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Archiv für die 'D Nahe' Kategorie

Große Gewächse 2009 von der Nahe

Dienstag, 7. September 2010

Die Nahe räumte in den vergangenen Jahren regelmäßig bei den Großen Gewächsen ab. Die besten Rieslinge in dieser Kategorie schienen hier her zu kommen. Bis zu 95 Punkten waren bei Verkostern der Weine vom Dreigespann aus Schäfer-Fröhlich, Dönnhoff und Emrich-Schönleber häufig drin. Vor diesem Hintergrund ist eine leichte Enttäuschung gegenüber den in den vergangenen Jahren so hoch gelobten Großen Gewächse von der Nahe angebracht. Es scheint eher so zu sein, dass man stärker bei der Bewertung zwischen denn einzelnen Rieslingen dieser sehr angesehenen Weingüter differenzieren muss. Zugleich steht für mich vor allem das Weingut Dr. Crusius – welches mit dem Felsenberg und besonders mit dem Rotenfels zwei hervorragende Große Gewächse 2009 schuf – bei der Betrachtung leider häufig etwas zu sehr im Schatten.

Kapellenberg (Münster-Sarmsheim)
Kruger-Rumpf

Helle Farbe, frische Nase mit Zitrusfrüchten, feingliedrig am Gaumen mit dezenter aber erfrischender Säure, in der mittleren Länge zeigen sich auch reifere Früchte. 88

Dautenpflänzer (Münster-Sarmsheim)
Kruger-Rumpf

Helles Strohgelb, kandierte Früchte in der Nase, dezente Frucht am Gaumen mit leichter Würze und etwas Bittertönen, runde Länge. 86

Pittersberg (Münster-Sarmsheim)
Kruger-Rumpf

Strohgelb, frische Nase, Würze in der zweiten Nase, breitere Frucht mit spannungsreicher Säure am Gaumen, Mittellang. 90

Pittermännchen (Dorsheim)
Schlossgut Diel

Strohgelb, angestrengte und leicht stechende Würze in der Nase, reife Frucht am Gaumen mit Ananas und Pfirsich, gute Länge. 88

Goldloch (Dorsheim)
Schlossgut Diel

Strohgelb mit grünen Reflexen, leicht rauchig mit reifer Frucht in der Nase, süßer fruchtiger Gaumen mit dezenter Säure, die Limette ins Spiel bringt, sehr angenehmer langer Nachhall mit Südfrüchten. 90

Burgberg (Dorsheim)
Schlossgut Diel

Helles Gelb, Caramel in der Nase, brausiger Gaumen, der eine sehr angenehme Trinkfähigkeit vermittelt, spannungsreicher Nachhall. 91

Schlossberg (Burg Layen)
Schlossgut Diel

Stohgelb, geniale Nase mit Würze und Frucht, frisch und komplex am Gaumen, trockener und wenig fruchtiger Eindruck, schöne Länge. 92

Johannisberg (Wallhausen)
Prinz Salm

Helles Gelb, süßfruchtige Nase, breite Frucht mit Pfirsich, etwas brotig am Gaumen, angenehm lang. 86

Felseneck (Wallhausen)
Prinz Salm

Strohgelb, Grapefruit in der Nase, in der zweiten Nase leichte Würze, süßer Gaumen, der etwas ausbricht, hält lange an. 87

Berg (Roxheim)
Prinz Salm

Strohgelb, Lavendel und Rosmarien in der Nase, druckvoll am Gaumen mit untermahlender Frucht, etwas kurz. 89

Rotenfels (Traisen)
Dr. Crusius

Pfeffrige Würze in der Nase, süßliche weiße Frucht (Lychie und Dragonfruit) am Gaumen, die sich dynamisch intensiviert und sehr lange stehen bleibt, intensiv und zugleich elegant. 93

Dellchen (Norheim)
Dönnhoff

Strohgelb, etwas stechend in der Nase, intensive Frucht, jedoch etwas metallisch, mittlere Länge. 89

Hermannshöhle (Niederhausen)
Dönnhoff

Süße Lychie in der Nase mit weißem Pfirsich und etwas Ananas im Hintergrund, am Gaumen frisch, mittlere Länge 88

Hermannsberg (Niederhausen)
Gut Hermannsberg

Süße Nase, leichtfüssig am Gaumen, cremig mit etwas Pfeffer, für diese Kategorie etwas kurz. 86

