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Das Beaujolais entdecken

Das Beaujolais entdeckenMan sollte erstmal einiges vergessen, was man meint vom Beaujolais zu wissen und sich frei machen von einem längst überholten Bild. Denn wenn man in dieser Region zwischen Rhone und Burgund unterwegs ist, sieht man einiges, was nicht zu erwarten ist. Wir werden auf dieser Seite in den kommenden Wochen ausführlich aus dem Beaujolais berichten. Dies tun wir, weil wir davon überzeugt sind, dass diese Region sowie ihre Weine wesentlich mehr positive Aufmerksamkeit verdienen, als ihnen derzeit geschenkt wird. Dabei werden wir von Süden her durch die Appellationen Beaujolais und Beaujolais-Villages durch die 10 Cru des Beaujolais reisen.

Das Beaujolais entdeckenAuf unserer Reise besuchen wir kleine jung-dynamische Wein-Garagen. Zudem sind auf unserem Terminplan angesehene Weinerzeuger verzeichnet. Das ist auch typisch für Frankreich: Zwischen der Größe der bewirtschafteten Fläche, der Geschichte des Weingutes und der Qualität der erzeugten Weine scheint es im Beaujolais keinen deutlichen Zusammenhang zu geben. Wer das erste Mal im Beaujolais ist, wird überrascht sein von der Offenheit der Menschen. Ebenso gibt es hier eine große Palette richtig schmackhafter Weine, die gar nicht so teuer sind. Die Rebsorte Gamay bringt auf unterschiedlichen Böden eine gewisse geschmackliche Varianz tu tage. Da die Bodenvielfalt im Beaujolais recht groß ist, entstehen in den 10 Cru recht unterschiedliche Rotweine.

Das Beaujolais entdeckenDas Beaujolais steckte in einer Krise. Lange Zeit hat man sich in der Region von einem Boom ausgeruht, der in Deutschland nun schon lange vorbei ist. Der asiatische Absatzmarkt ist in den Trends immer etwas zeitversetzt, konnte Mengeverluste nicht vollständig kompensieren und hält auch nicht ewig. Man merkt es bestimmt. Ein bestimmtes Wort wird in dieser Einleitung unserer Artikelserie unerwähnt beleiben. Viel zu lange war nun schon in verschiedenen Publikationen vom „anderen“, „fertigen“, „echten“ oder „richtigen“ Wein aus dem Beaujolais zu lesen. Der schnelle Wein hat aber überhaupt nichts mit dem Qualitätsstreben und der aktuellen Dynamik im Beaujolais zu tun. Zudem scheint die Region selbst inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Weine die wir im Vorfeld der Reise probiert haben, zeugen davon (hier ein kleiner Bericht). Bleibt nur noch das Problem eines angekratzten Images.

Das Beaujolais entdeckenDer Aufbruch ist im Beaujolais nicht zu übersehen. Neue, junge und dynamische Weingüter sind seit wenigen Jahren entstanden. Hier werden die Böden und der Gamay modern interpretiert. Interessant dabei ist, dass im Beaujolais dem viel zu häufig marmeladigen und irgendwie einfach gefällig erzeugtem Überseewein ein paar eigenständige Charaktere gegenübergestellt werden. Zugleich erfüllen diese Charakterweine viele Wunschbedingungen moderner Rotweine. Man hat häufig eine gute frische Säurestruktur kombiniert mit einer feinen Frucht. Die Weine sind eher elegant und schlank als körperreich und fett. Trotzdem häufig auch eine schon relativ junge Trinkbarkeit gegeben ist, besteht eine Lagerfähigkeit bei den Weinen aus den 10 Cru des Beaujolais von 5 bis 7 Jahren. Bei einigen Crus kann man die Weine aus guten Jahrgängen auch nach 20 Jahren noch mit viel Spaß genießen.

Neben den neueren Weingütern, die für den Aufbruch der Region stehen, gibt es größere anerkannte Erzeuger im Beaujolais. Allen voran sind die großen Häuser wie Dauphin oder Louis Jadot (eigenständiger mit dem Chateau des Jacques) zu nennen, die ihr Hauptgeschäft mit Weinen dem Pinot Noir aus dem Burgund machen. Im Marketing für Deutschland und den Rest der Welt schient man derzeit noch nicht sehr viel Vertrauen in das Ansehen des Beaujolais zu haben, bzw. diesbezüglich noch etwas vorsichtig zu sein. Da wird nicht selten auf dem Etikett das Beaujolais-Cru genannt, aber lediglich auf dem Rücketikett taucht recht klein die Region auf. Das ist sicherlich ein Indiz dafür, dass man zwar der Qualität in der Flasche, dem Boden des Beaujolais, den Erzeugern und der Rebsorte Gamay vertraut. Aber auch wenn es einige Zeit noch dauern wird im Ansehen zu den beiden Nachbarn Rhone und Burgund aufzusteigen, die Weine werden auch in diesen Häusern bei 8 Euro aufwärts am Markt platziert.

Das Beaujolais entdeckenDerzeit kann man auch als Weinerzeuger im Beaujolais noch bei null anfangen. Es ist hier tatsächlich möglich fast ohne Kapital, mit eigener Hände Arbeit und ein paar guten Ideen Wein zu erzeugen. Rebflächen kann man pachten, Gebäude gibt’s zu mieten und den Rest bekommt man auch irgendwie geliehen. Gerade viele dieser neuen Weingüter sind auf der Suche danach, wie man die unterschiedlichen Böden des Beaujolais am bestem abbildet und mit der Rebsorte Gamay in die Flasche bekommt. Sicherlich wird der Durchbruch nicht in allen Fällen sofort gelingen. Aber Weintrinker sind probierfreudig. Gerade bei diesen kleinen neuen Erzeugern des Beaujolais sollte man mal die Nase offen und vorurteilsfrei in ein Glas halten.

Die Stationen unserer Entdeckungsreise durch das Beaujolais:
#1 Domaine Chasselay mit Fleurie, Chenas und Cote de Brouilly
#2 Chateau de Cercy mit Chardonnay, Cuvee Marly, Brouilly und Moulin-a-Vent
#3 Jahrgangsbewertung Beaujolais
#4 Chateau de la Chaize mit Brouilly
#5 Chateau de Pizay mit Morgon
… wird fortgesetzt.


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