weinverkostungen.de

Archiv für die 'D Nahe' Kategorie

Prinz zu Salm Wallhäuser Pfarrgarten Riesling Beerenauslese Nahe 1989

Sonntag, 9. November 2014

Prinz zu Salm Wallhäuser Pfarrgarten Riesling Beerenauslese Nahe 19891989 war sicherlich ein bedeutendes Jahr in der deutschen Geschichte. Das Folgejahr ebenso. Viele denken an den 9. November; aber auch in der Weinwelt heißt es: Time to remember. 1989 wurden die Riesling-Trauben dieser jetzt geöffneten Beerenauslese angebaut. 1990 war das Jahr, in dem dieser Wein in die Flasche kam. Sein Erzeuger Michael Prinz Salm zu Salm trat zu der Zeit die Präsidentschaft des VDP an. Damals stritt man im Verband der Prädikatsweingüter entschieden um die Qualität der Weine. Prinz Salm war hier einer ihrer Verfechter. Selbst adlig wird es aus heutiger Sicht vor allem seiner Präsidentschaft zugeschrieben im VDP aufgeräumt zu haben und den Wandel vom Adelsclub zu einer Rückbesinnung auf die Qualitätsspitze des Weinbaus in Deutschland vollzogen zu haben.

Einige Erfolge zeigen sich erst Jahrzehnte später, auch wenn das Tempo einer Veränderung sich etwas abgeschwächt haben könnte. Doch schauen wir lieber ins Glas. Da fließt der Riesling aus 1989 gerade dickflüssig hinein. Dunkles dichtes Orange bis Braun im Glas. In der Nase sind Rosinen, Dörrobst und eine etwas spitze Orangenschale. Die zweite Nase zeigt vor Honig triefende Walnüsse. Die Firntöne sind gut integriert, was eine würdevolle Reifung zeigt. Schwarzer Tee ist im Hintergrund. Am Gaumen zeigt sich die feste Textur, bei der man mehr Süße erwarten würde. Doch diese Beerenauslese ist von einer frischen prägnanten Säure geprägt. Dieser Riesling erscheint inzwischen schon fast als trocken. Man merkt an der Fülle, dass da eine volle süße Traubenfrucht vorhanden war. Weiter zeigt sich die Beerenauslese voll und etwas schnalzend, was für die frühere Üppigkeit spricht.

Prinz zu Salm Wallhäuser Pfarrgarten Riesling Beerenauslese Nahe 1989Die Länge dieser Beerenauslese scheint ohne Ende, bei der die Säure in Form von Grapefruit erscheint. Dann kann man noch etwas Kaffeearomen; eher Cappuccino schmecken. Slam zeigt hier italienische Eleganz an der Nahe. Den früheren Restzucker kann man in einem Schwänzchen noch erahnen. Eigentlich spielt dieser Riesling ständig mit einem wechselnden Eindruck zwischen trocken und edelsüß. In der Länge hat man dann noch einmal Honig, der sich im schwarzen Tee aufgelöst hat. Hier zeigen sich auch Eindrücke von Kräutertee mit Salbei.

Dieser Riesling ist ein echtes Ereignis. Auch ohne den historischen Hintergrund ist er ein charmantes und memorables Monument. Nach 25 Jahren macht er – trotzdem er auch fordert – noch so richtig Spaß. Prinz Salm hat sich mit diesem Wallhäuser Pfarrgarten ein Stück von einer bei nahen Unvergänglichkeit in Form eines Denkmals geschaffen. Der Wein hätte sicherlich auch noch einige Zeit mitgemacht. Das zeigt auch, dass er sich 6 Wochen geöffnet im Kühlschrank sehr gut gehalten hat. Der Originalkorken war jedoch bis auf 2 oder 3 Millimeter durch. Neuverkorken hätte bestimmt kaum Sinn gemacht. So war es genau der richtige Moment um diese Flasche aus noch einer anderen Weinwelt mit mehr Adligen und weniger digitaler Aufgeregtheit jetzt zu trinken. 25 Jahre, fast schon eine Ewigkeit.

Weingut Christian Bamberger Schlossböckelheim 2011 Riesling vom Vulkangestein 7byCB

Freitag, 21. Februar 2014

Weingut Christian Bamberger Schlossböckelheim 2011 Riesling vom Vulkangestein 7byCBTrotzdem es klein und fein ist: Als wirkliche Neuentdeckung kann man das Weingut Christian Bamberger von der Nahe nicht mehr feiern. Zumindest in den Weinkreisen hat es in den vergangenen Jahren schon einen beachtlichen Erfolg hinlegen können. Die Reihe 7byCB versammelt 7 Weine, die als beste des Weingutes angesehen werden können. Die 7 meint zugleich die 7 Hektar Toplagen in Schlossböckelheim, die Christian Bamberger im Jahr 2007 übernommen hat. Er selbst kam nach einigen Umwegen 2004 auf das elterliche Weingut an die Nahe zurück.