Frühlingsplätzchen (Monzingen)
Emrich-Schönleber

Strohgelb mit goldenen Reflexen, reifer heller Pfirsich in der Nase, am Gaumen rund mit angenehmer Frucht, Nachhall im mittleren Bereich. 90

Halenberg (Monzingen)
Emrich-Schönleber

Strohgelb, Schiefermineralik in der Nase untermalt von Würze, eher schlank mit dezenter Grapefruit am Gaumen, nicht so lang. 88

Halenberg (Monzingen)
Schäfer-Fröhlich

Strohgelb mit grünen Reflexen, Schiefer neben süßer Frucht in der Nase, rund am Gaumen mit unterstützender Pfirsichfruchtsüße unter die sich weißer Tee mischt, gute Länge. 93

Kupfergrube (Schloßböckelheim)
Gut Hermannsberg

Strohgelb, süßer Duft in der Nase, voll am Gaumen mit angenehm Druck machender Säure, bleibt gut stehen. 88

Kupfergrube (Schloßböckelheim)
Schäfer-Fröhlich

Stohgelb, honigsüßer Duft mit Kräutern im Hintergrund, ausbalancierter Gaumen mit guter Fruchtsüße und Länge. 90

Felsenberg (Schloßböckelheim)
Dr. Crusius

Strohgelb, blumiger Duft, breiter Gaumen mit kräftiger aber gut eingebundener Säure, saftiger Apfel bis in den langen Nachhall. 91

Felsenberg (Schloßböckelheim)
Dönnhoff

Kräftigeres Strohgelb, Kräuter in der Nase, akzentuiert am Gaumen, ölig, harmonische Frucht zeigt gute Länge. 91

Felsenberg (Schloßböckelheim)
Schäfer-Fröhlich

Strohgelb, etwas rauchig mit Gewürzen in der Nase, süße Frucht mit Orangen und dezenter Kräutrigkeit am Gaumen, angenehme Länge. 89

Weitere Anbaugebiete werden folgen. Hier die Übersicht.

Schlossgut Diel Grauburgunder trocken

Sonntag, 23. August 2009

schlossgut dielUm Armin Diel gab es in den vergangenen Wochen einige Aufregung. Den Grund wieso er in den Mittelpunkt der Kritik geraten ist und von seiner Herausgebertätigkeit des Gault Millau zurücktrat, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Folge ist jedoch, dass die Bewertungen der Weine des Schlossgut Diel nun auch im Gault Millau veröffentlicht werden können. Doch eigentlich ist das ja egal, wer und was da drin steht. Kümmern wir uns lieber um die wichtigeren Dinge des Lebens. Wir haben nun einen trockenen Grauburgunder aus 2008 vom Schlossgut Diel im Glas.

Die Farbe dieses Grauburgunders ist goldig. Die Nase zeigt sich der Wein vom Schlossgut Diel verhalten mit etwas Südfrüchten im Hintergrund. Am Gaumen ist der Grauburgunder frisch und bringt etwas Birne zur Geltung. Der Nachhall ist voll und lang. Dieser Wein vom Schlossgut Diel entwickelt in der Länge reichlich fruchtig-gesetzte Fülle. Der Grauburgunder ist soweit ganz gut. Es zeigt sich aber – wie leider so häufig – dass das Preisniveau bei so bekannten und prestigereichen Weingütern nicht ganz gerechtfertigt ist. Um es mit anderen Worten zu sagen: Dieser Diel ist ein guter Diel, aber ein schlechter Deal.

Schlossgut Diel Grauburgunder Qualitätswein trocken 2008
Nahe
Erzeuger: Schossgut Diel KG
A.P.Nr: 7 763 019 02 09
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2008
Einkaufspreis: 13,00 €
Verschluss: Naturkorken
Quelle: Fachhandel

Kruger-Rumpf Rose trocken

Freitag, 15. August 2008

Wieder mal gibt es einen Wein aus Münster. Nein schon wieder nicht aus Münster in Westfalen, sondern aus Münster-Sarmsheim an der Nahe. Kruger-Rumpf ist seit 1992 Mitglied im VDP. Die Familie betreibt seit 1830 Weinbau. Bei diesem Wein ist keine Rebsorte angegeben. Lediglich Rose steht auf dem Etikett. Ich vermute aufgrund der Herkunft des Wein, dass es sich um Spätburgunder handelt.

