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Lidl: Dornfelder Rose Mosel

Montag, 10. September 2007

Dieser Wein ist schon allein von dem was auf dem Etikett steht eine sehr seltsame Sache. Die Mosel ist eigentlich vor allem mit dem Riesling ein Weißweingebiet. Dass da überhaupt genug Dornfelder wächst, um einen Discounter zu beliefern, ist verwunderlich. Zudem sind an der Mosel viele Steilhänge vorhanden, die dem Preisdruck von Discountern ein Hindernis sind. Dies ist ein wirklich limonadiger Wein. Als Hauptkonsumentengruppe für diesen Wein stellte sich die Verkostungsgruppe vor allem sehr junge Menschen vor (größtenteils in Altergruppen in denen man noch keinen Wein kaufen darf).

Passende Modestile sind Glitter-Fake und Girly bis Punk. Ein perfekter Wein zum „Saufen in der Innenstadt“, wie ein Verkoster bemerkte. Diesem kommt auch die Tatsache zu gute, dass man den Dornfelder Rose auch nicht kühlen brauch: Der schmeck bei jeder Temperatur gleich gut! Ein theoretisch seltsamer Aspekt des Dornfelder von Lidl ist, dass es sich um einen Rose handelt. Eigentlich hat man den Dornfelder entwickelt um dunkle Weine zu produzieren. Die dunkle Farbe war vorrangiges Züchtungsziel. Nun einen Dornfelder als Rose bei Lidl zu finden, ist ganz komisch. Gesehen für 1,99 Euro bei Lidl.

Einleitung: Weinprobe Discounter – born to schluck

Aldi: Rotwein Regent Halbtrocken Rheinhessen

Plus: La Tosca Chianti DOCG

Lidl: Chardonnay-Colombard Australia

Aldi: Rivaner-Weisser Burgunder Rheinhessen

Lidl: Dornfelder Rose Mosel

Aldi: Luz do Sol Vinnho Verde

Plus: Torredo Malbec Menoza

Lidl: Riesling Halbtrocken Pfalz

Aldi: Dornfelder Qualitätswein trocken

Listel Gris

Samstag, 28. Juli 2007

Listel Wir verkosten jetzt einen Listel Gris. Es ist Sommer und da wird gerne Rose getrunken. Am liebsten schön gekühlt auf der Terrasse. Bei Rose kann man – wie bei vielen anderen Weinthemen auch – gerne mit Vorurteilen hantieren. Eines ist, dass diese Weinfarbe nur etwas für Frauen ist. Ein anderes meint, Rose sei nie trocken. Da diese häufig auf dieser Seite ausgeschaltet oder missachtet werden, gelang diese Verkostung. Rose, dazu noch Listel: Geht es hier um 18jährige Mädchen und deren vinologisch gesehen kleines Vergnügen im Spätsommer? Eindeutig nein! Auch wenn die Aufschrift auf der Vorderseite der Flasche “kalt servieren” dem Weinkenner sagt: “Dies ist nichts für mich!”, sollte man doch mal versuchen über seinen Schatten zu springen und diesen Wein einmal probieren.

Es gibt viel Schatten da wo dieser Rose erzeugt wird. Eine Redewendung sagt ja: Da wo Sonne ist, das ist auch Schatten. Und Sonne gibt es am französischen Mittelmeer recht umfangreich. In der Nähe von Montpellier wächst der Listel. Auf Sand stehen die Reben in der Camargue. Dies hat zudem den Effekt, dass die keine Bedrohung durch die Reblaus besteht. Die Region ist für wilde Pferde bekannt. In der Nähe leben auch Flamingos. Genau diese Farbe hat dieser Listel. Zuvor hätte ich was von Lachs gesagt. Aber Flamingofarben trifft es ebenso. Der Wein ist unerwartet herb. Er hat gar einen Hinweis auf französischem (keineswegs neuseeländischem) Sauvignon Blanc. Also eine Stachelbeere, die nicht gummibeerig, sondern eher etwas frisch und fast schon kratzend daherkommt. Fazit: Listel ist viel verachtet und gar nicht so schlecht. Gerade in der Welt des Rose gibt es aus dem mediterranen Bereich von Frankreich einige ganz gute Weine, die häufig auch gar nicht so teuer sind.

Listel Gris – Vin de Pays des Sables du Golfe du Lion

Frankreich
Erzeuger: Domaines Listel
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5%
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 3,50 €
Verschluss: Schraubverschluss
Quelle: Fachhandel

Cuvee du Roy Tavel

Mittwoch, 20. Juni 2007

Foto: Thomas GüntherDie Neue Welt ist die Heimat der großen Brands. Besonders viele der bekannten Weinmarken kommen aus Kalifornien oder Australien. Das deutsche Konzept basiert wesentlich auf einer sehr genauen Kennzeichnung (Rebsorte und Kategorie der Süße). Zudem erzeugt die Figur des Winzers eine Authentizität. Das französische Vermarktungskonzept setzt vielmehr auf Regionen oder Orte. Man denke da nur an die Champagne, Bordeaux, Chablis oder auch Tavel. Dies kann man als Konzept der Appellationen bezeichnen, bei dem das Terroir im Mittelpunkt steht und die Rebsorten nur den Zweck haben, einen bestimmten Wein zu erzeugen. Es handelt sich um ein sehr konservatives System, da die Region mit genau festgelegten Weintypen und Rebsorten verbunden ist.

Während die ersten drei Begriffe (also Champagne, Bordeaux und Chablis) häufig auch Menschen bekannt sind, die nicht so viel mit Wein zu tun haben, ist Tavel eher eine Insidergeschichte. Dieser zur Marke gewordene Begriff meint einen französischen Ort mit knapp 1600 Einwohnern. Und dort wird Wein erzeugt: Rose! Das geschied dort seit der Zeit der Römer; wenn man den Ausgrabungen glauben darf.

Ein Tavel hat grundsätzliche eine für einen Rose sehr dunkle Farbe. So auch der jetzt im Glas befindliche von Roy. Er ist sehr trocken. Ein intensiver Geschmack nach Beeren macht sich im Mund breit. Im Zentrum stehen dabei Cranberrys. Das ganze macht einen etwas strengen Eindruck. Es ist das genaue Gegenteil von vielen Roses aus Baden, die dann halbtrocken ausgebaut wie Erdbeerwein schmecken. Die im Tavel beteiligten Rebsorten sind Grenache, Cinsault (beide 15 bis 60 %), Syrah, Mourvèdre, Clairette Blanche, Bourboulenc, Piquepoul Blanc, Carignan (jeweils maximal 10 %). Manche Tavel-Weine – wie der eben verkostete – sind relativ teuer. Daher kann man auch auf Lirac ausweichen. Diese sind meist ähnlich in Geschmack und Qualität, aber durch weniger Vermarktung etwas preisgünstiger.

Cuvee du Roy Tavel
Frankreich – Rhone
Erzeuger: Les Vigneros de Tavel
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5%
Jahrgang: 2005
Einkaufspreis: 8,00 €
Verschluss: Silikonkorken
Quelle: Fachhandel