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Vinexpo mit Gastland Spanien

Montag, 19. Juni 2017

vinexpo bordeaux gastland spanienAuch der zweite Tag läuft auf der Vinexpo in Bordeaux in perfekt klimatisierten Messehallen. Ich denke mir, dass die Messe in diesem Jahr nicht nur deswegen zu einem besonderen Magnet wird. Denn man ist ganz gerne dieser Tage in kühlen Räumen. Die Weine mit denen ich mich heute beschäftige, kommen aus dem warmen Spanien zumindest meistens. Spanien ist als Gastland der Vinexpo umfangreich auf der Messe in Bordeaux vertreten.

vinexpo spanien gastlandNeben dem riesigen Gemeinschaftsstand gibt es zahlreiche Stände der einzelnen Anbaugebiete. Und es gibt eine Verkostungsmöglichkeit am Automaten. Es klingt etwas komisch, aber ich finde das häufig recht gut, weil man sich da in Ruhe mit den einzelnen Weinen beschäftigen kann. Die Herausforderung zu verkosten, Fotos machen und Notizen auf Papier zu bringen ist doch bei einem umfangreichen Messetag relativ groß. Und so ein Automat kann recht viel Zeit sparen, da man sehr schnell einen Überlick bekommen kann. Bei dieser spanischen Verkostungsstation gefallen mir besonders gut einige Cava.

vinexpo verkostungsautomat spanienDann probiere ich vom Gastland Spanien auch noch etwas aus Ribera del Duero. Hier mag ich den Oraculo aus 2010. Und auch der Protos’27 mit dem Jahrgang 2014 ist herausragend. Das erinnere ich mich gerne an eine Reise nach Rueda vor einigen Jahren. Dort besuchten wir auch den Ableger von Protos. Und schon gibt es eine perfekte Überleitung zum einer Veranstaltung, bei der sich alles um den Weißwein aus Spanien dreht.

Verkostung mit Pedro Ballesteros MW aus Spanien

Bei Verkostungen startet man gerne mit weißen Weinen. Aus meiner Sicht eigentlich ohne Grund. Bzw. nur aus dem, dass man die Gläser nicht tauschen muss. Pedro Ballesteros MW absolviert heute einen Marathon an geführten Verkostungen. Die erste beschäftigt sich mit spanischen Weißweinen. Dabei ist dieses Land eher für gute Rotweine bekannt. Ballesteros hebt hervor, dass es dort auch schwieriger ist Weißweine zu erzeugen. Häufig wurde in der Vergangenheit die fehlende Säure zum Problem. Im letzten Jahrzehnt hat sich in Spanien das Wissen um die Erzeugung dieser Weine jedoch stark verbessert.

vinexpo pedro ballesteros mwBei ausverkauftem Haus in der Vinexpo Akademy gibt es 10 weiße Weine zu probieren. Fast schon wie im Anschluss an das Thema WOW! von gestern beginnt die Verkostung mit einem Biowein. Der ist sogar aus biodynamischen Anbau. Der Electio von Pares Balta kommt mit einem sehr spärlichen Frontetikett daher. Hinten steht wesentlich mehr auf der Flasche. Dieser Xarel-lo ist aus dem Anbaugebiet Penedes. Er zeigt sich recht dunkel im Glas. In der Nase ist helles Obst. Am Gaumen ist der Wein kraftvoll mit lebendiger Säure. So gut habe ich Penedes selten erlebt. Dieser Wein kostet im Handel ca. 30 Euro.

vinexpo electio pares baltaEin kühler sprudelnder Start mit dem Electio von Pares Balta

vinexpo mil riosAls nächsten Wein gibt es den Mil Rios Godello aus dem Gebiet Valledoras. Ballesteros hebt hervor, dass es in Spanien eine Herausforderung ist eine Säure zu erhalten. Sie wollen diese nicht hinzufügen, sondern natürlich in den Weißweinen haben. Wieso er dies bei diesem Wein erwähnt wird mir nicht ganz klar. Dieser spanische Weißwein hat eine helle Farbe. Frischfruchtig mit Birne ist er in der Nase. Der vielschichtige Gaumen präsentiert sich mit beschwingter Säure. Dieser Spanier hält sehr lange mit einem bunten Fruchtkorb an. Der Preissturz auf 7 Euro ist erstaunlich. Ich hätte diesen Wein als teuer eingeschätzt. Aber die Region ist in Deutschland zumindest nahezu unbekannt.