Nun haben wir den Riesling vom Vulkangestein aus dem Jahr 2011 im Glas. Hier zeigt er sich in einem strahlenden Strohgelb. In der Nase sind animierende florale Noten, die von einem Bund Kräutern untermahlt sind. Kandierte Ananas und ein Hauch von Caramel zeigen sich in der zweiten Nase. Der Gaumen ist komplex und durchaus polarisierend. Wer einfach nur gradlinigen Riesling erwartet – wie er auch bei dem Naseneindruck möglich wäre – wird hier überrascht. Erst breitet sich Schmelzigkeit über die Zunge aus. Das ist eine Stoffigkeit, die eine cremige Textur bringt; kaum Frucht. Dies überdeckt die sicherlich vorhandene Säure. Die kräftige Säure entfaltet sich später kräutrig mit leichten Bitternoten. Das lange Finale ist versöhnlich. Hier vereint sich die Kräutrigkeit mit einer zarten und animierend stehen bleibenden Frucht. Nach einigen Tagen Flaschenöffnung wirkt der Riesling am Gaumen durch die Säure noch temperamentvoller.

Christian Bamberger wendet sich mit diesem Riesling eindrücklich gegen die Langeweile im Weißweinglas. Auch wenn nicht jeder mit diesem Wein glücklich sein wird, ist er ein eindrücklicher Beweis dafür, dass mehr Vielfalt jenseits der bekannten Grundspannung des Rieslings in Form des Frucht-Säure-Spiels möglich ist. Für mich ist es ein großartiger Wein. Gerade weil er ein überraschendes und neues Geschmackserlebnis jenseits mehr oder weniger bekannter Eindrücke und vor allem abseits der ausgetretenen Riesling-Pfade bereitet. Es ist ein Wein der sicherlich seine Liebhaber hat, der jedoch bei einigen Menschen auch auf Unverständnis stoßen wird. Aber muss denn immer alles so simpel sein, dass es jeder sofort versteht?

Dr. Crusius mit den Rieslingen Sonnenfels und Rhyolith von der Nahe

Montag, 17. Dezember 2012

Dr. Crusius mit den Rieslingen Sonnenfels und Rhyolith von der NaheFür mich gehört seit Jahren das Weingut Dr. Crusius zur Riesling-Spitze der Nahe. Nicht selten stehen die Rieslinge bei einigen Autoren etwas zu sehr in Schatten anderer Erzeuger der Nahe. Das Weingut Dr. Crusius scheint eher noch ein Geheimtipp jedoch mit Fangemeinde zu sein. Bei dem Großen Gewächs ist dieses Weingut für mich in den letzten Jahren ganz weit oben in der Region Nahe. Ich schätze in dieser Kategorie, dass man auf Extravaganzen des Weinguts verzichtet und sich vielmehr bemüht die Charakteristik der Lage herauszuarbeiten.

Nun habe ich zwei Rieslinge von Dr. Crusius vor mir stehen. Da ist zum einen der „Sonnenfels“. Dieser Wein wird aus zugekauften Trauben erzeugt. Die Gutsabfüllung heißt „Rhyolith“. Keine Panik, aber eine gesunde Skepsis ist angebracht, wenn VDP-Weingüter als Abfüller tätig werden. Ich hatte jedenfalls in der Vergangenheit einige schlechte Erfahrungen mit solchen Weinen. Ein Kellermeister sagte zu mir einmal dazu: „das Zeug macht einen nicht blind. Toll ist es aber nicht“. Und meistens ist es leider auch so.

Besonders schade finde ich es, wenn Weine mit einer Bezeichnung die in der Vergangenheit für Gutsabfüllungen verwendet wurden, plötzlich aus zugekauften Trauben bestehen. Ärgerlich wird es dann sogar, wenn diese Weine dann auch nicht mehr schmecken. Weinfans, die sich für den Flascheninhalt interessieren und nicht für eine Marke, können sich von einigen Weingütern bei solchen Geschichten auf den Arm genommen fühlen. Unter den Weinfreaks spricht sich herum, welches Weingut in solchen Dingen Mist macht. Letztendlich wird sich Qualität durchsetzen; nicht der schnelle Rubel.

