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WOW! in Bordeaux: World of Organic Wines

Sonntag, 18. Juni 2017

vinexpo bordeaux wowEs ist tatsächlich eine ganze Welt. So vielfältig ist der Bereich organic, biologisch, biodynamisch oder Wein aus Trauben aus biologischem Anbau. Das Thema geht aus von der reinen Erfüllung von gesetzlichen Auflagen bis hin zu ganzheitlichen Ideen. Es geht nicht nur darum Weine mit weniger Schadstoffen herzustellen, sondern um ein Umdenken in der Produktion. Die Vinexpo hat dem Thema unter dem Titel WOW! nun eine Sonderzone gewidmet. Hier versammeln sich ca. 150 Aussteller aus den meisten der wichtigen Weinnationen.

vinexpo domaine de cebeneDas Thema Organic Wein geht um die Welt. Doch besonders ist dies in Frankreich verankert. Hier ist unter anderem Sud de France zu erwähnen. Schon allein das Klima spricht für einen solchen Weinbau. Der biologische Anbau trifft hier auf ideale Bedingungen. Und so beginne ich mit meiner Verkostung in Faugeres. Na noch nicht ganz, weil der erste Wein von der Domaine de Cebene kommt aus einem Gebiet in Richtung Meer mit tiefgründigen Sandböden. Der Ex Arena besteht aus Grenache (90%) und Mouvedre. Er zeigt sich sehr frisch mit weichen Tanninen.

vinexpo brigitte chevalierBrigitte Chevalier erzählt auch etwas über ihr Weingut. Sie hat 2007 angefangen erste Parzellen zu kaufen. Hauptsächlich in Faugeres produziert das Weingut auf inzwischen 11 Hektar vier verschiedene Rotweine. Auch der Belle Lurette erzeugt mit der Rebsorte Carignan erscheint mir sehr ausgewogen und rund zu sein. Er wird aus 70 Jahre alten Reben erzeugt. In Faugeres ist der Boden tiefgründig durch den Schiefer geprägt. Als dritten Wein habe ich den Les Bancels im Glas. Brigitte Chevallier sagt, dass dies den größten Teil an ihrer Produktion ausmacht. Hier überwiegt der Syrah.

vinexpo cebeneEs ist auffällig wie weich und harmonisch die Rotweine der Domaine de Cebene sind. Ich kenne Faugeres häufig etwas ruppiger. Brigitte Chevalier meint, dass dies auch an ihren Weinbergen liegt. Diese befinden sich meist auf 300 Metern Höhe und in Nordausrichtung. Der Betreib ist übrigens vollständig biologisch ausgerichtet. Ich diesem Jahr arbeitet sie auch biodynamisch. Das Weingut hat aber noch keine Zertifizierung erhalten.

Organic Wein aus vielen Ländern

Als vierten Wein habe ich den Felgaria von der Domaine de Cebene im Glas. Dieser ist großartig und dabei recht fruchtig. Eigentlich wollte ich hier nur einen Wein probieren. Zum Abschluss frage ich noch wo der Name der Domaine de Cebene herkommt. Also sie mit dem Weingut begann, überlegte Brigitte Chevalier überlegte wie man es nennen könnte. Zuvor wurden die Trauben häufig in eine Genossenschaft gegeben und es vieles war ohne Namen. Von ihrem Weingut aus ist jedoch ein mythologischer Berg sichtbar der nach einer sterbenden Göttin mit dem Namen Cebene benannt ist.

vinexpo michele cianiKommen wir zu einem italienischen Aussteller auf der Vinexpo. Aus dem Friaul ist erstmals das Weingut Aquila del Torre nach Bordeaux gekommen. Im Jahre 1996 von der Familie Ciani übernommen, erzeugt dies ausschließlich Bioweine. Darunter natürlich ein 100%iger Friulano aus dem Jahr 2015. Den finde ich sehr schön voll in der Frucht und frisch. Michele Ciani erzählt etwas über das Weingut. Von den ca. 20 Hektar sind 4,5 mit Friulano bepflanzt. 66 Hektar Wald gehören ebenso zum Weingut. Dieser trennt lediglich das Gutshaus von den Weinbergen. So liegt alles nahe beieinander. Dabei geht es dem Weingut nicht nur darum Bioweine zu erzeugen. Vielmehr setzen sie sich für die Biodiversität ein.

vinexpo aquila del torreDer Boden ist in diesem Teil von Friaul von Flysch geprägt. Das ist mir bislang auch noch nicht begegnet. Hierbei handelt es sich um wechselnde Schichten aus Lehm, Ton und Sandstein. Ich probiere aus der gehobenen Linie von Aquila del Torre den Vit di Maz aus Sauvignon Blanc. Ich schätze die Weißweine aus dem Friaul sehr. Dieser hat etwas Holz gesehen. Inzwischen ist es auch schon der Jahrgang 2013. Ganz bestimmt ist dies ein hervorragender Weißwein. Ich mag die fruchtig-frischen aus Friaul etwas mehr.

vinexpo bio corner wowEs ist Zeit für eine Mittagspause. Zur Auswahl steht Le Bistrot Bouef Bio an der großen Flaniermeile mit Uferblick. Oder ich kann am Bio-Stand direkt neben WOW! speisen. Ich entscheide mich für zweites. Eigentlich weil es praktisch ist. Doch ich bin da offensichtlich nicht der einzige. Ich nehme dort ein Sandwich mit Hühnchen. Da ist auch etwas Süßes und Grünzeug mit drauf. Das sieht nach Feigen und Rauke aus. Mir schmeckt es.

