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Exekutivkomitee Hauptsache Wein: Tief im Westen…

Dienstag, 23. Mai 2017

hauptsache wein bochum… wo die Sonne verstaubt. Ist es besser. Also in Bochum und auch Hattingen. Mit etwas Regen und klarer Sonne. Hier traf sich vorgestern das Exekutivkomitee der Gruppe Hauptsache Wein. Ungefähr 50 aus 10.000. Zwei Tage mit vielen Begegnungen. Einige der Teilnehmer kenne ich real schon über 10 Jahre. Andere kenne ich digital genauso lange, habe die aber noch nie zuvor gesehen. Das zweitägige Treffen wurde von der Weingruppe Porto Bocho sehr gut organisiert. Euch vielen Dank! Es folgt eine Chronologie der Ereignisse in drei Akten.

1. Five Pop Up

five hauptsache wein bochumAm Freitag war der Bratwurststand im Bermuda3eck in Bochum als Treffpunkt avisiert. Aufgrund einiger Regentropfen ging es dann gleich weiter ins Five. Dieses war zum Gruppentreffen von Hauptsache Wein zur Popup-Weinbar umgestaltet worden. Die Weinliste war unglaublich lang und mit vielen Größen vor allem aus deutschen Landen quer durch die Anbauregionen bestückt. Das Treffen war ungezwungen und auch viele der unbekannten Gesichter blieben dies bei heiterer Stimmung nicht lange.

keller kirchspiel hauptsache weinHier gab es zudem einiges zu lachen (Sorry sieht auf dem Bild etwas anders aus – falscher Moment). Auch wegen dem Keller.

prüm himmelreich riesling kabinettDer Joh. Jos. Prüm aus dem Graacher Himmelreich hatte mir sehr gut gefallen. Präzision im Ausdruck, Handwerkskunst, verständliche und lokal zuordnungsbare Tradition. Und es war auch wegen Riesling Kabinett schon eine gute Einstimmung für das große Bratwurstessen am Folgetag. Dieser Weinstil sollte ohnehin als UNESCO-Weltkulturerbe gelten.

hauptsache wein verkostungsergebnisse
Einige Verkostungsergebnisse.

2. Currywurst-Kabinett-Competition

currywurst riesling kabinett„Geste ine Stadt, wat macht dich da satt? Ne Currywurst. Ach gebnse mal zwei.“ Und für meinen Weinfreund noch eine dabei. Und noch einen Riesling Kabinett dazu. Jedenfalls wenn man mit diesen Leuten unterwegs ist. Die Kombination von Riesling Kabinett und Currywurst ist eigentlich gar nicht so provokant, wie es zuerst klingt. Bei der Currywurst ist – wie der Name schon sagt – Curry der Hauptgeschmacksträger. Zu einem indischen Curry gibt es zwei klassische Weinempfehlungen: Gewürztraminer (Südtirol oder Elsass mit etwas Restsüße) und eben einen Riesling Kabinett. Am liebsten in der historisch bekannten Version von der Mosel. Der Restzucker nimmt die Schärfe etwas zurück und die Frucht spielt mit den Aromen der Speise. Problemfelder können im Bereich TomateXSäure oder SchärfeXAlkohol liegen. Soweit die Theorie. Nun zur Praxis.

riesling kabinett immrich batterieberg
1. Gang
Riesling Kabinett Immich-Batterieberg (Mosel) wirkt recht frisch und schlank zur Currywurst.

riesling kabinett bockstein nik weis
2. Gang
Riesling Kabinett Nik Weis Bockstein (Mosel) – eine meiner Lieblingslagen – passt gut zur Currywurst.

riesling kabinett prüm himmelreich
3. Gang
Riesling Kabinett Joh. Jos. Prüm Graacher Himmelreich 2012 (Mosel) ist eigentlich etwas zu gut für diese Currywurst. Schmecken tut es trotzdem.

burger riesling kabinett
Es gab Abtrünnige. Ein Verräter der Bochumer Currywurst mit einem amerikanischen Burger mit Speck. Sieht trotzdem sehr lecker aus. Doch es geht weiter im Programm.


4. Gang
Riesling Kabinett Haart Goldtröpfchen (Mosel) wirkt hier recht beschwingt fruchtig mit der Currywurst.

riesling kabinett günther steinmetz brauneberger juffer
5. Gang
Riesling Kabinett Günther Steinmetz Braunberger Juffer 2105 (Mosel) präsentierte sich mit der Currywurst erstaunlich medizinal.

riesling kabinett kupp ayl
6. Gang
Riesling Kabinett von Othegraven Kupp 2015 (Mosel) empfand ich als angenehm frisch und fruchtig.

