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Alfred Gratien: Das handwerkliche Champagnerhaus

Sonntag, 23. Dezember 2012

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienIn den vergangenen Tagen waren wir in der Champagne unterwegs. Nach einer Vorverkostung einiger hervorragender Weine von Alfred Gratien mussten wir unbedingt in diesem kleineren Champagnerhaus in Eperny vorbeischauen. Schon wenn man die Gebäude von außen betrachtet sieht man: Hier wird wirklich am Produkt gearbeitet. Einen bunten Show-Room sucht man deswegen vergebens. Da genug inhaltliche Substanz vorhanden ist, fehlt er aber auch nicht.

Zu Gast in der Champagne bei Alfred Gratien

Die Besichtigung beginnt im Fasskeller. Alle Weine von Alfred Gratien werden auf traditionelle Weise vollständig im Fass ausgebaut. Das erfordert wesentlich mehr Arbeit als im Edelstahltank. Alle zwei Wochen wird jedes einzelne Holzfass vom Kellermeister Nicolas Jaeger und seinen sechs Mitarbeitern auf den Inhalt kontrolliert. Fehlentwicklungen können so früh erkannt werden. Auch der natürliche Schwund muss regelmäßig aufgefüllt werden. Wenn man andere Erzeuger gesehen hat, erkennt man: Kaum ein anderes Champagnerhaus leistet sich so viel Handarbeit.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienAlfred Gratien gehört zur Kategorie der Negociant-Manipultant. Auf jeder Champagner-Flasche steht deswegen neben vielen anderen Zahlen das Kürzel NM. Darunter ist ein Champagnerhaus zu verstehen, welches die verarbeiteten Trauben größtenteils zukauft. Fast alle großen und bekannten Champagnermarken fallen in diese Kategorie. Man ist von der Betriebsform her in der Gesellschaft von Bollinger, Vranken-Pommery, Pol Roger, Lanson, Taittinger, Piper-Heidsieck, Veuve Clicquot und vieler anderer bekannte Erzeuger. Doch man findet zahlreiche Unterschiede zwischen den Champagnern von Alfred Gratien und denen nicht selten bunter Marken.

Neben dem Zukauf von Trauben hat das Champagnerhaus Gratien vor ca. 10 Jahren 1,63 Hektar eigene Rebfläche erworben. Diese werden traditionell bewirtschaftet. Der Erwerb war aus heutiger Sicht auch noch eine lohnende Investition. So gab es bis jetzt eine Preissteigerung der Rebfläche um ungefähr die Hälfte des damaligen Kaufpreises. Darüber hinaus wird Alfred Gratien von ca. 60 Anbaubetrieben beliefert. Die Trauben kommen aus den aus den drei Regionen Montagne de Reims, Vallee de Marne und Cote des Blance. Lediglich aus dem südlichen gelegenen Cote des Bar bezieht man keine Trauben, da der Weg bis nach Epernay zu weit ist.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienZu den Traubenanbauern bestehen häufig sehr lange freundschaftliche Beziehungen. Kellermeister Nicolas Jaeger berichtet, dass er von einigen der Anbauern trotz seiner wesentlich geringen Abnahmemenge gegenüber den großen Produzenten sehr gerne beliefert wird. Insgesamt werden zwar ca. 180 Marc pro Jahr verarbeitet, für den einzelnen Lieferanten ist es manchmal jedoch nur ein Marc. Diese ca. 4.000 Kilogramm Trauben sind das Fassungsvermögen einer traditionellen Presse in der Champagne. Damit ist es auch das Handelsmaß zwischen Traubenanbauern und den Champagnerhäusern.

Im Fasskeller in Eperny

Bei Alfred Gratien werden diese Grundweine in gebrauchten Holzfässern je nach Cru und Lieferanten getrennt ausgebaut. Nach der ersten Gärung könnte man im Prinzip für jeden Traubenproduzenten seinen eigenen Champagner erzeugen. Wenn die Erzeuger der Trauben bei Alfred Gratien in Eperny vorbei kommen, freuen sie sich ihre Grundweine probieren zu können. Das ist eigentlich nicht üblich. Zugleich ist das für das Champagnerhaus ein sehr sympathisches Instrument zur Qualitätssicherung. Dabei entsteht zum einen so eine Art personalisierter Keller. Zugleich ist es so, dass wenn man bei Alfred Gratien durch die Gänge zwischen den Fässer läuft, die einer Wanderung durch die Champagne gleichkommt.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienDie verwendeten Fässer haben jedoch eine andere Geschichte. Sie stammen aus dem Burgund. Die bei Alfred Gratien im Einsatz befindlichen Holzfässer bestehen aus französischer Eiche und waren zuvor ca. 4 Jahre schon im Einsatz. Kellermeister Nicolas Jaeger legt großen Wert darauf, dass kein Holzton im Champagner entsteht. Die ca. 1.000 Holzfässer bleiben dann bei Alfred Gratien 15 bis 20 Jahre im Einsatz. Nach jeder Verwendung müssen sie in 10 Schritten aufwendig gereinigt werden.

