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Etikettenschwindel im Discounter

Foto: Thomas GüntherEs ist einen Monat her: Aldi Süd warb für einen „Naumachos“ 2004 Rosso Piceno Superiore DOC. Dieser hatte im italienischen Weinguide „Gambero Rosso“ die Auszeichnung „Zwei Gläser“ bekommen. Im Fachhandel kostet dieser Wein knapp 10 Euro. Aldi will nur 6,99 für eine Flasche haben. Doch ist es tatsächlich der selbe Wein?

Dieser Frage gingen Cornelius und Fabian Lange in der Frankfurter Allgemeinen Sontagszeitung vom 14. September nach. Sie stellen einen Skandal fest. Es ist eine märchenhaft erscheinende Erzählung von einer “wundersamen Weinvermehrung”. So soll ein Interessent, der sich als Gastronom aus Essen bezeichnete, bei dem Erzeuger in Italien nach 50.000 Flaschen des „Naumachos“ 2004 Rosso Piceno Superiore DOC angefragt haben. Zu dem Zeitpunkt sollen aber nur noch 4.000 Flaschen vorhanden gewesen sein. Fraglich ist, wie Aldi-Süd an die Menge der von ihnen verkauften Flaschen gekommen ist.

Bei diesen Ungereimtheiten bemühten Cornelius und Fabian Lange das Weinlabor vom Önologen Werner Vogel. Dieser führte eine Vergleichsanalyse zwischen dem Aldi-Wein und zwei identisch ausgestatten Flaschen aus dem Fachhandel durch. Sein Ergebnis: Der Wein von Aldi “unterscheidet sich sowohl analytisch als auch sensorisch von den beiden anderen Mustern”. Sein “Aroma erinnerte an nasse Pappe und gekochte Erdbeeren oder Kirschen. So etwas hätte es nicht einmal in die Vorausscheidung des „Gambero Rosso“ geschafft”, so Cornelius und Fabian Lange in ihrem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sontagszeitung. Dabei warb Aldi-Süd für diesen Wein doch mit dem Slogan: „Spitzenweine in bester Fachhandelsqualität!“

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Etikettenschwindel im Discounter

 

3 Kommentare zu “Etikettenschwindel im Discounter”


  1. Klaus Stoll
    Sonntag, 12. Oktober 2008 13:53
    1

    Wir haben diesen Artikel Tage später bei uns im Büro und im Lager herumgereicht und alle haben nur den Kopf geschüttelt. Nicht wegen der Schweinerei, die da passiert, sondern dass das etablierte Wein-Wissen in den Medien diesen Fall totschweigt bzw. verleugnet. Für mich gibt es nur zwei Erklärungen: Aldi Süd ist ein fantastischer Werbe-Seiten-Partner mit direktem zum Chefredakteur, deshalb Vorsicht mit Kritik. Oder aber alle Beteiligten (in diesem Falle Weingüter, Händler und Verkäufer) haben ebenfalls selbst Leichen im Keller und keiner wagt den anderen anzuschwärzen. Mein Lob an die Langes, weiter so.


  2. weinverkostungen.de
    Montag, 13. Oktober 2008 22:34
    2

    Hallo Herr Stoll,
    es hat mich auch sehr gewundert, dass diese Geschichte so klein geblieben ist. Eigentlich ist es ein riesiger Skandal; egal wer das Schuld hat. Ich hab davon auch erst recht spät mitbekommen. Eigentlich hätte ich jedoch gedacht, dass auch andere Medien auf dieses Thema einsteigen. Mal schauen, ob es Weinzeitschriften gibt, die was darüber veröffentlichen.

    Viele Grüße
    Thomas Günther


  3. The Big Pond » The day the wine crooks got away with it
    Mittwoch, 15. Oktober 2008 15:21
    3

    […] locks on. But, every now and then criminals do get away with it in Germany. On 12 October this wine blog told the whole, juicy story of how someone (it’s not sure who) made lots of money by glueing […]