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Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso

Freitag, 19. Juni 2015

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Die Spannung könnte kaum größer sein. Bei der Blind-Tasting Challenge mit Paolo Basso gibt es bei zwei Teilnehmern schon vor dem Einlass in den Verkostungssaal Unmut. Der verzögert sich, weil noch nicht alle Weine an den Plätzen der Verkoster bereit stehen. Die Teilnehmer warten vor einer Schwingtür, bei der man sogar die Scheiben – nur für diese Veranstaltung – mit Milchglasfolie versehen hat. Die Aufregung ist verständlich: Man musste sich schließlich einige Zeit vorher im Internet für die Teilnahme an dieser Challenge registrieren. Und nicht jeder in der Schlange ist sich sicher, ob sein Name auf der Liste steht. Manche haben die Email-Bestätigung von der Anmeldung ausgedruckt dabei. Und auch ich schaue noch mal sicherheitshalber bei meinem Handy im digitalen Posteingang nach.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Der Einlass beginnt. Seinen Platz darf man frei wählen. Kurz vor 11 Uhr geht es dann los. Kein geringerer als Guillaume Deglise (CEO von der Vinexpo) stellt den Wettbewerb und Paolo Basso vor. Jedem ist bewusst, dass es jetzt um die eigenen Fähigkeit als Verkoster von Wein geht. Keine Veranstaltung zum Zuhören, wo man dann über den Referenten lästern kann, weil er irgendetwas falsch gemacht hat. Die eigenen Verkostungsfähigkeiten werden jetzt geprüft. Eine Prüfung. Vor allen Teilnehmern stehen 10 befüllte Weingläser auf dem Tisch. Eine Flasche Wasser, ein Stift und einen Notizblock gibt es auch noch. Den Spucknapf muss man sich mit seinem Nachbarn teilen. Die ersten vier Weine sind weiß, dann folgen 5 Rotweine und schließlich ein süßer reifer Wein. Das riecht man schon. Und man sieht es an der Farbe.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Bei den anderen Weinen herrscht eine ziemliche Unsicherheit, was man da denn ins Glas bekommen hat. Ich frage mich: Habe ich irgendwo Heimvorteil? German Riesling etwa? Da würde ich mir durchaus zutrauen mit einer gewissen Treffsicherheit – die deutlich über der Wahrscheinlichkeitsrechnung liegt – zumindest auch noch die Region und die Stilistik zu erkennen. Fragen über Fragen, die man sich selbst stellt. Aus solchen Überlegungen herausgerissen: Mit dem ersten Wein geht’s los.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Während man selbst verkostet, beschreibt Paolo Basso die Weine. Dabei gibt es aber nicht wirklich Hinweise. Manches erscheint mir nachvollziehbar. Anderes nicht. Und Paolo Basso hat ganz offensichtlich eine sehr kreative und erfrischende Art Weine zu beschreiben. Das schätze ich an ihm: Er bringt mich auf neue Ideen. Das ist unterhaltsam, aber nicht in dieser im Grunde ziemlich albernen Slapstick-Manie, die in Deutschland leider in den vergangenen Jahren immer mehr grassiert. Ich versuche aus dem von Paolo Basso gesagten irgendetwas abzuleiten. Was soll ich denn nun in die drei Felder pro Wein eintragen? Insgesamt gibt es bei dem Wettbewerb 100 Punkte. 5 Punkte für das richtige Erzeugerland drei Punkte für die Rebsorte und zwei für den Jahrgang. Pro vollkommen richtig erkannten Wein sind es also 10 Punkte, so rechne ich. Und schon gibt es eine Nachfrage von einer anderen Teilnehmerin. Meint die Rebsorte die Hauptrebsorte oder sind die Weine alle jeweils nur aus einer Rebsorte? Das erste trifft zu. Schon wieder versuche ich daraus eine Bedeutung für meine Einträge in die insgesamt 30 Felder herauszuhören.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Um sich herum hört man ständiges Schlürfen. Ab und zu klingen Gläser aneinander. Das Spucken der Weine geschieht lautlos. Das Tempo dieser Blindverkostung ist nicht zu schnell. Ich verkoste sehend häufig durchaus zügiger. Guillaume Deglise stellt zwischendurch unterhaltsame Fragen an Paolo Basso. Das wirkt entspannend. Trotz dem Willen zu gewinnen, wird es zu einer freundlichen Veranstaltung – mit Humor bisweilen sogar. Ich vergesse fast schon die Bedeutung hier im Wettbewerb gut abschneiden zu wollen. Gewinnen ist ohnehin gar nicht das Ziel. Dabeisein ist alles.

Blind-Tasting auf der Vinexpo mit Paolo Basso

So geht es von einem Wein zum nächsten. Immerhin glaube ich den Weißwein aus dem Burgund richtig zugeordnet zu haben. Meine Lösung ist also Frankreich und Chardonnay. Der Fasston legt nahe, dass es nicht 2014 ist, aber je nach Dauer des Hefelagers kann man sich beim Jahrgang nur schwer festlegen, außer man kennt die Jahrgangsspezifik bei den Weißweinen im Burgund. Aber auch die Lage und der Winzer haben erhebliche Einflüsse auf die Weine. Und dass es hier um einige wirkliche herausragende Weine geht, hatte ich schon vorher erfahren. Beim Gewürztraminer bin ich mir der Rebsorte fast sicher. Es könnte aber auch eine andere Aromasorte sein. Die Region ist nicht wirklich einfach. Der Wein ist gar nicht so opulent, sondern recht feingliedrig, so scheibe ich Italien wegen Südtirol. Die Rotweine empfinde ich als recht schwierig zuzuordnen. Dann werden die Zettel eingesammelt. Und ich ahne böses.

Gleich bei der ersten Auflösung liege ich daneben, was etwas peinlich ist. Denn es handelt sich um einen Verdejo aus Rueda. Peinlich, weil ich erst im vergangen Jahr dort war und intensiv verkostet habe. Ich habe den locker für einen Sauvignon Blanc gehalten. Sicherlich ist der Rebsorte nicht unähnlich. Aber mir war eigentlich klar, dass dieser Weißwein aus Europa kommt. Das Land wusste ich nicht. Nach dem Gesetz der großen Zahlen habe ich dann trotzdem einfach Neuseeland hingeschrieben. Mist. Aber wenn man den Verdejo nicht erkannt hat, ist auch nicht auf das Erzeugerland Spanien gekommen.