Grundweinprobe bei Alfred Gratien

Doch probieren wir etwas von den aktuellen Grundweinen. Man kann hierbei schnell verstehen, dass ein Kellermeister in der Champagne meistens 20 Jahre mit seinem Vorgänger zusammengearbeitet hat, bis er die Verantwortung übertragen bekommt. Nicolas Jaeger hat sein Können von seinem Vater beigebracht bekommen. Er ist damit die vierte Generation in der Familie, die bei Alfred Gratien tätig ist. Die leicht trüben Grundweine duften derzeit sehr schön fruchtig. Vor allem der Chardonnay tut sich hier hervor. Die mineralische Säure ist aber extrem kräftig. Ein Grundwein aus einer der besten Cru-Lagen bleibt regelrecht trocken und kreidig am Gaumen stehen.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienAuffällig ist die sehr frische Säure bei Alfred Gratien so wird hier vollständig auf die sonnst in der Champagne sehr verbreitete malolaktische Gärung verzichtet. Dies soll die Frische der Weine erhalten. Das hat in diesem Haus auch Tradition. Es gibt nur wenig, was man hier in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Dazu gehört allerdings das Verfahren der Klärung der Grundweine. Der Großvater von Nicolas Jaeger hatte früher in seiner Zeit als Kellermeister jeweils drei Eiweiß pro Fass aufgeschlagen. Dies hat alles was nicht mehr im Champagner sein sollte gebunden und hat sich am Boden des Fasses abgesetzt.

Doch zurück zu den Grundweinen: Für Außenstehende scheint es bei solch einer Probe in der Champagne nur eine Regel zu geben. Je extremer und auch negativ auffälliger diese Weine scheinen, umso hochwertiger sind sie für die Kenner und Kellermeister. Auch der Pinot Noir aus den Fässern von Alfred Gratien wird probiert. Es ist gut, dass noch so einiges passiert, bis die Champagnertrinker das fertige Produkt genießen können.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienDerzeit weiß auch Kellermeister Nicolas Jaeger noch nicht genau, wie er die Grundweine verwenden wird. Er wird immer wieder probieren und ab Februar wird er dann einige erste Testassamblages erstellen. Für die richtige Assambalge für die Champagner von Alfred Gratien kommt dann erstmals ein Edelstahltank zum Einsatz. Aus den einzelnen Fässern müssen die Komponenten für die Champagner vorsichtig ausgepumpt werden. Alles was sich unten abgesetzt hat, soll auch dort bleiben.

Für das Champagnerhaus Alfred Gratien gibt es noch einer zweite Verwendungen von Edelstahltanks. Neben der Mischung der endgültige Assamblage der Champagner dienen sie auch zur Aufbewahrung der Reserveweine. In der Champagne ist jeder Winzer und jedes Champagnerhaus verpflichtet in bestimmten erntereichen Jahren festgelegte Mengen von den Grundweinen zurückzuhalten. Das ist ein intelligentes System der Anbauregion negative Preisentwicklungen zu verhindern. Gerde solche kleinen Stellschrauben machen den historischen Erfolg der Region Champagne aus.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienEinige Champagnerhäuser, wie zum Beispiel Roederer nutzen diesen auferlegten Zwang gegenüber einem einzelnen Erzeuger dauerhaft um besonders alte Reserveweine dem jungen Champagner hinzuzufügen. Bei anderen Häusern lagert man kürzer und versucht eher Jahre mit kurzer Vegetationsperiode mit denen besonders reifer Trauben auszugleichen. Dort gelingen die Champagner nach wechselnden Jahren nicht selten besser als gewöhnlich. Bei Alfred Gratien verfolgt man aber keine dieser Strategien. Vielmehr möchte man die Reserveweine jung zu halten. Denn hier reift der Champagner in der Flasche und wird nicht im Tank alt.

Die Geschichte des Hauses Alfred Gratien

In den bald 150 Jahren Geschichte vom Champagnerhaus Alfred Gratien hat sich kaum etwas geändert. Die Anfangsjahre waren sicherlich bewegt. Das Haus wurde von Alfred Gratien1864 gegründet. Zehn Jahre später gesellt sich der aus dem Elsass kommende Albert Jean Meyer hinzu. Daher entstand auch der Name des Ablegers an der Loire Gratien&Mayer. Da Alfred Gratien recht früh 1885 verstarb und in der Familie Meyer nur eine Tochter vorhanden war, änderte sich der Name der Inhaber durch Heirat in Seydoux. Diese hatten schon die Jaegers als Kellermeister eingestellt.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienVor zehn Jahren gab es bei Alfred Gratien dann einen wirklichen Inhaberwechsel. Der lange Familienbesitz der Seydoux drohte auf 12 Erben aufgeteilt zu werden. So entschloss man sich zu einem Verkauf an das deutsche Sekthaus Henkell. Dies hat jedoch viele Vorteile mit sich gebracht, kann Nicolas Jaeger berichten. Er hat die Hälfte seiner Zeit auch beim Vorgänger gearbeitet hat. Mit Henkell hat man in die Anlagen investieren können. Zudem konnten die schon erwähnten 1,6 Hektar eigene Weinbergsfläche gekauft werden. Auch die Etiketten der Flaschen hat man neu gestaltet. Ihr Inhalt und die traditionelle Erzeugung des Champagners sind jedoch geblieben.