3. Dinner in Diergardt’s Kühler Grund als Gruppentreffen von Hauptsache Wein

diergardt hattingen rotwein Als wäre man nach 6x Currywurst mit Riesling Kabinett von der Mosel nicht schon satt und stramm genug, ging es zum eigentlichen Gruppentreffen von Hauptsache Wein. Da gab es ein Flying Dinner in elf Punkten. Dazu hatte jeder mindestens eine Flasche hervorragenden Wein mitgebracht. Teilweise konnte man blass werden. Doch schnell zum Essen: Ich fand die auf Rügen gereifte Salami genial. Ich mache an der Ostsee in der Nähe jedes Jahr eine Woche Urlaub. Diese Salami brachte mir schon mal einen kleinen, feinen und so schönen Vorgeschmack.

diergardt hauptsache weinHier einzelne Weine hervorzuheben wird der Veranstaltung nicht wirklich gerecht. Und ein echtes Thema ist für mich das Matching von Wein und dem Essen. Das ist wichtiger als große Namen auf dem Etikett. Zum Essen: Das „Frikassé von Pintadin (keines Perlhuhn) & Kalbsbries“ war etwas Understatement. Der Spargel „Primavera“ war auch sehr lecker. „Unser Senfei“ eher seltsam. Er ließ jedenfalls an meinem Galatisch einige Fragen zurück. Da hätte mir eine traditionelle Version ohne Kartoffelsalat unten drin schon fast besser gefallen. Die Seezunge – auf die ich erst gar keine Lust hatte – war hingegen fantastisch. Die Zitrusaromen und die kleinen feinen Kapern waren eine Klasse für sich. Aber Geschmack ist nun mal etwas sehr Persönliches. Und Meckern ist auf diesem Niveau auch nicht ganz fair.

hauptsache wein diskussion konflikt frauenEs gab auch hitzige Diskussionen.

diergardt gin tonicDer Abschluss des Menus polarisierte etwas. Dieser Gang war beschrieben als „Gin/Tonic mit Gurke in der Zitrone“. Mich erinnerte es eher etwas an Caipirinha. Es hat mir trotz einiger Kritik von anderen sehr gut gefallen. Ich hätte dieses Gericht nur als einen erfrischenden Zwischengang serviert (also vor dem Entrecote, das dafür dann etwas wuchtiger im Bereich Rindfleisch). Aber evtl. hat man in der Küche ja vermutet, dass einige die Nacht noch durchmachen wollen. Dafür passend. Doch für mich hieß es jetzt schnell „Out of Hattingen“. Ein großes Kompliment geht an das Team von Diergardt’s . Neben einer Hochzeitsgesellschaft wurden wir als Hauptgäste bewirtet. Das war kreativ und sehr freundlich. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und empfehle dieses Restaurant gerne weiter.

Treffen in Bochum und Hattingen: Statt Doppelpass gab es zwei Tage Spaß. Neben dem Wiedertreffen langjähriger Weinfreunde habe ich einige sehr interessante und freundliche Menschen in meinem Umkreis hinzugewonnen. Zudem war es bei Diergardt’s gastronomisch hervorragend, am Currywurststand war es sehr unterhaltsam und im Five recht beschwingt. Also, ein schönes und abwechslungsreiches Wochenende mit dem Exekutivkomitee von Hauptsache Wein. 50 aus 10.000!

Da die Ereignisse um die Ruhr 2010 ganze drei Mal in Gesprächen auftauchten, möchte ich zum Weiterlesen diesen Artikel zum Weintrinken auf der Autobahn empfehlen. Auch mit Riesling von der Mosel. Mindestens der Prüm und der Batterieberg waren damals auch dabei.

Weinrallye #109: Barbarie-Ente mit Riesling und Bourgueil

Freitag, 28. April 2017

barbarie ente weinFür mich ist Ostern immer ein kleines Weihnachten. Dieses mal habe ich etwas sehr einfaches gekocht. Das sieht evtl. etwas anders aus. Es ist eine Barbarie-Entenbrust mit Reis. Das erinnert irgendwie an eine Weihnachtsgans. Zugleich ist das Gericht etwas im Stil von Fusion: Also traditionell französisch mit asiatischem Einfluss. Als Soße habe ich etwas Klassisches mit Orange, ein Mango-Chutney und die beliebte Ente-Süß-Sauer-Soße vom Asiaten. Dazu gibt es zwei Weine. Trotz Ostern: Das ist hier eine Weinrallye und kein Eierlauf.