vinexpo la marLa Mar von Terra Gauda ist mir schon lange bekannt. Hier haben wir jetzt den Jahrgang 2014 im Glas. Es werden drei Rebsorten aus Rías Baixas verwendet. Der Wein zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb. Reife Melone ist in der Nase. Erst recht breit am Gaumen. Entwickelt dann eine sehr schöne Frische in der Länge. Der La Mar macht wirklich Spaß. Dieser Erzeuger kannte ich schon zuvor für sehr gute Qualitäten.

vinexpo el lbrero callejoEinige Weißweine später beschreibt Ballesteros es als ein Experiment solch hochwertige Weine in Spanien zu erzeugen. Ins Glas bekommen wir el Lebrero von der Bodegas Felix Callejo. Diese liegt in Ribera del Duero. Das kann natürlich bei diesem Wein nicht so auf dem Etikett stehen. Somit ist es ein Landwein. Er ist strohgelb im Glas. Es zeigt sich eine komplexe und dezent fruchtige Nase. Dieser spanische Weißwein öffnet sich etwas beim wärmer werden. Dann entsteht ein frischer und voll fruchtiger Gaumen. Zudem sind verspielte Kräuternoten zu schmecken. Der el Lebrero bringt einen langen Nachhall. Was zu Beginn etwas verhalten war, wirkt beim zweiten Schluck schon fast etwas überladen, während die Säure auf der Zunge bitzelt. Dieser „Landwein“ kostet angemessen ca. 17 Euro im Handel.

vinexpo spanien prioratDann gibt es noch einen weißen Wein aus Priorat mit dem Namen Coma Blanca. Das ist ja mal was. Hatte ich noch nie verkostet. Sicherlich ist das interessant. Die Rebsorte ist hier Garnacha Blanca. Strohgelb ist der Wein im Glas. Der Gaumen ist recht kräftig. Irgendwie hatte ich doch etwas mehr erwartet. Da mich dieser Weißwein aus Spanien etwas verstört, versuche diesen Wein im Netz zu finden. Irgendwie gibt es mit dem Namen Coma Blanca nur einen mit einer sehr klassischen Ausstattung. Der ist dann auch noch sehr gut bewertet.

vinexpo tio pepeZum Abschluss der Verkostung bekommen wir von Tio Pepe den fino en Rama. Ich finde es sehr schön diese Veranstaltung – irgendwie dann doch überraschend – mit einem Klassiker zu beenden. Hiermit ist der weiße Wein aus Spanien international bekannt. Und es gibt – zumindest in Deutschland seit einiger Zeit ein kleines Revival. Tio Pepe ist zudem ein richtiger Sherry-Klassiker. Den Fino en Rama hatte ich jedoch zuvor noch nicht im Glas. Welch einen vielschichtigen Duft verströmt dieser Wein. Als Fino duftet dieser Sherry schon fast süß. Doch am Gaumen merkt man wie trocken er dann doch ist. Ballesteros erläutert, dass dieser Wein nicht filtriert ist. Der Sherry wirkt sehr frisch, obwohl er wenig Säure hat.

Weiße Vielfalt aus Spanien auf der Vinexpo

Dies war eine sehr interessante Reise durch die spanischen Weißweine mit vielen für mich neuen Eindrücken. Vor allem die großen geschmacklichen Unterschiede erstaunen mich dann doch etwas. Aber es ist sehr verständlich. Spanien ist ein sehr großes Land mit sehr unterschiedlichem Klima und vielfältigen Rebsorten. In Deutschland sieht man sicherlich inzwischen sehr häufig Rueda. Dann gibt es noch Weißwein aus Rioja und Penedes. Daher kommen aber meist nur die großen und einfacheren Erzeuger auf den deutschen Markt. Sicherlich ist die Konkurrenz für Weißwein in Deutschland sehr groß. Evtl. hält sich auch deswegen hier der Ruf von Spanien als Rotweinland so konstant. Denn das können die Spanier auch wirklich richtig gut.

vinexpo spanien guillermo cruzIch hatte mich vor der Vinexpo zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Grenache in the World“ angemeldet. Ich dachte eigentlich die bekannten Gesichter aus der Grenache Assoziation dort zu treffen. Es war jedoch etwas anders. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Sommelier Guillermo Cruz (rechts im Bild). Und es ging hauptsächlich um Spanien. Vier von sieben Weinen waren von der iberischen Halbinsel. Also Garnacha. Ja, klar. Spanien als Gastland der Vinexpo in diesem Jahr.