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Der Gewürztraminer kam nun bei der Auflösung aus dem Elsass. Das war nicht wirklich einfach zu erkennen. So fehlte dem Wein aus meinem Eindruck bei der Blindverkostung der dort übliche kräftige Körper. Bei den Rotweinen hatte ich dann ein paar Rebsorten richtig erkannt. Da waren ein Pinot Noir (aber wer kommt schon auf die richtige Lösung bei der Herkunft: USA) und ein Malbec, den hätte ich eher nach Frankreich verortet und nicht nach Argentinien. Das meinte ich von der Säurestruktur so zu erkennen. Falsch! Bei dem Barolo habe ich nicht mal das Land zuordnen können. Und ich fand den ehrlich gesagt nicht wirklich lecker. Das ist nun mal Blind.

Beim letzten Wein war ich nur knapp daneben. Ich hielt es für einen süßen PX-Sherry, also Spanien. Es war jedoch ein Moscatel aus Portugal mit Anteilen, die ca. 20 Jahre alt waren. Geografisch dicht daneben, aber vorbei. Meinen Punktestand möchte ich im Nachhinein lieber nicht erfahren. Es war aber eine sehr spannende und schöne Gelegenheit wieder einmal aus einer anderen Perspektive etwas über die eigenen Geschmacksnerven zu lernen. Und blind zu verkosten ist eben dann doch gar nicht so einfach. Damit meine ich nicht eine Blindverkostung, bei der man den jeweiligen Wein beschreibt und bewertet. Das ist eigentlich recht einfach. Aber bei großen Weinen von berühmten Erzeugern die eine sehr eigene Handschrift in die Weine bringen und nicht nur in der Mitte des Geschmackskorridors der Region liegen, sieht dies anders aus.

Üben für das Blind-Tasting

Mir war schon lange klar, dass ich nicht weit vorne mit dabei bin. Man merkte, dass einige Teilnehmer wirklich zielgerichtet trainiert hatten. Zielgerichtet heißt, man konzentriert sich auf nichts Besonderes und baut seinen Verkostungsplan über längere Zeiträume so auf, dass alles (und auch sehr abwegiges) einmal mit dabei ist. So etwas mache ich natürlich nicht. Ein strenges Trainingsprogramm würde mir den Spaß am Wein nehmen. Es wird von mir alles irgendwann mal probiert, aber bunt durcheinander. Und Weine, die nicht wirklich auf dem Markt sind, kommen bei mir selten ins Glas. So schön es auch klingt; es ist nicht mein Ziel jeden existierenden Wein blind zuordnen zu können. Wer kennt sich denn schon bei Weißwein aus Griechenland aus? Ja, klar Retsina erkennt man sicherlich auch ohne viel Ahnung vom Wein zu haben. Aber sonst?

Die große Challenge auf der Vinexpo: Ein Blind-Tasting mit Paolo Basso
Glückwunsch an den Gewinner Miguel Chan. Der in Johannisburg lebende Sommelier arbeitet für die Tsogo Sun Hotels. Und auch er schien selbst überrascht zu sein. Der Preis – eine Riesen-Flasche Champagne Bollinger Rose – tritt jetzt nach der Vinexpo die Reise nach Südafrika an, wo sie sicherlich viele Menschen zusammen beglücken wird. Man kann nach dieser Verkostung nur Respekt vor der Leistung mancher Sommeliers haben. Diese Blindverkostung mit Paolo Basso war ein echter Höhepunkt der Vinexpo. Zugleich war es am fünften Tag der Weinfachmesse in Bordeaux ein würdiger Abschluss. Ich habe nach einer kleinen Pause dann noch etwas hervorragende Champagner verkostet. Einen Bericht dazu werde ich in den kommenden Tagen noch nachreichen.

Fünf Fragen an Martin Kusej: Histamine im Wein

Dienstag, 28. April 2015

Histamine im Wein histaminfreier Wein Das Thema Wein ist lange kein reines Spaßthema mehr. Lebensmittelunverträglichkeiten nehmen immer mehr zu. Und da hört der Spaß dann für einige auf. Bei Wein ist neben dem Alkohol lediglich die Kennzeichnung von Sulfiten vorgeschrieben, was jedoch die meisten Weinkonsumenten eher verunsichert, als dass damit Klarheit geschaffen wird. Dann gibt es noch – jenseits der eigentlich wirklich gesundheitsrelevanten Thematik – veganen Weinen. Doch das Wissen über Histamine im Wein ist auch in der Weinfachwelt kaum verbreitet. Deswegen haben wir Martin Kusej von Histavino zu diesem Thema befragt.

Frage: Als Laie würde man vermuten, dass es Weine gibt, die automatisch weniger Histamin enthalten. Weißweine würde man da z.B. eher vermuten als Rotweine. Bioweine könnte man ganz spontan auch in diese Kategorie werfen. Gibt es Weinstile oder Rebsorten, die weniger Histamin enthalten?

Unter den histaminarmen/-freien Weinen gibt es sowohl Rosé-, wie auch Weiß- oder Rotwein. Die Rebsorte ist nicht entscheidend darüber, ob der daraus gemachte Wein mit oder ohne Histamin hergestellt wird. Nach dem Genuss von Rotwein werden Unverträglichkeiten eher beobachtet, als nach Weißwein.

Frage: Was sind Histamine? Wie entstehen sie?

Histamine sind eigentlich natürliche Substanzen. Sie befinden sich in einer Vielzahl an Lebensmitteln und werden außerdem vom menschlichen Körper selbst gebildet. Sie haben die Aufgabe, als Botenstoffe zu arbeiten und sind verstärkt an entzündlichen oder allergischen Reaktionen beteiligt. Sie werden im Körper von einem körpereigenen Enzym wieder abgebaut, das sich in der Darmschleimhaut befindet. Aus verschiedenen Gründen können Probleme auftreten.