Doch hier sollte es um die Rieslinge vom Weingut Dr. Crusius gehen. Dieses hat mit den „Sonnenfels“ Riesling trocken tatsächlich etwas preiswertes und gutes in die Flasche bekommen. Er zeigt sich hell im Glas. In der Nase sind beim Sonnenfels reife Gelbe Früchte. Es wird Schmelz versprochen. Der Gaumen bei diesem Wein von Dr. Crusius ist füllig. Die Säure ist packend bis enervierend. Das gehört so in einen Riesling. Volle Frucht mit etwas Nussigkeit geht in die schöne Länge. Der „Sonnenfels“ zusammengefasst: Vollfruchtig und trocken packende Säure. So macht das Spaß. Dieser Riesling zeigt zudem, dass ein Wein aus zugekauften Trauben nicht schlecht sein muss.

Der Rhyolith meint das an der Nahe zu findende Vulkangestein. Es enthält unter anderem Quarz, Plagioklas und Alkalifeldspat. Der Riesling ist sehr hell mit leicht grünen Reflexen im Glas. Im Riesling Rhyolith ist die Nase gar nicht einmal so unähnlich. Neben dem Pfirsich in ist etwas verspielte Lychie. Die besonders die zweite Nase zeigt Heidekräuter. Der Gaumen ist voller mit markanter Säure. Nun kommt der Kräuterton gut zum tragen. Guter Riesling. Im Vergleich hat der „Sonnenfels“ gegenüber dem Rhyolith ein besseres Verhältnis von Preis und Genuss.

Es ist erstaunlich. Für diese Rieslinge von Dr. Crusius habe ich im Handel kaum mehr als 10 Euro bezahlt. Beide sind wirklich Spitze. Der „Sonnenfels“ ist recht leicht zugänglich. Der Rhyolith versteckt sich etwas. Sein Reiz ist die Komplexität und Eigenwilligkeit. Kein Riesling für die Masse. Eher etwas für die Fans der Nahe. Ich bin jedenfalls begeistert und froh, dass es Weingüter mit Intention bzw. Ausdruck gibt. Gefälligkeiten gibt es in dieser Weinwelt viel zu häufig. Und Dr. Crusius zeigt, dass extrem hohe Qualität in der Spitze nicht Beliebigkeit in der Basis bedeuten muss.

Dr. Crusius Riesling Sonnenfels trocken
Nahe
Abfüller: Dr. Peter Crusius
A.P.Nr: 7 775 009 41 12
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2011
Einkaufspreis: 8 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Weingut Dr. Crusius Riesling Rhyolith trocken
Nahe
Erzeuger: Weingut Dr. Crusius
A.P.Nr: 7 775 009 28 12
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2011
Einkaufspreis: 11 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Große Gewächse 2010

Montag, 5. September 2011

Große Gewächse 2010Bei so manchen frühen (zu frühen) Einschätzungen des Jahrgangs 2010 konnte einem Angst und Bange werden vor dem, was in diesem Jahr an Großen Gewächsen präsentiert werden kann. Dann kamen von vielen Weingütern sehr anständige Basisweine aus diesem Jahr. Einige Zeit später konnte man beim Riesling ungeahnt brillante Qualitätsspitzen im edelsüßen Bereich des Jahrgangs 2010 verkosten. Dies gab dann wieder Hoffnung auch für die Großen Gewächse.

Doch was sich schon mit der Vorkostung vieler Weine aufgezeigt hat, 2010 ist nicht schlecht und es gibt eine Reihe hervorragender Rieslinge aus diesem Jahr. Wir haben ca. 150 Große Gewächse verkostet und möchten im Folgenden einen Überblick über verschiedene Regionen geben. Der Schwerpunkt lag bei der Rebsorte Riesling. Wir möchten diese Einschätzungen bitte mit Sorgfalt betrachtet sehen. Die Weine sind jetzt noch sehr jung. Und gerade vor dem Hintergrund der Herausforderung, die dieser Jahrgang an einige Winzer gestellt hat, sollte man aus unserer Sicht bei den Großen Gewächsen erst in einigen Jahren abschleißend urteilen.

Bei der Verkostung der Großen Gewächse der Rebsorte Riesling wurden annähernd vollständig alle Regionen verkostet. Zudem wurde die Gesamtheit der vorgestellten Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau (mit der VDP-offenen Klassifizierung) probiert. Aus Franken wurden neben den Großen Gewächsen der Rebsorte Riesling auch noch die dort typischeren Silvaner verkostet.

