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Vinum: “Die Spinner in ihren Weinblogs”

Eigentlich ist das keine Meldung wert. Rudolf Knoll, Redakteur für Deutschland, Österreich und Osteuropa der Weinzeitschrift Vinum, schrieb in der April-Ausgabe von den “Spinnern in ihren Weinblogs”. Das ist erst ein mal als ein Scherz zu sehen, obwohl man diese normalerweise nur am ersten Tag des Monats macht. Erstaunlich ist zudem, dass eine Chefredaktion eine solche Äußerung passieren lässt, zumal damit zugleich auch Leser (in meinem Fall jetzt ehemaliger Leser) der Zeitschrift beleidigt werden.

Belegt werden soll die Spinner-Theorie von Vinum-Redakteur Rudolf Knoll damit, dass in Weinblogs angeblich mittelmäßige Weine als Kultweine bezeichnet werden. weinverkostungen.de betrifft das nicht, da der Begriff Kultwein in diesem Text aus guten Gründen zum ersten mal fällt. Das hängt damit zusammen, dass der Begriff nur schwer zu definieren und abzugrenzen ist. Zudem bringen es Kultweine mit sich, für viele Weintrinker unerreichbar zu sein. Sie machen einem also nur den Mund wässrig.

Beleidigungen als Spinner hin oder her, Herr Knoll irrt sich. Nach dieser Suche in den deutschsprachigen Weinblogs fand ich zwar einige Artikel und Kultwein-Bezeichnungen, die ich so nicht geschrieben hätte. Die Unterschiede zwischen Weinblogs sind nicht unbedingt negativ zu sehen. Von der eigentlichen Behauptung jedoch keine Spur.

Rudolf Knoll: Ich habe im Internet nachgeforscht und hier sogar eine Faberrebe und zwei preiswerte Silvaner aus Franken als Kultweine entdeckt.

Carsten Henn: Du machst einen Scherz?

Rudolf Knoll: Ich nicht, eher die Spinner in ihren Wein-Blogs.

Die Sache mit dem Silvaner dürfte mit der Folge 10 des bottleplot-Vlog zusammenhängen. Bei Knoll ist jedoch die ganze Geschichte aus dem Zusammenhang gerissen. Denn es wird gar nicht preisgünstiger Silvaner als Kultwein bezeichnet, sondern der eigentümlichen Vermarktung im Bocksbeutel ein gewisser Kultstatus zugewiesen.

Wirklich harrsträubend ist jedoch die Behauptung, in einem Weinblog würden Weine aus der Faberrebe als als Kultweine bezeichnet. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt keinen einzigen deutschsprachigen Artikel in Weinblogs, in denen ein solcher Kultwein beschrieben wird. Die Meldung von der Faberrebe findet sich vielmehr bei den Kollegen aus dem Print-Journalismus. Im Online-Angebot der Wormser Zeitung wurde dann eine “silbere Preismünze des Internationalen Wein-Wettbewerbs von MUNDUSvini” mit der Verleihung eines Kultstatus gleichgesetzt. Das ist besonders seltsam, da MUNDUSvini eben gerade kein Wettbewerb für Kultweine ist.

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Weinakademie Berlin
Würtzwein
Wein Ultes

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