Im Keller

Weiter geht es in den Keller von Alfred Gratien. Der Fahrstuhl bringt uns 16 Meter unter Epernay. Er wurde 1861 unter dem Hauptsitz angelegt. Im unteren Keller befindet sich das Flaschenlager mit angesichts der Jahreserzeugung von bis zu 250.000 Flaschen recht erstaunlichen rund 1,5 Millionen Flaschen. In einer mittleren Etage befindet sich die Station zum degogieren. Wenn man die riesigen Gewölbe von der Loire kennt, wirkt dieser Flaschenkeller auf den ersten Blick trotz der vielen Flaschen etwas übersichtlich. Aber das Kreidegestein unter Epernay ist auch wesentlich härter als Tuffstein.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienEine Besonderheit bei Alfred Gratien ist die Länge der Flaschenlagerung. So wird hier der normale Brut zweieinhalb bis drei Jahre senkrecht stehen gelassen. Beim Jahrgangschampagner sind es sogar 8 bis 10 Jahre. Gesetzlich ist nur eine Reifezeit von drei Jahren vorgeschrieben. Bei Alfred Gratien aktuell der Jahrgangchampagner aus 1999 verkauft. Bei anderen großen und bedeutenden Häusern ist selbst das absolute Spitzenprodukt aus dem Jahr 2004 bereits im Handel. Von jedem Jahrgang werden bei Alfred Gratien auch noch mal 3.000 Flaschen zurückgehalten, die dann gezielt zu bestimmten Jubiläen oder ähnlichem eingesetzt werden können.

Die lange Reifezeit auf der Hefe bei Alfred Gratien erhöht die Qualität und zugleich kann man die Flaschen auch noch länger ohne merklichen Qualitätsverlust weiter lagern. Der Verzicht auf die malolaktische Gärung trägt zur Langlebigkeit und dem Erhalt der Frische bei. Die Flaschen der Jahrgangschampagner im Keller von Alfred Gratien sehen auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich aus. So verschließt man alle gehobenen Qualitäten für die Flaschenlagerung mit einem Kronkorken, sondern mit Naturkorken der von einer Metallklammer gehalten wird.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienKellermeister Nicolas Jaeger berichtet, dass man vor einiger Zeit bei einem Jahrgang beide Verschlussarten mal parallel getestet hat. Die Qualität sei mit dem Naturkorken wesentlich besser gewesen. Bei so einer langen Flaschenlagerung wie bei Alfred Gratien ist ein Unterschied nicht wirklich ungewöhnlich. Dieser Verschluss wird sonst im Bereich der Champagnerhäuser nur noch von Bollinger für die besten Schaumweine eingesetzt.

Verkostung der Champagner von Alfred Gratien

Kommen wir zur Verkostung der Champagner von Alfred Gratien. Das Sortiment ist überschaubar. Den normalen Brut und der Brut Rose haben wir schon hier vorgestellt. Dieser hat zwar keinen Jahrgang gekennzeichnet, es wurden jedoch Grundweine aus 2008 und Reserveweine aus 2007 verwendet. Recht neu wird bei Alfred Gratien auch ein Brut Nature Champagner erzeugt. Dieser Schaumwein mit Zero Dosage ist jedoch nur für einen speziellen Händler gedacht.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienInsgesamt werden bei Alfred Gratien Trauben zu 60% Chardonnay, und jeweils 20% Pinot Noir und Pinot Meunier verwendet. Der Chardonnay kommt fast vollständig aus Grand Cru Lagen. Aus ihnen entsteht auch der Blanc de Blanc. Häufig werden in ihm Grundweine aus 5 unterschiedlichen Grand Crus verwendet. Manchmal sind es aber auch nur 4 Lagen. Mit dem Bilden dieser Assamblage wird einerseits Charakterstärke und zugleich Ausgewogenheit im Champagner erzeugt.

Der aktuelle Blanc de Blanc kommt aus dem Jahr 2005. Er ist sehr schön frisch, finessenreich und lang anhaltend. Erstmals gibt es ihn aus dem Jahrgang 2001. Entwickelt wurde der Blanc de Blanc auf Anfrage der British Wine Society. Diese ist seit 1906 Kunde bei Alfred Gratien. Auch ein weiterer Champagner aus der gehobenen Line Cuvee Paradies hat etwas mit Großbritannien zu tun. So wurde er früher in der Concorde der British Airways angeboten. In der Lufthansa First Class gab es ihn ebenso einige Zeit.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienEs ist kein Wunder, dass das Cuvee Paradies von Alfred Gratien auch über den Wolken schmeckt. Der weiße der beiden Champagner ist wesentlich voller in der Frucht und körperlicher und extrem rund. In der Nase hat man Honig, reife Blüten und Brioche. Zwar ist das Cuvee Paradies auch frisch, die Säure scheint hier jedoch sehr gut eingebunden zu sein. Aktuell sind hier Trauben aus 2005 verwendet. Das weiße Cuvee besteht aus 65% Chardonnay und dem Rest Pinot Noir. Auch das Cuvee Paradis ist bei Alfred Gratien gar nicht so als. Dies gab es erstmals 1991. Entwickelt wurde es, da ein Prestigeprodukt fehlte. Zuvor hatte man nur drei Champagner.

An der Spitze der Champagner bei Alfed Gratien steht der Jahrgang. Wir haben das Vergnügen den aktuell auf dem Markt befindlichen 1999er neben den 2000er zu probieren. Dabei wirkt der 1999er etwas leichter. Wenn man jedoch zu dem normalen Brut zurückverkostet, merkt man wie komplex dieser ist. Bei den Jahrgängen wird für Außenstehende etwas erstaunlich sein, wie nach so langer Reife es sich um sehr frisch prickelnde Champagner handelt.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienDer 1999er von Alfred Gratien macht richtig Spaß. Auf den Jahrgang 2000 von diesem Champagnerhaus kann man sich jetzt schon so richtig freuen. Neben hellen Früchten ist dieser etwas rauchig in der Nase. Der Gaumen ist voller als bei dem 1999er und sehr stimmig. Später öffnet sich der Jahrgangschampagner von Alfred Gratien. Es zeigen sich Röstaromen, Schwarzbrot bis hin zu Kaffee in der Nase. Kellermeister Nicolas Jaeger empfiehlt diesen Jahrgang 2000 als Begleitung zu gebratenem Fasan.