Mosel
Beginnen möchte ich in der Region Mosel. Von hier stammen eine Reihe hervorragender Großer Gewächse. Nur eben scheint es so zu sein, dass die kürzere Vegetationsperiode in 2010 die tatsächliche Stärke der Region Mosel, nämlich durch Mikroklimate ganz eigene und stark unterscheidbare Rieslinge hervorzubringen, nur wenig ausgeprägt ist. Die sonnst prägenden Schiefertöne waren nur selten wahrzunehmen. Die Idee der kleinen Einzellage ist in keiner anderen deutschen Weinregion sonnst so stark nachvollziehbar wie in der Region Mosel. Leider zeigen dies nur sehr wenige der Großen Gewächse aus dem Jahr 2010.

Sehr erfreulich ist das Piesporter Goldtröpfchen vom Weingut Reinhold Haart. Es zeigt sich komplex hellfruchtig und duftig in der Nase. Passionsfrucht ist in der zweiten Nase. Am Gaumen ergänzt sich dies zu Multivitamin. Es ist eine große Klasse wie eine etwas eigenwillige Intensität und Feinheit hier aufeinander treffen (93 Punkte). Vom Weingut von Othegraven gefiel mir besonders der Okfener Bockstein. Der Riesling bringt helle exotische Frucht und Mineralität in der Nase. Am Gaumen ist er saftig und zugleich elegant. Dieses Große Gewächs aus dem Bockstein hat eine feine Frucht in der sehr guten Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Von der Mosel hat mir auch der Bernkastler Doctor vom Weingut Wegeler gefallen. Hier hat man Weinbergpfirsich in der Nase. Am Gaumen ist dieses Große Gewächs saftig mit schwungvoller Säure. Eine sehr gute Länge verleiht diesem Riesling seine große Stimmigkeit (92 Punkte). Gleich auf ist der recht eigenwillige Pündricher Marienburg „Rothenpfad“ von Clemens Busch. Hier bitte aus die Zusatzbezeichnung achten, da er sich doch recht stark vom anderen Großen Gewächs ohne „Rothenpfad“ unterscheidet. Kräuterhonig in der Nase, konzentrierte Frucht am Gaumen, lange Wucht (92 Punkte). Erwähnen möchte ich noch das Weingut S.A.Prüm. Hier war eine sehr deutliche Verbesserung der Großen Gewächse im Vergleich zum Jahrgang 2009 festzustellen.

Aus der Region Mosel wurden auch Rieslinge aus Ersten Lagen präsentiert, die aufgrund der höheren Restsüße nicht als Große Gewächse zugelassen werden. Gerade ich diesem Bereich liegt eine der Stärken der Mosel. Dies ist mit dem Jahrgang 2010 nicht anders. Bei diesen Rieslingen aus Ersten Lagen brillierten geradezu die Weingüter Clemens Busch und Heymann-Löwenstein. Von Clemens Busch begeisterte der Pündericher Marienburg „Falkenlay“. In der Nase ist ein reifer saftiger Pfirsich. Angenehme Frucht am Gaumen, saftige Länge mit Konzentration (93 Punkte). Aus den Winninger Uhlen „Blaufüßer Lay“ von Heymann-Löwenstein zeigen sich mit einer Kräuternase. Würzig am Gaumen, mit etwas Frucht daneben, findet in der Länge zu einer Kräuterlimonade zusammen (94 Punkte).

Rheingau
Das Rheingau ist wesentlich besser als sein derzeitiger Ruf. Auch wenn man hier leider stellenweise etwas unter seinen Möglichkeiten bleibt. Eine sichere Bank ist auch dieses Jahr wieder das Erste Gewächs aus dem Kiedricher Gräfenberg vom Weingut Weil. In der Nase ist eine helle Frucht mit sehr dezenten Kräuternoten. Der Gaumen ist geschmeidig mit ausgewogener Frucht (93 Punkte). Vom Weingut Künstler überzeugte vor allem die Hochheimer Hölle. Hier hat man eine sehr kräftige Frucht, die damit spielt kurz vor der Überladung zu stehen. Der Mundeindruck ist ausgewogen bis in die Länge (92 Punkte).

Große Gewächse 2010

Das Kloster Eberbach sowie Langwerth von Simmern präsentieren insgesamt umfangreiche, qualitativ recht geschlossen und lobenswerte Kollektionen an Ersten Gewächsen. Bei von Simmern begeisterte besonders der Erbacher Marcobrunn mit seiner reifen Pfirsichfrucht und etwas Mango im Nachhall (92 Punkte). Von den Hessischen Staatsweingütern Kloster Eberbach gefiel mir besonders der Rüdesheimer Berg Schlossberg. Nach einer Mirabellennase, hat man Spannung am Gaumen. Der Nachhall zeugt von der Reife der Trauben (92 Punkte). Beim Schloss Johannisberg wird das Erste Gewächs auch als Silberlack bezeichnet. Es liegt aus meiner Sicht bei 91 Punkten.