el molar rus jimenez moyaWeiter geht es mit der Verkostung in der WOW!-Zone auf der Vinexpo. Aus dem spanischen Anbaugebiet Manchuela ist die Finca El Molar nach Bordeaux angereist. Rus Jimenez Moya präsentiert hier die Weine. Das Weingut mit 30 Hektar wurde 1998 gegründet. Die Weine sind seit dem Jahr 2004 nach EU-Regeln als Bio zertifiziert und zudem auch noch vegan. Besonders hat man sich der seltenen, aber in Kastilien häufiger zu findenden roten Rebsorte Graciano verschrieben. Diese ist auch in Rioja zu finden und wird dort zum Blending benutzt.

vinexpo wow el molarHier probiere ich den 100%igen Graciano aus dem Jahr 2014. Die Rebsorte kenne ich noch nicht. Im Glas zeigt sich der Wein mit einer violetten Farbe. In der Nase sind verspielte Brombeeren und Kirschen. Eine lebendige Säure untermalt diesen aussagekräftigen Rotwein mit wahrnehmbaren Tanninen. Diesen Wein kann man sogar für ca. 18 Euro in Deutschland kaufen. Rus Jimenez Moya empfiehlt mir auch noch die Selection aus 2013 zu probieren. Der ist sehr schön harmonisch. Bisher hatte ich nicht nur Graciano sondern auch Manchuela missachtet. Das ändert sich jetzt.

WOW! als fester Bestandteil der Messe

Die Vinexpo beabsichtigt diesen Bereich zum regelmäßigen Bestandteil der Messe werden zu lassen. Es ist gerade hier sehr auffällig wie viele neue Aussteller sich entschlossen haben an der Veranstaltung teilzunehmen. Evtl. liegt es auch an der Möglichkeit einen kleineren Stand im Fokus der Vinexpo buchen zu können. Es sind einige Weingüter nur an zwei Tagen in bei WOW! Evtl. werde ich noch Berichte zu drei Ausstellern aus Chile, Südafrika und den USA hinzufügen, die ich eigentlich auf meiner Liste hatte.

Leider nimmt kein Weingut aus dem kalifornischen Napa-Valley an WOW! teil. Jedoch ist dieses Gebiet sehr interessant und auf der Vinexpo sehr präsent. Seit den frühen 2000er Jahren werden hier Weinberge ökologisch zertifiziert. Mehr als 10% stehen inzwischen unter Napa-Green. Zugleich werden auch Weingüter nach bestimmten Regeln in Richtung organic zertifiziert. Hier meint dies jedoch nicht nur im europäischen Sinn biologisch. Vielmehr geht es um sustainably, also Nachhaltigkeit.

vinexpo napa honigIch probiere einige Weine hier. Sauvignon Blanc aus Napa ist eher ungewöhnlich. Wenn es Weißwein aus Kalifornien gibt, dann hat man es wesentlich häufiger mit Chardonnay zu tun. Ich finde diesen Weißwein von Honig aber sehr schön erfrischend. Sonst hat sich das Weingut eher auf den Cabernet Sauvignon ausgerichtet. Honig wurde 1980 gegründet und ist gilt in Kalifornien als eher kleines Weingut.

vinexpo napa quintessaSehr häufig findet man im Napa Vallyey Bordeaux-Blends. Evtl. kommen diese Kalifornier auch deswegen so immer so gerne zur Vinexpo. Quintessa gehört zu Huneeus Vintners. Dies versammelt mehrere Luxusweine in Hand einer Familie. Die Quintessa Estate in Rutherford ist größtenteils biologisch und biodynamisch bewirtschaftet. Dieses schmackhafte Bordeaux-Blend mit recht fülliger Frucht besteht aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot.

vinexpo trefethen dragonEin weiteres Bordeaux-Blend gibt es bei Trefethen. Ich finde es immer genial auf einer internationalen Weinmesse die Möglichkeit zu bekommen Weine zu probieren, an die man nur schwer herankommen kann. Dieses Weingut aus Napa exportiert in Europa derzeit lediglich nach Belgien und Großbritannien. Dabei bewirtschaftet es 178 Hektar. Zudem bekommen besonders die Rotweine von angesehenen Verkostern regelmäßig recht viele Punkte. Dazu gehörte der Dragons Tooth von Trefethen aus Malbec, Petit Verdot und Cabernet. Der Drachen ist auf das Etikett, weil die Inhaberfamilie ursprünglich aus Wales kommt.

vinexpo joe cusimanoJoe Cusimano von Trefethen Family Vineyards

vinexpo napa dry rieslingEtwas vorgreifend auf Übermorgen habe ich noch einen Riesling aus dem Napa Valley im Glas. Denn dann gibt es hier den #RieslingDay. Dieses Weingut erzeugt einen Dry Riesling und einen Late Harvest. Der erstere Weißwein von Trefethen erscheint mir erstaunlich frisch. Und so frage ich beim Verkaufsleiter Joe Cusimano nach (der ist übrigens an der Mosel geboren). Er berichtet, dass dieser Riesling ein Blend aus zwei Bereichen ist. Eine davon ist warm und für die Frucht verantwortlich. Durch den zweiten Bereich entsteht die erfrischende Säure. Und schon wieder habe ich unerwartet über das Thema Biowein etwas Neues kennen gelernt. Morgen werde ich mich etwas näher mit Spanien dem Gastland der Vinexpo auseinandersetzen. Und Übermorgen ist dann #RieslingDay.

