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ProWein 2017: Düsseldorfer Schuhreport

Mittwoch, 22. März 2017

düsseldorfer schuhreportDie Weinszene ist modischer als viele glauben mögen. Zur diesjährigen ProWein in Düsseldorf dachte ich mir mal einen kleinen Schuhreport zu schreiben. Darf man das? Ich denke schon. Bierernst hat auf einer Weinfachmesse nichts zu suchen. Nach 10 Jahren Messebesuch weiß ich: Es gibt kaum etwas Wichtigeres an diesen drei Tagen als gut zu Fuß zu sein. Und am besten geht das in einem bequemen und passenden Schuh. Sicherlich sind guter Wein und schmackhaftes Essen auch immer ganz schön. Aber darüber habe ich schon so viel in den vergangenen Jahren geschrieben.

Schuhe sind wirklich wichtig im Leben. Sie sind verantwortlich für die Bodenhaftung. Und wie bei der Rebe die Wurzel, verbindet der Schuh den Menschen mit er Erde. Nach der etwas verrückt klingenden Idee eines Düsseldorfer Schuhreports nun zur Praxis. Ich war erstaunt wie offen alle angesprochenen Menschen reagiert haben. Nur etwas seltsam war sicherlich die erheiterte Stimmung aller umstehenden Messebesucher bei Fotoshooting. So mag ich manche Bildqualität entschuldigen.

wolfgang-fassbender-schuheBeginnen wir mit Wolfgang Faßbender. Der Gastrokritiker, Weinjournalist, Mitinhaber eines Weinguts an der Mosel und Elsassspezialist trägt modische Schuhe. Er selbst hebt den Tragekomfort hervor. Ich glaube damit kann man eine Messe gut ablaufen.

helmut knallGeht es weiter mit einem Journalisten. Wine-Times-Autor Helmut Knall alias Knalli trägt braune Lederschuhe. Er hat sich damit in Italien noch Blasen geholt. Nun sind sie gut eingelaufen. Bei seinem Buchprojekt wünsche ich ihm noch viel Erfolg.

peter-jakob-schuheWenig später treffe ich auf Peter Jakob. Der Historiker, Consultant, Blogger und Student am Institute of Master of Wine hat gut geschnittene schwarze Lederschuhe an. Damit war er gerade noch auf den Top-Chateaus in Bordeaux unterwegs. Die sind recht schick und dabei gar nicht langweilig.

journalistenschuheEher langweilig finde ich die Schuhe eines lokalen Fotojournalisten. Die habe ich bei der Vorstellung vom Weingut von Sting abgelichtet.

schuhreportDagegen bei selbigem Ereignis sind diese Schuhe einer ausländischen Printjournalistin doch recht auffällig.

sven-zerwas-schuheWeingutsverwalter in Brauneberg an der Mosel und VinoCamp-Organisator Sven Zervas trägt ganz praktische Schuhe. Die stammen von der französischen Marke Le Coq Sportif. Es passte ganz gut, dass an dem Stand den er betreute ein Rasen vorhanden war. Die Schuhe sind jedenfalls für einen langen Messetag geeignet.

ralf-kaiser-schuheWeinblogger Ralf Kaiser alias Weinkaiser trägt Wanderschuhe auf der ProWein. „Die habe ich doch immer an“, kommentiert er.

schuhe-italienUnd es gibt sicherlich auch einige sehr auffällige Schuhe. Die höchste Trefferquote hat man auf der ProWein in der Halle der Italiener. Langeweile sieht anders aus. Und manches Model – ich vermute aus Milano – ist eher mutig ausgewählt. Nicht nur Düsseldorf hat eine Schuhmesse.

puclavec und friendsSportlich und knallegelb geht es am Stand von Puklavec & Friends aus Slowenien zu. Das war schon in den vergangenen Jahren so. Das ist ein schöner Wiedererkennungseffekt.

barbara-wanner-scuheBarbara Wanner trägt schwarze Sportschuhe von Nike. Das passt zur sehr dynamischen Agentur. Gut sehen sie auch noch aus.

frank-dobry-schuheWeinfreund und Blogger Frank Dobry habe ich dann noch im Bus nach der Messe getroffen. Die Schuhe sehen bequem aus. Der Essener zeigt sich geerdet mit adidas aus Segelstoff.

wein-schuhreportZuletzt noch meine eigenen Schuhe. Die sind nicht für drei Massetage in Folge geeignet, weil sie etwas zu warm sind. Das ist mein sechstes Modell der britischen Marke Clarks (Montacute Lord). Sie kommen vom größten Freizeitschuhhersteller weltweit. Ich kaufe mir immer wieder Schuhe dieses Herstellers. Sie sind für mich sehr bequem und halten zudem sehr lange.

