weinverkostungen.de

Die Quellen von REWE: Nachschlag

Montag, 26. November 2007

Bild: REWE-ProspektHier in diesem Blog wurde berichtet, dass REWE in einem Prospekt (Kalenderwoche 46) sich eines Textes von Wikipedia bedient hat, ohne darauf hinzuweisen. Hierund hier wurde der Bericht aufgenommen. Von REWE war zu dem Vorgang nicht zu erfahren, wer für die Erstellung der Werbung verantwortlich ist. In einer Mail von der „REWE Dortmund Großhandel eG“ (diese ist offensichtlich zuständig) bedankte man sich für die „kostenlose Werbung“ im diesem Blog (habe ich etwas verpasst?; seit wann sind Vermutungen von offensichtlichen Urheberrechtsverletzungen eine Werbung für ein Unternehmen?; das Gegenteil dürfte der Fall sein). Zu dem schrieb eine Dame von REWE in einer Ausflucht von inhaltliche Fragen:

„Wir alle sind doch Wikipedianer und freuen uns, wenn unsere wunderschönen Beiträge einer größeren Leserschaft kundgetan werden.“

Ich dachte eigentlich, dass der Betrag von Wikipedia und nicht von REWE war. Aber nach den ganzen Übernahmen und Übernahmegerüchten rund um REWE ist man sicherlich auf manchen Ebenen etwas durcheinander gekommen. Da ist man sich nicht mehr sicher, was wem gehört. Aus sicherer Quelle sei hier berichtet: Wikipedia ist noch nicht zu 100% an REWE verkauft.

Aber wollen wir nicht nur alte Geschichten aufwärmen, sondern schauen wir in das nachfolgende Prospekt aus der Kalenderwoche 47. Auch dies ist bei genauerer Betrachtung keine Werbung für REWE. Dort sind mehrere Rezepte abgedruckt. Auch bei REWE wird jetzt also gekocht. Kochen wir etwas an zwei Gerichten mit, die auf der Zunge zergangen nicht gerade schmackhaft sind (auch ohne das viele Köche den Brei verderben – das ist er schon vorher – ein Bericht darüber kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden).

Fall I: Raclette – Rezept für 4 Personen

Im Blog raclette-rezept.net kann man folgendes Rezept lesen:

Rezept ist geeignet für: 4 Personen

* 6 kleine bis mittlere Kartoffeln

* 20 Scheiben Wurst (Salami, Kochschinken, …) – nicht zu dünn!

* 600 g original Raclette Käse, Goua, Emmentaler bzw. Edamer (= 100 – 150 g pro Person)

* 5 Schalotten oder kleinere Zwiebeln, auch Lauchzwiebeln

* 1 kleines Glas Gewürzgurken

* 2 Tomaten

* frische Gewürze (Pfeffer, Salz)

Zubereitung

* Käse schälen und anschließend in 3 mm dicken Streifen schneiden mit einem echt scharfem Messer oder Käseschneider; anschließend drapieren und vom Austrocknen bewahren, indem Sie die abdecken und in den Kühlschrank stellen.
* Kartoffeln putzen unter laufendem kaltem Wasser und anschließend in kurz ankochen
* Gewürzgurken, Schalotten, Tomaten und Wurst schneiden und drapieren.
* Tisch vorbereiten; Grill anwärmen; Gemüse sowie Wurst auf dem Tisch anrichten und Small-Talk-Themen überlegen 😉
* Gäste willkommen heißen
* Raclette-Pfännchen austeilen, befüllen und unter den Grill schieben; innerhalb von 2 – 4 Minuten ist die 1. Runde fertig.
* Würzen, 2. Runde vorbereiten und einfach genießen!

Hier das Rezept von REWE:
Bild: REWE-Prospekt

Beim Rezept von REWE handelt es sich offensichtlich um eine leicht gekürzte und grammatikalisch leicht überarbeitete Version aus dem Blog.

Fall II: Kräuter-Entenschenkel – Rezept für 4 Personen

Bei der CMA gibt es dieses Rezept:

“Die Entenschenkel waschen und trocken tupfen, rundherum mit Weinbrand, Salz und Pfeffer einreiben. Behutsam die Haut vom Schenkel lösen, Rosmarinnadeln und Thymianblättchen darunter schieben. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen. Schalotten und Knoblauchzehen schälen.

Die Schenkel rundum in heißem Butterschmalz anbraten. Dann Zwiebeln, Knoblauch, kleine Kartoffeln, Rosmarinnadeln und Thymianblättchen zugeben, schwenken, alles in eine feuerfeste Form geben und offen in den Ofen schieben. …”

Hier das Rezept von REWE:
Bild: REWE-Prospekt

In beiden Fällen ist die Ähnlichkeit erstaunlich. Das pikante an dieser Geschichte mit der CMA ist, dass diese ihre Aktivitäten als eine Werbung für deutsche Landwirtschaftsprodukte versteht. Die Entenschenkel, die im REWE-Prospekt beworben werden, kommen jedoch aus Frankreich. Es wird also der Urheber um seine Rechte gebracht und gleichzeitig damit für die Konkurrenz geworben. Das ist doch mal eine starke Leistung.