vinexpo grenache worldGrenache meint hier auch Garnacha Blanca. Diese Rebsorte ist für die spanischen Weißweine sehr bedeutend. Guillermo Cruz führt aus, dass der rote trotzdem in Spanien wichtiger ist. Drei der vorgestellten Weine gefallen mir außerordentlich. Und alle drei aus verschiedenen Ländern und ganz unterschiedlichen Gründen.

vinexpo jauma grenacheAls ganz ungewöhnlichen Grenache nehme ich den Like Raindrops von Jauma aus dem Mc Laren Vale in Australien war. Er hat eine sehr schöne Nase mit Sauerkirschen aus einem Glas. In der zweiten Nase ist dezenter feuchter Tabak. Auch am Gaumen ist ein sehr schöner Sauerkirschsaft. Nach hinten wirkt dieser Grenache sehr verspielt. Ein wirklich delikater Wein. Die sehr gut eingebundene Säure bringt eine hohe Trinkbarkeit.

vinexpo rivesaltesAußerordentlich gut und erstaunlich war der Rivesaltes Grande Reserve aus dem Jahr 1969. Der ist natürlich orangefarben. Eine süße Sherrynuss zeigt sich in der Nase. Der hat noch deutlich Restsüße. Am Gaumen spielt Nutella mit Wallnüssen. In Nachhall kommen kandierte Eindrücke hinzu. Der Wein ist immerhin fast 50 Jahre alt. Er steht dafür ausgezeichnet da. Den kann man sogar noch kaufen und wird dafür so ca. 65 Euro pro 0,75l-Flasche zahlen.

vinexpo alto moncayoDer dritte richtig gute Wein in dieser Verkostung kommt dann nun auch aus Spanien. Hierbei handelt es sich um den Alto Moncayo 2014 aus der DOC Campo de Borja. Die ist in Deutschland auch noch nicht so bekannt, auch wenn hier einige sehr bedeutende Rotweine herkommen. Dieser Garnacha bringt eine feine fruchtige Nase mit verwobener Brombeere, Kirsche und Pflaume. In der zweiten Nase sind balsamische Noten und etwas Minze. Der Gaumen ist durch die Säure sehr schön erfrischend. Großartig wie ausdrucksstarke Frucht auf Frische trifft.

spain vinexpo bordeauxDieser Text ist lang aber leider doch etwas kürzer als geplant geworden. Es wird aber noch einen Nachtrag hier in diesem Text zu einigen Weinen entlang des Ebrotals geben. Nun geht es jedoch für mich schnell weiter zu einem der Hauptereignisse der Messe. Unter den Titel „A taste of Spain“ präsentieren sich neben einiger der besten Köche Spaniens Top 100 Weingüter. Das Ganze findet in der Innenstadt von Bordeaux im Palais de la Bourse statt. Ich werde berichten.

Barahonda barrica Monastrell Syrah Yecla

Mittwoch, 15. Februar 2017

barahonda barrica monastrell syrah yecla
Jetzt gibt es den Barahonda barrica aus Yecla. Dieses Gebiet liegt bekanntlich in Spanien. Monastrell ist hier die weit verbreitete Rebsorte. Im Barahonda ist auch noch etwas Syrah verarbeitet. Ich habe zu diesem Rotwein gegriffen, weil das Etikett 91 Punkte bei Parker auslobt. Nicht weil ich Robert Parkers Stil so gerne mag. Oder weil ich das für eine gute Vermarktungsart halte. Nur so als Test. Gar nicht einmal, weil ich dem vertraue. Dieser Barahonda stand für 6,66 Euro als Sonderangebot in einem Supermarkt. Mal eben gecheckt: Mehrere Online-Händler verkaufen diesen Wein für 6,99 Euro. Na dann mal tolles Angebot und so richtig Geld gespart. Aber darum sollte es bei gutem Wein eigentlich ohnihon nicht gehen. Also, wie schmeckt der Barahonda barrica? Und ist er die vielen Punkte und das Geld wert?