Zu dieser Runde der Rallye hatte Dorit Schmitt vom Blog Aromenspiele aufgerufen. Unter dem Titel „Meine kulinarische Ostergeschichte“ fragt sie: „Was hat es Ostern bei Euch zu essen gegeben und welches Getränk habt ihr dazu gewählt?“ Zur Barbarie-Ente gibt es nicht nur ein Getränk. Das liegt auf der Hand. Zwei Weine will ich zu diesem Essen testen, die mir als passend erscheinen. Zum einen ist da ein Bourgueil. Wer das nicht kennt: Hierbei handelt es sich um einen Rotwein aus Cabernet Franc von der Loire. Auf der anderen Seite habe ich einen klassischen Riesling Kabinett von der Mosel mit 9% Alkohol.

Barbarie-Ente gebraten

Doch erst einmal muss das Essen zubereitet werden. Das geht fix und ist nicht kompliziert. Bei der Ente werden erstmal die wenig noch vorhandenen Federnreste und Holme entfernt. Ich bin da etwas sehr penibel. Dann wird auf die Hautseite ein schönes Rautenmuster mit dem Messer eingeritzt. Ohne Öl oder Fett geht das dann in die kalte Pfanne. Auf der Haut wird mit ansteigender Temperatur das Fett aus der Barbarie-Entenbrust ausgelassen. Das muss man etwas beobachten. Die Fettschicht ist auch eine Geschmacksfrage und die Haut sollte knusprig werden.

Dabei wird der Reis gekocht. Ich bin von schlechten Qualitäten in den letzten Jahren sehr enttäuscht und kaufe nur noch eine Marke. Das ist diese orangene Packung mit dem dunkelhäutigen Mann drauf. 10 Minuten im Kochbeutel finde ich ziemlich praktisch. Und dieser Reis gelingt auch bei 9 oder 11 Minuten. Falls jemand da die Nase rümpft, empfehle ich mal einen geheimen Blick in die Küchen der gehobenen Gastronomie. Da ist Convenience inzwischen recht weit verbreitet. Vorgegarten Mikowellenreis dieser Marke kaufe ich jedoch nicht.

barbarie riesling bourgueilIch will gar nicht so lange mit der Zubereitung des Essens hier verbringen. Als Anhänger des Küchenweins verkoste ich die beiden Zeitgenossen mal schnell solo.

Joel Taluau und Thierry Folzenlogel Bourgueil Passion 2013

Helleres Rubinrot mit leicht bräunlichem Einschlag ist im Glas sichbar. Der Bourgueil hat eine Kräuternase mit Nelken, Muskat und Zimt im Hintergrund. Fruchtige Hagebutte dann. Am Gaumen ist dieser Rotwein frisch und lebendig. Eine reife Sauerkirsche geht in den dezent würzigen Nachhall.
Jahrgang: 2013
Alkohol: 12,5 %
Einkaufspreis: 10 €
EAN: 3512242011081

Dr. Loosen Riesling Kabinett Rothlai 2015

Ein helleres Strohgelb ist hier im Glas. Die reife Birne mit Pfirsich und typischem Moselschiefer in der Nase. Eine zweite Nase wirkt nach einem reifen Früchtekorb. Frische Säure am Gaumen, die durch die Restsüße gut abgefedert ist. Dieser Riesling wirkt etwas wie Mineralwasser Medium. So tänzelt die Säure am Gaumen. Schiefermineralik dann auch im Nachhall. Der Dr. Loosen ist eine runde Sache. Nur der Vollständigheit erwähnt: Dieser Riesling ist eine Erzeugerabfüllung und stammt aus der Selektion Alexander von Essen.
Jahrgang: 2015
Alkohol: 9,5 %
Einkaufspreis: 12 €
EAN: 4022214162639

Die Weine zur Barbarie-Ente

Lassen wir die Aromen spielen! Doch welcher passt besser zur Barbarie-Ente? Beide genauso gut. Beim Bourgueil hatte ich erst wegen der Gerbstoffe etwas Bedenken. Aber es geht. Doch eines ist wichtig. Man muss diese Weine jeweils mögen. Denn sie sind schon recht eigenwillige Zeitgenossen. Beide sind typisch für ihre (Sub-)Region und für den dort gepflegten Weinstil. Diese Weine plätschern nicht nur menübegleitend vor sich hin, sondern setzen Akzente. Doch so will ich das. Das Essen hingegen bleibt typisch und wird nicht unterjocht.

