trockener vor und die vanillige Firne scheint stärker durch. Lang, aber etwas weniger. Immer noch zeigt sich das Baiken in einer angenehmen Komplexität und in Verbindung mit dem tatsächlichen Alter noch recht frisch.

Wie entwickelt sich der Rauenthaler Baiken?

Tag 3: Die Nase ist nun stärker von einer vanilligen bis leicht holzigen Firne geprägt. Etwas süße Frucht und Gurke sind in der zweiten Nase. Der Rauenthaler Baiken wirkt trockener und weniger fruchtig am Gaumen. Schmale Säure untermalt dies. Rauchige Noten mischen sich in den Nachhall.

Tag 4: So langsam verabschiedet sich dieses Baiken. Aber gerade jetzt, wo die Frucht nicht mehr wirklich viel Masse erzeugen kann, fällt auf, wie Extraktreich dieser Riesling eigentlich ist. Er hat eine gewisse dickflüssige Textur, obwohl er eher trocken erscheint. Trotzdem nun fast schon Bitterstoffe wahrzunehmen sind, wirkt er nicht wässrig. Selbst in diesem späten Stadium, in dem Alter und lange Flaschenöffnung diesem Wein aus dem Rauenthaler Baiken zugesetzt haben, ist es eine würdige alte Dame, die ohne Lifting und Schminke wesentlich ansehnlicher ist als vieles was sonnst so unterwegs ist.

Kloster Eberbach 1990er Rauenthaler Baiken Riesling SpätleseMan mag kaum glauben, dass von diesem Riesling wirklich noch einige Flaschen verfügbar sind. Ich habe jedenfalls noch eine zweite Flasche von dem Rauenthaler Baiken Spätlese aus dem Jahr 1990. Die werde ich in ca. 5 Jahren oder zu ihrem 25 Geburtstag aufmachen. Da bin ich jetzt schon gespannt, wie sich dieser Riesling dann präsentieren wird. Natürlich ist dies hier nicht nur ein Beitrag zu Weinrallye, sondern auch zu unserer Serie “Raritätenweine verkostet”.

Resumee

Man kann abschließend eigentlich nur fragen: Welche Weine auf dieser Welt schaffen es nach mehr als 20 Jahren ihre Ausdruckskraft und feine Eleganz zu erhalten? Mir fallen da kaum mehr als 10 Weintypen ein. Weine der Rebsorte Riesling in der Prädikatsstufe Spätlese von qualitätsorientierten Erzeugern und aus Ersten Lagen gehören zu den internationalen Spitzenweinen, deren Anerkennung man sich in deren Kenntnis nur schwerlich verwehren kann. Das Rauenthaler Baiken vom Kloster Eberbach aus dem Jahr 1990 ist hierfür ein glänzendes Beispiel.

92 Punkte

VDP Große Gewächse 2007 [3] Rheingau und Nahe

Mittwoch, 10. September 2008

vdp große gewächse 2007 rheingau naheDie beiden Weinbaugebiete Rheingau und Nahe haben nicht wirklich viel gemein. Auch ihre Präsentation auf der GutsWein war sehr unterschiedlich. Die VDP-Winzer aus dem Rheingau waren in Berlin etwas weniger besucht, als die Winzer anderer Weinbaugebiete. Manche Stände waren sogar zeitweise nicht besetzt. Dies ist sehr erstaunlich, so gab es doch einige hervorragende Erste Gewächse. Lediglich die rassige Säure machte manchmal etwas zu schaffen. Aber gerade durch diese entsteht häufig eine Spannung in den Rieslingen aus dem Rheingau. Die Großen Gewächse von der Nahe waren ebenso insgesamt in einem sehr guten Zustand.

Drei Erste Gewächse der Rebsorte Riesling aus dem Rheingau sind besonders empfehlenswert. Hierbei ist der Riesling Berg Schlossberg vom Kloster Eberbach zu nennen. Das Erste Gewächs hat eine extrem reife Farbe. Der Riesling zeigt eine reife Aprikose, die nicht überladen wirkt. Aufgrund einer nur gering zu spürenden Säure wirkt der Wein in der Länge etwas langweilig. Das Erste Gewächs Gräfenberg vom Weingut Robert Weil brilliert durch seine Ausgewogenheit.