Bild: REWE-ProspektNun kann man evtl. davon ausgehen, dass Rezepte selbst nicht unbedingt einem Urheberschutz unterliegen. Sie sind ja in gewisser Hinsicht ein überliefertes Kulturgut, zu welchem ein allgemeiner Zugang bestehen sollte. Trotzdem ist die offensichtlich blinde Übernahme irgendwelcher Rezepte aus dem Internet für ein Unternehmen wie REWE etwas zweifelhaft. Was ist, wenn das Gericht so zubereitet nun überhaupt gar nicht schmeckt? Und wenn es schmecken sollte, wieso wird der Urheber, der für den Ruhm dafür verantwortlich ist, nicht erwähnt? Auch bei solchen Fragen wird REWE bestimmt wieder Mauern. Aber wie heißt doch so schön das Motto dieses Ladens: „Jeden Tag ein bisschen besser“. Mal schauen wann es gut ist und die Mitarbeiter gelernt haben eigene Texte zu schreiben. Digitale Inhalte sind schließlich kein Freiwild!

(4) Gib Acht: 8 Tipps zum Einkauf von Wein im Supermarkt

Freitag, 27. Juli 2007

Foto: Thomas GüntherEs sollen hier nun einige Faustformeln formuliert werden, die helfen sollen das Risiko zu verringern einen fehlerhaften Wein im Supermarkt zu kaufen:

1. Kaufen sie niemals Flaschen die unter grellem Neonlicht stehen. (Dies ist besonders bei hellen Flaschen und Weisswein relevant. Hier ist eine hauptsächliche Ursache für die vielen Fehler bei Weißweinen in der Untersuchung der „Weinwirtschaft“.)

2. Wenn mehrere Jahrgänge eines Weins vorhanden sind, kaufen sie immer den jüngsten. (Supermärkte führen in der Regel keine getrennten Jahrgänge: Die älteren können also schon genauso lang im Regal stehen, wie der Altersunterschied ist.)

3. Wenn einige Flaschen eines Weins verstaubt sind, andere jedoch nicht, nehmen sie die ohne Staub.

4. Meiden sie generell verstaubte Flaschen.

5. Seien sie skeptisch bei Weinen, bei denen 6 oder 12 Flaschen im Regal stehen. (Da dies die Packungsgrößen sind, kann dies bedeuten, dass alle Weine schon sehr lange zusammen im Regal stehen. Anders sieht es bei Weinen aus der Werbung aus.)

6. Kaufen sie keinen Wein in einem Supermarkt in den sie selten gehen. (dann ist Punkt 8 weniger problematisch)

7. Heben sie den Kassenbon auf. Es empfiehlt sich den Bon an die Flasche zu kleben, wenn man den Wein nicht zum sofortigen trinken gekauft hat. (wegen Punkt 8)

8. Bringen sie fehlerhafte Ware zurück. (evtl. ändert sich dann etwas)

Qualität von Wein im Supermarkt

Sonntag, 14. Januar 2007

Wie heute von der Nachrichtenagentur dpa verbreitet wurde, steigt die Qualität von Wein im Supermarkt. Quelle hierbei sind die regelmäßigen Tests der Zeitschrift Weinwirtschaft. Danach haben sich vor allem die groben Fehler verringert. Aktuell seien nur noch 10% der Weine als mangelhaft zu bezeichnen. Beim Wein unter 3 Euro würden bei 12,5% schwache oder sogar starke Mängel vorkommen. Die Verbesserungen geben Anlass zur Hoffnung. Gut ist das noch lange nicht. Und die sehr begrenzte Auswahl im Supermarkt kann auch keine euporische Stimmung erzeugen.

Buch: Super-Weine aus dem Supermarkt von Frank Kämmer

Montag, 24. Juli 2006

Der Eichborn-Verlag hat letzter Zeit recht viel Erfolg mit Büchern die eine Bestenliste oder einen Bildungkanon enthalten. Das vorliegende Buch versucht im Supermarktsegment passable Weine zu finden. Dabei besteht eine recht große Herausforderung: Gute Weine haben zumeist kaum keine große Marktabdeckung, weil großtechnische Produktion und Qualität Bipole sind. Und wenn der günstige Geheimtipp in einem Buch verraten wird, steigt schnell der Preis. Der Autor Frank Kämmer hilft sich bei seiner Suche in den Supermärkten manchmal gewitzt aus der Klemme. Wenn gerade kein deutscher Rosé weit genug verbreitet ist, wird kurzerhand empfohlen einen bestimmten Rotwein zu nehmen und diesen in den Kühlschrank zu legen. (Hier sei nicht verraten um welchen es sich handelt. Nur so viel: Die derartige Behandlung dieses Weines ist vollauf gerechtfertigt.)

Der Klappentext ist jedoch etwas seltsam. Dort wird einem versprochen, dass der “exklusive Spitzenwein für besondere Gelegenheiten” “garantiert nicht teurer als 10 Euro” in dem Buch zu finden sei. Da fragt man sich wie exklusiv ein Spitzenwein im Supermarkt sein kann. Das Versprechen, dass die Weine nicht mehr als 10 Euro kosten, wird dann auch gleich auf Seite 12 bei der Erklärung der Preissymbole revidiert: Drei Kreise sollen die Kategorie über 10 Euro darstellen, die auch mehrmals bei den Weinen auftaucht.

Glücklicherweise ist der Rest des Buches nicht so schlimm wie der Klappentext. Und dafür kann zumeist der Autor nichts. Die Texte sind gut geschrieben und eine Menuempfehlung gibt es auch. Allerdings sind die Bezugsquellen teilweise nicht stimmig. Dies liegt sicherlich an den Supermärkten und deren Veränderungen in den Listungen. Insgesamt ist es ein Buch, welches sicherlich für den Einsteiger – bei dem der Kauf von teuerem Wein erstmal nicht so sinnvoll ist – ganz angebracht sein kann. Aber auch diese Zielgruppe findet im Fachhandel (zudem mit Beratung) den geeigneten Wein.