Auch nach längerer Verkostung mehrerer Gläser neben einander werden die Champagner nicht müde. Vielmehr zeigt sich eine beständige Perlage. Jeder der Champagner von Alfred Gratien überzeugt in seiner jeweiligen Stilistik in seiner Kategorie. Für verschiedene Anlässe oder Vorlieben findet man in diesem Haus einen passenden Schaumwein. Die hohe Qualität der Champagner ist das Ergebnis präziser Arbeit und viel Erfahrung. Alfred Gratien ist jenseits der Moden langfristig orientiert. So liegt im Verkostungsraum ein Heft, in dem die Besonderheiten des Wetterverlaufs, der Ernte und dem Zustand der Trauben festgehalten ist. Es reicht bis ins Jahr 1948 zurück.

Das handwerkliche Champagnerhaus Alfred GratienKeine Ahnung, ob die Champagne der bunten Marken und Models einmal in eine Identitätskrise kommen wird. Alfred Gratien hat jedenfalls schon die Antwort. Diese besteht aus handwerklicher Qualität. Beim Traditionshaus Alfred Gratien ist mit Nicolas Jaeger die vierte Generation im Keller tätig. Ob der Staffelstab in der Familie weitergegeben wird, ist noch ungewiss. Seine Tochter ist jetzt 12 Jahre alt und hat sich im Berufswunsch noch nicht festgelegt. In Deutschland wollen in dem Alter viele Mädchen Prinzessin werden. Es kann aber durchaus sein, dass sie den Beruf als Kellermeisterin wesentlich spannender findet.

Hier geht es zur Webseite von Alfred Gratien. link

Die Champagnerreise

Montag, 10. Dezember 2012

Die ChampagnerreiseIn den vergangenen Tagen machten wir eine Champagnerreise. Wenn man dieses Anbaugebiet von nahem betrachtet, merkt man erst, wie vielfältig dieses Thema ist. Das betrifft nicht nur den Anbau, die Erzeugung und die Stilistiken. In Deutschland wird das prickelnde Blubbergetränk viel zu häufig in nur einer Verwendung abgetan. Mit Champagner wird gefeiert oder er wird als Aperitif gereicht. Der Standard-Brut der großen und bekannten Häuser dient hier als Referenz.

Champagnerreise quer durch das Anbaugebiet

Bei Besichtigungen sieht man viele große Champagnerhäuser mit riesigen Edelstahltanks. Technik wohin man blickt. Hier wird zwar meist sehr sauber gearbeitet, die erzeugte Menge verhindert jedoch eine liebevolle Erzeugung des Produkts. Da es bei einer solchen Produktion über die Champagner eigentlich nicht mehr viel zu erzählen gibt (die Trauben sind von überall her zusammengekauft, die Grundweine von irgendjemandem in irgendwelchen Tanks ausgebaut usw.), muss ein Image ausgedacht und in den Show-Room übertragen werden. Egal ob es sich um Witwen, Popeditionen oder hübsche Töchter handelt: Viele große Marken funktionieren so.

Die ChampagnerreiseWir haben uns auf der Champagnerreise jedoch ganz gezielt ein anderes Model angeschaut. Man kann es schon fast als Gegenentwurf der industriellen Fertigung ansehen. Das Champagnerhaus Alfred Gratien in Epernay ist zwar weit entfernt von einem kleinen Winzer. Die traditionelle handwerkliche Erzeugung des Champagners wird hier jedoch sehr groß geschrieben. In der Kategorie der Champagnerhäuser dürfte diese konsequente Handarbeit einzigartig sein. In den kommenden Tagen wird ein umfassender Bericht zu Alfred Gratien erscheinen.

Der Blick in den lokalen Handel bei der Champagnerreise

Wir haben auch mal einen kleinen Blick in den Champagnerhandel geworfen. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass selbst Supermärkte in Frankreich eine große Auswahl haben. Und gerade in dem in Deutschland nur rudimentär vertretenen Segment von 16 bis 28 Euro gibt es erstaunliche Dinge zu kaufen. Die hiesigen Supermärkte setzten nur auf den billigen Champagner (15 Euro als Eigenhandelsmarke) und die sehr bekannten Marken von Champagnerhäusern. Das ist nicht nur langweilig, sondern gerade die lohnenden Champagner mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis sind hier kaum vertreten.

Die Champagnerreise
Aber eigentlich sollte es bei der Champagnerreise um den besten von uns bislang besuchten Champagnerladen gehen. Dieser befindet sich direkt an der Kathedrale von Reims. Bei „Cave de sacres“ findet man ca. 400 bis 500 verschiedene Champagner. Es ist nicht leicht zu zählen, aber es dürften ungefähr so viele sein. Darunter sind die großen und bekannten Marken, aber auch viele seltene Champagner und eine große Anzahl von weniger bekannten Erzeugern. Man hat immer auch einen günstigeren Preis, wenn man gleich eine Kiste kauft. Und bei Einzelflaschen fängt es bei ca. 16 Euro an.