So das war es. Ein Bericht (etwas näher am Messethema) wird über „Menschen, Weine und Sensationen“ noch in den kommenden Tagen in diesem Weinblog folgen. Bleiben sie an ihren Empfangsgeräten. Oder: Stay tuned!

Die 10 wichtigsten Weintage im Web

Donnerstag, 9. März 2017

wichtigsten weintage webJetzt geht es um wichtige Weintage im Web. Dieses Jahr ist jetzt schon mehr als zwei Monate alt. Da bemerke ich, dass ich noch keinen wichtigen internationalen Weintag im Social-Media verpasst habe. Dabei gibt es im englischen, französischen und spanischen Sprachraum viele Tage die bestimmten Rebsorten oder Weinstilen gewidmet sind. Besonders auf Twitter und Instagram passiert dann recht viel. An drei Tagen habe ich in der Vergangenheit schon teilgenommen. Dem Sauvignon Blanc Day, dem Malbec Day und dem Grenache Day. Hierzulande ist dann meist leider noch nicht so viel los. Aber es ist ja eine Welt. Neben vielen eher kleineren Veranstaltungen habe ich mal die wichtigsten Weintage hier zusammengefasst.

17. April 2017
Malbec World Day

Nun das hört sich erstmal recht global an. Dahinter steckt die Vermarktung von Wines of Argentina. Es machen jedoch recht viele Menschen dabei mit. Hinzugekommen ist inzwischen der #MalbecMonday. Auch da passiert recht viel. Hashtag für den Malbec World Day war immer einfach #Malbec

24. April 2017
Internationaler Sauvignon Blanc Day

Dieser ist immer am 24. April des Jahres. Der Tag wird seit 2010 begangen. Ausgerufen wurde er von Neuseeland. Hier ist mein Blog-Beitrag aus dem vorletzten Jahr. Hashtag ist #SauvBlanc

26. Mai 2017
Internationaler Chardonnay Day

Diesen Weintag gibt es auch seit 2010. Besonders beliebt scheint er in Australien zu sein. Häufig werden Weine aus dem Burgund verkostet. Besonders der Chablis ist beliebt. Als Hashtag wird ganz simpel #Chardonnay verwendet.

21. Juni 2017
Lambrusco Day

Der Lambrusco Tag scheint eher etwas mehr lokal verankert zu sein. Da gibt es einen sehr aktiven Twitter-Account mit 300 Followern und einen Blog. Bei dem konnte ich nicht herausfinden wer dahinter steckt. Hashtag ist #LambruscoDay

15. September 2017
Internationaler Grenache Day

Der große Tag des Grenache ist jedes Jahr am dritten Freitag im September. Ausgerufen wurde dieser von der Internationalen Grenache Assoziation. Die macht häufig richtig gute Veranstaltungen und ist tatsächlich global aufgestellt. Der verwendete Hashtag ist #GrenacheDay

20. Oktober 2017
Champagne Day

Dieser Champagne Day ist tatsächlich eine recht französischer Angelegenheit. Die Webseite der Veranstaltung ist jedenfalls nicht mal in ihren Grundaussagen auf Englisch. Nur so viel konnte ich entschlüsseln: Es gibt ihn wohl seit 2009. Mitmachen kann man trotzdem. Schadet ja niemandem. Hashtag #ChampagneDay

7. November 2017
Internationaler Merlot Day

Sieht kleiner aus als die Rebsorte zuweilen ist: #InternationalMerlotDay

16. November 2017
Beaujolais Nouveau Day

Diesen Tag gab es schon vor dem Internet. Damals sind die Dandys immer zum dritten Donnerstag im November ins Beaujolais geflogen und haben dort den ersten Rotwein des Jahres genossen. Heute macht man das im Internet.

20 Dezember 2017
Sangria Day

Auch das kann man feiern. Wobei dieser Termin in Deutschland mit der Welt-Glühweinwoche kollidieren dürfte. Der Hashtag ist wahrscheinlich mit in den großen Eimer gefallen. Ich konnte ihn jedenfalls nicht finden.

31.Dezember 2017
Welt-Schaumwein-Tag

Der Welt-Schaumwein-Tag sollte in dieser Liste nicht vergessen werden. Traditionell ist dieser am letzten Tag des Jahres. Und das ist schon ganz lange so. Damals gab es noch kein Internet. Smartphones, Twitter und Instagram auch nicht. Keine Ahnung wie die Menschen damals ihre Weintage gefeiert und ihre glücklichen Momente geteilt haben. Hashtag #FrohesNeues

10 Weintage, aber kein Riesling Day?

In der Liste der globalen Weintage ist sehr auffällig wie viele Aktivitäten vor allem von Übersee aus gestartet werden. Ich hoffe auch in Deutschland passiert an diesen Tagen zukünftig mal etwas mehr als bisher. Bei den Terminen war mir Casey vom Travelling Corkscrew Blog aus Australien hilfreich. Etwas bezeichnend ist, dass ich keinen Internationalen Riesling Day gefunden habe. Dieser könnte aber auch an allen verbleibenden Tagen aus der Liste sein. Cheers!