Barahonda barrica Monastrell Syrah Yecla verkostet

Die Rebsorte Monastrell neigt häufig etwas zur Alkoholbildung. Ganze 14,5 Prozent sind es auch bei diesem Wein. Rebsortentypisch ist der Barahonda sehr dunkel im Glas. In der Nase sind Brombeeren und etwas Unterholz. Eine würzige Note zeigt sich in der zweiten Nase. Muskatnuss und Nelke sind hier auffällig. Am Gaumen ist der Wein füllig mit dezent Spannung erzeugender Säure. Bleibt auch etwas stehen. Aber wenig interessant. Aus meiner Sicht ist der Baraonda eher eine hochgezüchtete Knallerbse.

barahonda yecla monastrell syrah
Ganz ehrlich: Mir erklärt sich nicht wie so ein banaler Rotwein mit 91 Punkten bewertet wird. Für mich ist das eher eine saubere Einstiegsqualität. Macht mir nicht wirklich Spaß, ist aber fehlerfrei. Im mittleren 80er Bereich ist solch ein Wein bei den Punkten besser angesiedelt. Naja, wir leben eben im Zeitalter der Inflation der großen lobenden Worte und Punkte. Noch eine Sache: Auf dem Rückenetikett der Flasche steht, dass dieser Rotwein vegan ist. Na Okay.

Spanien – Yecla
Erzeuger: Bodegas Senorio de Barahonda
Inhalt: 0,75
Alkohol: 14,5 %
Jahrgang: 2012
Einkaufspreis: 6,66 €
Quelle: Supermarkt
EAN: 8437006931106

Stierblut-Wein Sangre de Toro von Torres

Freitag, 22. April 2016

Sangre de Toro TorresWir verkosten jetzt den Sangre de Toro von Torres. Manchen nennen ihn auch den Stierblut-Wein. Er stammt von einem der bekanntesten und bedeutendsten Weinerzeuger in Spanien und damit einer weltweit bekannten Weinmarke. In Chile hat Torres einen weiteren Standort und in China ist man auch engagiert. Heute hat das Familienunternehmen fast 1000 Hektar unter Reben stehen. Doch alles begann ganz klein im Jahr 1870 als Jaime Torres Vendrell das Unternehmen gegenüber von einer Bahnstation gründete. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg begann Torres im Jahr 1940 seine Produktion wieder aufzunehmen. Die Weine wurden nun unter dem eigenen Namen vermarktet. Der Sangre de Toro geht auf das Jahr 1954 zurück. Damals hatte Miguel Torres Carbo das Ziel einen Wein aus Catalunya auf den Weltmarkt zu bringen, der von dieser Region überzeugt. Er nannte ihn Sangre de Toro. Nun ist der 60ste Jahrgang dieses Rotweins am Markt.

Torres Sangre de ToroDer Sangre de Toro geht auf eine Zeit zurück, als die Region Catalunya noch keinen DO-Status hatte. Trotzdem der Weinbau hier mehr als 2500 Jahre alt ist, wurde dieser Status der Region erst 1999 verliehen. Viel bekannter sind die katalanischen Subregionen wie Priorat, Penedes und eventuell auch Costers de Segre. Die DO Catalunya umfasst ca. 200 Weingüter/Bodegas. Doch zurück zum Sangre de Toro. Er besteht aus den Rebsorten Garnacha Tinta (65%) und Carinena (35%). Der Rotwein ist 6 Monate in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche ausgebaut worden.

Torres: Sangre de Toro verkostet oder Wie sieht Stierblut aus?

Keine Ahnung wie Stierblut aussieht. Wahrscheinlich ist es deutlich heller als dieser Rotwein. Der Sangre de Toro ist dicht dunkelrot im Glas mit violettem bis purpurnem Rand. In der Nase sind dunkle Beeren und Pflaumen. Zudem ist Vanille mit Kakaopulver zu riechen. In der zweiten Nase denkt man dann als seien bei den schwarzen Johannisbeeren noch etwas die Stiele beim Ernten daran geblieben. Am Gaumen wirkt das Stierblut rund und weich. Und endlich: Die Säure scheint gut beim Sangre de Toro eingebunden.

Aber auch hier fehlt einiges zum großen Wein. Dieser Supermarkt-Wein von Torres ist recht kurz und im Nachhall auch nicht wirklich groß. Für seinen Preis ist er aber in Ordnung. Man bekommt eben häufig das, was man auch dafür bezahlt hat. Und für die Region Catlunya ist es ein gutes Aushängeschild. Auch weil er den Qualitätsschnitt dort hebt. Nicht nur wegen dem Stierblut ein lohnenswerter Rotwein. Zum gegrillten Rindfleisch oder Lamm ist er ein Genuss.

