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VDP Große Gewächse 2007 [3] Rheingau und Nahe

vdp große gewächse 2007 rheingau naheDie beiden Weinbaugebiete Rheingau und Nahe haben nicht wirklich viel gemein. Auch ihre Präsentation auf der GutsWein war sehr unterschiedlich. Die VDP-Winzer aus dem Rheingau waren in Berlin etwas weniger besucht, als die Winzer anderer Weinbaugebiete. Manche Stände waren sogar zeitweise nicht besetzt. Dies ist sehr erstaunlich, so gab es doch einige hervorragende Erste Gewächse. Lediglich die rassige Säure machte manchmal etwas zu schaffen. Aber gerade durch diese entsteht häufig eine Spannung in den Rieslingen aus dem Rheingau. Die Großen Gewächse von der Nahe waren ebenso insgesamt in einem sehr guten Zustand.

Drei Erste Gewächse der Rebsorte Riesling aus dem Rheingau sind besonders empfehlenswert. Hierbei ist der Riesling Berg Schlossberg vom Kloster Eberbach zu nennen. Das Erste Gewächs hat eine extrem reife Farbe. Der Riesling zeigt eine reife Aprikose, die nicht überladen wirkt. Aufgrund einer nur gering zu spürenden Säure wirkt der Wein in der Länge etwas langweilig. Das Erste Gewächs Gräfenberg vom Weingut Robert Weil brilliert durch seine Ausgewogenheit.

Der Riesling Berg Roseneck vom Weingut August Kessler ist aus meiner Sicht das beste Erste Gewächs für dieses Jahr aus dem Rheingau. Er bietet eine duftige Frucht in der Nase. Im Mund befindet sich eine Fruchtcreme mit Maracuja. Kurz blitz eine Säure auf bevor ein ewiger Nachhall beginnt. Der zweite Schluck harmonisiert diesen leicht wechselnden Geruchs- und Geschmackseindruck. Das ist erste Riesling-Klasse!

Von der Nahe gibt es auch eine Reihe von Großes Gewächs Rieslingen die einen sehr guten Eindruck gemacht haben. Der Burgberg vom Weingut Diel scheint mir das beste der vier präsentierten Großen Gewächse. Dieser Riesling überzeugt in Harmonie, Kraft und Länge. Der Berg vom Weingut Prinz Salm ist einer der wenigen Rieslinge, die nicht mit einer rassigen Säure aufwartet. Dieses Große Gewächs schmeckt nach Mirabelle, Blumen und etwas jungem Kohlrabi. Der Riesling macht am Gaumen Druck. Wirklich gut.

Der Steinberg von der Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim hat einen fruchtigen Geruch. Es sind bei dem Riesling Aprikose und weiße Steinfrüchte zu schmecken. Daneben steht eine wohl dosierte Säure. Dieses Große Gewächs von der Gutsverwaltung Niederhausen-Schloßböckelheim hat einen angenehmen Nachhall. Das Große Gewächs vom Weingut Dr. Crusius, der Riesling der Lage Felsensteyer bringt einen unverwechselbaren Duft ins Glas. Er ist sehr ausgewogen. Dieser Riesling entfaltet seine Brillanz in der Länge mit einer verspielten Frucht.

Eine Sache möchte ich noch ansprechen. Die GutsWein ist nun die zweite Profi-Verkostung in diesem Jahr bei der mir die Aufgabe zukam einen Korkschmecker aus dem Verkehr zu ziehen. Die betreffende Flasche eines Großen Gewächses war schon eineinhalb Stunden im Einsatz und nur noch halbvoll. Zudem war das am Sonntag, an dem nur Fachbesucher zugelassen waren. Mensch Leute: Was ist denn los? Traut ihr euch nicht so etwas zur Sprache zu bringen? Oder gibt es tatsächlich so viele “Profis”, die das nicht schmecken? Ich danke jedenfalls der Standbetreuung, dass wir dieses Problem ohne jegliche Konflikte lösen konnten. Liebe Weinfreunde, bringt es bitte zukünftig zur Sprache. Ihr tut dem betreffenden Weingut damit etwas gutes, da Fehler so vermieden werden.


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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VDP Große Gewächse 2007 [3] Rheingau und Nahe

 

4 Kommentare zu “VDP Große Gewächse 2007 [3] Rheingau und Nahe”


  1. Alex Ultes
    Mittwoch, 10. September 2008 22:14
    1

    Hallo Herr Günther,
    altbekanntes Problem das mich auch schon des Öfteren verwundert und geärgert hat.
    Schade finde ich nicht nur dass die Leute die die erste Hälfte der Flasche verkostet haben nichts gesagt haben, sondern auch dass man als Winzer die Weine nicht auf Kork verkostet bevor man sie auf den Tisch stellt! Schade um das Image wie ich finde.
    Aber auch ein gutes Argument für die Weingüter die alternative Verschlüsse verwenden.


  2. weinverkostungen.de
    Mittwoch, 10. September 2008 22:27
    2

    Guten Abend Herr Ultes,
    ich fand es in den beiden Situationen ganz schön, dass man da nicht um “Schuldfragen” debattieren musste, sondern sich auch die jeweiligen Standbetreuer nicht angegriffen fühlten. Natürlich könnte da alles neu aufgemachte vorher verkostet werden. Auch um sich nochmal den aktuellen Zustand des Weins zu vergewissern. Andererseits ist es auch nicht ganz leicht um 12 Uhr die eigenen Weine durchzuverkosten. Gerade wenn man das häufiger machen muss.

    Was mich viel mehr stört, sind die Leute, die da nichts sagen. Merken die das nicht oder haben die Angst vor Konflikten? So ganz bin ich mir da nicht sicher, was schlimmer ist.


  3. Alex Ultes
    Mittwoch, 10. September 2008 23:10
    3

    Hallo Herr Günther,
    Angst vor Konflikten wäre durchaus denkbar. Aus eigener Erfahrung weiß ich dass so mancher Winzer nicht mit der Situation umgehen kann und dementsprechend nicht richtig reagieren kann. Man sollte alelrdings auch bedenken dass trotz aller Professionalität viele Leute Korkschmecker gerade dann wenn Sie nicht zu stark ausgeprägt sind einfach nicht als solche wahrnehmen.


  4. weinverkostungen.de
    Donnerstag, 11. September 2008 18:21
    4

    Klar, Sie haben schon recht. Auch bei den Ersten/Großen Gewächsen kann man mal über Schrauber nachdenken.

    Und es gibt auch Winzer, die mit der Situation dann nicht ganz klar kommen. Ich denke mir jedoch, dass man das immer freundlich zur Sprache bringen sollte. Zudem kann man sich ja auch vorstellen, dass mehrere Tage hinter einem Stand zu stehen durchaus auch anstrengend sein kann.

    Bei Endverbrauchern und Fachbesuchern gibt es ja nicht nur freundliche und syphatische Zeitgenossen. Gerde die Stars unter den Winzern kann ich bezüglich des Publikums häufig nicht gerade beneiden. Ich finde es da manchmal schon vor dem Verkostungstisch anstrengend. Wie muss das erst dahinter sein, wenn man freundlich sein soll, da man das Weingut repräsentiert.