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Einige Erlebnisse auf der ProWein 2017

Montag, 17. April 2017

prowein 2017 erlebnisseVor gut zwei Wochen ging in Düsseldorf die Weinfachmesse ProWein zu ende. Und wieder gab es mehr Besucher. Je größer die Messe wird, um so subjektiver wird jeder Bericht von ihr. Das liegt auf der Hand. Früher gab es einige Fixpunkte. Inzwischen kann man sich drei Tage nur in einer Halle aufhalten und man findet genügend interessante Ereignisse. Ich will Abwechslung. Immer wieder etwas Neues. Das ist nicht ganz einfach. Auch Aussteller sind Gewohnheitstiere. Ich habe ein Jahr etwas Positives über sie geschrieben. Und schon die Frage: Sind wir dieses Jahr weniger interessant? Nein, die Weinwelt lebt von der Veränderung. Und mir scheint, in den vergangenen Jahren bewegt sich so viel mehr als nur der neue Jahrgang. To another great year meint also mehr als das. Dafür ist die ProWein ein guter Ausdruck.

miguel torres maczassekMein Programm auf der Messe habe ich mit Spanien begonnen. In einer Masterclass stellte Miguel Torres Maczassek einige spanische Weine und vor allem ein sehr interessantes Projekt vor. Und zwar hat Miguel A. Torres in den frühen 1980er Jahren die Idee entwickelt alte Rebsorten in Penedes zu suchen und weiter zu nutzen. Dabei fand man in Katalonien insgesamt 50 Rebsorten, welche die Reblaus überstanden haben. Diese wurden jeweils nach ihrem Fundort benannt. Nachdem man geprüft hat, welcher Boden und welches Mikroklima für die jeweilige Rebsorte geeignet ist, hat man 6 Sorten gefunden, welche für Torres besonders geeignet sind.

torres forcada pireneAus diesen autochthonen und lange Zeit vergessenen Rebsorten des Penedes erzeugt Torres nun zwei Weine. Der weiße Forcada 2016 ist fruchtig-floral mit etwas Kräutern und hellen Blumen. Frisch wirkt er am Gaumen. Er stammt aus vier wiederbelebten Rebsorten. Die Fassprobe vom Rotwein Pirene aus 2016 wirkt in der Nase etwas schlank mit Brombeere und Unterholz im Hintergrund. Am Gaumen ist er ausbalanciert mit animierend frisch wirkender Säure und etwas Schokolade im Nachhall. Die Geschichte finde ich sehr interessant. Sie zeigt, dass auch größere Erzeuger eine gewisse Vielfalt unterstützen können.

torres mas la planaVom neuen Purgatori aus der Appellation Costers del Segre gab es den zweiten Jahrgang in das Glas. Mit diesem Wein hat man erst mit der Ernte 2012 angefangen. In der Region muss man wegen dem Klimawandel in immer höhere Bereich gehen. Die angenehme Frische merkt man dem Wein auch an. Dann gab es noch einige Klassiker von Torres ins Glas. Besonders der 42ste Jahrgang des Mas La Plana 2012 hat es mit angetan. In der Nase breiten sich bei diesem Cabernet Sauvignon Aromen von schlanker Brombeere und fruchtiger Sauerkirsche aus. Am Gaumen präsentiert sich eine sehr volle Frucht mit einer erfrischenden Säure. Dieser Wein hat noch so einiges an Alterungspotenzial in sich. Aber auch der Grans Muralles war sehr schmackhaft.

australien old vinesNach einigen freundlichen Gesprächen und freien Verkostungen ging es für mich mit Australischen Old Vines weiter. Das meint natürlich keine gereiften Weine, sondern so etwas wie Alte Reben. Hier kann man ein Bild aus Vorurteilen über Australien korrigieren. Immer ist der Begriff von der Neuen Welt in vieler Munde. Es ist ganz anders. Während in der hiesigen Region Mosel mit 2000 Jahren Weinbau der Begriff Alte Reben völlig ungeschützt verwendet werden darf, gibt es in Australien dafür eine Messlatte.

australien proweinIn Barossa meinen Alte Reben ein Mindestalter von 35 Jahren. Über die Abstufungen Survivor (mind. 70 Jahre) und Centenarian (mind. 100 Jahre) reicht die Kategorisierung bis in die Kategorie Ancestor (mind. 125 Jahre) zurück. Das Alter haben die Reben des 2005er Semillion von Tyrell’s Wines „Winemaker’s Selection Vat 1 aus dem Hunter Valley noch nicht erreicht. Trotz des fortgeschrittenen Jahrgangs war dieser Wein noch richtig frisch. Ich will nicht alle einzelnen Weine hier durchgehen. Nur so viel: Diese Verkostung lenkt ein vollkommen neues Bild auf Australien. Die ältesten Reben in dieser Veranstaltung gab es beim Moorooroo von Schild Estate Wines aus dem Barossa Valley. Diese wurden 1847 gepflanzt. Der 2013er Shiraz machte mir mit guter Struktur deutlich Spaß.

sting proweinKurz danach war erst mal langes Warten angesagt. Der Ex-Police-Popstar Sting hatte sich nebst Frau angesagt um sein Weingut in der Toskana zu promoten. Eine Stunde später erschien Sting mit Trudy Styler. Seine Frau sprach über ihr biodynamisches Weingut. Dies brachte nach deutlichen Umstrukturierungen 2007 den ersten Jahrgang hervor. Danach spielte ihr „Partner im Wein und im Leben“ noch drei Hits unplugged auf der Gitarre. Dazu gab es stroboskopisches Blitzlicht. Das klicken der Spiegelreflexe war zwar etwas unrhythmisch, aber ersetzte das Schlagzeug. Spaß hat es gemacht. Und immer schön bei so einem Ereignis dabei zu sein. Die Weine hätte ich auch noch gerne auf der ProWein verkostet. Da war aber leider kein herankommen. Ich habe nur gehört, dass sie wohl ganz ordentlich sein sollen.

prowein janek schumann mwDer zweite Tag beginnt erfreulich beim Stand von Sachsen auf der ProWein mit dem „Club der Weinakademiker“. Geschnarcht wird woanders, denn in Sachsen hatte man ein Frühstück mit dem Titel „Eierschecke und Scheurebe“ überschreiben. Es gab jedoch auch viele andere Rebsorten. Nach einer Einleitung von Janek Schumann MW, in der es hauptsächlich um Weinakademiker und den Weinbau in Sachsen ging, war freies Verkosten angesagt. Nicht nur die Eierschecke war lecker. Janek erwähnte noch, dass die aus Freiberg noch einen Ticken besser ist.

prowein sachsenLeider hatte ich nicht genug Zeit für diese Veranstaltung mitgebracht. So hätte ich gerne auf jeden Fall noch den Sangiovese vom Weingut Martin Schwarz aus Dresden probiert. Mich begeisterte jedoch außerordentlich der MoMu Fortified vom Weingut Frederic Fourre. Das ist ein Morio Muskat mit 70g Restsüße und 10% Riesling. Ich empfand diesen Wein als erstaunlich frisch und lebendig. Gerade die Frische begeisterte mich. Das Weingut selbst sieht es als sächsische Interpretation des Muskats aus Südfrankreich.

prowein eierscheckeMit diesen außergewöhnlichen flüssigen Kunstwerken finde ich Sachsen sehr interessant. Gerade vor den klimatischen Herausforderungen wie Spätfrösten bei frühem Austrieb schaffen es hier gerade einige der kleinen Betriebe hervorragende Qualitäten in die Flasche zu bekommen. Auch in ertragsreichen Jahrgängen ist die Menge so begrenzt, dass vieles in Sachsen bleibt. Weinbau ist hier auch mit Risiko verbunden. Ertragsreiche Jahrgänge unterscheiden sich von denen mit geringer Menge um 50%. Das ist jeweils also die Hälfte oder das Doppelte; je nachdem ob man Optimist oder Pessimist ist.