Beste Rotweine aus Griechenland: Meine Empfehlungen

Dienstag, 13. Juni 2017

griechenland-nikos-panidisÜber Wein aus Griechenland besteht ein seltsames Zerrbild in Deutschland. Viele kennen Samos, Marodaphne, Kretikos und natürlich den Retsina. Inzwischen hat sich in der Weinwelt herumgesprochen, dass es aus diesem Land auch hervorragende trockene Weine gibt. Für mich war dies ein Grund ausführlicher Rotweine aus Griechenland zu verkosten. Daraus hervorgehend möchte ich hier vier Empfehlungen geben. Bei einer Einordnung half mir der Weinakademiker und Sommelier Nikos Panidis aus Athen.

Griechenland hat eine lange Tradition im Weinbau. Diese geht bis in die Antike zurück. Nach einer wechselvollen Geschichte ist der heutige Weinbau ohne die 1950er Jahre nicht denkbar. Zu der Zeit fand eine erste auch politische Öffnung des Landes statt. Seitdem ist ein Einfluss europäischer und vor allem französischer Önologen festzustellen. Diese brachten auch international verbreitete Rebsorten wie Chardonnay, Cabernet Sauvignon und Merlot mit. Mit dem finanziellen Aufschwung in den 1960er bis 1980er Jahre sind in Griechenland viele heute bekannte Weingüter entstanden.

Neuere Weinbaugeschichte Griechenlands

Ein wichtiger Entwicklungsschub setzte mit dem Beitritt Griechenlands in die EU ein. Das war im Jahr 1981. Doch schon zuvor wurde 1974 ein Weingesetz verabschiedet, welches diesen Regeln weitgehend entsprach. So seltsam es erst einmal klingt: Ein wichtiger Faktor für die qualitative Entwicklung des Weinbaus in Griechenland sind deren Auswanderer. Denn als später viele von ihnen ins Land zurückkamen, hatten einige das Wissen um den modernen An- und Ausbau des Weins im Gepäck. Und es scheint so als ob gerade diese Rückwanderer ab den 1990er Jahren an der erfreulichen Renaissance der ca. 300 autochthonen Rebsorten mitwirken.

Wenn man die neuere Geschichte des Weinbaus in Griechenland erzählt, sollte man die vergangenen Jahre nicht verschweigen. Gerade die hochwertigen Weine des Landes wurden bis 2008 sehr gut durch die Binnennachfrage vermarktet. Das ist auch ein Grund wieso die griechischen Spitzenweine hierzulande nicht so bekannt sind. Seit der Finanzkrise schwächelt die Nachfrage im Erzeugungsland leider.

griechenland-gaia
Aus einer recht umfangreichen Verkostung von Rotwein aus Griechenland möchte ich hier vier Empfehlungen aussprechen. Da ist zu Beginn der Gaia Estate aus der PDO Nemea. Das Weingut ist auf die traditionellen Rebsorten fokussiert. In diesem Wein ist dies Agiorgitiko. Das ist die häufigste rote Rebsorte in Griechenland. Übersetzt heißt sie Heiliger Georg. Der Wein ist duftig mit Kirsche, Pflaumen und etwas Vanille im Hintergrund. Am Gaumen machen sich eine gute straffe Tannine bemerkbar. Die Säure und Frucht sind beim Agiorgitiko von Gaia Estate gut aufeinander abgestimmt. Dieser Rotwein ist übrigens unfiltriert. Der Wein kostet so ungefähr 26 Euro.

griechenland-rebsorte-verkostung Als zweiten Rotwein möchte ich den Mouchtaro vom Weingut Muses empfehlen (rechts im Bild). Er stammt aus der Region PGI Thiva in Mittelgriechenland, was zugleich eine Nähe zur Küste meint. Die Rebsorte Mouchtaro wird lediglich von diesem Weingut vermarktet. Es ist ca. 30 Hektar groß. Der Wein ist duftig mit Waldfrüchten und Feigen im Hintergrund. Am Gaumen ist er fruchtig und trotz seiner Fülle sehr elegant. Im Handel in Griechenland liegt dieser Rotwein von Muses Estate bei ca. 13 – 14 Euro. Hierzulande ist er leider noch nicht erhältlich.

Rotweine aus Griechenland mit autochthonen Rebsorten

Kommen wir zum Gourmenissa vom Weingut Chatzivartis (Bild mitte). Erste Pflanzungen des Erzeugers fanden 1994 statt. Heute werden ca. 10 Hektar Rebfläche mit traditionellen aber auch internationalen Rebsorten bewirtschaftet. Dieser Rotwein trägt den Namen der Region PDO Gourmenissa, welche von kontinentalem Klima geprägt ist. Er besteht aus den autochthonen Rebsorten Xinomavro und etwas Negosa. Im Glas zeigt er sich in einer hellen fast schön bräunlichen Farbe. Die Nase ist fruchtig mit Beeren und Kirsche geprägt. Im Handel liegt dieser Rotwein bei knapp 18 Euro.

Die vierte Empfehlung kommt vom Weingut Alpha (links im Bild). Dies liegt in einer der kältesten Weinregionen von Griechenland mit dem Namen PDO Amyndeon. Nikos Panidis erzählt, dass ein See in der Nähe die Temperaturen mild hält. Zwar gibt es hier einen kühlen Winter aber keine Spätfröste. Dem Alpha Xinomavro Reserve Vielles Vignes merkt man die klimatischen Bedingungen aus an. In der Nase mit duftiger Kirschfrucht bringt der Gaumen eine sehr schöne Pfeffrige Würze. Das macht mir so richtig Spaß. Für diesen Wein wird man hierzulande etwas unter 19 Euro ausgeben.