Weinrallye #107 Vorurteile, Müller und Bocksbeutel

Samstag, 25. Februar 2017

weinrallye vorurteile bocksbeutel müllerBei dieser Weinrallye wollte ich auf jeden Fall mitmachen. Es geht um Vorurteile. Ausgerufen wurde diese Runde von Torsten Hammer vom Priorat Hammer. Entstanden ist sie durch eine Diskussion im sozialen Netzwerk mit dem blauen Logo um Dornfelder und Trollinger. Mit Vorurteilen ist diese Weinwelt jedenfalls gut bestückt. Ich will mich hier gleich mit zweien davon beschäftigen. Beide bröckeln doch recht stark. Somit meine ich ein leichtes Spiel zu haben. Das eine ist der Bocksbeutel. Das andere die Rebsorte Müller-Thurgau.

Doch zuvor: Was sind eigentlich Vorurteile? Ihr Ruf ist äußerst schlecht. Wie der Name schon sagt, ist es ein Urteil, welches gefällt wird, bevor etwas wirklich geprüft ist. Es handelt sich dabei häufig um eine Verallgemeinerung aufgrund ähnlicher Erfahrungen. Das ist für die menschliche Geschichte jedoch notwendig. Es kann nicht alles immer im Detail geprüft werden. Und wenn zwei rote Pilze mit weißen Flecken giftig sind, ist es besser nicht weiter zu probieren. Problematisch ist es nur, wenn auf einer etwas dünnen Datenbasis verallgemeinert wird. Oder wenn Dinge völlig zu Unrecht in Verruf geraten.

Ist der Bocksbeutel hausbacken?

Dafür ist der Bocksbeutel ein gutes Beispiel. Er galt lange als hausbacken. Eventuell waren das auch einige Weine in diesen seltsamen Flaschen. Über die Entstehung des Namens gibt es auch zwei unterschiedliche Geschichten. Viele Weingüter in Franken schwenkten auf die Bordeaux-Flasche um. Eigentlich gibt es bei jüngeren Weinkonsumenten schon seit Jahren eine deutliche Gegenbewegung. Vielmehr hat man erkannt, dass im globalen Wettbewerb regionale Zuordnung immer wichtiger wird. Das gilt nicht nur für die örtliche Vermarktung und Identität. Auch das Image einer Region sollte deutlich werden.

Das ist für mich in Franken der Bocksbeutel und darin ein Weißwein. Idealer Weise sollte dies ein Silvaner oder Riesling sein. Aber auch die Scheurebe und der Weißburgunder ist hier anzutreffen. Und eben der Müller-Thurgau. Bei dieser Rebsorte mit häufig recht billigen Weinen habe ich auch begonnen zu vereinfachen: Flache belanglose Weine ohne Spannung und Ausdruck. Ein Müller-Thurgau war aus meiner Sicht lange Zeit – mit wenigen Ausnahmen – uninteressant. Ich habe in den 13 vergangenen Jahren dieses Weinblogs nur zwei Weine der Rebsorte Müller-Thurgau verkostet. Dabei hat mir nur dieser eine aus Sachsen aus dem Jahr 2007 gefallen. Der hat aber damals schon 13,50 Euro gekostet.

weingut augustin der müller bocksbeutelDoch das Bild dreht sich. Es ist sicherlich nicht so, dass nun plötzlich jeder Müller-Thurgau gut oder irgendwie interessant ist. Doch es gibt immer mehr davon. Einen habe ich nun zur Verkostung angestellt. Dieser stammt vom Weingut Augustin aus Sulzfeld. Ich habe schon einmal einen Silvaner von diesem Weingut hier anlässlich der Auszeichnung als „Entdeckung des Jahres“ im Gault Millau hier verkostet. Hier auch noch ein Interview mit Arno Augustin von damals.