Der Riesling Berg Roseneck vom Weingut August Kessler ist aus meiner Sicht das beste Erste Gewächs für dieses Jahr aus dem Rheingau. Er bietet eine duftige Frucht in der Nase. Im Mund befindet sich eine Fruchtcreme mit Maracuja. Kurz blitz eine Säure auf bevor ein ewiger Nachhall beginnt. Der zweite Schluck harmonisiert diesen leicht wechselnden Geruchs- und Geschmackseindruck. Das ist erste Riesling-Klasse!

Von der Nahe gibt es auch eine Reihe von Großes Gewächs Rieslingen die einen sehr guten Eindruck gemacht haben. Der Burgberg vom Weingut Diel scheint mir das beste der vier präsentierten Großen Gewächse. Dieser Riesling überzeugt in Harmonie, Kraft und Länge. Der Berg vom Weingut Prinz Salm ist einer der wenigen Rieslinge, die nicht mit einer rassigen Säure aufwartet. Dieses Große Gewächs schmeckt nach Mirabelle, Blumen und etwas jungem Kohlrabi. Der Riesling macht am Gaumen Druck. Wirklich gut.

Der Steinberg von der Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim hat einen fruchtigen Geruch. Es sind bei dem Riesling Aprikose und weiße Steinfrüchte zu schmecken. Daneben steht eine wohl dosierte Säure. Dieses Große Gewächs von der Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim hat einen angenehmen Nachhall. Das Große Gewächs vom Weingut Dr. Crusius, der Riesling der Lage Felsensteyer bringt einen unverwechselbaren Duft ins Glas. Er ist sehr ausgewogen. Dieser Riesling entfaltet seine Brillanz in der Länge mit einer verspielten Frucht.

Eine Sache möchte ich noch ansprechen. Die GutsWein ist nun die zweite Profi-Verkostung in diesem Jahr bei der mir die Aufgabe zukam einen Korkschmecker aus dem Verkehr zu ziehen. Die betreffende Flasche eines Großen Gewächses war schon eineinhalb Stunden im Einsatz und nur noch halbvoll. Zudem war das am Sonntag, an dem nur Fachbesucher zugelassen waren. Mensch Leute: Was ist denn los? Traut ihr euch nicht so etwas zur Sprache zu bringen? Oder gibt es tatsächlich so viele “Profis”, die das nicht schmecken? Ich danke jedenfalls der Standbetreuung, dass wir dieses Problem ohne jegliche Konflikte lösen konnten. Liebe Weinfreunde, bringt es bitte zukünftig zur Sprache. Ihr tut dem betreffenden Weingut damit etwas gutes, da Fehler so vermieden werden.

Kloster Eberbach: Steinbergkeller eröffnet

Montag, 2. Juni 2008

Kloster Eberbach: Steinbergkeller eröffnetIn den vergangenen Tagen hat das traditionsreiche Kloster Eberbach im Rheingau seinen neuen Steinbergkeller eingeweiht. Damit eröffnet eines der ältesten Weingüter im Rheingau eine der modernsten Kelleranlagen Deutschlands. Im neuen Steinbergkeller des Kloster Eberbach ist Platz für 170 Edelstahltanks mit einem Fassungsvolumen zwischen 2.200 und 50.000 Litern. In der neuen Anlage können täglich 100 Tonnen Trauben verarbeitet werden. Zur Eröffnung des Steinbergkellers kamen mehr als 10.000 Gäste.

Kloster Eberbach: Steinbergkeller eröffnetBereits am 24. Mai ist die neue Vinothek des Kloster Eberbach eröffnet worden. Hier kann man vor Ort die aktuellen Weine verkosten und das gesamte Sortiment käuflich erwerben. Die Vinothek des Kloster Eberbach soll das ganze Jahr täglich (auch an Feiertagen) von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein. Der Steinbergkeller wird im diesjährigen Hebst erstmals seinen Betrieb bei der Verarbeitung des neuen Leseguts aufnehmen. Die neue Kelleranlage des Kloster Eberbach soll knapp 16 Millionen Euro gekostet haben.