Nach der Veranstaltung am Stand von Sachsen fällt mir fast zufällig der falstaff Wein Guide aus 2016 in die Hände. Da schaue ich mal nach, was da über dieses Anbaugebiet drinsteht. Erstmal fasst man dies mit Saale-Unstrut zusammen. Man könnte da auch mit Zone titeln. Und recht inspirationslos sind die Weingüter die man nennt. Sicherlich sind Proschwitz und Wackerbarth beide aus Sachsen nicht wegzudenken. Aber diese Darstellung drängt mir die Frage auf, ob man es nicht besser kennt oder ob es nicht in solch ein Konzept passt.
Diese Weingüter aus Sachsen fehlen definitiv:

  • Karl Friedrich Aust
  • Drei Herren
  • Martin Schwarz
  • Frederic Fourre

In der 2015er Ausgabe wurden immerhin in der Kategorie „Junges Sachsen“ die meisten dieser Weingüter genannt. Dieser Teil des Weinführers hatte 2016 jedoch einen anderen Autor.

fh geisenheim prowein studieWenig später ging es zur Vorstellung der Studie der FH Geisenheim zur ProWein. Diese zeigt demonstrativ die Veränderungen in der Weinwelt. Ich will hier gar keine Details wiedergeben. Die Studie liegt vor und jeder der mag kann sie lesen. Nur soweit: Gesättigte Märkte können recht gefährlich für das Marketing sein. Und es gibt aufstrebende Märkte mit geringen Risiken. Zudem ist nach der Studie die Stimmung bei den hiesigen Erzeugern besser, als bei den Händlern. Und – das wurde zwar nicht direkt so untersucht, erschließt sich aber – das Storytelling wird immer wichtiger. Das wird besonders deutlich, wenn man schaut, welche deutschen Winzer in den vergangenen Jahren erfolgreich waren.

Es geht um erzählbare und glaubwürdige Geschichten. Das gelingt einzelnen Personen aus der Weinbranche häufig besser als großen Brands. Demnach erklärt sich eine gute Stimmung bei den kleinen. Nun kann man einwenden, dass die offizielle Statistik anders aussieht. Ja, Statistik ist ein Gesamtbild. Wenn man die Aussteller einer Fachmesse fragt, hat man eine Vorauswahl. Und wenn man zu so einer Messe fährt hat man meistens einen Plan und will in eine entworfene Zukunft investieren. Wenn man nicht so richtig weiß wohin man will oder einfach so weiter macht wie immer, geht man wahrscheinlich eher unter als wenn man eine Vision – oder sanfter formuliert ein Ziel – hat.

fox run riesling finger lakesKurz vor Ende der Messe hatte ich auf dem Weg zu einem Termin noch die Gelegenheit einige Weine aus New York State zu verkosten. Dort gibt ist ein recht kühles Klima. Das Anbaugebiet reicht von New York City bis an die kanadische Grenze mit dem Lake Ontario. Besonders gut hat mir hier der Riesling von den Fox Run Vineyards gefallen. Dieses Weingut liegt im Gebiet von Finger Lakes. Gerade eine solche Vielfalt auf sehr hohem Niveau zeichnet eine Weinmesse aus. Auch wenn die ProWein für mich nicht wirklich eine Verkostungsmesse ist, kann man hier Weine probieren, an die man sonst nur schwer heran kommt.

aldi proweinDa war dann noch etwas in der Düsseldorfer Innenstadt. Aldi-Süd hatte anlässlich der ProWein einen kleinen Pavillon aufgebaut. Dort konnte man die Weine des Discounters probieren. Es soll auch Veranstaltungen gegeben haben. Als ich da war, stand zwar etwas auf dem Plan. Ich habe aber nichts davon gesehen. Die Weine muss ich auch nicht probieren. Jedenfalls nicht in dieser Form. Den Sinn dieser Aktion habe ich nicht nachvollziehen können. Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe. Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass es eine erfolgreiche Maßnahme war.

street food parkNoch zum Abschluss dieses Artikels die nicht ganz so erfreulichen Themen mit denen man sich immer wieder jedes Jahr abarbeitet. Der Verkehr war besser als in den vergangenen Jahren. Und das Essen. Nun. Eine FoodStreet gab es. Ich hätte StreetFood geil gefunden. Asiatisch geht da auch. Aber bitte cool und nicht billige Nudeln auf einem Plastikteller. Immerhin: Problem erkannt, aber leider noch nicht ganz gebannt. Ist das wirklich die deutsche Tradition? In dieser steht der Wein für sich und wird sauber – jetzt unter extrem gut geprüften LED-Lichtern – bewertet. Mediterran und mit Lebensfreude sieht anders aus. Da wären wir wieder bei Strorrytelling und beim emotionalen Verkaufen.

prowein 2017Das war es erst einmal. Danken möchte ich allen freundlichen Ausstellern und der Messe Düsseldorf als Veranstalter der ProWein. Es gab noch viele andere berichtenswerte Ereignisse auf der Messe, aber nach 1700 Wörtern muss auch mal gut sein. Ich hatte noch eine vorzügliche Verkostung einiger Rotweine aus Griechenland. Der Bericht wird hier in den kommenden Tagen erscheinen.

ProWein 2017: Düsseldorfer Schuhreport

Mittwoch, 22. März 2017

düsseldorfer schuhreportDie Weinszene ist modischer als viele glauben mögen. Zur diesjährigen ProWein in Düsseldorf dachte ich mir mal einen kleinen Schuhreport zu schreiben. Darf man das? Ich denke schon. Bierernst hat auf einer Weinfachmesse nichts zu suchen. Nach 10 Jahren Messebesuch weiß ich: Es gibt kaum etwas Wichtigeres an diesen drei Tagen als gut zu Fuß zu sein. Und am besten geht das in einem bequemen und passenden Schuh. Sicherlich sind guter Wein und schmackhaftes Essen auch immer ganz schön. Aber darüber habe ich schon so viel in den vergangenen Jahren geschrieben.

Schuhe sind wirklich wichtig im Leben. Sie sind verantwortlich für die Bodenhaftung. Und wie bei der Rebe die Wurzel, verbindet der Schuh den Menschen mit er Erde. Nach der etwas verrückt klingenden Idee eines Düsseldorfer Schuhreports nun zur Praxis. Ich war erstaunt wie offen alle angesprochenen Menschen reagiert haben. Nur etwas seltsam war sicherlich die erheiterte Stimmung aller umstehenden Messebesucher bei Fotoshooting. So mag ich manche Bildqualität entschuldigen.

wolfgang-fassbender-schuheBeginnen wir mit Wolfgang Faßbender. Der Gastrokritiker, Weinjournalist, Mitinhaber eines Weinguts an der Mosel und Elsassspezialist trägt modische Schuhe. Er selbst hebt den Tragekomfort hervor. Ich glaube damit kann man eine Messe gut ablaufen.

helmut knallGeht es weiter mit einem Journalisten. Wine-Times-Autor Helmut Knall alias Knalli trägt braune Lederschuhe. Er hat sich damit in Italien noch Blasen geholt. Nun sind sie gut eingelaufen. Bei seinem Buchprojekt wünsche ich ihm noch viel Erfolg.

peter-jakob-schuheWenig später treffe ich auf Peter Jakob. Der Historiker, Consultant, Blogger und Student am Institute of Master of Wine hat gut geschnittene schwarze Lederschuhe an. Damit war er gerade noch auf den Top-Chateaus in Bordeaux unterwegs. Die sind recht schick und dabei gar nicht langweilig.

journalistenschuheEher langweilig finde ich die Schuhe eines lokalen Fotojournalisten. Die habe ich bei der Vorstellung vom Weingut von Sting abgelichtet.

schuhreportDagegen bei selbigem Ereignis sind diese Schuhe einer ausländischen Printjournalistin doch recht auffällig.

sven-zerwas-schuheWeingutsverwalter in Brauneberg an der Mosel und VinoCamp-Organisator Sven Zervas trägt ganz praktische Schuhe. Die stammen von der französischen Marke Le Coq Sportif. Es passte ganz gut, dass an dem Stand den er betreute ein Rasen vorhanden war. Die Schuhe sind jedenfalls für einen langen Messetag geeignet.

ralf-kaiser-schuheWeinblogger Ralf Kaiser alias Weinkaiser trägt Wanderschuhe auf der ProWein. „Die habe ich doch immer an“, kommentiert er.

schuhe-italienUnd es gibt sicherlich auch einige sehr auffällige Schuhe. Die höchste Trefferquote hat man auf der ProWein in der Halle der Italiener. Langeweile sieht anders aus. Und manches Model – ich vermute aus Milano – ist eher mutig ausgewählt. Nicht nur Düsseldorf hat eine Schuhmesse.

puclavec und friendsSportlich und knallegelb geht es am Stand von Puklavec & Friends aus Slowenien zu. Das war schon in den vergangenen Jahren so. Das ist ein schöner Wiedererkennungseffekt.

barbara-wanner-scuheBarbara Wanner trägt schwarze Sportschuhe von Nike. Das passt zur sehr dynamischen Agentur. Gut sehen sie auch noch aus.

frank-dobry-schuheWeinfreund und Blogger Frank Dobry habe ich dann noch im Bus nach der Messe getroffen. Die Schuhe sehen bequem aus. Der Essener zeigt sich geerdet mit adidas aus Segelstoff.

wein-schuhreportZuletzt noch meine eigenen Schuhe. Die sind nicht für drei Massetage in Folge geeignet, weil sie etwas zu warm sind. Das ist mein sechstes Modell der britischen Marke Clarks (Montacute Lord). Sie kommen vom größten Freizeitschuhhersteller weltweit. Ich kaufe mir immer wieder Schuhe dieses Herstellers. Sie sind für mich sehr bequem und halten zudem sehr lange.