Der eigentliche Nachweis welcher Wein für mich besser passt und auch besser ist, sieht man am Füllstand der Flaschen. Das ist wie bei jeder Party. Einfach mal schauen, was die Leute lieber getrunken haben. Da überzeugt der Franzose von der Loire. Das ist eher ein Bourgeil. Diese Art von Rotweinen halte ich für sehr gastronomisch. Sie machen Appetit und nicht so schnell satt.

barbarie-ente gelungenUnd beim Essen stelle ich fest, dass die Barbarie-Ente recht gut gelungen ist. Der Zeitplan geriet etwas in Verzug, da die Fettschicht doch etwas dicker war. Dicker jedenfalls als ich es bei diesem Erzeuger gewohnt bin. Wahrscheinlich ist das eine Auswirkung der Vogelrippe. Zwar sind es Brüste von Freilandenten, jedoch waren auch diese wahrscheinlich etwas weniger an der frischen Luft als sonnst. Bei den Ostereiern gab es ja fast schon einen Engpass, jedenfalls bei der Freilandware.

P.S.: Eigentlich dachte ich hier jetzt regelmäßig zu kochen und Weine dazu zu präsentieren. Aber irgendwie ist das ziemlich anstrengend. Kochen, Fotos machen und zugleich auch noch einen Artikel zu schreiben ist etwas viel auf einmal. Und ich will ja auch das Essen genießen. Trotzdem: Diese Rallye hat sehr viel Spaß gemacht. In der nächsten Runde werden wir hier der Gastgeber sein. Das Thema ist dann zum Internationalen Chardonnay Tag am 26. Mai natürlich Chardonnay. Da darf auch gekocht werden. Muss aber nicht.

Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis

Donnerstag, 25. Februar 2016

Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf GewürzreisBei mir gibt es jetzt eine Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis und natürlich den passenden Wein dazu. Anlass ist die heutige Weinrallye mit dem mit dem Thema „Wein und Speisen“. Aufgerufen dazu hat der Blog Einfachwein. Und es gibt noch einen zweiten Anlass. Und zwar gab es auf dem Vinocamp vor zwei Jahren einen Stand der Elsässer Weine. Mit dabei waren Gewürz-Gimmicks, für Fachhändler zum Anhängen an die jeweiligen Weinflaschen. Darin waren Gewürzmischungen mit einem Rezept und die passende Weinempfehlung.

Gewürzreis
Eine gute Idee – wie ich finde – zumal ich das Elsass als eine Region kennen gelernt habe, in der Wein und Speisen einfach zusammengehören. Das Gewürz heißt passender Weine „Festival der Sinne“. Ich habe mir das Rezept mit dem Titel Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis ausgesucht. Dazu wird ein Pinot Gris empfohlen. Natürlich aus dem Elsass. Besorgt habe ich mit den Wein von Schlumberger Les Princes Abbes. Es war der erste den ich hier in Münster im Handel gefunden habe. Der Jahrgang ist 2013, was bei Elsässer Weinen als aktuell zu bezeichnen ist. Man vermarktet in aller Ruhe, was ich sehr schätze.

Doch nun zum Herd. Es soll ja ums Essen gehen und nicht nur um den Wein. Das Rezept habe ich etwas geändert. Die Mengenangaben waren für mich etwas anders besser.

Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis

Zutaten für vier Personen:

2 TL Gewürz Festival der Sinne (riecht nach Kurkuma, man kann sich da bestimmt etwas einfallen lassen)
4 Hühnerbrüste (ich habe Hähnchenbrüste genommen, was so ungefähr auf das Selbe herauskommt)
4 Stifte 1*1 cm von der Mango (da reicht ganz locker eine Frucht)
250 g Basmatireis
Salz
Butter
Kerbel (ich hab nur wegen der Optik Petersilie genommen, Kerbel passt bestimmt besser)

Die Zubereitung

Als erstes werden die Hühnerbrüste geklopft. Dann wird der Mangostifft in die leicht gesalzenen Hühnerbrüste eingerollt. Ich habe dafür ein Stück von einem Bratenschlauch genommen. Es soll wohl auch Frischhaltefolie gehen. Da bin ich mir nur nicht sicher wie hitzebeständig diese ist. Das kommt dann ich Alufolie. Die so entstandene Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern wird nun pochiert. Das heißt die Packen kommen für 15 Minuten in Salzwasser, welches die Zeit ca. 70 Grad haben soll. Als genauer Hobbykoch würde ich gerne ein Thermometer haben, aber eben nicht kochend heiß und wärmer als lauwarm.

wein und speisen
Wenden wir und nun dem Gewürzreis zu. Basmatireis braucht ca. 8 Minuten. Diesen habe ich mit ca. 600 ml sehr warmen Wasser übergossen. Aufgekocht und die 8 Minuten ohne Deckel weiter köcheln lassen. Wenn dann noch Wasser übrig ist, sollte man das abgießen. Dann etwas Butter in den Topf und die Gewürzmischung. Fertig ist der Gewürzreis.

Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis und Wein

Nun wird die Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern ausgepackt und in einer Pfanne von allen Seiten angebraten. Durch das pochieren sind es in sich feste Rollen geworden. Nach dem Braten kann man diese leicht in Scheiben schneiden und auf dem Reis drapieren. Und fertig ist die Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis.

Fruchtige Hühnerbrust mit Mangokern auf Gewürzreis mit passendem Wein

Dazu wird dann der Wein gereicht. Der an sich schon ziemlich stoffige Pinot Gris schmeckt hier dann recht frisch. Dabei ist das Gericht gar nicht so deftig. Aber es passt sehr gut und ist schmackhaft. Das entschädigt für die Mühen beim Kochen und gelichzeitigem fotografieren. Getrennt macht ja beides Spaß. Eine Frage stellt sich mir nur an die ganzen GenussBlogger. Wie schafft ihr es nur, dass das Essen nach der Fotosession noch warm ist?

Schlumberger Pinot Gris Mangokern
Ein kleiner Nachtrag: Beim Wegräumen der Flasche fiel mir noch die Kennzeichnung des Restzuckers auf. Der Pinot Gris von Schlumberger ist ja an der Grenze zwischen trocken und halbtrocken. Etwas mehr Restsüße wäre bei dem Essen sicherlich durchaus für den Genuss noch förderlich gewesen. Diese Kennzeichnung findet man übrigens häufig im Elsass. Ich finde das Klasse. Zum einen sagt dies mehr aus als einfach nur “trocken” oder “halbtrocken”. Zum zweiten stehen da nicht nur Analysewerte.

Amountanage aus Luberon, viel mehr als ein Hirtenwein

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Amountanage aus Luberon viel mehr als ein Hirtenwein
Wieder einmal habe ich einen Rotwein aus Luberon im Glas. Hier gibt es nicht selten richtig guten Wein zum günstigen Kurs. Und diesmal ist es ein roter Biowein von Marrenon. Dieser besteht aus selektierten Lagen am Luberon-Massiv. Der Boden besteht hier aus kalkhaltigem Geröll. Für den Amountanage werden 60% Syrah und 40 % Grenache verwendet. Seinen Namen verdankt er einem regionalen Begriff für den Almauftrieb durch Hirten, der bei er Schaftzucht im Luberon noch immer Verwendung findet. Das Etikett des Amountanage zeigt dies.

Amountanage aus Luberon verkostet

Im Glas zeigt sich der Amountanage aus Luberon von Marrenon in einem dunklen und dichten Rubinrot. Ich habe diesen Wein dekantiert, was ihm durchaus gut tut. Gerade dadurch eröffnet sich ein wunderbarer Cassiston in der Nase. Dieser wirkt aber gar nicht marmeladig. In der zweiten Nase sind bei diesem Luberon Pflaumen und eine feine Würze. Der Gaumen ist schön trocken. Die Säure gut eingebunden. Seine Länge wirkt harmonisch nach. Der Amountanage ist alles andere als ein einfacher Hirtenwein. Vielmehr schmeckt er ausgezeichnet zu gebratenem Lamm. Gerade seine Beerenfrucht und zugleich noch etwas Frische passt hervorragend zu diesem würzigem Fleisch. Große Klasse beim Hirtenwein und viel Spaß im Glas für schlappe 8 Euro!

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?