Weingut Augustin Franken Bocksbeutel Connection DER MÜLLER verkostet

Über die neue Bocksbeutel-Flasche könnte man einmal diskutieren. Da scheiden sich die Geister. Ich denke es ist jedoch eine Frage der Gewöhnung. Nun knackt jedoch der Schrauber. Im Glas zeigt sich der Müller vom Weingut in einem kräftigeren Strohgelb. In der Nase ist bei diesem Weißwein aus 2015 reifer Pfirsich mit etwas Ananas. In der zweiten Nase habe ich Rosinen. Das Ganze ist duftig, wirkt aber nicht billig parfümiert wie bei den kritischen Vertretern dieser Rebsorte. Was mir an dem Wein gefällt? Er bringt eine dezente Würze und eine erfrischende Säure an den Gaumen. Dabei entsteht eine Spannung. Eine vielschichtige Aprikosenaromatik begleitet eine schöne und harmonische Länge. Der Wein mach bei 7,50 Euro richtig Spaß. Das ist DER MÜLLER!

Das war es. Die Rallye war gestern. Ich bin also zu spät. Schon wieder. Hoffentlich entwickelt sich daraus kein Vorurteil. Die Zusammenfassung gibt es jedenfalls schon hier beim Priorat Hammer. Und noch eine Zusammenfassung beim Mitinitiator Gottfried Stutz. Oh, das Thema war eingentlich “Vorurteile ZurechtStutzen”. Ham wa jemacht.

Weingut Augustin
Der Müller
Müller-Thurgau trocken
Deutschland – Franken
Inhalt: 0,75
Alkohol: 13,5 %
Jahrgang: 2015
AP-Nr: 486 026 16
Verschluss: Schrauber
EAN: 4260406540074

Weinrallye #104 Gamay aus Moulin-a-Vent

Montag, 28. November 2016

gamay moulin a ventEs ist wieder einmal Weinrallye. Genauer ist es die 104te Runde dieser Veranstaltung. Beim vergangenen Durchgang war ich im Burgund. Nun hat Stefan von Baccantus das Thema Gamay gestellt. Hier ist sein Aufruf. Dies ist eine aus meiner Sicht sehr interessante Rebsorte. Genauer ist es eine Kreuzung aus Pinot Noir und Heunisch. Da wären wir also schon wieder im Burgund. Rotwein aus dem Beaujolais ist immer Gamay. Und Gamay ist recht häufig aus dem Beaujolais. Es gibt diese Rebsorte noch in einigen anderen Anbaugebieten in Frankreich. Zudem ist sie für die Schweiz nicht ganz unbedeutend. Weltweit ist sie auch noch in kleinen Mengen verstreut. So z.B. ist Gamay auch in den USA zu finden. Leider kann man so etwas in Deutschland nur unter großen Umständen erhalten. Interessant fände ich solche Weine.

Bei dem Wein meiner Wahl muss man gleich drei französische Anbaugebiete erwähnen. Natürlich kommt er aus dem Beaujolais. Das ist die korrekte Herkunftsbezeichnung dieses Moulin-a-Vent. Zugleich liegt dieses Cru direkt neben dem Burgund. Überhaupt hat das Beaujolais recht viel mit dem Burgund zu tun. So kann ein Cremant de Bourgogne auch aus dem Beaujolais kommen, bzw. aus weißen Trauben die im Beaujolais gewachsen sind. Der kann genauso gut aber auch Chardonnay vom Bereich Chablis enthalten. Was im abgebildeten Fall sehr köstlich ist. Doch das führt jetzt etwas vom Gamay weg.

gruhier cremant de bourgogne
Gruhier, hervorragender Cremant verkostet bei „Les Grand Jours de Bourgogne“ 2016

Beaujolais, Gamay aus Moulin-a-Vent verkostet

Das seltsame bei meinem Beaujolais ist, dass die Kellerei in Chenas liegt. Das ist weder eine Appellation des Burgund noch ist das gleichnamige der 10 Cru des Beaujolais gemeint. Vielmehr ist dies ein Ort im Gebiet Rhone. Es handelt sich also um eine Kellereiabfüllung der Cave du Chateau de Chenas. Dieser Rotwein ist anständig. Im Glas zeigt sich das typisch kräftige dunkle Rot. In der Nase sind rote Früchte mit Hagebutten. Der Gaumen ist weich und ausgewogen fruchtig geprägt. Die tiefgründige Länge passt. Das Cru Moulin-a-Vent ist in Deutschland zurecht hoch angesehen. In der Gunst von Weinkennern hierzulande wird es nicht selten als bestes Cru bezeichnet. Jedoch ist dies aus meiner Sicht durchaus eine Frage, welche Stilistik man präferiert.