Bei diesen hervorragenden Rotweinen aus Griechenland möchte ich gar keine Abstufung machen. Sie waren alle hervorragend und mit den verwendeten autochthonen Rebsorten für sich eigenständig. Ich möchte mich besonders bei Nikos Panidis für sein freundliches Fachwissen bedanken. Ein kleiner Dank gilt auch den Initiatoren des Weingesetzes von 1974. Denn nach diesem muss das Etikett der Flaschen für mich nicht mehr unverständlich bleiben.

Chardonnay-Weinrallye: Die Zusammenfassung

Sonntag, 4. Juni 2017

weinrallye international chardonnay dayGanz ehrlich, ich bin positiv überrascht. Wie immer zählt nicht nur die Quantität der Beiträge bei einer Weinrallye. Aber auch diese war aus meiner Sicht sehr gut. Ich hatte keine Zeit um persönlich noch mal Weinfreunde anzusprechen. Und so speist sich die Teilnahme aus wirklich interessierten Menschen an der Weinrallye und am Chardonnay. Und auch die Beiträge an sich finde ich hervorragend. Ich habe mich über jeden einzelnen gefreut. Sicherlich war das Thema breit gewählt. Und gerade weil der Chardonnay in so vieler Munde, Gläser und Flaschen ist, war vielfach eine grundsätzliche Einordnung der Rebsorte erforderlich. Das liest sich so in vielen Beiträgen.

Fangen wir mit dem ersten Beitrag an. Der kommt von Karl-Heinz Datum. Und er kennt sich – nicht nur seines Namens wegen – aus. Klar der #ChardonnayDay war am 25. Mai. Die Weinrallye eigentlich am 26. Das war ganz ehrlich gesagt ein kleines Versehen von mir im Vorfeld. Sorry von mir. Es haben doch viele bemerkt. Das spricht für euch!

Zum richtigen Datum kommen wir noch etwas später. Erst mal gibt es eine Trockenbeerenauslese aus Österreich. Im Blog Süße Weine schreibt Karl-Heinz Datum über ein Exemplar des Jahrgangs 1998 von dem recht bekannten Weingut Fred Loimer aus dem Kamptal. Im Bild sieht dieser gereifte süße Chardonnay recht dunkel aus. Er scheint sehr gut geschmeckt zu haben.

Zum TBA jetzt noch einmal. Eigentlich sollte eine TBA-Weinrallye an selbem Datum stattfinden. Reserviert von Anja Kircher. Mit TBA war jedoch „to be announced“ gemeint. Nun Bildungslücke bei mir. Jedenfalls war sie so freundlich ihre Rallye um einen Monat zu verschieben. Und sie war jetzt beim Chardonnay auch mit dabei. Durchaus trefflich schreibt sie der französische Wein dieser Rebsorte ihr gefallen hat.

Darüber ist Anja dann auch zu einigen deutschen Chardonnays gekommen. Die beiden Weingüter Dorst und Kiefer-Seufert sind zwar nicht ganz so bekannt. Ich werde diese bei Gelegenheit aber auch einmal probieren. Ich sage jedenfalls meine Teilnahme bei ihrer Runde der Rallye auf jeden Fall auch schon zu. Auch wenn es dabei um Merlot aus Finnland gehen sollte. Oh, sie war schneller als ich beim Schreiben dieses Artikels. Das Thema steht fest und unten in diesem Text.

Kommen wir weiter zum Beitrag von Juliane Gassert. Sie ist auch fast immer bei der Rallye dabei. Bei ihr geht die Weinrallye von Südtirol gleich doppelt in die Pfalz. Vorher wird noch etwas die Rebsorte und ihre Bedeutung seziert. Danach die Weine recht umfangreich beschrieben. Bezugsquellen nennt Juliane dann auch noch.

Peter Züllig bereichert die Weinrallye ja bekanntlich nicht nur durch seine Beiträge. Er hat auch gleich zwei mal Chardonnay am Start. Zum einen aus den USA. Ich habe die Erfahrung mit einem von Fetzer schon mal gemacht, dass dieser recht langlebig war. Er hat einen Mondavi aus 1991 aufgemacht. Und dann gibt es noch einen Marienfelder. Peter war auch so freundlich alle Artikel in seinem Blog noch einmal zu verlinken. So bin ich mir auch hier sicher niemanden vergessen zu haben.

Torsten Hammer zeigt immer wieder, dass er sich nicht nur im Priorat auskennt. Für mich ist er auch immer wieder für ein Überraschung gut. Er hat einen Cotes de Jura geöffnet. Ich kenne dies als kleines und interessantes, zuweilen hierzulande leider etwas unbekanntes Gebiet für Chardonnay. Hier der Beitrag von Torsten.

Weinanwalt Stefan ist auch ein Datums-Checker. Kurz vor dem Ende der Weinrally schaffte er es über das Ziel. Klar, am 26. Mai war #LanguedocDay. So macht er dies dann zum Programm und stellt einen Wein aus dieser Region vor. Dann gibt es noch Chardonnay aus Südtirol. Hier sein Artikel.

Ich will meine beiden Beiträge zur Chardonnay-Weinrallye nicht verschweigen. Einmal ein mehr als klassischer Vertreter aus Übersee. Und dann mein echter Klassiker aus dem Chablis. Noch Tage danach steht dieser Wein wie eine Eins und meine Mitmenschen denken ich habe Kreide gefressen weil es mir so gut geht.