Stierblut Wein Torres
Der mit dem Stier tanzt.

Stierblut-Wein Sangre de Toro

Spanien – DO Catalunya
Erzeuger: Torres
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5 %
Jahrgang: 2014
Einkaufspreis: 6 €
Verschluss: Presskorken
Quelle: Supermarkt
EAN: 8410113003027

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. Rueda

Mittwoch, 5. November 2014

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaRueda ist ein kleiner Ort im spanischen Landesinneren mit derzeit 1343 Einwohnern. Wenn man mit dem Auto von Madrid kommt, fällt am rechten Wegesrand ein gigantisch großes Weinfass aus Metall auf. Dann passiert man eine Tankstelle. Folgt man der Ruta del Vino weiter, so kommt man in diesen eigentlich recht typischen spanischen kleinen Ort. Doch dann sieht man auf der linken Straßenseite eine Unzahl von Weinläden, Bars und Restaurants. Wenn man in die Schaufenster blickt, erkennt man: Hier gibt nicht nur die für die Region typischen Weißweine vornehmlich aus Verdejo, sondern auch einige Rotweine aus den benachbarten Weinregionen Ribera del Duero, Rioja usw.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDies hängt mit der Entstehung der D.O. Rueda zusammen. Zwar wird hier schon recht lange Wein angebaut – man vermutet die Ursprünge im 11. Jahrhundert – seine jetzige Bedeutung geht aber erst auf den Beginn der 1980er Jahre zurück. Alle reden bei dieser Gründerlegende von Marques de Riscal. Die Legende ist inzwischen schon fast sagenumwoben: Riscal suchte damals nach einer Region in Spanien, in der man gut Sauvignon Blanc anbauen konnte. Besonders die frisch-fruchtigen Weine wurden zu dieser Zeit beliebter, die verfügbaren Mengen waren in der Kategorie deutlich ausbaufähig. Die Pointe der Geschichte um Riscal ist, dass in Rueda von der Bedeutung und von der angebauten Menge her gar nicht der Sauvignon Blanc zur stärksten Rebsorte wurde. Am Ende setzte sich die eigentlich autochthone Rebsorte des Gebiets – der Verdejo – durch. Und das hat durchaus Gründe: So schmeckte uns bei den Verkostungen der Weine bei Weingütern die beide Rebsorten anbauen fast immer der Verdejo besser.

Rueda mit Verdejo

Seine Eigenständigkeit ist zudem zu einer Stärke von Rueda geworden. Mit dem Verdejo ist ein international deutliches Profil entstanden, mit dem man nicht mehr nur für den spanischen Markt interessante Weine erzeugen kann, sondern auch in klassischen Weißweinnationen wie Deutschland punkten kann. Nach Riscal folgten einiger weitere spanische Bodegas in die Region. Aus dieser Sortimentserweiterung mit Weißwein in den frühen 1980er Jahren ist inzwischen deutlich mehr geworden. Verdejo aus Rueda steht inzwischen international für den frischen und fruchtigen Weißwein für den jungen Genuss aus Spanien.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDerzeit gibt es etwas mehr als 60 Bodegas in der D.O. Rueda. Die Dynamik in diesem spanischen Weinbaugebiet erkennt man daran, dass immer noch neue Weingüter in den vergangenen Jahren hinzukommen. Dabei handelt es sich meist um keine Neulinge im Bereich Wein. Auch für den großen und sehr bekannten Erzeuger Protos – ein Weingut das als erstes in Ribera del Duero gilt – ist seit einigen Jahren in Rueda aktiv. Bei ca. 1,3 Mio. kg geernteter Trauben in diesem Jahr vermarktet man lediglich zwei Weine. Der Kellermeister erklärt bei einem Rundgang wie hier gearbeitet wird. Man presst die Trauben mit drei ansteigenden Druckstufen. Dabei sind 2 Bar das Maximum. Die bei dem höchsten Druck entstehenden Weine werden allerdings an andere Bodegas abgegeben, die diese dann nicht mehr unter dem Label D.O. Rueda verkaufen.