So das war es. Ein Bericht (etwas näher am Messethema) wird über „Menschen, Weine und Sensationen“ noch in den kommenden Tagen in diesem Weinblog folgen. Bleiben sie an ihren Empfangsgeräten. Oder: Stay tuned!

ProWein 2016 – Ein Rundgang

Montag, 11. April 2016

prowein 2016Wir schreiben das Jahr 2016. Es war mal wieder ProWein. Buissines as usual. Und wie immer alles gut. Ein großartiger internationaler Branchentreff. An einigen Stellen wirkte die Weinfachmesse in diesem Jahr etwas leerer. Dieser Eindruck entstand durch das Wachstum der Messe. Es war einfach mehr Platz da. Die Besucherzahlen stiegen um ca. 6% auf über 55.000. Somit können sehr viele der Besucher der Messe, viele Aussteller und auch die Veranstalter mehr als zufrieden mit der ProWein 2016 sein. Unzählbare Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Das Niveau war häufig einer internationalen Fachmesse angemessen.

Neu war in diesem Jahr nicht nur das Hallenkonzept. Auch die Öffnungszeiten wurden um eine Stunde nach hinten geschoben. Das sollte den Messeverkehr etwas vom Berufsverkehr in Düsseldorf verzögern. Im Vorfeld gab es dann einige Befürchtungen, dass der wegen Sturm verschobene Rosenmontagsumzug auf den Messe-Sonntag zu Komplikationen führen könnte. Das war eher unbegründet. Diese beiden Veranstaltungen zeitgleich zu sehen, trug eher zur Erheiterung bei. Trotzdem hat die Rheinbahn den Verkehr nicht ganz im Griff. Der morgendliche Anschluss vom Flughafen ist leider noch immer ein Problem. Und die U-Bahn in die Stadt nach der Messe auch. Aber das sind Kleinigkeiten im Rahmen. Die ProWein ist in den vergangenen Jahren stärker gewachsen, als die Kompetenz der Rheinbahn das Besucheraufkommen zu bewältigen.

albert bichot burgund
Dieses Jahr habe ich die Messe mit einer Verkostung von Burgundern begonnen. Albert Bichot besteht seit 1831 nun in der sechsten Generation. Für burgundische Verhältnisse ist es ein recht großer Erzeuger mit mehr als 100 Hektar Rebfläche. Eigentlich handelt es sich bei Albert Bichot nicht nur um ein Weingut, sondern es besteht aus 6 Domänen in denen jeweils eine eigene Mannschaft arbeitet. Das ist auch sehr sinnvoll, da die Rebflächen in der Nord-Süd-Ausdehnung bis zu 300 Kilometer entfernt sind.

Burgunder von Albert Bichot auf der ProWein 2016

Besonders bedeutend sind die Weine aus dem Chablis. Hier besitzt Albert Bichot 1,5 Hektar im Grand Cru Les Clos welche von der Domäne Long-Depaquit bewirtschaftet werden. Diese bestehen in zwei recht unterschiedlichen Bereichen, wodurch ein Blending besonders gute Chablis entstehen lässt. Der Les Clos aus dem Jahr 2013 hat mir auch mit einer Birne in der Nase und einem sanften Schmelz nach hinten recht gut gefallen.

albert bichot prowein
Doch ganz besonders haben es mir die Pinots von Albert Bichot angetan. Hier möchte ich zum einen den Vosne-Romanee Premier Cru Les Malconsorts aus dem Jahr 2013 nennen. Er präsentiert sich trotz seiner Jugend schon finessenreich mit einer leicht kräutrigen Note. Vosne-Romanee umfasst 57 Hektar unter Reben. Dabei sind 14 Climate als Premier Cru klassifiziert. Albert Bichot besitzt hier 1,75 Hektar im Climat Les Malconsorts, die nur 400 Meter von Romanee-Conti und 600 Meter von Richebourg entfernt liegen.

Das Münsterland in Düsseldorf

Natürlich interessierten mich auf der ProWein auch die Aussteller aus dem heimischen Münsterland. Hier gibt es bekanntlich kaum ernst zu nehmenden Weinbau. Erstmalig war die Feinbrennerei Sasse (nicht Weinbrennerei) aus Schöppingen auf die Messe an den Rhein gereist. Die Brennerei hat lokal in den vergangenen Jahren mit handwerklichem Geschick und innovativer Vermarktung so richtig aufgedreht. Zwei angehende Destillateure waren für den Messeauftritt auf der ProWein 2016 verantwortlich. Etwas erstaunt war ich, dass die Brennerei nun offensichtlich über den lokalen Vertrieb hinausgeht.

sasse prowein
Zwei schon lange erfolgreiche Produkte präsentierte Sasse in Düsseldorf. Da ist einerseits der Dauerbrenner „Münsterländer Lagerkorn“ und auf der anderen Seite der Aperitif mit dem nun neuen Namen „Amerie“. Das Thema Gin hat man nun auch in Schöppingen entdeckt. Da gab es erstmal einige Destillate von den angehenden Brennern zum Riechen. Es ist schon genial was man in dieser Kategorie alles machen kann. Dann wurde ein innovatives Konzept vorgestellt. Und zwar können Händler, Gastronomen oder Barbesitzer ihren eigenen Gin bei Sasse kreieren und auch dort destillieren lassen. Das ist durchaus interessant. So ist das Wachstum in diesem Markt derzeit immer noch im Bereich der Vielfalt.

Die ProWein 2016 – Aus Rundgang wird Schnelldurchlauf

Der Artikel muss jetzt endlich fertig werden. Es ist ja schon einiges Wasser den Rhein herunter geflossen. So gibt es jetzt im Folgenden die Messe im Schnelldurchlauf. Und irgendjemand muss das Ganze hier ja dann auch noch weglesen können.

languedoc proweinWenig später ging es zum Stand vom Languedoc. Hier gab es Sushi. Und das war richtig gut. Dazu Weine aus dem Süden von Frankreich zu trinken hört sich erst mal etwas schräg an. Ich war besonders gespannt wie man den hier Rotweine kombinieren kann. Aber es geht durchaus. Und zwar war der Faugeres eine perfekte Kombination mit dem roten Fisch. Ich meine es war ein Thunfisch-Sushi. Zudem gab es geballte Frauen-Power aus Österreich, Frankreich und Japan. Eine sehr gute Präsentation.

prowein sushi Sushi und Faugeres

weingut aust prowein
Es ging dann einige Schritte auf der ProWein 2016 weiter zum Weingut Aust aus Sachsen. Dies ist mir schon einige Male sehr positiv aufgefallen. Die neuen Etiketten wurden präsentiert. Die sind auch durchaus gelungen, auch wenn mir die Alten ebenso gefallen haben. Und die Weine waren nicht zu vergessen aus sehr schön.

desa roederer proweinDann war Zeit für Champagner. Bei der DESA wurde Roederer präsentiert. Das klingt erst mal etwas schräg, aber der Kellermeister kommt auf Italien und somit passt das schon. Der ohne Jahrgang war erwartbar gut. Der Rose 2010 hat mit nicht gerade begeistert. Aber wirklich genial fand ich den weißen Jahrgang 2008. Das ist ein Hammerzeug bestehend aus 2/3 Pinot und 1/3 Chardonnay. Dieser Champagner besticht vielschichtig mit sehr viel Pink Grapefruit. Für den Preis ist das richtig gut. Als Krönung wurde dann noch Cristal 2007 ausgeschenkt. Da braucht man keine Worte des Lobes zu äußern. Was soll man über ein Spitzencuvee eines hervorragenden Hauses schreiben?

