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Lagenverkostung Ürziger Würzgarten

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Der Ürziger Würzgarten hat einen melodischen Klang. Zudem besitzt diese Einzellage an der Mosel einen guten Ruf. Vor einigen Wochen fand in Düsseldorf mit den Weinfreaks eine Lagenverkostung von Rieslingen aus dem Ürziger Würzgarten statt. Ganze 26 Weine unterschiedlicher Restzuckergrade und Jahrgänge (1994 bis 2010) von 8 Weingütern aus dieser vorzüglichen Lage an der Mosel standen auf der Liste. Eine Lagenverkostung ist immer eine sehr schöne Angelegenheit, da man erfahren kann, wie sich die Bodenbeschaffenheit und die (micro-)klimatischen Bedingungen auf den Wein auswirken. Zudem kann man herausfinden, wie verschiedene Weingüter die Lage für sich interpretieren und unterschiedliche Jahrgänge in einem kleinen Bereich ausfallen. Als Botschafter aus Ürzig war mit detailliertem Hintergrundwissen Stefan Erbes vom Weingut Karl Erbes von der Mosel an den Rhein gereist.

In Deutschland gibt es seit der Reform des Weingesetzes in den 1970er Jahren mehr als 2.500 Einzellagen. Dabei wurden viele Lagen zusammengelegt und eine Vielzahl von Lagennamen beseitigt. Jedoch sind nur wenige dieser Einzellagen besonders hervorzuheben, denn nur ein Bruchteil von ca. 200 bis 300 Lagen entfalten tatsächlich eine Lagencharakteristik. Und dies auch nur bei einer angemessenen Bewirtschaftung. Darunter kann man den größten Teil der Lagen fassen, die als Erste Lagen des VDP klassifiziert sind. In ca. 300 Ersten Lagen wurden seit dem Bestehen dieses Systems Große/Erste Gewächse erzeugt. Nicht vergessen sollte man aber auch Lagen wie den hervorragenden Bremmer Calmont, der zwar nicht als Erste Lage klassifiziert ist, aber vielen Ersten Lagen in nichts nachsteht und einige übertrifft.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Bei vielen dieser 300 Lagen ist nicht unbedingt eine innere Konsistenz gegeben. Das hängt damit zusammen, dass z.B. der Boden, die Hangneigung oder -ausrichtung wechselt. Eine Weinlage ist kultivierte und häufig über Jahrhunderte bewirtschaftete Natur. Selten ist man dabei so entschieden umgegangen wie am Rüdesheimer Berg (Rheingau), dem Kaiserstuhl (Baden) oder dem Batterieberg (Mosel), der seinen Namen erst durch die Sprengungen des Gesteins erheilt, durch die man eine ideale Hangneigung und Hangausrichtung erreichen wollte. Nicht nur im Untergrund ist Gestein unterschiedlich. Auch Deckschichten von Erde sind unterschiedlich dick und verschieden strukturiert. Die Wasserversorgung kann wechseln. Und während in einem Teil einer Lage sich die Wurzeln der Rebe nicht ganz so sehr bemühen müssen, gibt es woanders Trockenstress. Das Weingesetz von 1971 hat diese Lagen im Zuschnitt bislang mit vielen Ungereimtheiten festgeschrieben. Neuere Erkenntnisse oder Veränderungen wurden seitdem nur in sehr wenigen Ausnahmefällen berücksichtigt.