Die beiden Verdejos von Protos sind immer ein Cuvee den ersten beiden Pressungen. Man baut hier – anders als in der deutschen Tradition – nicht eine Lage jeweils getrennt in einem Edelstahltank aus und vermarktet dies dann als einen Wein. Vielmehr versucht man durch das Cuvee zumindest im Jahrgang ein gleiches Geschmacksmuster zu erzeugen. 2013 gilt als nicht unbedingt einfaches Jahr in Rueda mit viel Regen. Der Qualität hat es am Ende nicht geschadet. Bei der Bodega Protos hat man 30% als Tafelwein abgewertet. Normal sind ca. 10 %. So erreicht man ein gewohntes Qualitätsniveau.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaKommen wir zu den beiden Weinen. Der mengenmäßig Stärkere und recht bekannte Verdejo von Protos zeigt sich mit einer kraftvollen exotischen Nase mit Ananas und anderen Früchten. Am Gaumen wirkt dieser Weißwein schön frisch. Auch fruchtig geht dieser Verdejo in eine gute Länge. Hier wird das Profil das Anbaugebiets Rueda sehr gut präsentiert. Als zweiten Wein erzeugt die Bodega Protos einen „Verdejo en Barrica“. Aktuell ist der aus dem Jahr 2011. Aus unserer Sicht ist hier etwas viel Holz am Werk gewesen. Aber Geschmack ist ja zum Glück etwas Pluralistisches.

Barrique-Ausbau in Rueda

Wie bei der Bodega Protos baut man inzwischen häufiger den Verdejo im Holz aus. Hierrüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Der deutsche Markt ist von intensivem Fassausbau eher etwas weg gegangen. Man kann sicherlich auch fragen, ob das zu dem frischen Stil des Verdejo passt. Bei Protos erklärt man uns, dass dies eigentlich nur ein Randprodukt ist, welches man aber schnell verkaufen kann. Und man kann sicherlich nachvollziehen, dass ab einer umfangreicheren Betriebsgröße ein zweiter Wein sinnvoll sein kann.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaUnd es gibt auch einige wirklich interessante Weißweine aus Rueda mit Barriqueausbau. Da kann man den von Palacio de Bornos durchaus hinzuzählen. Dieser Erzeuger ist seit 1978 in Rueda aktiv und kann als einer der Pioniere des modernen Weinbaus in der Region angesehen werden. Wir verkosten hier unter anderem den „Verdejo fermentado en Barrica“ aus dem Jahr 2013. Dabei ist gebrauchtes Holz für vier Monate zum Einsatz gekommen. Besonders der gut durchdachte und nicht den Wein überdeterminierende Holzeinsatz ist hier schätzenswert. Vielmehr unterstützt eine zarte Vanillenote die Frucht dieses Weins.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaEigentlich ist die Klarheit des Konzepts der Weinerzeugung in Rueda sehr bestechend. Dazu gehört auch der offene Umgang mit den eingesetzten technischen Mitteln. Man könnte die These aufstellen, dass ohne die neueren Möglichkeiten der Weinanbau in Rueda nicht zu realisieren ist. In einer Image-Broschüre der Region ist da auch ein Vollernter abgebildet. Wenn man ehrlich ist, kann man nicht bestreiten, dass die dortigen Erzeugerpreise mit dieser hohen Qualität anders nicht möglich sind. Denn hier ist noch eine Besonderheit: Man liest die Trauben möglichst in der Nacht oder besonders gerne morgens. Bei der Wärme die hier auch noch im September häufig herrscht, würde die Ernte sonst zu stark leiden. Per Hand ist das auch in der Geschwindigkeit weder bezahlbar noch möglich.

Technik in der D.O. Rueda

Neben einer aktiven Nutzung modernster Technik ist man in Rueda zugleich inzwischen sehr bedacht, was eine nachhaltige Weiterentwicklung der Region anbelangt. Beim Thema Reinzuchthefen geht man seit Jahren schon von einer Uniformität weg und versucht eigene Hefen zu benutzen, wodurch eine noch stärkere Unterscheidung zu anderen Regionen entstehen kann. Das ist eine positive Entwicklung, so gab es doch eine Zeit, wo man so manchen Verdejo kaum vom Sauvignon Blanc aus Übersee unterscheiden konnte.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaDer Weg einer erschwinglichen und zugleich hohen Qualität macht sich schon seit Jahren im Export bemerkbar. So verdreifachten sich die Ausfuhren in den vergangen 10 Jahren. Fast immer waren die jährlichen Steigerungen kontinuierlich, was für ein nachhaltiges Wachstum spricht. 2013 wurde mit 13 Mio. Flaschen ein neuer Höhepunkt erreicht. 20% davon werden in Deutschland getrunken. Hier vervierfachte sich die Menge in den vergangenen 10 Jahren. Und das in einem klassischen Weißweinland mit auch schon ganz guten Qualitäten in dem Preissegment 5 – 10 Euro, was beim Verdejo aus Rueda die meisten Weine ausmacht.