roederer cristal 2007
Roederer Cristal 2007

david schwarzwälder prowein
David Schwarzwälder präsentiert Reserva aus Rioja

rioja reserva prowein
Als nächstes ging es zu Rioja. Hier präsentierte David Schwarzwälder einige Reserva. Er erläuterte die Geschichte der Kategorien wie immer sehr kenntnisreich und informativ. Drei der Rotweine haben mir außerordentlich gut gefallen. Das war der bekannte Klassiker von Muga aus dem aktuell vermarkteten Jahr 2012. Dann waren da noch zwei Reserva aus Rioja von etwas unbekannteren Erzeugern. Und zwar aus 2009 von Teran und aus 2005 von Ontanon

Chasselas von Walz aus Baden

Ich machte dann noch einen kleinen Zwischenstopp beim Weingut Walz aus Baden. Das war ein Treffen von drei mal Thomas. Die neuen Etiketten haben mir sehr gut gefallen. Der Inhalt noch viel mehr. Es gab einen knochentrockenen Chasselas. Thomas Walz versucht die Trauben möglichst lange hängen zu lassen. Der Wein war aber überhaupt nicht überladen. Das hätte ich vermutet. Vielmehr hatte er internationales Format, was mit dem Gutedel – wie man ihn kennt – eigentlich wenig zu tun hat. Ein Weingut von dem man bestimmt noch viel hören wird.

walz baden prowein Chasselas vom Weingut Walz

meursault prowein
Wenig später probierte ich auf der ProWein 2016 einen Meursault. Ich wollte mich schon etwas auf meine Reise ins Burgund vorbereiten. Diesen Wein muss ich hier einfach erwähnen. Wesentlich frischer, als ich Meursault bislang gekannt hatte. Bei Vinaturel am Stand – wo dieser Wein präsentiert wurde – gab es noch einen Chablis. Der war wesentlich weniger mineralisch. Von der Domiane de Bellene muss ich zukünftig mal genauer probieren. Im Burgund fand ich die leider aufgrund eines Streiks bei der Luftfahrtgesellschaft und daraus entstehender Zeitnot leider nicht. Naja, die Sache mit dem Verkehr. Das Thema hatten wir ja schon eingangs.

Josten & Klein von Ahr & Mittelrhein

Ich machte dann noch einen Stopp beim Weingut Josten & Klein. Über die habe ich schon einiges sehr positives gehört. So wollte ich auch mal selbst dort verkosten. Die Geschichte ist durchaus interessant. So waren beide Eltern nebenberuflich Besitzer von Weinbergen an Ahr und Mittelrhein. Die Spätburgunder-Trauben gingen immer schön in eine Winzergenossenschaft. Am Mittelrhein hat man vieles neu gepflanzt. So zum Beispiel Sauvignon Blanc. Den hatte ich auch probiert. War mir etwas viel Holz, aber das wird einigen richtig gut gefallen.

josten und klein proweinDann probierte ich die Spätburgunder von Josten & Klein von der Ahr. Die Vielfalt der Pinots war erstaunlich. Mich begeisterte der eher subtile und sehr feine Mayschosser Laacherberg aus 2014. Klasse Pinot!

weinpunk hammel prowein
Eine große Show und Wiedersehen mit vielen Weinfreunden gab es dann auf der ProWein 2016 beim Weinpunk alias Marco Giovanni Zanetti. Alle Weine habe ich mir nicht gemerkt und auch nicht alles notiert. Aber über einige möchte ich im Folgenden kurz berichten. Zum einen ist da der Rose-Schaumwein mit Christoph Hammel. Der macht richtig Spaß, wie man sehen kann. Hammel hat auch noch was über die Rebsorten gesagt. Hab mir nur was von Acolon und Dornfelder gemerkt. Acolon? Muss ja gut sein. Es bringt auf jeden Fall eine schöne Farbe ins Spiel.

Große Show beim Weinpunk

Eigentlich ist das ein gutes Lehrstück über Weinvermarktung. Mit Spaß werden interessante Weine an den Mann und die Frau gebracht. Dies weitgehend jenseits der etablierten Vermarktungsmodelle. 2.800 Normal-Flaschen und 99 Magnum gab es von dem Hammel-Rose. Alle waren nach der ProWein ausverkauft.

orange wine winepunk
Orange Wein vom Weinpunk

niepoort kettern prowein
Niepoort und Kettern

phillip kettern prowein
Sehr interessant war der 2012er Riesling von Philip Kettern mit dem Namen Fio. Der war bislang im Fass. Für mich war das zu viel. Aber als Experiment ist das durchaus genial. So hatte dieser Riesling vieles von seiner Herkunft Mosel behalten. Er war sogar blind so erkennbar. Gefallen hatte der „rätzelhaft“ in Zusammenarbeit mit Dirk Niepoort aus dem Douro-Tal. Schön, weil in dem Fall gar nicht so trocken, was dem Riesling sehr gut stand.

gosset blue label
Bei dem Champagne-Haus Gosset gab es etwas Neues zu probieren. Es gibt nun einen „Blue Label“. Das ist ein 15 Jähriger Champagner in dem drei Jahrgänge zusammengefasst sind. Die Idee dahinter liegt auf der Hand: Champagne kann reifen. Etwas was mancher bei diesem Thema auf den ersten Blick nicht so ganz glauben kann. Manche große Häuser sind bei ihren Prestige-Cuvees leider auch etwas jünger geworden. Der „Green Label“ von Gosset wechselt jedoch derzeit auch erst von 2004 auf 2006. Das ist durchaus sinnvoll. Gutes braucht Zeit zum reifen. Allerdings sind die Mengen vom „Blue Label“ sehr begrenzt. Lediglich 3.000 Flaschen wurden von ihm erzeugt.

chateau beychevelle 1998Ich probierte dann bei Castel einige gereifte Bordeaux. Man gönnt sich den Luxus einen Teil dieser Weine erst gereift in den Handel zu bringen. Der Käufer hat den Vorteil, dass die Weine dann ideal gelagert zu ihm kommen. Als Fan vom Chateau Beychevelle begeisterte mich der 1998er. Der schien erstaunlich jung zu sein. Ich probierte noch einige andere Bordeaux dort durch. Großes Tennis!

les charmes haut brion 2012 Les Charmes Haut-Brion 2012

chateau lafon rochet 2011 Chateau Lafon-Rochet 2011

chateau fleur cardinale 2013 Chateau Fleur Cardinale 2013

Sonderpreis für den besten Stand auf der ProWein 2016

Ich möchte hier noch einen kleinen eigenen Sonderpreis für den am besten gestalteten Messestand verleihen. Das ist natürlich völlig subjektiv und auch gar nicht in Kenntnis aller anderen in Düsseldorf vorhanden Stände. Aber ich fand die Idee sehr gelungen. Herzlichen Glückwunsch an die Rhone an M. Chapoutier.

sonderpreis prowein Sonderpreis an die Rhone

Zum Schluss dieses stellenweise recht umfangreichen und bei einigen Themen leider kursorischen Berichts möchte ich allen freundlichen Ausstellern auf der ProWein 2016 danken. Ein kleines Sorry schicke ich hiermit an alle, die ich nicht erwähnt habe. Der Text ist schon lang genug geworden. Und irgendwann muss man es ja auch mal gut sein lassen. Und entschuldigen möchte ich mich bei allen zu denen ich es – trotz freundlicher Einladung – nicht an den Stand geschafft habe. Die nächste ProWein kommt ganz bestimmt.

prowein 2017
Jedenfalls sind die kommenden zwei Runden schon angekündigt. Also, nächstes Jahr geht es weiter. Die ProWein 2017 gibt es vom 19. bis 21. März. Und der Termin für 2018 steht auch schon fest. Da wird die Weinfachmesse vom 18. bis 20. März in Düsseldorf stattfinden. Dann gibt es ein Wiedersehen mit Freunden. Ich bin jedenfalls nach über 10 Jahren noch nicht müde.

Zuvor hatte ich schon zwei Artikel zur ProWein 2016 veröffentlicht:
Rotwein aus Korsika mit Peer F. Holm
Die Preisverleihung des Concours Mondial du Sauvignon (Blanc) auf der ProWein

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien?