Im Gegensatz zum deutschen Discounter-Champagner (egal ob von Lidl oder Aldi) gibt es jedoch bei „Cave de sacres“ zum günstigen Preis echte und authentische Qualität. Der Name des Erzeugers steht auf dem Etikett und er bürgt nicht selten mit seinem eigenen Familiennamen. Fachkundige Beratung (sogar auf Englisch) gibt es in diesem ausgezeichneten Champagnerladen obendrein. Dabei wird man gefragt, welchen Typ Champagner man sucht. Mancher Marken- oder Etikettentrinker wird bei so einer Frage schnell überfordert sein.

Wir haben aus der Champagnerreise bei „Cave de sacres“ zwei Flaschen gekauft.

  • Pierre Callot Clos Jacquin Grand Cru Brut (50 €)
  • Bardoux Pere & Fils Premier Cru Brut (17 €)

Die Champagnerreise
Der Clos Jacquin von Pierre Callot fiel bei dieser Veranstaltung in Köln sehr positiv auf. Um so größer war das Erstaunen diesen Champagner in dem Laden zu finden. Es gibt jährlich nur 1.500 Flaschen von diesem recht ungewöhnlichen Spitzenprodukt. Der Preis für diesen Champagner ist ziemlich untertrieben. Der Clos Jacquin kann durchaus mit vielem im Segment von 80 bis 140 Euro mithalten. Sicherlich ist er komplizierter als Dompi oder Cristal. Aber gerade das macht seinen Reiz aus.

Was nehmen wir von der Champagnerreise mit nach Hause?

Der Premier Cru Brut von Bardoux Pere & Fils wurde auf ausdrückliche Empfehlung der Verkäuferin mitgenommen (neudeutsch: Kaufbefehl). Der Erzeuger ist ein kleiner Champagner-Winzer. Das heißt er baut seine Trauben vollständig selbst an. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem lange etwas abwertig betrachteten Pinot Meunier. In den letzten Jahren ändert sich das etwas unter Champagner-Kennern. Auf den Bardoux Pere & Fils sind wir jedenfalls sehr gespannt. Bei 17 Euro kann man irgendwie auch kaum etwas Falsches gekauft haben. Besser als bei Aldi wird es schon sein. Und selbst wenn nicht, hat man etwas zum Erhalt der authentischen kleinteiligen Erzeugung in der Champagne beigetragen.

Die Champagnerreise

Skyfall: Der traurigste James Bond seit 50 Jahren trinkt keinen Champagner mehr

Sonntag, 11. November 2012

Skyfall: Der traurigste James Bond seit 50 Jahren trinkt keinen Champagner mehrCharme britisch, Aktion amerikanisch und Genuss meist französisch: Das ist die spannende Mischung mit der James Bond seit 50 Jahren erfolgreich auf der Leinwand flimmert. Der Genuss änderte über die Jahrzehnte weniger als die Schauspieler von James Bond. Mit Daniel Craig trat der sechste Darsteller an, der nun in „Skyfall“ seinen dritten Auftritt hat. So sehr sich Bond auch mit den unterschiedlichen Schauspieler wandelte, die Getränke blieben häufig die Selben. „Skyfall“ ist hierbei jedoch ein deutlicher Einschnitt. Niederländisches Bier, schottischer Whisky und Cognac haben den Champagner ersetzt.

1962 bestellte sich James Bond einen Wodka-Martini alleine im Hotelzimmer. Damit war eines der wichtigsten Getränke für seine 50 Jahre währende Leinwandpräsenz festgelegt. Ungefähr 70 Filmminuten später wird zu Besuch bei Dr. No erstmals Dom Perignon ausgeschenkt. Angeregt vom Prickelwasser entbrennt ein Streit welcher Jahrgang beim Burgunder Chambertin (gemeint ist die Nobel-Appellation Gevrey Chambertin) denn der Beste ist. Dies ist aber nur ein Randdialog, der mit der Sprengung des Millionen Dollar teuren Labors von Dr. No gipfelt. Weinfreunde sind die beiden trotz der guten Getränke jedenfalls nicht geworden.

Rückblickend mag es jedoch erstaunlich sein, dass schon vor 50 Jahren schon in der Bond-Reihe ein Chinese versuchte mit Dom Perignon und teurem Burgunder Eindruck zu machen. Das nahm die Entwicklungen in den letzten Jahren schon vorweg, egal ob es den Markt bei Nobel-Cognac, Top-Bordeaux oder Prestige-Champagner meint.

Doch zurück zur Filmreihe. Das wahrscheinlich lustigste Bond-Zitat stammt von Sean Connery. Dieser lässt 007 im Film Goldfinger (1964) sagen: „Man trinkt zum Beispiel nie einen 53er Dom Perignon, wenn er eine Temperatur über 8 Grad hat. Das wäre genau so, als höre man den Beatles ohne Ohrenschützer zu“. In Feuerball (1965) wird dann DomPi 1955 mit einem Bond-Girl getrunken. Im darauf folgenden Jahr gibt es in „Man lebt nur zweimal“ den 59er mit einem Gegenspieler. Er will Bond gar keinen Champagner haben. Als er hört, es gibt Dompi, ändert er seinen Entschluss.

Neben Dom Perignon ist immer wieder Bollinger bei James Bond zu Gast. Der Dompi taucht bei 007 nicht selten in Konflikten mit dem Gegenspieler auf. In „Der Spion, der mich liebte“ äußerte Bond 1977 „Ein Mann, der 52er Dom Perignon trinkt, kann nicht nur schlecht sein“. Ab und zu gefällt ihm der Jahrgang nicht. Bollinger hingegen wird häufig mit den geliebten Spioninnen getrunken. Nicht selten handelt es sich dabei um das Spitzenprodukt La Grande Année. Auch wenn Dom Perignon häufig stärker mit James Bond verbunden wird, unsere Auswertung der bislang erschienenen Filme sagt etwas anders: Derzeit steht es 12:7 für Bollinger. Seit 1983 war das Champagnerhaus in jeder Folge vertreten gewesen.