Frankreich – Beaujolais
Erzeuger: Cave du Chateau de Chenas
Inhalt: 0,75
Alkohol: 12,5 %
Jahrgang: 2012
Einkaufspreis: 11 €
Verschluss: Presskorken
Quelle: Fachhandel
EAN: 3760005090020

Weinrallye zum 100sten mal

Freitag, 29. Juli 2016

Wenn das nicht ein guter Grund zum Feiern ist: Die Weinrallye wird 100. Sicherlich sind das nicht Jahre, sondern Runden. Im Juni vor 9 Jahren ging es los. Thomas vom Winzerblog veranstaltete den ersten Durchgang. Das Thema waren Inselweine. Natürlich fragte er bei allen Weinblogs nach, ob sie teilnehmen möchten. Die Landschaft war auch noch recht übersichtlich. Und das Thema Insel war nicht nur inhaltlich genial, sondern auch irgendwie symbolisch für die damalige Zeit. Viel hat sich in einer Dekade verändert.

Nun fahren wir die 100ste Runde dieser Weinrallye. Bisher habe ich auch immer eine Flasche aufgemacht. Nun fällt es mir recht schwer. Ich bin der Meinung, dass kein Wein hier angebracht ist. Ich dachte erst an was Großes oder einen besonders teuren Wein. Was Seltenes und leicht Kurioses wäre evtl. eine gute Idee. Dann dachte ich an Schaumwein/Champagne. Es gibt ja schließlich etwas Außergewöhnliches zu feiern. Aber nein. Heute bleibt die Flasche zu. Keine Verkostungsnotiz soll dieses Ereignis in den Schatten stellen.

Ich habe bei den vergangen Runden 27 mal an der Rallye teilgenommen. Drei mal habe ich diese ausgerichtet. Was ist der Reiz an dieser sehr wahrscheinlich längsten regelmäßigen Institution zum Thema Wein im Internet? Im Kern liegt es daran, dass es eine wirklich soziale Veranstaltung ist. Es lebt von den Teilnehmern jeder einzelnen Runde. Und die Weinrallye ist kein Wettlauf gegeneinander. Ich glaube, dass dies einer der wesentlichen Gründe ist, wieso es diese Rallye so lange schon gibt. Man kann Freunde finden mit denen man wie bei einem Puzzle am selben Thema arbeitet, anstatt sich gegenseitig zu messen.

Und die Weinrallye lebt natürlich von ganz bestimmten Bloggern. Zum einen von denen, die schon lange dabei sind. Zum anderen von denen, die bereit sind, da mal neu mitzumachen. Ganz wesentlich scheint mir auch zu sein, dass es eine offene Geschichte ist. Die Weinrallye ist in meinen Augen eine Art Gemeingut. Schon allein, weil sie die freiwilligen Teilnehmer braucht, kann die Weinrallye nicht zu einem anderen Zweck als gemeinsam Spaß zu haben vereinnahmt werden. Zugleich lebt sie auch von Verantwortung in dem Sinne wie sie seit Jahren Peter Züllig war nimmt. Ihm an dieser Stelle ein großes Dankeschön. Und ein ganz besonders herzlicher Dank an Thomas Lippert, dass er die Weinrallye initiiert und zum Leben erweckt hat.

ProWein 2016 – Ein Rundgang

Montag, 11. April 2016

prowein 2016Wir schreiben das Jahr 2016. Es war mal wieder ProWein. Buissines as usual. Und wie immer alles gut. Ein großartiger internationaler Branchentreff. An einigen Stellen wirkte die Weinfachmesse in diesem Jahr etwas leerer. Dieser Eindruck entstand durch das Wachstum der Messe. Es war einfach mehr Platz da. Die Besucherzahlen stiegen um ca. 6% auf über 55.000. Somit können sehr viele der Besucher der Messe, viele Aussteller und auch die Veranstalter mehr als zufrieden mit der ProWein 2016 sein. Unzählbare Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Das Niveau war häufig einer internationalen Fachmesse angemessen.

Neu war in diesem Jahr nicht nur das Hallenkonzept. Auch die Öffnungszeiten wurden um eine Stunde nach hinten geschoben. Das sollte den Messeverkehr etwas vom Berufsverkehr in Düsseldorf verzögern. Im Vorfeld gab es dann einige Befürchtungen, dass der wegen Sturm verschobene Rosenmontagsumzug auf den Messe-Sonntag zu Komplikationen führen könnte. Das war eher unbegründet. Diese beiden Veranstaltungen zeitgleich zu sehen, trug eher zur Erheiterung bei. Trotzdem hat die Rheinbahn den Verkehr nicht ganz im Griff. Der morgendliche Anschluss vom Flughafen ist leider noch immer ein Problem. Und die U-Bahn in die Stadt nach der Messe auch. Aber das sind Kleinigkeiten im Rahmen. Die ProWein ist in den vergangenen Jahren stärker gewachsen, als die Kompetenz der Rheinbahn das Besucheraufkommen zu bewältigen.

albert bichot burgund
Dieses Jahr habe ich die Messe mit einer Verkostung von Burgundern begonnen. Albert Bichot besteht seit 1831 nun in der sechsten Generation. Für burgundische Verhältnisse ist es ein recht großer Erzeuger mit mehr als 100 Hektar Rebfläche. Eigentlich handelt es sich bei Albert Bichot nicht nur um ein Weingut, sondern es besteht aus 6 Domänen in denen jeweils eine eigene Mannschaft arbeitet. Das ist auch sehr sinnvoll, da die Rebflächen in der Nord-Süd-Ausdehnung bis zu 300 Kilometer entfernt sind.

