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Am Korken riechen

Die Korkproblematik ist ja kompliziert genug. Es gibt aber Menschen die das noch schwieriger machen. Und diese Leute nerven. Sie wollen immer am Korken riechen. Als wenn dies über irgendetwas Aufschluss gibt. Sicher, man kann sehen wie gut er noch in Schuss ist. Bei alten Weinen sind die Korken manchmal durchgeweicht. Sehen tut man jedoch mit den Augen und nicht mit der Nase. Riechen kann man am Korken also nicht. Manchmal riecht er schrecklich nach dem Korkfehler oder sonstwie unangenehm (dadurch blockiert man dann nur seine Geruchsnerven). In einigen Fällen riecht der Korken nach gar nichts. Ab und zu riecht er etwas nach dem Wein. Aber weder kann man dabei den Korkfehler erkennen, noch kann irgendeine Aussage über den Wein getroffen werden. Das gilt so gut wie immer auch bei alten Weinen. Ich vermute, dass das “am Korken riechen” eines der Rituale ist, mit dem die Leute die keine Ahnung von Wein haben, genau das Gegenteil darstellen wollen.


© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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Am Korken riechen

 

14 Kommentare zu “Am Korken riechen”


  1. holgi
    Sonntag, 28. Oktober 2007 23:51
    1

    Boah, danke. Ich dachte schon, ich wäre bescheuert, weil ich immer nichts rieche, wenn ich mal am Korken rieche. Glücklicherweise habe ich das noch nie in der Öffentlichkeit gemacht.


  2. weinverkostungen.de
    Montag, 29. Oktober 2007 00:07
    2

    Na riechen tut man schon was. Nur ist das nicht Aussagekräftig. Mein letzter Korken roch der maßen stark nach Kork, dass meine eine Hand diesen Geruch annahm. Ich denke, man sollte dies auch als ein Statement für geruchsneutrale Verschlüsse verstehen.


  3. holgi
    Dienstag, 30. Oktober 2007 16:37
    3

    Ich meinte auch nicht nichts, sondern etwas, das Rückschluüsse auf den Wein liefert 🙂

    Ich mag ja diese Glasstopfen.


  4. weinverkostungen.de
    Dienstag, 30. Oktober 2007 19:53
    4

    Ja, Glas ist auch ganz gut. Dort ist allerdings auch ein Dichtungsring aus Kunststoff vorhanden. Ob der 100% geschmacksneutral ist, ist noch strittig. Zudem ist der Glasverschuss relativ teuer. Was ich wirklich gut finde, ist der Schrauber mit Aluminiumfolie. Kein Korkfehler und kein Kunststoffgeruch. Was will man mehr?


  5. pivu
    Mittwoch, 31. Oktober 2007 09:23
    5

    Ich bin z.B. so einer, zumindest bei Weinen, die ich selbst öffne. Und eine erste Indikation rieche ich da schon: riecht der Kork nach Kork, ist die Wahrscheinlichkeit eines infizierten Weines ungleich größer, als wenn der Kork nach Wein riecht. (Das tut er nämlich schon in den meisten Fällen.) Auch ein gar nicht riechender Kork ist zumeist verdächtig.

    Garantie ist das aber keine, da geb’ ich Dir recht.


  6. Swetlana
    Mittwoch, 31. Oktober 2007 22:17
    6

    Lustig wirds dann, wenn Leute plötzlich am Plastik- oder Glaskorken anfangen zu schnüffeln….