Histamine im Wein histaminarmer Wein
Bilck in den Gärtank

Frage: Was machen die Winzer genau um histaminfreie Weine zu erzeugen?

Aufgrund jahrelanger Erfahrung können Winzer, die histaminarmen/-freien Wein produzieren, mittlerweile sehr gute solcher Weine anbieten. Die meisten von ihnen arbeiten biologisch und stellen nicht nur histaminarmen, sondern auch fructosearmen, sulfitarmen und veganen Wein her. Zur Herstellung werden neue BSA-Starterkulturen verwendet, die weniger oder gar kein Histamin bilden. Histaminarmer/-freier Wein wird pasteurisiert, also erhitzt, um die spontane Hefe- und Bakterienpopulation auszuschalten.

Frage: Schmecken histaminfreie Weine anders?

Solange die Pasteurisation korrekt durchgeführt wird, sodass sich keine Luftblasen im geschlossenen System bilden, verändert sich der Geschmack des erhitzten Weins nicht. Es wird nur aus emotionalen Gründen befürchtet, dass eine Geschmacksänderung stattfindet, weil der Vorgang der Pasteurisation fälschlicherweise mit dem Verkochen gleichgestellt wird. Die Qualität der histaminarmen Weine ist sehr hoch und jeder von ihnen hat ebenso einen individuellen, aber herausragenden Geschmack.

Frage: War es einfach die Weine für den Shop zu finden? Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Weingütern?

Nachdem ich mich aus persönlichen Gründen mit dem Thema Histaminintoleranz beschäftigt habe, weil ich mich nach dem Genuss von Rotwein nicht so wohl gefühlt habe, konnte ich einige Winzer in meiner Umgebung finden, die sowohl nach biologischen Grundsätzen anbauen, als auch Weine ohne bzw. wenig Histamin ausbauen. Die Erfahrung dieser Winzer basiert auf jahrelanger Entwicklung und hat dazu geführt, dass sie ausgezeichnete TOP-Weine anbieten.

Ich setze mich sehr für die biologische Wirtschaftsweise ein, was bei der Auswahl der Winzer, mit denen ich zusammenarbeite, eine entscheidende Rolle gespielt hat. Ein schöner Spruch von Darwin, den sich meine Kooperationspartner zur Aufgabe gemacht haben, lautet: „Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.“ Dafür steht auch Histavino – arbeiten mit der Natur, als Ziel Menschen mit einer Histaminunverträglichkeit zum Genuss zu verhelfen, denn es wäre doch schade, auf guten Wein zu verzichten, den uns die Natur geschenkt hat.

Kurzportrait
Da histaminarme Weine kaum im traditionellen Handel erhältlich sind, betreibt Martin Kusej einen Internetshop, in dem eine erstaunlich große Anzahl dieser Weine erhältlich sind. Das Motto ist hier “Arm an Histamin, reich an Geschmack”. Der Shop heißt Histavino.

French Wine Producer of the Year 2014: Laroche Chablis Premier Cru Les Fourchaumes Vieilles Vignes

Mittwoch, 22. April 2015

Laroche Chablis Premier Cru Fourchaume Das Traditionshaus Laroche in Chablis hat bei der IWSC den Preis „French Wine Producer of the Year 2014“ gewonnen. Zudem wurde der Chablis Premier Cru Les Fourchaumes Vieilles Vignes von diesem Erzeuger als bester Wein aus Frankreich in den „Top 100 Weinen“ der Zeitschrift Weinwirtschaft ausgezeichnet. Zu diesem Anlass verkosten wir nun den Weißwein. Neben Laroche gibt es sicherlich auch andere namenhafte, berühmte und bedeutende Erzeuger in Chablis. Und es gibt sicherlich auch größere Weingüter in diesem Weißweingebiet in Burgund. Doch kaum einer hat so eine lange und wechselhafte Geschichte wie Laroche mit seinen derzeit 269 Hektar Weinbaufläche, davon etwas über 100 Hektar in Chablis.

Alles geht zurück auf Jean Victor Laroche. Der einfache Weinbergarbeiter kaufte 1850 einen Morgen Weinberg. Über Generationen vergrößerte sich die Fläche. Jedoch waren die 1950er Jahre für das Chablis sehr schwer. 1960 wurden im gesamten Weinbaugebiet lediglich 600 Hektar bewirtschaftet (weniger als 15% der heutigen Fläche). Und dies mehr schlecht als recht: Frühjahrsfröste zerstörten die alljährlichen Bemühungen immer wieder. Der damals noch sehr junge Michel Laroche berichtete, dass er als er zu der Zeit mit dem Fahrrad nach Chabils unterwegs war, nur das obere Drittel der Grand Cru Lagen bepflanzt gesehen hatte.

French Wine Producer of the Year 2014 Laroche Chablis Heute ist das freilich ganz anders. Jeder Winzer wäre froh noch etwas mehr in den als Premier Cru oder Grand Cru klassifizierten Bereichen bewirtschaften zu können. Burgund gilt nicht ohnehin als die teuerste Weingegend der Welt für eine Verpachtung oder den Kauf eines Hektars. Das hat auch etwas damit zu tun, dass hier einfach niemand verkaufen möchte. Michel Laroche erkannte das Potenzial der Region recht früh. In den frühen 1970er Jahren erwarb er Flächen hinzu, studierte Weinkunde in Dijon und machte den Weinbau zu seinem Hauptberuf. Seitdem ist die Domaine Laroche in der Fläche nur noch kaum gewachsen. Alle Anstrengungen galten seitdem der Erhöhung der Qualität.

Weitere Meilensteine waren der Erwerb des ehemaligen Klosters L’Obediencerie (heutiger Firmensitz) im Jahr 1985 und eine Umstellung auf biologischen Weinbau bis 2010. Zudem hat man den Vertrieb bei Laroche international ausgerichtet. Heute macht der Export mit Vertrieb in über 80 Länder ganze 77% der jährlich über 6 Millionen Flaschen aus. Und das obwohl die Franzosen sehr gerne heimische Weine trinken.