Mittwoch, 17. Juni 2015

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Bei all dem ganzen Wein auf der Vinexpo kann man sich wirklich fragen: Was wollen wir Essen 5 Tage lang? Eigentlich hat man so viele Termine, viele stehen auf Weinmessen völlig unter Strom, so dass das Essen eigentlich nur noch Nahrungsaufnahme ist. Die Vinexpo hat hier – eigentlich in französischer Tradition, in der Speisen mit Wein kombiniert sind und auch in mediteraner Kultur, die das ähnlich handhabt – eine andere Lösung parat.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Man kann auf dieser Weinfachmesse in Bordeaux tatsächlich auf seine Genüsse kommen. Eigentlich ist es sogar schwer etwas zu finden was irgendwie stinkt oder mit Geschmacksverstärkern verseucht ist. Das Showcooking im „L’Atelier Food & Wine“ veranstaltet in Kooperation von Gault Millau und der Vinexpo zeigt unterhaltsam und präzise wie exzellente Küche mit hervorragenden Weinen kombiniert werden kann. Ich habe mich gestern von Virginie Basselot vom Saint James in Paris bekochen. Die Präsentation der Weine übernahm Sommelier Micael Morais. Dieser empfahl Chateau Saint-Piere aus Saint-Julien aus den Jahrgängen 2002 und 2009. Fisch und Rotwein geht doch.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Virginie Basselot vom Saint James in Paris

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Sommelier Micael Morais

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Insgesamt gibt es auf der Vinexpo 16 dieser hochwertigen Kochveranstaltungen. Aus Deutschland wurde keine geringeren als Thomas Bühner und Sommelier Sven Oetzel vom Restaurant La Vie in Osnabrück für dieses Projekt gewonnen. Aber es waren auch Spitzenköche aus Belgien und den Niederlanden beteiligt. Mir hat daran sehr gefallen, dass hochwertig und sehr gut abgestimmt die Kombination von Speisen und Wein erlebbar ist. Zudem gab es die Möglichkeit vom Publikum Fragen zu stellen und Anmerkungen zu geben. An der Qualität dieser Diskussionen zeigt sich für mich, dass diese Veranstaltungsreihe sehr fruchtbar ist und sich wahrscheinlich auch für die Spitzenköche und Sommeliers lohnt, da es ein detailliertes Feedback vom Fachpublikum gibt.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Aber auch jenseits des offiziellen Programms zeigt sich auf der Vinexpo, dass auch bei Großveranstaltungen eine gute Verpflegung möglich ist. Und dies in allen Kategorien. So stehen am Ufer des Sees hochwertige Restaurants zur Verfügung. Die habe ich nicht getestet, wobei ich es sehr entspannend finde zu wissen, dass es auf der Messe genügend Besucher gibt, die diese Angebote wahrnehmen und auch reichlich Zeit mitgebracht haben.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Aber auch der eher schnellere Genuss ist möglich. Es kann eigentlich alles so einfach sein. Das sehen die Stände mit Baguette belegt mit Schinken bis Foie Gras. Der Preis dafür beginnt bei ca. 5 Euro, was für die Qualität durchaus günstig ist. Für asiatische Besucher gibt es auch eine Speisemöglichkeit die ich aber nicht genutzt habe. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass bei der Internationalität, die die Stadt Bordeaux ausstrahlt die durchaus lohnenswert ist.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Eine Idee hat mich aber wirklich begeistert. Da steht alle fünf Messetage der Austern-Truck. Die Idee ist genial. Hier wird FastFood zu StreetFood. Der Unterschied ist ziemlich einfach: Während das erste häufig nur Bähh ist, glänzt Street Food mit Ideen. Es geht um den mobilen und urbanen Menschen der – anders als in der Urlaubsgastronomie wo es Restaurants reicht, die Besucher nur einmal auf den Arm zu nehmen – auch an die Orte wieder kommt und deswegen selektiert. Das ist aus meiner Sicht der Kern der Veränderung von FastFood zu StreetFood.

Vinexpo: Was wollen wir Essen, 5 Tage lang?
Der Austern-Truck offeriert 6 Austern und ein Glas Wein für 6 Euro. Als Wein gibt es einen Entre-deux-Mers. Eine schöne Kombination. Das Angebot wird von den Besuchern dem entsprechend sehr umfangreich angenommen. Die Vinexpo ist in den Kategorien Qualität, Ideenreichtum, Vielfallt und beim Thema Essen und Wein ganz weit oben mit dabei. Wer hier nicht aus seine Genüsse kommt, dem ist nicht mehr zu Helfen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in Bochum