Burgunder von Albert Bichot auf der ProWein 2016

Besonders bedeutend sind die Weine aus dem Chablis. Hier besitzt Albert Bichot 1,5 Hektar im Grand Cru Les Clos welche von der Domäne Long-Depaquit bewirtschaftet werden. Diese bestehen in zwei recht unterschiedlichen Bereichen, wodurch ein Blending besonders gute Chablis entstehen lässt. Der Les Clos aus dem Jahr 2013 hat mir auch mit einer Birne in der Nase und einem sanften Schmelz nach hinten recht gut gefallen.

albert bichot prowein
Doch ganz besonders haben es mir die Pinots von Albert Bichot angetan. Hier möchte ich zum einen den Vosne-Romanee Premier Cru Les Malconsorts aus dem Jahr 2013 nennen. Er präsentiert sich trotz seiner Jugend schon finessenreich mit einer leicht kräutrigen Note. Vosne-Romanee umfasst 57 Hektar unter Reben. Dabei sind 14 Climate als Premier Cru klassifiziert. Albert Bichot besitzt hier 1,75 Hektar im Climat Les Malconsorts, die nur 400 Meter von Romanee-Conti und 600 Meter von Richebourg entfernt liegen.

Das Münsterland in Düsseldorf

Natürlich interessierten mich auf der ProWein auch die Aussteller aus dem heimischen Münsterland. Hier gibt es bekanntlich kaum ernst zu nehmenden Weinbau. Erstmalig war die Feinbrennerei Sasse (nicht Weinbrennerei) aus Schöppingen auf die Messe an den Rhein gereist. Die Brennerei hat lokal in den vergangenen Jahren mit handwerklichem Geschick und innovativer Vermarktung so richtig aufgedreht. Zwei angehende Destillateure waren für den Messeauftritt auf der ProWein 2016 verantwortlich. Etwas erstaunt war ich, dass die Brennerei nun offensichtlich über den lokalen Vertrieb hinausgeht.

sasse prowein
Zwei schon lange erfolgreiche Produkte präsentierte Sasse in Düsseldorf. Da ist einerseits der Dauerbrenner „Münsterländer Lagerkorn“ und auf der anderen Seite der Aperitif mit dem nun neuen Namen „Amerie“. Das Thema Gin hat man nun auch in Schöppingen entdeckt. Da gab es erstmal einige Destillate von den angehenden Brennern zum Riechen. Es ist schon genial was man in dieser Kategorie alles machen kann. Dann wurde ein innovatives Konzept vorgestellt. Und zwar können Händler, Gastronomen oder Barbesitzer ihren eigenen Gin bei Sasse kreieren und auch dort destillieren lassen. Das ist durchaus interessant. So ist das Wachstum in diesem Markt derzeit immer noch im Bereich der Vielfalt.

Die ProWein 2016 – Aus Rundgang wird Schnelldurchlauf

Der Artikel muss jetzt endlich fertig werden. Es ist ja schon einiges Wasser den Rhein herunter geflossen. So gibt es jetzt im Folgenden die Messe im Schnelldurchlauf. Und irgendjemand muss das Ganze hier ja dann auch noch weglesen können.

languedoc proweinWenig später ging es zum Stand vom Languedoc. Hier gab es Sushi. Und das war richtig gut. Dazu Weine aus dem Süden von Frankreich zu trinken hört sich erst mal etwas schräg an. Ich war besonders gespannt wie man den hier Rotweine kombinieren kann. Aber es geht durchaus. Und zwar war der Faugeres eine perfekte Kombination mit dem roten Fisch. Ich meine es war ein Thunfisch-Sushi. Zudem gab es geballte Frauen-Power aus Österreich, Frankreich und Japan. Eine sehr gute Präsentation.

prowein sushi Sushi und Faugeres

weingut aust prowein
Es ging dann einige Schritte auf der ProWein 2016 weiter zum Weingut Aust aus Sachsen. Dies ist mir schon einige Male sehr positiv aufgefallen. Die neuen Etiketten wurden präsentiert. Die sind auch durchaus gelungen, auch wenn mir die Alten ebenso gefallen haben. Und die Weine waren nicht zu vergessen aus sehr schön.