Bewertung der Lage Ürziger Würzgarten

So ist auch diese Lage in sich nicht gleich bleibend. Die Himmelsausrichtung, der Boden und einige mikroklimatische Verhältnisse wechseln innerhalb des Ürziger Würzgarten Lage. Deswegen gibt es auch hier Zusatzbezeichnungen auf dem Etikett, die hinter dem Lagennamen in Anführungszeigen stehen. Diese erinnern nicht selten an historische Lagennamen, die mit dem Weingesetz von 1971 zugrunde gegangen sind. Eine Zusatzbezeichnung zur Lage ist inzwischen auch bei den Großen Gewächsen des VDP möglich und in manchen Fällen eine Bereicherung. Und gerade an der Mosel zeigen die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein, wie unterschiedlich eine Lage von einem Weingut interpretiert werden kann und wie Abstufungen der Qualität in einer Lage bestehen können. Im Ürziger Würzgarten bestehen zum Beispiel die Bezeichnungen „Kranklay“ (beim Weingut Karl Erbes) und „Urglück“ (bei Dr. Hermann).

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Der Ürziger Würzgarten hat eine ca. 2000 Jahre lange Kultivierung hinter sich. Wie im benachbarten Erdener Treppchen – wo die Römer schon die Stufen in den Schiefer rammten – fand der Weinbau früher in ganz anderen Formen statt. So erhielt der Würzgarten seinen Namen durch die frühe Bewirtschaftung. Denn es war bis ins 17. Jahrhundert üblich, den Wein mit Gewürzen anzureichern. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Noch heute werden im Ürziger Würzgarten Kräuter angebaut.

Die heutigen Rieslinge erhalten ihre Würze jedoch alleinig aus dem Boden, der in dieser Lage aus Rotliegendem aus vulkanischem Ursprung und dem an der Mosel sehr typischen Blauschiefer besteht. An vielen Stellen des Ürziger Würzgarten ist der Schiefer stark verwittert. Diese Erste Lage ist ca. 53 Hektar groß. Sie gilt auch nach dem Weinatlas Deutschland als eine der besten Weinlagen an der Mosel und wird in der höchsten Kategorie als “besonders privilegiert” eingestuft. Die Ausrichtung des Ürziger Würzgarten ist nach Süden bis Ostsüdost. Die Steigung der Weinberge beträgt 45 bis 65%. Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten können ein hohes Reifepotenzial haben und sind sehr häufig noch wurzelecht. Andere Rebsorten werden hier wahrscheinlich nicht angebaut.

Lagenverkostung Ürziger WürzgartenIn der Lagenverkostung waren 26 Rieslinge aus 8 Weingütern. 25 davon kamen aus dem Ürziger Würzgarten. Ein so genannter Pirat, der nicht nur den Spaß erhöhte, sondern auch die Sinne schärfte, kam aus dem benachbarten Erdener Treppchen. Der Pirat war schwer zu erkennen, da einige der Rieslinge aus dem Würzgarten größere Abweichungen im Geschmacksbild lieferten, die nicht nur aus der Lage resultieren (Aufgrund Alter des Weins, Alter der Reben, unterschiedlicher Arbeit im Keller …). Da muss man sicherlich immer etwas reflektieren, wie man zu dem Bild kommt, wie man meint, dass eine jeweilige Lage schmecken soll.

Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten dieser Weingüter in der Verkostung

Alfred Merkelbach
Dr. Hermann
Dr. Loosen
Jos. Christoffel jr. (Christoffel-Prüm)
Karl Erbes
Markus Molitor
Moselschild
Rebenhof

Wurzelecht

Weltweit gibt es nur noch wenige Reben, die wurzelecht stehen. Dies sind insbesondere Alte Reben. Jedoch sind die beiden Begriffe nicht identisch. Vielmehr sagt die Bezeichnung Alte Reben weder etwas über das konkrete Alter der Reben aus, noch wie viel Prozent in dem Weinberg schon ausgewechselt wurden. Denn es ist normal, dass nach längerer Zeit einzelne Weinstöcke aus verschiedenen Gründen ausfallen. Die größte Auswechselung ganzer Weinberge fand mit der Reblausplage vor mehr als einhundert Jahren statt. Die Mosel ist weltweit eine der wenigen Regionen, die recht glimpflich damals davon gekommen ist. Deswegen gab es dort lange auch noch Weingüter, die ihren Riesling wurzelecht gepflanzt haben. Zur Praxis der Aufpfropfung auf amerikanische reblausresistente Wurzeln gab es hier lange keinen Grund. Seit einiger Zeit ist es jedoch auch an der Mosel verboten den Riesling wurzelecht zu pflanzen.