Groß und klein in Rueda

Man sieht viele recht große Bodegas in der D.O. Rueda. Aber es geht auch anders. Neben den großen Erzeugern gibt es eine Reihe kleinerer Weingüter wie die Finca Montepedroso mit ca. 20 Hektar Rebfläche. „Ein Weinberg, eine Rebsorte, ein Wein.“ So ist deren Konzept, wie Jose Maria de Castaneda erläutert. Wie bei vielen anderen Erzeugern der Region ist nicht nur die Übersichtlichkeit der Anzahl der Weißweine schätzenswert, sondern auch die hohe Qualität des Weins. Der vorzügliche Verdejo der Finca Montepedroso ist z.B. für ca. 7 Euro im deutschen Handel zu finden.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaEin Höhepunkt auf unserer Reise durch Rueda ist der Besuch beim Weingut Menade. Konservative würden es so ausdrücken: Hier kann man den Aufbruch der jungen Generation im modernen Spanien spüren. Eine gesunde Emanzipation von Traditionen. Für andere ist das Weingut in der Hand des stilvollen und ganzheitlich (weil ökologisch) ausgerichteten Teils der native IPhone-Generation. Unaufdringlich-internationales und zugleich zeitloses Design, geschmackvolle ausgewogene Weine mit Spannungsbogen und wirklich sympathische Leute, so könnte man das Weingut auf den Punkt bringen.

Exkursion nach Spanien: Verdejo aus der D.O. RuedaMenade bewirtschaftet in Rueda 118 Hektar nach biologischen Gesichtspunkten. Daraus entstehen drei Weine, die mit eigenen Hefen vergoren werden. Schon der einfache Verdejo aus 2013 macht so richtig Spaß. Dieser Weißwein ist sehr schön rund in der Frucht. In der Nase zeigt sich Grapefruit und fruchtiges Brausepulver. Am Gaumen ist eine ausgewogene und zugleich frische Säure. Ein großartiger Verdejo aus Rueda, auch wenn gerade dieser Wein nicht unbedingt als Profilwein zu bezeichnen ist. Das scheint bei Bioweinen aber nicht selten der Fall zu sein.

Pittacum: Mencia aus Bierzo

Montag, 25. Juni 2012

Pittacum: Mencia aus BierzoBierzo gilt mit etwas mehr als 4.000 Hektar Rebfläche als nicht ganz so großes Anbaugebiet in Spanien. Mencia ist mit 65% hier die stärkste Rebsorte. In Bierzo erzeugt das Weingut Pittacum erzeugt zwei verschiedene Rotweine. Der eigene Anbau von Pittacum umfasst nur 5 Hektar. Man bezieht jedoch Trauben aus verschiedenen Bereichen den Bierzo. Hierbei wird darauf geachtet, dass von den Vertragspartnern die Selben Qualitätsanforderungen erfüllen werden, wie bei dem eigenen Lesegut. Dies stellt man durch ganzjährige Kontrolle sicher.´

Pittacum: Mencia aus BierzoIn den Rotweinen werden besonders alte Rebstöcke verwendet. So sind die Mencia-Reben bei Pittacum 50 bis 80 Jahre alt. Im Anbaugebiet Bierzo wachsen sie auf kargen Böden. Der einfachere Rotwein von Pittacum ist ein Roble, das heißt er wurde acht Monaten im Barrique ausgebaut. Der hochwertigere Pittacum Aurea besteht aus den besten Trauben und ist 14 Monate in kleinen Fässern ausgebaut worden. Beide Weine des Jahrgangs 2007 stehen nun zur Verkostung.

Pittacum: Mencia aus Bierzo
Pittacum 2007

Der Pittacum 2007 ist dunkel, dicht rubinrot und mit violettem Rand im Glas. In der Nase sind cremig anmutende dunkle Waldbeeren. Da sind schon fast likörige Brombeeren mit reifen Kirschen. In der zweiten Nase ist eine gut ergänzende Würze mit Nelken und etwas Zimt. Am Gaumen fällt bei diesem Rotwein aus Bierzo eine sehr weiche Textur auf. Dieser Mencia verbindet Kraft und Finesse auf eine elegante Art und Weise. Dezente teeige Minze bringt Frische an den Gaumen. Der Pittacum 2007 bleibt lange im Mund mit weicher Schokolade und etwas Würze präsent. Lediglich die 14,% erscheinen doch etwas hoch. Der Alkohol ist zwar gut eingebunden und trägt zur Intensität des Weins bei, leider ist er auch ganz leicht zu riechen.