desa roederer proweinDann war Zeit für Champagner. Bei der DESA wurde Roederer präsentiert. Das klingt erst mal etwas schräg, aber der Kellermeister kommt auf Italien und somit passt das schon. Der ohne Jahrgang war erwartbar gut. Der Rose 2010 hat mit nicht gerade begeistert. Aber wirklich genial fand ich den weißen Jahrgang 2008. Das ist ein Hammerzeug bestehend aus 2/3 Pinot und 1/3 Chardonnay. Dieser Champagner besticht vielschichtig mit sehr viel Pink Grapefruit. Für den Preis ist das richtig gut. Als Krönung wurde dann noch Cristal 2007 ausgeschenkt. Da braucht man keine Worte des Lobes zu äußern. Was soll man über ein Spitzencuvee eines hervorragenden Hauses schreiben?

roederer cristal 2007
Roederer Cristal 2007

david schwarzwälder prowein
David Schwarzwälder präsentiert Reserva aus Rioja

rioja reserva prowein
Als nächstes ging es zu Rioja. Hier präsentierte David Schwarzwälder einige Reserva. Er erläuterte die Geschichte der Kategorien wie immer sehr kenntnisreich und informativ. Drei der Rotweine haben mir außerordentlich gut gefallen. Das war der bekannte Klassiker von Muga aus dem aktuell vermarkteten Jahr 2012. Dann waren da noch zwei Reserva aus Rioja von etwas unbekannteren Erzeugern. Und zwar aus 2009 von Teran und aus 2005 von Ontanon

Chasselas von Walz aus Baden

Ich machte dann noch einen kleinen Zwischenstopp beim Weingut Walz aus Baden. Das war ein Treffen von drei mal Thomas. Die neuen Etiketten haben mir sehr gut gefallen. Der Inhalt noch viel mehr. Es gab einen knochentrockenen Chasselas. Thomas Walz versucht die Trauben möglichst lange hängen zu lassen. Der Wein war aber überhaupt nicht überladen. Das hätte ich vermutet. Vielmehr hatte er internationales Format, was mit dem Gutedel – wie man ihn kennt – eigentlich wenig zu tun hat. Ein Weingut von dem man bestimmt noch viel hören wird.

walz baden prowein Chasselas vom Weingut Walz

meursault prowein
Wenig später probierte ich auf der ProWein 2016 einen Meursault. Ich wollte mich schon etwas auf meine Reise ins Burgund vorbereiten. Diesen Wein muss ich hier einfach erwähnen. Wesentlich frischer, als ich Meursault bislang gekannt hatte. Bei Vinaturel am Stand – wo dieser Wein präsentiert wurde – gab es noch einen Chablis. Der war wesentlich weniger mineralisch. Von der Domiane de Bellene muss ich zukünftig mal genauer probieren. Im Burgund fand ich die leider aufgrund eines Streiks bei der Luftfahrtgesellschaft und daraus entstehender Zeitnot leider nicht. Naja, die Sache mit dem Verkehr. Das Thema hatten wir ja schon eingangs.

Josten & Klein von Ahr & Mittelrhein

Ich machte dann noch einen Stopp beim Weingut Josten & Klein. Über die habe ich schon einiges sehr positives gehört. So wollte ich auch mal selbst dort verkosten. Die Geschichte ist durchaus interessant. So waren beide Eltern nebenberuflich Besitzer von Weinbergen an Ahr und Mittelrhein. Die Spätburgunder-Trauben gingen immer schön in eine Winzergenossenschaft. Am Mittelrhein hat man vieles neu gepflanzt. So zum Beispiel Sauvignon Blanc. Den hatte ich auch probiert. War mir etwas viel Holz, aber das wird einigen richtig gut gefallen.

josten und klein proweinDann probierte ich die Spätburgunder von Josten & Klein von der Ahr. Die Vielfalt der Pinots war erstaunlich. Mich begeisterte der eher subtile und sehr feine Mayschosser Laacherberg aus 2014. Klasse Pinot!

weinpunk hammel prowein
Eine große Show und Wiedersehen mit vielen Weinfreunden gab es dann auf der ProWein 2016 beim Weinpunk alias Marco Giovanni Zanetti. Alle Weine habe ich mir nicht gemerkt und auch nicht alles notiert. Aber über einige möchte ich im Folgenden kurz berichten. Zum einen ist da der Rose-Schaumwein mit Christoph Hammel. Der macht richtig Spaß, wie man sehen kann. Hammel hat auch noch was über die Rebsorten gesagt. Hab mir nur was von Acolon und Dornfelder gemerkt. Acolon? Muss ja gut sein. Es bringt auf jeden Fall eine schöne Farbe ins Spiel.