Der nun vom „French Wine Producer of the Year 2014“ zur Verkostung stehende Weißwein kommt aus dem Premier Cru Fourchaume. Dieses liegt von dem burgundischen Ort Chablis aus nördlich hinter den klingenden Grand Cru Bougros und Preuses. Der Boden wird als Kimmeridgium bezeichnet. Der Muschelkalk hat hier einen hohen Anteil fossiler Austern. Nicht selten führt dieser Boden in Chabils zu Speiseempfehlungen aus dem Bereich der Meeresbewohner. Die Lage Fourchaume ist insgesamt 108 Hektar groß, von denen Laroche lediglich 3,1 Hektar bewirtschaftet. Das Weingut hat ungefähr 6 Hektar in den Grand Crus (Les Clos und Blanchot) und ca. 30 Hektar in den Premier Crus.

Laroche Chablis Premier Cru Les Fourchaumes Vieilles Vignes Der Jahrgang 2012 war in Chablis von einem außergewöhnlichen Sommer mit blauem Himmerl geprägt. Die bis zu 80 Jahre alten Reben im Premier Cru Fourchaume zeigten im Herbst eine optimale Reife. Es erfolgte eine Handlese mit strenger Traubenselektion. Der Anbau bei Laroche erfolgt nach biologischen Gesichtspunkten. Doch zum Wein selber. Der Les Fourchaumes Chablis Premier Cru zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb im Glas. In der Nase ist ein voller fruchtiger Duft mit gelben Blüten, Akazienhonig, Stroh und einem Touch Vanille. Schon hier merkt man, dieser Chablis war im Holz. Das ist durchaus nicht unumstritten. Es gibt Chablis-Puristen, die die Mineralität der Weine in Gefahr sehen. Jedoch ist dieser Holzeinsatz hier recht bedacht gewählt.

In der Nase erscheint mir der Fassausbau bei diesem Chablis Premier Cru von Laroche erst auch erst etwas deutlich, der Gaumen ist jedoch von einer sehr angenehmen Frische geprägt. Dazu trägt der nur geringe Restzucker von 1g pro Liter bei. Der Nachhall ist extrem lang. Hier spielt der Chablis mit seiner trockenen typisch burgundischen Kalkigkeit und sehr reif wirkenden gelben Früchten, die auch etwas ins buttrige gehen. Diese beiden Komponenten passen jedoch extrem gut, nicht gegensätzlich sondern verspielt zueinander wie ein perfektes Wein-Food-Paaring. Mich erinnert dieser Chablis stellenweise etwas an einen Meursault. Nur eben mit einer guten Schippe Muschelkalk des Chablis dazu.

Diese Geschmacksvielfalt ergibt sich dadurch, dass bei Laroche für diesen Fourchaume 85% des Chardonnays im geschmacksneutralen Edelstahltank vergoren wurde. Die anderen 15% reiften 9 Monate in drei bis vier Jahre alten Barriquefässern. Dieses Cuvee ist eines der Erfolgsgeheimnisse dieses Chablis: Denn obwohl der Fassausbau deutlich prägend für diesen Wein ist, behält er die Frische und Mineralität für die diese Region aufgrund ihres Bodens steht. Wenn man diesen Chablis Premier Cru dekantiert oder etwas Zeit gibt, tritt diese Salzigkeit gegenüber dem Fass stärker in den Vordergrund. Es wäre sicherlich interessant ihn über Jahre der Flaschenreife weiter zu verfolgen. In der Summe: Ein klasse Wein aus einem sehr bedeutendem Haus und einer der besten Lagen des Chablis. Hervorragend!

French Wine Producer of the Year 2014: Laroche Chablis Premier Cru Laroche ist nicht nur wegen diesem Wein und der Auszeichnung als „French Wine Producer of the Year 2014“ auf meiner Watchlist. Auch eine frühere Verkostung einiger dieser Chablis im Schlosshotel Lerbach in Bergisch Gladbach begeisterte mich. Dort gab es die beiden für Laroche besonders wichtigen Chablis Grand Cru Les Clos und Blanchot zu verkosten. Aber auch in Südfrankreich werden zumeist rote Weine erzeugt. Im Languedoc entstehen große Weine, die zudem noch erschwinglich sind. Dort besitzt Laroche eine Weinbaufläche von 40 Hektar. Dabei ist der abgebildete Vignoble Peyroli ein sehr interessanter Weißwein mit Tiefgang.

Der Chablis aus dem Premier Cru Fourchaume hat mich erneut auf das Weingut gespannt gemacht. Ich werde die Gelegenheit auf der bevorstehenden internationalen Weinfachmesse Vinexpo im Juni in Bordeaux nutzen, um dort einige andere Weine von Laroche zu verkosten. Ich vermute jedenfalls, dass dieses Weingut auf der Messe sein wird. Genaueres wird noch hier im Blog zu lesen sein.

Woran erkennt man eigentlich guten Wein? Lidl lohnt sich (oder auch nicht)

Mittwoch, 8. April 2015

Woran erkennt man eigentlich guten Wein? Lidl lohnt sich (oder auch nicht) [Alles muss raus: Discounterwoche 2/3] Woran erkennt man eigentlich guten Wein? Die Frage ist gar nicht so blöd. Es sind meistens die einfachsten Fragen, die richtig durchdacht interessante und nicht selten unerwartete Ergebnisse zu Tage bringen. Es ist eine Frage nach dem Grundsätzlichen. Egal was man zu diesem Thema weiß, man sollte noch einmal darüber nachdenken. Das ist die eigentliche Genialität der Kampagne von Lidl. Sie sagt nicht nur „wir haben die und die Marke“ oder „das Produkt ist bei uns 20% günstiger als beim Mitbewerber.“ Der Discounter fragt uns vielmehr, welche Produkte wir haben wollen. Und er bietet uns seine Weine natürlich mit einigen Argumenten an.

