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Archiv für die 'Verkostungen nach Land/Region' Kategorie

Weinrallye #110: Terrazas Altos del Plata Chardonnay

Freitag, 26. Mai 2017

terrazas altos del plata chardonnay Es ist wieder Weinrallye. Diese Runde ist von mir selbst ausgerufen worden. Ihr Thema ist Chardonnay. Der ChardonnayDay ging gestern rund um die Welt und so habe ich auch einige Eindrücke mitgenommen. Nun habe ich den Chardonnay Altos del Plata von Terrazas im Glas. Okay der Jahrgang 2013 ist bei diesem Wein nicht mehr der Neuste. Da ist inzwischen von diesem Erzeuger 2015 am Markt. Trotzdem: Diese Rebsorte kann das eigentlich ganz gut verkraften. Bei Terrazas ist der Chardonnay nicht wirklich der Fokus. Alles konzentriert sich hier auf den Malbec. Der Chardonnay ist zwar hierzulande häufig als die weiße Rebsorte aus Argentinien schlechthin bekannt. Jedoch ist mengenmäßig vielmehr der aus dem Sherry bekannte Pedro Ximenez stärker (auch kurz PX genannt). Vor ca. 20 Jahren war dies mit einem Anteil von 20% die wichtigste Rebsorte überhaupt in Argentinien. Seitdem haben die roten Sorten aber sehr stark zugelegt. Vor allem der Malbec.

Das Weingut Trazzas gehört heute zum Luxus-Konzern LVMH. Vor dem kennt man ja vorallem die recht teuren braunen Handtaschen für Frauen. Im Jahr 1960 war es das erste Investment von Moet et Chandon außerhalb von Frankreich. Die Qualität hat bei Terrazas in den letzten Jahren wesentlich zugenommen. Die Weinberge in den argentinischen Anden liegen auf einer Höhe von ca. 1200 Metern. Das ist schon so einiges. Das Klima unterschiedet sich stark von anderen Weinregionen. Auf der Höhe gibt es sehr kühle Nächte. Zudem gibt es hier sehr wenig Niederschlag. In Bordeaux z.B. fällt im Jahr 5 mal so viel Regen wie in den Weinbergen von Terrazas. Mendoza ist die größte und bedeutendste Weinregion in Argentinien. Bei Terrazas ist Gonzalo Carrasco als Kellermeister zuständig.

Terrazas Altos del Plata Chardonnay verkostet

Dieser Chardonnay bringt ein dunkleres Strohgelb ins Glas. In der Nase sind reife fruchtige Noten in Richtung Pfirsich mit Kastanien, Heu und Honig. Der Gaumen ist beim Altos del Plata von Terrazas packend und wuchtig. Die Trauben für diesen Chardonnay müssen sehr reif gewesen sein. Ganze 14% Alkohol bringt der Wein ins Glas. Für kalte Nächte ist das auch ganz schön. Der Holzausbau ist bei diesem Chardonnay unverkennbar. Er ist jedoch gekonnt. Ich finde diesen Wein ganz gut, auch wenn es sicherlich auch feinere Vertreter dieser Rebsorte gibt. Erstaunlich ist jedoch wie die Säure hier trotz dieser Opulenz doch so einige Frische erzeugt.

Terrazas Altos del Plata Chardonnay
Argentinien – Mendozza
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14 %
Jahrgang: 2013
Preis: 14 Euro
Verschluss: Schrauber
EAN 7790975017037

Ravenswood Zinfandel Old Vine Lodi Zin

Montag, 1. Mai 2017

ravenswood lodi old vine zinfandelJetzt gibt es den Lodi Zinfandel von Ravenswood ins Glas. Draußen ist es ja schon wieder wie 7 Tage Regenwetter. Die Temperaturen sind im Keller und so hole ich aus selbigen einen Winterwein. Lange habe ich den Zinfandel aus Kalifornien etwas geringschätzig angesehen. Doch ein 2001er von Robert Mondavi aus dem Napa Valley hat für mich diese Rebsorte gerettet. Dieser Zin war 15 Jahre alt und stand noch sehr gut da. Ich muss dazu schreiben, dass er aus einer gehobenen Linie von Mondavi war. Mein Vorurteil zuvor war recht simpel: Alkoholreiche Rotweine mit überbordender Frucht. Auf die einfachen Qualitäten trifft dies leider zu häufig auch zu.