Kloster Eberbach Heppenheimer Centgericht

Mittwoch, 20. Februar 2008

Wieder einmal steht ein Riesling vom Kloster Eberbach auf der Verkostungsliste. Nun handelt es sich um das Heppenheimer Centgericht. Aus dieser Lage kommen auch hervorragende Eisweine. Wie für das Rheingau üblich wird hier besonders Riesling angebaut. Der Lagenname Heppenheimer Centgericht stammt daher, dass an diesem Ort tatsächlich ein Gericht tagte. Der Riesling hat eine volle Farbe. Am Anfang erscheint er in der Nase etwas süßlich. Dazu gesellt sich ein reifer exotischer Duft. Am Gaumen überrascht eine kräftige jedoch harmonische Säure. Im Zentrum des mittellangen und komplexen Nachhalls steht eine Mango, die von etwas Limette untermalt ist. In der dann dünnen Länge zeigt noch etwas Apfel mit Vanille. Schöner Riesling zum erschwinglichen Preis.

Kloster Eberbach – Domaine Bergstraße – Heppenheimer Centgericht Riesling Kabinett trocken
Hessische Bergstraße
Erzeuger: Hessische Staatsweingüter GmbH
A.P.Nr: 33050 714 07
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12%
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 7,00 €
Verschluss: Silikon
Quelle: Fachhandel

Kloster Eberbach Hattenheimer Deutelsberg 2005

Dienstag, 13. März 2007

Das Kloster Eberbach hat einen sehr guten Ruf. Vor allem rührt dieser von der langen Geschichte und den dort stattfindenden Versteigerungen. Die Weine haben eine gemischte Qualität. Während im Hochpreissegment ausgezeichnete Rieslinge und Spätburgunder anzutreffen sind, gibt es auch einige preisgünstige Weine. Die Lage Hattenheimer Deutelsberg ist eigentlich recht bekannt für hohe Qualitäten. Der nun zur Verkostung bevorstehende Riesling präsentiert jedoch als einfach gestrickt. Er zeigt sich mit einer sehr intensiven und lebendigen Säure. Diese ist mit etwas Frucht in Richtung Südfrüchte untermalt. Und das war es schon. Es handelt sich um einen sauberen und unkomplizierten Wein, der dem Preis angemessen ist.

Kloster Eberbach Hattenheimer Deutelsberg Riesling trocken
Rheingau
Erzeuger: Hessische Staatsweingüter GmbH
A.P.Nr: 33050 012 06
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12%
Jahrgang: 2005
Einkaufspreis: 6,00 €
Verschluss: Silikon
Quelle: Supermarkt

Kloster Eberbach Rauenthal Baiken 2005

Sonntag, 27. August 2006

Vor ein paar Wochen hatte ich den geruchlich und geschmacklich mysteriösen Baiken 2004 im Glas gehabt. Dieser war sehr voll (hohes Mostgewicht) und hatte schon sehr deutliche Alterungsnotizen. Nun habe ich eine Flasche des 2005er Jahrgangs aufgezogen; mit erstaunlichem Ergebnis. Dieser ist nämlich schon allein vom Geruch her ganz anders. Es überrascht eine leichte Zitrone. Geschmacklich überzeugt er mit Grapefruitnoten und einem trockenem, säuerlichem Abgang in den sich dezente und nur eine nur kurz reife Mango mischt. Alles ganz typisch für den Rheingau. Resümme: Ein schöner spitziger Wein, der das Dilemma vom Jahrgang davor ausbügelt. Fraglich bleibt aber weiterhin, wieso zwei so unterschiedliche Weine mit der gleichen Bezeichnung vermarktet werden.

Rauenthaler Baiken
Riesling trocken
Rheingau
Erzeuger: Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2005
Einkaufspreis: 6,50 €
Verschluss: Silikonkorken
Quelle: Supermarkt