Große Gewächse 2010

Seltsam bei den Ersten Gewächsen ist wieder einmal der Bereich der Spätburgunder. Hier können die Voraussetzungen und Herausforderungen des Jahrgangs 2010 nicht als Grund für die Situation gelten. Für Außenstehende ist es nicht verständlich, wieso kein akzeptabeler Spätburgunder aus der Lage Assmannshäuser Höllenberg mit dem Jahrgang 2009 als Erstes Gewächs präsentiert werden kann (lediglich vom Weingut G.H. Mumm gab es einen zur Verkostung beim Rheingauer Weinbauverband). Dabei haben wir in der Vergangenheit schon einige hervorragende Spätburgunder dieser Einzellage von verschiedenen Erzeugern probiert. Hier nur drei Beispiele, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben: Mohr, Chat Sauvage, Allendorf. Das Erste Gewächs sollte als Spitzenkategorie der trockenen Weine aus unserer Sicht alle wichtigen Lagen mit entsprechenden Qualitäten abdecken.

Große Gewächse 2010

Aber es gibt auch zwei Spätburgunder Erstes Gewächs aus dem Rheingau, die als positive Ausnahme gelten können. Da ist der 2009er Hochheimer Stein vom Weingut Künstler. Kirschfruchtige Nase, harmonisch am Gaumen und ausgewogen im Nachhall. Das sind uns 91 Punkte wert. Ein klein wenig besser finden wir den Eltviller Sonnenberg vom relativ weniger bekannteren Weingut Koegler. Dieses Erste Gewächs hat eine schöne Frucht in der Nase, eine feine Würze in der 2. Nase und mit rundem Gaumen eine gute Länge (92 Punkte).

Aus dem nördlichen Bereich, in dem der Spätburgunder eigentlich nicht nur typischer ist, sondern im Mittelrheinbruch auch seine historisch Hochburg hat, rettet das Weingut Paul Laquai den guten Ruf. Für das Erste Gewächs aus dem Bodental-Steinberg 2009 haben wir eine dezente Frucht, gut eingebundene Säure und angenehme Länge notiert und 89 Punkte vergeben. Ein Vergleich mit der Präsentation der Großen Gewächse 2009 der Rebsorte Spätburgunder aus Baden wäre sicherlich auch ganz interessant gewesen. Dazu reichte die Zeit leider nicht. Die Weingüter des Rheingau im VDP scheinen sich jedoch derzeit etwas mehr auf den Riesling als auf den Spätburgunder zu konzentrieren.

Franken
Die Region Franken hatte es mit dem Jahrgang 2010 recht schwer. Das hatte sich bei vielen Rieslingen und Silvanern im Bereich QbA und Kabinett schon angekündigt. In der Qualitätsspitze muss dies nicht immer Auswirkungen haben. Folgende Große Gewächse 2010 aus Franken haben mir gefallen. Man müsste das noch mal detailliert überprüfen, aber es scheint mir, als wenn sich die Rieslinge insgesamt und auch bei den Qualitätsspitzen etwas besser präsentierten.

Große Gewächse 2010

Das Große Gewächs aus der Rebsorte Riesling aus dem Würzburger Stein vom Staatlichen Hofkeller gibt dieses Jahr den Ton an. Dezent Toffee mit schlanker Frucht sind hier in der Nase. Der Gaumen ist hellfruchtig und blüht dann zum reifen Pfirsich auf. Steht (92 Punkte). Die Randersackerer Pfülben von Schmitt’s Kinder zeigen sich mit kräftigen Pfirsich in der Nase. Am Gaumen ist schmelzige Frucht. Druckvoll und lang (92 Punkte). In der selben Lige spielt der Kronsberg von Hans Wirsching: Helle Frucht in der Nase, saftiger Pfirsich am Gaumen, schlanke Säure und angenehme Länge (92 Punkte). Ebenfalls ganz gut empfand ich den Ratsherr vom Weingut Zur Schwane, den Würzburger Stein „Hagemann“ vom Bürgerspital und den Riesling Lump von Michael Fröhlich, wobei dieser in seiner Pfefferwürze etwas eigenständig war (jeweils 91 Punkte)

Mit der Rebsorte Silvaner hatte man es 2010 generell etwas schwerer. Mir gefielen jedoch zwei Große Gewächse. Der Würzburger Stein Bürgerspital wartet mit Weißem Pfirsich und Aprikose in der Nase auf. Der Süß-fruchtige Gaumen wirkt in der Länge angenehm fein (91 Punkte). Das Weingut Michael Fröhlich hat einen sehr guten Silvaner im Escherndorfer Lump erzeugt. Hier ist Multivitaminsaft in der Nase. Insgesamt ist dieses Große Gewächs stimmig (91 Punkte). Es ist für die Region Franken sicherlich problematisch, wenn die Silvaner im Schnitt hinter den Rieslingen liegen.

