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Vinexpo mit Gastland Spanien

vinexpo bordeaux gastland spanienAuch der zweite Tag läuft auf der Vinexpo in Bordeaux in perfekt klimatisierten Messehallen. Ich denke mir, dass die Messe in diesem Jahr nicht nur deswegen zu einem besonderen Magnet wird. Denn man ist ganz gerne dieser Tage in kühlen Räumen. Die Weine mit denen ich mich heute beschäftige, kommen aus dem warmen Spanien zumindest meistens. Spanien ist als Gastland der Vinexpo umfangreich auf der Messe in Bordeaux vertreten.

vinexpo spanien gastlandNeben dem riesigen Gemeinschaftsstand gibt es zahlreiche Stände der einzelnen Anbaugebiete. Und es gibt eine Verkostungsmöglichkeit am Automaten. Es klingt etwas komisch, aber ich finde das häufig recht gut, weil man sich da in Ruhe mit den einzelnen Weinen beschäftigen kann. Die Herausforderung zu verkosten, Fotos machen und Notizen auf Papier zu bringen ist doch bei einem umfangreichen Messetag relativ groß. Und so ein Automat kann recht viel Zeit sparen, da man sehr schnell einen Überlick bekommen kann. Bei dieser spanischen Verkostungsstation gefallen mir besonders gut einige Cava.

vinexpo verkostungsautomat spanienDann probiere ich vom Gastland Spanien auch noch etwas aus Ribera del Duero. Hier mag ich den Oraculo aus 2010. Und auch der Protos’27 mit dem Jahrgang 2014 ist herausragend. Das erinnere ich mich gerne an eine Reise nach Rueda vor einigen Jahren. Dort besuchten wir auch den Ableger von Protos. Und schon gibt es eine perfekte Überleitung zum einer Veranstaltung, bei der sich alles um den Weißwein aus Spanien dreht.

Verkostung mit Pedro Ballesteros MW aus Spanien

Bei Verkostungen startet man gerne mit weißen Weinen. Aus meiner Sicht eigentlich ohne Grund. Bzw. nur aus dem, dass man die Gläser nicht tauschen muss. Pedro Ballesteros MW absolviert heute einen Marathon an geführten Verkostungen. Die erste beschäftigt sich mit spanischen Weißweinen. Dabei ist dieses Land eher für gute Rotweine bekannt. Ballesteros hebt hervor, dass es dort auch schwieriger ist Weißweine zu erzeugen. Häufig wurde in der Vergangenheit die fehlende Säure zum Problem. Im letzten Jahrzehnt hat sich in Spanien das Wissen um die Erzeugung dieser Weine jedoch stark verbessert.

vinexpo pedro ballesteros mwBei ausverkauftem Haus in der Vinexpo Akademy gibt es 10 weiße Weine zu probieren. Fast schon wie im Anschluss an das Thema WOW! von gestern beginnt die Verkostung mit einem Biowein. Der ist sogar aus biodynamischen Anbau. Der Electio von Pares Balta kommt mit einem sehr spärlichen Frontetikett daher. Hinten steht wesentlich mehr auf der Flasche. Dieser Xarel-lo ist aus dem Anbaugebiet Penedes. Er zeigt sich recht dunkel im Glas. In der Nase ist helles Obst. Am Gaumen ist der Wein kraftvoll mit lebendiger Säure. So gut habe ich Penedes selten erlebt. Dieser Wein kostet im Handel ca. 30 Euro.