Von der Verkostung her passt das aber irgendwie nicht ins Bild. Die Farbe des Kruger-Rumpf Rose trocken ist relativ hell. Es zeigt sich im Glas eine leichte Kohlensäurebildung. Im Mund ist dieser Rose von Kruger-Rumpf ziemlich cremig. Geschmacklich steht eine intensive Erdbeere im Zentrum. Zudem bringt der Rose eine spannungsgeladene Säure mit sich. Wirklich Spaß macht mir dieser Wein von Kruger-Rumpf nicht. Er ist aber ganz ok und vollkommen fehlerfrei. Was will man unter 5 Euro auch schon viel mehr erwarten.

Kruger-Rumpf 2007 Rose trocken
Nahe
Erzeuger: Weingut Kruger-Rumpf
A.P.Nr: 7 702 089 025 08
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2007
Einkaufspreis: 5,00 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Fachhandel

Weingut von Racknitz: Vulkan vs. Schiefer

Freitag, 18. Juli 2008

Foto: Thomas GüntherDas Weingut von Racknitz von der Nahe hat mit dem Jahrgang 2007 seine Weinliste etwas entrümpelt. Dabei einstanden zwei neue Nummern, die ganz im Zeichen des jeweiligen Bodens stehen. Es gibt einen Schieferriesling und einen Vulkanriesling. Die beiden Weine sollen nun gegeneinander antreten.

Das ist ein Wettkampf, bei dem ich intuitiv auf Schiefer setzen würde. Mit den Schieferbögen verbinde ich die filigranen und mineralischen Rieslinge von der Mosel. Vulkangestein begegnet einem leider etwas zu häufig bei einigen plumpen Grau- und Weißburgundern aus Baden. Um diese vorurteiligen Bodenpräferenzen zu überprüfen, steht folgender Wettkampf an.

Vulkan
Der Wein vom Weingut von Racknitz zeigt sich in einem jugendlich dunklen Gelb im Glas. Die erste Nase hat etwas leicht parfümiertes mit etwas Biergeruch. In der zweiten Nase kommt ein Pfirsich mit einem exotischen Touch zum tragen. Am Gaumen kann man dezente Würze wahrnehmen. Diese bringt Anspielungen an den Grünen Pfeffer vom Grünen Veltliner mit sich. Sie ist jedoch gut in das Gesamtbild dieses Rieslings eingebunden. Der Nachhall ist weich und harmonisch und hat seine Längen. Die Frucht stellt sich wieder in den Vordergrund. Bei einem zweiten Glas verdichtet sich der Geschmackseindruck und der Wein präsentiert sich saftig mit einer Spannung haltenden dezenten Säure. Die erste Nase ist dabei völlig verflogen.

Schiefer
Bei so einem Wettkampf muss der zweite Wein sich immer mit dem zuerst verkosteten messen lassen. Der Schieferriesling ist etwas heller im Glas. In der Nase sind weiße Steinfrüchte. Eine Mirabelle steht im geschmacklichen Zentrum. Zudem ist eine leichte Säure schmeckbar. Der Nachhall ist etwas kürzer als bei dem Riesling vom Vulkangestein. Der Schieferriesling ist zudem wesentlich gradliniger und weniger verspielt. Qualitativ steht der Schiefer-Riesling dem Vulkan-Riesling in nichts nach. Aus meiner Sicht hat diesen kleinen Wettkampf unter den beiden Rieslingen vom Weingut von Racknitz jedoch der Wein vom Vulkangestein gewonnen. Seine harmonische Spannung ist hervorragend.

Ein Weingut überzeugt, wenn es in der Lage ist, in einer Region mit der selben Rebsorte im gleichen Jahr zwei empfehlenswerte und zugleich sehr unterschiedliche Weine zu erzeugen. Wenn es sich dabei nicht nur um Nuancen handelt, sondern zwei vollkommen eigenständige Weine entstehen, zeugt dies von der Qualität der Arbeit auf diesem Weingut und zugleich von einer idealen Nutzung der Voraussetzungen bezüglich Klima und Boden im Anbaugebiet.

Weingut von Racknitz Vulkangestein und Schieferboden 2007 Riesling trocken
Nahe
Erzeuger: Weingut von Racknitz
A.P.Nr: 7 755 043 005 08 und 7 755 043 004 08
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 und 12,5 %
Jahrgang: 2007
Einkaufspreis: je 11,00 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Fachhandel