Rheinhessen
Sehr weit oben war in diesem Jahr wieder einmal Rheinhessen mit seinen klaren Rieslingen. Hier gab es kaum Ausfälle. Das Weingut Brüder Dr. Becker erzeugen 2010 das Große Gewächse Dienheimer Falkenberg. Dies zeigt helles Kernobst in der ersten und Aprikose in der zweiten Nase. Eine komplexe Frucht spielt am Gaumen, dann tänzelnde Länge mit hellem Pfirsich und sehr reifen Fruchtnoten (93 Punkte). Von Battenfeld-Spanier kommt das zweite hervorragende Große Gewächs in diesem Jahr. Das Hohen-Sülzener Kirchenstück riecht nach hellem Pfirsich. Dezente Kräuter sind in der zweiten Nase. Etwas wärmer im Glas riecht er wesentlich fruchtiger, gut ausbalancierter Gaumen, und angenehme Länge (93 Punkte).

Große Gewächse 2010

Dann folgt ein weites Feld sehr guter Großer Gewächse. Bei jeweils 92 Punkten sehe ich das Westhofener Kirchspiel von Wittman, den Siefersheimer Höllberg von Wagner-Stempel, die Westhofener Aulerde von Groebe und den recht eigenwillig ausdrucksstarken Niersteiner Oelberg von Kühling-Gillot. Danach folgen noch recht viele richtig doller Rieslinge mit 90 oder 91 Punkten. Das Niveau und vor allem die sehr wenigen Ausfälle bei den Großen Gewächsen 2010 aus Rheinhessen überzeugen.

Pfalz
Aus der Pfalz kommen in diesem Jahr sehr viele Große Gewächse die richtig gut sind. Hier haben viele angesehene und klangvolle Weingüter die Nase weit vorne. Vor allem zwei der Großen Bs geben in diesem Jahr deutlich vor, wo die Qualitätsspitze in der Pfalz zu sehen ist. Reichsrat von Buhl und Bassermann-Jordan überzeugen jeweils mit einem Großen Gewächs aus Lagen bei Forst.

Große Gewächse 2010

Das Forster Kirchenstück vom Weingut von Buhl zeigt sich mit einer duftenden und verlockenden hellen Fruchtnase. Der Gaumen ist von einer sehr schönen vielschichtigen Frucht umspült. Es folgt ein tiefer und inspirierender Nachhall. Dies ist mir 94 Punkte wert. Gerade die innere Stimmigkeit bei enormer Vielschichtigkeit zeigen die Rieslinge von von Buhl häufig auch schon bei den Gutsweinen.

Das Weingut Bassermann-Jordan punktet aus meiner Sicht in diesem Jahr besonders in der Lage Forster Pechstein. In der Nase zeigen sich exotische Früchte, frisch am Gaumen, bleibt leicht und lange stehen. Aus meiner Sicht wird dieser Riesling durch die Feinheit der Nuancen zum Großen Gewächs (93 Punkte). Den Forster Pechstein vom Weingut Acham-Magin sollte ich hier auf jeden Fall auch noch positiv erwähnen (92 Punkte). Die Großen Gewächse aus dem Forster Kirchenstück und dem Deidesheimer Kalkofen sind aus meiner Sicht in diesem Jahr vom Weingut Bassermann-Jordan auch sehr groß.

Große Gewächse 2010

Das Weingut A. Christmann überzeugt davon, dass man jede Lage für sich selbst genommen interpretieren kann. So entstehen 2010 vier Große Gewächse mit dem Riesling, bei denen der Rupersberger Reiterpfad mit seiner floralen Duftigkeit in der Nase, der Stoffigkeit am Gaumen und der vollen Länge überzeugt (93 Punkte). Im Gimmeldinger Mandelgarten kommen in der Nase auch Kräutertöne zum tragen. Fruchtige Intensität gibt ihm einen Zug eines Deserts (92 Punkte). Das Aushängeschild des Weinguts A. Christmann und zugleich der einer der eigenständigsten Rieslinge aus der Pfalz in wieder einmal der Königsbacher Idig. Es ist ertaunlich, wie beständig dieser Wein über die Jahre hinweg wieder erkennbar ist. Sicherlich polarisiert der Idig auch dieses Jahr etwas mit der rauchig-erdigen Nase mit etwas Kräutern, einer kräftigeren Säure, zugleich aber angenehm fruchtig langem Nachhall (91 Punkte).