vinexpo electio pares baltaEin kühler sprudelnder Start mit dem Electio von Pares Balta

vinexpo mil riosAls nächsten Wein gibt es den Mil Rios Godello aus dem Gebiet Valledoras. Ballesteros hebt hervor, dass es in Spanien eine Herausforderung ist eine Säure zu erhalten. Sie wollen diese nicht hinzufügen, sondern natürlich in den Weißweinen haben. Wieso er dies bei diesem Wein erwähnt wird mir nicht ganz klar. Dieser spanische Weißwein hat eine helle Farbe. Frischfruchtig mit Birne ist er in der Nase. Der vielschichtige Gaumen präsentiert sich mit beschwingter Säure. Dieser Spanier hält sehr lange mit einem bunten Fruchtkorb an. Der Preissturz auf 7 Euro ist erstaunlich. Ich hätte diesen Wein als teuer eingeschätzt. Aber die Region ist in Deutschland zumindest nahezu unbekannt.

vinexpo la marLa Mar von Terra Gauda ist mir schon lange bekannt. Hier haben wir jetzt den Jahrgang 2014 im Glas. Es werden drei Rebsorten aus Rías Baixas verwendet. Der Wein zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb. Reife Melone ist in der Nase. Erst recht breit am Gaumen. Entwickelt dann eine sehr schöne Frische in der Länge. Der La Mar macht wirklich Spaß. Dieser Erzeuger kannte ich schon zuvor für sehr gute Qualitäten.

vinexpo el lbrero callejoEinige Weißweine später beschreibt Ballesteros es als ein Experiment solch hochwertige Weine in Spanien zu erzeugen. Ins Glas bekommen wir el Lebrero von der Bodegas Felix Callejo. Diese liegt in Ribera del Duero. Das kann natürlich bei diesem Wein nicht so auf dem Etikett stehen. Somit ist es ein Landwein. Er ist strohgelb im Glas. Es zeigt sich eine komplexe und dezent fruchtige Nase. Dieser spanische Weißwein öffnet sich etwas beim wärmer werden. Dann entsteht ein frischer und voll fruchtiger Gaumen. Zudem sind verspielte Kräuternoten zu schmecken. Der el Lebrero bringt einen langen Nachhall. Was zu Beginn etwas verhalten war, wirkt beim zweiten Schluck schon fast etwas überladen, während die Säure auf der Zunge bitzelt. Dieser „Landwein“ kostet angemessen ca. 17 Euro im Handel.

vinexpo spanien prioratDann gibt es noch einen weißen Wein aus Priorat mit dem Namen Coma Blanca. Das ist ja mal was. Hatte ich noch nie verkostet. Sicherlich ist das interessant. Die Rebsorte ist hier Garnacha Blanca. Strohgelb ist der Wein im Glas. Der Gaumen ist recht kräftig. Irgendwie hatte ich doch etwas mehr erwartet. Da mich dieser Weißwein aus Spanien etwas verstört, versuche diesen Wein im Netz zu finden. Irgendwie gibt es mit dem Namen Coma Blanca nur einen mit einer sehr klassischen Ausstattung. Der ist dann auch noch sehr gut bewertet.

vinexpo tio pepeZum Abschluss der Verkostung bekommen wir von Tio Pepe den fino en Rama. Ich finde es sehr schön diese Veranstaltung – irgendwie dann doch überraschend – mit einem Klassiker zu beenden. Hiermit ist der weiße Wein aus Spanien international bekannt. Und es gibt – zumindest in Deutschland seit einiger Zeit ein kleines Revival. Tio Pepe ist zudem ein richtiger Sherry-Klassiker. Den Fino en Rama hatte ich jedoch zuvor noch nicht im Glas. Welch einen vielschichtigen Duft verströmt dieser Wein. Als Fino duftet dieser Sherry schon fast süß. Doch am Gaumen merkt man wie trocken er dann doch ist. Ballesteros erläutert, dass dieser Wein nicht filtriert ist. Der Sherry wirkt sehr frisch, obwohl er wenig Säure hat.