Montag, 16. März 2015

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Heute ist nicht nur der zweite Tag der ProWein, sondern auch der „Tag der Aktie“. Ausgerufen wurde dieser von der Börse Frankfurt. Hintergrund ist, dass die Deutschen – gerade im internationalen Vergleich – als Aktienmuffel gelten. Wir nehmen dies zum Anlass um uns mit den in Düsseldorf vertretenen Wein-Aktiengesellschaften zu beschäftigen. Sicherlich sind die meisten Aussteller auf der Weinfachmesse ProWein wesentlich kleinere Betriebe. Die deutsche Weinwirtschaft ist vor allem auf der Seite der Erzeuger eher von kleinen Familienbetrieben geprägt, als von den großen Brands. Aber es gibt einige Schwergewichte in der Branche. Viele der international agierenden Unternehmen haben inzwischen ein umfangreiches Sortiment aus den weltweiten Weinbaugebieten aufgebaut.

Eine der größten Aktiengesellschaften im Bereich Schaumwein ist auf der ProWein nicht mit einem gebührend großen Stand vertreten. Der in Paris notierende Mode- und Champagnerkonzern LVMH (Marktkapitalisierung ca. 87 Mrd. Euro) bleibt der Weinfachmesse schon fast aus Tradition fern. Sicherlich gibt es einige Weine zu probieren, die im Besitz bzw. Vertrieb des Börsengiganten sind. Die in Deutschland sehr bekannten Champagnerkernmarken von LVMH Moet und Vueve Clicquot haben jedoch keinem eigenen Stand in Düsseldorf.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Der Kursentwicklung der Aktie hat es in den letzten Jahren nicht wirklich geschadet. Im Gegenteil: Da knallte bestimmt der ein oder andere Champagnerkorken. In den vergangen Wochen ging es fast schwindelerhöhend nach oben. Man kann schon fast von einem Kursfeuerwerk bei LVMH sprechen. Kein Wunder: Die Geldschwämme der Europäischen Zentralbank wird ganz sicher die Anzahl der Millionäre in Europa deutlich erhöhen. Und der ein oder andere von denen trägt dann im Louis Vuitton-Tässchen seinen Champagner nach Hause.

Doch einige andere internationale Aktiengesellschaften sind auf der ProWein vertreten. Drei von ihnen heben derzeit eine Marktkapitalisierung von über einer Milliarde Euro. Zuvorderst ist hier Constellation Brands mit immerhin 21. Mrd. Euro zu nennen. Der Aktienkurs in Euro kannte in den letzten Jahren fast nur eine Richtung: Nach oben. So stieg er von etwas unter 15 Euro auf derzeit über 110 Euro. Wer Spaß dran hat, kann in einer ruhigen Minute mal die durchschnittliche jährliche Rendite ausrechnen. Hintergrund ist jedoch eine spezifische Geschichte von Constellation Brands. Machte man 2008 und 2009 noch Minus, so stieg das Ergebnis 2014 auf ca. 2 Mrd. US-Dollar.

Als weiteren globalen Akteur muss man Treasury Wine Estate nennen. Bei weitem nicht so groß wie Constellation gehören doch so große und bekannte Brands wie Penfolds, Rosemount Estate, Lindeman’s und Beringer zum Portfolio. Schwerpunkt der vermarkteten Weingüter ist Australien und Nordamerika. In Europa gehört Castello di Gabbiano aus der Toskana zu Treasury Wine Estate. 2012 und 2013 gab es etwas Turbulenzen beim Kurs dieser australischen Aktiengesellschaft. Im vergangenen Jahr wollten Finanzinvestoren die Gesellschaft übernehmen, sind jedoch damit gescheitert.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Concha y Toro ist ebenfalls in Düsseldorf auf der ProWein vertreten. Seit 1984 ist dieses chilenische Weingut in New York an der Börse notiert. Grundsätzlich ging es mit der Aktie aufwärts. In den vergangenen Jahren gab es aber erhebliche Schwankungen. Derzeit notiert Concha y Toro bei ca. 38 Euro in Frankfurt auf einem historischen Hochstand. Dieser wurde jedoch schon zwei mal erreicht (zuletzt 2010). Inzwischen gehören einige weitere Weingüter zum Unternehmen. So z.B. Fetzer in den USA und Trivento in Argentinien. Europa ist mit ca. 35% der wichtigste Absatzmarkt, gefolgt von Chile selbst.

Kommen wir zu dem Schwergewicht auf dem deutschen Markt. Die Hawesko Holding AG hat derzeit eine Marktkapitalisierung von 316 Mio. Euro. Die Unternehmen mit deutschen Kernmarkt gehören somit nicht gerade zu den internationalen Giganten. Diese finden sich neben dem einen französischen Schwergewicht in den englisch- und spanischsprachigen Ländern. Dabei sind diese Brands international ausgerichtet. Hawesko hat seinen Schwerpunkt jedoch nicht als Produzent, sondern im Bereich Groß- und Einzelhandel.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Drei Standbeine sind bei diesem Unternehmen wichtig: Zum einen gehören mehrere Firmen im Bereich Großhandel zu Hawesko. Mit den Jaques Weindepots betreibt man einen eigenen Einzelhandel. Inzwischen gibt es aber mindestens drei Onlinehändler. Unter dem Markennamen selbst betreibt man einen Handel mit Markenweinen im Internet. Zudem hat man mit Weinlet einen Online Weindiscounter gegründet. Dann ist noch der Zukauf eines Webshops für spanische Weine.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Bei Hawesko wird mit dem Ausscheiden des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Margaritoff Ende Juni 2015 eine neue Ära anbrechen. Eine langjährig erfolgreiche Wachstumsstrategie war mit hohen Dividenden verbunden. Dies zeigte sich auch in der Kursentwicklung. Neben einigen (zusammen allerdings beherrschenden) Großaktionären waren lange Zeit vielen extrem kleine Aktionäre bei Hawesko vorhanden. Inzwischen besitzt die Tocos Beteiligung GmbH mehr als 75% der Aktien. Die vergangenen zwei Jahre waren auch eher unruhig. Nach Höchstwerten von 45 Euro (zu Jahresanfang 2013 und im Sommer 2014) brach der Kurs nun schon zum zweiten Mal in kurzer Folge um fast 20% auf 37 Euro ein.

Tag der Aktie: Wie stehen die Weinaktien Als weitere Aktiengesellschaften aus dem deutschsprachigen Raum sind noch Schloss Wachenheim und Schlumberger zu nennen. Beide vertreiben Schaumweine. Auch wenn Schlumberger‘s eigene Produktion in Österreich und beim Stillwein im Elsass den eigenen Namen trägt, ist dies als Importeur gar nicht das Kernprodukt. Die Aktie notiert hauptsächlich in Wien und ihr Handel ist eher übersichtlich. 2013 gilt in der Bilanz als tiefrotes Jahr. Die Dividendenrendite liegt historisch bei 3 bis 4%. Bei Schloss Wachenheim gibt es historisch im Kurs ein auf und ab. Die letzten 5 Jahre waren von Umsatz- und Gewinnsteigerungen gekennzeichnet. Bis zum Sommer 2014 lief die Aktie auch ganz gut. Seitdem ist die Richtung unklar.

Anbei eine kleine Liste der Marktkapitalisierung der im Artikel vorkommenden Unternehmen (Stand März 2015; keine vollständige Aufstellung)
LVHM 87 Mrd. Euro
Constellation Brands 21. Mrd. Euro
Treasury Wine Estate 2,4 Mrd. Euro
Concha y Toro 1 Mrd. Euro
Laurent Perrier 427 Mio. Euro
Baron de Ley 404 Mio. Euro
Hawesko Holding 316 Mio. Euro
Schloss Wachenheim 106 Mio. Euro
Schlumberger AG 41 Mio. Euro

Bei Finanzthemen ist ein Disclaimer mehr als angebracht: Der Autor besitzt keine Anteilsscheine der beschriebenen Aktiengesellschaften und befindet sich in keinerlei Beschäftigungsverhältnissen mit einer oder mehrerer dieser Gesellschaften. Dieser Beitrag stellt keine Empfehlung zum Erwerb oder der Veräußerung von genannten oder ungenannten Wertpapieren dar. Anleger sollten sich der Risiken, die sie eingehen im Klaren sein. Aktien unterliegen Kursschwankungen, die bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können.