Ich gebe hier den Staffelstab der Weinrallye weiter an Anja Kircher mit dem Thema „Weineschichte-n“ am 30. Juni. Hier ihr Aufruf. Nehmt auch ihr bitte drann teil!

Exekutivkomitee Hauptsache Wein: Tief im Westen…

Dienstag, 23. Mai 2017

hauptsache wein bochum… wo die Sonne verstaubt. Ist es besser. Also in Bochum und auch Hattingen. Mit etwas Regen und klarer Sonne. Hier traf sich vorgestern das Exekutivkomitee der Gruppe Hauptsache Wein. Ungefähr 50 aus 10.000. Zwei Tage mit vielen Begegnungen. Einige der Teilnehmer kenne ich real schon über 10 Jahre. Andere kenne ich digital genauso lange, habe die aber noch nie zuvor gesehen. Das zweitägige Treffen wurde von der Weingruppe Porto Bocho sehr gut organisiert. Euch vielen Dank! Es folgt eine Chronologie der Ereignisse in drei Akten.

1. Five Pop Up

five hauptsache wein bochumAm Freitag war der Bratwurststand im Bermuda3eck in Bochum als Treffpunkt avisiert. Aufgrund einiger Regentropfen ging es dann gleich weiter ins Five. Dieses war zum Gruppentreffen von Hauptsache Wein zur Popup-Weinbar umgestaltet worden. Die Weinliste war unglaublich lang und mit vielen Größen vor allem aus deutschen Landen quer durch die Anbauregionen bestückt. Das Treffen war ungezwungen und auch viele der unbekannten Gesichter blieben dies bei heiterer Stimmung nicht lange.

keller kirchspiel hauptsache weinHier gab es zudem einiges zu lachen (Sorry sieht auf dem Bild etwas anders aus – falscher Moment). Auch wegen dem Keller.

prüm himmelreich riesling kabinettDer Joh. Jos. Prüm aus dem Graacher Himmelreich hatte mir sehr gut gefallen. Präzision im Ausdruck, Handwerkskunst, verständliche und lokal zuordnungsbare Tradition. Und es war auch wegen Riesling Kabinett schon eine gute Einstimmung für das große Bratwurstessen am Folgetag. Dieser Weinstil sollte ohnehin als UNESCO-Weltkulturerbe gelten.

hauptsache wein verkostungsergebnisse
Einige Verkostungsergebnisse.

2. Currywurst-Kabinett-Competition

currywurst riesling kabinett„Geste ine Stadt, wat macht dich da satt? Ne Currywurst. Ach gebnse mal zwei.“ Und für meinen Weinfreund noch eine dabei. Und noch einen Riesling Kabinett dazu. Jedenfalls wenn man mit diesen Leuten unterwegs ist. Die Kombination von Riesling Kabinett und Currywurst ist eigentlich gar nicht so provokant, wie es zuerst klingt. Bei der Currywurst ist – wie der Name schon sagt – Curry der Hauptgeschmacksträger. Zu einem indischen Curry gibt es zwei klassische Weinempfehlungen: Gewürztraminer (Südtirol oder Elsass mit etwas Restsüße) und eben einen Riesling Kabinett. Am liebsten in der historisch bekannten Version von der Mosel. Der Restzucker nimmt die Schärfe etwas zurück und die Frucht spielt mit den Aromen der Speise. Problemfelder können im Bereich TomateXSäure oder SchärfeXAlkohol liegen. Soweit die Theorie. Nun zur Praxis.

riesling kabinett immrich batterieberg
1. Gang
Riesling Kabinett Immich-Batterieberg (Mosel) wirkt recht frisch und schlank zur Currywurst.

riesling kabinett bockstein nik weis
2. Gang
Riesling Kabinett Nik Weis Bockstein (Mosel) – eine meiner Lieblingslagen – passt gut zur Currywurst.

riesling kabinett prüm himmelreich
3. Gang
Riesling Kabinett Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich 2012 (Mosel) ist eigentlich etwas zu gut für diese Currywurst. Schmecken tut es trotzdem.

burger riesling kabinett
Es gab Abtrünnige. Ein Verräter der Bochumer Currywurst mit einem amerikanischen Burger mit Speck. Sieht trotzdem sehr lecker aus. Doch es geht weiter im Programm.


4. Gang
Riesling Kabinett Haart Goldtröpfchen (Mosel) wirkt hier recht beschwingt fruchtig mit der Currywurst.

riesling kabinett günther steinmetz brauneberger juffer
5. Gang
Riesling Kabinett Günther Steinmetz Braunberger Juffer 2105 (Mosel) präsentierte sich mit der Currywurst erstaunlich medizinal.

riesling kabinett kupp ayl
6. Gang
Riesling Kabinett von Othegraven Kupp 2015 (Mosel) empfand ich als angenehm frisch und fruchtig.

