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Wein aus Arizona: Blood into Wine

Wein aus Arizona: Blood into WineDie Geschichte von „Blood into Wine“ ist eigentlich schnell umrissen. Der Film erzählt mit einigem Mut zur Selbstironie davon, wie Maynard James Keenan zusammen mit dem Önologen Eric Glomski in Arizona ein Weingut betreiben. Maynard Keenan hat sich als alternativ-Metal-Musiker mit der Band „Tool“ einen Namen gemacht. Eric Glomski erwarb sein Wissen über Wein im Napa Valley. Neben den beiden interessanten Hauptfiguren des unterhaltsamen Dokumentarfilms entsteht ein Spannungsbogen im Weinbau in einer Grenzregion, in der man unter „berechnetem Risiko“ Pionierarbeit leistet.

Wenn man Arizona hört, denkt man bei Getränken wohl derzeit eher erstmal an Eistee. Den braucht man auch, wenn man die trockenen heißen Tage dort einmal erlebt hat. Doch wer weiß schon, dass es in Arizona auch Weinbau gibt? Selbst in den USA ist das eine Ausnahmeerscheinung. In Deutschland wird beim Thema Wein aus Nordamerika fast ausschließlich das warme Kalifornien gemeint. Selbst Weine aus Regionen die in den USA etabliert sind – wie Washington State – kann man in hiesigen Weinfachhandlungen nur selten zu finden.

Zu Beginn des Films erschient es als ein Kontrast, dass Tool-Sänger Maynard James Keenan die Rebschere als neues Werkzeug für sich entdeckt hat. Zugleich ist es wesentlich spannender, als wenn man 90 Minuten lang Sylvester Stallone dabei zusehen würde, wenn er seinen neuen Arbeitsschwerpunkt Lyrik entdeckt. Der Kontrast löst sich jedoch auf. Wein kann ein künstlerisches Produkt wie Musik sein. Keenans auch in der Musikwelt unscharf und widersprüchlich bleibende Figur spiegelt sich in den schwierigen Bedingungen des Weinbaus in Arizona. Zugleich tritt er in „Blood into Wine“ wahrscheinlich so klar und offen wie nie zuvor auf.

Es ist eine seltsame Situation, wenn Tool-Fans die Weine aus Arizona kaufen. Das erinnert an das Weingut von Oethegraven an der Saar. Hier bestellten plötzlich Bild-Zeitungsleser Riesling, weil sie erfahren haben, dass Günther Jauch nun der Eigentümer ist. Man kann sich dabei irgendwie fragen: Wie personalisiert ist eigentlich die Ware Wein? Gerade dadurch, dass der Film „Blood into Wine“ dieses Thema nachdenklich aufgreift, wird er sehenswert.

Wein kann als vielfältige Projektionsfläche dienen. Für den schauspielenden Grenzgänger Gerard Depardieu, der gleich mehrere Weingüter in Frankreich besitzt, ist es Genuss. Bei Maynard James Keenan findet eher eine spirituelle Projektion statt. Diese steht gar nicht im Kontrast zu seiner Karriere als Musiker im Bereich alternative Metal, sondern setzt diese fort. Und so wie der Bandname „Tool“ immer diskutiert wurde, kann man „Blood into Wine“ eben auch in die spirituelle Richtung deuten.

So wird für Maynard James Keenan Wein dann auch zu einem „göttlichen Wesen“. Für Eric Glomski, der in „Blood into Wine“ besonders ökologische Aspekte wie Nachhaltigkeit herausstellt, ist „die Erde eine Art Kirche und Gott“. Interessant sind diese Bezüge zum Glauben vor dem Hintergrund, dass zwar der qualitätsorientierte Weinbau in Arizona recht neu ist. Jedoch bauten erstmals Franziskanermönche im 16. Jahrhundert dort Messwein an.

Das Qualitätsstreben von Keenan und Glomski sind im Film unverkennbar. Gerade weil auch von den Missgeschicken und schwierigen klimatischen Voraussetzungen des Weinbaus berichtet wird, ist es kein Werbefilm für Wein aus Arizona oder aus den Merkin Vineyards. „Blood into Wine“ ist nicht nur für Musikfans von Maynard James Keenan oder Interessenten an Wein aus Arizona sehenswert. Er zeigt auch sehr schöne Landschaften und erzählt eine Geschichte von Menschen die an ihre Ziele glauben und für diese arbeiten.

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Der Film erscheint heute als DVD in Deutschland.

Zum Schluss eine kleine Preisfrage: Wem hat Maynard James Keenan den Wein mit dem Namen Judith gewidmet?

Antworten bitte als Kommentar (werden zeitversetzt veröffentlicht). Zu gewinnen gibt es eine DVD des Films und ein Poster.


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© Thomas Günther / weinverkostungen.de
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Wein aus Arizona: Blood into Wine

 

7 Kommentare zu “Wein aus Arizona: Blood into Wine”


  1. Axel Finger
    Freitag, 21. Oktober 2011 16:33
    1

    Er hat den Wein seiner Mutter Judith gewidmet.


  2. Peter
    Freitag, 21. Oktober 2011 16:41
    2

    Der Wein „Judith“ ist nach seiner Mutter benannt.


  3. weinverkostungen.de
    Samstag, 22. Oktober 2011 21:29
    3

    Gewonnen hat Alex Finger, da er zuerst die richtige Antwort wusste. Das Paket ist unterwegs.


  4. Tim
    Montag, 24. Oktober 2011 10:11
    4

    Und Judith ist einer der besten Songs von Maynards Zweitband „A Perfect Circle“ 🙂


  5. Anschi
    Sonntag, 30. Oktober 2011 19:17
    5

    seiner verstorbenen Mutter


  6. Jokkel
    Freitag, 11. November 2011 17:13
    6

    Naja, typisch USA. Ein großes Spektakel und am Schluß sogar „Wein als göttliches Wesen“. Aber dann bei der Herstellung panschen, daß sich die Balken biegen. Not for me!


  7. weinverkostungen.de
    Freitag, 11. November 2011 18:34
    7

    Hallo Herr Jokkel,
    ich halte es für ein Vorurteil die Weine aus USA immer mit hier unerlaubten Erzeugungsmethoden zu verbinden. Es gibt auch dort sehr engagierte Weingüter, die hochwertige Weine produzieren. Auf der anderen Seite sollte man sich einmal genauer anschauen, was alles in Europa erlaubt ist.

    Viele Grüße
    Thomas Günther