  7. weinverkostungen.de
    Donnerstag, 1. November 2007 21:05
    7

    lol
    ich stelle mir das gerade mal bildlich vor


  8. Weinschreiber
    Freitag, 2. November 2007 10:22
    8

    Ich hab’s gestern erst wieder erlebt. Ein einfacher, anständiger Sauvignon sollte es sein. Mit Kunststoff verschlossen.
    Zum Probeschluck habe ich dann gefragt, wie hoch der Kellner die Chance sieht, dass ein Kunststoffkorken dem Wein schaden könne. Der hat etwas irritiert geschaut…


  9. weinverkostungen.de
    Freitag, 2. November 2007 10:47
    9

    Du hast bestimmt recht, dass Kunststoff manchmal etwas auf den Wein abfärbt. Ich habe das bislang erst selten erlebt. Wobei der letzte intensive Korkschmecker auch schon etwas zurückliegt. Ich denke jedoch, dass der Kunststoffkorken selbst nicht riecht. Und Wein in der Gastronomie ist ja ohnehin ein Problemfeld. Ich bestelle nur noch selten Wein zum Essen. Und wenn dann nur in Lokalen, wo ich mir sicher bin, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Das ist sonnst häufig ärgerlich.


  10. Swetlana
    Freitag, 2. November 2007 11:03
    10

    Oje, das sind ja traurige Aussichten, in einem Lokal Essen, aber keinen Wein bestellen? Gut, in einem Fastfoodladen, in der Kneipe, im Biergarten, etc. nachvollziehbar….aber sonst?


  11. weinverkostungen.de
    Freitag, 2. November 2007 11:53
    11

    In hochwertiger Gastronomie mit fachlich geschultem Personal ist das häufig in Ordnung. Man sieht das schon häufig an der Karte. Dort ist es auch kein Problem etwas zurückgehen zu lassen. Ohne dass einem jemand böse ist. Aber ständig in Pizzerien korkigen oder vollkommen oxidierten Wein bemängeln zu müssen, ist einfach nicht schön. Das ist dann meist weder für den Gastwirt noch für mich eine angenehme Sache. Ich denke, dass Wein in der Gastronomie eines der Top-Themen mit Nachholbedarf ist. Bei einfacher Gastronomie sollte es ja eigentlich nicht so schwer sein jeweils einen weißen und einen roten Wein fehlerfrei zu Verfügung zu stellen. Ach… ich reg mich schon wieder auf.


  12. andrea
    Samstag, 30. Mai 2009 02:08
    12

    also… ich mache meinelehre als restaurantfachfrau und habe öfters gekorkte weine gefunden, genau dadurch, dass ich zuerst am korken gerochen habe! … ich meine, natürlich habe ich den wein danach probiert (mache ich sowieso immer) aber ich habe es schon am Riechen des korken erkannt!). ich finde nicht, dass das blödsinn ist..sonst würden ja nicht die “Obersten” oberkellner genau das weiterlehren … ich glaube sie sind nicht richtig informiert!


  13. weinverkostungen.de
    Montag, 1. Juni 2009 12:09
    13

    Hallo Andrea,
    das hat nichts mit glauben zu tun, sondern mit Wissen und Erfahrung. Wenn es Leute gibt, die behaupten sicher mit dem Riechen am Korken Korkfehler erkennen und ausschließen zu können, so würde ich bei diesen keinen Lehre machen. Richtig ist: Bei auffälligen Korken ist das Risiko des Korkfehlers höher. Es gibt aber auch viele Korken, die erbärmlich stinken und der Wein ist in Ordnung. Genauso gibt es sehr unauffällige Korken, bei denen der Wein absolut fehlerhaft mit einem Korkton belastet ist.

    Ich halte das “Am Korken riechen” für ein Ritual. Und zwar eines, was abgeschafft gehört. Besonders in der Gastronomie – die ja zum erheblichen Teil von Rieten und eingeübten Abläufen lebt – ist so etwas leider noch verbreitet. Korkfehler kann man jedoch nur sicher durch das Riechen am Wein und das Verkosten des Weins erkennen.


  14. gourmet
    Sonntag, 7. Juni 2009 21:12
    14

    Das mit den Glasstopfen ist eine feine Sache. Nach meinem Dafürhalten hat das nichts Stilloses sondern ist rein praktisch gedacht. 🙂