3. Dinner in Diergardt’s Kühler Grund als Gruppentreffen von Hauptsache Wein

diergardt hattingen rotwein Als wäre man nach 6x Currywurst mit Riesling Kabinett von der Mosel nicht schon satt und stramm genug, ging es zum eigentlichen Gruppentreffen von Hauptsache Wein. Da gab es ein Flying Dinner in elf Punkten. Dazu hatte jeder mindestens eine Flasche hervorragenden Wein mitgebracht. Teilweise konnte man blass werden. Doch schnell zum Essen: Ich fand die auf Rügen gereifte Salami genial. Ich mache an der Ostsee in der Nähe jedes Jahr eine Woche Urlaub. Diese Salami brachte mir schon mal einen kleinen, feinen und so schönen Vorgeschmack.

diergardt hauptsache weinHier einzelne Weine hervorzuheben wird der Veranstaltung nicht wirklich gerecht. Und ein echtes Thema ist für mich das Matching von Wein und dem Essen. Das ist wichtiger als große Namen auf dem Etikett. Zum Essen: Das „Frikassé von Pintadin (keines Perlhuhn) & Kalbsbries“ war etwas Understatement. Der Spargel „Primavera“ war auch sehr lecker. „Unser Senfei“ eher seltsam. Er ließ jedenfalls an meinem Galatisch einige Fragen zurück. Da hätte mir eine traditionelle Version ohne Kartoffelsalat unten drin schon fast besser gefallen. Die Seezunge – auf die ich erst gar keine Lust hatte – war hingegen fantastisch. Die Zitrusaromen und die kleinen feinen Kapern waren eine Klasse für sich. Aber Geschmack ist nun mal etwas sehr Persönliches. Und Meckern ist auf diesem Niveau auch nicht ganz fair.

hauptsache wein diskussion konflikt frauenEs gab auch hitzige Diskussionen.

diergardt gin tonicDer Abschluss des Menus polarisierte etwas. Dieser Gang war beschrieben als „Gin/Tonic mit Gurke in der Zitrone“. Mich erinnerte es eher etwas an Caipirinha. Es hat mir trotz einiger Kritik von anderen sehr gut gefallen. Ich hätte dieses Gericht nur als einen erfrischenden Zwischengang serviert (also vor dem Entrecote, das dafür dann etwas wuchtiger im Bereich Rindfleisch). Aber evtl. hat man in der Küche ja vermutet, dass einige die Nacht noch durchmachen wollen. Dafür passend. Doch für mich hieß es jetzt schnell „Out of Hattingen“. Ein großes Kompliment geht an das Team von Diergardt’s . Neben einer Hochzeitsgesellschaft wurden wir als Hauptgäste bewirtet. Das war kreativ und sehr freundlich. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und empfehle dieses Restaurant gerne weiter.

Treffen in Bochum und Hattingen: Statt Doppelpass gab es zwei Tage Spaß. Neben dem Wiedertreffen langjähriger Weinfreunde habe ich einige sehr interessante und freundliche Menschen in meinem Umkreis hinzugewonnen. Zudem war es bei Diergardt’s gastronomisch hervorragend, am Currywurststand war es sehr unterhaltsam und im Five recht beschwingt. Also, ein schönes und abwechslungsreiches Wochenende mit dem Exekutivkomitee von Hauptsache Wein. 50 aus 10.000!

Da die Ereignisse um die Ruhr 2010 ganze drei Mal in Gesprächen auftauchten, möchte ich zum Weiterlesen diesen Artikel zum Weintrinken auf der Autobahn empfehlen. Auch mit Riesling von der Mosel. Mindestens der Prüm und der Batterieberg waren damals auch dabei.

Aufruf zur Weinrallye 110: #Chardonnay

Montag, 1. Mai 2017

weinrallye international chardonnay dayBei der Weinrallye mit der Nummer 110 hätte man sicherlich auch etwas Gutes mit dem Notruf machen können. Irgendwie so nach dem Motto „Wein trinken bis der Arzt kommt“. Oder eben „mörderisch gute Weine“. Die Palette an Ideen ist hier riesig. Aber es soll anders sein. Es geht um Chardonnay. Keine ABC-Waffe in Anspielung an „Anything But Chardonnay“. Der Hintergrund ist einfach: Am 26. Mai ist der International Chardonnay Day. Diese Weinrally soll diesmal etwas Doppeltes sein: Sie soll die Grenzen des deutschen Sprachraums durchbrechen.

Nun erwarte ich nicht wirklich englisch-, französisch oder gar spanischsprachige Beiträge bei dieser Runde der Rallye. Fänd ich zwar außerordentlich schön, aber unwahrscheinlich. Vielmehr finde ich es spannend mit dem #Chardonnay auf allen Kanälen mit voller Kraft, also bei facebook, twitter, instaram and so on an diesem Tag die internationale Weinszene aufzumischen. Denn der deutsche Sprachraum ist der einzige, in dem eine Weinrallye funktioniert. Und das schon über 100 Runden sehr erfolgreich. Bald werden es 10 Jahre sein.

Doch was ist eigentlich Chardonnay? Es ist die zweitmeist angebaute Weißweinrebsorte weltweit (Platz 1 in dieser Statistik ist jedoch nicht der Rede wert). Die eingangs erwähnten ABC-Trinker mögen sie nicht. Chardonnay ist biegbar. Die Rebsorte wächst fast überall auf der Welt und passt sich leicht unterschiedlichen Gegebenheiten an. Und – das will ich hier keineswegs unterschlagen – es gibt sehr viele belanglose Weine aus Chardonnay. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Chardonnay ist vielfältig. Und einige der größten Weißweine dieser Weinwelt bestehen aus dieser Rebsorte. Fangen wir im alten Europa an.

Chardonnay aus Frankreich

Ich bin mir gar nicht sicher mit welcher großartigen Region ich in Frankreich beginnen soll. Wahrscheinlich ist es aufgrund der Geschichte eher angebracht mit dem Burgund zu starten. Hier ist die historische Wurzel dieser Rebsorte. Schon allein die Geschichte der Entstehung des Namens ist interessant, weil sie in gewissem Wiederspruch zu dem heutigen Image für das diese Rebsorte steht. Eine Diestel, ein kleines Dorf und ein paar Mönche später spielen darin eine wichtige Rolle. Fast alle Weißweine aus dem Burgund bestehen aus Chardonnay. So gut wie nirgendwo steht es auf dem Etikett. Egal ob Meursault, Pouilly-Fuisse, Vire-Clesse, der erdige Saint-Veran oder Chablis: Immer Chardonnay! Und das ist ganz unterschiedlich. Selbst bei nur einer Rebsorte im Mikrokosmos des Burgunds.