Details darüber, wie ernst die Gefahr der Reblaus auch an der Mosel derzeit ist, sind nicht sicher und widerspruchsfrei zu erfahren. Auch die Frage der geschmacklichen Unterschiede ist durchaus umstritten. Es ist bestimmt nachvollziehbar, dass eine robustere Wurzel den Boden (Schiefer) anders durchdringt, als die originale Wurzel des Mosel-Rieslings. Zudem wird von den Weingütern mit wurzelechten Reben beobachtet, dass diese zwar geringer im Ertrag sind, jedoch zugleich langlebiger sind. Dabei wäre es auch nachvollziehbar, dass dies auch zu geschmacklichen Unterschieden im Wein führt. Den Nachweis kann man letztendlich sich nur schwer erbringen. Ein Winzer müsse genau an der selben Stelle zur gleichen Zeit diese Reben nebeneinander haben, genauso bearbeiten und auch im Keller identisch vorgehen. Es zeigt sich jedoch, dass schon bei Reben die identisch sind, bei einem Ausbau der synchron im selben Keller passiert, unterschiedlich schmeckende Weine entstehen. Und wie nun “wurzelecht” schmeckt, kann eigentlich niemand formulieren. Zu komplex ist die Thematik.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Interessant war die Vielfältigkeit der Jahrgänge in der Lagenverkostung des Ürziger Würzgarten. Der ältesten beiden Rieslinge waren aus dem Jahr 1994. Dabei handelte es sich zum einen um eine halbtrockene Spätlese des Weinguts Moselschild. Dieser landete im unteren Mittelfeld und ist ab Weingut derzeit noch für 5,50 Euro pro Flasche verfügbar. Zudem gab aus dem selben Jahrgang es von Jos. Christoffel jr. eine Auslese **. Hier waren die Firntöne bis in eine harmonische Länge immer noch sehr schön in das Gesamtbild eingebunden. Es ist schon beeindruckend wie gut das Alterungspotenzial von Riesling aus dem Ürziger Würzgarten schon im erschwinglichen Preissegment ist.

Doch schauen wir auf den aktuellen Jahrgang 2010. Hier war bei den immerhin vier Rieslingen aus dem Ürziger Würzgarten in der Verkostung ganz interessant, dass diese durchaus dem Lagencharakter entsprachen. Es war in diesem Jahr aufgrund der kurzen Vegetationsperiode nur unter einiger Anstrengung möglich an der Mosel typische Rieslinge zu erzeugen, die dem Lagenprofil sehr deutlich entsprachen. Häufig waren hohe Säurewerte vorhanden. Jedoch auch hier konnte man bei den verkosteten Rieslingen dieses fast schon jahrgangstypische “Pfefferl” herausschmecken. Man sollte sicherlich auch noch erwähnen, dass es sich bei den 2010ern aus dem Würzgarten in dieser Verkostung ausschließlich um Prädikate von Spätlese aufwärts handelte. So kann man eigentlich auch für diese Lage konstatieren, dass in diesem Segment – wie in vielen anderen Lagen in Deutschland – der Jahrgang eher unproblematisch bis hervorragend war.