Auch jenseits von Champagner hat das Spiel um Weinwissen eine Tradition bei James Bond. Der kultivierte 007 tritt gegen Ganoven an, die sich einfach nicht zu benehmen wissen. 1963 ist in „Liebesgrüße aus Moskau“ die Frühstückshotelbestellung noch ganz lustig „Feigen grün, Eier weiß und Kaffee schwarz“. Unterirdisch wird es dann jedoch bei einer Zugfahrt. James Bond bestellte zur Seezunge korrekt einen Weißwein (Chablis). Der Gegenagent wird enttarnt, weil er Chianti zum Fisch trinkt. Der Dialog beim Bestellen: „Für mich eine Flasche Chianti.“ „Weißen Chianti?“ „Nein ich möchte Roten.“ Was soll weißer Chianti sein?

1971 stiehlt Südafrika dem Champagner die Show. In „Diamantenfiber“ hat Wein kaum Platz. Nur zum Schluss wird ein Mouton Rothschild getrunken. Jahrgang 1955! Auch hier wird der Gegner durch mangelndes Weinwissen enttarnt. Clairet ist dem mörderischen Servicepersonal als Begriff für einen Bordeaux unbekannt. Und so haben auch diese beiden Bösewichte ausgespielt.

„This is the End“, so beginnt der aktuelle James Bond. Es liegt nicht nur an der Sängerin Adele, dass dieser Film einer der traurigsten und am stärksten auf sich selbst bezogene in der 007-Serie ist. Noch nie wurde so viel in Großbritannien gedreht. Das Drama von „Skyfall“ deutet auf eine Krise dieser Kinoserie hin. Noch nie wurde James Bond in seinem Elternhaus gezeigt. Das Grab seiner Eltern war auch noch nie zuvor zu sehen. Und gerade dies wirft die Frage auf, was mit dieser Kino-Serie passiert. Und auch der Hinweis auf die nächste Folge fehlt.

Champagner passt in diesen traurigen Film nicht herein. Stattdessen hat Bond Falten wie nie zuvor. Es gibt weniger Glamour, dafür wird Bond härter. Gleich in den ersten 10 Minuten gibt es Exzesse mit Whisky. Und James Bond wird als schwache Figur gezeigt. Zugleich zeigen sich Risse in der vornehmen Art des Gentlemen. Er ist gar dienstunfähig und tritt trotzdem an. Während Bond schottischen Whisky (Macallen) und Bier (Heineken) trinkt, bevorzugt man beim MI6 Cognac (Corvousier). So war Bond zuvor noch nie zu sehen. Nur im Abspann taucht Bollinger als Unterstützer des Films auf. Durch Produktplatzierungen gab es immerhin für „Skyfall“ Rekordeinnahmen von 34 Millionen Euro.

Zwei mal Alfred Gratien am Welt-Champagner-Tag

Montag, 29. Oktober 2012

Zwei mal Alfred Gratien am Welt-Champagner-TagAm 26. Oktober war der Welt-Champagner-Tag. Das hat irgendwie in Deutschland so niemand richtig mitbekommen. Im englischsprachigen Raum sieht es etwas anders aus. Dort wird digital der Global Champagne Day gefeiert. Auch ich hatte mich vertan und gedacht er würde in diesem Jahr am 28. Oktober sein. An diesem Tag war der Welt-Champagner-Tag nämlich auf einem Donnerstag im Jahr 2010 und an einem Freitag 2011. 2012 sollte es nun irgendwie beim Freitag bleiben.

Zeitnah stehen zwei Flaschen Champagner zur Verkostung bereit. Sie stammen vom Champagner-Haus Alfred Gratien aus Epernay. Nicolas Jaeger ist hier in der vierten Generation als Kellermeister tätig. Vor drei Jahren übernahm der diese Aufgabe von seinem Vater. Alfred Gratien arbeitet – wie viele andere sehr bekannte Erzeuger von Champagner – als Negociant-Manipultant. Im Unterschied zu vielen anderen Häusern verzichtet man hier jedoch vollständig auf die malolaktische Gärung. Damit soll die Typizität der Herkunft bewahrt werden. Zudem erhöht dies die Lagerfähigkeit. Tatsächlich trägt der aktuell auf dem Markt erhältliche Jahrgangschampagner die Angabe 1999 auf dem Etikett.

Zwei mal Alfred Gratien am Welt-Champagner-TagDen haben wir gerade allerdings nicht im Glas. Da befindet sich vielmehr der einfachste Champagner des Hauses Alfred Gratien, also der Brut. Er zeigt eine begeisternd feine Perlage im Glas. Von der Farbe lässt er sich in einem dunkleren Gelb mit bräunlichen und auch rötlichen Reflexen beschreiben. Auch die Nase ist überraschend. Hier zeigen sich Dörrobst, Feigen und Hefearomen. In der zweiten Nase ist etwas Haselnuss. Am Gaumen entfaltet der Alfred Gratien Brut eine volle Frucht mit Orangenschale. Die Säure ist gut eingebunden mit Grapefruit in der Länge. Dabei bleibt er cremig stehen. Nach intensiver Luftzufuhr hat man auch noch etwas Walnüsse im Nachhall. Das ist ein rundes und schönes Geschmackserlebnis, was man beim einfachsten Champagner eines Hauses in der Qualität nicht erwarten kann.