WeinRallye12: Tesch St. Remigiusberg

Dienstag, 10. Juni 2008

Foto: Thomas Günther„Its coming home, its coming home, Weinrallye coming home“ würde ich singen, wenn ich musikalischer wäre. Diese ist nämlich wieder bei ihrem deutschen Initiator angekommen. Und da hat der Autor des Winzerblogs wieder ein geniales Thema gefunden. „In Gottes Namen“ soll es sein. Nach meiner Moselexkursion hätte ich kurzerhand auf einen der obigen Weine zurückgreifen können. Doch ich wollte einen Wein hier vorstellen, der in der Nähe von Münster angebaut wurde. Nein, gemeint ist nicht das Münster am kaiserlichen Dortmund-Ems-Kanal, sondern jenes an der Nahe. Dort existiert die Lage St. Remigiusberg. Damit ist der fränkische Bischof Remigius von Reims (436-533) gemeint. Aus dem Anlass möchte ich auch mal auf den Heiligen-Blog verweisen. Das kann ja nie schaden.

Doch zurück an die Nahe. Die Lage St. Remigiusberg ist vom VDP als Erste Lage gekennzeichnet. Die Farbe des Rieslings ist relativ hell und mit grünlichen Reflexen. Der Wein versprüht schon beim Aufschrauben der Flasche einen fruchtigen Duft im Raum. Die Nase ist geprägt von weißem Steinobst. Im Mund beginnt dieser Riesling von Tesch in einer unerwarteten mineralischen Leichtigkeit. Diese baut sich langsam auf. Dabei kommen reife Pfirsiche und später etwas Mango zum tragen. Der Nachhall dauert ewig an und bringt eine trockene Fruchtkombination an den Gaumen. Der Wein wurde über drei Tage verkostet. Dabei hat er selbst am dritten Tag nicht merklich verloren gehabt. Lediglich die zuvor sehr gut eingebundene Säure ist etwas mehr zum Zuge gekommen.

Tesch Laubenheimer St. Remigiusberg Riesling Spätlese trocken
Nahe
Erzeuger: Weingut Tesch
A.P.Nr: 7 738 166 11 07
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12 %
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 11,00 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Internet-Fachhandel

Tesch unplugged

Donnerstag, 15. Mai 2008

Tesch zeigt seit Jahren in der deutschen Weinwelt eindrücklich, dass das „Gesamterlebnis Wein“ nicht nur aus einem guten Flascheninhalt besteht. An dieser Stelle soll der beim Tesch unplugged 2006 verwendete Schraubverschluss positiv hervorgehoben werden. Es gibt ja reichlich Modelle von Schraubverschlüssen auf dem deutschen Markt. Besonders die mit Aluabschuss innen scheinen sich durchzusetzen und Naturkorken weitgehend zu verdrängen. Das Weingut Tesch hat auch konsequent umgestellt (Bild 1). Einen kleinen Nachteil haben die meisten Schrauber jedoch. Glas und Metall sind harte Materialien (Bild 3). Viel weicher ist das Schraubgefühl, wenn – wie bei den Weinen von Tesch – ein Kunststoffgewinde extra eingesetzt ist (Bild 2). Es erinnert etwas an das heraus gleiten eines guten Korkens aus dem Flaschenhals. Mir scheint es auch so zu sein, dass die Stoßanfälligkeit bei diesem Modell des Schraubveschlusses geringer ist.

Foto: Thomas GüntherDer Tesch unplugged zeigt eine dunkle goldige Farbe im Glas. Dies gibt es sonnst eher bei Eisweinen. Ein viel versprechender Geruch nach fast schon überreifer Grapefruit kündigt sich an. Im Mund gewinnt ein reifer Pfirsich gewinnt Oberhand. Beim unplugged von Tesch gehen Harmonien in eine kräftige jedoch gut eingebundene Säure mit ganz leicht bitteren Noten über. Der Nachhall ist lang und bringt unerwartete Weiche. Tesch unplugged ist ein eindrucksstarker und sehr intensiver Wein. Das ist doch schon mal nicht wenig. 2006 scheint beim unplugged sehr gut geraten zu sein. Noch eine kleine Sache zur Gestaltung beim Weingut Tesch: Die Weinflasche ist richtig schwarz. Was für die Lagerung des Weins optimal ist, da zerstörerisches Licht abgeschirmt wird, hat beim trinken des Weins einen kleinen Nachteil. Man weis nie so genau wie viel noch in der Flasche drin ist. Und so ist der Riesling dann doch schneller alle als man denkt

Tesch unplugged – Riesling Kabinett trocken
Nahe
Erzeuger: Weingut Tesch
A.P.Nr: 7 738 166 02 07
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13 %
Jahrgang: 2006
Einkaufspreis: 7,50 €
Verschluss: Schrauber
Quelle: Internet-Fachhandel