Dr. Loosen

In der Blindverkostung gab es auch ein Großes Gewächs nach den Regeln des VDP aus dem Ürziger Würzgarten. Dies stammte von dem auch international renommierten Weingut Dr. Loosen. Jedoch schnitt dieses Große Gewächs aus dem Jahr 2009 vor allem in Relation zum Verkaufspreis von ca. 25 Euro recht schlecht ab. Durchgehend war die Punktbewertung deutlich unter dem, was für einen Riesling in dieser Kategorie und Preisgruppe angemessen ist. Dies ist sicherlich erklärungsbedürftig. Drei Grundmuster kann man hier heranziehen. Es ist nicht selten, dass sich Rieslinge nach einer Zeit verschließen. Generell brauchen einige große Weine manchmal etwas Zeit. Bei lagerfähigen Rieslingen kann man häufig ein Formtief nach 2 bis 3 Jahren feststellen.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Ein zweites Thema ist die Lagentypizität. Bei der Verkostung der Rieslinge aus dem Ürziger Würzgarten war dies ein wesentliches Kriterium zur Bewertung dieser Weine. Große Gewächse sind aber zum Teil auf eine ganz andere Käuferschicht ausgerichtet. Hier geht es eher darum sehr moderne Weine zu machen. Dies steht etwas im Konflikt mit eher traditioneller arbeitenden Weingütern. Hier prägt eine überlieferte Kultur auch das, was man Terroir nennt. Interessant ist dies in Ersten Lagen, in denen mehrere Weingüter aktiv sind und ganz unterschiedliche Große Gewächse erzeugen z.B. ein Weingut recht deutlich Holz im Keller einsetzt und ein anderes nur Edelstahltanks. Doch bedeutet nicht ein weit gefaßter Begriff von Terroir auch die Tradition im Keller?

Der dritte Themenkomplex kreist um die Restzuckerwerte der Rieslinge. Glücklicher Weise ist gerade bei jüngeren Weinkonsumenten das Trockendiktat immer stärker auf dem Rückzug. Gerade in der Region Mosel ist zu beobachten, wie in den einzelnen Rieslingen die Lagentypizität erst mit einem höheren Restzucker aufblüht. Und gerade in dieser Lagenverkostung aus dem Ürziger Würzgarten war auffällig, wie stark die Bewertung mit der Höhe des Restzuckerbereichs korrespondierte (von mir erst im Nachhinein festgestellt ist es nicht ganz unzufällig, dass nach dieser Blindverkostung dies auch an meiner Punktvergabe abzulesen ist; ich habe schließlich keinerlei grundsätzliche Präferenz bezüglich des Restzuckers). Gerade diesen Themenkomplex versucht man an der Mosel im System der Großen Gewächse derzeit abzuschwächen, indem hervorragende Rieslinge mit höherer Restsüße durch die 1-Traube von den VDP-Weingütern gekennzeichnet werden können.

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Folgende Rieslinge und Weingüter möchte ich lobend erwähnen. Die Preise dieser Weine sind zum Teil so gestaltet, dass man sich als Kunde beschenkt fühlen muss.

Weingut Alfred Merkelbach
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese * Fuder 18 (88 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese Fuder 10 (91 Punkte)
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese Fuder 14 (93 Punkte)

Weingut Karl Erbes
2009 Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese „Kranklay“ (89 Punkte)
1996 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese * (91 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese * (93 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese *** Goldkapsel (94 Punkte)
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Trockenbeerenauslese (95 Punkte)

Jos. Chistoffel jr. (Christoffel-Prüm)
1994 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese ** (92 Punkte)
2001 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese *** (92 Punkte)

Dr. Hermann
2010 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese (91 Punkte)

Lagenverkostung Ürziger Würzgarten Zu danken ist der gesamten geselligen Runde, Hartwig Fricke von der Weinhandlung LaFinesse zudem recht allgemein für seine Gastfreundschaft und insbesondere seine Kochkünste (es gab ein vorzügliches „Coq au Riesling“ von Perlhuhnsupreme im Duftreisbett mit frischen Morcheln und Champignons), sowie natürlich nicht zuletzt Werner Elflein, der kenntnisreich durch den Abend führte und hier zum Weiterlesen seine Einschätzungen mitteilt.


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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Lagenverkostung Ürziger Würzgarten

 

7 Kommentare zu “Lagenverkostung Ürziger Würzgarten”


  1. Werner Elflein
    Donnerstag, 15. September 2011 08:09
    1

    Hallo Thomas,

    besten Dank für deinen sehr ausführlichen Bericht über unsere Verkostung.