Weck-Worscht-Woi von der Rheinfront auf der ProWein 2015

Freitag, 13. März 2015

Weck-Wosch-Woi von der Rheinfront auf der ProWein 2015 Nicht zuletzt am außergewöhnlich regen Emailverkehr in der Weinbranche erkennt man: Die ProWein steht wieder vor der Tür. Aber auch per Post werden Einladungen und Ankündigungen verschickt. Dabei schlägt Kreativität nicht selten den großen Kommerz. Mir scheint: Je so größer Vermarktungsideen gefahren werden, um so häufiger gehen diese an einer Vielzahl der Adressaten vorbei. Und klein ist recht häufig sehr fein. So erinnere ich mich gerne an die beste Idee aus dem vergangenen Jahr. Den Weck-Worscht-Woi.

Die Einladung von der Rheinfront habe ich mir sogar ein Jahr lang aufgehoben. Und das will bei der zu bewältigenden Papierflut so einiges heißen mag. Hier möchte man gerne einmal die Auszeichnung für die „Beste Marketingidee“ verleihen. In der Laudatio könnte man darauf verweisen, dass Innovation und Modernität in der Gestaltung harmonisch mit der Herkunft und der Tradition verknüpft werden. „Dehaam“ wird zu einer Klammer die den Aufbruch der jüngeren Winzergeneration in Rheinhessen mit den Vorfahren verknüpft. Dies darf nicht als Revolution missverstanden werden, sondern eine Erneuerung die mehr als nur eine neue Interpretation ist.

Weck-Wosch-Woi von der Rheinfront auf der ProWein 2015Ebenso sind die mit der Idee präsentierten Weingüter empfehlenswert. Der Weck-Worscht-Woi ist alles andere als ein Marketinggag. Im vergangenen Jahr hatten es mir besonders die Rieslinge vom Weingut Georg Albrecht Schneider aus Nierstein besonders angetan. Ich mag die Lagen nördlich von dem Ort und so hatte das Weingut bei mir leichtes Spiel. Im Roten Hang werden beim Weingut Georg Albrecht Schneider klasse Rieslinge erzeugt, die zugleich ihr Geld mehr als wert sind. Vor allem die Weine aus dem Hipping seien sehr empfohlen. Und wer einfach nur Spaß haben möchte, greift zum „Last night a Riesling saved my live“.

Weck-Wosch-Woi von der Rheinfront auf der ProWein 2015 Aber auch bei den anderen beiden Weingütern aus der Rheinfront sollte man etwas probieren. Richtung Ludwigshöhe und Guntersblum wechselt der Boden hin zu sandigem Lehm und Löß. Beim Weingut Lamberth kann man eher die Burgundersorten finden. Auch die Rotweine sollte man durchaus mal probieren. Das Weingut Hiestand hingegen ist eher auf die weißen Rebsorten Riesling, Grüner Silvaner und Gewürztraminer ausgerichtet. Rheinhessen ist eben nicht nur das Land der 1000 Hügel, sondern vieler empfehlenswerter Weingüter und mit hoher Sortenvielfalt.

Weck-Wosch-Woi von der Rheinfront auf der ProWein 2015 Jedem der nicht viel mit Rheinhessen zu tun hat: Bei Weck-Worscht-Woi handelt es sich um drei Komponenten einer klassischen Mahlzeit. Dabei gibt es Weck, was ein Brötchen ist (bekannt ist auch das Paarweck als doppeltes Brötchen), die Worscht und den Wein. Die Wurst ist eine kalt gegessene Fleischwurst. Als Besteck hat man lediglich ein Messer für die Wurst und einen Korkenzieher. In Rheinhessen wird dieses Gericht traditionell auch bei der Weinlese gegessen. Die drei Weingüter der Rheinfront findet man in diesem Jahr auf der ProWein mit Weck-Worscht-Woi in Halle 14 Stand A29.

Neu wird in diesem Jahr auf der ProWein das Hallenkonzept sein. Hoffen wir mal, dass sich niemand verläuft. Allen Beteiligten – egal auf welcher Seite von den Präsentations- und Verkostungstischen – wünsche ich eine gute Messe.

20 Jahre ProWein: Ein Jubiläum mit Erfolgen

Sonntag, 30. März 2014

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen Die internationale Weinfachmesse ProWein feierte in den vergangen Tagen ihr zwanzig jähriges Bestehen. Da weinverkostungen.de nun auch schon 10 Jahre voll hat, war es nicht nur eine Pflicht wieder einmal nach Düsseldorf zu fahren. Das ist ein Doppeljubiläum. Folglich gab es recht viel Schaumwein zu probieren. Die Messe war dieses Jahr nach all den Vergrößerungen erstaunlich eng, weil gut besucht. Selbst am tendenziell schwächeren Dienstag waren die Hallen der ProWein noch gut gefüllt. Die offiziellen Zahlen bestätigen dies: Bei konstant gebliebenen 4830 Ausstellern stieg dieses Jahr die Besucherzahl zum Vorjahr um ca. 7 Prozent auf 48.000 Weinfachleute. Man kann sich ein weiteres Wachstum anhand der begrenzten Kapazitäten bei den Hotels und dem öffentlichen Nahverkehr kaum noch vorstellen.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Die ProWein begann für uns angemessen prickelnd mit einer von Christine Balias geführten Verkostung einiger Cremants von der Loire. Viele dieser Häuser wie Gratien & Mayer, Bouvet-Ladubay, Ackerman oder auch Veuve Amiot sind als große Erzeuger auf dem deutschen Markt recht bekannt. Diese Häuser haben zumeist nicht nur einen hohen Qualitätsstandard sondern erzeugen auch recht interessante Mengen. Das führte in der Vergangenheit zu einigen Kampfpreisen, bei denen man sich fragen kann, wie die Herstellung von Flaschengärungen auf diesem hohen qualitativen Niveau überhaupt rentabel ist.

Insider sagen, dass diese Preise teilweise auch unter den Erzeugerkosten lagen, Schaumwein jedoch eine schnelle Distribution erfordert. Die Angebote können auch die Folge von Schwankungen in der Erntemenge sein. Und an der Loire ist man nicht wie in der Champagne gezwungen in besonders ertragreichen Jahren eine Reserve zurück zuhalten. Das würde nicht zum Stil des Cremant der Loire passen. Doch die Angebotspreise auf dem bisher erlebten Niveau werden bald Geschichte sein. Deutschland ist der wichtigste Exportmarkt für diese Schaumweine. Und der Absatz an Cremant boomt in Deutschland seit einigen Jahren. 2013 ist der Export gegenüber dem Vorjahr um 13% gestiegen (die Inlandsnachfrage jedoch vergleichsweise nur um 8%). Mir gefiel in der Verkostung ganz besonders der weiße Milisime 2011 von Gratien&Mayer (silbernes Etikett). Der sollte aber nicht mit dem normalen Brut mit dem auffällig lila Etikett von diesem Erzeuger verwechselt werden. Der schmeckt zwar auch ganz gut, ist aber bei weitem nicht so fein und vielschichtig.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Weiter ging es auf der ProWein in einer anderen Liga. Bei dem hervorragenden Champagne-Haus Bruno Paillard gab es eine Reihe Jahrgangschampagner zu probieren. Dieses Jahr war der Focus auf 2004 und 1995 gelegt. Bruno Paillard moderierte unterhaltsam und beschrieb seine präzise Arbeit, die manchmal auch chirurgische Eingriffe nötig macht. Der Chefsommelier vom Hotel Ritter Durbach Ronny Weber beschrieb die hohe Qualität dieser Champagner und meinte, dass man in seinem Haus noch nie überlegt hat den Erzeuger zu wechseln. Die 2004er Assamblage schien mir noch etwas jung zu sein. Sie wurde auch noch mal in der Magnum ausgeschenkt. Die 1995er wollte man gar nicht wieder ausspucken.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Folgend ging es zu einem nicht so prickelnden Thema. Und das lag nicht nur daran, dass hier keine Schaumweine ausgeschenkt wurden. Über die Zuspitzung der politischen Situation in der Türkei war in den vergangen Tagen wieder einiges in den Tagesmedien. Dass die Weinwirtschaft in dem Land unter dieser Regierung zu leiden hat, war auch schon zu erfahren. Die großen Verbotsschilder auf den Weinflaschen, die eher die Giftigkeit eines Reinigungsmittels verdeutlichen als für ein Genussmittel passend sind, wirken doch recht abschreckend. Wein scheint nicht in das Bild dieser religiösen Verbotsmenschen zu passen. Dabei hat die Türkei eine lange Geschichte als Weinland. Und gerade die Wiederentdeckung auch auf den ausländischen Märkten bahnte sich in den vergangenen Jahren an.