Doch nun zum Zin von Ravenswood. Dieser stammt aus dem Gebiet Lodi. Dort gibt es warme Tage und kalte Nächte. Die sandigen Böden mit Kieselgestein zwingen die Pflanzen tiefe Wurzeln zu bilden um an Wasser zu gelangen. Old Vines sind bekanntlich alte Reben. Teilweise sind diese schon 100 Jahre alt. Der Zin von Ravenswood in Lodi ist traditionell der erste, der geerntet werden muss. Ganz interessant bei diesem Rotwein ist, dass zwar nur einer Rebsorte auf der Flasche steht. Er besteht aber aus 76% Zinfandel und 24% Petite Sirah. Der Wein wird 12 bis 18 Monate in Holzfässern ausgebaut. Von diesen sind 30% neu.

Ravenswood Zinfandel Old Vine Lodi verkostet

Und ab geht es ins Glas. Hier zeigt sich der Zin aus Lodi dunkel violett. In der Nase ist eine würzige Fruchtaromatik mit dezenter Brombeere und frisch geernteten Blaubeeren. Der gekonnte Ausbau in französischem Holz spiegelt sich mit einer gut passenden Vanillenote wieder. Leider kann man die 14,5% Alkohol etwas riechen, was mich wieder zu meinem eingangs erwähntem Vorurteil bringt. Das ist nicht dramatisch. Der Gaumen ist schön und entschädigt diesen kurzen Einblick. Hier wirkt dieser Wein von Ravenswood angenehm weich. Fruchtig geprägt bringt eine präsente Säure angenehme Frische und sorgt damit für Trinkfluss. Auch nach hinten wirkt der Zinfandel nicht fett. Der Nachhall ist eigentlich das Schönste an diesem Wein. Die frühe Ernte bei den Old Vines hat sich ausgezahlt. Für 15 Euro ist das ein schöner Wein aus Kalifornien. Danken möchte ich Alexander für die Empfehlung von Ravenswood. Hier sein Artikel.

Ravenswood
Zinfandel
Old Vine Lodi
Kalifornien – Lodi
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14,5 %
Jahrgang: 2014
Verschluss: Presskorken
EAN: 715826102967

Weinrallye #108: Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese

Freitag, 31. März 2017

juliusspital-wurzburger-stein-rieslingEs ist wieder einmal Weinrallye. Stefan von Baccantus hat das Thema Süßweine ausgerufen. Nachdem ich bei der letzten Runde mich an zahlreichen Vorurteilen abgearbeitet hatte, gibt es jetzt schon wieder einen Bocksbeutel aus Franken. Man merke: Zwei unterschiedliche Rallyethemen und bei mir selbe Region und Flaschenform. Es geht nun um eine Auslese vom Würzburger Stein aus der Rebsorte Riesling. Der Erzeuger ist das allseits beliebte Juliusspital.

Wer das Juliusspital nicht kennen sollte: Dies ist tatsächlich auch ein Spital mit 365 Betten in Würzburg. Doch die Weinproduktion ist mir eine liebere Sache. Im Juliusspital werden jährlich ca. 60 verschiedene Weine erzeugt. Mit 172 Hektar bewirtschafteter Rebfläche und über einer Millionen Flaschen im Jahr ist es eines der größten Weingüter Deutschlands. Doch die Größe darf keinesfalls von der Klasse des Juliusspitals ablenken. Viele sehr bedeutende Lagen werden bewirtschaftet. Darunter eben auch der Würzburger Stein. Diese etwas wärmere Lage in Franken eignet sich ganz gut für GGs oder restsüße Weine.

Und da sind wir beim Rallyethema. Die nun zur Verkostung angestellte Auslese ist mit dem Jahrgang 2015 jetzt noch extrem jung. Solche Weine kann man recht lange lagern. Ihre Rebsorte Riesling ist nur die zweit wichtigste beim Juliusspital. Mehr als doppelt so viel Silvaner baut dieses Weingut an. Die Auslese kommt mit einem Schrauber daher. Dieser ist beim Juliusspital erfreulicher Weise sehr verbreitet. Ich weiß gar nicht, ob überhaupt dort noch anders verschlossen wird.

Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese verkostet

Knack, Knack, Flasche ist offen. Der Riesling zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb im Glas. In der Nase sind vollreife Früchte. Im Zentrum steht eine saftige Physalis neben reifem Pfirsich. In der zweiten Nase ist Quittengelle mit saftiger Birne. Dezent ist im Hintergrund eine Pink Grapefruit. Man riecht schon, dass die Trauben sehr reif waren. Natürlich kann man die Restsüße eines Weines nicht riechen, aber der Eindruck entsteht schon in der Nase. Am Gaumen merkt man über die Textur die hohe Restsüße. Dann kommt tatsächlich auch etwas Süßes. Aber die sehr präsente Säure lässt diese Auslese sehr frisch erscheinen. Das macht Spaß. Die Länge ist hervorragend mit einer verspielten Mandarine, bei der man merkt, dass es eine Zitrusfrucht ist.

wuezburger-stein-riesling-ausleseDie Flasche kommt jetzt aber nach einem Probeschluck wieder in den Kühlschrank. Da ist jetzt ein Elchtest angesagt. Mal schauen, wann diese Auslese aus dem Würzburger Stein umfällt. Für 17 Euro ist die 0,5-Liter Flasche ein richtiges Schnäppchen. Zu den Silvanern und Rieslingen vom Juliusspital will ich noch erwähnen, dass ich die Iphöfer Weine eigentlich bevorzuge. Die sind aus meiner Sicht – in den niedrigeren Prädikaten – häufig etwas verspielter und schlanker. Sicherlich: Prestigeträchtiger ist der Würzburger Stein. Hier habe ich mal vor ca. 7 Jahren die Lage umfangreich verkostet.

Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling trocken

Montag, 13. März 2017

administration-prinz-von-preussen-rieslingIch habe jetzt den Erbacher Michelmark Riesling trocken von der Administration Prinz von Preussen im Glas. Dieser wurde mir vorgestern zugeschickt. Häufig brauche ich etwas Zeit um mir über Weine im Klaren zu sein. Bei diesem ist das anders. Und ich muss bei diesem Riesling aus dem Rheingau gleich mit dem Resümee anfangen. Sonst kann man diesen Blogbeitrag vollkommen falsch verstehen. Der Erbacher Michelmark ist seine 6,99 Euro in Handel vollkommen wert. Ein Riesling der Spaß macht. Fast alles drum herum irritiert mich eher.

Was ist die Administration Prinz von Preussen?

Doch fangen wir nun von vorne an. Der Erzeuger Administration Prinz von Preussen – nicht zu verwechseln mit dem Weingut Prinz von Hessen aus dem nahe gelegenem Johannisberg im Rheingau – ist mir unbekannt. Der Name tauche schon einmal auf. Damals wurde es auch als Schwesterweingut des Schloss Reinhartshausen in Eltville bezeichnet. Die Flaschen hatten allerdings ein königsblaues Etikett. Nun ist dies in einem knalligem Orange. Bei diesem Wein aus dem Erbacher Michelmark handelt es sich um eine Abfüllung. Die Adresse des Abfüllers ist lediglich mit einer Postleitzahl in Eltville angegeben. Auf dem Etikett dieses Rieslings steht „Rheingauer Tradition seit 1855“. Ich vermute, dass dieses Datum auf den Verkauf des Schloss Reinhartshausen an Marianne von Preussen zurückgeht. Nach ihr ist auch die benachbarte Insel Mariannenaue benannt.

riesling-erbacher-michelmark-erste-lageZurück zu dieser Weinflasche. Ein angehängtes Etikett erhärtet die Vermutung, dass die Administration Prinz von Preussen mit in Inhabern vom Schloss Reinhartshausen zusammenhängt. Darauf steht: „Je enger die Herkunft eines Weines gefasst ist, desto höher seine Qualität“. Dies ist eigentlich das Motto vom Schloss Reinhartshausen. Hier wird es zum Credo der Administration. Dann geht es auf diesem Flaschenanhänger noch um das „handwerkliche Können der Weinmanufaktur“. Sprachlich scheint mir das nicht schön zu sein und es ist irgendwie doppelt Gemoppelt.

Zur Lage Erbacher Michelmark

Erbach – heute ein Stadtteil von Eltville – hat viele sehr bedeutende und großartige Lagen. Der VDP hat einige von diesen als Erste Lage klassifiziert. Diese sind dem Freund hervorragender Rieslinge auch bekannt: Es sind die Erbacher Lagen Marcobrunn, Steinmorgen, Hohenrain, Siegelsberg und Schlossberg. Konsequent listet der verbandsunabhängige „Weinatlas Deutschland“ diese Einzellangen als privilegierte Lagen des Rheingaus auf. Der mit 53 Hektar wesentlich größere Erbacher Michelmark hingegen taucht dort – ähnlich wie die benachbarte Kiedricher Sandgrub – in der einfacheren Kategorie der guten Lagen auf. Trotzdem bezeichnet die Administration Prinz von Preussen ihren Wein als „aus unserer Ersten Lage“.

Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling trocken verkostet

Kommen wir zum erfreulichen Teil: Der Riesling zeigt sich in einem strahlend hellem Strohgelb im Glas. Eine leicht fruchtige Aprikose steht im Zentrum in der Nase. In der zweiten Nase sind Ananas und helle Früchte zu riechen. Erfreulich strahlig und animierend frisch mit knackiger – für den Rheingau typischer – Säure präsentiert sich dieser Riesling am Gaumen. Pfirsich und Maracuja begleiten in einen recht langen Nachhall. Insgesamt ein guter Riesling. Aber sicherlich ist es kein Wein der Spitzenklasse. Das kann man bei dem Preis auch nicht erwarten. Einige Kollegen des VDP bringen bei 8,99 Euro eine vergleichbare Qualität in der Flasche. Ich fände eine Verkostung dieses Rieslings in einem Flight vom Schloss Rheinhartshausen durchaus mal interessant. Den Erbacher Michelmark aus 2016 gibt es bei Netto Marken-Discount (also bei dem Netto ohne Hund).

Abfüller: Administration Prinz von Preussen
Erbacher Michelmark
Riesling trocken
Deutschland – Rheingau
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2016
AP-Nr: 32102 003 17
Verschluss: Schrauber
EAN: 4005055736993

Weinrallye #107 Vorurteile, Müller und Bocksbeutel

Samstag, 25. Februar 2017

weinrallye vorurteile bocksbeutel müllerBei dieser Weinrallye wollte ich auf jeden Fall mitmachen. Es geht um Vorurteile. Ausgerufen wurde diese Runde von Torsten Hammer vom Priorat Hammer. Entstanden ist sie durch eine Diskussion im sozialen Netzwerk mit dem blauen Logo um Dornfelder und Trollinger. Mit Vorurteilen ist diese Weinwelt jedenfalls gut bestückt. Ich will mich hier gleich mit zweien davon beschäftigen. Beide bröckeln doch recht stark. Somit meine ich ein leichtes Spiel zu haben. Das eine ist der Bocksbeutel. Das andere die Rebsorte Müller-Thurgau.

Doch zuvor: Was sind eigentlich Vorurteile? Ihr Ruf ist äußerst schlecht. Wie der Name schon sagt, ist es ein Urteil, welches gefällt wird, bevor etwas wirklich geprüft ist. Es handelt sich dabei häufig um eine Verallgemeinerung aufgrund ähnlicher Erfahrungen. Das ist für die menschliche Geschichte jedoch notwendig. Es kann nicht alles immer im Detail geprüft werden. Und wenn zwei rote Pilze mit weißen Flecken giftig sind, ist es besser nicht weiter zu probieren. Problematisch ist es nur, wenn auf einer etwas dünnen Datenbasis verallgemeinert wird. Oder wenn Dinge völlig zu Unrecht in Verruf geraten.

Ist der Bocksbeutel hausbacken?

Dafür ist der Bocksbeutel ein gutes Beispiel. Er galt lange als hausbacken. Eventuell waren das auch einige Weine in diesen seltsamen Flaschen. Über die Entstehung des Namens gibt es auch zwei unterschiedliche Geschichten. Viele Weingüter in Franken schwenkten auf die Bordeaux-Flasche um. Eigentlich gibt es bei jüngeren Weinkonsumenten schon seit Jahren eine deutliche Gegenbewegung. Vielmehr hat man erkannt, dass im globalen Wettbewerb regionale Zuordnung immer wichtiger wird. Das gilt nicht nur für die örtliche Vermarktung und Identität. Auch das Image einer Region sollte deutlich werden.

Das ist für mich in Franken der Bocksbeutel und darin ein Weißwein. Idealer Weise sollte dies ein Silvaner oder Riesling sein. Aber auch die Scheurebe und der Weißburgunder ist hier anzutreffen. Und eben der Müller-Thurgau. Bei dieser Rebsorte mit häufig recht billigen Weinen habe ich auch begonnen zu vereinfachen: Flache belanglose Weine ohne Spannung und Ausdruck. Ein Müller-Thurgau war aus meiner Sicht lange Zeit – mit wenigen Ausnahmen – uninteressant. Ich habe in den 13 vergangenen Jahren dieses Weinblogs nur zwei Weine der Rebsorte Müller-Thurgau verkostet. Dabei hat mir nur dieser eine aus Sachsen aus dem Jahr 2007 gefallen. Der hat aber damals schon 13,50 Euro gekostet.

weingut augustin der müller bocksbeutelDoch das Bild dreht sich. Es ist sicherlich nicht so, dass nun plötzlich jeder Müller-Thurgau gut oder irgendwie interessant ist. Doch es gibt immer mehr davon. Einen habe ich nun zur Verkostung angestellt. Dieser stammt vom Weingut Augustin aus Sulzfeld. Ich habe schon einmal einen Silvaner von diesem Weingut hier anlässlich der Auszeichnung als „Entdeckung des Jahres“ im Gault Millau hier verkostet. Hier auch noch ein Interview mit Arno Augustin von damals.