Zwei mal Alfred Gratien am Welt-Champagner-TagAls zweiten Champagner von Alfred Gratien steht der Rose Brut bereit. Auch hier gibt es eine feine Perlage zu bewundern. Im Glas ist eine dunkleres Lachsrosa. In der Nase erscheinen Kirsche, frische Beeren und rote Johannisbeeren. Am Gaumen ist wenig Säure. Der Champagner erscheint schlank und elegant. Bei insgesamt guter Balance erscheint er etwas kreidig und spät etwas trocken durch die Säure. Die Stilistik des Rose ist eher frisch geprägt. Aus meiner Sicht überzeigt vor allem der weiße Brut von Alfred Gratien.

Ich hoffe, dass der Welt-Champagner-Tag zukünftig eine feste Größe in der digitalen Kommunikation wird und auch im hiesigen Lande im kommenden Jahr so einiges mit diesem leckeren Prickelwasser passiert. Und wenn grad nicht Champagner-Tag ist, kann man sich ja mit Cremant von der Loire vergnügen. Zum Beispiel von Gratien&Meyer. Von dem Ableger des Champagner-Hausen haben wird ja schon einmal berichtet.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der Winzer

Mittwoch, 2. Mai 2012

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerIn den vergangenen Tagen besuchten wir eine Verkostung von Winzerchampagner in Köln. Das Excelsior Hotel Ernst war hierfür die passende Kulisse. Champagner kennt man auf dem deutschen Markt häufig als Markenchampagner. Wenn man eine Umfrage auf der Straße machen würde, welche Farbe einen Champagnerflasche hat, so würde orange ganz weit oben liegen. Die Trauben werden bei solchen Marken selten von den Champagnerhäusern selbst angebaut. Böse Zungen sprechen hierbei sogar von Industriechampagner. Ziel dabei ist es, mit dem Standard-Brut ein immer wieder gleiches Geschmacksbild zu erzeugen. Das hat sicherlich seinen festen Kundenstamm. Neben diesen Champagnern der großen Erzeuger sind die Facetten bei Winzerchampagner sehr vielfältig.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerDiese Vielfalt beim Champagner der Winzer ist offensichtlich. Sie sind örtlich in einer der vier Regionen gebunden und bauen nur in einem Bereich der Champagne an. Das ist ein augenfälliger Unterschied zu vielen der bekannten Marken. Das normale Brut-Cuvee ist nämlich in der Regel ein Verschnitt von Rebsorten und Gebieten. Bei den Champagnern der Winzer stehen hingegen die einzelnen Regionen, die dort vorhandenen Rebsorten und Böden und nicht zuletzt die Persönlichkeiten der Winzer selbst im Mittelpunkt.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerNach einer Begrüßung durch die Präsidentin des Verbandes der Winzer stellte der Champagner-Experte Sascha Speicher die teilnehmenden Betriebe mit je einen Champagner vor. Uns haben einige Schaumweine in der freien Verkostung bei der Präsentation in Köln von drei Winzern besonders begeistert. Von diesen möchten wir im Folgenden berichten. Es handelt sich um einen Champagner vorwiegend aus den roten Rebsorten, um klassische Cuvee und auch Blanc de Blancs, also reinem Chardonnay. Die Anbaufläche der drei genannten Betriebe reicht von übersichtlichen 5 bis 17 Hektar.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerEinen eher größeren Betrieb unter den kleinen Champagner-Winzern leitet Sandrine Olivier. Wie einige andere bekannte und weniger bekannte Erzeuger führt er eine Witwe im Namen. Er wurde 1955 von der Großmutter der heutigen Inhaberin als Veuve Olivier & Fils bezeichnet. In dem Gebiet Valle de la Marne werden alle drei typischen Rebsorten des Champagners angebaut. Entsprechend umfangreich ist die Palette der produzierten Schaumweine. Sie reicht von einem typischen Brut, der hier als Carte Dór bezeichnet wird, bis zum edlen und lange gereiften Cuvee de la Cachotte.

Begonnen haben wir die Verkostung bei Veuve Olivier & Fils mit dem Cuvee Vieille Reserve. Dieser besteht aus je einem Drittel Chardonnay, Pinot Meunier und Pinot Noir. Die Reben haben ein Alter von durchschnittlich 35 Jahren. In den aktuellen Cuvee Vieille Reserve werden Weine aus den Jahren 2006 und 2007 nach 4 Jahren Hefelagerung verwendet. Man nutzt diese unterschiedlichen Jahrgänge beim Champagner häufig um Jahrgangsschwankungen auszugleichen. Das ist beim Winzerchampagner noch viel bedeutender als bei den großen Champagnerhäusern. Denn hier kann man jahrgangsspezifisch unterschiedliche Traubenbeschaffenheit nicht durch den Zukauf und eine Assamblage mit anderen Gebieten der Champagne ausgleichen.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerDas Cuvee Vieille Reserve von Veuve Olivier & Fils zeigt sich Goldgelb im Glas. In der Nase ist eine leicht überreife Ananas. Die zweite Nase offenbart etwas holzige Vanille. Das Cuvee ist harmonisch am Gaumen und bringt eine schöne Frische in der Länge. Weiterhin probierten wir zwei Rose von Veuve Olivier & Fils. Der normale Brut Rose ist lachsfarben und klassisch frisch. Er besteht aus roten und weißen Rebsorten. Der Rose de Saignee hingegen wird nur aus den roten Reben erzeugt (2/3 Pinot Meunier und 1/3 Pinot Noir). Im Glas präsentiert er sich in einer kräftigen Himbeerfarbe. Die Maischestandzeit variiert jedes Mal etwas zwischen 10 bis 14 Stunden, berichtet Sandrine Olivier. Sie endet immer dann, wenn diese schöne Farbe erreicht wird. Auch am Gaumen ist der Rose de Saignee von Veuve Olivier & Fils eindrucksvoll. Er bringt einen sehr schönen Cranberryton an den Gaumen. Zum unbeschwerten Genießen ist sicherlich der Brut Rose zu empfehlen. Imposant hingegen ist der Rose de Saignee.