Ein guter Meursault ist lange in Holz gereift und passt gut zum Hummer. Pouilly-Fuisse hat häufig auch viel Holz gesehen. Örtlich ganz nahe und trotz aller Traditionen im Burgund als Appellation recht jung erstrahlt der Vire-Clesse recht frisch und beschwingt fruchtig. Ganz anders der Saint-Veran. Auch der hat seine Fans in der Weinwelt. Und dann ist erst noch der Chablis. Hier prägen die Muschelkalkböden den Wein. Bei einem guten Chablis muss ich immer an eine sonnengegerbte trockene weiße Muschel mit rauer Oberfläche denken die ich als Kind am Mittelmehr gefunden habe. Nehmt so etwas mal in den Mund. Aber auch vor allem im Bereich Petit Chablis gibt es Winzer die etwas viel Holz einsetzen. Beim Grand Cru und Premier Cru ist das fast ausschließlich sehr zurückhaltend und gekonnt.

Frankreich mit dem Burgund, der Champagne und noch mehr

Bevor ich mich verrenne. Weiter mit (naja eigentlich nicht) der zweiten wichtigen Region für Chardonnay in Frankreich. Rebsorten werden auch in der Champagne in der Regel nicht auf die Flaschen geschrieben. Drei Rebsorten gibt es hier. Zwei sind zweifelsfrei nobel. Die kennen wir auch schon aus dem Burgund: Pinot Noir und Chardonnay. Dann gibt es noch den Pinot Meunier. Das ist wörtlich die Müllertraube. Klingt erst mal nicht gut. In Deutschland nennt man das Schwarzriesling. Diese Rebsorte hat aber mit Riesling so viel gemein wie der Goldriesling aus Sachsen oder der Rote Riesling den man ab und zu im Rheingau sieht. Pinot Meunier ist im klassischen Champagner-Cuvee der Gegenspieler des Chardonnays. Der Chardonnay ist das Gerüst. Frisch und strahlend beschwingt leicht fruchtig. Die Müllerrebe hingegen schmückt eher breit aus.

Doch der historisch eher abwertende Ruf den Pinot Meunier schwindet in den letzten Jahren. Und ich habe auch schon ein paar sehr schöne Champagner nur aus dieser Rebsorte verkostet. Doch eigentlich soll es hier ja um den Chardonnay gehen. Immer wenn Blanc de Blanc auf dem Etikett steht, ist dies in der Champagne ein reiner Chardonnay. Logisch, denn die anderen beiden Rebsorten sind ja rot. Und dieser kommt sehr häufig aus den besten Lagen der Champagne. Eine Kuriosität am Rande: Die Champagne ist einer der wenigen Regionen der Welt in der für den Rose weißer mit rotem Wein gemischt wird.

Oder aus Deutschland?

Doch weiter in der Welt. Ja erst mal Europa. Deutschland, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland … . Klar hier gibt es auch überall Chardonnay. Mit einigen Ausnahmen ist das häufig eher mittelmäßig. Es würde mich freuen, wenn bei dieser Rallye viele Teilnehmer die seltenen guten Weine aus Chardonnay dieser Länder finden.

In Deutschland hat das DWI seit sehr langer Zeit den Riesling und den Spätburgunder auf den Sockel der noblen Rebsorten gehoben. Richtig so! Es geht um das Profil, welches man international prägen will. Auch der VDP forciert erstmal mit den Großen Gewächsen den Riesling. Dann noch den Spätburgunder. Eher lokal ist das gefolgt von Silvaner, Weißer Burgunder und Grauer Burgunder. Dann noch Lemberger (Württemberg), Frühburgunder (Ahr), Traminer (Saale-Unstrut) und – ahaaa – Chardonnay (Baden). Bernhard Huber aus Malterdingen scheint hier die wichtigste Adresse zu sein. Ein großer Hype. Und sonst noch? Oder lasst die Leser an deiner Begeisterung für diese Weine teilhaben.

Was bleibt von der Welt des Chardonnays?

Australien und Neuseeland schienen mir ganz unterschiedlich bezüglich der Rebsorte Chardonnay interessant zu sein. Die besten Weißweine aus Australien bestehen aus Chardonnay. In Neuseeland wird der Rebsorte vom Sauvignon Blanc heftig Konkurrenz gemacht. Man denkt ja bei Chardonnay häufig an Übersee (eben weil die Rebsorte bei den noblen Weinen aus Frankreich nur selten auf dem Etikett steht).

Genauso spielt sie eine wichtige Rolle in Süd- und Nordamerika. Chile und Argentinien sind aus meiner Sicht – zumindest bei deutschen Import bei weißen Weinen – fast ausschließlich mit Chardonnay bestückt. Da gibt es sehr einfache Weine, ein recht interessantes Mittelfeld und eine Spitze, die ich bislang noch nicht erforscht habe. Ähnlich sieht es in der USA aus, die man auch bei diesem Thema keineswegs auf Kalifornien reduzieren darf. In Südafrika ist der Chardonnay auch sehr wichtig.