Woran erkennt man eigentlich einen guten Wein? Das kann selbst so manchen Sommelier zum Verzweifeln bringen. Die Antwort ist wegen seiner Vielfältigkeit eine Herausforderung. Man könnte ganz simpel sagen: Schmecken muss er! Das sagt Lidl auch in seiner Anzeige: „Guten Wein erkennt man daran, dass er schmeckt“. Besser ist aus meiner Sicht: Dieser Wein muss mir schmecken. Sonst eigentlich niemandem. Auch keinem Herrn Bampfield. Man kann aber auch bei dieser Frage ein kompliziertes Konstrukt an Kriterien aufbauen. Hilft das weiter? Und beantwortet Lidl die Frage, die dieser Discounter bundesweit in Werbe-Anzeigen stellt?

Die neue Lidl Wein-Werbung

Nach dem Vorstoß im Jahresendgeschäft 2014 macht nun der Discounter Lidl wieder intensiv Werbung für sich. Sechs Themenbereiche stehen bei dieser Kampagne im Mittelpunkt: Brot, Kaffee, Schokolade, Fleisch, Gemüse und Wein. Verwunderlich ist dies nicht. Beim Brot stellt man die frische und recht neu eingeführte Fertigbackung in den Filialen in den Vordergrund. Beim Thema Gemüse wird das Thema Frische kommuniziert. In diesen Bereichen hat Lidl tatsächlich in den letzten Jahren aufgeholt. Wein passt als Margenbringer in dieses Werbekonzept, vermittelt grundsätzlich die Hochwertigkeit von Produkten und stellt den Genuss in den Mittelpunkt.

In der Kampagne werden traditionelle Handels- und Herstellungsformen als teurer dargestellt. „Die neue Kampagne von Lidl ist eine Diskriminierung guter, ehrlicher und sauberer Handwerksbetriebe, die tatsächlich Qualität liefern“, sagt Ursula Hudson (Vorsitzende von Slow Food Deutschland) dazu. Lidl kann mit diesem Vorstoß als ein Schritt in der Industrialisierung und Rationalisierung in Herstellung und Handel angesehen werden. Der Blick zurück: Da haben wir seit Jahrhunderten das inhabergeführte Bäckerhandwerk und den selbst schlachtenden Metzger. Auch Kaffeeröstereien gibt es schon länger. Der Gemüsehändler ist jenseits der Wochenmärkte eher selten geworden und in zumeist aus arabischen Ländern migrierte Hände gefallen. Doch viele traditionelle Händler bestehen noch. Seit der neuen Werbung von Lidl ist die Aufregung an der Bäckersfront und bei Weinfachhändlern recht groß.

Doch greift diese These der Rationalisierung und Industrialisierung? Nicht umfassend. Es gibt zugleich einen ganz anderen Trend. Wir sehen zunehmend, dass eine handwerkliche Produktion in kleinen Betrieben an Fans gewinnt. Das Thema Craft-Bier kann man hier zitieren. Ein Teil der Bevölkerung will das uniforme immer gleich schmeckende Bier aus großen Brauereien nicht mehr, sondern etwas Eigenständiges. Ein einzigartiges Erlebnis im Genuss. Auch bei den Kaffee-Röstereien gab es – nur als weiteres Beispiel – eine positive Entwicklung in diese Richtung. Kleine Röstereien mit regionaler Vermarktung haben wieder Zulauf. Und selbst die Slow Food-Bewegung gilt als Indiz, dass es ganz so einfach nicht ist.

Wein bei Lidl im Fakten-Check

Doch was steht hinter der Kampagne „Woran erkennt man eigentlich guten Wein?“ von Lidl? Eigentlich wollte ich um dieses Thema herumkommen. Aber meine Tageszeitung (für die ich bezahle) legte mir diese Werbung auf den Frühstückstisch. So habe ich mir diese Anzeige mal genauer angeschaut. Ganz ehrlich muss man sagen: Lidl verspricht nichts inhaltlich Falsches. Aber was ist das denn bezogen auf das Thema Wein genau?

Slow Food fragt bei seiner Stellungnahme zu diesem Thema: „Welcher Winzer soll bei solchen Preisen überleben?“ Doch die Wein-Werbung von Lidl geht da schon etwas weiter: Der Begriff Weingut oder Winzer taucht auf einer ganzen Zeitungsseite gar nicht auf. Stattdessen wird von den Lieferanten und den Experten geschrieben. Das ist ein deutlicher Unterscheid. Man schreibt von einer „fachgerechten Verarbeitung“ der Trauben. Für jeden individuell arbeitenden Winzer ist das nahezu eine Beleidigung. Dieser hebt auch viel mehr als die Lidl-Werbung den Anbau der Trauben hervor und redet etwas weniger über die seine Verarbeitung. Wie häufig habe ich den Satz „Der Wein entsteht im Weinberg und nicht im Keller“ schon auf Weingütern gehört. Der Focus bei Lidl liegt darin „das Maximum aus den Trauben herauszuholen“. Zugleich wird die „Leidenschaft“ der „Weinspezialisten“ erwähnt. Bei mir hinterlässt das ein Fragezeichen, wie dies bei Lidl aussieht.

Woran erkennt man eigenlich guten Wein?

Dann steht dort noch: „Um ein gutes Produkt zu erzielen, macht Lidl seinen Lieferanten genaue Vorgaben“. Im Online-Shop des Discounters gibt es Le Clarence de Haut Brion, Chateau d’Yquem oder Chateau Branaire-Ducru. Ich glaube nicht, dass man diesen angesehenen Weingütern in irgendetwas hineinreden kann, so groß die Marktmacht auch sein mag. Zudem passen diese Weine nicht zu einem Konzept des guten Produkts. Es sind Ikonen und nicht nur einfach gute Weine. Zugleich muss man konstatieren, dass die Qualität von Weinen im LEH, also Discounter und Supermärkten besser geworden ist. Zumindest sind Weinfehler seltener. Die Auswechslung des Korkens durch alternative Verschlüsse trägt dazu nicht unwesentlich bei. Zudem gibt es meines Wissens keinen Discounter mehr, der ohne gut ausgebildete fachliche Beihilfe seinen Einkauf organsiert. Auch hierbei hat die Lidl-Werbung in seiner Grundaussage Recht.