Auch der vierte Champagner, den wir bei Veuve Olivier & Fils probieren, hinterlässt einen positiven und bleibenden Eindruck. Dabei handelt es sich um das Cuvee de la Cachotte. Der Begriff ist für diesen Champagner deutlich untertrieben. So handelt es sich bei einer Cachotte um eine schlichte Hütte in der man sich in den Weinbergen unterstell kann. Häufig war das auch ein Geräteschuppen. Das aktuelle Cuvee de la Cachotte stammt aus den Jahrgang 2005. Es gibt ihn jedoch nicht jedes Jahr. Im Cuvee de la Cachotte wird ausschließlich Chardonnay verwendet. Die Grundweine sind ein Jahr lang in Eichenholzfass ausgebaut worden.

Dieser Champagner von Veuve Olivier & Fils zeigt sich in einem kräftigen Goldgelb. In der Nase sind kräftige bis nussige Aromen, die durch Vanille und Karamell schön zusammen gehalten werden. Dezent sind Veilchen zu reichen. Am Gaumen zeigt das Cuvee de la Cachotte eine lange und komplexe Intensität. Zugleich erfrischt er auch. Für Kenner traditioneller Champagner wird dieses Cuvee von Veuve Olivier & Fils ein großer Genuss sein.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerKommen wir zu dem zweiten Betrieb. Das Weingut Champagne Lelarge-Pugeot existiert mit dieser Bezeichnung seit 1987. Die Vorfahren erzeugten jedoch schon im 18. Jahrhundert Champagner im Gebiet Montagne de Reims. Seit einiger Zeit nutzt man bei Lelarge-Pugeot auch die Methoden des biologischen Landbaus. Hier probieren wir eines der Spitzenprodukte mit dem Namen Brut Reserve Premier Cru. Er besteht vorwiegend aus den roten Rebsorten mit einem Schwerpunkt auf Pinot Meunier (65%). Dieser Champagner zeigt sich in einem hellen Goldgelb im Glas. Er ist fast schon gemüsig in der Nase. Kandierte Früchte zeigen sich in der zweiten Nase. Der Gaumen ist beim Brut Reserve Premier Cru von einer sehr ausgewogenen runden Frucht geprägt. In der Länge zeigen sich bei diesem Champagner von Lelarge-Pugeot ganz feine Vanillenoten.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerAls dritte Empfehlung möchten wir hier einen wirklichen Höhepunkt der Verkostung präsentieren. Dabei handelt es sich um den Clos Jacquin von Pierre Callot. Das 5 Hektar große Weingut wird seit 1996 von Thierry Callot in der sechsten Generation bewirtschaftet. Wie im Bereich Cote des Blancs üblich werden hier nur Chardonnay auf den Kreideböden angebaut. Zuerst probierten wir jedoch den Brut Blanc de Blanc. Dieser ist strohgelb mit einer schönen Litchienase. Am Gaumen ist dieser Champagner eher leicht und beschwingt. Er ist unkompliziert trinkbar und wird sicherlich auch beim zweiten Glas unangestrengt Spass machen.

Von der Cote de Bar bis zur Montagne de Reims: Die Champagner der WinzerGanz anders ist der Millesime 2004 von Champagne Pierre Callot & Fils. Dieser ist wesentlich komplexer und recht kräutrig am Gaumen. Doch – wie schon erwähnt – die eigentliche Empfehlung von dieser Veranstaltung ist der Clos Jacquin von Champagne Pierre Callot & Fils. Schade, dass hiervon nur 1.500 Flaschen verfügbar sind. Dieser Champagner ist strohgelb im Glas. In der Nase ist eine fruchtige Birne mit Kräutern. Beschwingt gestaltet sich der Gaumen mit einer frischen Säure und Blutorangen. Hervorragend, wie bei dem Clos Jacquin von Champagne Pierre Callot & Fils eine schöne Kombination aus Kraft/Intensität und Frische entsteht. Ein Top-Champagner, der preislich deutlich unter seinem Wert angeboten wird.

Vormittags Prosecco – Abends Champagner

Montag, 5. März 2012

Vormittags Prosecco und Abends Champagner [ProWein 2012 #4] Die Internationale Fachmesse ProWein ist in diesem Jahr extrem anstrengend. Ständig müssen neue Dinge probiert werden. Andauernd laufen einem Freunde über den Weg. Und dann gibt es vormittags schon hervorragenden Prosecco. Abends stellt sich die herausvorderungsvolle Aufgabe viel Spaß mit Champagner zu haben. Wie anstrengend. Viele Berichte werden deswegen bei uns in diesem Jahr etwas zeitverzögert nach der Messe erscheinen. Wir bitten um Verständnis.