Das Weingut von Winning hat sich sicherlich zu recht mit seiner kurzzeitigen positiven Entwicklung nach der Ära Dr. Deinhard einen guten Namen gemacht. Mir gefiel der Rupertsberger Spieß (92 Punkte) und das Forster Kirchenstück (91 Punkte). Bei den anderen Rieslingen steht aus meiner Sicht das Holz zu deutlich da. Auch wenn man es bewusst und massvoll einsetzen möchte, kommen besonders im Forster Pechstein und in den Deidesheimer Lagen Kieselberg und Kalkofen die Vanilletöne (im Kalkofen auch Karamell; ich meine in einem sogar Cocos wahrgenommen zu haben) etwas zu sehr zum tragen.

Bürklin-Wolf hatte mich in der Vergangenheit stilsicher und konstant immer etwas enttäuscht. Im Forster Kirchenstück und im Jesuitengarten sind noch Anklänge dieses alten Stils zu erkennen. Die beiden Großen Gewächse aus den Deidesheimer Lagen und der Rupertsberger Gaisböhl künden aus meiner Sicht eine positive Entwicklung an. Vor allem beim Gaisböhl überzeugt die ausgewogene helle Frucht und die innere Stimmigkeit des Rieslings (91 Punkte).

Nahe
Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf das Stinkerduell an der Nahe. Doch es geht auch anders. Denn das beste Große Gewächs kommt aus meiner Sicht nicht von Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff oder Emrich-Schönleber. Das Weingut Dr. Crusius ist aus meiner Sicht wesentlich mehr an der Charakteristik der den einzelnen Lagen dran, als seinen Stempel aufzudrücken. So ist zwar auch etwas mehr Qualitätsgefälle in den drei präsentierten Großen Gewächse vorhanden. Die Traisener Bastei ist hellfruchtig kräuterwürzig in der Nase. Saftig frisch mit spritziger Säure ist sie am Gaumen und uns 94 Punkte wert.

Große Gewächse 2010

Dem entgegen waren die Großen Gewächse von Dönnhoff und Schäfer-Fröhlich geschmacklich zuordbar. Bei der Niederhausener Hermannshöhle fällt vor allem der der selbe Dönnhoff-Ton wie zuvor in der Nase auf. Hier fällt er etwas kräutriger aus. Runde und intensive Frucht am ist Gaumen. Stoffig und ausgewogen ist dieses Große Gewächs in einer kräftigen Länge (93 Punkte).

Der Schloßböckelheimer Felsenberg von Schäfer-Fröhlich zeigt sich mit Sauerkraut in der Nase. Auch hier ist der Geruch über alle Große Gewächse hin im Kern wieder erkennbar in kräftigen Kräuternoten. Der Riesling ist extrem köperreich am Gaumen. Bis in den angenehm langen Nachhall ist eine Fruchtkonzentration auffällig, wie sie bei Obstbränden sichtbar ist (93 Punkte). Schäfer-Fröhlich drückt zwar mit der weingutseigenen Nase den Lagen einen akzentuierten Stempel auf. Diese Großen Gewächse sind dadurch sicherlich nicht immer leicht zugänglich. Zugleich sind bei mir alle präsentierten Rieslinge locker über die 90 Punkte-Hürde gesprungen.

Zu danken bleibt noch dem VDP für die perfekte Organisation und Durchführung der Verkostung. Auch die vielen häufig ungenannten helfenden Kräfte haben einen hervorragenden Einsatz geleistet.

Die hier aufgeführten Großen Gewächse sind nur ein Auszug aus unserer Verkostungsliste. Diese umfasste ca. 150 Weine. Bei Interesse können unsere Einschätzungen auch zu anderen Großen Gewächsen angefordert werden.

Prinz Salm Schloss Wallhausen Grünschiefer

Mittwoch, 27. April 2011

Schloss Wallhausen Prinz Salm GrünschieferDas Weingut Prinz Salm in Wallhausen gilt als ältestes Weingut in Deutschland in Familienbesitz. Seit 2006 wird es in der 32 Generation von Constantin Prinz zu Salm-Salm geleitet. Auf 13 Hektar werden mehrheitlich Rieslinge erzeugt. Aber auch der Spätburgunder, die hellen Burgundersorten und der Silvaner sind hier zu finden. Der frühere VDP-Präsident Michael Prinz zu Salm-Salm stellte den Betrieb in den 1990er Jahren vollständig auf die Methoden des ökologischen Landbaus um. Seitdem sind die Weine aus dem Schloss Wallhausen über den Verband Naturland zertifiziert. Der Grünschiefer ist ein der typischen Gesteinsarten im Anbaugebiet Nahe.