Ebenso wird bei der Lidl-Werbung ein kleiner Einblick in die Arbeitsweise des Discounters gegeben. „In fest definierten Abständen werden Flaschen im Regal von hinten nach vorne gestellt“, heißt es da. Und weiter wird geschrieben, dass nach einem vereinbarten Stichdatum nicht verkaufte Weine aus der Filiale entfernt werden. Da kann sich so mancher (vor allem kleiner) Supermarkt (ohne Fachkenntnisse) mit überlagerten Weinflaschen im Verkaufsregal etwas von abschneiden.

Doch zurück zur Frage: Woran erkennt man eigentlich guten Wein? Man muss sich diese Frage selbst stellen. Die Antworten können wesentlich vielfältiger ausfallen, als das Weinsortiment eines Discounters jemals sein wird. Ich finde viele Weine interessant, die von individuell arbeitenden Winzern kommen. Aus kleinen Weingütern, in denen der Winzer alle Handgriffe, vom Setzen der Reben bis zur Probe der erzeugten Weine mit Kunden kennt. Von Weingütern mit einzigartigen Lagen. In denen seit Generationen ein spezifisches Wissen über den Weinbau an konkret diesem Ort weitergegeben wird.

Und ich mag nicht selten Weine von Winzern, die eine kleine Macke haben. Auf diesen Weingütern können Weine entstehen, die anders sind, als die des Parzellennachbarn. Ich mag Winzer, die eine eigene Handschrift haben und zu dieser stehen. Sicherlich gibt es auch Weine von Kellermeistern. Das ist soweit ganz gut und man sollte dies nicht verdammen. Aber einzigartige Weinerlebnisse wird man hiermit nur selten haben. Und eine andere Frage steht im Hintergrund der Discounterisierung der Weinwelt. Sie hat Auswirkung auf die Erzeugerstruktur.

Lidl lohn sich

Die Discounter (Aldi, Lidl, Netto, Penny …) verkaufen in Deutschland inzwischen fast jede zweite Flasche Wein. Der Marktanteil liegt die letzten Jahren stabil bei 48%. Man kann kritisch dabei sein, in wieweit die handwerkliche Qualität von Weingütern mit kleinen Lagen in das Konzept der Discounter passt. Wollen wir eine solche Weinwelt, in der die kleinen Winzer mit 7 Hektar nichts mehr zu bedeuten haben? Wollen wir nur noch Weine aus großen Kellereien? Wollen wir nur noch marktgerechte Geschmacksmuster? Oder wollen wir mehr als „eine bedarfsgerecht Auswahl für unsere Kunden“, wie Lidl verspricht?

Um zum Punkt zu kommen: Lidl lohnt sich oder auch nicht. Es hängt von der Betrachtung ab. Für Lidl selbst wird sich die Werbung bestimmt lohnen. Für manchen Weinfachhändler und Winzer evtl. nicht. Positiv ist sicher, dass in dieser Werbung Weine über dem durchschnittlichen Flaschenpreis in Deutschland ins Rampenlicht gestellt werden. Der liegt derzeit bei ca. 2,80 Euro pro Flasche. Steigt er dadurch? Insgesamt bin ich aber optimistisch. Jeder sollte schauen, was ihm schmeckt. Da helfen großes Image, Etiketten oder teure Flaschen nicht weiter. Und auch eine solche Werbung von Lidl kann im Markt immer nur ein Impuls sein. Ob das Angebot dieses Discounters wirklich besser ist, als das der anderen Marktteilnehmer, wird sich zeigen.

Felix Bodmann: Weinschule 2.0 als Buch

Montag, 2. Februar 2015

Felix Bodmann: Weinschule 2.0 als Buch Es gibt recht viele Bücher auf dem Markt, die eine Einführung in das Thema Wein darstellen können. Man kann hier auch die Weinführer hinzurechnen, da sie einem einen Überblick über den Markt an einzelnen Weinen und von der Redaktion geschätzten Winzer geben können. Doch hierbei gibt es wenig unterhaltsames bei dem man zugleich einen guten Einblick in das Thema bekommt. Ganz anders bei der Weinschule von Felix Bodmann.

Dieser erklärt die rote Färbung des Weins auch mal schnell mit dem Prinzip des Nagellackentferners. Und auch viele andere Begriffe der Weinwelt werden ganz schnell entzaubert. Doch fangen wir beim Buch von Anfang an. Hier schildert Felix, dass man nicht zu viel, nicht zu häufig und vor allem keinen schlechten Wein trinken sollte. „Was nicht schmeckt, wird nicht getrunken“, so die Grundaussage. Das findet man in kaum einem anderen Weinbuch. Vielfach wird am Anfang erklärt, wie schwierig es ist Wein zu erzeugen, wie lange es schon Wein gibt und dass es immer noch Mysterien gibt. Felix hingegen wendet sich zu Beginn nicht nur gegen billige belanglose Plörre, denn die gibt es zuhauf. Er räumt zugleich ein, dass teurer Wein nicht immer besser ist als preiswerter, die Wahrscheinlichkeit dazu jedoch hoch ist.

Felix Bodmann: Weinschule 2.0 als Buch Symphytisch an diesem Buch ist, dass der Autor nicht erklärt, welche Weine und Winzer er selbst schätzt. Vielmehr ist es eine Anleitung dazu selbst herauszufinden was man gerne mag. Sicherlich nennt Felix einige Namen und Regionen, dabei lädt er den Leser aber immer ein seinen eigenen Geschmack zu finden. Das Buch ist schnell lesbar geschrieben. Manches muss auch etwas kurz abgetan werden. So wird der Trebbiano nur als Zechwein betrachtet. Ein Seitenhieb? Gerade die Ertragsreduktion macht aus ihm den Lugana. Über dessen Bedeutung und Qualität gibt es in der Weinwelt verschiedene Ansichten. Nicht unübersehbar haben diese Weine recht zahlreiche Fans. Ob man nun den Lugana mag oder nicht: Eigentlich ist diese Sache nebensächlich.