    Bei der Diskussion um den “Restzucker” (wobei man bei teilweise über 150 g/l nicht mehr von einem “Rest” sprechen kann) wird gerne übersehen, dass Zucker auch ein wichtiger Geschmacksträger ist. Trotz der analytisch zum Teil recht hohen Werte wirkte keiner der Weine pappig. Es ist auch nicht so, dass der Zucker als “dienende Restsüße” (“dienend” meint immer “kaschierend”) eingesetzt wurde, sondern, um die Säure perfekt auszubalancieren. So wirkte mit Ausnahme des Weins von Dr. Loosen keiner der Weine in sich unschlüssig oder zu süß. Selbst bei der Trockenbeerenauslese war noch überraschend viel Rasse spürbar. Gerade das ist aber die Stärke der Mittelmosel, um die uns die halbe Welt (die islamischen Länder lassen wir mal außen vor) beneidet. Nur wir Deutschen kriegen es nicht auf die Reihe, diesen Schätzen der deutschen Weinkultur auch nur annäherend die ihnen gebührende Wertschätzung entgegen zu bringen.

    Viele Grüße
    Werner


  2. Christopher Pfaff
    Donnerstag, 15. September 2011 14:41
    2

    Hallo Herr Günther & Herr Elflein,

    Es gibt noch eine weitere Variante warum das GG von Loosen so schlecht war, die ich, als die Wahrscheinlichste erachte.

    Die in die Verkostung eingebrachte Flasche war fehlerhaft. Das ist zwar ärgerlich, kommt aber immer mal wieder vor.

    Auch wenn die trockenen Weine sicher nicht die große Stärke des Weingutes Loosen sind, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man dort Flaschen als GG abfüllen würde, die gerade mal das untere Niveau eines Basisweines erreichen.

    Viele Grüße


  3. weinverkostungen.de
    Donnerstag, 15. September 2011 17:05
    3

    Lieber Werner,
    ich kenne einige Lagen von Mosel und Saar, die im Bereich Spätlese+ aufblühen und vor allem ihren Charakter zeigen. Das ist typisch für diese Region. Und es ist ein Thema was stark im kommen ist. Bei der Verkostung von Spätlesen aus älteren Jahren am Gemeinschaftsstand vom Mosel e.V. war jüngeres Publikum als bei der Verkostung der GGs des Bernkasteler Rings (dort auch einer aus dem Würzgarten vom Rebenhof dabei). http://weinverkostungen.de/grose-gewachse-2009-bernkasteler-ring/

    Das hängt nicht nur damit zusammen, dass die Spätlesen preisgünstiger sind, sondern gerade jüngere Leute die schrechten Erfahrungen der 1970er Jahre mit dieser Kategorie nicht gemacht haben.

    Liebe Herr Pfaff,
    die Flasche war aus meiner Sicht fehlerfrei (über das Thema Flaschenvarrianz kann man evtentuell nachdenken, vermute ich aber nicht). Nur eben muss man berücksichtigen, dass der Blickwinkel der Verkostung eben deutlich hin zur Lagentypizität war. Bei einem anderen Thema kann dieser Riesling von Loosen klasse sein. Ich fand jedoch auch, dass die Bezeichnung “Alte Reben” etwas schwierig ist. Ich stelle mir da mehr Fülle vor (wegen der Fruchtkonzentration) und eben eine salop gesagt hausbackene Machart des Rieslings. Der war aber eher beschwingt hellfruchtig.

    Neben dem, dass GG und Alte Reben für mich irgendwie wiedersprüchlich ist, konnte ich diesem Riesling in dieser Reihe wenig abgewinnen. Jedoch meine ich nicht, dass der Weine “gerade mal das untere Niveau eines Basisweins” hat. Es kommt auf die Perspektive an.