Sonntag, 29. Juli 2012

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumIn einigen gehobenen Restaurants gab es in den vergangen Wochen Menüs, in denen Speisen mit korrespondierenden Weinen des Anbaugebiets Rueda angeboten wurden. In der Orangerie im Stadtpark von Bochum hat sich der Küchenchef Michael Hau dazu entschieden, nicht typisches Essen aus Spanien für diese Weine zu kreieren. Vielmehr wird seine eigene Küche mit diesen weißen Weinen zusammengeführt. Originär spanische Gerichte gibt es im eigenen Haus schon in der Bodega Escalera. Und so kombiniert Hau in fünf Gängen mehrere frische und einen nicht ganz so frischen Verdejo aus Rueda mit Fischgerichten.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumAls erfrischenden Einstieg in das Menü gibt es einen Sherry. Dieser sehr helle Manzanilla mit seiner leicht salzigen Art und dezenten Walnüssen im Nachhall stellt einen sehr schönen Aperitif dar. Dazu gibt es fünf verschieden gebackene Brotteile. Besonders gefällt mir das ein Brot-Warte-Teil mit einer roten weichen Innenmasse und Mohn drüber. Die Farbe ist durch Paprika entstanden. Schon dieser kleine Wartesnack erhöht aufgrund seiner Raffinesse die Erwartung auf das Rueda-Menü ungemein. Eine danach gereichte Platte mit drei kleinen Köstlichkeiten ist ebenso ein schöner Zeitvertreib. Da gibt es Schrimps in Kartoffelschaum, schön gerollten Lachs und einen Basilikumwürfel.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumNach diesem kleinen Vorspiel besteht der tatsächlich erste Gang aus einem Matjes. Genauer ist dies ein Neuer Matjes, der auf Rote-Bete-Graupen liegt dann von einem geröstetem Rosinenstuten abgedeckt wird. Darauf ist wiederum Matjestatar, auf dem eine weitere Schicht Stuten liegt. Als Dekoration dient glasierte Petersilie. Das ist recht kreativ und schmeckt auch vielen Leuten, die nicht unbedingt Matjes-Fans sind. Dazu wird ein Marques de Riscal Blanco gereicht. Dieser frische Wein passt sehr gut zu dem Fisch. Der Weißwein aus Rueda besteht jedoch nicht nur aus Verdejo, sondern auch aus Sauvignon Blanc. Das ist die zweite bedeutende Rebsorte in diesem spanischen Anbaugebeit. Der Reiz des dieses Gangs kann man in den eher gesetzten Aromen des Stuten und dem frischen Fisch- und Weingeschmack finden.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumKüchenchef der Orangerie im Stadtpark Bochum Michael Hau