EAN 8437002557157
12 Euro

Pittacum: Mencia aus Bierzo
Pittacum Aurea 2007

Bei dem Pittacum Aurea 2007 hat man ein dunkles und dichtes Violett im Glas. Reife Brombeeren und Schwarze Johannisbeeren sind in der Nase. In der zweiten Nase sind reife Schwarze Kirschen mit etwas Leder und Taback. Am Gaumen kann man kaum Säure wahrnehmen. Fruchtig mit einer Mischung aus dunkler Schokolade und Leder bleibt dieser Rotwein lange stehen. Die Kraft des Pittacum Aurea ist recht subtil. Gerade im schönen Nachhall präsentiert er sich als ein Gegenbild einer Knallerbse. Es wird nicht versucht den Wein aufzubauschen. Vielmehr zeigt der Aurea aus 2007 elegant seine Stärken.

EAN 8437002557164
30 Euro

Pittacum: Mencia aus Bierzo
Aus meiner Sicht ist der Pittacum Aurea der eindeutig Bessere der beiden Weine. Wenn man den Preisabstand betrachtet, würde ich mich bei Kauf wahrscheinlich häufiger für den kürzer ausgebauten Roble entscheiden. Bei beiden Weinen aus Bierzo besticht, dass sie neben der dunklen Beerenfülle am Gaumen auch frische Momente haben. Beide treten nicht behäbig als Schwergewicht auf, sondern zeigen neben der Kraft auch ein schönes Finessenreichtum. Dabei tritt die Säure nie neben die Frucht, sondern ist gut mit ihr integriert. Schön ist es zudem bei beiden Rotweinen zu verfolgen, wie sie sich nach mehreren Tagen Flaschenöffnung entwickeln. Hier zeigt vor allem der Pittacum Aurea sein Können.

Pansa Blanca aus Alella oder Lesegut blanco

Donnerstag, 29. März 2012

Pansa Blanca aus Alella oder Lesegut blancoDer Rotwein Lesegut ist auf dem deutschen Markt recht bekannt. Wir haben jetzt den weißen Bruder im Glas. Er kommt aus der spanischen Region Alella. Diese Region kennt man in Deutschland eigentlich kaum. Das hängt damit zusammen, dass die D.O. Alella mit gerade einmal 560 Hektar eine der kleinsten Weinbauregionen in Spanien ist. Sie liegt nördlich von Barcelona und ist von mediterranem Klima und kühlen Nordwinden beeinflusst. Die Stadtnähe bringt in einigen Bereichen eine gewisse Konkurrenz von Wein- und Wohnungsbau mit sich. Die Rebsorte im weißen Lesegut nennt sich Pansa Blanca. Sie ist in anderen spanischen Weinbaugebieten unter dem Namen Xarel-lo bekannt.

Der Lesegut blanco ist strohgelb im Glas. Er tritt duftig und intensiv fruchtig in der Nase auf. Die Rebsorte Pansa Blanca zeigt eine reife exotische Frucht in der zweiten Nase mit vegetatiblen Noten unterstützt von süßem Pfirsich. Am Gaumen des Lesegut blance zeigt sich eine kräftige Frucht, die mit einer dezenten Säure lebendig gehalten wird. Neben der opulenten Frucht kann man im Nachhall ein Pfefferl wahrnehmen, dass etwas an den Grünen Veltliner erinnert. Der Lesegut blanco ist ein rundum gelungener eigenwilliger Wein. Uns gefällt er, weil er eben nicht auf beliebige internationale Geschmacksmuster hingebogen ist, sondern ganz sympathisch eine lokale Eigenheit erzählt. Es sich lohnt ihn in der jetzigen Übergangszeit zu entdecken. Mit dem Lesegut blanco kann man die frühjährliche Vorfreude auf den mediterranen Sommer genauso genießen, wie die schönen Sommererinnerungen im Herbst.

Lesegut blanco 2011
Spanien – D.O. Alella
Erzeuger: Marques de Alella
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2011
Einkaufspreis: 8 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Fachhandel
EAN 8410855990326