Weiße Vielfalt aus Spanien auf der Vinexpo

Dies war eine sehr interessante Reise durch die spanischen Weißweine mit vielen für mich neuen Eindrücken. Vor allem die großen geschmacklichen Unterschiede erstaunen mich dann doch etwas. Aber es ist sehr verständlich. Spanien ist ein sehr großes Land mit sehr unterschiedlichem Klima und vielfältigen Rebsorten. In Deutschland sieht man sicherlich inzwischen sehr häufig Rueda. Dann gibt es noch Weißwein aus Rioja und Penedes. Daher kommen aber meist nur die großen und einfacheren Erzeuger auf den deutschen Markt. Sicherlich ist die Konkurrenz für Weißwein in Deutschland sehr groß. Evtl. hält sich auch deswegen hier der Ruf von Spanien als Rotweinland so konstant. Denn das können die Spanier auch wirklich richtig gut.

vinexpo spanien guillermo cruzIch hatte mich vor der Vinexpo zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Grenache in the World“ angemeldet. Ich dachte eigentlich die bekannten Gesichter aus der Grenache Assoziation dort zu treffen. Es war jedoch etwas anders. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Sommelier Guillermo Cruz (rechts im Bild). Und es ging hauptsächlich um Spanien. Vier von sieben Weinen waren von der iberischen Halbinsel. Also Garnacha. Ja, klar. Spanien als Gastland der Vinexpo in diesem Jahr.

vinexpo grenache worldGrenache meint hier auch Garnacha Blanca. Diese Rebsorte ist für die spanischen Weißweine sehr bedeutend. Guillermo Cruz führt aus, dass der rote trotzdem in Spanien wichtiger ist. Drei der vorgestellten Weine gefallen mir außerordentlich. Und alle drei aus verschiedenen Ländern und ganz unterschiedlichen Gründen.

vinexpo jauma grenacheAls ganz ungewöhnlichen Grenache nehme ich den Like Raindrops von Jauma aus dem Mc Laren Vale in Australien war. Er hat eine sehr schöne Nase mit Sauerkirschen aus einem Glas. In der zweiten Nase ist dezenter feuchter Tabak. Auch am Gaumen ist ein sehr schöner Sauerkirschsaft. Nach hinten wirkt dieser Grenache sehr verspielt. Ein wirklich delikater Wein. Die sehr gut eingebundene Säure bringt eine hohe Trinkbarkeit.

vinexpo rivesaltesAußerordentlich gut und erstaunlich war der Rivesaltes Grande Reserve aus dem Jahr 1969. Der ist natürlich orangefarben. Eine süße Sherrynuss zeigt sich in der Nase. Der hat noch deutlich Restsüße. Am Gaumen spielt Nutella mit Wallnüssen. In Nachhall kommen kandierte Eindrücke hinzu. Der Wein ist immerhin fast 50 Jahre alt. Er steht dafür ausgezeichnet da. Den kann man sogar noch kaufen und wird dafür so ca. 65 Euro pro 0,75l-Flasche zahlen.

vinexpo alto moncayoDer dritte richtig gute Wein in dieser Verkostung kommt dann nun auch aus Spanien. Hierbei handelt es sich um den Alto Moncayo 2014 aus der DOC Campo de Borja. Die ist in Deutschland auch noch nicht so bekannt, auch wenn hier einige sehr bedeutende Rotweine herkommen. Dieser Garnacha bringt eine feine fruchtige Nase mit verwobener Brombeere, Kirsche und Pflaume. In der zweiten Nase sind balsamische Noten und etwas Minze. Der Gaumen ist durch die Säure sehr schön erfrischend. Großartig wie ausdrucksstarke Frucht auf Frische trifft.

spain vinexpo bordeauxDieser Text ist lang aber leider doch etwas kürzer als geplant geworden. Es wird aber noch einen Nachtrag hier in diesem Text zu einigen Weinen entlang des Ebrotals geben. Nun geht es jedoch für mich schnell weiter zu einem der Hauptereignisse der Messe. Unter den Titel „A taste of Spain“ präsentieren sich neben einiger der besten Köche Spaniens Top 100 Weingüter. Das Ganze findet in der Innenstadt von Bordeaux im Palais de la Bourse statt. Ich werde berichten.


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