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer zweite Gang besteht aus einem Meerbarbenfilet. Dieser im warmen küstennahen Salzwasser lebende Fisch ist in Olivenöl mit Zitronen-Tymian gegart. Dabei liegen Schmortomaten, Fenchel und Oliven. Der Fisch ist extrem köstlich. Dazu wird der Verdejo Nievas Los Navales aus dem Rueda gereicht. Der saftige Fisch harmoniert mit seiner leichten Salzigkeit sehr gut mit dem Wein. Einzig das Öl sollte nicht so sehr mit ihm in Berührung kommen. Aber Öl ist ja ein grundsätzliches Problem. Der hier ausgeschenkte Verdejo stammt von wurzelechten Reben. Der Weinberg des Los Navales wurde vor 150 Jahren angelegt. In der Nase ist bei diesem Wein eine breitere Stachelbeere. Der Gaumen wird beim Los Navales von einer intensiven Frucht mit Orange geschmeichelt. Dieser zweite Gang ist schon ein früher Höhepunkt des Menüs.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumAls dritter Gang wird ein Ananassorbet aufgetischt. Das scheint erst etwas deplaziert in der Reihenfolge des Menüs zu sein. So sieht ein Sorbet doch etwas wie ein Nachtisch aus. Doch die Restaurantleiterin der Orangerie in Bochum Britta Minder erläutert, dass es eine alte Tradition zu dieser Anordnung in Frankreich gibt. Der Hintergrund liegt darin, dass vor dem Hauptgang der Geschmack noch einmal Neutralisiert werden soll. Das köstliche und erfrischende Ananassorbet wird frisch mit Verdejo aufgegossen. Verziert ist es von einer kleinen Blume aus karamellisierter Ananas. Ein Gang der sehr viel Spaß macht und Körper und Geist belebt. Vor allem an warmen Tagen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDen vierten Gang kann man als Hauptgericht bezeichnen. Er besteht aus Seetäufelbäckchen in Pumpernickel gebraten. Dies liegt auf Leipziger Allerlei mit Safranspaghetti. In diesem Gang werden also recht viele Ursprünge zusammengefasst. Besonders begeistert hier, wie das ursprünglich aus Westfalen stammende Pumpernickel mit einem Atlantikfisch kombiniert. Dazu wird ein Verdejo von Jose Pariente gereicht. Das besondere an diesem Weißwein aus Rueda ist, dass er im Barrique ausgebaut ist. Bei diesem Verdejo sind Vanille und Briochenoten in der Nase. Er wirkt recht fett am Gaumen.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumBei der Kombination von Wein und Speisen kann man mehrere Wege finden. Einer besteht in der Abarbeitung von Gegenpolen bei ähnlicher Geschmacksintensität. Ein anderer Weg kann darin bestehen, bestimmte Komponenten der Speise zu betonen. Bei den „Seeteufelbäckchen in Pumpernickel gebraten auf Leipziger Allerlei mit Safranspaghetti“ spielt der Verdejo aus Rueda besonders auf das Pumpernickel an. Das klingt erst einmal seltsam. Denn dieser Wein sprengt viele Vorstellungen selbst von Weinkennern. Die Barriquenoten spielen geradezu mit den Aromen die durch Maillard-Reaktion und Karamellisierung im Pumpernickel entstanden sind. Michael Hau brilliert mit dieser Kombination.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer fünfte Gang und himbeerige Abschluss ist ein wahrer Gaumenschmaus. Bei der reichen Kombination erstaunt die Vielfalt, die man mit Himbeeren erzeugen kann. Obschon es auch es auch süße Weine in Rueda gibt, ist es schwier hier etwas Passendes zu finden. Und so kann man ganz entspannt darüber nachdenken, welche Speisen einem persönlich gefallen haben, welche Weine besonders gut waren und wie die Kombination aus eigenem Empfinden gelungen waren. Mir persönlich haben besonders die Meerbarben, das Annanassorbet und ganz hervorgehoben die Seeteufelbäckchen gefallen. Jedoch waren alle Gerichte durchdrungen von Kreativität.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumBei den Weinen hat mich der wurzelechte Nievel Los Navales und der Jose Pariente barrica sehr positiv überrascht. Beide präsentieren eine eher ungewöhnlichere Seite von Rueda. Gerade das ist ihr Verdienst. Auch wenn man Barrique-Weine nicht mag, in der Speisenkombination war dies eine Klasse für sich. Und man kann sich fast schon sicher sein, dass man von der Orangerie in Bochum und von Michael Hau in Zukunft noch einiges hören wird.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumÜber Verdejo konnte man auch einiges lernen. So ist gar nicht so bekannt, dass diese Weine nicht nur eine Mode des letzen Jahrzehnts sind, sondern in Rueda eine lange Geschichte des Weinbaus besteht. Das zeigt zum einen der wurzelechte Los Navales. Er bringt wesentlich mehr Tiefe ins Glas, als bislang vermutet. Zugleich ist das Anbaugebiet Rueda in Deutschland bekannt für seine jungen, trockenen und frischen Weißweine. Dass es dort eben auch süße Weine oder Verdejo mit Fassausbau gibt, mag für viele neu sein. Gerade der Jose Pariente barrica entfaltet einen Reiz durch seine Alterung.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumSicherlich ist eine Präzision des Produkts immer gut für das Marketing einer Region. Beim Wein könnte man von einem engen Geschmackskorridor reden. Der fassausgebauten Vedejo von Jose Pariente verdeutlicht jedoch die hohe Haltbarkeit entsprechend gut angebauter Weine in Rueda und zeigt damit ihren Wert. Zugleich ist diese Vielfalt der Weine auch die Basis eines Weinmenüs. Mit ein und demselben Geschmackstyp kann man nur schwer ein 5-Gänge-Menü begleiten. Uns so trägt das Menü in der Orangerie in Bochum auch zu Recht den Untertitel „Vielfalt der Verdejo-Traube“.

Rueda-Fisch-Menü in der Orangerie im Stadtpark in BochumDer Abend wurde lang und schön. Ein großes Kompliment geht neben den Weinen aus Rueda an die Orangerie in Bochum. Restaurantleiterin Britta Minder zeigt hier, wie gute Weine einen hervorragenden Platz in der gehobenen Gastronomie finden. Küchenchef Michael Hau bringt Kreativität in die Küche. Die Speisen dieses Rueda-Menüs sind anregend, bieten einiges fürs Auge, passen ausgezeichnet zu den Weinen und vor allem: Alle fünf Gänge schmeckten richtig gut. Gut kochen kann man inzwischen an vielen Orten. In der Orangerie im Stadtpark Bochum fühlt man sich darüber hinaus sehr wohl. Man müsste lange suchen um einen kritischen Punkt zu finden.