Bei der von Markus Del Monego moderierten Verkostung ist sicherlich auffällig, dass man noch von keinem typischen Stil des Weins aus der Türkei sprechen kann. Selbst ein Korridor kann man noch nicht ausmachen. Hier kommen zahlreiche (regionale und internationale) Rebsorten zum Einsatz. Auch mit welchem Holz und wieviel man benutzt, ist sehr unterschiedlich. Da gab es in der Verkostung einen weißen Wein mit massiven Holz. Ein weiterer war damit sehr angemessen dezent. Bei den Rotweinen konnte man von duftigen Blendern über ausgewogene Weine bis zu den Charaktertypen alles erleben, was es so gibt. Was man jedoch feststellen kann: Die Qualität steigt in der Türkei beständig. Hoffen wir auch, dass dieses Land als Erzeuger von Wein mit einer lebendigen Weinkultur erhalten bleibt.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Die Aussteller von Neuseeland hatten international Weinblogger und Twitterer zu sich an den Stand geladen. Das war eigentlich das einzige größere (und nicht nur zufällige) Treffen von Bloggern auf der ProWein. Einige von den Anwesenden kannte ich. Aus der deutschen Weinbloggerszene – in der man sich sehr gut kennt und vernetzt hat – war ich leider der einzige. Aber es geht im Leben auch nicht darum was man schon kennt. Vielmehr darum, auf was man bereit ist sich einzulassen. Und hier werden genau die Neuseeländer interessant. Ich mag den Kiwi-Style. Man merkt bei diesen Winzern, dass es sich um ein Einwandererland mit zumeist glücklichen Menschen handelt. Diese sehen Unterschiede nicht negativ, sondern nutzen sie produktiv.

Das bildet sich auch bei den Weinen ab. In Deutschland kennt und schätzt man den Sauvignon Blanc. Vor allem aus Marlborough. Da gibt es sicherlich sehr gute. Besonders den fast schon legendären aus der wolkigen Bucht. Der und der dahinter stehende international engagierte Mode-, Livestyle- und Weinkonzern hat viel Gutes für den Wein aus Neuseeland getan. Zugleich verdeckt er etwas die anderen Rebsorten, Regionen und Winzer des Landes. Cloudy Bay und Sauvignon Blanc ist vieles, aber nicht alles. Häufig wird der Pinot Noir nach vorne geschoben. Aber man sollte den Shiraz (Syrah) stärker ins Blickfeld ziehen.

Damit sind wir bei den Elefanten. Genauer bei Elephant Hill. Neben vielen anderen weißen und roten Weinen wird hier ein tierisch guter Shiraz gemacht. Den gibt es ganz normal und auch als Reserve. Da ist richtig gut weißer Pfeffer dahinter. Insgesamt war die Vielfalt der Neuseeländer sehr überraschend. Es ist ein Land in dem der Sauvignon Blanc zwar sehr wichtig ist, von den anderen Rebsorten wird man in Deutschland aber bestimmt in Zukunft noch mehr hören. Zwei mir zuvor unbekannten Menschen hinter den deutschsprachigen Weinblogs sind von Elisabeth Gstatz aus Österreich und Miguel Zamorano aus Köln.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Der Messemontag begann mit einem sehr ernstem Thema. Dr. Martin Tesch von der Nahe hatte an seinen Stand geladen um auf zwei karitative Projekte aufmerksam zu machen. Sein Weingut hatte in diesem Jahr einen Wein für Oxfam erzeugt. Die Erlöse gingen komplett an die Hilfsorganisation. Die Menge beschrieb Tesch bescheiden als für seinen „kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit vier Mitarbeitern“ verkraftbar.

Aber eigentlich ging es bei dieser Informationsveranstaltung nicht um das Weingut Tesch. Vielmehr wurde eine Plakataktion von Paula Bosch (Erste Sommeliere Deutschlands), Jürgen Fendt (Chefsommelier, Restaurant Bareiss – Baiersbronn) und Sebastian Bordthäuser (Chefsommelier, Steinheuers Restaurant „Zur alten Post“ – Heppingen) vorgestellt. Auf den ganzseitigen Anzeigen, die schon in einigen Genussmagazinen und der Intro abgedruckt wurden, wurden die Sommeliers gefragt, welche Weine sie zu einem leeren Teller empfehlen würden. Das klingt erst einmal etwas provokativ, legt aber den Finger in einer empfindliche Wunde.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Bei der Aktion geht es jedoch nicht primär Spenden darum zu sammeln, sondern eine Öffentlichkeit für sehr ungleiche Lebensbedingungen herzustellen und gerade die wohlhabenden Schichten hierzulande anzusprechen. Für diese Anzeigen spricht, dass auf das Thema Hunger in dieser Welt nicht mit abstoßenden Bildern aufmerksam gemacht wird, sonders dass vielmehr unser Reichtum thematisiert wird und vor diesem Hintergrund gefragt wird, ob man nicht selbst etwas teilen möchte.

Hinzu gab kam noch Ralf Bos (BosFood), der über das jahrelange Engagement von „Spitzenköche für Afrika“ berichtete. Die vier schilderten eindrücklich ihre persönlichen Beweggründe diese Aktionen zu unterstützen. Es hat viel mit der Verantwortung zu tun, die man wahrnehmen kann evtl. sogar sollte, wenn man im Leben einen Gestaltungsspielraum erhalten hat. Ralf Bos beschrieb zwar, dass der Gewinn seiner Firma seit dem Beginn dieses Engagements stetig fällt, aber er meinte auch dass es genau so sein solle. Hier geht’s zu der Aktion bei Oxfam.

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Als nächstes stand eine Schaumweinverkostung der Superlative auf dem Plan. Das noch etwas weniger bekannte italienische Magazin „Challenge Euposia“ hatte zu einer Probe der besten Weine aus ihrem Wettbewerb an den Stand der „Deutschland Sommelier Association“ (DE.S.A.) eingeladen. Das war nicht nur spannend, weil ein deutscher Schaumwein aus dem Rheingau gewann. And the winner is: Weingut Wegeler Geheimrat J 2008. Der Kellermeister Andreas Holderrieth nahm den Preis dankend entgegen. Ich konnte mich an meinen Besuch des Weinguts vor einigen Jahren erinnern.

Doch die eigentlichen Gewinner dieser Verkostung waren die teilnehmenden Messebesucher. Denn es ging international zu. Aktuelle Champagne-Botschafterin Christine Mayr moderierte kenntnisreich. Und mein Tischnachbar Boris Maskow (auch mit Ralf Kaiser in der Jury des Weinpreises vertreten) konnte für mich detailliert ergänzen. Der Geheimrat „J“ war natürlich in seiner fruchtig intensiven Fülle ein Vergnügen. Doch tatsächlich beeindruckt war ich von einem sehr säurebetonten Schaumwein aus England. Dies war der Annie’s Anniversary Brut von Camel Valley. Englischer Schaumwein wird sicherlich begleitet durch den klimatischen Wandel in der Zukunft auch noch relevanter werden.

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Ich hielt dann kurz noch einmal eine Andacht im exklusiven Showroom von Penfolds. Während einige Stände auf der ProWein darum kämpfen gut besucht zu werden, tut man hier in einem schwer erreichenden Raum vieles dafür, nicht gefunden zu werden. Hierhin kam man nur auf vorherige persönliche Einladung und RSVP auf die kurze Liste des Country Managers. Meine Identität hat dann doch niemand merklich überprüft. Wahrscheinlich passierte das aber unsichtbar. Penfolds ist das zuzutrauen und als Fan einiger dieser Weine sollte ich inzwischen bekannt sein. Wohlfühlen auf hohem Niveau – bei dem Eingangskontrollen lästig währen – sind hier Programm.

Einen Showroom mag nicht jeder. Auf eine – wenn auch nicht explizit heilige – Messe gehört so etwas. Eigentlich hätte man die Flaschen hier gar nicht öffnen brauchen. Der Geist von handwerklicher und technischer Perfektion – wie ihn auch Peter Gago verkörpert – schwirrte auch so im Raum herum. Wenn man dann doch probierte und die Reste in den millimetergenau ausgerichteten Taufbecken versenkte, also das Blut Jesu nicht materiell in sich aufnahm, so fühlte man sich doch erleuchtet von der Genialität von Penfolds.