Nun, das waren einige Ideen und Anregungen worum es sich bei dieser Weinrallye drehen könnte. Hier sind sicherlich einige Lücken und meine Präferenzen sind wahrscheinlich etwas offensichtlich. Bitte seid so frei die Lücken möglichst umfangreich zu schleißen. Dies ist der Geist dieser Veranstaltung. Seid kreativ. Versucht nicht irgendjemandem zu gefallen. Sondern, macht euer Ding bei dieser Weinrally. Am 26. Mai geht es rund um die Welt. Oder eben auch um hiesigen Chardonnay.

Zum Schluss eine kleine Top 10-Liste der häufigsten Anbauländer der Rebsorte Chardonnay (Stand 2010):

1. Frankreich
2. USA
3. Australien
4. Italien
5. Chile
6. Südafrika
7. Spanien
8. Argentinien
9. Moldawien
10. Neuseeland

Neuseeland hat da in den vergangenen Jahren bestimmt aufgeholt. Und aus Frankreich kommt mehr als 20 mal so viel Chardonnay wie aus Deutschland. Unser Land liegt recht abgeschlagen hinter der Ukraine, Ungarn, Russland und Bulgarien. Aber noch vor Österreich. Das sind jedoch nur Mengenangaben. Mit Qualität hat das recht wenig zu tun.

Also überrascht die Weinwelt am 26. Mai. Nehmt einen Chardonnay-Klassiker oder etwas absolut Unbekanntes. Prahlt nicht nur mit teuren Weinen herum, sondern erzählt eure Geschichte mit einem Chardonnay. Wie wäre es mit einem Gaumenschmeichler aus Moldawien? Wenn ihr den denn findet. Oder eine kleine Granate aus den USA? Auch interessante Chardonnays aus unserem Land fände ich doch sehr spannend. Und wie bei jeder Runde der Weinrallye: Durchbrecht Vorurteile. Es gibt so viel in dieser Weinwelt mit dem man überraschen kann.

Weinrallye #108: Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese

Freitag, 31. März 2017

juliusspital-wurzburger-stein-rieslingEs ist wieder einmal Weinrallye. Stefan von Baccantus hat das Thema Süßweine ausgerufen. Nachdem ich bei der letzten Runde mich an zahlreichen Vorurteilen abgearbeitet hatte, gibt es jetzt schon wieder einen Bocksbeutel aus Franken. Man merke: Zwei unterschiedliche Rallyethemen und bei mir selbe Region und Flaschenform. Es geht nun um eine Auslese vom Würzburger Stein aus der Rebsorte Riesling. Der Erzeuger ist das allseits beliebte Juliusspital.

Wer das Juliusspital nicht kennen sollte: Dies ist tatsächlich auch ein Spital mit 365 Betten in Würzburg. Doch die Weinproduktion ist mir eine liebere Sache. Im Juliusspital werden jährlich ca. 60 verschiedene Weine erzeugt. Mit 172 Hektar bewirtschafteter Rebfläche und über einer Millionen Flaschen im Jahr ist es eines der größten Weingüter Deutschlands. Doch die Größe darf keinesfalls von der Klasse des Juliusspitals ablenken. Viele sehr bedeutende Lagen werden bewirtschaftet. Darunter eben auch der Würzburger Stein. Diese etwas wärmere Lage in Franken eignet sich ganz gut für GGs oder restsüße Weine.

Und da sind wir beim Rallyethema. Die nun zur Verkostung angestellte Auslese ist mit dem Jahrgang 2015 jetzt noch extrem jung. Solche Weine kann man recht lange lagern. Ihre Rebsorte Riesling ist nur die zweit wichtigste beim Juliusspital. Mehr als doppelt so viel Silvaner baut dieses Weingut an. Die Auslese kommt mit einem Schrauber daher. Dieser ist beim Juliusspital erfreulicher Weise sehr verbreitet. Ich weiß gar nicht, ob überhaupt dort noch anders verschlossen wird.

Juliusspital Würzburger Stein Riesling Auslese verkostet

Knack, Knack, Flasche ist offen. Der Riesling zeigt sich in einem dunkleren Strohgelb im Glas. In der Nase sind vollreife Früchte. Im Zentrum steht eine saftige Physalis neben reifem Pfirsich. In der zweiten Nase ist Quittengelle mit saftiger Birne. Dezent ist im Hintergrund eine Pink Grapefruit. Man riecht schon, dass die Trauben sehr reif waren. Natürlich kann man die Restsüße eines Weines nicht riechen, aber der Eindruck entsteht schon in der Nase. Am Gaumen merkt man über die Textur die hohe Restsüße. Dann kommt tatsächlich auch etwas Süßes. Aber die sehr präsente Säure lässt diese Auslese sehr frisch erscheinen. Das macht Spaß. Die Länge ist hervorragend mit einer verspielten Mandarine, bei der man merkt, dass es eine Zitrusfrucht ist.

wuezburger-stein-riesling-ausleseDie Flasche kommt jetzt aber nach einem Probeschluck wieder in den Kühlschrank. Da ist jetzt ein Elchtest angesagt. Mal schauen, wann diese Auslese aus dem Würzburger Stein umfällt. Für 17 Euro ist die 0,5-Liter Flasche ein richtiges Schnäppchen. Zu den Silvanern und Rieslingen vom Juliusspital will ich noch erwähnen, dass ich die Iphöfer Weine eigentlich bevorzuge. Die sind aus meiner Sicht – in den niedrigeren Prädikaten – häufig etwas verspielter und schlanker. Sicherlich: Prestigeträchtiger ist der Würzburger Stein. Hier habe ich mal vor ca. 7 Jahren die Lage umfangreich verkostet.