Große Show beim Weinpunk

Eigentlich ist das ein gutes Lehrstück über Weinvermarktung. Mit Spaß werden interessante Weine an den Mann und die Frau gebracht. Dies weitgehend jenseits der etablierten Vermarktungsmodelle. 2.800 Normal-Flaschen und 99 Magnum gab es von dem Hammel-Rose. Alle waren nach der ProWein ausverkauft.

orange wine winepunk
Orange Wein vom Weinpunk

niepoort kettern prowein
Niepoort und Kettern

phillip kettern prowein
Sehr interessant war der 2012er Riesling von Philip Kettern mit dem Namen Fio. Der war bislang im Fass. Für mich war das zu viel. Aber als Experiment ist das durchaus genial. So hatte dieser Riesling vieles von seiner Herkunft Mosel behalten. Er war sogar blind so erkennbar. Gefallen hatte der „rätzelhaft“ in Zusammenarbeit mit Dirk Niepoort aus dem Douro-Tal. Schön, weil in dem Fall gar nicht so trocken, was dem Riesling sehr gut stand.

gosset blue label
Bei dem Champagne-Haus Gosset gab es etwas Neues zu probieren. Es gibt nun einen „Blue Label“. Das ist ein 15 Jähriger Champagner in dem drei Jahrgänge zusammengefasst sind. Die Idee dahinter liegt auf der Hand: Champagne kann reifen. Etwas was mancher bei diesem Thema auf den ersten Blick nicht so ganz glauben kann. Manche große Häuser sind bei ihren Prestige-Cuvees leider auch etwas jünger geworden. Der „Green Label“ von Gosset wechselt jedoch derzeit auch erst von 2004 auf 2006. Das ist durchaus sinnvoll. Gutes braucht Zeit zum reifen. Allerdings sind die Mengen vom „Blue Label“ sehr begrenzt. Lediglich 3.000 Flaschen wurden von ihm erzeugt.

chateau beychevelle 1998Ich probierte dann bei Castel einige gereifte Bordeaux. Man gönnt sich den Luxus einen Teil dieser Weine erst gereift in den Handel zu bringen. Der Käufer hat den Vorteil, dass die Weine dann ideal gelagert zu ihm kommen. Als Fan vom Chateau Beychevelle begeisterte mich der 1998er. Der schien erstaunlich jung zu sein. Ich probierte noch einige andere Bordeaux dort durch. Großes Tennis!

les charmes haut brion 2012 Les Charmes Haut-Brion 2012

chateau lafon rochet 2011 Chateau Lafon-Rochet 2011

chateau fleur cardinale 2013 Chateau Fleur Cardinale 2013

Sonderpreis für den besten Stand auf der ProWein 2016

Ich möchte hier noch einen kleinen eigenen Sonderpreis für den am besten gestalteten Messestand verleihen. Das ist natürlich völlig subjektiv und auch gar nicht in Kenntnis aller anderen in Düsseldorf vorhanden Stände. Aber ich fand die Idee sehr gelungen. Herzlichen Glückwunsch an die Rhone an M. Chapoutier.

sonderpreis prowein Sonderpreis an die Rhone

Zum Schluss dieses stellenweise recht umfangreichen und bei einigen Themen leider kursorischen Berichts möchte ich allen freundlichen Ausstellern auf der ProWein 2016 danken. Ein kleines Sorry schicke ich hiermit an alle, die ich nicht erwähnt habe. Der Text ist schon lang genug geworden. Und irgendwann muss man es ja auch mal gut sein lassen. Und entschuldigen möchte ich mich bei allen zu denen ich es – trotz freundlicher Einladung – nicht an den Stand geschafft habe. Die nächste ProWein kommt ganz bestimmt.

prowein 2017
Jedenfalls sind die kommenden zwei Runden schon angekündigt. Also, nächstes Jahr geht es weiter. Die ProWein 2017 gibt es vom 19. bis 21. März. Und der Termin für 2018 steht auch schon fest. Da wird die Weinfachmesse vom 18. bis 20. März in Düsseldorf stattfinden. Dann gibt es ein Wiedersehen mit Freunden. Ich bin jedenfalls nach über 10 Jahren noch nicht müde.

Zuvor hatte ich schon zwei Artikel zur ProWein 2016 veröffentlicht:
Rotwein aus Korsika mit Peer F. Holm
Die Preisverleihung des Concours Mondial du Sauvignon (Blanc) auf der ProWein