Schloss Wallhausen Prinz Salm Grünschiefer verkostet

Der Riesling von Prinz Salm zeigt sich in einem hellen Strohgelb im Glas. In der Nase ist bei diesem Grünschiefer eine süßliche Frucht mit vegetatiblen Noten. In der zweiten Nase mischen sich bei diesem Riesling vom Schloss Wallhausen Honig mit Kräutern. Zugleich macht der Grünschiefer einen eher schlanken Eindruck. Am Gaumen erst etwas Frucht, dann kommt Säure zu tragen. Zu ihr gesellen sich bei dem Wein von Prinz Salm frische grüne Kräuter mit Majoran. Die feine Länge wirkt frisch. Der Grünschiefer vom Weingut im Schloss Wallhausen macht aufgrund seiner Verspieltheit Spaß.

Schloss Wallhausen Prinz Salm Grünschiefer trocken
Nahe
Erzeuger: Prinz zu Salm-Dalbergsches Weingut
A.P.Nr: 7 779 144 11 10
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2009
Einkaufspreis: 11,00 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Weingut Tesch: Weißes Rauschen, ein Riesling für Die Toten Hosen

Dienstag, 23. November 2010

Weingut Tesch: Weißes Rauschen, ein Riesling für Die Toten HosenWeißes Rauschen oder doch lieber den eisgekühlten Bommerlunder oder gar die 10 kleinen Jägermeitster? Das waren einige der Hits der Vergangenheit besungen von der Band Die Toten Hosen aus Düsseldorf. Doch das mit dem Bommerlunder ist lange vorbei. Seit einiger Zeit scheint man dem Riesling aus deutschen Landen zugeneigt zu sein. Da gab es den bandeigene Wein „Machmalriesling“ aus dem Weingut Tesch an der Nahe, der innerhalb kürzester Zeit vergriffen war. Unter dem Namen “Weißes Rauschen” wurde nun ein neuer Riesling abgefüllt, der von Dr. Martin Tesch aus Langenlonsheim und den Toten Hosen aus Düsseldorf entwickelt wurde. Der Wein ist nach einem Song der Toten Hosen aus dem Album „Zurück zum Glück“ benannt.

Weißes Rauschen vom Weingut Tesch verkostet

Doch nicht lange mit der Vorrede aufgehalten, Flasche auf und eingeschenkt. Das Weiße Rauschen zeigt sich in einem dunkleren Strohgleb im Glas. Duftig ist dieser Riesling vom Weingut Tesch mit intensiv hell-floraler Frucht in der Nase. Eine rassige Säure macht Druck am Gaumen. Dabei ist der Riesling wie bei Tesch üblich knochentrocken. Eine Kräuternote mit Gin-Wacholder (waren hier Die Toten Hosen mit einer Flasche Bommerlunder am Werk bzw. Edelstahltank?) überführt in den imposant kräftigen Nachhall. Dieser Riesling mit dem Namen weißes Rauschen vom Weingut Tesch geht richtig ab. Dabei verliert er aber nie seine Balance. Zu dem Weißen Rauschen würde sogar spießige Volksmusik fetzen (was sonnst, oder hat jemand schon mal progressive Volksmusik erlebt?). Der Wein ist Punkrock! Lautstärkeregler hoch! Nachbarn? Nö.

Weingut Tesch: Weißes Rauschen, ein Riesling für Die Toten HosenDas Weiße Rauschen vom Weingut Tesch und den Toten Hosen kommt in einer sehr ansprechenden Gestaltung daher. Bei dem Adler auf dem Flaschenhals könnte man denken, dass der VDP zu seinem 100 jährigen Jubiläum ein neues Logo bekommen hat. Der Drehverschluss ist – wie beim Weingut Tesch üblich – der Rolls Royce unter den Schraubern (hier schon mal darüber berichtet). Die Flasche ist blickdicht schwarz eingefärbt, was den Wein “Weißes Rauschen” vor Sonnenstrahlen schützt. Einen Nachteil hat es aber. Man merkt nicht so schnell, wenn der Boden der Flasche erreicht wird. Und das geht bei diesem Riesling von Martin Tesch und den Toten Hosen viel zu schnell. Auch ohne bitteres Ende.

Den Riesling gibt es derzeit direkt am Weingut zu kaufen. 6 Flaschen kosten dort 66 Euro. Nachtrag 2016: Jetzt kostet der Jahrgang 2014 von diesem Riesling 68 Euro. In fünf Jahren ist er trotz der Beliebtheit kaum teurer geworden.

Weingut Tesch Weißes Rauschen Riesling trocken
Nahe
A.P.Nr: 7 738 166 16 10
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2009
Verschluss: Schrauber