    Und ich kenne viele sehr kleine Weingüter an der Mosel, die richtig gute Rieslinge machen (zudem preisgünstig), wo aber die Stabilität in der Qualität etwas fehlt. Das hat man eher bei den Loosens und Co., wo man aus meiner Sicht nie unter ein gewisses Niveau sinkt (Lagentypizität hin oder her; ein Teil der Weinkonsumenten wollen so etwas ja garnicht), das deutlich über einer Basis ist.

    Viele Grüße
    Thomas Günther


  4. Christopher Pfaff
    Donnerstag, 15. September 2011 19:43
    4

    Hallo Herr Günther,

    Das stimmt natürlich das etwas überspitzte Zitat “unteres niveau basiswein” ist aus dem Bericht von Herr Elflein und seiner Punktbewertung abgeleitet.

    Viele Grüße und weiter so mit den lesenswerten Berichten mit tollen Fotos und detailreichem Hintergrundwissen.


  5. Stefan Kiefer
    Sonntag, 18. September 2011 10:51
    5

    Ich war zwar leider nicht bei dieser Weinverkostung dabei, aber vor 2 Jahren haben wir Bekannte mit einem Weingut an der Mosel besucht, waren danach aber auch noch bei anderen Weingütern, unter anderem beim Ürziger Würzgarten. Neben den probierten Weinen hat sich die Landschaft bei gutem Wetter von ihrer besten Seite gezeigt 🙂


  6. Frank
    Donnerstag, 27. Oktober 2011 11:40
    6

    Das ist ein wirklich interessanter Artikel. Ich habe schon bei einer Weinverkostung mitgemacht. Allerdings standen damals nicht so viele Weine auf der Liste. Es war eher im kleinen Rahmen. So eine Verkostung im Ürziger Würzgarten würde mir auch gefallen.
    Es ist interessant wie viele Faktoren beachtet werden müssen um einen guten Wein herzustellen, der auch die Region charakterisieren kann.


  7. Werner Elflein
    Montag, 7. November 2011 09:02
    7

    Schönen guten Tag, Herr Pfaff,

    als “überspitzt” sehe ich meine Aussage zu dem Großen Gewächs (GG) von Dr. Loosen nicht. Der Wein hat schlicht auf ganzer Linie versagt. Dass es sich um ein GG handelte, wusste außer mir, der die Verkostung organisiert hat, niemand, ansonst hätte bereits die Erwartungshaltung und die GG-Gläubigkeit (die ja bei der jährlichen offenen Präsentation in Berlin fröhliche Urstände feiert und zu absurd hohen Bewertungen führt, die später in der verdeckten Verkostung in der Regel nie nachzuvollziehen sind) zu besseren Ergebnissen geführt. Daher halte ich es für unabdingbar, dass wir unsere Verkostungen stets verdeckt durchführen. Wenn nun in diesem Rahmen ein GG plötzlich nicht annähernd eine Spitzenposition belegen kann, ja sogar ablost und final eine Bewertung enthält, die in der Tat unter der so eines besseren Gutsrieslings (den ich, wenn gut gemacht, tausendmal lieber trinken würde), dann läuft hier doch in bedenklicher Weise etwas aus dem Ruder. Die Flasche war übrigens völlig intakt, die Verkosterrunde sehr heterogen, aber witzigerweise (wie schon häufiger beobachtet) im Bewertungsverhalten recht einheitlich (ich behaupte, auch Wein-Anfänger können schmecken!). Es war allerdings auch nicht das erste Mal, dass ein Vertreter aus dem Hause Dr. Loosen sich bei uns in der verdeckten Verkostung als Underperformer herausstellt. Mit Ausnahme einer 1997er Erdener Prälat Auslese Goldkapsel und einer 2005er Erdener Prälat Auslese habe ich bisher auch keinen Riesling aus diesem Weingut getrunken, der mich überzeugt hätte.

    Beste Grüße aus Kaarst
    Werner Elflein