Weingut Augustin Franken Bocksbeutel Connection DER MÜLLER verkostet

Über die neue Bocksbeutel-Flasche könnte man einmal diskutieren. Da scheiden sich die Geister. Ich denke es ist jedoch eine Frage der Gewöhnung. Nun knackt jedoch der Schrauber. Im Glas zeigt sich der Müller vom Weingut in einem kräftigeren Strohgelb. In der Nase ist bei diesem Weißwein aus 2015 reifer Pfirsich mit etwas Ananas. In der zweiten Nase habe ich Rosinen. Das Ganze ist duftig, wirkt aber nicht billig parfümiert wie bei den kritischen Vertretern dieser Rebsorte. Was mir an dem Wein gefällt? Er bringt eine dezente Würze und eine erfrischende Säure an den Gaumen. Dabei entsteht eine Spannung. Eine vielschichtige Aprikosenaromatik begleitet eine schöne und harmonische Länge. Der Wein mach bei 7,50 Euro richtig Spaß. Das ist DER MÜLLER!

Das war es. Die Rallye war gestern. Ich bin also zu spät. Schon wieder. Hoffentlich entwickelt sich daraus kein Vorurteil. Die Zusammenfassung gibt es jedenfalls schon hier beim Priorat Hammer. Und noch eine Zusammenfassung beim Mitinitiator Gottfried Stutz. Oh, das Thema war eingentlich “Vorurteile ZurechtStutzen”. Ham wa jemacht.

Weingut Augustin
Der Müller
Müller-Thurgau trocken
Deutschland – Franken
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 486 026 16
Verschluss: Schrauber
EAN: 4260406540074

Barahonda barrica Monastrell Syrah Yecla

Mittwoch, 15. Februar 2017

barahonda barrica monastrell syrah yecla
Jetzt gibt es den Barahonda barrica aus Yecla. Dieses Gebiet liegt bekanntlich in Spanien. Monastrell ist hier die weit verbreitete Rebsorte. Im Barahonda ist auch noch etwas Syrah verarbeitet. Ich habe zu diesem Rotwein gegriffen, weil das Etikett 91 Punkte bei Parker auslobt. Nicht weil ich Robert Parkers Stil so gerne mag. Oder weil ich das für eine gute Vermarktungsart halte. Nur so als Test. Gar nicht einmal, weil ich dem vertraue. Dieser Barahonda stand für 6,66 Euro als Sonderangebot in einem Supermarkt. Mal eben gecheckt: Mehrere Online-Händler verkaufen diesen Wein für 6,99 Euro. Na dann mal tolles Angebot und so richtig Geld gespart. Aber darum sollte es bei gutem Wein eigentlich ohnihon nicht gehen. Also, wie schmeckt der Barahonda barrica? Und ist er die vielen Punkte und das Geld wert?

Barahonda barrica Monastrell Syrah Yecla verkostet

Die Rebsorte Monastrell neigt häufig etwas zur Alkoholbildung. Ganze 14,5 Prozent sind es auch bei diesem Wein. Rebsortentypisch ist der Barahonda sehr dunkel im Glas. In der Nase sind Brombeeren und etwas Unterholz. Eine würzige Note zeigt sich in der zweiten Nase. Muskatnuss und Nelke sind hier auffällig. Am Gaumen ist der Wein füllig mit dezent Spannung erzeugender Säure. Bleibt auch etwas stehen. Aber wenig interessant. Aus meiner Sicht ist der Baraonda eher eine hochgezüchtete Knallerbse.

barahonda yecla monastrell syrah
Ganz ehrlich: Mir erklärt sich nicht wie so ein banaler Rotwein mit 91 Punkten bewertet wird. Für mich ist das eher eine saubere Einstiegsqualität. Macht mir nicht wirklich Spaß, ist aber fehlerfrei. Im mittleren 80er Bereich ist solch ein Wein bei den Punkten besser angesiedelt. Naja, wir leben eben im Zeitalter der Inflation der großen lobenden Worte und Punkte. Noch eine Sache: Auf dem Rückenetikett der Flasche steht, dass dieser Rotwein vegan ist. Na Okay.

Spanien – Yecla
Erzeuger: Bodegas Senorio de Barahonda
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14,5 %
Jahrgang: 2012
Einkaufspreis: 6,66 €
Quelle: Supermarkt
EAN: 8437006931106