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Die Qualität beschränkt sich nämlich keineswegs auf das Marketing (mit der man ganz locker im vergangenen Jahr die Preise in Deutschland erheblich erhöhen konnte), sondern ist im selben Maße in den Weinen enthalten (man hat sie nur früher deutlich unter ihrem eigentlichen Wert kaufen können). In der nun präsentierten BIN-Edition sind wieder einmal einige der besten Weine aus Australien versammelt. Die neben jeder Flasche (dieser triviale Begriff passt hier gar nicht) positionierten Messdiener ähhm Ausschenker transportierten extreme Fachkenntnisse und zugleich diese weltoffene australische Freundlichkeit. Also im besten Sinne dieser Geste: Eine Verneigung.

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Von einem Höhepunkt zum nächsten. Auf dem Rheinturm von Düsseldorf präsentierte Nicola Neumann auf 168 Metern Höhe Winzerchampagener der Superlative. Die Verkostung war nichts für Leute mit Höhenangst, denn es gab richtig große Champagner. Mir haben da ziemlich viele dieser noch gar nicht so bekannten Schaumweine gefallen. Den Penet-Chardonnet Grand Cru „Les Fervins“ 2009 möchte ich mal extra erwähnen.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit ErfolgenAber eigentlich war ich von der Messe schon etwas geschafft um noch angestrengt zu verkosten. Die Dichte an bekannten Leuten war hier zudem auch extrem hoch. Diese Champagner-Verkostung auf dem Rheinturm war sehr wahrscheinlich die Veranstaltung mit der größten digitalen Reaktion. Zugleich war es auch nicht piefig sondern sehr entspannt. Genau das was man nach einem langen Messetag braucht. Erfrischender lebendiger Champagner und lässige Stimmung.

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Am dritten Messetag ging es morgens zu der kreativsten Einladung, die ich dieses Jahr zu einem Stand auf der ProWein bekommen habe. Und zwar hatten die drei Winzer der „Rheinfront“ zum Weck-Woscht-Woi geladen. Das sind Georg Albrecht Schneider aus Nierstein, Lamberth aus Ludwigshöhe und Hiestand aus Guntersblum. Die drei Weingüter aus Rheinhessen lockten also mit einem typischen Fleischwurstfrühstück an ihren Stand. Und da regionale Authentizität allemal wichtiger ist, als die Sterneküche, und gute Ideen von mir mehr geschätzt werden als Marketing-Millionen ging ich da hin. Bei dem hohen Qualitätstand der Weine sollte man hier mal probieren. Ich bin mir sicher, dass man von diesen Weingütern noch etwas hören wird. Ein ausführlicher Artikel ist bei uns jedenfalls noch in Vorbereitung.

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Von der D.O. Rueda gab es eine Fachverkostung von 9 (natürlich weißen) Weinen von David Schwarzwälder. Dieser führte mit seiner ehrlichen und „kurz knackigen Art“ kenntnisreich durch einige Höhepunkte des Anbaugebiets. Ich bin seit langer Zeit ein Fan von Weinen aus Rueda. Ich mag diese frische Stilistik. Und das sah man schon an der Verkostungsliste: Sieben der neun Weine waren recht jung und zwar aus 2013. Das ist nicht ungewöhnlich, denn seinen Rueda sollte man möglichst bald auch trinken. Jedenfalls lohnt bei diesen Weinen (mit ganz wenigen Ausnahmen) keine Lagerung.

Ein Punkt sprach Schwarzwälder offen an. Vor einigen Jahren war der Einsatz von den selben Reinzuchthefen in dem Gebiet recht verbreitet. Heute gibt es auch viele Betriebe mit Spontanvergärung. Und man merkte bei der Verkostung eindrücklich, dass die geschmackliche Varianz nicht zu unterschätzen ist. Schwarzwälder nannte neben der frischen Frucht und der knackigen Säure die bodenbetonten und die kräutrigen als zwei Grundtypen im Wein aus Rueda.

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Mein Favorit in dieser Verkostung war der Verdejo von der Finca Montepedroso aus 2013. Er ist klar mit einer rassigen Säure, die lebendig im Nachhall stehen bleibt. So frisch kann man Weißwein aus Rueda lieben. Bei einem Preis von ca. 9 Euro ist er mehr als erschwinglich. Ebenso sehr gut fiel mir der Prius de Morana Verdejo 2013 auf. Er kann als fruchtig-frisch bezeichnet werden und besticht durch seine stimmige Ausgewogenheit. Es ist schon erstaunlich, dass dieser Wein vor einigen Jahren von einem Discounter verschleudert wurde. Ein fairer Preis liegt aus meiner Sicht auch über den ca. 6 Euro, die da derzeit ungefähr am Markt bestehen.

Bei Verdejo aus Rueda macht aber nicht nur der Preis Spaß. Es handelt sich um eine fast ausnahmslos wiedererkennbare Stilistik. Es gab zwei Weine, die davon etwas abweichen und so in Deutschland noch nicht sehr bekannt sind. Zum einen war da ein fassgelagerter Verdejo (so etwas habe ich hier schon mal erlebt). Zum zweiten wurde da ein nicht ganz trockener Wein ausgeschenkt. Man kann sich fragen ob man so etwas hier braucht. Aus meiner Sicht tut sich die Region eher einen Gefallen an ihrer Profilschärfe zu arbeiten. Zugleich war sicherlich gerade der Verdejo aus Fassausbau im positiven Sinne beeindruckend.

20 Jahre ProWein 2014 Ein Jubiläum mit Erfolgen
Als letzte Station auf der ProWein stand die Weinschule von Bordeaux auf dem Zettel. Nein wir mussten hier nicht nachsitzen. Es war eher ein Vergnügen der Veranstaltung „Wein und Speisen“ mit Sabine Ernest-Hahn beizuwohnen. Ihr Fachbuch kann mit vollem Recht als Standardwerk für die Gastronomie bezeichnet werden. Es wurden vornehmlich Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand Cru aus den Jahren 2004 bis 2012 probiert. Dazu gab es vier verschiedene Speisen, die auf ihre Harmonie hin überprüft wurden. Dabei passte natürlich alles, wobei die Veränderung der geschmacklichen Wahrnehmung sehr interessant war. Besonders groß ist die Herausforderung bei dem Käse.

Es gab neben den hier Vorgestellten eine Reihe weiterer geführter Verkostungen und andere Veranstaltung auf der ProWein. Etwas schade ist, dass die Diskussionskultur etwas zurückhaltend war. Zum Teil gibt es dann weder Zeit für Fragen, noch für Anmerkungen. Das ist etwas unpassend. Zum einen erleben wir gerade mit der Entwicklung des Netzes vielfältige Möglichkeiten der Meinungsäußerungen. Das kann man mit einer Veranstaltung nutzen. Zum zweiten ist die ProWein ein Fachmesse, also mit Fachbesuchern. Und diese haben meist nicht nur Grundkenntnisse.

Aber evtl. hängt das auch damit zusammen, dass die Messezeit kostbar ist. Das hört man an vielen Ecken der ProWein. In jeder Minute vergehen hier 60 Sekunden. Also schnell hinmachen? Aber nein. Nach zwanzig Jahren Erfahrung auf der internationalen Weinfachmesse sollte jeder die Gelassenheit entwickelt haben, sich nicht hetzen zu lassen und da drüber zu stehen. Man kennt dies von jedem Strandverkäufer in südlichen Ländern: Derjenige der versucht Zeitdruck zu erzeugen, will einen übers Ohr hauen. Das hat aber nichts auf einer Fachmesse für Wein zu suchen.

So, das war‘s mit unseren Erlebnissen auf der ProWein 2014. Wie immer auf so einer riesigen Messe: Es gibt bei so vielen Angeboten tausende Möglichkeiten dahin zu kommen wo man hin will. Entscheidend ist was du draus machst. Ein paar Schuhe sind durchgelaufen. Viele zumeist freundliche Menschen gesprochen, Weinfreunde wiedergetroffen und einige Weine nicht gesoffen sondern probiert. Alle sind hinterher hoffentlich etwas klüger. Auch wo die Reise im Bloggerland hingehen kann, ist (zumindest mir) wieder etwas klarer.

Die im Artikel vorkommenden Fotos und weitere optische Eindrücke gibt es in einem größeren Format in unserem Bilderbuch von der ProWein 2014 auf facebook.