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Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen Veltliner

Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen VeltlinerHeute legte im Hafen von Düsseldorf das Schiff der Östereichischen Weinwerbung (ÖWM) an. Als Ort für die Weinpräsentation wurde das Restaurant „Berens am Kai“ gewählt. Aus der Richtung Donau wurde eine Vielzahl an Grünen Veltlinern verschiedener Stile und unterschiedlicher Jahrgänge mit an den Rhein gebracht. Gerhard Elze (Marketing-Manager der ÖWM) hatte den Journalisten Sascha Speicher auf dem Weg nach Düsseldorf noch mit an Bord geholt. Beide moderierten unterhaltsam und detailliert eine Verkostung von 12 Grünen Veltlinern. Nach der Stärkung mit einem Wiener Schnitzel konnte man noch eine Reihe weiterer Weine frei verkosten.

Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen VeltlinerBesonders positiv zeigte sich der aktuelle Jahrgang 2011. In ihm entstanden sehr viele volle Weine mit ausgeprägter Frucht. Besonders positiv hervorhebenswert ist der Grüne Veltliner Reserve Scheiben aus Wagram vom Weingut Leth. Dies ist einer der Leitbetriebe in dem Anbaugebiet. In der Nase hat man bei diesem Wein eine recht reife helle Frucht. Der Gaumen dieses Grünen Veltliner von Leth ist sehr rund. Insgesamt ist der Scheiben sehr stimmig. Dieses „1 ÖWT“ auf dem Etikett sieht etwas seltsam aus. Es meint jedoch Erste Lagen in Österreich (Details zum Thema folgen).

Aber auch 2010 darf man nicht unterschätzen. Während 2011 vielfach auch das Basissortiment viel Spaß macht, findet man im vorhergehenden Jahrgang besonders bei den gehobenen Qualitäten herausragende Grüne Veltliner. Zwar ist 2010 häufig nicht so opulent in der Frucht geraten, jedoch hat man häufig das typische Pfefferl im Wein. Und in der Spitze brilliert der Jahrgang 2010 in Österreich; auch wenn die Mengen sehr gering waren.

Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen VeltlinerBei den zur Verkostung stehenden Grünen Veltlinern aus 2010 ist ganz besonders der Reserve „Tradition“ vom Schloss Gobelsburg zu empfehlen. Dieser erscheint erst leicht stinkig in der Nase. Doch schnell entdeckt man darunter eine sehr schöne Frucht. Voll ist dieser 2010er Grüne Veltliner am Gaumen, dann wird er frischer. Ein langer weicher Vanille-Nachhall zeigt sich. Dieser Reserve „Tradition“ aus dem Kamptal erinnert mich irgendwie an die Rieslinge von Schäfer-Fröhlich an der Nahe. Dabei ist der Weg ein anderer. Beim Weingut Schloss Gobelsburg versucht man den Ausbau auf eine traditionelle Erzeugung zurückzuführen. Dazu gehört auch ein langes Hefelager. Das Ergebnis ist eine Klasse für sich.

Die Ausprägung der Weine aus der Rebsorte Grüner Veltliner ist sehr stark an den klimatischen Verlauf in einem Jahr gebunden. Es ist durchaus interessant wie markant der Unterschied der beiden Jahrgänge 2011 und 2010 ausfällt. Als geübter Verkoster fällt es nicht wirklich schwer nach einigen Grünen Veltlinern das den Jahrgang blind zuzuordnen. Bei einem ist mir das jedoch nicht gelungen. Der 2010er Reserve Goldjoch vom Weingut Pfaffl ist mit seinem höheren Restzucker so voll in der Frucht und zugleich präsent am Gaumen, dass ich ihn glatt für einen 2011 halten würde.

Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen VeltlinerWeiterhin haben mir in der freien Verkostung noch die Grünen Veltliner Reserve „Charming“ von Laurenz Five, der Smaragd Wösendorfer Hochrain von Rudi Pichler und die „Alten Reben“ von Markovitsch aus dem Jahrgang 2011 sehr gut gefallen. Den Jamek Smaragd Achleiten möchte ich auch noch erwähnen. Dieser wird sicherlich fast jedem Weinfreund sofort zusagen. Bei vielen wird dieser Grüne Veltliner aus 2011 sogar für Begeisterungsstürme sorgen. Mir erschien er etwas vorhersehbar.

Regionen, Stile und Jahrgänge des Grünen VeltlinerDas Thema Reife ist auch durchaus interessant. So zeigt sich hier auch die hervorragende Anstrengung beim Anbei des Grünen Veltliner. Zwar gab es in Düsseldorf in dieser Kategorie nicht wirklich viel zu probieren (in Paranthese: es ist ja nun auch wirklich ein enormes Randthema, wenn auch ein sehr schönes), jedoch schien mir der Smaragd „Vinothek“ vom Nikolaihof aus dem Jahr 1993 als sehr gut ansehnlich und würdevoll gereift. In der Nase hat man bei diesem Grünen Veltliner Holz, was fast schon staubig trocken erscheint, dann kommen Karamell- und Tabaknoten. Erst ist er saftig am Gaumen, dann kurz brandig schnalzend. Insgesamt zeigt sich hier harmonische Reife, wie sie der Nobilität von hervorragenden Weinen der Königsrebsorte Grüner Veltliner angemessen ist.


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