Felix Bodmann: Weinschule 2.0 als Buch Felix Bodmann ist im Internet recht bekannt. Er lobt in diesem Buch Helmut Knall für seine Verkostungsfähigkeiten. Christina Fischer bekommt ein Lob für ihre Fähigkeiten Wein mit Speisen zu kombinieren. Und ihr mir vorliegendes Buch zu diesem Thema ist sicherlich auch sehr lesenswert; auch wenn der Untertitel „Leidenschaft mit System“ etwas seltsam anmutet. Das wissenschaftlicher gehaltene Buch von Sabine Ernest-Hahn könnte man in dem Zusammenhang auch erwähnen. Ein Ebook steht also nicht in Widerspruch zu Printmedien.

Das Buch „Weinwebschule 2.0“ ist das beste Papier wert um darauf gedruckt zu werden. Felix hat seine Weinschule jedoch – ganz bescheiden – lediglich digital bei amazon veröffentlich. Dort ist es derzeit für 5,98 Euro erhältlich. Das ist weniger als eine gute Flasche Wein. Es handelt es sich um ein amüsantes kurzweiliges Buch. Mein Kindle zeigt etwas mehr als zwei Stunden Lesezeit an. Diese können aber nicht nur für Einsteiger, sondern selbst für Weinkenner unterhaltsam sein. Ich gebe hierfür die maximalen 5 amazon-Sterne.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. Rueda

Mittwoch, 5. November 2014

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaRueda ist ein kleiner Ort im spanischen Landesinneren mit derzeit 1343 Einwohnern. Wenn man mit dem Auto von Madrid kommt, fällt am rechten Wegesrand ein gigantisch großes Weinfass aus Metall auf. Dann passiert man eine Tankstelle. Folgt man der Ruta del Vino weiter, so kommt man in diesen eigentlich recht typischen spanischen kleinen Ort. Doch dann sieht man auf der linken Straßenseite eine Unzahl von Weinläden, Bars und Restaurants. Wenn man in die Schaufenster blickt, erkennt man: Hier gibt nicht nur die für die Region typischen Weißweine vornehmlich aus Verdejo, sondern auch einige Rotweine aus den benachbarten Weinregionen Ribera del Duero, Rioja usw.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDies hängt mit der Entstehung der D.O. Rueda zusammen. Zwar wird hier schon recht lange Wein angebaut – man vermutet die Ursprünge im 11. Jahrhundert – seine jetzige Bedeutung geht aber erst auf den Beginn der 1980er Jahre zurück. Alle reden bei dieser Gründerlegende von Marques de Riscal. Die Legende ist inzwischen schon fast sagenumwoben: Riscal suchte damals nach einer Region in Spanien, in der man gut Sauvignon Blanc anbauen konnte. Besonders die frisch-fruchtigen Weine wurden zu dieser Zeit beliebter, die verfügbaren Mengen waren in der Kategorie deutlich ausbaufähig. Die Pointe der Geschichte um Riscal ist, dass in Rueda von der Bedeutung und von der angebauten Menge her gar nicht der Sauvignon Blanc zur stärksten Rebsorte wurde. Am Ende setzte sich die eigentlich autochthone Rebsorte des Gebiets – der Verdejo – durch. Und das hat durchaus Gründe: So schmeckte uns bei den Verkostungen der Weine bei Weingütern die beide Rebsorten anbauen fast immer der Verdejo besser.

Rueda mit Verdejo

Seine Eigenständigkeit ist zudem zu einer Stärke von Rueda geworden. Mit dem Verdejo ist ein international deutliches Profil entstanden, mit dem man nicht mehr nur für den spanischen Markt interessante Weine erzeugen kann, sondern auch in klassischen Weißweinnationen wie Deutschland punkten kann. Nach Riscal folgten einiger weitere spanische Bodegas in die Region. Aus dieser Sortimentserweiterung mit Weißwein in den frühen 1980er Jahren ist inzwischen deutlich mehr geworden. Verdejo aus Rueda steht inzwischen international für den frischen und fruchtigen Weißwein für den jungen Genuss aus Spanien.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDerzeit gibt es etwas mehr als 60 Bodegas in der D.O. Rueda. Die Dynamik in diesem spanischen Weinbaugebiet erkennt man daran, dass immer noch neue Weingüter in den vergangenen Jahren hinzukommen. Dabei handelt es sich meist um keine Neulinge im Bereich Wein. Auch für den großen und sehr bekannten Erzeuger Protos – ein Weingut das als erstes in Ribera del Duero gilt – ist seit einigen Jahren in Rueda aktiv. Bei ca. 1,3 Mio. kg geernteter Trauben in diesem Jahr vermarktet man lediglich zwei Weine. Der Kellermeister erklärt bei einem Rundgang wie hier gearbeitet wird. Man presst die Trauben mit drei ansteigenden Druckstufen. Dabei sind 2 Bar das Maximum. Die bei dem höchsten Druck entstehenden Weine werden allerdings an andere Bodegas abgegeben, die diese dann nicht mehr unter dem Label D.O. Rueda verkaufen.

Die beiden Verdejos von Protos sind immer ein Cuvee den ersten beiden Pressungen. Man baut hier – anders als in der deutschen Tradition – nicht eine Lage jeweils getrennt in einem Edelstahltank aus und vermarktet dies dann als einen Wein. Vielmehr versucht man durch das Cuvee zumindest im Jahrgang ein gleiches Geschmacksmuster zu erzeugen. 2013 gilt als nicht unbedingt einfaches Jahr in Rueda mit viel Regen. Der Qualität hat es am Ende nicht geschadet. Bei der Bodega Protos hat man 30% als Tafelwein abgewertet. Normal sind ca. 10 %. So erreicht man ein gewohntes Qualitätsniveau.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaKommen wir zu den beiden Weinen. Der mengenmäßig Stärkere und recht bekannte Verdejo von Protos zeigt sich mit einer kraftvollen exotischen Nase mit Ananas und anderen Früchten. Am Gaumen wirkt dieser Weißwein schön frisch. Auch fruchtig geht dieser Verdejo in eine gute Länge. Hier wird das Profil das Anbaugebiets Rueda sehr gut präsentiert. Als zweiten Wein erzeugt die Bodega Protos einen „Verdejo en Barrica“. Aktuell ist der aus dem Jahr 2011. Aus unserer Sicht ist hier etwas viel Holz am Werk gewesen. Aber Geschmack ist ja zum Glück etwas Pluralistisches.

Barrique-Ausbau in Rueda

Wie bei der Bodega Protos baut man inzwischen häufiger den Verdejo im Holz aus. Hierrüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Der deutsche Markt ist von intensivem Fassausbau eher etwas weg gegangen. Man kann sicherlich auch fragen, ob das zu dem frischen Stil des Verdejo passt. Bei Protos erklärt man uns, dass dies eigentlich nur ein Randprodukt ist, welches man aber schnell verkaufen kann. Und man kann sicherlich nachvollziehen, dass ab einer umfangreicheren Betriebsgröße ein zweiter Wein sinnvoll sein kann.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaUnd es gibt auch einige wirklich interessante Weißweine aus Rueda mit Barriqueausbau. Da kann man den von Palacio de Bornos durchaus hinzuzählen. Dieser Erzeuger ist seit 1978 in Rueda aktiv und kann als einer der Pioniere des modernen Weinbaus in der Region angesehen werden. Wir verkosten hier unter anderem den „Verdejo fermentado en Barrica“ aus dem Jahr 2013. Dabei ist gebrauchtes Holz für vier Monate zum Einsatz gekommen. Besonders der gut durchdachte und nicht den Wein überdeterminierende Holzeinsatz ist hier schätzenswert. Vielmehr unterstützt eine zarte Vanillenote die Frucht dieses Weins.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaEigentlich ist die Klarheit des Konzepts der Weinerzeugung in Rueda sehr bestechend. Dazu gehört auch der offene Umgang mit den eingesetzten technischen Mitteln. Man könnte die These aufstellen, dass ohne die neueren Möglichkeiten der Weinanbau in Rueda nicht zu realisieren ist. In einer Image-Broschüre der Region ist da auch ein Vollernter abgebildet. Wenn man ehrlich ist, kann man nicht bestreiten, dass die dortigen Erzeugerpreise mit dieser hohen Qualität anders nicht möglich sind. Denn hier ist noch eine Besonderheit: Man liest die Trauben möglichst in der Nacht oder besonders gerne morgens. Bei der Wärme die hier auch noch im September häufig herrscht, würde die Ernte sonst zu stark leiden. Per Hand ist das auch in der Geschwindigkeit weder bezahlbar noch möglich.

Technik in der D.O. Rueda

Neben einer aktiven Nutzung modernster Technik ist man in Rueda zugleich inzwischen sehr bedacht, was eine nachhaltige Weiterentwicklung der Region anbelangt. Beim Thema Reinzuchthefen geht man seit Jahren schon von einer Uniformität weg und versucht eigene Hefen zu benutzen, wodurch eine noch stärkere Unterscheidung zu anderen Regionen entstehen kann. Das ist eine positive Entwicklung, so gab es doch eine Zeit, wo man so manchen Verdejo kaum vom Sauvignon Blanc aus Übersee unterscheiden konnte.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDer Weg einer erschwinglichen und zugleich hohen Qualität macht sich schon seit Jahren im Export bemerkbar. So verdreifachten sich die Ausfuhren in den vergangen 10 Jahren. Fast immer waren die jährlichen Steigerungen kontinuierlich, was für ein nachhaltiges Wachstum spricht. 2013 wurde mit 13 Mio. Flaschen ein neuer Höhepunkt erreicht. 20% davon werden in Deutschland getrunken. Hier vervierfachte sich die Menge in den vergangenen 10 Jahren. Und das in einem klassischen Weißweinland mit auch schon ganz guten Qualitäten in dem Preissegment 5 – 10 Euro, was beim Verdejo aus Rueda die meisten Weine ausmacht.

Groß und klein in Rueda

Man sieht viele recht große Bodegas in der D.O. Rueda. Aber es geht auch anders. Neben den großen Erzeugern gibt es eine Reihe kleinerer Weingüter wie die Finca Montepedroso mit ca. 20 Hektar Rebfläche. „Ein Weinberg, eine Rebsorte, ein Wein.“ So ist deren Konzept, wie Jose Maria de Castaneda erläutert. Wie bei vielen anderen Erzeugern der Region ist nicht nur die Übersichtlichkeit der Anzahl der Weißweine schätzenswert, sondern auch die hohe Qualität des Weins. Der vorzügliche Verdejo der Finca Montepedroso ist z.B. für ca. 7 Euro im deutschen Handel zu finden.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaEin Höhepunkt auf unserer Reise durch Rueda ist der Besuch beim Weingut Menade. Konservative würden es so ausdrücken: Hier kann man den Aufbruch der jungen Generation im modernen Spanien spüren. Eine gesunde Emanzipation von Traditionen. Für andere ist das Weingut in der Hand des stilvollen und ganzheitlich (weil ökologisch) ausgerichteten Teils der native IPhone-Generation. Unaufdringlich-internationales und zugleich zeitloses Design, geschmackvolle ausgewogene Weine mit Spannungsbogen und wirklich sympathische Leute, so könnte man das Weingut auf den Punkt bringen.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaMenade bewirtschaftet in Rueda 118 Hektar nach biologischen Gesichtspunkten. Daraus entstehen drei Weine, die mit eigenen Hefen vergoren werden. Schon der einfache Verdejo aus 2013 macht so richtig Spaß. Dieser Weißwein ist sehr schön rund in der Frucht. In der Nase zeigt sich Grapefruit und fruchtiges Brausepulver. Am Gaumen ist eine ausgewogene und zugleich frische Säure. Ein großartiger Verdejo aus Rueda, auch wenn gerade dieser Wein nicht unbedingt als Profilwein zu bezeichnen ist. Das scheint bei Bioweinen aber nicht selten der Fall zu sein.